Das magische Amulett 74: Brenda und der Voodoo-Zauber - Jan Gardemann - E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 74 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten. Wandelnde Tote in New York? Alles beginnt damit, dass ein Mann unschuldig auf dem elektrischen Stuhl stirbt. Zur gleichen Zeit hält Brenda Logan nichtsahnend wissenschaftliche Vorträge im "Big Apple", doch schon bald wird sie, zusammen mit dem FBI-Agenten Ralph Larosa, in ein besonders unheimliches Amulett-Abenteuer hineingezogen. Können die beiden ungleichen Partner die Macht der Voodoo-Priesterin Lilah brechen?

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl:105

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi ohne Limit+” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Jan Gardemann

Das magische Amulett 74: Brenda und der Voodoo-Zauber

Cassiopeiapress Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Brenda und der Voodoo-Zauber

Das magische Amulett Band 74

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten.

 

Wandelnde Tote in New York? Alles beginnt damit, dass ein Mann unschuldig auf dem elektrischen Stuhl stirbt. Zur gleichen Zeit hält Brenda Logan nichtsahnend wissenschaftliche Vorträge im „Big Apple“, doch schon bald wird sie, zusammen mit dem FBI-Agenten Ralph Larosa, in ein besonders unheimliches Amulett-Abenteuer hineingezogen. Können die beiden ungleichen Partner die Macht der Voodoo-Priesterin Lilah brechen?

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Plötzlich wurde der Arzt gepackt. Der Tote auf dem Untersuchungstisch hatte den Arm hochgerissen und seine Finger um den Oberarm des Pathologen gekrallt. Dr. Melitan schrie voll Panik auf. Seine Augäpfel traten vor Entsetzen weit aus den Höhlen. Er wollte von dem Leichentisch zurückspringen. Aber das war nicht möglich, da der Tote ihn mit eisernem Griff festhielt. Da öffnete Eddi Trugger die Augen. Der Arzt stöhnte entsetzt auf. Kalt breitete sich die Todesangst in seinem Körper aus, lähmte seine Glieder und schnürte seine Kehle zu. Noch nie zuvor hatte Dr. Melitan solche Augen gesehen! Der Augapfel, die Iris und die Pupillen waren nicht zu erkennen, denn alles wurde von einem gelben grellen Leuchten überstrahlt. Da zuckte aus den Augen des Toten plötzlich ein gelber Blitz. Er schoss direkt auf das Gesicht des Arztes zu. Der Blitz traf ihn und schleuderte den Pathologen quer durch den Raum. Mit dem Rücken knallte er gegen die Metallklappen der Kühlkammern, Hart stürzte er auf den gefliesten Boden, wo er reglos liegenblieb. Dr. Melitan bekam nicht mehr mit, wie der Tote sich von dem Untersuchungstisch erhob und die Leichenhalle verließ.

1

Eddi Trugger hatte Angst. Er zitterte am ganzen Körper, und Tränen sammelten sich in seinen weit aufgerissenen Augen.

Am liebsten wäre er davongerannt.

Aber das war leider unmöglich. Aus dem kleinen Raum, in dem er sich befand, gab es kein Entkommen. Lebend würde er das Zimmer nicht mehr verlassen, soviel stand fest.

Wenn er die Glastür neben dem Fenster, hinter dem sich die Silhouetten einiger Männer abzeichneten, das nächste Mal passierte, würde er eine Leiche sein und von den Männern hinausgetragen werden.

Obwohl Eddi die harten Pritschen des New Yorker Gefängnisses auf Rikers Island gewohnt war, spürte er den kalten, harten Eisenstuhl, auf dem er hatte Platz nehmen müssen, überdeutlich und schmerzhaft unter sich. Es kam ihm vor, als würde das Eisen in seine Haut schneiden und die Kälte bis in sein Knochenmark dringen.

Der Vollzugsbeamte, ein hagerer Weißer in korrekt sitzender Uniform, machte eine unbeteiligte Miene, als er die Riemen um Eddis Fuß- und Handgelenke legte und festzurrte.

Eddi war jetzt auf dem Stuhl gefangen. Es war ein elektrischer Stuhl. Der Stuhl würde ihn in wenigen Minuten töten.

Der Vollzugsbeamte klebte die Elektroden an Eddis kahlrasierten Schädel und auf die nackte Brust.

»Haben Sie noch etwas zu sagen?«, drang eine raue Männerstimme aus dem Lautsprecher.

Es war einer der Männer hinter der Scheibe gewesen, der in ein Mikrofon gesprochen hatte. Eddi glaubte die Stimme wiederzuerkennen. Sie gehörte dem Mann vom Justizministerium, der zusammen mit dem Gouverneur seinen Tod beschlossen hatte.

»Ich bin unschuldig«, presste Eddi hervor.

Seine Stimme klang verzweifelt und gequält. Am liebsten hätte er die Worte laut hinausgeschrien, damit sie die ganze Welt hören musste.

Die Leute hinter der Scheibe schwiegen.

Eddi wusste, dass ihm niemand glaubte. Seine Schuld war vom Geschworenengericht als erwiesen angesehen worden. Der Einspruch, die Berufung und die unzähligen Petitionen, die er dem Gouverneur geschickt hatte – all das war vergebens gewesen.

Sein Tod war beschlossene Sache.

Eddi wusste auch, dass politische Gründe bei diesem grausamen Beschluss eine Rolle gespielt hatten. Es war Januar und in New York standen die Wahlen kurz bevor. Der Gouverneur musste Härte beweisen, dass er entschlossen war, kein Verbrechen in New York zu dulden, sonst würde er vielleicht nicht wiedergewählt.

Dies hatte Eddis Anwalt ihm gesteckt, nachdem er dem Häftling hatte mitteilen müssen, dass sein Ende unabwendbar war. Der Mann hatte Eddi mit diesen Worten trösten oder gar versuchen wollen, dass er sich besser in sein Schicksal fügen konnte.

Aber das konnte Eddi nicht!

Vielleicht hätte er es gekonnt, wenn er selbst davon überzeugt gewesen wäre, dass er schuldig war. Vielleicht hätte er dann gedacht, dass er den Tod durch den elektrischen Stuhl verdiente.

Aber Eddi wusste tief in seinem Innern, dass er kein Mörder war. Er hatte das Ehepaar, dem das Lebensmittelgeschäft in Brooklyn gehört hatte, nicht erschossen.

Natürlich hatte er Mist gebaut, als er mit einer Maske über dem Kopf und einer Waffe in der Faust in den Laden gestürmt war und von dem alten Mann hinterm Tresen verlangt hatte, ihm den Inhalt der Kasse zu geben. Der Alte hatte keine Angst gehabt. Er hatte Eddi gesagt, dass er ganz ruhig bleiben sollte und er das Geld bekommen würde. Die Frau des Ladenbesitzers war nicht so cool geblieben. Sie hatte gerade neue Ware in ein Regal gepackt und wimmerte und schluchzte, als Eddi ihren Mann mit der Waffe bedrohte.

Der Ladenbesitzer hätte die Kasse aufgemacht und das Geld in die Plastiktüte gestopft, die Eddi ihm über den Tresen hingeschoben hätte.

Die Frau jammerte und sagte im weinerlichen Tonfall, dass ihnen das Geld fehlen würde.

Eddi hatte sie angeschnauzt. Auch er brauchte das Geld dringend. Er hatte zu Hause eine Familie, die er liebte, die er aber nicht mehr ernähren konnte, weil er seinen Job verloren hatte.

Dann waren plötzlich Kerle in den Laden gestürmt. Es fielen Schüsse, und Eddi wurde von hinten niedergeschlagen.

Es ging alles verdammt schnell. Eddi hatte überhaupt nicht mitbekommen, was überhaupt los war. Als er wiedererwachte, schmerzte sein Kopf höllisch. Die Waffe, die kalt und schwer in seiner Hand lag, war nicht mehr dieselbe, mit der er den Laden betreten hatte.

Dann sah er die Frau. Sie lag in merkwürdig verrenkter Haltung am Boden und hatte im Sturz den Inhalt des halben Regals mitgerissen. Ihr Kittel war blutüberströmt. Eddi wusste sofort, dass sie tot war.

Dann hatte Eddi sich benommen aufgerappelt. Er sah den alten Ladenbesitzer, der über dem Tresen zusammengebrochen war. Auch er war tot.

Dann stürmte plötzlich die Polizei herein. Eddi wurde überrumpelt und festgenommen. Unter seinem Pulli hatte sich die Plastiktüte mit dem Geld aus der Ladenkasse befunden. Wenige Stunden später stellten die Leute im Polizeilabor fest, dass die Kugeln, die das alte Ehepaar töteten, aus der Waffe stammten, die Eddi bei sich gehabt hatte.

Aber Eddi hatte nicht auf die beiden Menschen geschossen! Es mussten die anderen gewesen sein, die plötzlich in den Laden gestürmt waren.

Aber niemand glaubte ihm. Und nun saß er hier auf dem elektrischen Stuhl und sollte für etwas hingerichtet werden, das er nicht begangen hatte.

Die Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren war, schnürte Eddi die Kehle zu. Er hatte doch nur etwas Geld besorgen wollen, damit es seiner Frau und seiner kleinen Tochter an nichts fehlte.

Doch Eddi hatte versagt und alles nur noch viel schlimmer gemacht. Nun würde seine Frau in wenigen Augenblicken Witwe werden und seine kleine Nicole würde ihren Vater verlieren: Das ganze Leben würden sie mit der Gewissheit leben, dass er ein Mörder war.

Das war das Schlimmste!

Eddi bäumte sich auf dem Stuhl auf.

Aber es war zwecklos. Die Riemen hielten ihn fest.

»Es ist jetzt soweit!«, sagte der Vollzugsbeamte. »In ein paar Sekunden ist es vorbei.«

Der Mann hatte Eddi nicht angesehen, als er gesprochen hatte. Nun ging er zur Glastür und verließ das Zimmer. Er schloss die Tür und stellte sich neben die Wand. Dort befand sich der große Hebel, der die tödliche Stromladung durch Eddis Körper schicken würde.

Der Mann umschloss mit seinen Fingern den Hebel, und der Regierungsbeamte verlas noch einmal den Schuldspruch.

Hätte Eddi es gewollt, hätte sich auch ein Priester unter den Anwesenden befunden. Aber Eddi hatte den Glauben an Gott verloren. Er hatte ihn in seiner Zelle unzählige Male angerufen, ihn angefleht, die Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren sollte, nicht zuzulassen.

Aber seine Gebete wurden nicht erhört.

Evelyn, seine Frau, hatte bei einem Besuch im Gefängnis zu Eddi gesagt, dass Gott ihn nicht mehr hören würde, weil er gesündigt hatte. Sie glaubte an Eddis Unschuld. Aber sie war auch überzeugt, dass er mit dem Überfall auf den Lebensmittelladen schwere Schuld auf sich geladen hatte. Eine Schuld, die er nun sühnen musste.

Forge, Eddis Zellennachbar, sah das anders. Forge war ein massiger Schwarzer mit Stammesnarben im feisten Gesicht. In seinen dunklen Augen leuchtete es sonderbar. Er war Eddi unheimlich. Trotzdem hörte er ihm gebannt zu, als der Schwarze ihm von Lilah erzählte.

»Sie kann dir helfen«, hatte Forge erklärt und dabei die Stimme geheimnisvoll gesenkt. »Lilah ist eine Voodoo Zauberin. Sie kümmert sich um die, die von Gott verlassen wurden. Lilah wird dir deinen Tod erträglicher machen. Und sie wird dafür sorgen, dass du nicht umsonst gestorben bist.«

An diese Worte musste Eddi nun wieder denken, während der Regierungsbeamte das Todesurteil verlas, das der Gouverneur unterschrieben hatte.

Forge schaffte es tatsächlich, dass Lilah Eddi in der Besucherzelle des Gefängnisses besuchen durfte. Sie kam statt eines Priesters. Erst war Eddi skeptisch. Lilah war eine Schwarze und ungefähr vierzig Jahre alt. Er fand die Frau ziemlich unattraktiv und unsympathisch. Sie war korpulent und unproportioniert, was sie auch unter ihrer weiten dunklen Kleidung nicht verbergen konnte. Lilahs Gesicht erschien Eddi irgendwie zu klein. Unzählige Falten und Runzeln ließen einen unwillkürlich an einen Schrumpfkopf denken. Hinzu kam noch, dass ihr dichtes lockiges Haar bis tief in die Stirn fiel und sogar die Augen fast bedeckte, die listig aussahen und auch böse.

Lilah hatte mit leiser Flüsterstimme gesprochen. Sie hatte ihm versprochen, dass er noch eine zweite Chance bekommen würde.

Unter normalen Umständen hätte Eddi die unheimliche Frau zum Teufel gejagt. Doch ihm stand sein Tod vor Augen. Und er war gewillt, nach jedem Strohhalm zu greifen, der sich ihm bot.

Am Ende des Gesprächs gab Lilah ihm ein Amulett. »Du musst es immer tragen. Dann wird dir geholfen«, hatte sie gewispert. »Du wirst sehen.«

Wenn Eddi gekonnt hätte, hätte er jetzt mit der Hand nach diesem Amulett gegriffen, das an einem Lederband um seinen Hals hing. Aber das ging ja nicht, da er an den elektrischen Stuhl gefesselt war.

Das Amulett war aus Stein und mit tief hineingeritzten, geheimnisvollen Symbolen versehen. Für ein paar Tage und Nächte hatte das Amulett Eddi Kraft und Zuversicht gegeben.

Aber das war wohl nur Einbildung gewesen. An seiner Situation hatte sich durch das Amulett nichts geändert. Auch nicht an der Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren war.

Trotzdem hatte Eddi das Amulett nicht abgelegt. Es lag nun schwer und kühl auf seiner Brust.

Aber das waren auch schon alle Empfindungen, die es bei ihm auslöste.

Lilah war sicherlich nur eine Scharlatanin gewesen, schoss es ihm durch den Kopf.

Dann verdrängte er die Gedanken an die Schwarze. Nicht mit ihr wollte er sich in den letzten Augenblicken seines Lebens beschäftigen.

Eddi schloss die Augen und stellte sich seine Frau Evelyn und seine Tochter Nicole vor.

Er liebte diese beiden Menschen über alles, das wurde ihm schmerzlich bewusst. Und falls er dazu noch in der Lage war, würde er sie vermissen, wenn er tot war.

Eddi lächelte unwillkürlich. Was für ein absurder Gedanke!, dachte er. Wenn ich tot bin, wird nichts mehr existieren ...

»Kraft meines Amtes ordne ich hiermit an, dass das Urteil vollstreckt wird«, drang in diesem Augenblick die raue Stimme des Regierungsbeamten aus dem Lautsprecher.

Eddi kniff fest die Augen zusammen. »Evelyn, Nicole«, flüsterte er. »Vergebt mir.«

Dann legte der Vollzugsbeamte den Hebel um.

Eine tödliche Voltladung jagte durch die dicken Stromkabel, mit denen der elektrische Stuhl verbunden war und löschte Eddis Leben aus.

Knisternd waberten blau leuchtende Entladungen über Eddis sich aufbäumenden, zitternden Körper. Sie erfassten das Amulett und ließen es aufglühen. Dann verschmolz es mit der Brust des Mannes,

Der Vollzugsbeamte kippte den Hebel auf die Ausgangsposition zurück. Eddis Körper erschlaffte augenblicklich. Wie eine leblose Puppe hing er in dem Stuhl, nur gehalten von den Riemen an Armen und Beinen

Der Vollzugsbeamte betrat das Zimmer, trat auf Eddi zu und tastete am Hals des Sträflings nach einem Puls.

»Tot«, stellte er fest und sah kurz zu den Schemen hinter der Scheibe auf.

Die Männer hinter dem Glas nickten zufrieden. »Es ist vorbei«, sagte einer von ihnen.

Aber da irrte er sich. Für Eddi Trugger sollte die Hölle erst noch beginnen ...

2

Als ich, Brenda Logan, das gelbe New Yorker Taxi verließ, schlug mir eiskalter Wind entgegen. Er fuhr unter meinen langen Wintermantel und bauschte ihn auf.

Fröstelnd raffte ich die Aufschläge zusammen und beugte mich zu dem Chauffeur hinab. »Stimmt so«, sagte ich, indem ich ihm ein paar Dollarnoten in die Hand drückte.

Der Fahrer grinste zufrieden und tippte dann grüßend gegen seine Schirmmütze. Wenige Augenblicke später hatte er seinen gelben Wagen wieder in den hektischen Verkehr eingereiht, wo das Taxi in einer Kolonne aus anderen gelben Taxen verschwand.

Ich drehte mich um und betrachtete das monumentale Gebäude, vor dem mich der Taxifahrer abgesetzt hatte. Darüber spannte sich ein eisgrauer Winterhimmel, der so weit und tief war, dass selbst eine Stadt wie New York darunter klein und unbedeutend erschien.

In dem alten Gebäude vor mir war das Brooklyn Museum untergebracht. Es war bekannt für seine altägyptische Sammlung und beherbergte in seinen massigen Mauern mehr als 1,5 Millionen Exponate. Es konnte also durchaus mit dem British Museum in London mithalten, wo ich als Archäologin und Amulettforscherin arbeitete.

Aber nun war ich in New York im Auftrag des British Museums.