Das magische Amulett #81: Im Rausch des Bösen - Jan Gardemann - kostenlos E-Book
Beschreibung

Das magische Amulett Band 81 Roman von Jan Gardemann Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten. Professor Sloane, Direktor des British Museums, benimmt sich seit einiger Zeit merkwürdig. Er will nicht gestört werden und reagiert sehr ungehalten, wenn jemand sein Büro betritt. Brenda Logan, die Amulettforscherin, beobachtet dann auch noch zufällig, dass er Personen ein Amulett übergibt und sich deren Verhalten plötzlich ändert. Dem will Brenda auf den Grund gehen und gerät dabei in tödliche Gefahr...

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Seitenzahl:103

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Jan Gardemann

Das magische Amulett #81: Im Rausch des Bösen

Cassiopeiapress Romantic Thriller

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Im Rausch des Bösen

Das magische Amulett Band 81

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten.

 

Professor Sloane, Direktor des British Museums, benimmt sich seit einiger Zeit merkwürdig. Er will nicht gestört werden und reagiert sehr ungehalten, wenn jemand sein Büro betritt. Brenda Logan, die Amulettforscherin, beobachtet dann auch noch zufällig, dass er Personen ein Amulett übergibt und sich deren Verhalten plötzlich ändert. Dem will Brenda auf den Grund gehen und gerät dabei in tödliche Gefahr...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Plötzlich gewahrte ich das mysteriöse Leuchten in den Augen des Professors. Sie schienen wie von innen heraus zu glühen. Erschrocken atmete ich tief ein. Da ergriff der Professor die linke Hand des Mädchens und legte ihr einen kleinen Gegenstand hinein, den ich nicht genau erkennen konnte. Verwundert schaute das Mädchen auf ihre linke Hand hinab - und im selben Moment huschten glimmende Irrlichter über ihren bloßen Arm. Zuckend und tanzend verschwanden die Irrlichter unter den düsteren Klamotten des Mädchens, das wie elektrisiert auf der Parkbank hockte und sich nicht rührte. Wie gebannt hatte ich das unheimliche Schauspiel verfolgt. Als ich nun aber mein Augenmerk wieder auf den Professor richten wollte, musste ich feststellen, dass er bereits wieder fort war ...

1

»Was ihr hier seht, wird der Schatz von Mildenhall genannt.«

Harriet Parthons Stimme verlor sich fast in der großen Ausstellungshalle im ersten Stock des British Museums. Den Rücken den hell erleuchteten Vitrinen zugewandt, stand die junge Lehrerin vor ihren Schülern und ließ den Blick unstet von einem Kind zum anderen schweifen. Die Schüler, alle etwa vierzehn und fünfzehn Jahre alt, waren sehr unruhig und unkonzentriert. Mit ihrer piepsigen, fast ein wenig kläglich klingenden Stimme hatte Harriet Parthon keine Chance, sich gegen das Gemurmel und Gekicher ihrer Schüler zu behaupten.

»Unter einem Schatz stelle ich mir aber etwas ganz anderes vor!«, rief Mike Farrow. Er war genauso groß wie Harriet, hatte einen massigen, widerstandsfähigen Körper und besaß eine viel sprachgewaltigere Stimme als seine Lehrerin. Mike war ein notorischer Unruhestifter, und er ließ keine Gelegenheit aus, seiner Lehrerin ihre Hilflosigkeit immer wieder vorzuführen. Gegen Mike Farrow kam Harriet einfach nicht an. Mit seiner tiefen Stimme übertönte er spielend jedes Wort, das Harriet an die Klasse richtete. Von Zurechtweisungen und Drohungen ließ der Junge sich schon gar nicht beeindrucken. Sie reizten ihn nur zu wahren Wortgefechten, denn Mike war ein ziemlich phantasievoller Bursche, der seine Kreativität allerdings hauptsächlich dafür verwendete, seine Lehrerin runterzuputzen.

»Ein ganz gewöhnlicher Bauer war es, der den Schatz 1942 beim Pflügen entdeckte«, fuhr Harriet mit ihren Erläuterungen fort und hoffte dabei inständig, dass Mike das Interesse an einem Streit verlieren würde.

»Was faseln Sie eigentlich andauernd von einem Schatz!«, rief Mike wieder dazwischen und zerstörte damit Harriets Hoffnung, die Museumsführung ohne die üblichen Streitereien zwischen ihr und Mike beenden zu können. »Außer verbeultem Geschirr ist in dieser blöden Halle doch nichts ausgestellt. Hätte der Bauer seinen Müll nicht auf einer Deponie entsorgen können?«

Die Schüler lachten, und Harriet spürte, wie ihr die Zornesröte ins Gesicht stieg. Mike schaffte es immer wieder, sie mit seinen Zwischenrufen aus der Fassung zu bringen. Wie immer in solchen Situationen fragte Harriet sich ernstlich, ob sie nicht den falschen Beruf gewählt hatte.

Überhaupt hatte Harriet in ihrem Leben viele falsche Entscheidungen getroffen, daran musste sie nun unwillkürlich denken. Besonders bereute sie es, dass sie sich von John Wulf getrennt hatte, den sie über alles liebte ...

Harriet wischte die Gedanken verärgert beiseite. Sie wünschte sich so sehr, Mike Farrow endlich einmal Paroli bieten zu können. Aber alle Versuche, gegen den Jungen anzukommen, waren bisher kläglich gescheitert.

»Der Schatz!«, rief Harriet betont streng und mit bebender Stimme, »besteht aus vierunddreißig silbernen Geschirrteilen und stammt aus dem 4. Jahrhundert nach Christi Geburt.«

»Für Gold hat es den Leuten damals wohl nicht gereicht«, bemerkte Mike spöttisch. »Meine Mutter hat auch Besteck aus Silber. Ich werde ihr vorschlagen, es dem British Museum zu stiften.«

Eine Lachsalve brandete durch den Saal, und Harriet ertappte sich dabei, wie sie sich in der Halle verstohlen umblickte. Es wäre ihr sehr peinlich gewesen, wenn ein Fremder die Szene mitverfolgt hätte und Zeuge von Harriets Unfähigkeit geworden wäre. Doch, Gott sei Dank, war Harriet mit ihrer Klasse allein in dem Saal. Vormittags hielten sich sowieso nur wenige Touristen in dem Museum auf.

Harriets Stimme wurde noch um eine Spur schriller, als sie nun fortfuhr: »Das bedeutendste Stück dieses Fundes stellt diese Silberschale dar.« Harriet ging seitlich zu einer besonders hohen Vitrine, in der eine reichverzierte Silberschale ausgestellt war. Die junge Lehrerin deutete mit ausgestrecktem Arm auf das Ausstellungsstück und musste dabei verärgert feststellen, dass ihre Hand so sehr zitterte, dass es den Schülern unmöglich entgehen konnte.

»Diese Schale wird auch The Great Dish genannt!«, rief Harriet mit überschnappender Stimme. »Die Figuren auf dieser Silberschale stellen den Weingott Bacchus und andere Gestalten aus der römischen Mythologie dar, die alle ...«

»Achtung!«, rief Mike plötzlich und klang dabei wirklich besorgt und alarmiert. »Wenn Ihre Stimme noch schriller wird, Mrs. Parthon, kann es passieren, dass die Glasvitrinen zerspringen. Das würde den Alarm auslösen. Die Polizei wird uns einsperren, weil jeder glaubt, wir wollten den uralten Blechmüll klauen.«

Nun waren die Schüler nicht mehr zu halten. Sie lachten hemmungslos und kreischten vor Vergnügen. Der Lärm hallte gnadenlos von den Saalwänden wider, und Harriet befürchtete, dass er über das nahegelegene Treppenhaus sogar bis in den Eingangssaal zu hören war.

Zornig und in ohnmächtiger Wut ballte Harriet ihre zierlichen Fäuste. Hasserfüllt starrte sie Mike an, der ihren vernichtenden Blick jedoch eher zu genießen schien. Ein kaum wahrnehmbares, überhebliches Lächeln umspielte seine Lippen und signalisierte Harriet unmissverständlich, dass sie gegen Mike mal wieder verloren hatte.

Da legte sich von hinten plötzlich eine Hand auf Harriets Schulter. Mit einem erschrockenen Aufschrei fuhr die junge Frau herum und starrte direkt in das bärtige Gesicht eines Mannes, das von einem grauen Haarkranz gekrönt wurde. In den blauen Augen funkelte es, als würde tief in den Augäpfeln eine geheimnisvolle Glut lodern.

»Wer ... wer sind Sie?«, stammelte Harriet und betrachtete den seltsamen Mann argwöhnisch, der einen ziemlich ausgefallenen Modegeschmack zu haben schien. Er trug ein feuerrotes Jackett und eine schwarze Hose, die sehr weit geschnitten war. Besonders auffällig war die knallgrüne Krawatte, die mit ihrem giftigen Farbton deutlich zwischen dem Revers des feuerroten Jacketts hervorstach.

»Es ist völlig gleichgültig, wer ich bin«, erwiderte der Mann leise und geheimnisvoll. »Hier geht es nur um Sie, Harriet!«

Die Lehrerin blinzelte verwirrt. Sie hatte den Mann gar nicht kommen hören, was auch nicht weiter verwunderlich war, da sich Harriets Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Schüler gerichtet hatte. Trotzdem fand es Harriet mehr als sonderbar, dass der Mann sich ausgerechnet an den Vitrinen vorbei gequetscht hatte, um sich hinter ihren Rücken zu schleichen. Wollte er sie etwa verspotten und der Erniedrigung, die sie durch Mike Farrow erfahren hatte, noch eine Krone aufsetzen?

»Was wollen Sie von mir?«, fragte Harriet gereizt und ärgerte sich darüber, wie brüchig und unsicher ihre Stimme dabei klang.

»Ich will Ihnen helfen«, erklärte der Mann. Plötzlich ergriff er Harriets Hand und legte ihr einen Gegenstand hinein. Verwirrt starrte die Lehrerin auf ihre offene Handfläche hinab. Ein seltsamer Anhänger ruhte darin, der an einer silbernen Kette hing. Es handelte sich um einen nachtschwarzen Obsidian, der zusammen mit kleinen Daunenfedern und Kräuterbüscheln in einer Silberfassung steckte, an der die Halskette befestigt war.

»Ein Amulett!«, wunderte sich Harriet. »Was soll ich damit?«

Fragend blickte sie hoch. Doch der geheimnisvolle Mann, der eben noch vor ihr gestanden hatte, war plötzlich verschwunden. Verwirrt und hektisch sah Harriet sich um. Aber der Fremde war wie vom Erdboden verschluckt.

Da gewahrte die junge Lehrerin plötzlich ein leichtes Kribbeln in ihrer Hand, und als sie unwillkürlich wieder auf das Amulett herabsah, bemerkte sie erschrocken, dass es zu leuchten angefangen hatte. Kleine Irrlichter tanzten um den Obsidian herum, umringten dann auch Harriets Finger und schließlich die ganze Hand.

Am liebsten hätte Harriet das mysteriöse Amulett sofort losgelassen. Aber das vermochte sie nicht. Den Rücken ihren Schülern zugewandt, stand sie wie zur Salzsäule erstarrt da und beobachtete mit wachsendem Unbehagen, wie die Irrlichter, von denen nun immer mehr aus dem Amulett hervorstoben, unter den Ärmel ihrer Bluse krochen und sich kribbelnd über ihren ganzen Körper ausbreiteten. Schon nach einem kurzen Moment hatte Harriet das Gefühl, von den Zehenspitzen bis zu den Haarwurzeln von einer elektrisierenden Kraft durchdrungen zu sein.

Wie unter einem fremden Zwang stehend, streifte Harriet sich nun das Amulett über und ließ es dann unter ihrer Bluse verschwinden. Im nächsten Moment wirbelte Harriet abrupt herum und starrte ihre Schüler streng an.

Das Gelächter und Gejohle wurde plötzlich leiser. Von dem kleinen Zwischenfall hatten die Schüler offenbar nichts bemerkt. Trotzdem spürten sie instinktiv, dass eine Veränderung mit ihrer Lehrerin vorgegangen war.

»Seht euch die Figuren auf dem Great Dish genau an!«, befahl Harriet, wobei ihre Stimme bis in den letzten Winkel der Ausstellungshalle zu hören war. »Morgen werden wir einen Test über den Schatz von Mildenhall schreiben. Eine Aufgabe wird sein, jede Gestalt auf der Silberschale des Great Dish genau zu benennen und die Bedeutung zu umschreiben, die ihnen in der römischen Mythologie zukommt.«

Harriet glaubte ihren Ohren nicht zu trauen. Ihre Stimme hörte sich plötzlich ganz klar und hell an. Spielend füllte sie den Saal aus und hatte das Gelächter der Schüler binnen weniger Augenblicke ganz zum Verstummen gebracht.

Beeindruckt und auch ein wenig eingeschüchtert starrten die Schüler ihre Lehrerin an. Harriet Parthon strahlte plötzlich Autorität und Selbstsicherheit aus. Nur Mike wollte noch nicht begreifen, dass seine Gegenspielerin sich verändert und das Gleichgewicht der Kräfte sich verschoben hatte.

»Der verdammte Bauer, der den Plunder auf seinem Acker gefunden hat, hätte besser daran getan, das Zeug einzuschmelzen«, rief er abfällig. »Er wäre reich dadurch geworden. Und uns hätte er ein paar langweilige Stunden im Museum erspart.«

Einige der Schüler prusteten verhalten. Aber keiner traute sich, laut loszulachen.

»Der Bauer aus Mildenhall war sich darüber bewusst, welchen bedeutenden, einzigartigen Fund er gemacht hatte«, erwiderte Harriet und wunderte sich, wie gelassen und selbstsicher ihre Stimme dabei klang. Der Zwischenruf des Schülers hatte sie überhaupt nicht aus der Ruhe gebracht.

»Wir können uns glücklich schätzen, dass dieser Bauer nicht von so niederen und selbstsüchtigen Beweggründen geleitet wurde, wie offenbar einer eurer Mitschüler. Auf diese Weise ist uns einer der bedeutendsten Schätze Englands erhalten geblieben. Tausende von Besuchern kommen jeden Monat ins British Museum, um den Schatz von Mildenhall zu bewundern.«

Harriet warf Mike einen abschätzenden Blick zu.

»Ich zweifle keinen Moment daran, dass du diesen wertvollen Schatz eingeschmolzen hättest, wenn du der Finder gewesen wärst, Mike«, sagte sie hohntriefend. »Sicher hättest du dir mit dem Silber ein paar tolle Wochen gemacht und alles in kürzester Zeit verprasst. Glücklicher wärst du dadurch sicherlich nicht geworden. Aber unsere Nation hättest du um ein bedeutendes Kulturerbe gebracht.«

Mike war sichtlich verwirrt. Eine so treffsichere und entschiedene Erwiderung hatte er seiner Lehrerin gar nicht zugetraut. Mrs. Parthon hatte Mike vor seinen Mitschülern bloßgestellt. Das wollte er nicht auf sich sitzen lassen.

»Ich bin mir sicher, dass du die Bedeutung des Schatzes von Mildenhall niemals begreifen wirst«, meinte Harriet, bevor Mike zu einer Erwiderung ansetzen konnte. »Du bist eben nur ein einfältiger, nichtsnutziger Bursche, der anderen Leuten das Leben schwermacht und nichts zum Fortschritt der Menschheit beitragen wird.«

Mike starrte seine Lehrerin mit offenem Mund an. Das Blut war aus seinem Gesicht gewichen und seine Lippen bebten. Einige seiner Mitschüler lachten. Aber ihr Lachen klang weder vergnügt noch schadenfroh. Es war ein unsicheres Lachen, das die Verwirrung der Schüler deutlich widerspiegelte.

2

»Hallo, Brenda!«, begrüßte mich Susan Mayfield fröhlich, als ich ihr Büro betrat. Susan war sowohl die Sekretärin als auch die Vorzimmerdame von Professor Salomon Sloane, dem Direktor des British Museum. Sie hatte diesen Job erst vor etwa einem halben Jahr übernommen. Susan war eine nette Person, die eine sprühende Lebensfreude ausstrahlte und mit der ich mich rasch angefreundet hatte.

»Hi, Susan«, erwiderte ich lächelnd. »Wie geht es dir?«

Susan zuckte lahm mit den Schultern und strich sich dann eine Strähne ihres brünetten Haars aus der Stirn. Von ihrer Fröhlichkeit war ihr plötzlich nichts mehr anzumerken.

»Wenn Professor Sloane bessere Laune hätte, würde es mir bestimmt sehr gut gehen«, erklärte sie und lächelte verunglückt.

»Ist der Professor immer noch so unausstehlich?«, fragte ich.

Susan nickte. »Wenn das so weitergeht, überlege ich mir ernsthaft, ob ich mir nicht einen anderen Job suche.«

Verstohlen schielte ich zu der gegenüberliegenden Tür aus solidem Eichenholz, hinter der das Büro des Museumsdirektors lag. Professor Salomon Sloane war eigentlich ein umgänglicher Mann und hatte stets ein freundliches Wort für die Angestellten des Museums übrig. Den Archäologen, zu denen auch ich zählte, ließ der Professor bei ihrer Arbeit sehr viel Freiheit, verlangte im Gegenzug aber auch Aufopferungswillen und Hingabe. Bisher war ich mit dem Professor immer sehr gut ausgekommen. Doch das hatte sich in den letzten Wochen leider geändert.