Das Mysterium der Katalogbräute - Cynthia Woolf - E-Book
Beschreibung

Es ist ein Dieb in Ihrer Mitte auf dem losen, und Rachel will auf den Grund gehen. Infolgedessen erkennt Jason, dass er nicht nur alles tun würde, um Sie zu schützen, sondern vor allem, um Ihr Herz zu gewinnen.

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Das Mysterium

der Katalogbräute

Bräute von Seattle

Buch 1

Cynthia Woolf

DAS MYSTERIUM DER KATALOGBRÄUTE

Copyright © 2019 Cynthia Woolf

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN: 978-1-947075-03-0

INHALTSVERZEICHNIS

DAS MYSTERIUM DER KATALOGBRÄUTE

Copyright

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Epilog

Über Die Autorin

KAPITEL 1

Seattle, Washington-Territorium, 1. August 1864

Jason Talbot nutzte seine enorme Körpergröße, um über die Köpfe der Männer in Dollys Saloon hinwegzuschauen. Es handelte sich um Angestellte der Pope Mill Company oder von Talbot Logging, dem Unternehmen, welches Jason mit seinen vier Brüdern gegründet hatte und seit nunmehr zehn Jahren betrieb.

Es waren gute Männer, zumindest die meisten von ihnen. Gottesfürchtig, wenn auch nicht alle. Manche waren Trinker, manche nicht. Die meisten der Holzfäller waren schon seit der Gründung vor zehn Jahren bei Talbot Logging beschäftigt. Aber jetzt sehnten sich diese Männer nach Ehefrauen. Sie wollten Familien gründen. Und wenn er ihnen keine Frauen bieten konnte, um sie zu heiraten, würden sich diese Männer woanders Arbeit suchen. Er war nicht der einzige Holzfällerbetrieb im Washington-Territorium.

In all seinen 36 Lebensjahren hatte er noch nie so dringend einen Plan gebraucht wie jetzt. Er musste schaffen, was Asa Mercer misslungen war. Er war aufgebrochen mit dem Versprechen, hunderte von Frauen nach Seattle zu holen. Aber als er Mitte Mai zurückkehrte, hatte er gerade einmal zehn Frauen gefunden, die bereit waren, mitzukommen. Jason hatte einhundert im Sinn und seine Schwester würde es ihm ermöglichen. Suzanne würde Anzeigen aufgeben und Neugierde wecken, damit Frauen nach Seattle kamen. Und das Beste daran war, dass er, zusammen mit Adam und Drew, persönlich die Frauen begleiten würde. Jason und seine Brüder waren ansehnliche Burschen mit hübschen Gesichtern und kräftiger Statur, dank der harten Arbeit. Wenn die Frauen sie sahen, groß, dunkelhaarig, gut aussehend, dann würde das hoffentlich ein Anreiz für zahlreiche Frauen sein, mit ihnen nach Seattle zu kommen.

Er klopfte mit dem Hammer auf den Tresen vor ihm. Dolly Hartfield, die Besitzerin, hatte diesen schönen Bartresen mitgebracht, als sie vor sechs Jahren hierhergekommen war und den Saloon eröffnete.

„Ruhe, Ruhe!“, rief Jason über das laute Stimmengewirr hinweg.

Das zweistöckige Gebäude beherbergte im Erdgeschoss den Saloon und darüber Dollys private Räume.

Dolly war keine Schönheit im herkömmlichen Sinne. Sie war blond und üppig, mit einem Muttermal auf der linken Wange. Sie besaß ein Herz aus Gold und niemand würde je versuchen, sie über den Tisch zu ziehen. Sie war die Schulter, die die Männer manchmal zum Anlehnen brauchten.

Im Augenblick saß Dolly auf dem Flur vor ihrem Wohnzimmer und beobachtete das Geschehen unter ihr im Schankraum, mischte sich aber nicht ein.

„Wir brauchen Frauen, Jason. Wir wollen Ehefrauen“, sagte Lester Holden, einer von Jasons Holzfällern. „Wir alle.“

Jason, als Besitzer des Unternehmens, sah sich die Männer an, die im überfüllten Raum alle Stühle besetzt hatten und auch an den Wänden entlang standen. Sie alle nickten.

„Und wie stellt ihr euch das vor, wie wir die Frauen hierher kriegen sollen?“, fragte Alfred Pope, der Besitzer des Sägewerks.

Pope war etwa 15 cm kleiner als Jason und trug stets Anzüge wie ein Dandy. Weißes Hemd, eine Weste mit silbernem Paisleymuster, Schnürsenkel-Krawatte und Anzughosen. Sein Haar war in der Mitte gescheitelt und geglättet. Jason hatte ihn noch nie anders gesehen. Er trug nie karierte Flanellhemden oder Baumwollhosen wie die meisten anderen Männer in Seattle und erst recht keine Wildlederhosen wie Jason.

„Ich habe darüber nachgedacht“, sagte Jason. „Ich schlage vor, wir importieren sie aus Massachusetts. Der Krieg hat nicht viele Männer dort übrig gelassen. Zumindest behauptet das meine Schwester Suzanne, die in New Bedford lebt. Ich werde ihr noch heute schreiben und fragen, ob sie Frauen finden kann, die auf der Suche nach einem Ehemann sind und sich dafür auch auf eine längere Reise begeben würden. Nächste Woche kommt Clancy aus New York zurück, auf seiner regelmäßigen Tour mit der Bonnie Blue. Er kann die Frauen mit der restlichen Lieferung einsammeln und mit dem Schiff herbringen.“

„Das hat Asa Mercer doch auch schon versucht. Wie kommst du darauf, dass du mehr Erfolg hast als er?“, rief Mark Delany aus der hintersten Ecke des Saloons.

„Was schätzt du denn, wie viele Frauen er mitbringen könnte?“, wollte Craig Rowan wissen, einer der Männer vom Sägewerk. Craig war ein klobiger, breitschultriger Mann mit blondem Haar und einem Bart, der sein Doppelkinn verdeckte.

„Einhundert“, erwiderte Jason. „Und es wird mir gelingen, im Gegensatz zu Asa. Denn ich bin ich und ich habe meine Schwester vor Ort. Sie wird die Vorarbeit leisten und Frauen finden, noch bevor Adam, Drew und ich überhaupt da sind.“

Ich habe 250 Männer hier, aber ich kann nicht mehr als hundert Frauen holen. Mehr passen einfach nicht auf das Schiff.

„Das geht nicht“, meinte Clancy Abrams, der Kapitän der Bonnie Blue, und nahm die Pfeife aus dem Mund. Den Kapitänshut, der wahrlich schon bessere Zeiten gesehen hatte, trug er auf seinem grauen Schopf. Sein Gesicht wurde von buschigen Koteletten und einem grauen Bart umrahmt. „Die Bonnie kann nicht die ganzen Frauen und die Vorräte aufnehmen.“

„Tja“, sagte Jason und rieb sich den Nacken. „Dann musst du die Frauen mit allem, was sie unterwegs brauchen, herbringen und dann noch einmal nach San Francisco fahren, um die üblichen Vorräte zu holen, auch wenn das für uns teurer ist. Während wir fort sind, also etwa sechs Monate, soll ein anderes Schiff die regelmäßige Tour übernehmen.“

„Das geht“, sagte Clancy.

„Woher wissen wir denn, welche Frau wir bekommen?“, wollte Russell Corbet wissen, ein großer, dunkelhaariger Holzfäller.

„Gar nicht.“ Jason wusste, dass dies ein Problem sein würde. Er hatte die Idee mit einigen seiner Leute besprochen. Sie wollten sich einfach eine Frau aussuchen und damit war das Thema für sie erledigt. Aber so ging das nicht. „Wir alle werden den Frauen den Hof machen und sie werden dann entscheiden, wen sie nehmen und heiraten.“

„Genau so sollte es auch sein“, sagte Reverend Peabody und blickte sie alle über den Rand seiner Brille an. „Keine der Frauen darf gezwungen werden, jemanden zu heiraten, wenn sie nicht will.“

„Wir zahlen 100 Dollar, um sie hierher zu bringen. Sie sind verpflichtet, uns zu heiraten“, meinte Cy Bailey, ein Holzfäller, der für zwei Dinge bekannt war: seinen breiten Schnauzbart und sein Geschick mit der Axt.

„So wird das nicht funktionieren. Wir kaufen diese Frauen schließlich nicht.“ Jason seufzte und rieb sich erneut den Nacken. Er wusste, dass es schwierig werden würde, aber einige der Männer waren einfach zu blöd, um es zu kapieren. „Wir werden sie fragen, ob sie bereit sind, mitzukommen, in der Absicht, eine Ehe einzugehen, mehr nicht. Wenn eine der Frauen keinen von uns als Ehemann haben will, dann ist das eben so. Euer Geld sorgt dafür, dass wir nach Massachusetts reisen können, um die Frauen herzuholen, sie unterwegs zu versorgen und ihnen hier eine Unterkunft zu bauen, in der sie anfangs wohnen können.“

Er schlug mit dem Hämmerchen auf den Tresen.

„So wird es laufen oder wir lassen es bleiben“, rief Jason über das anschwellende Gemurmel hinweg.

Die Stimmen verstummten.

„Schön. Ich werde also nun meiner Schwester schreiben und den Brief heute noch abschicken. Dann werden Adam, Drew und ich uns auf den Weg nach Massachusetts machen, um die Frauen zu begleiten. Die eine oder andere braucht vielleicht ein wenig Überzeugung, da können wir möglicherweise helfen. Bis wir da sind, kann Suzanne dann aber schon anfangen, für uns Werbung zu machen.“

„Okay, einverstanden“, sagten die Männer. Sie gratulierten sich gegenseitig, klopften einander auf die Schulter und warfen ihre Hüte in die Luft.

„Die Bar ist geöffnet“, rief Dolly von oben und kam dann mit einem eleganten Hüftschwung die Treppe hinunter.

„Danke, dass wir hier unser Treffen abhalten durften, Dolly.“

„Du weißt doch, für dich würde ich alles tun, Jason“, erwiderte sie mit einem anzüglichen Grinsen.

„Ja, ähm, also, danke nochmal.“

Jason machte sich auf den Heimweg und fragte sich, was genau er seiner Schwester eigentlich schreiben sollte. Er verließ den Saloon und betrat die staubige Straße. Sie würden Bürgersteige bauen müssen. Bisher hatten sie nie die Zeit dafür gefunden. Bei jedem heftigen Regenguss bereuten sie diese Nachlässigkeit. Und es regnete sehr oft in Seattle, was die Wege zu schlammigen Pfaden werden ließ.

Der Erfolg der Versammlung eben hatte ihn ermutigt, aber er freute sich nicht gerade auf die lange Reise. Seit Cassies Tod war er nicht mehr in New Bedford gewesen. Er hatte damals seinen Sohn genommen und war Hals über Kopf abgehauen, so schnell das Schiff nur fahren konnte, fort von seinen Erinnerungen. Denen würde er sich nun stellen müssen und das hätte er sich eigentlich lieber erspart.

Sein Haus stand am Hang des Bridal Veil Mountain, von wo er stets sehen konnte, wer auf dem Landweg in ihre Siedlung kam. Aber Dolly konnte vom Balkon ihres Hauses aus den Hafen überblicken. Sie besaß eine Triangel, mit der sie allen signalisieren konnte, sobald ein Schiff in den Hafen lief.

Jedes Schiff, das ankam, hatte Vorräte an Bord, manchmal auch Post und gelegentlich Passagiere. Wenn sie wieder ablegten, waren sie voll beladen mit Holz. Talbot Holz. Für Häuser, Zäune und Dächer. Was auch immer an Holz gebraucht wurde, er und seine Brüder lieferten das Gewünschte, inklusive der Schwellen für den Bau der Eisenbahnstrecken, die ihrem Ort immer näher rückten. Es würde noch Jahre dauern, bis es soweit war, aber Jason war zuversichtlich, dass es eines Tages dazu kommen würde.

Als er sein dreistöckiges Haus erreichte, ging er in die Küche und nahm Tinte, Feder und Papier aus einer Schublade. Er verwahrte dort auch die Geschäftsbücher des Unternehmens. Mit fünf Brüdern unter einem Dach gab es nicht mehr Platz für solche Dinge. Die Schublade reichte außerdem völlig aus.

Die Küche war eine reine Männerküche. Ein Ofen, eine Kühlkiste, ein Waschtrog mit Pumpe, Schränke. Schubladen mit Besteck, Werkzeug und anderem Handwerkszeug. Und die Schublade mit den Unterlagen der Firma. Mehr Schränke. Es gab keine Vorratskammer, also lagerten sie ihre Vorräte in den Schränken, zwischen den Töpfen, Pfannen und Geschirr.

Nachdem er eine Weile nur so da gesessen hatte, auf der Suche nach den passenden Worten, fing er endlich an zu schreiben.

1. August 1864

Liebste Suzanne,

Wie geht es dir, Schwesterherz? All deinen Brüdern geht es gut und sie lassen dich herzlich grüßen. Wir hoffen außerdem, dass du uns bei etwas behilflich sein kannst. Ich weiß nicht, wie ich es formulieren soll. Wir brauchen Frauen. Ehefrauen für unsere Holzfäller und die anderen Männer der Stadt.

Ich möchte einhundert Frauen überzeugen, herzukommen, und ich hoffe, dass du Anzeigen in die Zeitungen setzen kannst, die im Umkreis von New Bedford und bis Boston und New York gelesen werden.

Und das soll drin stehen:

Gesucht werden alleinstehende, gesunde Frauen, die Arbeiter in Seattle (Washington-Territorium) heiraten möchten. Den Frauen stehen hunderte von Männern zur Auswahl. Sollte eine Frau nach einem Jahr keinen Ehemann gefunden haben und auch nicht bleiben wollen, so wird ihr die Rückreise nach Massachusetts oder San Francisco ermöglicht.

Frauen sind die einzige Lösung, Suzanne. Ehefrauen. Meine Männer drohen, abzuwandern. Aber ich brauche sie doch hier. Ich sähe es außerdem ganz gern, wenn deine Brüder auch endlich heiraten würden. Für mich selbst hat sich das allerdings erledigt. Ich hatte Cassie und sie hat mir Billy geschenkt, bevor sie diese Welt verließ.

Du würdest ihn nicht wiedererkennen, liebste Schwester. Er ist neun und hält mich ganz schön auf Trab. Er wächst so schnell wie Unkraut und ist schon 1,40 m groß. Ich würde mich freuen, wenn du ihm ein paar Bücher besorgen könntest. Alles, was wir hier haben, hat er schon mindestens zweimal gelesen. Er interessiert sich sehr für Astronomie und Mathematik. Kannst du dir mich vorstellen, wie ich ihm das beibringe? Ich zeige ihm, so viel ich kann, aber ich hoffe, dass unter den Frauen, die kommen werden, sich auch eine Lehrerin befindet. Auch wenn wir derzeit nur vier Kinder im Ort haben, können wir doch eine Lehrerin gut gebrauchen. Wenn erst einmal Frauen da sind, werden die Kinder auch nicht lange auf sich warten lassen, also werden wir früher oder später auch Lehrer brauchen.

Du kannst den Text für die Anzeige ändern, wie du es für richtig hältst, Hauptsache, die wichtigen Informationen bleiben drin. Ich werde Adam und Drew mitbringen, wenn ich komme. Ich hoffe, du kannst uns alle unterbringen.

Wie geht es meinem grantigen Schwager? Er hält dich auf Trab, nehme ich an. Dein jüngstes Kind, Peter hieß er, glaube ich, wird ja schon drei und redet sicher ununterbrochen, wenn wir in drei Monaten ankommen.

Bis bald.

In Liebe,

Jason

Er las sich den Brief noch einmal durch und war zufrieden mit dem, was er aussagte. Er trocknete die Tinte, faltete ihn und steckte ihn in einen Umschlag, den er an Mrs. Suzanne Pruitt, 2410 Harbor Way, New Bedford, Massachusetts adressierte.

Jason warf einen Blick auf die Uhr auf dem Kaminsims und sah, dass ihm nur noch zehn Minuten blieben, bevor der Kutter Gloriana ablegen würde. Das Schiff würde Holz nach San Francisco bringen und die Post aus Seattle mitnehmen. Von dort aus wurde sie auf Postschiffe nach New York und Boston verteilt. Er musste rennen, um seinen Brief noch rechtzeitig übergeben zu können. Zum Glück ging es bergab zum Hafen.

In zwei Wochen würde auch die Bonnie Blue von Kapitän Clancy ablegen, mit weiterer Post an Bord und reichlich Bestellungen, und mit Jason, Adam und Drew als Passagieren. Das Schiff war ein schlanker Schoner, über 30 Meter lang und neun Meter breit. Damit konnte man eine Menge Baumstämme transportieren. Aber dieses Mal würde ihre Fracht hoffentlich aus hundert Frauen samt Gepäck bestehen.

Jason setzte bei dieser Unternehmung alles aufs Spiel. Wenn es misslang, würde er seine Männer verlieren. Ohne Männer gab es kein Holz für das Sägewerk und damit kein Geschäft. Es durfte einfach nichts schiefgehen.

*****

4. November 1864

Rachel Sawyer saß am Küchentisch ihrer besten Freundin Lucy und las zum wiederholten Male die Anzeige, die sie ihr gegeben hatte. Lucy lebte bei ihren Eltern und wollte das so schnell wie möglich ändern. Dafür hatte Rachel durchaus Verständnis. Lucy hatte es satt, unter der Fuchtel ihres Vaters zu leben. Er war kein netter Mann.

Lucy umfasste ihre Teetasse mit beiden Händen und hörte zu, was Rachel von einem kleinen Zettel ablas.

Heiratskandidatinnen gesucht. Frauen, die bereit sind, nach Seattle im Washington-Territorium zu reisen, finden garantiert einen Ehemann ihrer Wahl. Seattle ist eine Holzfällersiedlung mit über 300 Männern, die sich Ehefrauen wünschen. Wir suchen einhundert unternehmungslustige Frauen, die bereit sind, sich auf das Abenteuer ihres Lebens einzulassen. Kontakt: Jason Talbot. In Vertretung: Mrs. Suzanne Pruitt, 2410 Harbor Way, New Bedford, Massachusetts.

„Heiratskandidatinnen. Ehefrauen, Lucy. Was hältst du davon?“

Sie schnippte mit den Fingern. „Ich sage, wir machen das. Hier finden wir doch im Leben keinen Mann. Die sind alle in den Krieg gezogen. Es sei denn, du hast vor, den alten Mr. Keiper zu heiraten. Der ist immer auf der Suche nach einer neuen Ehefrau.“

Das Bild des fetten, kahlköpfigen Ladenbesitzers erschien vor ihrem geistigen Auge und ließ Rachel erschauern.

„Was ist denn aus den früheren Ehefrauen geworden? Die können doch nicht alle einen Unfall gehabt haben. Ich glaube, er bringt sie um, damit er sich eine neue suchen kann. Ich hätte da mal nachforschen sollen. Das ist mal ein echtes Rätsel. Aber bei dem Kerl habe ich geradezu Angst vor dem, was man da zutage fördern könnte.“

Lucy zuckte mit den Achseln und schüttelte den Kopf. „Ich mache das mit Seattle. Und du solltest das auch tun, anstatt hier den Detektiv zu spielen und Mr. Keipers toten Ehefrauen nachzuforschen.“

Natürlich würdest du das sofort machen, denn du willst endlich aus dem Haus deiner Eltern rauskommen. Und du reist gerne. Der Gedanke an ferne Orte hat dich schon immer gereizt. Und mich irgendwie ja auch. Es stört mich nicht, in der Pension zu wohnen, aber ich möchte auch mal eine eigene Familie haben. Rachel seufzte laut auf. „Ja, ich mache das auch. Ich will nicht hier warten, bis ich so verzweifelt bin, dass ich dann doch noch Mr. Keiper nehme.“

Wenn Ezra sich im Krieg nicht hätte töten lassen, müsste ich mir jetzt keine Sorgen über eine Familie machen. Dann hätte ich jetzt eine. Eine Familie und Kinder. Wenn er mich geheiratet hätte, wie wir es geplant hatten, und dann in den Krieg gezogen wäre, hätte ich vielleicht wenigstens ein Kind von ihm gehabt. Wenn ich nicht etwas ändere, werde ich niemals Kinder haben.

„Oh nein, meine Liebe, das wird niemals passieren.“

Rachel sah ihre Freundin an. Lucy war Irin, mit rabenschwarzem Haar, grünen Augen und blasser Haut. Aber sie besaß nicht das aufbrausende Gemüt, das man ihren Landsleuten so häufig nachsagte. Manchmal nannten sie die Leute schwarze Irin, aber sie hatte nicht die dunklen Augen, die mit einer irisch-spanischen Abstammung einhergingen.

„Ich bin 28, Lucy. Eine alte Jungfer, wie sie im Buche steht. Ich hatte meine Chance mit Ezra. Wir waren über zehn Jahre einander versprochen, seit wir Kinder waren. Ezra wollte warten, bis er mit seinem Medizinstudium fertig war und eine eigene Praxis hatte. Aber dann kam der Krieg. Und er kam nie nach Hause.“

Lucy nahm Rachels Hand. „Das weiß ich doch. Und wenn jemand eine Familie verdient, dann du. Und du bist keine alte Jungfer. Du bist nur zwei Jahre älter als ich und ich weigere mich, von mir selbst in solchen abscheulichen Begriffen zu denken. Es gibt hier keine Männer, die man heiraten könnte. Es ist nicht so, dass du sie abgewiesen hättest. Und Ezra zählt nicht. Der Dummkopf hat sich für den Krieg anstatt für dich entschieden.“

Rachel sah die Wut, die Lucy jedes Mal empfand, wenn der Name Ezra fiel. Sie war wütender auf ihn als Rachel selber.

„Außerdem, sieh dich doch mal an. Du bist wunderschön. Goldblondes Haar, große, veilchenblaue Augen, wie der Himmel am Abend. Wenn es hier Männer gäbe, wärst du nicht allein.“

„Ich weiß nicht. Ezra hat immer gemeint, ich wäre eher schlicht, aber er würde mich trotzdem lieben. Du hingegen bist wirklich wunderschön. Machen wir uns nichts vor. Egal, wie wir aussehen, hier finden wir keinen Ehemann. Die gibt es hier einfach nicht. Dieses Schiff nach Seattle ist unsere letzte Chance, eigene Familien zu gründen. Ich mache da auch mit.“ Sie atmete einmal tief durch. Ein aufgeregtes Kribbeln durchströmte sie. Endlich die Chance auf einen Ehemann und eine Familie. Diese Gelegenheit werde ich nicht verstreichen lassen. Vielleicht finde ich gar die wahre Liebe.

Lucy stand auf und ging zum Tisch in der Ecke der Küche. „Dann ist es beschlossene Sache. Wir schreiben der Frau, dass wir mitkommen wollen.“

Rachel schlug mit der Hand auf den Tisch. „Zur Hölle mit schreiben. Sie lebt hier in New Bedford. Gleich Morgen früh gehe ich zu ihr rüber.“

Lucy setzte sich wieder und hob fragend eine Augenbraue. „Warum bis morgen warten?“

„Weil es heute schon sehr spät ist. Ich will nicht erst im Dunkeln zurückkommen.“ Rachel war nicht gern im Dunkeln unterwegs, selbst in einer ruhigen Stadt wie New Bedford. Es rief böse Erinnerungen hervor an eine andere Nacht, in einem dunklen Flur eines großen Hauses, wo sie als Dienstmädchen gearbeitet hatte. An ein Schlafzimmer. An einen Mann, der sich an sie presste, ihr das Kleid zerriss und sie auf das Bett warf … NEIN! Sie würde jetzt nicht an diese Nacht denken. Du wirst es deinem zukünftigen Ehemann aber sagen müssen, flüsterte eine innere Stimme. Nein, muss ich nicht. Er hat mich nicht vergewaltigt, weil seine Ehefrau zufällig ins Zimmer kam. Ich habe meine Anstellung verloren, aber das war mir nur recht. Danach habe ich in einer Fabrik gearbeitet. Die Bezahlung war nicht so gut und ich musste wieder in die Pension ziehen, aber da war ich wenigstens sicher. Ihre Hände hatten sich so fest um die Tischkante gekrallt, dass die Knöchel weiß hervortraten. Sie entspannte sich, ließ den Tisch los und legte die Hände in ihren Schoß.

„Ich komme mit dir, Morgen früh. Wir können uns eine Kutsche teilen.“

„Einverstanden. Dann sehen wir uns Morgen früh um neun.“

*****

Lucy war pünktlich bei der Pension, mit einer Kutsche. Rachel bat sie gar nicht erst herein, sondern ging gleich zu ihr hinaus.

„Los geht’s.“

Rachel nahm Lucy am Arm und eilte mit ihr zur wartenden Kutsche. Sie würde ihren Eltern erst alles erzählen, wenn sie unterschrieben hatte, damit es kein Zurück mehr für sie gab.

Zehn Minuten später standen sie vor dem Haus von Suzanne Pruitt.

Rachel schluckte schwer. „Bist du bereit?“

Lucy nickte. „Entsetzlich aufgeregt, aber bereit.“

Sie gingen zur Tür und Rachel klopfte entschlossen an.

Eine Frau mittleren Alters, mit grauen Haaren und einer weißen Haube, öffnete ihnen.

„Wie kann ich den jungen Damen helfen?“

„Also, wir … es geht um …“

„Sie kommen sicher wegen der Anzeige, nicht wahr?“

„Ja, Ma'am, das stimmt.“ Rachel verknotete mit den Fingern die Bänder ihres Retiküls vor lauter Nervosität.

„Folgen Sie mir bitte, meine Damen.“

Sie führte sie in einen Salon, wo bereits ein halbes Dutzend Frauen warteten.

„Sind Sie alle wegen der Anzeige hier?“, fragte Rachel die Frau, die ihr am nächsten saß, eine lebhafte Rothaarige. Gleichzeitig fragte sie sich, warum nicht mehr Frauen gekommen waren. Vielleicht hatte die frühe Uhrzeit sie abgeschreckt und sie würden später noch kommen. Sie bemühte sich, möglichst viele Details der anwesenden Frauen wahrzunehmen und sich zu merken. Ein guter Detektiv beobachtete immer sehr genau seine Umgebung.

„Ja, Sie auch?“, fragte die Frau mit dem rotbraunen Haar.

„Ja. Wir haben gestern die Anzeige gelesen. Mein Name ist Rachel Sawyer und dies ist meine Freundin Lucy Davison.“

„Die haben wir auch gelesen. Ich bin Nicole Wescott.“ Sie deutete auf die anderen Frauen im Zimmer. „Das ist Karen Martell, die mit den schwarzen Haaren. Im blauen Kleid, das ist Bethany Van Ness, Charlene Belcher in dem rosafarbenen Kleid, Bertha Corrigan, die Blonde da vorn und Nancy Picozzi ist da drüben, im grünen Kleid.“

“Erfreut, Sie alle kennenzulernen, werte Damen“, sagte Rachel und Lucy gleichzeitig. Sie schauten einander an und lachten.

„Ich bin ein wenig nervös“, gab Rachel zu. Dies war der merkwürdigste Raum, den sie je gesehen hatte. Überall standen Bücherregale, volle Bücherregale. Ihr gefiel der Gedanke, aber woher sollte sie so viele Bücher kriegen? Es gab außerdem ein Sofa und zwei Stühle am Kamin. Das alles gefiel ihr außerordentlich und sie wünschte sich so einen Raum auch für ihr neues Zuhause.

„Das geht uns allen so“, sagte Nicole. „Aber wir alle hoffen, dass noch genügend Plätze für uns frei sind.“

„Guten Morgen, meine Damen“, sagte eine hübsche blonde, hochschwangere Frau. „Ich bin Suzanne Pruitt. Und Sie sind hergekommen, um sich auf die Reise nach Seattle zu machen, zusammen mit meinen Brüdern. Sie sind noch nicht eingetroffen, es wird wohl noch eine Woche dauern, aber wir können in der Zwischenzeit schon mal die Formalitäten erledigen.“

„Wird genug Platz für uns alle sein?“, fragte Lucy.

„Oh, ja. Meine Brüder möchten gern hundert Frauen mitnehmen und Sie sind die ersten, die sich dafür entscheiden.“

Suzanne ging zu einem Tisch, der direkt neben Rachel stand. Sie war sicher, man hatte ihn extra hierher gebracht, damit die Frauen darauf die Verträge unterschreiben konnten. Denn eigentlich passte der Tisch nicht zur restlichen Zimmereinrichtung.

„Also, meine Damen.“ Suzanne klatschte in die Hände, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. „Sie müssen sich in die Liste eintragen, schön der Reihe nach. Schreiben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse auf. Meine Brüder werden zwischen dem 12. und 14. des Monats eintreffen. Ich habe den Versammlungsraum der Presbyterianer-Kirche um die Ecke gebucht, damit sich dort alle treffen und kennenlernen können. Bitte stellen Sie sich darauf ein, am 15. dort zu erscheinen, damit meine Brüder Sie kennenlernen können und um weitere Fragen zu klären, falls es welche gibt.“

Alle acht Frauen stellten sich in eine geordnete Reihe und trugen ihre Namen in die Liste ein. Rachel und Lucy waren die ersten, da sie dem Tisch am nächsten saßen. Nachdem sie beide sich eingetragen hatte, nahm Rachel Lucy am Arm und grinste.

„Wir haben es getan. Wir sind nun Bräute auf Bestellung. Kannst du es fassen, Lucy? Bestimmt sind wir in einem Jahr schon verheiratet. Ist das nicht aufregend?“

„Ja, ich könnte laut jubeln vor Aufregung. Aber das wäre nicht damenhaft.“

Rachel lachte. „Nein, das stimmt wohl.“

„Gut, damit wäre das erledigt. Das nächste Treffen findet dann also am 15. in der Presbyterianer-Kirche statt, an der Kreuzung von Midway und Cape Cod Avenue. Bis dahin, meine Damen, ordnen Sie Ihre Angelegenheiten, damit sie problemlos aufbrechen können“, erklärte Suzanne.

„Es wird wahr“, flüsterte Lucy Rachel zu.

Rachel nickte. „Ja, das wird es. Wir werden endlich unsere eigenen Familien haben.“

„Oh, und meine Damen“, sagte Suzanne, „nur ein Koffer pro Person. Stellen Sie außerdem sicher, dass Ihr Name gut sichtbar außen am Koffer angebracht ist. Es wird sehr eng auf dem Schiff und man wird nicht leicht an das Gepäck drankommen. Ich empfehle, auf Reifröcke zu verzichten. Kürzen Sie die Säume, falls nötig. Keine der Frauen, die in Seattle leben, trägt dort Reifröcke, denn die stören nur bei der täglichen Arbeit. Das ist ein Ort, der mit nichts zu vergleichen ist, was Sie bisher kennengelernt haben. Seattle ist sehr klein. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass es sich um eine völlig andere Welt handelt.“

KAPITEL 2

14. November 1864

Das Haus von Suzanne und Arthur Pruitt

Jason klopfte an die Tür von Suzanne Pruitts Haus. Adam, Drew und er standen auf der Treppe, in ihre Schafsfellmäntel gehüllt, die gegen den eisigen Wind schützten, und warteten darauf, eingelassen zu werden.

Die Tür wurde geöffnet und ihre hübsche, blonde, blauäugige Schwester stand dort, hochschwanger und strahlend.

„Jason!“

Sie warf sich in seine Arme.

Er fing sie auf, wie er es schon getan hatte, seit sie ein kleines Kind gewesen war. Suzanne war das jüngste der Talbot-Kinder, gerade erst 26 und in Erwartung ihres vierten Kindes. Sie hatte früh geheiratet, zumindest nach Jasons Ansicht, nämlich mit 17, aber sie war eben entschlossen gewesen, Arthur Pruitt zum Mann zu kriegen und hatte das Jason gegenüber auch so gesagt.

Was seine bildschöne Schwester an dem sanftmütigen, braunhaarigen Brillenträger Arthur Pruitt fand, konnte er nicht verstehen, aber es gab nicht, was er hätte sagen oder tun können, um sie davon abzubringen, also hatte er eingewilligt. Sie hatten geheiratet, kurz bevor Jason und seine Brüder Richtung Seattle und dem Bridal Veil Mountain aufgebrochen waren. Diesen bewaldeten Berg hatten sie unbesehen gekauft. Das war vor etwa zehn Jahren gewesen, kurz nachdem Jasons Frau Cassie während der Geburt ihres Sohnes Billy gestorben war. Der Schmerz an diese Erinnerung hatte über die Jahre etwas nachgelassen, aber dennoch zog sich sein Magen zusammen, wenn er daran dachte. Aber der Schmerz in der Brust war nicht mehr da und dafür war er dankbar. Nur zehn Tage nach ihrem Tod hatte er seinen Sohn mitgenommen und ihn in jenen fernen Bergen aufgezogen.

„Kommt rein, schnell. Raus aus der Kälte.“

Sie machte einen Schritt zurück und ließ sie herein.

Im Eingangsbereich standen ihr Ehemann und die drei Kinder, die neunjährige Gillian, Scott, sechs Jahre alt, und der kleine Peter. Arthurs Haar wurde langsam grau, aber seine Augen funkelten, während er seine Frau beobachtete. Jason konnte nur vermuten, dass es wohl Glück sein musste, was seine Augen funkeln ließ.

Gillian war das Ebenbild ihrer Mutter, mit ihren blonden Haaren und den blauen Augen. Scott und Peter hingegen kamen nach ihrem Vater, mit braunem Haar. Aber Scott hatte die blauen Augen der Mutter, während Peters Augen braun waren.

Billy hätte seine Cousins gern einmal kennengelernt. Jason hätte ihn vielleicht mitbringen sollen.

„Gillian.“ Sie deutete auf die Brüder. „Du und Scott, ihr nehmt ihre Mäntel und legt sie auf das Sofa in Daddys Zimmer.“

„Ja, Mama.“ Sie kam auf Jason zu. „Darf ich um den Mantel bitten, Onkel Jason?“

Jason zog den Mantel aus. „Hier, meine Kleine.“

Adam und Drew legten ebenfalls ihre Mäntel ab und reichten sie den Kindern. Peter, gerade einmal drei Jahre alt, versuchte, Drews schweren Mantel anzuheben, aber er war zu klein und der Mantel schleifte über den Boden.

Drew kicherte.

Suzanne jedoch nicht. Sie nahm Peter den Mantel ab. „Baby, dazu bist du noch zu klein. Lass Gillian das machen.“

Suzanne beugte sich vor und küsste ihn auf den Kopf. „Nächstes Jahr bist du groß genug dafür, okay?“

Er nickte und rannte hinter seinen Geschwistern her.

Jason machte ein paar Schritte nach vorn und reichte seinem Schwager die Hand.

„Arthur. Schön, dich zu sehen.“

Sie schüttelten einander die Hand.

„Gleichfalls, Jason.“

Jason war der größte der Brüder. Adam, mit seinem goldenen Haar und den blauen Augen war etwas größer als Drew, der kleinste der fünf Brüder. Wie Jason hatte auch er braunes Haar und grüne Augen. Alle nahmen ihre Schwester einmal in den Arm und schüttelten ihrem Schwager die Hand.

Jason sah sich im Eingang um. Das Haus erstreckte sich über zwei Etagen, mit Fenstern neben der Tür, durch die viel Licht kam. Der Boden bestand aus Eiche, auf Hochglanz poliert und mit einem orientalischen Teppich belegt.

„Ihr habt ein schönes Zuhause.“

„Danke. Kommt rein.“ Suzanne drehte sich um und ging den Flur entlang, der mit einem grün und silber gemusterten Teppich ausgelegt war. Die Wände waren oberhalb der Stuhlkante blassgrün gestrichen, darunter mit cremefarbener Tapete versehen, die Weinranken und Rosen zeigte. Durch ein geöffnetes Fenster zog kalte Luft durch den Flur. Suzanne schloss es und führte sie in einen Salon, wo ein warmes Feuer im Kamin brannte.

Die Wände des Salons waren vollgestellt mit Bücherregalen. Jason erinnerte sich daran, wie gern sie schon immer gelesen hatte. Seit sie allein lesen konnte, hatte sie immer davon geträumt, einmal ein Zimmer zu haben, das voller Bücher war. Gegenüber der Tür befand sich ein Fenster, von dem aus man in den Garten schauen konnte. Er wünschte, er hätte auch eine Bibliothek wie diese. Billy würde es lieben. Er kam in dieser Hinsicht sehr nach seiner Tante. Er liebte das Lesen.

Ein blaues Sofa und zwei ebensolche Stühle bildeten vor dem Kamin einen Halbkreis. Dazwischen standen Tische mit Lampen, damit man genug Licht zum Lesen hatte.

Arthurs und Suzannes Heim war so ganz anders als das, in dem Jason und seine Brüder lebten. Sie hatten weder so schöne Möbel noch Tapeten an den Wänden. Ihr Haus bestand aus naturbelassenem Holz, innen und außen. Ein Haus aus Baumstämmen, die Löcher mit Lehm verstopft, um gegen das Wetter zu schützen. Praktikabel, nicht schick.

„Ich liebe euer Haus. Ich würde an unserem Heim auch gern einiges verändern. Es ist ziemlich rustikal“, meinte Adam.