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Entdecken Sie die packende Geschichte eines außergewöhnlichen Mannes, bekannt als "Doktor Strohdach", der mit seiner unerschütterlichen Tierliebe und seinem unkonventionellen Lebensstil die Herzen seiner Mitmenschen gewann. In der idyllischen Landschaft der Schwäbischen Alb baute er eine kleine, aber besondere Praxis auf, die für viele Menschen eine Zuflucht war. Doch die friedliche, scheinbar unpolitische Welt von Dr. Meyer-Strohdach wird durch die Grausamkeiten der Nationalsozialisten erschüttert. Diese Erzählung aus dem Jahr 1944 verbindet die Schönheit der Natur und die Tiefe menschlicher Beziehungen mit den düsteren Schatten der Geschichte. Lassen Sie sich von dieser bewegenden Geschichte in eine vergangene Zeit entführen und erleben Sie die Lebensweisheiten eines Mannes, der in den einfachsten Dingen das größte Glück fand.
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Seitenzahl: 15
Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedrich Wolf
Das Öhmchen
ISBN 978-3-68912-124-2 (E–Book)
Die Erzählung ist 1944 entstanden.
Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.
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Auf einem Moskauer Vorortbahnhof übergab mir ein Freund einen kleinen Zettel, den er von einem deutschen Kriegsgefangenen an der Front erhielt; auf dem Zettelchen stand:
„Dr. Wolf!
Sein Freund, Landgerichtsrat Dr. Meyer in Hechingen-Hohenzollern, ist von SA 1942 ermordet.
Aussage von Hans B. aus Hechingen. War früher in Dr. Wolfs Wandergruppe.“
Ich starre immer wieder auf den kleinen Zettel, während der Zug schon einfährt und die Kameraden mich fragen, ob ich in Moskau bleiben oder an mein Ziel fahren wolle. Der Zug zieht an. Die weiße Schneelandschaft rollt draußen langsam an mir vorüber.
Seltsam, genau zweiundzwanzig Jahre sind es her, als ich mit meiner jungen Frau von Stuttgart über Tübingen nach Hechingen fuhr, wo mein Onkel – „das Öhmchen“ – mir unruhigem Gesellen half, nach vielen Irrfahrten dort auf der Schwäbischen Alb eine kleine landärztliche Praxis aufzubauen. Freilich lag damals in Süddeutschland kein Schnee. Das ganze Neckartal war ein einziger Blütengarten. Die knallgrünen Wiesen waren bedeckt mit goldgelben Himmelschlüsseln, und auch das Haar meiner Frau war damals wie helles Gold. Ihre dicken blonden Zöpfe fielen von der Stirn über die Ohren und waren, ähnlich denen der Florentinerinnen des Botticelli, im Nacken zu einem Knoten vereint. Immer wieder zogen die goldgelben und grünen Wiesen an uns vorbei, die abgeteilt und umsäumt waren von einem weißen Blütenkranz der Kirsch- und Apfelbäume. Stumm schauten wir hinaus auf das bunte Glück der Erde, und unsere jungen Herzen bestaunten diesen gewaltigen und holden Blumenstrauß, den das schwäbische Land uns durch die offenen Fenster des Zuges darreichte.
