Das Regenbogenschwert - Simon R. Green - E-Book
Beschreibung

Prinz Rupert soll in den Wäldern einen Drachen erlegen. Nicht so sehr, damit er sich bewährt, als um ihn loszuwerden, denn es kann nur einen Thronerben geben, und Prinz Rupert ist nun mal der Zweitgeborene. Doch als der Prinz und sein melancholisches, sprechendes Einhorn tatsächlich auf einen Drachen treffen, entpuppt sich dieser als alt, müde - und als Schmetterlingssammler. Darüber hinaus quält den kampfesmüden Drachen eine schlagkräftige Prinzessin, die vor ihrer Hochzeit davongelaufen ist. Als eine immer stärker werdende dunkle Macht das Königreich bedroht, ist Prinz Rupert der Einzige, der sich der drohenden Gefahr entgegenstellen kann. Gemeinsam mit seinem Einhorn, der Prinzessin und dem Drachen bricht er auf, um das größte Abenteuer seines Lebens zu bestehen.

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Seitenzahl:867

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Autor: Simon R. Green

Deutsch von: Oliver Hoffmann

Lektorat: Oliver Graute

Korrektorat: Lars Schiele

Art Director, Satz und Gestaltung: Oliver Graute

© Simon R. Green 2000

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2013

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-199-1

Originaltitel: Blue Moon Rising

ISBN der Printausgabe 978-3-86762-177-9

Das Regenbogenschwert ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Simon R. Green 2013. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Simon R. Green.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

Für meine Mutter und meinen Vater, die immer da waren, wenn ich sie brauchte.

Einst gab es Helden und Schurken, und Finsternis wandelte auf Erden. Es galt, Drachen zu töten und Prinzessinnen zu retten, und strahlende Helden vollbrachten, nun, Heldentaten.

Aus jener Zeit sind viele Geschichten überliefert, Geschichten von unerschütterlicher Tapferkeit und Wagemut.

Dies ist keine davon.

1

Am Ende des Regenbogens

Prinz Rupert ritt auf seinem Einhorn in den Schlingforst und linste mürrisch in den Nieselregen, während er halbherzig nach dem Floh fahndete, der sich irgendwo unter seiner Brustplatte verbarg. Trotz des eiskalten Regens schwitzte er unter seiner Rüstung furchtbar, und seine Stimmung war so tief gesunken, dass er sie beinahe nicht mehr sah. „Zieh aus und töte einen Drachen, mein Sohn!“, hatte sein Vater, König John, ihm unter dem Beifall seiner Vasallen befohlen. Die hatten leicht klatschen. Sie mussten sich dem Drachen ja nicht entgegenstellen. Oder zur Regenzeit in voller Rüstung durch den Schlingforst reiten. Rupert gab die Fahndung nach dem Floh auf und zerrte unbeholfen an seinem Helm, aber das brachte auch nichts; das Wasser troff ihm weiter ins Genick.

Turmhohe, dicht gedrängte Bäume säumten den schmalen Weg und verschwammen zu einem grünlichen Halbdunkel, das seine Stimmung widerspiegelte. Dicke, fleischige Ranken wickelten sich um die Stämme und hingen in verfilzten Knäueln von den Zweigen. Eine schwere, missmutige Stille lastete auf dem Schlingforst. Im dichten Unterholz bewegten sich keine Tiere, und es sangen keine Vögel. Die einzigen Geräusche waren das ständige Rauschen des Regens, der unentwegt von den wasserschweren Ästen der Bäume rieselte, und die leisen Hufschläge des Einhorns. Zäher Matsch und totes Laub machten den gewundenen, jahrhundertealten Pfad glitschiger als sonst, und das Einhorn schlitterte und stolperte vor sich hin, während es Rupert tiefer in den Schlingforst trug.

Rupert blickte finster umher und seufzte tief. Sein Leben lang hatte er in atemloser Spannung zugehört, wenn an langen, dunklen Winterabenden mit getragenem Ernst von den glanzvollen Abenteuern seiner Ahnen gesungen wurde. Er erinnerte sich, wie er als Kind mit großen Augen und offenem Mund am Feuer im großen Saal gesessen und mit wohligem Entsetzen die Geschichten von bösen Riesen und Hexen aufgesogen hatte, die Legenden von Zauberschwertern und Ringen, die ihrem Träger Macht verliehen. Unter dem Einfluss der Familienlegenden hatte sich Rupert seit frühester Jugend geschworen, eines Tages den Helden zu geben wie Großonkel Sebastian, der drei Jahre seines Lebens für drei Wünsche eingetauscht und damit Prinzessin Elaine aus dem Turm ohne Tür befreit hatte. Oder wie Opa Eduard, der es gewagt hatte, allein der schrecklichen Nachthexe gegenüberzutreten, von der man sich erzählte, sie verdanke ihre berauschende Schönheit der Tatsache, dass sie im Blut von Jungfrauen bade.

Nun hatte er endlich Gelegenheit, sich als Held zu erweisen, und machte einen Riesenschlamassel daraus. Im Grunde gab Rupert den Barden die Schuld. Sie hatten alle Hände voll damit zu tun, sich lang und breit über Recken auszulassen, die ein Dutzend Gegner mit einem Schwertstreich erledigten, weil sie reinen Herzens waren, und kamen deshalb gar nicht mehr dazu, die eigentlich wichtigen Dinge zu schildern: wie man verhinderte, dass es in die Rüstung regnete, um nur ein Beispiel zu nennen, wie man unbekannte Früchte mied, die elenden Durchfall verursachten, oder wie man unterwegs ohne große Schinderei eine Latrine aushob. Es gab vieles am Heldenleben, das die Barden verschwiegen. Rupert steigerte sich gerade in eine echt miese Laune hinein, als das Einhorn unter ihm strauchelte.

„Hü!“, rief der Prinz.

Das Einhorn schnaubte hoffärtig.

„Du hast leicht reden da oben in deinem Sattel; wem bleibt denn die ganze Mühe? Deine Rüstung wiegt eine Tonne. Mein Rücken bringt mich um.“

„Ich sitze seit drei Wochen im Sattel“, antwortete Rupert ohne jedes Mitgefühl. „Mein Rücken macht mir weniger zu schaffen.“

Das Einhorn kicherte und hielt dann so unvermittelt an, dass der Prinz um ein Haar kopfüber aus dem Sattel geflogen wäre. Rupert packte das lange, gedrehte Horn, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

„Warum hältst du an? Wird dir vielleicht der Weg zu matschig? Hast du Angst, dir die Hufe schmutzig zu machen?“

„Wenn du ab jetzt jede Minute so einen Witz reißt, kannst du absteigen und laufen“, schnaubte das Einhorn. „Falls es dir nicht aufgefallen sein sollte: Da vorn versperrt ein großes Spinnennetz den Weg.“

Rupert seufzte tief. „Nun willst du vermutlich, dass ich mir die Geschichte aus der Nähe ansehe?“

„Wenn es dir nichts ausmacht.“

Das Einhorn scharrte mit den Hufen, und einen Augenblick lang fühlte sich der Prinz seekrank. „Du kennst meine Spinnenphobie …“

Rupert fluchte resigniert und schwang sich unbeholfen, aber schicksalsergeben aus dem Sattel, wobei seine Rüstung bei jeder Bewegung knirschte. Er versank knapp zehn Zentimeter im matschigen Erdreich und hatte Mühe, das Gleichgewicht zu halten. Er klappte das widerspenstige Visier hoch und studierte voller Unbehagen das riesengroße Netz. Dicke, milchige Fäden versperrten den engen Pfad, besetzt mit glitzernden Ketten aus Regentropfen. Rupert runzelte die Stirn; welche Spinnen woben ein drei Meter hohes Netz? Er stapfte vorsichtig weiter, zog sein Schwert und stieß einen der Fäden an. Die Klinge klebte fest, und er musste das Schwert mit beiden Händen losreißen.

„Das fängt ja gut an“, sagte das Einhorn.

Rupert ignorierte das Tier und starrte das Netz nachdenklich an. Je länger er es betrachtete, desto weniger ähnelte es einem Spinnennetz. Das Muster war falsch. Die Stränge bildeten verknotete Klumpen, hingen lose von den oberen Ästen und von den unteren in dicken Klumpen, die im Schlamm des Waldpfads versanken. Dann spürte Rupert, wie sich ihm die Nackenhaare aufstellten, als ihm zu Bewusstsein kam, dass das Netz unentwegt zitterte, obwohl völlige Windstille herrschte.

„Rupert“, sagte das Einhorn leise.

„Jemand beobachtet uns, stimmt’s?“

„Korrekt.“

Rupert runzelte die Stirn und umklammerte sein Schwert. Etwas folgte ihnen, seit sie bei Sonnenaufgang den Schlingforst betreten hatten, etwas, das sich in den Schatten verbarg und nicht ans Licht wagte. Rupert verlagerte vorsichtig sein Gewicht, um sich mit dem Weg unter seinen Füßen vertraut zu machen. Wenn es zum Kampf käme, würde der zähe Matsch ein Problem darstellen. Er nahm seinen Helm ab und legte ihn am Wegesrand nieder; die Augenschlitze engten sein Sichtfeld zu stark ein. Als er sich aufrichtete, blickte er beiläufig über die Schulter und erstarrte, als er ein schmächtiges, missgestaltetes Wesen von einem Baum zum anderen huschen sah. Es war menschengroß, bewegte sich aber nicht wie ein Mensch, und ehe es wieder mit den Schatten verschmolz, blitzten Fänge und Klauen im Licht auf. Regen trommelte auf Ruperts Kopf und lief ihm übers Gesicht, ohne dass er ihm Beachtung schenkte, denn in seinem Innern breitete sich das kalte Grausen aus.

Jenseits des Schlingforstes lag Finsternis. So weit man sich zurückerinnerte, hatte in einem Teil des Waldes ewige Nacht geherrscht. Kein Sonnenstrahl durchdrang dieses Gebiet, und was dort lebte, scheute das Tageslicht. Kartographen nannten es Düsterwald und warnten: „Vorsicht, Dämonen!“ Seit zahllosen Jahrhunderten lag zwischen Waldkönigreich und Düsterwald die Barriere des Schlingforstes, eines unheimlichen Gewirrs aus Sümpfen, Dorngestrüpp und anderen Gefahren, dem bislang nur wenige Menschen lebend entronnen waren. Lautlose Raubtiere pirschten durch die von Gras und Schlinggewächsen überwucherten Wege und lauerten leichtsinnigen Wanderern auf. In den letzten paar Monaten waren aber immer häufiger fremdartige Wesen ins Waldkönigreich eingedrungen, schemenhafte Gestalten, die das Tageslicht mieden. Manchmal, wenn die Sonne ganz untergegangen war, hörten die Bewohner einsamer Gehöfte ein Kratzen an ihren fest verriegelten Türen und Fensterläden und fanden am nächsten Morgen tiefe Rillen im Holz und verstümmelte Tiere in den Ställen.

Der Schlingforst war keine Hürde mehr …

Vorsicht, Dämonen.

Rupert verdrängte seine Angst und umfasste das Schwert fester. Das Gewicht des Stahls tröstete ihn, und er ließ die blitzende Klinge vor sich auf- und niedersausen. Dann warf er einen ernsten Blick auf die dunklen Wolken, die den Himmel bedeckten; ein anstndiger Sonnenstrahl htte das Ding sofort in die Flucht geschlagen, aber wie immer klebte Rupert das Pech an den Fersen.

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