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Nele, alleinstehend, Anfang dreißig, ist die Frau, die Ali zu seiner großen Liebe erklärt, nachdem er sie bei einer Busfahrt gesehen haben will. Obwohl sie vollkommen anders aussieht als seine angebliche Traumfrau, nicht Bus gefahren ist und auch kein Kind hat, lässt Ali sich nicht vom Gegenteil überzeugen. Er fängt an, Nele zu verfolgen und arbeitet ein Hexenritual aus, mit dem er ihre Liebe für immer gewinnen will. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Es war eine Zeit des Psychoterrors und erschreckend mitzuerleben, wie weit ein anderer Mensch das eigene Leben beeinflussen kann. Wer gewohnt ist, harte Horrortexte zu lesen, ist hier verkehrt!
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Seitenzahl: 89
Veröffentlichungsjahr: 2014
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R.S. Star
Das Ritual des Stalkers
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Widmung
Die Geschichte
Nachtrag
Danksagung
Impressum neobooks
Für meine Eltern und Atan.
Sie wissen warum.
*************
Das Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Autorin unzulässig.
Im Grunde genommen begann alles ganz harmlos und Nele wäre nie auf die Idee gekommen, dass diese Sache ihr Leben bald auf den Kopf stellen würde.
Noch lange Zeit danach ging Nele grundsätzlich immer mit wachem Auge um ihr Auto herum, bevor sie einstieg. Immer ein Auge auf die Reifen, sind diese noch in Ordnung? Immer auf Sicherheit bedacht, immer Pfefferspray und eine kleine Taschenlampe in der Jackentasche.
Aber von vorne.
Es begann vor fast dreizehn Jahren mit einem Zettel im Fahrstuhl.
Nele machte sich auf den Heimweg und ging Richtung U-Bahn. Endlich Feierabend, dachte sie. Ein anstrengender Tag lag hinter ihr, aber jetzt war ja bald Entspannung angesagt.
Sie überlegte, was sie alles machen könnte. Eine Runde joggen, oder einfach nur faul auf dem Sofa liegen mit schöner Musik im Hintergrund und einem spannenden Buch vor der Nase. Oder mal wieder ihre Eltern besuchen? Im Internet chatten, das machte ihr immer Spaß und lenkte ab, oder die Wohnung aufräumen? Die Entscheidung war nicht einfach, aber ihr blieb ja noch etwas Zeit, bis sie zu Hause war.
Nele betrat den Bahnsteig, der zu dieser Zeit sehr belebt war.
Auch wenn zu Hause seit einiger Zeit niemand mehr auf sie wartete, freute sie sich dennoch auf den bevorstehenden Abend. Die Trennung von ihrem Mann war noch frisch, aber nicht mehr zu frisch, als dass sie die Zeit der Einsamkeit nicht genossen hätte.
Nur das tun, wozu sie Lust hatte, frei, ungebunden. Noch war das ungewohnt, aber es fühlte sich gut an. Es gab natürlich Tage, an denen ihr menschliche Nähe fehlte, aber diesen Gedanken schob Nele ganz schnell beiseite. Sie wollte sich ihren Feierabend nicht verderben.
Die U-Bahn kam pünktlich und war voll, wie immer um diese Uhrzeit. Nele stieg ein und drängelte sich durch die stehenden Menschen. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie jemand aufstand, und setzte sich schnell auf den freien Platz.
Glück gehabt, wie so oft, freute sie sich. Sie nahm ihr Buch aus der Tasche und schlug es auf.
Lesen bedeutete für sie totale Entspannung und wenige Minuten später war die Umwelt vergessen. Nein, nicht ganz. Zwischendurch hatte sie so ein Gefühl, beobachtet zu werden. Als sie aber aufblickte und sich umsah, war da niemand.
Sie las weiter, wieder diese Empfindung. War da doch jemand? Vorsichtig drehte sie ihren Kopf, konnte aber wieder nichts Auffälliges feststellen. Kurzzeitig lief ihr Gänsehaut über den Rücken. Das kannte sie sonst gar nicht und zu diesem Zeitpunkt konnte sie nicht wissen, wie vertraut ihr dieses Gänsehautgefühl noch werden würde.
Wahrscheinlich lag das an dem neuen Buch, dachte Nele. Åke Edwardson, 'Der Himmel auf Erden', dieses Buch hatte den Schwedischen Krimi-Preis 2001 erhalten und war jetzt endlich auch in Deutschland erschienen. Es war wirklich spannend. Sie verschlang die Seiten geradezu und bald war ihr Ziel erreicht.
Wenn Nele las, stand sie immer erst auf, wenn die U-Bahn schon fast stand, da sie jede Minute des Buches genießen wollte. Selten stiegen bei ihrer Station viele Leute aus, so war es auch an diesem Tag. Bis auf einen Mann, den Nele nicht kannte, und eine ganz alte Frau mit Gehwagen war niemand zu sehen.
Schnell ging sie auf die Rolltreppe zu, die zum Ausgang führte, denn so richtig wohl fühlte sie sich unter der Erde nicht. Endlich wieder oben. Jetzt noch zehn Minuten und dann wäre das geschafft, dachte Nele.
Der kurze Fußmarsch von der U-Bahn nach Hause hatte ihr wie immer gut getan, obwohl sie diesen Weg eigentlich nicht mochte. Schmale Pfade, viele Büsche, zu viele dunkle Stellen, zu wenige Straßenleuchten. Solange es hell war, nutzte sie diesen Weg. In der dunklen Jahreszeit ging sie ab und zu Umwege, es sei denn, sie war zu müde oder war zu schwer bepackt.
Die Luft war angenehm lau und Nele kam fast ins Schwitzen, so schnell war ihr Schritt. Oftmals sah sie diesen Weg als kurze Laufstrecke an und versuchte, ihren eigenen bisherigen Rekord, fünf Minuten bis nach Hause, zu übertreffen.
An diesem Tag aber nicht, sie ging einfach nur so schnell sie konnte, um endlich die neuen Pumps von den Füßen zu bekommen. Diese drückten inzwischen schon ziemlich unangenehm. Machte aber nichts, die sahen einfach toll aus, der Kauf hatte sich gelohnt, auch wenn sie gerade anfing leicht zu humpeln.
Bei dem Hochhaus angekommen, in dem sie wohnte, war ihre erste Überlegung, zu Fuß nach oben zu gehen, aber der Fahrstuhl war doch zu verlockend. Während sie auf den Fahrstuhl wartete, sah sie nach, ob sie Post bekommen hatte. Nichts, außer Werbung. Auch gut, wenigstens keine Rechnungen dabei, schoss es ihr durch den Kopf.
Eine Nachbarin, die sie schon ewig kannte, kam die Treppen herunter, sie hielten einen kurzen Plausch.
Schön, dass es mitten in einer Großstadt solche vertrauten Momente gab, dachte Nele. Viele interessierten sich nicht füreinander, hier im Haus war es größtenteils anders. Na gut, viele kannten sich eben schon seit Jahren, da lief man normalerweise nicht einfach so aneinander vorbei. Ausnahmen gab es natürlich immer.
Der eine Nachbar von ganz oben zum Beispiel, der grüßte grundsätzlich nicht, guckte aber immer so lüstern. Das war richtig widerlich. Er war kleiner als Nele, kugelrund, mit Brille und schütteren Haaren. Immer wenn Nele ihn sah, trug er den gleichen schmuddeligen Pulli. Wenn der mit am Fahrstuhl wartete, ging Nele grundsätzlich zu Fuß nach oben.
Oder die eine Neue, die sah einen immer nur mit starrem Blick aus kalten blauen Augen an und sagte kein Wort. Die war echt etwas merkwürdig. Ansonsten war die Hausgemeinschaft schon in Ordnung, befand Nele und ging im Kopf die Leute durch, die sie im Hause noch kannte. Weniger inzwischen, wurde ihr auf einmal klar, sie arbeitete ja in Vollzeit, da sah man nicht mehr alle Nachbarn.
Der Fahrstuhl war endlich da und Nele stieg, in Gedanken versunken, ein. Gerne fuhr sie eigentlich nicht damit. Noch schlimmer war es geworden, als der Fahrstuhl umgebaut wurde. Früher konnte man zumindest durch die Etagentüren hinaussehen, wenn man im Fahrstuhl fuhr, inzwischen schob sich eine Extratür von innen vor und man war eingeschlossen in dem kleinen Raum. Bedrückend.
Es war für sie schrecklich, in so einem engen Kasten eingesperrt zu sein. Nichts machen können, ausgeliefert. Das Unwohlsein hatte sich verstärkt, nachdem sie in der Vergangenheit schon damit steckengeblieben war. Kurz nur, aber das hilflose Gefühl hatte sich eingeprägt. Hilflosigkeit ist mit das Schlimmste, dachte Nele.
Wie gut, dass sie keine Ahnung hatte, wie hilflos sie sich bald fühlen sollte.
Dennoch, nach Feierabend wenn sie müde war oder wenn sie viel eingekauft hatte, nutzte Nele den Fahrstuhl oft, wie auch an diesem Tag, wegen der drückenden neuen Schuhe.
Im Fahrstuhl fiel ihr Blick auf einen kleinen gefalteten Zettel, der an dem Tableau für die Aufzugknöpfe eingeklemmt war.
„Suche“
stand dort groß und in Rot geschrieben drauf.
Das sprang ins Auge und ihre Neugier war geweckt.
Nele griff wie von selbst nach dem Zettel, faltete ihn auf und las ihn auf dem Weg nach oben.
Auch wenn sie diesen Zettel nicht gelesen hätte, wäre es nicht anders gekommen.
„Suche die braunhaarige junge Frau mit Kind, die ich gestern im Bus gesehen habe. Ich bin dir bis zu diesem Haus gefolgt, dann habe ich dich verloren, ich möchte dich kennenlernen.“
Das waren die Worte, in leicht schnörkeliger Handschrift geschrieben.
Nele fing an zu grinsen, da war aber offensichtlich jemand schwer verliebt, und das nur vom Ansehen ging ihr durch den Kopf.
Na ja, sollte diejenige eine Chance bekommen, die gesucht wurde. Nele war weder braunhaarig noch hatte sie Kinder. Sie faltete den Zettel also wieder zusammen und steckte ihn dahin, wo sie ihn hergenommen hatte.
Oben angekommen stieg sie aus dem Fahrstuhl und stand direkt im Treppenhaus. Eine Nachbarin hatte es offensichtlich gut gemeint und dort einige Grünpflanzen neben die Treppe gestellt. Das sah freundlich aus. Vom Treppenhaus bog Nele in den kleinen Flur ein, der zu ihrer Wohnung führte. Sie schloss ihre Wohnungstür auf und seufzte wohlig. Nele liebte es, nach Hause zu kommen.
Jetzt konnte der Feierabend beginnen. Die Wohnung war einfach gemütlich. Hell und freundlich eingerichtet, viele Fenster, zum Wohlfühlen eben. Doch gut, dass sie nicht ausgezogen war, als sie sich getrennt hatte.
Also, endlich die Schuhe von den Füßen, am liebsten lief Nele barfuß, und die Arbeitsklamotten gegen bequeme getauscht. So war es schon besser.
Nele war durstig und ging in die Küche, um sich einen Becher grünen Tee zu machen. Damit wollte sie es sich vor dem PC gemütlich machen und zunächst mal ins Internet gehen, dafür hatte sie sich in der Zwischenzeit entschieden.
Als sie auf dem Weg zur Küche an dem Spiegel im Flur entlang ging, sah sie kurz ihr Spiegelbild. Blond, schlank, sportlich, nicht allzu groß. Sommersprossen nicht zu vergessen. Sie war ganz zufrieden mit dem, was sie sah. Das morgendliche Jogging, das sie seit einiger Zeit wieder angefangen hatte, machte sich bezahlt.
Trotzdem, die gesuchte Traumfrau war sie wirklich nicht. Sie grinste leicht vor sich hin und dachte, möge er sie bald gefunden haben. Mit diesem Gedanken und dem Becher in der Hand ging sie in den Arbeitsraum. Nachdem die Entscheidung für das Internet gefallen war, gönnte Nele sich einen ausgiebigen Chatabend.
Dazu musste Sie zunächst das Telefon aus- und das 56k Modem einstöpseln und anstellen. Immerhin hatte sie jetzt ein neueres Modell und konnte schneller surfen und chatten. Das alte 33k Modem war doch echt langsam gewesen, wie sie inzwischen jeden Tag aufs Neue feststellte.
Fortschritt, wie schön, dachte Nele, als sie das Piepsen vom Modem hörte und wie es sich einwählte.
Gleich im ersten Chat traf sie auf Sam, der war immer lustig. Sie hatte sich schon dabei ertappt, wie sie laut lachend vor dem PC saß, wenn sie sich mit ihm austauschte. Zusammen veralberten sie so manchen anderen Chatteilnehmer und amüsierten sich dabei köstlich.
