Verlag: KBV Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2014

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E-Book-Beschreibung Das Signum der Täufer - Regine Kölpin

Ostfriesland 1549 - Der harte Winter will kein Ende finden, die Herrlichkeit Gödens ist seit Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Da taucht vor der Tür der Hebamme Hiske Aalken eine völlig entkräftete Frau auf, die behauptet, Hinrich Krechting, der ehemalige Täuferführer aus Münster, der in Gödens Zuflucht gefunden hat, habe vor Jahren ihren Vater ermordet. Sie bittet Hiske um Hilfe, doch der widerstrebt es, sich gegen ihren Ziehvater zu stellen. Kurz darauf tauchen bei Krechting bedrohliche biblische Botschaften und geheimnisvolle Münzen auf, die ihn zutiefst erschrecken. Hat ihn seine Vergangenheit eingeholt? Sind die Papisten ihm erneut auf den Fersen? Als Jan Valkensteyn, Hiskes nach Ostfriesland heimkehrender Verlobter, entführt wird und sein Reisebegleiter einem brutalen Mord zum Opfer fällt, findet man auch bei dem Toten eine der mysteriösen Münzen. Hiske muss auf der Suche nach ihrem Jan einen Kampf gegen finstere religiöse Machenschaften antreten, den sie eigentlich nicht gewinnen kann.

Meinungen über das E-Book Das Signum der Täufer - Regine Kölpin

E-Book-Leseprobe Das Signum der Täufer - Regine Kölpin

Regine Kölpin

Das Signum der Täufer

Bisher von der Autorin bei KBV erschienen:

Vergangen ist nicht vorbei

Deichleichen (Hg.)

aufgebockt & abgemurkst (Hg.)

Muscheln, Möwen, Morde (Hg.)

Die Lebenspflückerin

Der Meerkristall

Regine Kölpin ist eine vielseitige Schriftstellerin. Sie hat zahlreiche Romane und Kurztexte (unter Regine Fiedler für Kinder und Jugendliche) publiziert und gibt auch Anthologien heraus. Sie leitet Schreibwerkstätten in der Jugend- und Erwachsenenbildung und inszeniert historische Stadtführungen mit Lesungen an den Originalschauplätzen. Regine Kölpin hat mehrfache Auszeichnungen und Preise erhalten, u. a. die zur »Starken Frau Frieslands« und das »Stipendium Tatort Töwerland 2010«. Die Schriftstellerin arbeitet sehr erfolgreich mit der Folk-Band Dreebladd zusammen und erstellt mit dieser Gruppe Lesungs- und Musikprogramme, die das Publikum nachhaltig begeistern. Sie ist 1964 in Oberhausen geboren und lebt mit ihrer großen Familie in Friesland an der Nordseeküste.

Regine Kölpin

DAS SIGNUM DER

TÄUFER

Historischer Kriminalroman

Originalausgabe© 2014 KBV Verlags- und Mediengesellschaft mbH, Hillesheimwww.kbv-verlag.deE-Mail: info@kbv-verlag.deTelefon: 0 65 93 - 998 96-0Fax: 0 65 93 - 998 96-20Umschlaggestaltung: Ralf Krampunter Verwendung von: © Sergey Nivens · www.fotolia.deRedaktion: Nicola Härms, RheinbachPrint-ISBN 978-3-95441-157-3E-Book-ISBN 978-3-95441-182-5

Die Personen

Hiske Aalken:

Hebamme in der Herrlichkeit Gödens, einst Toversche (Hexe/Zauberin), aus Jever geflohen

Der Wortsammler:

eine vergessene Seele, die eine Zuflucht bei der Hebamme Hiske Aalken gefunden hat

Jan Valkensteyn:

Arzt, aus Amsterdam stammend

Garbrand:

katholischer Mönch, aus einem englischen Kloster geflohen und Freund Jan Valkensteyns und Hiske Aalkens

Melchior Dudernixen:

Bader in der Neustadt. Mennonit aus Holland

Magda Dudernixen:

Weib des Baders. Mennonitin aus Holland

Franz von Eisenberg:

Feind Krechtings

Jelda von Eisenberg:

Tochter Franz von Eisenbergs

Meester:

Kapitän aus Emden mit viel Wissen

Tomma:

Blaufärberin aus Jever

Coevorden:

Freund Krechtings und Leinenweber

Goldschmidt:

Freund Krechtings und Schmied

Nikolaus:

undurchsichtiger Freund Garbrands

Historische Persönlichkeiten

Hinrich Krechting:

die rechte Hand der Hebrich von Knyphausen, Jurist und Anführer der Menschen in der Herrlichkeit Gödens. Kommt aus Münster, war dort Kanzler von Jan van Leyden, dem großen Täuferführer.

Hebrich von Knyphausen:

Häuptlingswitwe, lenkt nach dem Tod ihres Mannes Haro von Oldersum die Geschicke in der Herrlichkeit Gödens.

Jacobus Cornicius:

Stadtarzt aus Emden, Freund Jan Valkensteyns. War als Humanist und Naturwissenschaftler publizistisch aktiv und ein Verfechter der religiösen Reform. Er wirkte u. a. als Leibarzt am ostfriesischen Hof.

Wolter Schemering:

Erster Landrichter in der Herrlichkeit Gödens, ist zusammen mit Hinrich Krechting aus Münster geflohen.

Elske Krechting:

Frau von Hinrich Krechting

Gräfin Anna von Oldenburg:

Gräfin von Ostfriesland, lebte in Emden, hat versucht, eine Einheit der Glaubensrichtungen zu bewirken.

Johannes a Lasco:

Superintendent, eingesetzt von Gräfin Anna, maßgeblich an der Neugestaltung des ostfriesischen Kirchenwesens beteiligt.

Lübbert Jans Kremer:

ein holländischer Kaufmann, überzeugter Mennonit, der die Vorbilder für die Neustadt, die Städte Oldersum und Appingedam, sehr gut kannte.

Boing von Oldersum:

Verlobter Fräulein Marias von Jever, Schwager von Hebrich von Knyphausen, zog ihren Sohn Edo an der Seite Marias ein paar Jahre lang groß

Bischof von Waldeck:

belagerte Münster und sorgte u. a. für Krechtings Scheitern in Oldenburg

Leenard Bouwens:

Prediger, der nachweislich um diese Zeit nach Gödens kam, um zu taufen und das Abendmahl zu reichen

Graf Anton von Oldenburg:

gab Krechting nach Münster zunächst Asyl, schickte ihn nach seiner Einigung mit Bischof von Waldeck aber fort, vermutlich nach Rastede

Dr. Gerhard Westerburg:

auch als Dr. Fegefeuer bekannt, geriet u. a. in Köln in Konflikt mit der Kirchenobrigkeit, musste fliehen und war die letzten fünfzehn Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1558 Pfarrer in Dykhusen (Herrlichkeit Gödens)

Tochter Westerburgs, im Roman Bente genannt:

eine der Töchter Westerburgs, hat im Jahr 1550 den Emder Stadtarzt Jacobus Cornicius geheiratet, ein Name ist nicht bekannt.

Herbst 1543

Die schwere See machte dem kleinen Schiff zu schaffen. Sie warf den Kreyer wie eine Nussschale zwischen den Wellen hin und her. Der Schipper erhaschte einen Blick auf seinen Begleiter, der mit finsterer Miene im Bug kauerte und scheinbar nie schlief. Er fixierte ihn mit seinen stählernen Augen und ließ sich nicht von der rauen See stören, obwohl der Sturm an Stärke zunahm. Der Seemann kannte die Mission seines Reisebegleiters nicht, aber er misstraute ihm zutiefst. Noch an Land hatte er in einem unbeobachteten Moment in den Ledersack des Mannes gegriffen. Er musste einfach mehr über seinen Mitfahrer wissen. Seine Bezahlung jedoch war fürstlich, sodass die Gier die Bedenken beiseitegeschoben hatte. Gefunden hatte er nichts. Außer ein paar sorgsam gefalteten kleinen Papierrollen, auf denen merkwürdige Bibelsprüche zu lesen waren. Doch ihm fehlte die Zeit, sich das genauer anzusehen. Eine dieser Botschaften aber hatte er, einer Eingebung folgend, an sich genommen und blitzschnell in seiner Tasche verschwinden lassen. Eine innere Stimme sagte ihm, dass es gut war, seinem Freund, dem Meester, etwas zu hinterlassen. »Gib ihr das, wenn sie eines Tages nach mir sucht! Sie wird wissen, was zu tun ist. Und du«, der Schipper hatte seinem Freund tief in die Augen gesehen, »du wirst so lange leben, bis sie zu dir gekommen ist und es erhalten hat. Falls mir etwas zustößt, wird es ihr einziger Anhaltspunkt sein.«

»Wer ist dieser Mann? Ein Papist auf Rachefeldzug?«, hatte der Meester gefragt, doch diese Antwort war ihm sein Freund schuldig geblieben; er wusste es nicht. »Möglich«, hatte er gemurmelt. »Dafür spricht das, was ich gefunden habe. Mein Gefühl ist nicht gut, doch mir bleibt ohnehin keine Wahl. Weigere ich mich, fürchte ich um mein Leben.«

»Wohin werdet Ihr reisen?«

»Die Herrlichkeit Gödens«, hatte der Schipper geflüstert. Ihn drängte die Zeit, denn der Reisende hatte deutlich gemacht, dass er noch am selben Tag in See stechen wollte.

Der Kreyer wurde jetzt von einer besonders heftigen Welle attackiert und drohte für einen Moment zu kentern. Mittlerweile war die Nacht hereingebrochen, aber die Sterne waren von dichten Wolken verdeckt. Eine undurchdringliche Schwärze tat sich auf. Der Schipper umklammerte die Bordwand, weil eine weitere Windböe auf das Schiff zuraste. Kurz darauf brach eine Woge krachend über der Reling. Das Boot schlingerte eine Weile, drehte sich unkontrolliert hin und her, wartete auf die nächste Welle. Jetzt setzte auch noch Regen ein, der in Schnüren aus den Wolken strömte und die Kleidung binnen kürzester Zeit durchnässte. Besorgt glitten die Augen des Schippers den Mast hinauf, der bedenklich knackte. Der Kreyer hatte einer solchen Wetterlage mit seinem dünnen Mast und dem nunmehr zerfetzten Segel nur wenig entgegenzusetzen. Gott allein konnte ihnen zu Hilfe eilen – wenn er sie noch nicht vergessen hatte, denn ihr Schicksal und wohin es sie spülte, lag in seiner Hand.

Von Emden aus hatten sie den starken Nordwestwind nutzen können, waren schneller vorangekommen, als der Schipper gehofft hatte. Ihm war es wichtig, den Hafen so rasch wie möglich zu verlassen und sich fast ungesehen auf den langen Weg zu machen. Immerhin hatte er, neben der geheimnisvollen Gestalt, Waren geladen, die er am Emder Zoll vorbeischmuggeln und nach Jever schiffen wollte. Doch das blieb ihm vorerst versagt. Er hatte ein anderes Ziel.

Wieder peitschte eine Welle über die Planken, und nur mit viel Glück wurde keiner der beiden Männer über Bord gespült. Der Fremde hatte sich im Bug unter dem Vorbau verschanzt und mit einer Plane gegen die Nässe geschützt. Der Schipper ließ seinen Blick zur Ladung schweifen, die sich gleichmäßig fest vertäut im Bug und im Heck des Schiffes befand. Noch hielt sie der Belastung stand, noch musste er sich zumindest darum nicht sorgen. Vorhin hatte sich eines der Fässer gelöst, doch es war ihm rasch gelungen, es erneut festzuzurren. Wenn er das alles lebend überstand, war es wichtig, die geschmuggelten Waren heil nach Jever zu bringen. Er würde tun, was der Mann von ihm verlangte, und dann seiner Wege gehen.

Der Sturm nahm mit Fortschreiten der Nacht an Heftigkeit zu. Sie schienen sich nur noch im Kreis zu bewegen und nicht voranzukommen. Es war unmöglich, Land zu entdecken, obwohl auflaufendes Wasser war und sie eigentlich unaufhaltsam auf die Küste zutreiben mussten. Setzte erst Ebbe ein, würden sie unweigerlich auf die Nordsee hinausgezogen, denn bei diesem Wind war der Kreyer manövrierunfähig. Das Boot war ohnehin schon arg angeschlagen, und es war fraglich, wie lange es den widrigen Bedingungen noch standhalten konnte.

Bei der nächsten Böe riss das Tau, mit dem er das Segel befestigt hatte, und schlug erbarmungslos hin und her. Als die folgende Welle auf die Seite des Kreyers zurollte, krallte der Schipper seine kalten Hände um das schwingende Seil, hoffte, es so an der Bordwand festzurren zu können. Das misslang jedoch, und das Tau diente nun eher dazu, ihm selbst Halt zu geben, doch glitt es mit einem Ruck durch seine Finger und riss sie auf. Eine blutige Linie zog sich quer über den Handteller. Der Mann schloss vor Schmerz die Augen. Er hörte die nächste Welle schon lange, bevor sie brach, und als das Holz splitterte, war ihm klar, dass sein Leben und das seines Begleiters lediglich an einem seidenen Faden hingen und sie kaum noch die Möglichkeit hatten, dieser Hölle zu entfliehen. Der Mast knallte mit Wucht auf die Planken. Der Schipper konnte nur um Haaresbreite ausweichen. Das Segel schoss herunter und begrub ihn unter sich. Der Kreyer tanzte seinen Tanz, sprang hin und her, auf und nieder, je nachdem, wie die Wellentäler es vorgaben. Der Mann hatte die Augen geschlossen. Er stieß ein Stoßgebet aus, denn seine einzige Hoffnung bestand darin, dass das Schiff nicht kenterte. Plötzlich durchzuckte ihn ein gewaltiger Schmerz. Dann wurde es Nacht um ihn.

Nach vielen Stunden erwachte er. Er versuchte, um Hilfe zu rufen, doch über seine Lippen kam lediglich ein Krächzen. Es fiel ihm schwer, sich zu bewegen, und so gelang es ihm nur, den Kopf unter dem Segel hervorzuziehen. Über ihm tat sich ein wolkenloser Himmel auf, Möwen zogen ihre Bahnen. Der Mann versuchte sich aufzurappeln, was mit dem eingeklemmten Bein schwierig war, und es gelang ihm, einen Blick über die Reling zu werfen. Steuerbord, nicht weit entfernt, zeigte sich Land. Der Schipper wandte den Kopf nach Backbord, dann geradeaus und erkannte ebenfalls ein Stück Küstenlinie. Sollte das Schicksal ihn ohne sein Zutun in die richtige Gegend gelenkt haben? Wenn das so war, war er bald frei.

Der Mann versuchte sich zu befreien. Als er vorsichtig mit der rechten Hand nach seinem Kopf tastete, fühlte er die offene Wunde, aus der bei jeder kleinen Regung erneut Blut sickerte. Zudem wurde der Durst unerträglich. Vergeblich versuchte er, mit der Zunge die aufgesprungenen Lippen zu befeuchten. Er schaffte es, den Zipfel des Wasserschlauches zu erhaschen und zu sich heranzuziehen. Das Wasser schmeckte modrig und abgestanden, aber in seiner misslichen Lage war das unerheblich. Seine Sinne klarten auf, und er erinnerte sich an seinen Begleiter. Weil sein Sichtfeld arg eingeschränkt war, konnte er nicht sagen, ob der noch an Bord war. Er rief nach ihm. Eine Antwort erhielt er nicht. Der Schipper wagte es nicht, ein weiteres Mal über die Reling zu schielen, weil er eine neue Ohnmacht befürchtete, denn der Schmerz im Bein war schon in Ruhelage unerträglich. Doch als er so still dalag, wurde ihm bewusst, dass das Schiff nicht mehr schaukelte, ja, es sich überhaupt nicht von der Stelle bewegte. Er war auf Grund gelaufen und steckte im Wattenmeer fest. Eine bedrohliche Schwermut lag über dem Schiff, und in ihm wuchs eine unerklärliche Todesangst.

Plötzlich hörte er Schritte, kurz darauf drang ein Platschen an sein Ohr. Jemand näherte sich dem Kreyer. Schließlich schob sich eine Hand über die Reling, dann folgte ein vermummtes Gesicht. Das Letzte, was der Schipper in seinem Leben sah, war die gleißende Sonne. Und bevor ein scharfer Schnitt seine Kehle durchtrennte, drangen ihm krächzende Worte ans Ohr. »Gottes Wort stiehlt man nicht. Denn: Was Gott will an uns! Es sind viele Anschläge in eines Mannes Herz, aber der Rat des Herrn bleibt bestehen, Gott ist groß!«

Dann wurde es dunkel um ihn.

Inhalt

Die Personen

Historische Persönlichkeiten

Herbst 1543

1. Kapitel Herrlichkeit Gödens 1549

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

Vier Wochen später, Herrlichkeit Gödens

Epilog

Wahrheit und Fiktion

Allgemeine geschichtliche Situation in der Herrlichkeit Gödens 1548

Glossar

Danksagungen

1. Kapitel

Herrlichkeit Gödens 1549

Der Schneesturm rüttelte an Türen und Fenstern, begehrte Einlass und wirkte wie eine Bedrohung für die Bewohner der Neustadt und der umliegenden Gehöfte. Die Hebamme Hiske Aalken legte ein Scheit Holz nach dem anderen in den Ofen. Dennoch wollte sich die kleine Kate nicht richtig erwärmen. Hiske war in mehrere Decken und Westen gehüllt, deren Wolle sie im Herbst mit der Handspindel gesponnen und später verarbeitet hatte. Darunter trug sie zwei Röcke und übereinandergezogene Beinlinge, denn trotz des Feuers im Ofen war es bitterkalt. Es war beschwerlich, die anfallenden Arbeiten zu verrichten. Ständig war es vonnöten, Holz hereinzuholen, und das Vieh verlangte gleichermaßen sein Recht. Morgens schaute sie stets als Erstes im Stall nach der Ziege und dem Schaf. Der Wortsammler, ihr dreizehnjähriger Ziehsohn, hing mit einer abgöttischen Liebe an den Tieren, die er im letzten Sommer aufgelesen hatte, und so manches Mal glaubte die Hebamme, dass er ihre Sprache verstand.

Besorgt musterte Hiske den wolkenverhangenen Himmel, der nichts Gutes verhieß und weiteren Schnee bringen würde. Es wäre ausgesprochen gut, wenn sie ihre Kate in den nächsten Tagen nicht in Richtung Neustadt verlassen müsste. Doch Magda Dudernixen, die Badersfrau, stand kurz vor der Niederkunft. Hiske hoffte, dass sich die Geburt noch etwas verzögerte, denn ein Kind unter diesen widrigen Bedingungen zu bekommen, war für alle kein einfaches Unterfangen. Außerdem weilte Magdas Mann Melchior gerade nicht in der Herrlichkeit, und sie würde allein dastehen, was bei dieser Witterung kaum zu bewerkstelligen war. Ihr Gesindemädchen war jung und war ihr schon jetzt bei den schweren Arbeiten keine Stütze.

Hiske hatte oft überlegt, sich in der Neustadt niederzulassen, denn die Bevölkerung wuchs ständig, und die meisten Kinder erblickten dort das Licht der Welt. Zu den umliegenden Gehöften und nach Dykhusen war der Weg auch von der abgelegenen Kate aus beschwerlich.

Hiske war froh, dass ihr Garbrand im Augenblick kaum von der Seite wich, obwohl er in der Neustadt seine Kammer hatte. Der Wortsammler war ebenfalls merklich ruhiger, wenn der alte Mönch in seiner Nähe weilte. Garbrands anfängliche Furcht, man könne ihn wegen seiner katholischen Gesinnung in dieser reformierten Gegend ächten und verbannen, hatte sich nicht bewahrheitet. Seine Aufgabe, Hebrich von Knyphausen bei der Armenfürsorge zu helfen, war allerdings misslungen. So weit ging die Toleranz der Menschen nicht. Die Einheimischen waren den Papisten nicht wohlgesonnen, duldeten den Mönch jedoch stillschweigend in ihrer Mitte. Sofern er sich ruhig verhielt. Nicht einer hatte je seine Hand gegen ihn erhoben, nicht einer gegen ihn gesprochen. Bei den Neustädtern handelte es sich um ein friedliches Volk, das sich aus Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Glaubens zusammensetzte. Viele hatten ihrer Gesinnung wegen die schlimmsten Dinge durchlebt. Das schweißte die Bevölkerung zusammen, denn alle wussten, dass der Bau des Fleckens und des neuen Siels nur funktionieren konnte, wenn alle zusammenhielten. Zumindest hoffte Hiske, dass es so war und blieb. Garbrand hatte auch ohne die Armenfürsorge genug zu tun, denn für die anfallenden Handwerksarbeiten war er allen genehm, geschickt wie er war. Und so hatte er sein Auskommen.

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