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Die vier Freundinnen sind zurück - und mit ihnen neue Männerprobleme. Nadja hat genug von Mistkerlen! Bis Bill wieder vor ihr steht und sie um eine zweite Chance bittet. Erneut beginnt das Herzklopfen und bringt Nadjas eiserne Vorsätze ins Wanken. Dabei hat sie immer noch nicht verwunden, wie tief er sie verletzt hat. Außerdem ist da noch Kai, an dessen romantische Gesten sich Nadja allerdings erst gewöhnen muss. Auch ihre Freundinnen kämpfen mit neuen Problemen und wünschen sich mehr Durchsetzungsvermögen von ihren Männern. Denn manchmal ist soft einfach zu soft. Nadja muss sich entscheiden. Wünscht sie sich ihren Mistkerl zurück? Oder hat Bill sich etwa geändert? Zweiter und abschließender Teil der Mistkerle-Reihe Seiten der Printausgabe: 224
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
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Aprilhoffnungen
Silvester sollte eine Art Ende sein – so hatte ich es gesagt – und auch, dass ich mich beruflich verändern und nach einem Traummann Ausschau halten wollte, der kein Mistkerl sein durfte.
Nun ja, es fühlte sich wie eine Art Ende an. Doch im Nachhinein war es erst ein Anfang oder ein Mittendrin. Was wäre das für ein Happy End, wenn ich jetzt aufhörte, meine Geschichte weiter zu erzählen? Und es gibt noch einiges zu berichten, denn dem Silvesterabend folgte ein turbulentes Jahr.
Die Mistkerle hatten wir hinter uns gelassen, da war ich mir sicher. Auf der Seite des Spektrums waren wir nun alle vier gewesen und hatten fest vor, uns weit, sehr weit davon zu entfernen. Nur wohin es führen würde, war uns nicht klar.
Was also ist am anderen Ende? Am vermeintlichen happy Ende?
***
Das neue Jahr begann für mich aufregend. Ich zog durch, was ich mir vorgenommen hatte, und kündigte fast sofort beim Verlag, auch wenn es mir um manche Projekte sehr leidtat. Aber jeder war ersetzbar. Meine Arbeit würde jemand anderer übernehmen.
Meine Kollegin Mona bestärkte mich in meinem Entschluss, mein Buch zu schreiben. Sie war es auch, die mein Manuskript bei einer befreundeten Lektorin in einem sehr großen Verlag unterbringen konnte.
Die guten Beziehungen zur Lektorin und der Umstand, dass kurzfristig ein Programmplatz freigeworden war, verhalfen mir zu dem Glück, dass bereits im März mein Buch unter dem Namen »Die Mistkerlfalle« veröffentlicht wurde. Selbstverständlich unter einem Pseudonym. Nadja Herold ist wohl kein wohlklingender Name für eine Autorin. Ich entschied mich für Lara Roberts – nicht eindeutig deutsch, aber auch nicht zu gewollt englisch.
Der Titel war meine Idee, und so konnte mein Lektor den Inhalt als absolut im Trend liegend anpreisen.
Das Buch war seit vier Wochen auf dem Markt und traf anscheinend einen Nerv. Meine Abrechnung mit dem Bad-Boy-Klischee wurde begeistert aufgenommen. Allerdings offenbarte sich nun ein anderes Problem. Zwar hatte ich sämtliche Personen so weit verfremdet, dass ein unbeteiligter Dritter sie nicht identifizieren könnte, doch in Bills Fall war es wahrscheinlich, dass zumindest er sich selbst erkennen würde.
»Wie groß ist denn die Chance, dass Bill so ein Buch liest?«, fragte Doro, als ich ihr, Vinnie und Annabelle bei einem unserer wöchentlichen Treffen von meinen Befürchtungen erzählte. »Schließlich hast du ein Pseudonym gewählt. Selbst wenn er es lesen würde, könnte er nie mit Bestimmtheit sagen, dass er es ist.«
Ich nickte. Genau das waren auch meine Überlegungen gewesen. Doch jetzt, da das Buch so erfolgreich war …
»Der Verlag besteht auf öffentlichen Auftritten, über die auch die Presse berichten wird«, erklärte ich.
»Dann verkleide dich einfach«, schlug Annabelle vor. »Blonde Perücke und Brille … nein, ohne Brille in deinem Fall.« Sie schüttelte demonstrativ ihre eigene dunkelblonde Mähne.
»Soll sie sich den Rest ihres Lebens hinter einem Pseudonym und einer Maske verstecken?«, wandte Vinnie ein.
Annabelle zuckte mit den Schultern. »Sie hat sich selbst für das Pseudonym entschieden.«
»Das hat sie gemacht, damit niemand weiß, um wen es geht«, erwiderte Vinnie.
»Sie hört übrigens zu«, fuhr ich dazwischen.
Annabelle blickte zu mir, bevor sie sich ungerührt wieder Vinnie zuwandte. »Mir wäre es egal. Mark weiß, wie ich von ihm gedacht habe. Und Michael weiß es bei dir doch auch.«
Vinnie biss sich auf die Unterlippe, bevor sie antwortete. »Es zu wissen, ist aber noch einmal etwas anderes, als es in einem Buch zu lesen, das zwanzigtausend andere Menschen auch gelesen haben.«
»Hast du Michael nichts von dem Buch erzählt?«, fragte Doro. »Ich habe es Sven geschenkt. Er kam ja ziemlich gut weg bei Nadjas Beschreibung.« Sie grinste.
»Mark hat sich auch geschmeichelt gefühlt, als ich ihm erzählt habe, wie du ihn beschrieben hast. Vibrierende Stimme, breite Schultern, akkurat geschnittene braune Haare, graue Augen, markantes Kinn.« Annabelle seufzte und grinste dann. »Ihm war nur wichtig, dass es keine Details zu unseren intimen Aktivitäten gibt.«
»Wobei Nadja die ohne Probleme hätte einbauen können«, sagte Vinnie. »Du hast ja nicht eben mit Details gespart uns gegenüber.«
»Das muss Mark nicht so genau wissen.«
An diesem Abend lösten wir mein Pseudonym-Problem jedenfalls nicht, und ich schob es weiter vor mir her.
***
Die anderen drei hatten ihr Glück gefunden – zunächst jedenfalls.
Annabelle genoss ihr Leben mit Mark. An den Wochenenden verreisten sie oft und verbrachten ihre Tage und Nächte in exklusiven Hotels. Im Februar waren sie in die Karibik geflogen, und Annabelle hatte fast den gesamten März damit verbracht, uns jedes Detail ihres Aufenthalts zu schildern. Das ging so weit, dass Doro einige Male anmerkte, sie habe manchmal das Gefühl, selbst mit Mark eine Beziehung zu führen.
Dabei lebte sie glücklich mit Sven. Sie waren zusammengezogen. Er war nun vollwertiger Partner in der Firma, kümmerte sich aber weiter um die Dinge, die Doro verhasst waren, wie Buchführung und Steuern. Ich hatte sie nie so glücklich erlebt wie in den letzten Wochen und hoffte, dass das auch so bleiben würde.
Am meisten freute ich mich aber, dass Vinnie in Michael endlich einen verlässlichen Partner gefunden hatte und sich aus der Geliebtenfalle von Bernd befreien konnte. Letzterer haderte damit, dass Vinnie endgültig ein neues Kapitel aufgeschlagen hatte und er in ihrem Leben nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. Aber was Vinnie in den letzten Jahren an Vehemenz ihm gegenüber hatte missen lassen, zeigte sie nun umso deutlicher. Sie machte die Regeln. Oberstes Gebot war, dass es ihrem gemeinsamen Sohn Simon gutging, wozu auch der regelmäßige Kontakt mit seinem Vater gehörte. Allerdings musste er diese Zeit nun allein aufbringen, ohne dass Vinnie mit ihm Vater, Mutter, Kind spielte. Wie er das anstellte und was er seiner Frau erzählte, war Vinnie dabei herzlich egal. Wenn er sich mal nicht an eine Absprache hielt, setzte sie durch, dass er das nachholte – weil es das Beste für Simon war.
Da ihr neuer Freund Michael selbst Vater war und sein jüngerer Sohn David ohnehin Simons bester Freund, gab es keinerlei Schwierigkeiten, die beiden Familien »zusammenzuführen«. Vinnie verbrachte viel Zeit bei Michael, dessen Haus wesentlich mehr Platz bot als ihre kleine Wohnung. Das schwedische Kindermädchen war zurück in Schweden und ein neues nicht geplant, nachdem David nun zur Schule ging. Vinnie sprang hin und wieder bei der Betreuung ein so wie Michael, wenn Vinnie jemanden brauchte.
Zum Beispiel, wenn wir freitags unsere Treffen hatten, die wir selbstverständlich immer noch abhielten. Dabei trafen wir uns vorrangig in »unserem« Diner, hin und wieder aber auch in einer Bar. Oder beides. Selbst Annabelle legte ihre Wochenendtrips auf Samstag und Sonntag, um nichts zu verpassen.
Wir waren alle weitergezogen. Und ich war endlich so weit, mich intensiv auf Traummannsuche zu begeben.
Seit Februar hatte ich jede Woche mindestens ein Date. Da ich es aufgegeben hatte, darauf zu hoffen, meinem Traummann zufällig auf der Straße, beim Einkaufen oder im Park zu begegnen, schloss mein neuer Plan Dating-Websites ein. Ich meldete mich bei dreien davon an, beantwortete verschiedene Fragen – bei manchen variierte ich, nur um sicherzugehen, dass mir kein potenzieller Partner entging – und wartete ab. Jetzt konnte ich jeden Samstag einen anderen Mann daten. Was eigentlich nach Spaß klang, hatte allerdings nur zur Folge, dass ich nach ungefähr fünfzehn Männern kein einziges Mal ein zweites Date zustande gebracht hatte. Etwa dreimal sah es anfangs vielversprechend aus. Aber letztlich passte mir dann doch etwas nicht. Der eine spuckte nach einem sehr romantischen Abend – erst Kino, danach einige Drinks in einer Bar – auf den Bürgersteig. Vorher zog er noch ordentlich die Nase hoch, um das so Produzierte mit hoher Geschwindigkeit auf den Boden zu blasen. Bäh!
Der zweite brachte nach etwa anderthalb Stunden intensiven Redens und Blicketauschens einen rassistischen Spruch über den Kellner, der uns in dem thailändischen Restaurant bediente, sodass ich kurz darauf den Rückzug antrat.
Der dritte offenbarte seine Schwäche sofort. Er grunzte beim Lachen. Nur ein kleines bisschen. Zuerst dachte ich auch, es wäre charmant. Nach einer Stunde aber hörte ich nur noch dieses Geräusch und ärgerte mich jedes Mal über mich selbst, wenn es erklang, nachdem ich etwas Witziges gesagt hatte. Denn wenn er normal redete, war alles gut. Er hatte eine angenehme Stimme, vernünftige Ansichten und ja, auch sein Humor gefiel mir – wenn er nur nicht so gegrunzt hätte.
Ich wusste nach zwei Stunden, dass ich das weder den Rest meines Lebens ertragen, noch den Mut haben würde, es ihm zu sagen, damit er es sich abgewöhnen könnte. Dafür war alles andere an ihm einfach zu wundervoll. Ich konnte sein Selbstvertrauen nicht erschüttern, nur weil ich so intolerant war. Eine andere Frau würde dieses Grunzen vielleicht wirklich charmant finden. Mich aber ließ es fliehen.
Eine weitere Handvoll Dates liefen aus meiner Sicht verheißungsvoll, selbst ein Kuss war einige Male drin gewesen. Doch die Verheißung war wohl einseitig. Keiner der Männer legte Wert auf ein zweites Treffen. Natürlich kam ich nicht umhin, eine Selbstanalyse durchzuführen. Wo lagen meine Schwächen?
»Du grunzt jedenfalls nicht beim Lachen«, erklärte Doro, als ich mich an einem Freitagabend bei den anderen über mein mangelndes Glück bei Männern ausließ.
»Aber du quietschst«, warf Annabelle ein. »Doch nur manchmal und dann nur ein bisschen«, setzte sie schnell hinzu, nachdem Vinnie ihr einen bösen Blick zugeworfen hatte.
»Hör nicht auf sie!« Vinnie legte eine Hand auf meinen Arm. Ihre braunen Augen leuchteten. »Das ist süß.«
Okay, ich brauchte nur einen Mann, der das auch süß fand.
»Setzt du die Brille bei den Dates auf?«, fragte Doro.
»Soll ich wohl nicht?«
Doro zuckte mit den Schultern. »Ich finde, sie steht dir, aber vielleicht siehst du manchen Männern damit zu schlau aus?«
Ich dachte darüber nach. »Die Brille hatte ich nicht immer auf. Ich müsste vorher wissen, bei wem ich sie aufsetzen sollte und bei wem nicht.«
Annabelle schnaubte. »Die sollen dich so mögen, wie du bist. Mit oder ohne.«
Vinnie nickte heftig. »Du kannst sie ja erst weglassen und später aufsetzen. Dann siehst du, wie dein Date reagiert.«
Ich sah sie forschend an. Mich zu veräppeln, war eigentlich nicht ihre Art. Aber das konnte doch unmöglich ihr Ernst sein.
»Das geht nicht«, erwiderte Doro an meiner statt. »Nadja sieht ohne Brille oder Kontaktlinsen schlecht. Wenn er hässlich ist, kann sie nicht sofort fliehen.«
»Ich schaue doch nicht nur aufs Aussehen«, sagte ich empört.
»Dann halt, wenn er einen Popel an der Nase hat«, antwortete Doro und pustete sich eine kurze blonde Haarsträhne aus dem Gesicht.
Vinnie verzog den Mund. »Das wäre wirklich nicht so schön.«
»Dann also Kontaktlinsen und eine Brille mit Fensterglas«, schlug Annabelle vor und wirkte, als hielte sie das für die Idee des Jahrhunderts.
Sollte ich jetzt wirklich darauf antworten?
»Quatsch!«, sagte Doro wieder an meiner Stelle. »Erst Brille und dann abnehmen, wenn klar ist, dass alles passt.«
»So sehe ich aber seine Reaktion auf mein Gesicht ohne Brille nicht«, gab ich zu bedenken. »Ich erkenne dann überhaupt nichts mehr.«
»Auch nicht, wenn du so die Augen zusammenkneifst?« Annabelle zog ihre Stirn kraus und kniff dabei völlig übertrieben die Augen zusammen, sodass sie aussah, als sei sie nicht ganz dicht. So wollte ich ganz sicher nicht aussehen. Doro und Vinnie lachten.
Sogar Vinnie!
»Dann weißt du wenigstens gleich, ob er dich auch noch mögen würde, wenn du alt und grau bist«, sagte sie dann aber. Da war sie wieder, ihre romantische Ader.
»Ich werde alle eure Vorschläge prüfen«, versprach ich.
Damit war das Thema für mich erledigt, vorläufig.
Und wieder Bill
Von Bill hatte ich nichts mehr gehört. Natürlich dachte ich hin und wieder noch an ihn. Aber ich war wohl darüber hinweg.
Dachte ich zumindest. Es dauerte jedenfalls lange, und ich hatte nicht mehr damit gerechnet. Während er mir letztes Jahr ständig über den Weg gelaufen war, schien es dieses Jahr so, als würden wir in so verschiedenen Welten leben, dass eine Überschneidung oder gar ein zufälliges Aufeinandertreffen beinahe unmöglich war.
Aber es passierte. Natürlich. Mein Verlag hatte mich auf eine Wohltätigkeitsveranstaltung eingeladen. Ich durfte inkognito kommen und tat es auch, weil ich wirklich nicht mehr an ihn gedacht hatte. Also jedenfalls fast gar nicht.
In einem gut sitzenden petrolfarbenen Kleid, das mir bis zu den Knien reichte und so hervorragend mit meinen dunklen Haaren harmonierte, die ich offen trug, sowie mit meiner Brille, die nun mal zu mir gehörte, fühlte ich mich wohl unter all den Fremden.
»Hallo!«, sagte Bill, als ich mir an der Bar meinen Lieblingscocktail in Gelb und Rot bestellte. Sein dunkler Anzug saß wie immer perfekt und betonte seine sportliche Figur. Er war genauso attraktiv, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Dunkles kurzes Haar, minimal asymmetrisches Lächeln, das ein Grübchen auf seiner rechten Wange verursachte und diese unglaublichen Augen. Grüngrau mit einem Funkeln darin, das einem die Knie weich werden ließ.
In diesem Moment wurde mir klar, dass ich gewusst hatte, wir würden uns hier begegnen. Okay, es war eher eine Ahnung gewesen, immerhin waren Wohltätigkeitsveranstaltungen sein Metier. Irgendwann musste es einfach so kommen.
Also war ich nicht überrascht, gaffte ihn nicht dümmlich an oder rannte gar weg wie im Herbst, als er mir seine Freundin präsentiert hatte.
Wo war sie überhaupt?
»Ich bin allein hier«, sagte er, weil er wohl meine suchenden Blicke bemerkt hatte.
»Aha!«, erwiderte ich wenig intelligent.
»Was machst du hier?«, fragte er. »Betreust du wieder einen Autor?«
Ich schüttelte den Kopf und redete, bevor ich nachdachte. »Nein, heute werde ich betreut.«
Er zog die Augenbrauen hoch. »Du hast ein Buch geschrieben?«
Wie hatte er den Bogen so schnell gekriegt? Es gab doch sicher noch andere Gründe, auf einer Party betreut zu werden, oder? Mir fiel nur keiner ein.
Ich hätte weniger konkret sein müssen. Ein einfaches Nein hätte doch genügt.
Sollte ich es leugnen?
Natürlich!
»Wie heißt es?«, fragte er, als bräuchte er keine Antwort. »Kenne ich es?«
Ich schnaubte, um Zeit zu gewinnen. Aber er würde mir kein Wort glauben, wenn ich jetzt abstritt, ein Buch verfasst zu haben.
»Woher soll ich wissen, was du kennst?«, fragte ich eine Spur zu gereizt. Schnell schickte ich ein Lächeln hinterher. »Ich denke nicht, dass du so etwas liest?«
»Ein Frauenroman?«, bohrte er weiter.
So langsam wurde ich nervös. Nicht dass er noch zufällig den Buchtitel erriet! Das war gar nicht mal so unwahrscheinlich, wenn er die aktuellen Bestsellerlisten kannte, in denen das Buch ziemlich weit oben stand. Und es war definitiv ein Frauenroman.
»Es ist ein Sachbuch«, erklärte ich. Das war nicht mal gelogen. Ich hatte das Buch in Erzählform verfasst, aber eigentlich beschäftigte es sich mit dem Phänomen des Bad Boys und seines geheimnisvollen Einflusses auf uns Frauen.
»Gesellschaftskritik«, setzte ich hinzu. »Findet nur in Fachkreisen Beachtung.« Ja, das stimmte auch. Frauen waren schließlich Fachfrauen für ihr Liebesleben.
»Warum lächelst du so?«, fragte er.
Verflixt! Er sah mein Siegeslächeln, das ich immer zeigte, wenn ich dachte, ich hätte mich erfolgreich herausgeredet, und musterte mich sehr genau.
Ich zuckte mit den Schultern und bemühte mich, cool zu wirken.
»Gerade dachte ich daran, wie viele Dankesbriefe ich schon bekommen habe, weil ich so gute Ratschläge gebe.«
Na gut, das klang jetzt etwas selbstgefällig.
Ich zwinkerte, und Bill lachte.
»Vom Fachpublikum?«, fragte er dann.
»Ja.« Ich lächelte, weil Bill den Kopf schüttelte. Er hatte mich vielleicht durchschaut, aber er fragte nicht weiter.
Der Abend war schon etwas fortgeschritten, und ich hatte keine Lust, zu erfahren, warum er allein hier war. Ich wollte nichts über Philomena hören, nie wieder! Deshalb beschloss ich, den geordneten Rückzug anzutreten. Etwas, was letztes Jahr undenkbar gewesen wäre, aber ich schaffte es. Mit Blicken und wahrscheinlich Telepathie brachte ich meine Lektorin Anna, eine Mittfünfzigerin mit einem einnehmenden Lächeln und einer größeren Brille, als ich sie trug, dazu, dass sie uns unterbrach und mich bat, mit ihr zu gehen, um mich einigen Leuten vorzustellen. Besser gesagt, mir Leute vorzustellen. Keiner konnte mit meinem richtigen Namen etwas anfangen, aber so gefiel es mir gerade. Denn ich merkte schnell, wer wirkliches Interesse an mir hatte. So wie der junge Grafiker, der sich mir selbst vorstellte, nachdem wir eine Zeit lang intensive Blicke getauscht hatten. Er hieß Kai, hatte braunes Haar und graublaue Augen. Am auffälligsten war sein Lächeln. Es wirkte offen, hin und wieder sogar etwas schüchtern. Aber seine Augen leuchteten, während er mir ins Gesicht sah. Schon nach wenigen Minuten war das Date für den nächsten Samstag gesichert, bevor ich mich unauffällig von der Party stahl – ohne auf ein Taxi zu warten, das hatte ich per Handy vorher schon gerufen. Es wartete vor der Tür, als ich nach draußen kam. Ich musste nur noch einsteigen. Wäre es beim ersten Mal mit Bill nur auch so gelaufen!
***
Am Freitag darauf erzählte ich den Mädels von dem Abend. Und auch von meinem bevorstehenden Date.
»Vielleicht ist es besser, wenn sich so eine Verabredung spontan ergibt«, sinnierte ich. »Bisher lief alles über diese Datingseiten. Das ist, als wollte man Liebe ausrechnen. Aber ob es funkt, merkt man erst, wenn man einander gegenübersteht.«
Ich war noch nicht direkt beunruhigt, dass sich aus keinem meiner Dates mehr ergeben hatte, doch ich dürstete nach einem Erfolgserlebnis.
»Eigentlich sollte einen so eine Vorauswahl doch vor Enttäuschungen bewahren«, entgegnete Doro. »Was nützen dir Schmetterlinge im Bauch, wenn ihr dann gar nicht zusammenpasst?«
»Wenn ich vorher schon die harten Fakten über Michael gewusst hätte, wären uns die Missverständnisse erspart geblieben«, sagte Vinnie.
Annabelle nickte. »Ja, die harten Fakten.« Dann lachte sie anzüglich.
Vinnie ignorierte ihre Stänkerei. »Wenn schon das Objektive nicht stimmt, braucht man gar nicht weiter darüber nachzudenken«, fuhr sie fort. »Hat man sich schon in jemanden verguckt, fällt es schwer, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen.«
Ganz automatisch schauten wir wieder zu Doro, damit sie Vinnie zustimmte. Doch die schien noch keine Entscheidung getroffen zu haben.
»Planung ist gut«, sagte sie. »Aber vielleicht zerstört sie wirklich die Romantik. Immerhin hat sie Nadja bisher noch nichts gebracht.«
Ich nickte. »Genau.«
»Oder Nadjas Ansprüche sind zu hoch«, wandte Vinnie ein.
»Nadja ist übrigens hier.« Ich winkte übertrieben. Sie sollten nicht über mich reden, als sei ich nicht da oder etwas, was man analysieren musste.
»Tut mir leid!«, sagte Vinnie. »Aber nach der Sache mit Bill letztes Jahr … Ich weiß nicht, ob du wirklich bereit bist für einen normalen Mann.« Sie zeigte Gänsefüßchen beim Wort normalen. »Vor allem, wenn du ihn kennenlernst, kurz nachdem du mit Bill gesprochen hast.«
»Ich bin offen«, widersprach ich. »Ich bin mir nur nicht sicher, in welcher Reihenfolge man die Eigenschaften eines Mannes erforschen sollte. Gemeinsame Interessen entdecken und dann sehen, ob das Bauchgefühl stimmt, oder dem Bauchgefühl folgen, um dann herauszufinden, ob man zusammenpasst?«
»Was tut denn mehr weh, wenn es schiefgeht?«, fragte Doro.
»Schwer zu sagen«, erwiderte ich. »Eigentlich hätte ich gesagt, es ist schlimmer, wenn man jemanden schon mag und danach erst feststellt, dass es nichts wird. Aber diese ständige Zurückweisung von Typen, die super zu mir passen müssten, das ist auch blöd.«
»Sie weisen dich zurück?«, fragte Annabelle und zog die Augenbrauen zusammen. »Ich glaube eher, dass dir keiner gut genug ist.«
Ich sah sie empört an.
»Du hattest wie viele Dates? Fünfzehn?«
Ich nickte, das kam hin.
»Drei haben dir gefallen, drei waren abstoßend. Und was war mit den anderen neun? Von denen hast du uns nicht sehr viel erzählt.«
Da war was dran. Ich hatte mich natürlich nur auf Erzählungen über die Männer beschränkt, die im Gedächtnis blieben. Den einen oder anderen hätte ich bestimmt längst vergessen, wenn meine Profile auf den Datingseiten mir nicht immer wieder anzeigen würden, dass ich sie bereits gedatet hatte.
»Ich habe nicht Buch geführt«, rechtfertigte ich mich.
»Vielleicht solltest du das tun«, schlug Doro vor. »Du liebst doch Listen.«
Oh ja, das tat ich. Das war eigentlich keine schlechte Idee. Ich könnte auch noch alle bisherigen Männer in Listen einsortieren – soweit ich mich an sie erinnern konnte. Vielleicht mittels Hypnose …
»Genug von mir«, sagte ich. Der Gedanke arbeitete in mir weiter, aber ich wollte das in diesem Moment nicht näher ausführen. »Jetzt erzählt mal, was es bei euch für Neuigkeiten gibt. Alle noch auf Wolke sieben?« Ich blickte die anderen drei nacheinander aufmerksam an. Auch wenn ich sie ein wenig beneidete, ich wollte, dass sie glücklich waren, und würde ihnen beistehen, wann und wo immer es nötig war.
»Ich könnte euch erzählen, was Mark und ich letztes Wochenende ausprobiert haben«, begann Annabelle, und Vinnie stöhnte, während Doro und ich schon zu kichern begannen. »Aber das wollt ihr ja nicht hören.«
»Genau!«, stimmte Vinnie schnell zu. »Doro, wie läuft es mit Sven?«
Doro zuckte mit den Schultern. »Gut. Wie schon die ganze Zeit.«
»Aber …?«, fragte Annabelle.
Ich hatte den Unterton bei Doro auch gehört.
»Gut, vielleicht zu gut?«, bohrte ich. »Oder gut, aber nicht gut genug?«
»Gut, aber langweilig?«, setzte Annabelle fort. »Gut, aber gut ist ein anderes Wort für öde?«
»Das reicht jetzt«, fuhr Doro dazwischen. »Es ist alles toll. Ganz super!«
Selbst Vinnie runzelte jetzt die Stirn.
»Das klingt aber eher gar nicht gut«, sagte sie.
Doro seufzte. »Ich präzisiere: Es läuft aus meiner Sicht alles super. Für Sven läuft es so gut, dass es ihm nicht mehr zu reichen scheint. Er will Pläne machen.«
»Heiraten? Kinder?« Annabelle lachte. »Er sollte genießen, dass er dich quer durch alle Zimmer …«
»Annabelle!«, rief Vinnie tadelnd.
»Ich meine ja nur. Wenn man Kinder hat, ist das alles nicht mehr möglich.«
»Das ist es nicht einmal«, erwiderte Doro. »Es ist überhaupt diese ganze Planerei. Wo stehen wir in einem Jahr? Wo in fünf Jahren? Ich bin nicht der Typ für so etwas.« Sie sah mich an. »Du würdest voll darauf abfahren.«
Ich nickte.
