Das unerwartete Geschenk - Eva Heller - E-Book

Das unerwartete Geschenk E-Book

Eva Heller

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5,99 €

Beschreibung

Selten kommt es vor, dass der Weihnachtsmann am Weihnachtsabend noch ein Geschenk übrig hat. Es ist noch niemals vorgekommen, genaugenommen. Aber in diesem Jahr ist es passiert. Eine Puppe ist übrig, und er kann sich gar nicht daran erinnern, wer sich diese Puppe gewünscht hat. Und da ein Weihnachtsmann keinen unerfüllten Wunsch auf sich sitzen lassen kann, muss er noch mal hinaus in die Welt und das Kind suchen, zu dem die Puppe gehört. Was ein Weihnachtsmann bei seiner Reise durch die Kinderzimmer so alles erlebt - davon erzählt Eva Heller. Kein Kinderwunsch ist ihr fremd, und fast nebenbei entwirft sie ein kleines Familienpanorama, mit all den Sehnsüchten, für die letztlich nur Frau Glück und Herr Liebe zuständig sind.

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Seitenzahl: 25

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Eva Heller

Das unerwartete Geschenkvom Weihnachtsmann und vonFrau Glück und Herrn Liebe

Mit Bildern von Michael Sowa

Verlag Antje Kunstmann

 

Eines Weihnachtsabends hatte der Weihnachtsmann eine Puppe übrig und konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, wer sich diese Puppe gewünscht hatte. Die Puppe tat ihm leid, die hatte sich Weihnachten natürlich anders vorgestellt, als mit einem alten Mann rumzusitzen.

Der Weihnachtsmann sah in seinem Computer nach – alle gewünschten Puppen waren ordnungsgemäß ausgeliefert worden. Zur Kontrolle gab er den Suchbefehl ein: „Welches Kind hat diesmal keine Puppe bekommen?“ Der Computer piepste etwas herum, dann erschien auf dem Bildschirm diese Schrift:

Keine Puppe haben bekommen:              6 Mädchen2 348 167 Jungen    

Sofort darauf tackerten die Namen und Adressen der sechs Mädchen aus dem Computerdrucker, dann begann er mit den Namen und Adressen der zweimillionendreihundertachtundvierzigtausendeinhundertundsiebenundsechzig Jungen.

„Halt!“ rief der Weihnachtsmann, drückte die Stopp taste, riss die Liste aus dem Drucker, „so viel schaffe ich nicht mehr! Es ist schon spät!“ Er zog seinen Mantel an, steckte die Puppe in die Manteltasche und ging.

„Um nur eine Puppe auszuliefern, brauche ich den großen Schlitten nicht“, dachte er unten auf der Straße. Es kam auch gleich ein Taxi vorbei.

„Bitte zu Antonia.“ Das war der erste Name auf der Liste.

Antonia hatte viele Puppen, schon als sie auf die Welt kam, warteten zwei auf sie: Alice und Anna. Im Jahr darauf bekam sie die Beate. Im nächsten Jahr die Christine und die Corinna. Als Antonia vier war, schenkte ihr eine Tante zum Geburtstag das dicke Dieterchen, und von der Oma bekam sie zu Weihnachten die grünäugige rotgelockte Desiree und vom Opa eine Miniaturausgabe von Desiree, die Diana getauft wurde.

Es war nämlich so: Antonias Vater war Hundezüchter, und alle Hundebabys, die in einem Jahr geboren werden, bekommen Vornamen mit dem gleichen Anfangsbuchstaben. Hundezüchter machen das so. Bei A fängt es an, und dann jedes Jahr einen Buchstaben weiter im Alphabet. So benannte auch Antonia ihre Puppen.

Nun war Antonia neun Jahre alt und hatte auch noch Elvira und Evelyn und den Elvis, die Zwillinge Franziska und Franz und die Frida, die aussah wie eine alte liebe Fee, die Gisela und die Geraldine, Hanna und Henriette, und dieses Jahr hatte sie von ihrer Mutter die Isabel zum Geburtstag bekommen und von Mutters Freundin, die eine schicke Geschenk-Boutique besaß, eine Negerpuppe aus schwarzem Satin mit goldenen Ohrringen, die taufte sie Ingrid. Und dann hatte sie von Oma im August eine Puppe aus Spanien bekommen, so eine mit Rüschenrock und Kastagnetten. Diese Puppe hieß Isadora. Oma hatte sie aus dem Urlaub mitgebracht und hatte trotz aller guten Vorsätze, diese Puppe bestimmt nicht vor Weihnachten zu verschenken, dann doch nicht ab warten können. Antonia bekam sie schon kurz nach Omas Urlaub, als Reisemitbringsel eben. Und das war der Grund, warum Antonia keine Puppe zu Weihnachten bekommen hatte.