Das verborgene Haus - Maria Ernestam - E-Book

Das verborgene Haus E-Book

Maria Ernestam

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8,99 €

Beschreibung

Ein Sommerhaus in Schweden – und ein Neubeginn am Meer

Die Literaturdozentin Viola reist mit ihrem Mann Axel, einem Rechtsanwalt, und ihren beiden Töchtern nach Südschweden ins Sommerhaus. Doch auf der Ferienidylle liegt ein Schatten: Axel, der erst vor kurzem von einer schweren Krankheit genesen ist, verhält sich seltsam gereizt. Viola hat das Gefühl, dass er ihr etwas verschweigt. Sie sucht Zuflucht in der Begegnung mit der 90-jährigen Lea, die – einst Missionarin in China – Viola nach und nach ihre unglaubliche Familiengeschichte offenbart. Je näher sich die beiden Frauen kommen, desto weiter scheint sich Violas Mann von ihr zu entfernen. Bis etwas geschieht, das Viola vor eine schwere Entscheidung stellt …

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Die Literaturdozentin Viola reist mit ihrem Mann Axel und ihren beiden Töchtern nach Südschweden ins Sommerhaus. Doch auf der Ferienidylle liegt ein Schatten: Axel, der erst vor kurzem von einer schweren Krankheit genesen ist, verhält sich seltsam gereizt. Viola hat das Gefühl, dass er ihr etwas verschweigt. Sie sucht Zuflucht in der Begegnung mit der 90-jährigen Lea, die – einst Missionarin in China – Viola nach und nach ihre unglaubliche Familiengeschichte offenbart. Je näher sich die beiden Frauen kommen, desto weiter scheint sich Violas Mann von ihr zu entfernen. Bis etwas geschieht, das Viola vor eine schwere Entscheidung stellt ...

Maria Ernestam, geboren 1959, begann ihre Laufbahn als Journalistin. Sie arbeitete als Auslandskorrespondentin für schwedische Zeitungen in Deutschland und hat außerdem eine Ausbildung als Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin absolviert. Für die »Röte der Jungfrau« erhielt sie vor Kurzem den Französischen Buchhändlerpreis. »Der geheime Brief« stand in Schweden monatelang auf Platz 1 der Bestsellerliste und war auch in Deutschland ein großer Erfolg.

Weitere Informationen: www.mariaernestam.com.

Maria Ernestam bei btb

Die Röte der Jungfrau. Roman (73854)

Caipirinha mit dem Tod. Roman (73915)

Mord unter Freunden. Roman (74005)

Der geheime Brief. Roman (74226)

Maria Ernestam

Das verborgene

Haus

Roman

Aus dem Schwedischen

von Holger Wolandt und Lotta Rüegger

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Die schwedische Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel »På andra sidan solen« bei Forum, Stockholm.

Copyright © Maria Ernestam 2010

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2012 by btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München.

Umschlaggestaltung: semper smile, München

Umschlagmotiv: plainpicture/Kniel Synnatzschke

Satz: IBV Satz- und Datentechnik, Berlin

SL · Herstellung: BB

ISBN 978-3-641-07262-9V002

www.btb-verlag.de

Kapitel 1

Wenn ich daran denke, wie ich einmal war, wird alles, was geschehen ist, unbegreiflich. Im Tao Te King würde stehen, dass wir mit dem Finger zeigen können, wo sich der Mond befindet, aber dass der Finger nicht der Mond ist. Denn um den Mond zu sehen, muss man hinter den Finger sehen können.

Ich glaube, das bedeutet, dass ich am Anfang beginnen muss.

Kapitel 2

Über den Bäumen lag ein leichter Nebel, und die Sicht im Rückspiegel war eingeschränkt. Die Sonne drang durch die Fenster des Autos, und Staubpartikel wirbelten durch die Luft. Tora und Linn saßen auf dem Rücksitz. Ihr Duft kitzelte mich im Nacken.

Ich sagte etwas über den Frühling, dass er vielleicht bald kommen würde. Niemand antwortete. Axel schlief, oder vielleicht hatte er auch nur die Augen geschlossen, um nicht reden zu müssen. Er war ein Stück gefahren, hatte sich aber gefährlich nahe an der Mittellinie gehalten. Als ein anderer Autofahrer beim Überholen hupte, hatte Axel gebrüllt, heutzutage führen alle wie Idioten. Dann bat er mich, das Steuer wieder zu übernehmen, damit er Zeitung lesen könne.

Das Radio brachte die »Dreigroschenoper«, und ich versuchte, einen anderen Sender zu finden. Axel mochte Brecht nicht. Deprimierende Musik.

Das Grün der Landschaft wirkte beruhigend. Eben erst erwachte Büsche reckten ihre Zweige, Blumen richteten ihre empfindlichen Knospen nach oben. April is the cruellest month.

Wir verpassten die Abzweigung und mussten nach einigen Kilometern umkehren. Tora war übel.

»Musst du so rasant fahren?«

»Ich tue mein Bestes. Aber die Straße …«

»Du fährst zu schnell, Viola.«

Axel richtete sich auf. Ich stieg vom Gas.

»Wir sind bald da. Seht ihr das Meer? Als ich klein war und wir an die Westküste gefahren sind, haben wir immer nach dem Meer Ausschau gehalten. Sobald wir es entdeckt hatten, sangen wir alle ›La mer‹.«

Plötzlich war die Erinnerung da. Meine Geschwister und ich auf der Rückbank, Papa und Mama vorne. Ein ständiges Geplapper, Singen und Lachen. Keine nervösen Fragen, ob man nicht anhalten und eine Pause machen könne. Immer Zeit für ein Eis oder einen Abstecher in den Wald. Packt die Decke aus, jetzt gibt es ein Mittagessen mit vier Gängen: Butterbrot, Obst, Süßigkeiten und Kaffee.

Linn fragte, ob es in dem Haus auch einen Fernseher gäbe.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass es keinen gibt.«

»Aber hast du darauf geachtet, dass es einen gibt?«

»Haben wir darauf geachtet, Axel?«

»Wer, wir?«

Schweigend fanden wir die richtige Abzweigung und fuhren durch den Ort. Ich kurbelte das Fenster herunter und sprach einen Fußgänger an, obwohl ich wusste, dass Axel es verabscheut, nach dem Weg zu fragen. Nach einiger Zeit fanden wir das Haus. Als wir aus dem Auto stiegen, begann es zu regnen.

Das Haus war weiß gestrichen, die Fensterrahmen waren schwarz. Wir liefen eine steinerne Treppe hinauf, die Mädchen und ich je eine Tasche in der Hand, Axel mit seiner Aktentasche unter dem Arm.

Hinter dem Haus lag der Garten, den man uns beschrieben hatte. Heidekraut, Wacholderbüsche und ein schwer zu mähender hügeliger Rasen, einige Rosenbüsche. In einer Ecke lehnten große Steinblöcke aneinander, und einige Farnwedel wucherten aus den Spalten hervor. Zwei Krähen, die gerade ein Festmahl hielten, flogen rasch davon, als wir uns näherten. Ihr missbilligendes Krächzen hallte in der Stille wider.

Nach einer Weile fand Axel den Schlüssel in seiner Manteltasche. Er fluchte, als er ihm aus der Hand glitt und ins Gras fiel. Mit einiger Mühe bekam er das Schloss auf, und wir traten hinein.

Im Haus roch es nach Schmierseife und Holz. Tora und Linn verschwanden in Richtung Wohnzimmer, und ich hörte an ihren Stimmen, dass dort ein Fernseher stand. Ich drehte eine Runde und sah mir die beiden Schlafzimmer an. Betten mit gehäkelten Tagesdecken in dem einen, dezente Blümchentapeten in dem anderen. Auf einem Bord in der Küche standen Porzellangefäße mit Holzdeckeln für Kaffee, Tee und Mehl.

Ich blieb auf der Glasveranda stehen und schaute aus dem Fenster. Das mit dem Meerblick war tatsächlich nicht gelogen, auch wenn es zum Wasser ein Stück einen Hang hinunterging. Der Pfad, der sich zwischen den Wacholderbüschen hindurchschlängelte, führte sicher zu einem Strand.

Etwas streifte meine Beine, und ich bemerkte, dass irgendjemand Rezina ins Haus gebracht und aus ihrem Katzenkäfig gelassen hatte. Axel schob sich an mir vorbei. Er wirkte erhitzt.

»Sei vorsichtig, Axel. Trag nicht zu viel. Ich kann …«

»Sie musste da raus.«

»Sicher. Ich hatte schon überlegt … ob wir es wagen können, sie sofort nach draußen zu lassen?«

»Entscheide du. Aber ich würde es nicht tun.«

Ich drehte mich zu Tora und Linn um und bat sie, die Haustüre hinter sich zu schließen. Axel rief, dass es wirklich kalt sei und dass er die Heizung hochdrehen werde.

Eine gute Stunde später war das meiste ausgepackt. Tora und Linn lagen auf dem Sofa und zappten durch alle Sender. In Jeans, die schmalen Arme entblößt, lagen sie ausgestreckt zwischen den Kissen. Im Windfang standen Schuhe, und es gab nicht genügend Bügel für alle Kleider.

Axels Kleider hatte ich auf eines der Betten gelegt. Er wollte sie selbst in der Kommode verstauen, da er behauptete, der Einzige in der Familie zu sein, der Kleidungsstücke ordentlich zusammenfalten könne. Kleiderpflege sei eine Frage des Stils. Es sei schade, dass das nur so wenigen Menschen bewusst sei.

Er war auf die Glasveranda verschwunden. Als ich hinterherkam, um ihn zu fragen, ob er hungrig sei, saß er auf dem Sofa und telefonierte. Den Rücken an ein Heizkissen gelehnt. Ich ging in die Küche und suchte die Zutaten für eine Tomatensauce zusammen. Die Messer lagen ordentlich aufgereiht in einem Kasten. Ich wählte eines aus. Es glitt ohne jeden Widerstand durch die Tomaten.

»Hast du ordentlich gesalzen?«

Axel hatte sich von hinten herangeschlichen und mir die Hände auf die Schultern gelegt.

»Ja.«

»Und Knoblauch ist auch drin?«

»Einige Zehen.«

»Nimm noch ein paar.«

Ich rührte im Topf und sah, wie sich die Tomatenschale ablöste. Das rote Fruchtfleisch kochte zu einer dicken, glatten Masse zusammen.

»Ich habe mit der Heimleiterin des Solgården gesprochen. Mamas Zustand hat sich offenbar verschlechtert. Heute hat sie eine der Pflegerinnen in den Arm gebissen.«

Ich lachte und schämte mich sofort dafür.

»Du hast wirklich einen seltsamen Humor. Ist es etwa lustig, dass es Mama schlechter geht? Aber was kann ich schon anderes von dir erwarten. Du warst ja selbst nie ernsthaft krank und hast keine Ahnung, wie sich das anfühlt.«

Ich schaute in den Kochtopf.

»Tut mir leid. Es ist mir einfach so herausgerutscht … ohne dass ich es wollte.«

»Sollten Tora und Linn nicht ein wenig mithelfen?«

»Ich habe sie gebeten, den Tisch zu decken.«

»Deine Bitte scheint ja recht erfolgreich zu sein.«

Ich biss mir auf die Unterlippe. Kein Streit am ersten Abend. Wir hatten Ferien, begannen gerade erst.

»Ich sage ihnen noch mal Bescheid.«

Eine halbe Stunde später saßen wir am gedeckten Tisch. Der Regen war stärker geworden und jetzt überraschenderweise mit Schnee vermischt. Axel behauptete, dass es am nächsten Tag gutes Wetter geben würde. Er hatte vor, zum Strand zu gehen und sich das Motorboot anzusehen, das wir benutzen durften. Falls es nicht überhaupt für Bootsfahrten zu kalt sein würde. Anschließend wollte er gemeinsam mit uns seine Mutter besuchen. Er schien nun bessere Laune zu haben, und als ich ihn fragte, antwortete er, es gehe ihm gut.

Niemand wollte mich anschließend auf einen Abendspaziergang begleiten. Axel musste mehrere Telefonate führen, es sei ausgesprochen wichtig, dass er das sofort erledige. Linn sprach von einem neuen Buch, und Tora war ins Schlafzimmer verschwunden. Ich zog mich an und trat hinaus. Ich empfand die Einsamkeit als Geschenk.

Das Gras auf dem Weg war feucht und glatt. Ich schlängelte mich durch Wacholderbüsche und Gestrüpp und fand mich nach einiger Zeit auf einer Anhöhe wieder. Unter mir lag das Meer. Am Horizont waren einige Schiffe zu erkennen, eine Möwe schwebte über dem Wasser. Schiefergrauer Nebel zog über den Strand, und Muscheln knirschten unter meinen Sohlen.

Beim Anblick des Meeres gerätst du immer ins Schwärmen, hatte ich mir einmal sagen lassen. Seither denke ich darüber nach, was das zu bedeuten hat. Beruhigt mich der Anblick des Meeres, oder erinnert es mich in seiner Unberechenbarkeit an die Menschen?

Meine Eltern leben gerne in der Nähe des Meeres. Im Augenblick waren sie weit weg, in Piteå. Dort kümmerten sie sich um eine alte Verwandte meiner Mutter. Ich hatte einige Tage zuvor mit ihnen gesprochen, und Mama wollte wissen, ob ich alte Laken gebrauchen könne. Wegen der Spitze. Die Verwandte habe Unmengen, und aus den gestickten Monogrammen ließe sich sicher etwas machen. Im Unterschied zu ihr könne ich schließlich nähen.

Jetzt wünschte ich mir, die beiden würden neben mir stehen und mir erklären, nichts sei so schlimm, als dass es nicht noch schlimmer werden könne. Dass sie sagen würden: Mach es wie Großmutter, lache, obwohl es nichts zu lachen gibt. Anschließend fühlt man sich besser.

Ich lachte versuchsweise. Die Möwe antwortete mit einem kehligen Schrei, bevor sie auf die Wasserfläche zuschoss. Linn hat mich einmal gefragt, was aus den Vögeln würde, wenn sie tot wären. Mir war bislang keine glaubwürdige Erklärung eingefallen, aber hier zu meinen Füßen lag ein sprödes Skelett und ringsherum verstreut einige Federn. Bald würden die sterblichen Überreste dieses Seevogels vermutlich zu Staub zerfallen und vom Wind übers Wasser getragen werden.

Ich blieb am Strand, während sich die Dunkelheit über das Land senkte. Als ich mich schließlich umdrehte, um zurückzukehren, war ich vollkommen durchnässt, und der Wind hatte meine Fußspuren im Sand verweht. Durch die Fenster des Hauses, das wir vor ein paar Stunden bezogen hatten, schimmerte es anheimelnd, und als ich eintrat, rief Tora, es gebe eine frische Kanne Tee. »Der Earl Grey, den du so magst, Mama.« Mir kamen die Tränen, ich wischte sie mit dem Ärmel weg, noch ehe sie ganz da waren.

Linn erzählte, sie habe eine Treppe entdeckt, die auf einen großen Speicher führen würde. Es gebe dort eine Unmenge Gerümpel und alte Sachen, und vielleicht würde sie dort ja auch Bücher finden. Für den Fall, dass ihr der mitgebrachte Lesestoff ausgehen sollte und sie noch mehr bräuchte.

Wenig später gingen wir schlafen. Axels Bett war von meinem durch einen gemeinsamen Nachttisch getrennt, auf dem ein kleines Spitzendeckchen lag. Er legte sich in seinem neu gekauften Schlafanzug hin. Ich strich ihm über den Rücken und erhielt einen gedämpften Seufzer zur Antwort. Er hatte das Heizkissen mit ins Bett genommen. Das Radio lief und verbreitete nette Harmlosigkeiten.

Ich hatte vor, in meinen Notizen zu meiner Arbeit über die Ewigkeit zu blättern. Am Strand hatte ich das Gefühl gehabt, mich außerhalb der Zeit zu befinden und mich selbst zu beobachten. So haben es die Dichter in ihren Werken beschrieben, und ich habe genauso empfunden, als Linns Leben auf dem Spiel stand und man mir Zutritt zu einer Kirche gewährte, weil ich versuchen wollte, Gott nahezukommen.

Vielleicht hatte Axel ähnlich empfunden. Vielleicht würden wir ja morgen die Zeit finden, darüber zu sprechen.

Kapitel 3

Die Dämmerung nach einem schlechten Traum. Ein groteskes Wesen, weder Mensch noch Tier, war in ein Zimmer gekommen, in dem wir alle versammelt waren. Das Wesen hatte geschrien und um sich geschlagen, während Axel ganz ruhig erzählte, das sei sein Kind. Es stamme aus einer früheren Verbindung, und er habe das Kind all die Jahre auf dem Speicher versteckt gehalten.

Ich verließ leise das Bett, öffnete die Haustür und atmete die Morgenluft ein. Die Bäume des Gartens lagen noch im Schatten, und an einem alten Telefonmast hing ein Nistkasten. Axel hatte recht behalten. Es würde ein schöner Tag werden, obwohl es kalt war. Ich hatte das Gefühl, als läge weiterer Schnee in der Luft. Weiße Ostern statt venezianischer Frühling. Dass aus der Italienreise eine Schonenreise geworden war, lag jedoch nicht an mir. Axels Gesundheit hatte uns dazu veranlasst wieder einmal unsere Pläne zu ändern.

Rezina lag ausgestreckt vor dem Herd. Als ich mich zu ihr hinunterbeugte, legte sie sich auf den Rücken. Ich streichelte sie, und sie biss mich vorsichtig. Sie fraß das Futter, das ich ihr in den Napf füllte, und als ich das Haus verließ, drückte sie sich an mir vorbei und verschwand zwischen den Wacholderbüschen. Egal, sie würde schon allein zurechtkommen. Ich konnte weder unsere Katze noch die Mäuse, die sie jagen würde, vor allem Übel bewahren.

Linn war beinahe verzweifelt, als es hieß, wir könnten uns keine Katze zulegen. Doch dann war es mir gelungen, Axel zu überreden, aber dieser Sieg war teuer erkauft. Er mochte Rezina nicht. Er verabscheute vor allem den Schmutz, den ihr Katzenklo mit sich brachte. Ich fegte den Sand zusammen, saugte Haare mit dem Staubsauger weg und ging gegen die mindeste Andeutung eines schlechten Geruchs mit einem Spray vor. Linns Freude war der Dank dafür. Sie liebte ihre Katze über alles in der Welt.

Als meine Mutter uns besuchen kam, um sich Rezina anzuschauen, kam sie zum ersten Mal darauf zu sprechen, dass ich vielleicht wegen dem, was geschehen war, mit jemandem reden sollte. Über Axels Krankheit und deren Folgen.

»Nicht nur Axel hat damit zu kämpfen, sondern die ganze Familie. Du hast auch das Recht zu trauern«, hatte sie gesagt.

Vielleicht, aber ich empfand das nicht so. Ich konnte immer noch genauso schnell rennen wie vor einigen Jahren. Ich brauchte keine Brille und konnte unbehindert Auto fahren. Ich brauchte mir keine Sorgen zu machen, dass irgendein inneres Organ plötzlich aufhörte zu funktionieren und mich dazu zwingen würde, mit Schläuchen an irgendwelche Maschinen angeschlossen, auf der Intensivstation zu liegen. Axel hatte überlebt, und wir hatten zwei Kinder, die uns brauchten. Wenn ich nicht die Kraft aufbrachte, wer dann?

Es roch nach feuchter Erde, aber als ich die Augen schloss, sah ich Leute in weißen Kitteln, und der Frühlingsduft wich dem penetranten Geruch nach Desinfektionsmittel. Im Kopf hallte immer noch die Erklärung wider. Eine Infektion. Nierenversagen. Probleme mit dem Blutkreislauf. Machen Sie sich wegen des Beatmungsgeräts keine Sorgen. Das dient nur dazu, dass sich der Körper ganz auf die Genesung konzentrieren kann. Der Körper. Axels Körper. Als wäre der etwas anderes als Axel.

All die stillen Stunden neben Axels Bett. Menschen, die kamen und gingen, die Krankenakte lasen, Blut abnahmen und manchmal auch dafür sorgten, dass ich etwas aß. Das Erwachen, die Dankbarkeit. Dann das Urteil der Ärzte.

Bald würde meine Familie erwachen, und ich konnte sie mit Liebe überhäufen, um zu beweisen, dass unsere Welt immer noch intakt war. Ich würde Wasser aufsetzen, Brot auftauen, fragen, ob jemand Orangensaft trinken wolle und was wir an diesem Tag unternehmen wollten.

Axel umarmte mich von hinten, und ich zuckte zusammen.

»Wieso stehst du nur im Nachthemd hier draußen?«

»Es war so ein schöner Morgen. Ich habe Rezina nach draußen gelassen.«

»Du frierst ja. Außerdem weiß man nicht, was für Leute hier draußen in den Büschen herumschleichen. Geh rein und zieh dich an.«

Er selbst war bereits angezogen. Er sagte etwas über das schöne Wetter und dass er gut geschlafen habe. Die Betten seien hart genug. Aber er habe das Telefon klingeln hören. Ob ich mit jemandem telefoniert hätte? Jetzt müsse er eine Zeitung auftreiben. Am liebsten das lokale Käseblatt, damit man wisse, was in der Provinz so los sei.

Axel verschwand. Dann waren das Geräusch des Motors und lautes Rumpeln zu hören. Wenig später kehrte er mit der Zeitung und frischen Brötchen zurück. Die Bäckerei hatte er entdeckt, als wir auf der Hinfahrt an ihr vorbeigefahren waren.

Das Frühstück verlief harmonisch. Um den großen, einladenden Esstisch standen alte Küchenstühle mit frisch bezogenen Polstern. Die Mädchen, die eigentlich der Meinung waren, Schonen sei mit Italien nicht zu vergleichen, schienen sich mit allem abgefunden zu haben. Linn erklärte, jeden Tag ein Bad nehmen zu wollen. Im Badezimmer gab es eine weiß gekachelte Wanne. Eine bessere Möglichkeit, sich wie in Italien zu fühlen, gab es hier nicht.

Axel wiederholte, dass er im Laufe des Tages seine Mutter besuchen wolle. Keine unserer Töchter hatte Lust, ihn zu begleiten.

Einige Stunden später waren wir auf dem Weg zum Solgården, dem Heim, in dem Axels Mutter seit einigen Monaten wohnte. Als wir ins Auto stiegen, fiel mir ein Kratzer an der Seite auf. Axel war am Morgen offenbar an der Mauer entlanggeschrammt. Der Schaden war nicht groß, und mich störte er am allerwenigsten. Vielleicht würde ich ja später eine Werkstatt aufsuchen.

Ich fuhr. Axel hatte Musik eingeschaltet und summte mit. Als ich ihn fragte, wie sein Vater ohne seine Frau zurechtkäme, antwortete er kurz angebunden. Axel hatte bisher kaum darüber sprechen wollen, dass seine Mutter unheilbar krank war, und wie nahe sie sich eigentlich standen, wusste ich nicht. Meistens hatten Axels Schwestern sie angerufen und besucht. Axel konnte als einziger Sohn seine Aufwartung machen, wann er wollte. Seine kurzen Besuche stießen immer auf Jubel.

Ich dachte daran, wie mich Axel zum ersten Mal zu seinen Eltern mit nach Hause genommen hatte, um mich ihnen vorzustellen. Es hatte ein sehr gutes Essen gegeben. Alle hatten geschwiegen, nur ich nicht, denn aus meinem Elternhaus war ich anderes gewohnt. Einzig das Klirren des Bestecks und meine Stimme waren zu hören gewesen. Später hatten Axels Eltern ausrichten lassen, dass sie mich sehr nett fänden.

Beim zweiten Besuch waren meine Eltern dabei. Mama trug mitten im Winter ein Sommerkleid und Papa eine Fliege. Axels Mutter hatte gefragt, ob sie die Heizung aufdrehen solle. Dann hatte man Papa aus der Küche vertrieben, als er beim Abwasch helfen wollte.

Jetzt befand sich Axels Mutter auf dem Weg ins Land des Vergessens und wusste bisweilen nicht einmal mehr, wozu ein Kochtopf verwendet wird. An einem Sonntag hatte sie uns mit einem tadellosen Essen empfangen, an einem anderen hatte sie beim Öffnen der Tür Handschuhe und Mütze getragen.

Die vorläufige Unterbringung im Heim hatte Axels Vater organisiert. Er kannte das Personal und hatte nur Gutes gehört. Allerdings lag das Heim ziemlich weit weg. Aber wer konnte schon wissen, wie alles weitergehen würde? Den Abwasch in dem großen Haus von Axels Eltern erledigte derweil eine Zugehfrau, die drei Mal die Woche kam.

Kurz nach dem Umzug der Mutter hatte Axel vorgeschlagen, auf die weite Autofahrt in den Süden und den Osterurlaub in Italien zu verzichten. Stattdessen könne man in einem Haus von Freunden seiner Eltern wohnen. In Schonen. Am Meer. Ganz in der Nähe des Pflegeheims seiner Mutter. Man könne ein paar Tage extra frei nehmen, sich ausruhen und zusammen sein. Tora und Linn würden schließlich langsam erwachsen. Er spüre das, sagte Axel. Er wolle die Zeit nutzen, die uns noch bliebe, bevor sie endgültig flügge seien. Wir könnten gleichzeitig seine Mutter besuchen, solange sie noch halbwegs klar war. Und ich könnte anfangen, den Artikel über die Ewigkeit zu schreiben, von dem ich gesprochen hatte.

Ich hatte mich schon an den Kanälen Venedigs flanieren sehen und gab außerdem zu bedenken, dass die Mädchen enttäuscht sein würden. Axel antwortete nur, dass schließlich er es sei, der die Rechnungen zahle. Er fuhr sich über die Augen, und ich stellte den Italienreiseführer zurück ins Bücherregal, um stattdessen Gummistiefel und Regenmäntel herauszusuchen.

Während Axel zur Kontrolle beim Arzt war, hatte ich Bettwäsche, Handtücher, Lebensmittel und Katzenfutter zusammengepackt. Er war in seine Rechtsanwaltskanzlei gegangen, um alles vorzubereiten, und ich ins Institut.

Jetzt waren wir also hier. Nur wir. Genau wie es sich Axel gewünscht hatte.

Nach einer guten Stunde bogen wir auf einen Kiesplatz ein. Der Solgården war eine prächtige Villa mit vielen Fenstern, einem überdachten Eingangstor und einem gepflegten Garten, der sowohl das Haupthaus als auch mehrere Nebengebäude umgab und in dem alte Bäume wuchsen.

Die Heimleiterin, die uns begrüßte, schien alles im Griff zu haben. Sie erinnerte sich an Axel, der beim Einzug seiner Mutter dabei gewesen war.

»Willkommen«, sagte sie und gab uns die Hand. »Marianne sitzt im Garten. Wir dachten, es würde ein warmer Tag werden, und dann war die Enttäuschung groß, als es plötzlich so aussah, als müssten wir im Haus bleiben. Deswegen haben wir uns einfach warm angezogen.«

»Wie geht es ihr?«

Wir gingen hinters Haus, und die Heimleiterin antwortete, Marianne gehe es den Umständen entsprechend gut. Axel fragte nicht weiter. Wir traten an einen Gartentisch, an dem mehrere ältere Menschen damit beschäftigt waren, zu essen und zu trinken. Die meisten saßen in Rollstühlen, einige beugten sich müde über den Tisch. Alle trugen Jacken und Mäntel, einer hatte sich einen Schal um den Kopf gewickelt.

Axels Mutter saß an der Schmalseite des Tisches. In ihrem Mantel und mit den Perlenohrringen sah sie sehr gepflegt aus. Über ihren Knien lag eine Decke. Auf der Decke prangte ein großer Kaffeefleck.

Als sie uns sah, stand sie so hastig auf, dass eine Tasse umfiel.

»Viola! Wie schön, dass du noch einmal gekommen bist. Wir hatten es doch gestern so nett.«

Ich wagte es nicht, Axel anzusehen, der sich vorbeugte, um seine Mutter zu umarmen. Marianne schreckte zurück.

»Wer sind Sie?«

»Mama, ich bin es, Axel.« Er klang verärgert.

»Axel? Ich habe einen Sohn, der Axel heißt. Kennen Sie ihn?«

»Ich bin dein Sohn, Mama. Ich bin Axel«, antwortete Axel mit noch schärferer Stimme.

Marianne runzelte die Stirn.

»Schade, dass ihr nicht morgen kommt. Dann wollen die Leute von Saab für uns singen.«

»Saab ist eine Automarke«, sagte Axel.

»Was für eine schöne Frisur du hast, Viola.« Marianne wandte sich an mich.

»Entschuldige, aber ich glaube, ich sollte euch jetzt besser allein lassen«, flüsterte ich Axel zu und entfernte mich.

Ein Ruf, jetzt war das Maß offenbar voll. Ich spürte seinen wütenden Blick in meinem Rücken. Doch ich bog rasch um die Ecke, ließ mich auf eine Bank sinken und vergrub den Kopf in den Händen.

Das Gefühl, mich nicht beherrschen zu können, war schlimmer als Axels Wut. Absurder Irrsinn und die Trauer über den Verfall eines Menschen. So nahe lag der Abgrund, so leicht war es, einen Fehltritt zu begehen. Plötzlich begriff ich, dass sich Axel in Mariannes Welt wie ein Idiot benehmen musste. Einfach daherzukommen und zu behaupten, er sei ihr Sohn. Ein Fremder. Man brauchte das Kaleidoskop nur umzudrehen, und schon wirkte Marianne wie die Kluge von uns.

Jemand setzte sich neben mich, und ich nahm einen unbestimmten Duft nach Gebäck oder einem würzigen Parfüm wahr.

»Vielleicht sollte ich Sie besser in Ruhe lassen, aber Sie weinen so herzzerreißend. Allerdings hat Tränenvergießen noch keiner Frau zu einem glücklicheren Leben verholfen. Obwohl ich sehe, dass Sie einen Grund haben.«

Ich blickte auf. Die Frau sah aus wie ein kleiner Vogel. Ihr Haar war zu einem Knoten gebunden.

»Ich heiße Linnea, aber Sie können mich Lea nennen. Alle nennen mich so. Das passt auch besser zu mir. Ich hatte nie etwas mit diesem rosa Blümchen gemein, das sich im Moos versteckt.«

»Ich heiße Viola. Ich verstehe also, was Sie meinen.«

»Viola. Was Sie nicht sagen. So ganz abwegig ist das aber nicht. Schließlich könnte man Sie mit diesem Haar und der hellen Haut für zerbrechlich halten. Aber ich glaube, dass Sie zäher sind, als Sie aussehen. Was machen Sie hier?«

»Ich besuche zusammen mit meinem Mann meine Schwiegermutter Marianne Odin. Sie ist vor einiger Zeit hier eingezogen.«

»Marianne. Dann ist mir alles klar.«

»Sie kennen sie?«

»Ich kann nicht behaupten, sie wirklich zu kennen, aber wir haben uns einige Male unterhalten. Viel zu intelligent für dieses Heim. Humor hat sie auch.«

»Sie ist nicht ganz … ich meine, sie ist etwas verwirrt.«

»Das sind wir doch alle. Manche mehr, manche weniger.«

Sie reichte mir ein Taschentuch und sah sich dann um.

»Wenn Sie wollen, können wir einen kleinen Spaziergang durch den Park machen. Wir können aber auch auf mein Zimmer gehen. Vielleicht wollen Sie sich ja erst mal die Nase putzen und etwas Warmes trinken. Irgendwo, wo Sie niemand sieht. Hier wird es langsam so kalt, dass man auf der Bank festfriert.«

Das Letzte, was ich jetzt wollte, war Axel und seiner Mutter zu begegnen, und so willigte ich ein. Während wir gemeinsam in Richtung Eingang liefen, fragte ich mich, warum Lea überhaupt im Solgården wohnte. Sie war zwar bedeutend älter als Marianne, wirkte aber recht rüstig. Allerdings bat sie mich nach einer Weile, sich auf meinen Arm stützen zu dürfen. Als hätte sie meine Verwunderung gespürt, begann sie zu erklären.

»Bei mir meldet sich manchmal so eine teuflische Krankheit zurück, die ich mir in Afrika zugezogen habe, mit Fieber und Schüttelfrost. Dann bin ich ganz schwach und verwirrt. Deswegen bin ich hier. Aber glücklicherweise ist das kein dauerhafter Zustand.«

»Ich kann mir vorstellen, wie deprimierend es sein muss, mit Leuten wie meiner Schwiegermutter zusammenzuleben.«

»Ach was. Marianne ist eher erfrischend. Vermutlich hat sie ihr ganzes Leben lang nur anderen gedient und ist nie auf die Idee gekommen, sich einmal das Recht herauszunehmen, ein Machtwort zu sprechen. Jetzt kommt alles hoch, und daraus mache ich ihr keinen Vorwurf. Die Leute hier können einem leid tun. Es wird zwar auch viel gelacht, aber oft fallen auch böse Worte. Dennoch ist sie, glaube ich, bei allem sehr gefasst.«

»Ja, sie hat sich wirklich ihr gesamtes Leben lang um andere gekümmert. Ich habe ihr nie bei irgendetwas helfen dürfen, wenn wir bei ihr zu Besuch waren. Axel, mein Mann, behauptete immer, sie wolle das so. Er ist eigentlich nicht der Auffassung, die Frau müsse sich um alles kümmern. Aber mein Schwiegervater hat nie im Haushalt geholfen.«

»Ich könnte mir vorstellen, dass das ihr einziger Freiraum war. Verheiratet mit einem Mann, der sich wie ein Pascha auf dem Sofa ausstreckte. Ich hatte eine Freundin, die auch so einen Partner hatte. Sie sagte immer, ein arbeitender Mann sei der beste Mann. Und schlafende Kinder die besten Kinder.«

Wir hatten den Eingang erreicht und traten ein. Das Foyer war riesig, im Hintergrund führte eine breite Treppe mit einem Geländer aus poliertem Holz nach oben. An den Wänden hingen Gemälde in vergoldeten Rahmen, und es hallte, als wir über den Steinfußboden liefen. Im Stein waren blutrote Versteinerungen zu erkennen. In einer Ecke stand ein Spinnrad.

Langsam stiegen wir die Treppe hinauf. Lea atmete angestrengt. In einem Korridor blieben wir vor einigen Schwarzweißfotos stehen, auf denen Menschen zu sehen waren, die auf Pritschen in einer stillen Schneelandschaft lagen. Eine Krankenschwester servierte Suppe, und ein Patient in Pelzmütze und Handschuhen streckte die Hände aus, um einen Teller entgegenzunehmen. Ein Schild daneben erläuterte, dass der Solgården einmal ein Sanatorium für Lungenkranke war.

Nach einer Weile kamen wir zu Leas Zimmer, und sie bat mich hinein. Es war überraschend groß. In einer Ecke stand ein Metallbett und an der Wand ein Tisch aus Mahagoni. Auf dem Fensterbrett lagen einige lackierte Ziergegenstände. Neben dem Bett befand sich eine Truhe mit geschnitzten Figuren auf dem Deckel. Teppiche dämpften unsere Schritte, und als die Uhr an der Wand schlug, zuckte ich zusammen.

»Ich habe darum gebeten, einiges von zu Hause mitnehmen zu dürfen. Ich würde die vornehmen Möbel hier sonst nicht ertragen, wo ich weiß, dass ich eine ganze Weile bleiben muss. Wollen Sie einen Kaffee? Einen richtigen Kaffee, nicht diese Brühe, die sie einem hier servieren.«

Sie wartete meine Antwort nicht ab, sondern griff zu einer alten Kaffeemühle, füllte sie mit Kaffeebohnen und verschwand in der Kochnische. Als sie zurückkehrte, hielt sie zwei Tassen in der Hand.

»Ist außerdem gut gegen Schmerzen.«

Sie musste bemerkt haben, dass ich Schmerzen litt. Als Kind hatte ich einmal mit meinem Bruder und meiner Schwester Kerzen gegossen. Wir hatten Kerzenstummel in einen Topf gelegt und begeistert zugesehen, wie es anfing zu brodeln. Plötzlich waren Flammen an die Decke gestiegen, ich hatte den Topf genommen und zur Spüle getragen. Dann hatte es geknallt, und heißes Wachs war über meinen Arm gelaufen.

Die Brandnarbe war verblasst. Der einzige bleibende Schaden war eine Empfindlichkeit der Haut des linken Arms. Deswegen trug ich oft lange Ärmel und sonnte mich nicht. Jetzt schmerzte die Haut richtig, und zwar so, wie sie das oft tat, seit Axel krank geworden war. Aber der Kaffee war gut, und ich lobte ihn. Dann schwiegen wir. Nur das Ticken der Uhr war zu hören und Schritte in weiter Ferne.

Das Zimmer lag im Halbdunkel, und Lea zündete eine Kerze an. Ein Stück des Streichholzes fiel auf den Tisch. Sie nahm es weg und schnippte den Ruß von der Tischdecke.

»Sie sind also die Schwiegertochter von Marianne Odin«, begann sie schließlich. »Und wie ist das?«

»Nun … sie war immer nett zu mir.«

»Warum hätte sie das auch nicht sein sollen?«

»Da haben Sie recht. Aber ich kenne sie nicht sonderlich gut, obwohl das seltsam klingt. Axels Mutter war wie gesagt immer zu Hause. Bei uns war das nicht so, als ich klein war.«

»Ich verstehe. Vermutlich war es das, was Ihren Mann angezogen hat. Eine Frau, die auf eigenen Beinen steht. Dass er dann erwartet hat, dass Sie sich auch noch um alles kümmern, worum sich seine Mutter gekümmert hat, steht auf einem anderen Blatt. Am Anfang sind sie stolz und glücklich. Dann kommt die Rechnung. Natürlich sind nicht alle so. Es gibt Ausnahmen, allerdings nur wenige.«

»Ich finde, dass sowohl Axel als auch ich Verantwortung für die Familie übernommen haben. Er hat mehr gearbeitet als ich. Meine Eltern waren vollkommen gleichberechtigt, aber das war damals durchaus nicht üblich. Sie waren beide Musiker und hatten unregelmäßige Arbeitszeiten.«

»Welch ein Glück. Wenn man bedenkt, was man bekommt, wenn man sich aufopfert. Einen Platz in einem Pflegeheim, in dem einen niemand besucht. Ich wette, dass Ihr Mann bereits nach Ihnen sucht, weil er nach Hause fahren will.«

Das war ziemlich wahrscheinlich. Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass Axel jemals eine längere Unterhaltung mit seiner Mutter geführt hatte. Wenn er ausnahmsweise einmal Zeit für sie hatte, musste ich oft vermitteln. So wie heute.

»Sie erinnern mich an meine beste Freundin. Sie hieß Rakel. Sie hat auch nie den einfachsten Weg gewählt. Ich glaube, Sie sind genau wie Rakel. Sie wollen verstehen, was wir anderen nicht verstehen können.«

Mir fiel keine Antwort ein. Verlegen betrachtete ich den silbernen Kerzenhalter und sagte etwas über schönes Handwerk.

»Der Kerzenhalter? Der stammt aus Rakels Familie. Ich gebe nicht viel auf materiellen Besitz. Der wird am Ende nur zur Last, das Haus voller Dinge und das Geld in der Schatztruhe. Das erfordert Arbeit und bedrückt. Aber dieser Kerzenhalter ist mir wichtig. Als ich bei Rakel saß und wir beide wussten, dass sie sterben würde, bat sie mich, die Kerze im Kerzenhalter anzuzünden … in ihrem, denn es gab zwei.«

Die Flamme flackerte. Leas Schatten huschte über die Wand, als sei die tote Rakel zu Besuch gekommen. Mir kamen erneut die Tränen.

»Verzeihen Sie einer alten Frau ihre Indiskretion. Ich weiß, dass es sich meistens nicht lohnt, mit Leuten, die nichts begreifen, über die schweren Dinge zu sprechen, aber sagen Sie, was bedrückt Sie? Sie gehören nicht zu den Leuten, die wegen jeder Kleinigkeit losheulen. Sie tragen vermutlich mehr, als Sie verkraften.«

Ich schüttelte den Kopf, mehr über mich selbst als über Leas Worte. Die Scham über mein Benehmen stieg mir in einer warmen Woge zu Kopf.

»Es hat mit Ihrem Mann zu tun, nicht wahr?«

Ich spürte, dass ich ihr eine Erklärung geben wollte.

»Merkt man das so deutlich?«

»Wenn man so lange gelebt hat wie ich, lernt man, das eine oder andere zwischen den Zeilen zu lesen.«

»Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll.«

»Am Anfang. Das funktioniert eigentlich immer gut.«

Als wenn ich das nicht gewusst hätte.

»Ich … Axel … vor vier Jahren wurde er krank. Er bekam hohes Fieber und begann zu fantasieren. Er wurde in einem Krankenwagen in die Klinik gebracht und musste wenig später künstlich beatmet werden.«

»Ach du meine Güte.«

»Irgendwann erwachte er aus dem Koma. Aber eine Niere funktionierte nicht mehr so wie sie sollte, und jetzt wartet er auf eine Transplantation. Es besteht die Gefahr, dass er regelmäßige Dialyse benötigt. Außerdem sieht er auf einem Auge nicht mehr richtig. Er hat schon immer schlecht gesehen, doch aus irgendeinem Grund hat sich seine Sehkraft weiter verschlechtert. Axel glaubt, dass das alles mit dieser Krankheit zu tun hat.

Wie auch immer, war er fast ein ganzes Jahr lang krankgeschrieben. Jetzt hat er wieder angefangen zu arbeiten und ist in ziemlich guter Form. Aber er erreicht nicht mehr dasselbe Tempo wie früher. Das frustriert ihn.«

»Was hat er für einen Beruf?«

»Er ist Anwalt.«

»Dann ist er es mit anderen Worten gewohnt, immer alles besser zu wissen. Worum auch immer es gehen mag.«

Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Erinnerungsfetzen der letzten Jahre wirbelten durch meinen Kopf. Axels Verärgerung, als er sich so lange krankschreiben lassen musste. Sein fürchterliches Keuchen nach jeder körperlichen Anstrengung, seine müden Augen, wenn er auf dem Sofa lag und dicke Akten durchblätterte.

Axels Widerwille, auszugehen, andere Menschen zu treffen, sich irgendwo anders als in der Kanzlei oder zu Hause bei der Familie aufzuhalten. Axel, der Gesellschaftsmensch, hatte sich plötzlich in jemanden verwandelt, der sich in seiner Freizeit in der kleinen, nicht in der großen Welt aufhalten wollte. Nur wir.

Axels Wutausbrüche. Seine Verärgerung, seine Verdächtigungen. Dass er alles und alle verurteilte. Dass er alles kontrollieren musste.

»Wir waren bei mehreren Spezialisten. Einige sind optimistisch. Axel leidet schließlich nicht an einer tödlichen Krankheit. Aber dass er keine Kraft hat …«

»Etwas Jämmerlicheres als einen kranken Mann muss man lange suchen. 37,2º Temperatur und ein verstopftes Nasenloch, dann sind sie todkrank. Kein Wunder, dass Sie es nicht leicht hatten.«

»Ich muss jetzt eben mehr Verantwortung übernehmen. Außerdem haben Axel und ich uns gestritten, bevor er erkrankte. Eine Bagatelle, aber er fuhr daraufhin mit dem Auto fort. In der Nacht wurde er krank.«

Ich verstummte erneut. Was sollte ich auch sagen? Dass Müdigkeit und undefinierbare Schuldgefühle mir ständig die Tränen in die Augen zu treiben drohten? Dass alles, was mit eigenen Wünschen, Träumen und Bedürfnissen zu tun hatte, zerfiel, wenn es immer nur um Axel und seinen Gesundheitszustand ging?

»Sie sind von einer großen Trauer erfüllt, Viola. Ich weiß, wie das ist.«

Lea hatte ihre Hände auf dem Schoß gefaltet. Ihr Brustkorb hob und senkte sich. Die Uhr schlug ein paar Mal leise.

»Wo nehmen Sie die Kraft her?«

»Ich weiß nicht. Meine Kinder natürlich. Wir haben zwei Töchter, vierzehn und sechzehn. Und meine Arbeit gefällt mir. Ich unterrichte angelsächsische Literatur an der Universität. Eigentlich möchte ich während der Osterferien auch etwas arbeiten. Ursprünglich wollten wir nach Italien fahren, aber Axel ging es nicht so gut. Hinzu kam die Geschichte mit seiner Mutter … wir haben hier in der Nähe ein Haus für die Ferien bekommen. Damit wir sie besuchen können.«

»Sie wollen also arbeiten. Und sich um einen kranken Mann kümmern. Und Ihre kranke Schwiegermutter besuchen. Kein Wunder, dass Sie weinen.«

Das Wachs lief die Kerze hinunter, auf den Kerzenleuchter und von dort auf das Tischtuch, wo es eine runde Pfütze bildete und erkaltete. Seit dem Unfall in meiner Kindheit hatte ich Angst vor Feuer, und jetzt widerstand ich dem Verlangen, einen Finger in das warme Wachs zu tauchen, um eine schützende Schicht darauf entstehen zu lassen. Linn und Tora liebten es, mit Kerzen zu spielen, Wachs abzubrechen und in der Flamme zu schmelzen. Axel wies sie immer zurecht.

»Die Arbeit macht mir am wenigsten aus. Ich sehne mich sogar nach ihr. Zurzeit bin ich damit beschäftigt, einen Artikel zu schreiben, der vom Ewigkeitsbegriff in mehreren ausgewählten Gedichten handelt. Von Shakespeare bis zu T.S. Eliot. Ein gigantisches Projekt, aber das hatte ich schon lange vor. Bisher hatte ich nur nicht die Zeit.«

»Die Ewigkeit? Ich wünschte mir, ich könnte an sie glauben. Mehr als nur an einen Wunschtraum. Aber jetzt übertreibe ich. Gewiss gibt es einiges, was für immer besteht. Gefühle und Erinnerungen, auch wenn das vielleicht in Ihren Augen zu schlicht ausgedrückt ist.«

»Überhaupt nicht.«

Nie darf ein Hemmnis reiner Seelen Bund / Im Wege stehn. Shakespeare, Sonett 116. Ich öffnete den Mund, um zu einer Erklärung anzusetzen, schloss ihn dann aber wieder. Ich dachte, dass theoretische Betrachtungen über jahrhundertealte Gedichte mein Gegenüber vielleicht langweilen könnten.

Aber die Verse flossen durch meinen Kopf. Im flinken Lauf der Zeit unwandelbar / Besteht die Liebe bis zum Jüngsten Tag. Ein Gefühl der Ewigkeit zu erfahren, indem man liebte. In der Liebe die Ewigkeit zu erleben. Dem Stern zu folgen, der den Menschen durch den Sturm in eine höhere existenzielle Dimension führt.

Die Lieb ist Liebe nicht, / Die schwankend wird, schwankt unter ihr der Grund, / Und schon an einem Treuebruch zerbricht. Diese Worte hatten mir schon schlaflose Nächte bereitet.

Lea lächelte sanft.

»Ich habe mehrere Jahre in China gelebt. Dort gab es Vorstellungen über die Ewigkeit, die sich scheinbar schwer mit unseren eigenen Vorstellungen vereinbaren ließen. Doch dann begriffen die Klügeren von uns, dass die Unterschiede gar nicht so groß sind. Menschen sind Menschen, sie leben und müssen sterben. Alle wollen wir unsere Unruhe in den Griff bekommen und uns Dinge begreiflich machen, die sich doch nicht verstehen lassen.«

»China? Was haben Sie dort gemacht?«

»Ich war Missionarin. Das war nichts, was irgendwie abgefärbt hätte, und ansteckend ist es auch nicht. Aber ich habe zu diesen Leuten gehört, die sich in die sogenannten Länder der Heiden begeben haben, um zu predigen und den Menschen zu erzählen, dass das, was sie seit Jahrhunderten für wahr und richtig gehalten haben, verräterisch ist wie das Eis im Frühjahr.«

»Wann waren Sie dort?«

»Wir waren erst in Afrika. Das war während des Ersten Weltkriegs. Wir flohen vor der Not hier daheim. Nach China gingen wir bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.«

Lea lehnte sich zurück. Ihr Kleid war über den Knien zerknittert, und sie zupfte es mit ein paar raschen Handbewegungen zurecht.

»Zum ersten Mal reisten wir im August 1939 dorthin. Es mag seltsam scheinen, dass ich mich so genau erinnere, aber ich tue es. Als wir in den Zug stiegen, schien die Sonne über den Wiesen, und als wir nach Deutschland kamen, liefen junge Männer mit eisenbeschlagenen Wanderschuhen herum, und die Juden warf man aus unserem Hotel. Hitlers Foto hing überall an der Wand.

Wir waren bei einer freikirchlichen Versammlung und sangen: ›Herrlichkeit Dir, Jesu, allein.‹ Meine Güte, was für eine Herrlichkeit! Heuchelei der schlimmsten Art. Ich erinnere mich, wie Ruben außer sich war. Mein Mann konnte sich nie damit abfinden, dass der Mensch zwei Gesichter hat. Dass Böses auf Gutes folgen kann und umgekehrt.«

Ich lehnte den Kopf gegen die Stuhllehne. Meine Glieder waren schwer. Der Abreißkalender an der Wand zeigte das Datum, es war der 13. April 1992.

»Wir durften über das Meer fahren. Dann mussten wir wieder zurück in die Heimat. Der Krieg setzte allem ein Ende. Wir hätten auch dort sterben und den Fischen predigen können. Verzeihen Sie, Viola, aber es gibt einen Wahnsinn, der sich nicht beschönigen lässt. Genauso waghalsig wie uns die Leute beim ersten Mal fanden, genauso ratlos waren sie, als wir zum zweiten Mal fuhren.«

»Aber Sie fuhren trotzdem?«

»Ja, das taten wir. Nur wenige Monate später. Am Luciatag. Um Licht zu verbreiten, genau wie sie. Passend, könnte man meinen.«

»Das klingt mutig.«

»Es gab so vieles, was wir damals nicht wussten. Obwohl ich schon eine Menge wusste. Etwa was in Kriegszeiten auf dem Meer geschehen kann. Irgendwann habe ich mir geschworen, mich nie wieder in die Nähe des Meeres zu begeben, solange es sich vermeiden ließe. Aber das Menschengeschlecht ist unzuverlässig. Manchmal kann man sich nicht einmal auf sich selbst verlassen.«

Etwas in dem, was sie sagte, rief mich in die Gegenwart zurück.

»Danke für alles. Ich glaube, ich muss jetzt gehen. Aber ich komme bestimmt wieder. Wenn Sie Zeit haben, würde ich Ihnen gerne weiter zuhören.«

Der Gedanke, dass Axel auf mich wartete, machte mich nervös. Ich schaute auf meine Armbanduhr und dann auf die Wanduhr. Ich war eine gute Stunde fort gewesen. Vielleicht war Axel so verärgert, dass er bereits nach Hause gefahren war? Nein, bei Regen fuhr er nicht.

»Zeit ist das Einzige, was ich habe. Kommen Sie, wann immer Sie Lust haben.«

Lea trat auf die geschnitzte Truhe zu und klappte den Deckel auf. Nach einer Weile fand sie eine Mappe und reichte sie mir.

»Vielleicht haben Sie Spaß daran, das hier bis dahin zu lesen. Ich habe mir dabei helfen lassen, damit es lesbarer wird. Ich habe einen Bekannten, der so etwas kann.«

»Gerne. Was ist das?«

»Es sind Erzählungen. Über alles Mögliche. Vielleicht geben die Ihnen ja Stoff zum Nachdenken, wenn Sie sich über Ihre Gedichte den Kopf zerbrechen.«

Etwas fiel zu Boden, als ich die Mappe entgegennahm. Ich beugte mich vor und hob es auf. Ein gepresstes Blatt.

»Bambus. Legen Sie es bitte wieder zwischen die Papiere. Dort gehört er hin.«

Ich legte das Blatt zurück in die Mappe. Mit einem Mal empfand ich eine tiefe Dankbarkeit für die Zeit, die wir miteinander verbracht hatten, und für das Vertrauen, das sie bewies, indem sie mir etwas Persönliches überließ.

Ich reichte ihr die Hand, und sie umschloss sie mit beiden Händen. Dann streichelte sie mir vorsichtig über die Wange.

»Schämen Sie sich jetzt nicht dafür, dass Ihr Mann sich allein mit seiner kranken Mutter abgeben musste. Es gibt Schlimmeres. Sie sollten nur dann etwas bereuen, wenn es tatsächlich einen Grund gibt. Und auch dann eher nicht. Es ist besser, stattdessen zu versuchen, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.«

Mit einem freundlichen Nicken öffnete sie mir die Tür. Lea konnte nicht wissen, dass Axel es verabscheute, zu warten. Früher wäre mir das egal gewesen.

Kapitel 4

Auf dem Korridor begann ich zu rennen und lief einem Mann in die Arme, der im selben Tempo in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war.

»Hoppla! Sie haben sich doch nicht etwa weh getan?«

Er trug einen weißen Kittel über Hose und Hemd, stellte sich als Mikael Fagerberg vor und sagte, er sei der zurzeit zuständige Arzt.

»Suchen Sie jemanden?«

»Nein, eigentlich nicht. Mein Mann und ich sind zu Besuch bei meiner Schwiegermutter Marianne Odin.«

»Sie ist auf ihrem Zimmer. Allein. Vielleicht sucht Ihr Mann Sie ja?«

»Vermutlich.«

»Ich kann Sie begleiten. Das Gebäude ist schön, aber es hat etwas von einem Labyrinth. Die Korridore scheinen im Kreis zu verlaufen, solange man sich nicht auskennt.«

Er drehte sich um, lief neben mir her und begann vom Solgården zu erzählen. Die Gemälde verdankten sich einem ehemaligen Direktor, der sich für Kunst interessiert und klug investiert habe. Die Sammlung sei recht wertvoll. Er deutete auf eines der Gemälde und erklärte, dass der Künstler oft seinen Heimatort gemalt habe und auf manchen Gemälden auch selbst zu sehen sei, manchmal nur als Schatten neben einer Heuharfe.

Als Mikael auf das Bild zeigte, fielen ihm die Haare über Stirn und Augen. Ich ertappte mich bei dem Wunsch, sie ihm beiseitezustreichen, erkundigte mich dann aber lediglich nach Mariannes Gesundheitszustand. Er antwortete, sie sei zwar dement und würde immer weiter ins Vergessen abgleiten, aber letztlich sei es für die Angehörigen am allerschlimmsten. Marianne selbst leide nicht unter ihrem Zustand. Es habe keinen Sinn ihr zu widersprechen, wenn sie etwas Abwegiges sagte. Man könne ihr genauso gut recht geben.

Auf dem Vorplatz verabschiedete er sich, nachdem er mich ermahnt hatte, Axel und ich sollten uns melden, wenn wir Fragen hätten. Ich hatte Axel bereits entdeckt. Er stand, ans Auto gelehnt, auf dem Parkplatz. Ein gepflegter Mann in dunklem Mantel, mit Schal und Lederhandschuhen. Rasch eilte ich über die Wiese.

»Entschuldige bitte. Ich bin auf einen Kaffee eingeladen worden.«

»Von diesem Mann?«

»Nein. Das ist einer der Ärzte. Er hat mir nur geholfen, den Weg aus dem Gebäude zu finden. Es war eine der Heimbewohnerinnen. Sie heißt Linnea. Sie …«

Axel war bereits eingestiegen. Ich legte Leas Mappe auf den Rücksitz und setzte mich ans Steuer. Erst jetzt merkte ich, wie kalt es war. Wir ließen den Solgården hinter uns und fuhren an einem Strand, ein paar Sommerhäusern und einer Wiese, auf der sich einige Schneeflecken gebildet hatten, vorbei. Der Winter stattete uns noch einmal einen Besuch ab.

Axel versuchte, das Handschuhfach zu öffnen, aber es gelang ihm nicht. Er fluchte, zog sich die Handschuhe aus und versuchte es erneut. Schließlich schaffte er es, nahm eine Landkarte heraus und begann zu erklären, wo wir uns befanden.

»Welchen Eindruck macht deine Mutter auf dich?«

»Ich wusste, dass du das fragen würdest.«

»Aber ich will wirklich deine Meinung hören.«

»Welchen Eindruck soll sie schon machen? Es ist, wie es ist.«

»Worüber habt ihr euch unterhalten?«

Axel seufzte.

»Unterhalten? Sie hat sich wieder hingesetzt, ich habe ihr Kaffee eingegossen, und sie hat sich bekleckert. Dann habe ich eine neue Tasse geholt, die sie ebenfalls verschüttet hat. Anschließend sind wir in ihr Zimmer hinaufgegangen.«

»Wie sieht es da aus?«

»Ich dachte, du warst ebenfalls bei jemandem auf dem Zimmer und hast Kaffee getrunken. Dann musst du doch wissen, wie die Zimmer aussehen.«

Axel hatte sich mir zugewandt, aber wie ich aus den Augenwinkeln erkennen konnte, hielt er den Blick auf die Fahrbahn gerichtet. Die weiße Mittellinie schien gerade erneuert worden zu sein und glänzte auf dem Asphalt.

»Ich dachte, dass sich die Zimmer vielleicht unterscheiden. Die Bewohner dürfen ja offenbar eigene Sachen mitbringen.«

»Mama hat nicht so viele persönliche Dinge auf dem Zimmer.«

»Schade, dass wir das nicht wussten. Wir hätten ihr sonst etwas mitbringen können.«

»Weil wir noch so viel Platz im Auto hatten, nachdem du gepackt hast. Aber klar. Wir hätten die Dachbox verwenden können.«

Ich verzichtete auf eine Antwort. Axel hatte wegen seines Rückens die Taschen nicht so verstauen können, dass der Kofferraum optimal genutzt wurde.

»Wir sollten sie beim nächsten Mal fragen, ob sie etwas benötigt.«

»Wir brauchen so bald nicht wieder hinzufahren. Sie hatte uns bereits vergessen, noch ehe wir fort waren.«

»Ich habe mir sagen lassen, dass es trotzdem wichtig ist.«

»Wer hat das gesagt?«

Axels Ton war anzüglich. Ich versuchte, mich noch stärker aufs Fahren zu konzentrieren und auf die weiße Linie, die uns nach Hause führen würde. Falls ich erröten würde, wäre das für Axel ein Indiz dafür, dass ich mir irgendetwas hatte zuschulden kommen lassen. Er würde sich das Recht herausnehmen, mir zu erzählen, was das war.

»Ich fahre jedenfalls gerne wieder auf einen Besuch dorthin. Die Frau, die ich kennengelernt habe, hat als Missionarin in China gearbeitet. Es wäre sicher interessant, sich einmal länger mit ihr zu unterhalten. Auch im Hinblick auf den Artikel, an dem ich gerade arbeite. Egal, ob es sich verwerten lässt, ist es immer spannend, jemanden aus seinem Leben erzählen zu hören. Insbesondere Leute, die etwas Ungewöhnliches gewagt haben.«

»Sprichst du von diesem Ewigkeitsartikel?«

»Ja, ganz genau.«

Axel hatte positiv reagiert, als ich ihm von meiner geplanten Arbeit erzählte, hatte aber zu bedenken gegeben, dass das Thema leicht ausufern könne. Ob es nicht klüger wäre, es stärker einzugrenzen? Aber natürlich müsse ich selber wissen, was ich täte.

»Ein Glück, dass zumindest du von dem Besuch profitiert hast.«

»Ich hatte gedacht, dass ihr vielleicht etwas Zeit füreinander bräuchtet. Ich wollte eigentlich nicht einfach verschwinden. Aber ich wurde wie gesagt eingeladen und wollte nicht ablehnen.«

»Als ob das der Grund für dein Verschwinden war, und als ob du deshalb zurückwillst.«

»Wie meinst du das?«

Axel vollführte eine unerwartete Bewegung, plötzlich hatte er das Bein ausgestreckt und war auf die Bremse getreten. Das Auto geriet leicht ins Schleudern, und der Motor ging aus. Wir standen mitten auf der Straße.

»Was soll das?«

»Ich habe dir schon so oft gesagt, dass du zu schnell fährst. Aber du hältst dich einfach nie an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Oder überhaupt an irgendwelche Begrenzungen.«

»Jetzt hör aber mal auf …«

»Warum konntest du nicht einfach bei Mama sitzen bleiben und dich mit uns unterhalten? Stattdessen musstest du unbedingt irgendeinen Arzt kennenlernen.«

»Ich war bei einer Heimbewohnerin, das habe ich doch schon gesagt. Wenn du willst, fahren wir sofort zurück, dann kannst du dich selbst davon überzeugen, wie es war.«

Axel antwortete nicht, sondern wandte sich ab und starrte demonstrativ aus dem Fenster. Ich ließ den Motor wieder an und fuhr weiter. Ich war froh, dass nur so wenig Verkehr herrschte. Es gab nichts weiter zu sagen. Axel schaltete das Radio an, und wir hörten den Wetterbericht. Schneeregen und Sturm waren für das Osterwochenende angekündigt. Nichts über das Wetter in Italien.

Schweigend legten wir die letzten Kilometer nach Hause zurück. Axel verschwand sofort die Treppe hinauf. Ich folgte ihm. Rezina saß vor der Tür, und ich beugte mich vor, um sie zu kraulen. Ihr Fell war so kräftig wie schon lange nicht mehr.

Tora erschien und berichtete, sie habe unterwegs ein paar junge Leute getroffen und sich mit ihnen unterhalten. Sie wohnten auf einem Campingplatz ganz in der Nähe. Dort sei abends einiges los. Vielleicht war es hier gar nicht so einsam, wie sie geglaubt hatten. Sie erzählte eifrig und wollte dann wissen, ob wir nicht ans Meer gehen könnten. Linn müsse auch mal an die frische Luft. Sie habe fast die ganze Zeit, während wir unterwegs waren, auf ihrem Zimmer gesessen und gelesen.

Axel erklärte, er wolle nicht mitkommen, aber vermutlich lege ohnehin keiner darauf Wert. Niemand entgegnete etwas. Wenig später lief ich gemeinsam mit meinen Töchtern den Pfad entlang. Ich trug meine wärmsten Kleider und dazu noch einen Pullover, den ich vom Besitzer des Hauses geliehen hatte. Ich stolperte über eine Wurzel und wäre fast hingefallen. Tora fing mich auf und sagte, dass sie zum Glück inzwischen größer sei als ich.

Als wir das Meer erreicht hatten und ich sie über den Strand rennen sah, dachte ich, dass ich doch nicht alles falsch gemacht hatte. Sie waren beide klug. Sie spürten meine Fürsorge, auf die sie bisweilen mit Trotz reagierten. Sie hatten die Fähigkeit, die Tage zu nehmen, wie sie kamen, den Mut, zu widersprechen. All die Stunden im Gymnastikverein, in der Kirchenbank bei Chorauftritten, an der Beckenkante beim Schwimmunterricht, abends am Bett. All die Gespräche, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie etwas Besonderes bedeuten und die dennoch offenbar so wichtig waren.

Bald würden sich die Mädchen nicht mehr in meiner unmittelbaren Nähe befinden. Axel und ich würden aufeinander angewiesen sein. Zusammen würden wir die Stunden mit all dem füllen, wofür wir, als die Kinder kleiner waren, nicht die Zeit gefunden hatten. Wir würden reisen, abends ausgehen, uns in Dinge vertiefen, die uns interessierten, Freunde treffen, uns mitten am Tag lieben. Wir würden einander erneut kennenlernen.

Aber dafür mussten wir den Mut finden, wieder an uns beide zu glauben, daran, dass wir zu dem zurückfinden würden, was wir einmal besessen hatten.

Ich setzte mich auf einen Stein und schaute zum Horizont, dachte an unsere erste Begegnung. Wie ich mich durch eine bereits besetzte Reihe im Konzerthaus gedrängt hatte, um meinen Platz zu finden. Axel hatte mir sein Programm geliehen und gemeint, die Stimme der Solistin würde sich so anhören, als wäre jemand einer Katze auf den Schwanz getreten. Wie charmant, zuvorkommend und in der Tat lustig er zu der Zeit noch war. Wie gut er ausgesehen hatte. Es war ihm damals trotz des Gedränges gelungen, Erfrischungen zu besorgen.

Dann hatten wir uns immer wieder verabredet. Er hatte deutlich gezeigt, was er wollte. Er wollte mich. Ich hatte gerade eine Beziehung zu einem chaotischen Mann beendet und wusste den Gegensatz zu schätzen. Axel hatte sein Leben im Griff. Er legte ein echtes Interesse für meine Arbeit an den Tag, wir liebten beide Musik und diskutierten gerne miteinander. Er war ein guter Rhetoriker, und ich war frech genug, ihn herauszufordern. Ich weiß noch, wie ich eines Tages allein in einem Café saß und dachte, das kann nur gut werden.

Meine Kindheit und Jugend waren von ständigen Aufbrüchen geprägt gewesen, da meine Eltern so oft umgezogen waren. Dann waren die Freunde und Liebhaber gekommen und wieder verschwunden. Am wichtigsten war immer der momentane Spaß und das tagtägliche Beisammensein gewesen, nicht der Gedanke an ein geordnetes Alter. Doch in meinem Inneren hatte sich immer der geheime Wunsch verborgen, irgendwann einmal einem Seelenverwandten zu begegnen.

Möglicherweise hatte ich einen Punkt in meinem Leben erreicht, an dem für mich die Zeit für etwas Beständiges gekommen war. Axel hatte versichert, dass das, was uns verband, von Dauer sei. Wir würden uns alle Verantwortung teilen, und er würde nie aufhören, mir die Tür aufzuhalten.

Natürlich gab es Dinge, die mich störten. Seine manchmal vollkommen unmotivierte Launenhaftigkeit. Ein vermeintlich wohlwollender, in Wahrheit herablassender Kommentar. Eine bizarre, bisweilen verletzende Art zu scherzen. Ein allzu ausgeprägter Beschützerinstinkt. Meine Eltern hatten mich ohne Schuldzuweisung erzogen. Ich begegnete seiner manchmal rigiden Sicht auf die Dinge mit selbstverständlichen Protesten. Wir entwickelten uns zu einem Paar, das im anderen jeweils die besten Eigenschaften hervorzurufen schien.

Wir heirateten. Wir bekamen Tora und Linn. Wir überstanden die Babyjahre mit Toleranz, Disziplin und manchmal mit Hilfe von Axels Mutter und meinen Eltern. Ich lernte, keine Eselsohren in die Bücher zu machen. Axel lernte, nicht die Tür zuzuknallen, wenn er wütend war. Ich lernte, die Tassen mit dem Henkel nach links auf den Tisch zu stellen, und Axel akzeptierte, dass ich keinen Schuhlöffel benutzte. Manchmal, wenn sich wieder einmal ein Paar aus dem Bekanntenkreis scheiden ließ, dachte ich, dass ich recht gehabt hatte. Unsere Ehe war so gut geraten, wie man es vernünftigerweise erwarten konnte.

Axel brauchte, ebenso wie ich, jemanden, der sich ihm widersetzte. Wir waren gleichberechtigt. Bis er im Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht und das Gleichgewicht zerstört worden war.

Da biss ich die Zähne zusammen. Weil wir gelobt hatten, füreinander da zu sein, auch in schweren Zeiten. Weil wir Kinder hatten, die es mit einem kranken Vater schon schwer genug hatten. Und weil ich glaubte, dass es besser werden würde. Das war meine Antwort, wenn ich gefragt wurde. Das sagte ich auch mir selbst, wenn mein Inneres es wagte, Zweifel anzumelden oder zu verzagen.

Die Mädchen waren weitergelaufen und ließen Steine flitschen. Das Wasser funkelte grünlich, und die Wellen schäumten wütend auf dem Sand und den Steinen. Ein Hund mit einem großen Ast im Maul kam angelaufen. Ein Mann, vermutlich sein Besitzer, holte ihn ein, nahm ihm den Ast ab und warf ihn ins Wasser. Der Hund sprang ins Meer und schwamm auf seine Beute zu, bekam sie zu fassen und kehrte zurück. Am Ufer ließ er sich ermattet, aber zufrieden fallen und wedelte mit dem nassen Schwanz. Der Hundebesitzer sagte etwas. Es klang so, wie es immer klingt, wenn Mensch und Tier miteinander sprechen. Beinahe, als würden sie lachen.

Tora und Linn kamen mir entgegen und hakten sich bei mir unter. Auf dem Weg nach Hause sangen wir Brecht, einige der Paradenummern meiner Mutter. Tora fragte, warum Großmutter nie auf den richtig großen Bühnen gesungen habe. Ich antwortete, ihre Stimme sei eben so gewesen, wie die Natur sie ihr gegeben hatte. Ihr Vater, mein Großvater, hätte immer gesagt, seine Tochter habe Eisenbahnschienen statt Stimmbänder im Hals. Er hatte auch nie genug Geld, um ihre Stimme ausbilden zu lassen, so gerne er das getan hätte. Aber seine Tochter hatte das Beste aus ihrer Begabung gemacht und ihr Publikum immer in ihren Bann gezogen.

Wir unterhielten uns über meine Großmutter mütterlicherseits, die Französischlehrerin war, und meine Großmutter väterlicherseits, die als Schwesternschülerin einen Exhibitionisten vertrieben hatte, der sie und die anderen Schülerinnen behelligen wollte. Dann tauchte eine Anekdote nach der anderen in der Erinnerung auf, und wir lachten und redeten durcheinander.

Beim Anblick des Hauses verstummten wir. Nachdem wir Schuhe und Stiefel sorgfältig abgetreten hatten, erfuhren wir, dass der Herr des Hauses bereits mit dem Kochen begonnen hatte. Ich ging Axel noch ein wenig zur Hand, und bald konnten wir uns zu Tisch setzen. Beim Essen unterhielten wir uns recht ungezwungen.

Linn wollte wissen, wie es ihrer Großmutter gehe, und Axel berichtete, seine Mutter habe lange Geschichten über ihren Sohn zum Besten gegeben. Axel sei der erfolgreichste Leichtathlet seiner Schule gewesen. Er hätte bereits in der siebten Klasse den Schulrekord aufgestellt, das habe er von seiner Mutter geerbt. Axels Vater war dagegen träge wie eine Schildkröte. Merkwürdigerweise erinnerte sich Großmutter umso besser an Dinge, je länger diese zurücklagen. Offenbar wurde das Gedächtnis in umgekehrter Richtung gelöscht. »Ihr solltet einmal mitkommen«, schloss Axel. »Schließlich seid ihr ihre Enkelinnen.«

Sein Ton verschärfte sich, und ich begann abzuräumen. Als ich mit dem Spülen fertig war, trat Axel mit einem Verbandskasten in die Küche und bat mich, ihn zu verbinden. Er hatte sich an einem scharfen Messer geschnitten. Vorsichtig löste ich das Papier, das er sich um den Finger gewickelt hatte. Der Schnitt war frisch und das Blut noch nicht geronnen. Ich desinfizierte die Wunde.

»Das sieht gut aus.«

»Findest du?«

»Woran denkst du?«

»An nichts.«

»Du bist so still.«

»Ich entspanne mich einfach nur.«

Axel lehnte an der Wand. Er blinzelte und erklärte, seine Augen fühlten sich trocken an.

»Bist du froh, dass wir hierhergekommen sind?«

»Ja, das bin ich. Übrigens hat man mich gefragt, ob ich im Herbst in der Kanzlei in London arbeiten will. An einem Fall, bei dem wir mit unseren englischen Kollegen zusammenarbeiten müssen.«

»London? Das ist doch fantastisch. Davon hast du noch gar nichts erzählt.«

Axel wirkte hochzufrieden.

»Ich habe es gerade erst erfahren.«

»Aber so etwas musst du doch erzählen.«

»Das tue ich doch gerade.«

»Und was hast du geantwortet?«

»Dass ich ihnen so bald wie möglich Bescheid gebe. Wir müssen schließlich darüber sprechen. Die ganze Familie. Das würde bedeuten, dass ich zwischen England und Schweden pendeln muss. Oder dass wir für eine Weile nach London ziehen, wir vier. Das kann nicht ich allein entscheiden.«

Axel lächelte. Ich erwiderte sein Lächeln, und für einen kurzen Moment flackerte sie wieder auf, unsere Gemeinschaft, unser Respekt vor den Ansichten des anderen, unser »Wir«. Dann beugte ich mich vor, um Rezina zu streicheln, und stieß dabei gegen die Flasche mit dem Antiseptikum. Die Flüssigkeit ergoss sich über die Spüle, lief über die Kante und tropfte auf den Fußboden.

Axel rief verärgert, die Reinlichkeit der Katzen sei ein bloßer Mythos. Auch wenn sie selbst keinen Schmutz verursachten, so brachten sie doch andere dazu, es zu tun. Er runzelte die Stirn, nahm einen Holzlöffel und warf damit nach Rezina. Dann verließ er die Küche, und ich hörte, dass er telefonierte.