Das verlorene Tal - Jade S. Kye - E-Book

Das verlorene Tal E-Book

Jade S. Kye

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3,49 €

Beschreibung

Es war die Liebe, die Griestal verdammte. Jade S. Kye und Gilbert Mori erzählen in drei Kurzgeschichten vom Schicksal einer Familie, eines ganzen Tals und einer jungen Frau, die sich Jahrzehnte später auf die Suche nach Antworten begibt. Doch was sie findet, wirft nur noch mehr Fragen auf...

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Seitenzahl: 44

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Das Buch

Es war die Liebe, die Griestal verdammte.

Jade S. Kye und Gilbert Mori erzählen in drei Kurzgeschichten vom Schicksal einer Familie, eines ganzen Tals und einer jungen Frau, die sich Jahrzehnte später auf die Suche nach Antworten begibt. Doch was sie findet, wirft nur noch mehr Fragen auf …

Die Autoren

Jade S. Kye, geboren 1994, studiert Germanistik, Amerikanistik und Medieninformatik in Regensburg. Sie steht kurz vor ihrem Bachelor Abschluss und arbeitet währenddessen an ihrem Debütroman. Ihre Kurzgeschichte „Wenn der Himmel schwarz wird“ veröffentlichte sie bereits bei Books on Demand. Sie führt den Blog „Bücherinsel“ auf welchem sie Rezensionen, Kurzgeschichten und Texte über das Schreiben postet.

Gilbert Mori, geboren 1990, ist Work Force und Operations Manager eines B2B-Dienstleisters in Wien. Er hat sich dem Studium der Kreativität verschrieben, berät Kreativschaffende aller Sparten im Rahmen seiner Creative Services und arbeitet an seinem Romandebüt. Zwei seiner Kurzgeschichten erschienen in Anthologien: „Sie waren stinkreich“ (piepmatz Verlag) und „Zahltag“ (mysteria Verlag).

Inhaltsverzeichnis

Die Liebenden

Minenunglück

Was von ihnen übrigblieb

Danksagung

Die Liebenden

Prolog

„Mama, Mama, Mama! Erzählst du mir noch einmal die Geschichte? Du weißt schon. Mit den Bresols und den Geisstohs?“ Ein kleines Mädchen mit Korkenzieherlocken und vielen Sommersprossen auf ihrer dunkelbraunen Haut lief auf ihre Mutter zu, die in einem Schaukelstuhl saß und den Blick in die Ferne schweifen ließ. Das Mädchen kannte diesen Blick bereits. Wenn ihre Mutter so aus dem Fenster sah, dann dachte sie an schönere Momente eines Lebens, welches in diesem Haus nicht angesprochen werden durfte. Aber sie wusste auch, dass ihre Mutter gerade dann besonders gute Geschichten erzählte. Sie waren voller Gefühle und Energie. Als wäre Mutter selbst dort gewesen.

Erst vor wenigen Tagen hatte ihre Mutter eine Geschichte, über verfeindete Familien erzählt, die durch die Eifersucht eines Dritten etwas schreckliches heraufbeschworen hatten. Es war eine schaurige Geschichte, die Melindra unbedingt noch einmal hören wollte, weil Kinder nun einmal so waren. Übernatürliches und tragisches reizte sie.

Pi’s Blick blieb einen Augenblick noch in die Ferne gerichtet, ehe sie zu ihrer Tochter hinunter blickte, die bereits ein kleines Sitzkissen zurechtgelegt und sich neben dem Schaukelstuhl auf den Boden gesetzt hatte. Melindra legte ihre kleinen Hände auf Pis rötlichbraunen Arm, der im Licht der letzten Sonne zu strahlen schien. Mit der freien Hand strich sie sich die kleinen, braunen Locken aus dem Gesicht und hinter ihr Ohr.

Da Pi für den Geschmack ihrer Tochter zu langsam begann zu erzählen, rüttelte diese an dem Arm ihrer Mutter und wippte ungeduldig auf ihrem Sitzkissen. Pi sah ihrer Tochter in die tiefbraunen Augen, die erwartungsvoll zu ihr aufblickten.

„Aber Kleines, die Geschichte habe ich dir doch erst vor ein paar Tagen erzählt. Hast du sie etwa schon vergessen?“, sagte Pi. Einen kurzen Moment lang huschte ein Lächeln über ihre Züge. Ein Blick, den Melindra nur zu sehen bekam, wenn ihre Mutter an diese Kindergeschichten dachte, die sie ihr fast täglich am Abend erzählte, seit sie sich daran erinnern konnte.

Pi stützte sich auf den Lehnen ihres Schaukelstuhls ab und setzte sich bequem hin. Die Geschichte war eine der längeren, die sie ihrer Tochter erzählt hatte. Wenn sie schon ein weiteres Mal erzählt werden sollte, dann wollte Pi wenigstens gemütlich sitzen. „Nun gut! Dann erzähle ich dir die Geschichte einer tragischen Liebe eben ein weiteres Mal“, sagte Pi, einen sehnsüchtigen Blick im Gesicht.

Melindra klatschte freudig in die Hände. Das Mädchen setzte sich im Schneidersitz auf ihr Kissen, legte die Arme auf ihre Knie und lehnte sich mit dem Kopf an die weiche Lehne des Schaukelstuhls. Ihre Mutter hielt den Stuhl ruhig, indem sie die Beine auf dem Boden abstellte. Manchmal fing Melindras Mutter an ihren Kopf gedankenverloren zu streicheln oder ihren Nacken zu kraulen. Melindra freute sich dann immer besonders über den Geschichtenabend. Pi atmete tief ein, dann begann sie zu erzählen …

Priadet und Xerlos

Priadet zog die Tür zu ihrem Zimmer so leise wie möglich zu. Sie wollte nicht, dass ihre Familie auf sie aufmerksam wurde. Die junge Frau warf sich ihren Ausgehmantel über das dunkelgrüne, knielange Kleid, welches sie so gerne trug. Es bildete einen starken Kontrast zu ihrer dunkelbraunen Haut. Ihre lockigen Haare hatte sie zu einem strammen Zopf zurückgebunden, den Sie mit der weiten Kapuze ihres Mantels zu bedecken versuchte. Die Stadt war nicht gerade groß. Ohne sich vor neugierigen Blicken zu schützen, würde Ihre Familie direkt von einem Nachbarn zu hören bekommen, dass sich die Tochter am frühen Abend aus dem Haus stahl.

Priadet lief durch den Garten. Sie schlich von einem Baum zum nächsten und hielt sich in den Schatten versteckt. Das Grundstück der Geisstohs war weit und relativ ebenerdig. Hier und da standen größere Baumgruppen zusammen, damit sich die Singvögel der Gegend auch nahe dem Haus der Geisstohs aufhalten und nisten konnten.

Nun huschte Pria weiter durch den Garten bis hin zu einer Hecke, durch welche sie sich umständlich durchzwängte, um so wenige Äste wie möglich abzubrechen. Erst nachdem sie sich mehrfach durch Blicke über die Schulter davon überzeugt hatte, dass sie von niemandem bemerkt worden war, steuerte sie ihr Ziel an. Sie bemerkte nicht, dass eine dunkel gekleidete Gestalt in den Schatten des Anwesens getreten war, als sie gerade losging und ihr nun mit genügend Abstand folgte.