Das Vermächtnis der Engelssteine - Saskia Louis - E-Book

Das Vermächtnis der Engelssteine E-Book

Louis Saskia

4,8

Beschreibung

Ihren achtzehnten Geburtstag hat sich Ella irgendwie anders vorgestellt. Ein bisschen mehr Luftballons, ein bisschen weniger Menschen die sie umbringen wollen. Der düstere Kerl, der ihr Leben rettet, ist zwar ganz süß, aber auch äußerst unhöflich - außerdem behauptet er, er sei ein Todesengel. Als er ihr auch noch weismachen will, dass sie der letzte Halbengel ist und als Einzige die Auslöschung der Menschheit verhindern kann, wächst ihr alles über den Kopf. Wem soll sie vertrauen, wenn ihr ganzes Leben eine Lüge zu sein scheint?

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Das Vermächtnis der Engelssteine: Blutopal

eBook Ausgabe 10/2016

Copyright ©2016 by Eisermann Verlag, Bremen

Umschlaggestaltung: Legendary Fangirl Design

Satz: André FerreiraLektorat: Katrin Opatz

Korrektur: Myriam Blümel

http://www.Eisermann-Verlag.de

ISBN: 978-3-946172-32-1

Saskia Louis

Das Vermächtnis der Engelssteine

Blutopal

Für Sven, weil er mir beigebracht hat, mich zu verteidigen

Prolog

Jeder Mensch will etwas Besonderes sein.

Wenn ich die Wahl gehabt hätte – hätte ich dann nicht das Außergewöhnliche dem Normalen vorgezogen?

Doch die Menschen vergessen viel zu schnell, dass alles Konsequenzen nach sich zieht. Ich habe es auch vergessen.

Als ich durchschnittlich war, war ich unsichtbar.

Jetzt kann ich mich nicht mehr verstecken.

Kapitel 1

Rot. Blau. Gelb.

Rot. Blau. Gelb. Rot. Blau ... mir wurde schwindelig, als ich versuchte den Farben mit meinen Augen zu folgen. Sie blendeten mich, während sie immer engere Kreise um meinen Kopf zogen.

Rot. Blau. Gelb. Rot. Blau. Gelb. Die Farben verschwammen zu einer grauen Masse und tauchten mich in Dunkelheit.

„Hört auf“, flüsterte ich und wollte das Grau mit meinen Händen verscheuchen. Als wäre es eine Wespe, die zu nah an mein Gesicht flog. „Hört auf damit!“ Doch meine Stimme verlor sich im leeren Raum. Mein Körper fing an zu kribbeln. Zuerst meine Fingerspitzen, dann meine Hände, meine Arme, meine Brust. Das Kribbeln nahm Besitz von mir und ich wusste, obwohl ich sie nicht mehr sehen konnte, dass die Farben immer noch da waren. Ich konnte hören, wie sie sich auf der tödlichen Jagd nacheinander umkreisten und jetzt wurde mir unerträglich heiß. Das Kribbeln verbrannte mich von innen heraus und mein Blick wanderte zu meiner Brust, in der die Hitze am stärksten war.

Rot. Blau. Gelb.

Kleine Farbpunkte pulsierten nahe meines Herzens und Panik erfasste mich. Die Farben wollten aus meinem Körper heraus und das Kribbeln wurde so unerträglich, dass ich fürchtete, ich würde explodieren. Immer größer wurden die Flecken aus Farbe und ich leuchtete immer heller, bis ...

Ich riss mich keuchend aus dem Schlaf und saß kerzengerade im Bett. Sonnenlicht schien auf mein Gesicht und erhellte mein Zimmer, doch mein Kopf brauchte etwas länger, um zu verstehen, dass es nur ein Traum gewesen war. Ich fühlte mich, als hätte ich soeben meinen Finger in eine Steckdose gesteckt.

Etwas schnitt mir in den Hals und schwer atmend griff ich über meine Schulter. Das Medaillon, das ich an einer ledernen Kette um meinen Hals trug und das gerade in meine Faust passte, hatte sich in meinen Haaren verfangen. Vorsichtig schob ich es wieder auf meine Brust und musste über mich selbst lachen.

Nur ein Traum! Natürlich würde ich nicht im nächsten Moment explodieren. Und Farben konnten nicht gegeneinander kämpfen!

Ich ließ mich wieder in die Kissen zurücksinken und legte mir eine Hand auf die Stirn, an der eine Ader pulsierte. Es war ein Traum gewesen ... aber es hatte so echt gewirkt! Wie die Hitze mich vereinnahmt hatte, wie ich gespürt hatte, dass mich neue Kraft durchströmte, ich …

„Happy Birthday to you ...“ Meine Tür wurde aufgestoßen und meine Mutter und Ian kamen mit strahlenden Gesichtern in mein Zimmer gefegt. „Happy Birthday to you, Happy Birthday, liebe Ella, Happy Birthday to yooooouuuu!“ Den letzten Ton zogen beide so wunderbar schief in die Länge, dass ich lachend den Kopf schütteln musste und mich erneut in die Senkrechte stemmte.

„Ihr seid leider nicht im Recall“, stellte ich fest und wischte mir meine Haare aus dem Gesicht.

„Na, so ein Pech.“ Meine Mutter hielt eine Kerze in der Hand und ließ sich neben mir auf mein Bett nieder. Dann seufzte sie und ich hätte schwören können, dass Tränen in ihren dunklen Augen glitzerten. „Das letzte Mal, dass wir für dich singen können, bevor ich einsehen muss, dass meine Tochter erwachsen ist.“ Sie drückte mich mit ihrem freien Arm fest an sich und gab mir einen Kuss auf die Wange.

Ich verdrehte meine Augen. „Erwachsen ist ein relativer Begriff, ich meine ... schau dich an!“

Hinter ihr unterdrückte Ian ein Lachen, bevor er sich zu mir hinunterbeugte, um mir ebenfalls eine Umarmung und einen Kuss zu geben. „Herzlichen Glückwunsch, Kleines. Schön, dass du dich immer noch mit uns abgibst.“

„Du musst dir noch was wünschen.“ Meine Mutter wedelte mit der Kerze vor meiner Nase herum, die gefährlich auf ihrem Holzsockel wackelte.

Ich überlegte kurz, schloss die Augen und murmelte laut: „Ich wünsche mir, dass Mama und Ian wieder nach unten verschwinden, damit ich in aller Ruhe duschen und mich fertig machen kann.“

Bedauernd schüttelte Mama den Kopf. „Du sollst den Wunsch doch nicht verraten ... jetzt wird er wohl nie in Erfüllung gehen.“

Grinsend zog Ian meine Mutter wieder auf die Füße. „Komm, Lydia. Wie du schon gesagt hast: Deine Tochter ist jetzt erwachsen. Wir müssen ihr einfach dabei vertrauen, dass sie weiß, wie man eine Dusche benutzt.“ Mit sanfter Gewalt bugsierte er sie nach draußen, dann zwinkerte er mir noch einmal zu und schloss die Tür. Lächelnd ließ ich mich wieder zurückfallen.

Ich hatte Geburtstag, die Junisonne schien freundlich durchs Fenster, ich musste nur noch den Abiball hinter mich bringen und dann würde ich mit meiner besten Freundin für ein Jahr nach Australien verschwinden. Mein Leben war schön und meinen Traum hatte ich schon fast wieder vergessen.

Als ich eine halbe Stunde später in meiner täglichen Aufmachung aus Jeans und T-Shirt an den Küchentisch kam, war die Kerze schon wieder angezündet worden und stand nun auf einem Kuchen, der groß „Elariel ist 18“ verkündete. Ich verzog das Gesicht, band meine Haare zu einem Pferdeschwanz und sah meine Mutter vorwurfsvoll an. Sie wusste, wie sehr ich meinen tatsächlichen Namen hasste, aber offensichtlich hatte ich trotz meiner Volljährigkeit noch genauso wenig Autorität wie zuvor.

„Zieh nicht so ein Gesicht!“, sagte meine Mutter und legte ein paar Geschenke auf den Tisch. „Das ist nun einmal dein Name!“

„Ja, und wem verdanke ich das?“

„Hey, ich lag neun Stunden in den Wehen und war mit Schmerzmitteln vollgepumpt, mir kannst du keine Schuld geben!“

„Wem dann? Meinem Vater?“

Das Lächeln fiel von Mamas Gesicht und ich bereute meine Worte sofort. Ich hatte meinen Vater nie kennengelernt. Er war Soldat in der Bundeswehr gewesen und nicht aus dem Kosovokrieg zurückgekehrt. Meine Mutter musste ihn sehr geliebt haben, da sie noch heute jedes Mal zusammenzuckte, wenn ich ihn erwähnte. Nach seinem Tod hatte sie alles, was darauf hinwies, dass er überhaupt existiert hatte, verschwinden lassen. Jedes Foto, jeden Brief, jede Habseligkeit aus seinem Besitz. Alles bis auf das Medaillon, das nun unter meinem T-Shirt versteckt auf meiner Brust lag.

Mir war schon oft der Gedanke gekommen, dass das einzige Foto, das von meinem Vater existierte, darin sein musste. Aber man brauchte einen Schlüssel um es zu öffnen, und der hatte sich wohl zusammen mit allem anderen von meinem Vater in Luft aufgelöst.

Ian räusperte sich durch die unangenehme Stille hindurch und klapperte mit dem Geschirr. „Willst du Kaffee, Ella?“

Ich nickte schnell und warf meiner Mutter einen entschuldigenden Blick zu, die jetzt wieder matt lächelte, ihre Augen immer noch ungewohnt geweitet. „Gerne, mit Milch und ...“

„... zwei Löffeln Zucker“, ergänzte er mit gehobenen Mundwinkeln. „Ich bin kein Anfänger, Ella.“

Ich grinste ihn an und eine Welle der Zuneigung überrollte mich. Ian war riesengroß, über 1,90 m, und mit seinen strohblonden Haaren, markantem Kinn und grünen Augen wahrscheinlich relativ attraktiv – ich konnte das nicht objektiv beurteilen, da er genauso immer da gewesen war, wie mein Vater abwesend. Außerdem war er alt.

„So.“ Ich sank auf einen Stuhl. „Kann ich jetzt meine Geschenke aufmachen, oder was?“

Meine Mutter erwachte aus ihrer Starre und packte den Rest an Paketen, der in einer Tüte unter dem Tisch gehangen hatte, vor mir auf den Küchentisch. Das deutete ich als ‚Ja‘.

Die nächste Stunde verbrachte ich damit, Päckchen auszupacken, Karten zu lesen und Schokoladenkuchen zu essen – denn seien wir ehrlich, Schokoladenkuchen war das verdammt beste Frühstück, das es gab.

Ich bekam eine komplette Trekking- und Campingausrüstung, eine Taschenlampe und ein Reisetagebuch geschenkt.

Schließlich war nur noch ein quadratisches Päckchen übriggeblieben, kaum so groß wie meine Hand. Ich hob es vom Tisch und schüttelte es. Es war so leicht, dass ich schon vermutete, es sei vielleicht einfach leer und meine Mutter habe sich einen Scherz erlaubt. Doch ich lag falsch. Unter dem hellblauen Seidenpapier verbarg sich ein schwarzes Samtkästchen. Eine schlichte silberne Kette lag darin, die im Sonnenlicht glitzerte, als ich sie mit meinen Fingerkuppen anhob. Sie bestand aus lauter kleinen Ornamenten, die wie ineinander gehäkelt aussahen und hinten durch eine winzige, menschliche Faust, die man in einen Klickverschluss drücken musste, zusammengehalten wurde.

„Für dein Medaillon“, flüsterte meine Mutter und jetzt war ich mir sicher, dass sie Tränen in den Augen hatte. „Weil dein Lederband doch so langsam auseinanderfällt.“

Auch meine Augen brannten, doch ich gab mir Mühe, das so gut wie möglich zu verbergen. „Danke“, sagte ich mit merkwürdig kratziger Stimme und holte das Schmuckstück hervor, um es vom zerschlissenen Lederband zu lösen. Das Silber des Medaillons war schon an einigen Stellen zerkratzt, doch man konnte immer noch die vier kleinen Buchstaben erkennen, die auf der Vorderseite eingraviert waren. N, O, S und W. In der Mitte war ein vierzackiger Stern in das Metall geritzt worden, sodass die Oberfläche des Medaillons wie ein Kompass aussah. Nur dass er zwei anstelle von einer Nadel besaß.

Ich zog das einzige Erbstück meines Vaters über die neue Kette und wandte mich mit dem Rücken zu Ian, damit er sie für mich schließen konnte.

Das Silber fühlte sich kalt auf meiner Haut an und ich umschloss es mit den Fingern, als könne ich so ein bisschen von meiner Körperwärme an den Gegenstand abgeben.

Es war merkwürdig. Ich hatte meinen Vater nie kennengelernt und doch vermisste ich ihn manchmal. Ich hatte Mama und Ian und das war alles, was ich brauchte, aber manchmal fragte ich mich ...

„Jetzt reicht es aber!“, sagte Ian. „Heute ist dein Geburtstag und nicht deine Beerdigung!“ Er stand auf und nahm meine leere Tasse mit. „Noch Kaffee? Vielleicht mit ein wenig Lachgas drin?“

Ich ließ das Medaillon aus meiner Hand fallen und lächelte. „Ja, bitte. Aber wenn du Gas reintust, bitte einen Löffel Zucker mehr!“

„Na, dann vielleicht doch lieber einen Schluck Rum. Jetzt wo du achtzehn bist ...“

„Ian! Bring sie nicht auf Ideen!“

„Genau, Ian. Ich bin ein braver Teenager. Teenager trinken keinen Alkohol.“ Ich grinste zu meiner Mutter und schob mir noch eine Gabel Schokoladenkuchen in den Mund. Ich brauchte keinen Vater. Ian war mehr als genug.

Wir frühstückten länger als sonst und weil Samstag war, waren weder meine Mutter noch Ian in Hektik. Stattdessen war ich es, die immer wieder auf die Uhr sah und schließlich um kurz nach zwölf aufsprang. „Okay, ich muss los!“, verkündete ich und fing an, meine Geschenke in den großen Trekkingrucksack zu packen, damit ich sie mit in mein Zimmer nehmen konnte.

„Los?“ Verblüfft sah meine Mutter mich an. „Wohin?“

„Ich treffe mich um halb eins mit Leah am Plattenladen, damit ich mir mein Geschenk aussuchen kann.“

„Aber ... du gehst alleine?“

Verwirrt sah ich sie an. „Nein, mit Leah, habe ich doch gesagt.“

„Aber wie kommst du hin? Willst du das Auto nehmen?“

„Das Wetter ist so schön. Ich laufe oder fahr mit dem Fahrrad. Sind doch nur zwanzig Minuten.“ Meine Mutter hatte besorgt ihre Stirn gerunzelt. Belustigt küsste ich sie auf die Wange. „Was ist los, Mama? Werden achtzehnjährige Mädchen auf der Straße öfter überfallen als andere Altersgruppen?“

Wir wohnten in einer Kleinstadt mit 6070 Einwohnern. Das Aufregendste, was hier passierte, war ein Kuchen, der von der Fensterbank gestohlen wurde, oder das Ausreißen einer heimischen Kuh. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass meine Mutter sich plötzlich um meine Sicherheit sorgte.

„Nein, natürlich nicht.“ Sie lächelte wieder. „Viel Spaß euch.“

„Danke.“ Ich hievte den schweren Rucksack auf meine Schultern und erklomm die Treppen.

Um Gottes Willen. Ich besaß keine Rückenmuskeln. Oder Beinmuskeln. Oder überhaupt Muskeln. Den Rucksack sollte ich ein Jahr herumtragen?

Ich lud den Rucksack auf mein Bett und warf einen letzten Blick in den Spiegel. Ich sah genauso aus wie immer. Hellbraunes Haar in einem Pferdeschwanz, der meine Schultern streifte, hellblaue Augen, die mir immer ein bisschen zu groß vorgekommen waren, ein zu breiter Mund und eine schmale Nase. Nein. Bis auf mein Alter hatte sich nichts geändert. Ich lief die Treppen hinunter und rief: „Bis später!“

„Pass auf dich auf, Ella!“, hörte ich meine Mutter noch antworten, bevor ich die Tür hinter mir ins Schloss zog.

Wir wohnten in einem kleinen Haus, etwa zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt. Es grenzte an ein kleines Waldstück und an mehrere abgeerntete Felder. Die Luft roch nach Bäumen und Kühen, am Himmel konnte man nachts die Sterne erkennen und Touristen kamen zu Besuch und nannten es „Kur“. Wir hatten zwei Supermärkte, eine Art Restaurant in dem ich zurzeit jobbte, und eine Art Einkaufspassage, die man zu Fuß in fünf Minuten durchqueren konnte. Ein Bach lief zwischen der etwas ländlicheren Gegend und der sogenannten Innenstadt entlang. Der war allerdings so flach, dass man sich nicht einmal ertränken könnte, wenn man ohnmächtig mit dem Kopf voran hineinfiel.

Ja, ich verstand, warum meine Mutter sich Sorgen machte.

Es war so langweilig hier, dass sicherlich bald irgendwer aus lauter Verzweiflung mit einem Panzer die Straße hinunterdonnern würde, nur damit überhaupt einmal etwas passierte!

Die Sonne schien warm auf meinen Kopf und ich war schon halb aus unserem Gartentor, als mir einfiel, dass Leah mich darum gebeten hatte, ihr ihre Jacke mitzubringen, die sie letzte Woche bei mir vergessen hatte.

Seufzend machte ich auf dem Absatz kehrt. Leahs Jacke hing gut sichtbar an der Garderobe und ich stopfte sie gerade in meine Tasche, als ich laute Stimmen aus der Küche hörte.

„Lydia, wir haben das hundertmal besprochen! Ich habe niemandem was erzählt, du hast niemandem was erzählt ...“

„Ich weiß, ich weiß!“ Meine Mutter klang ernsthaft aufgebracht.

„Dann weiß ich nicht, warum du schon wieder davon anfangen musst!“

Ich hörte Mama und Ian nicht gerne streiten und wäre auch wahrscheinlich sofort wieder gegangen, wenn ich in diesem Moment nicht meinen Namen gehört hätte.

„Ich mache mir eben Sorgen um Ella!“

„Unnötige Sorgen! Sie ist vollkommen sicher.“

Ich runzelte die Stirn und trat einen Schritt näher. Sprachen sie über Australien? Fürchtete meine Mutter, dass mir dort etwas passieren könnte?

„Sicher? Wie kannst du das sagen! Sie wird nie sicher sein. Nicht solange er ...“

„Aber niemand weiß, dass sie existiert! Und niemand wird es herausfinden!“

Niemand wusste, dass ich existierte? Hallo! Ich hatte schon zweimal in der lokalen Zeitung gestanden!

„Aber was, wenn doch? Du selbst sagtest, dass mit achtzehn ...“

„Sie ist eine Ausnahme, Lydia! Auf Ella trifft nichts von alledem zu! Außerdem ist sie, wenn überhaupt, eher passiv veranlagt.“

„Ian ...“

„Lydia. Wir würden es merken, wenn sie sich verändert.“

Wovon zum Teufel sprachen sie?

Ich war nicht mehr in der Pubertät! So viel verändern würde ich mich hoffentlich nicht mehr und ... passiv? Lehrer hatten mich des Öfteren sogar als aggressiv beschrieben! Und warum sollte jemand herausfinden wollen, ob ich existierte? Warum sollte sich überhaupt jemand für mich interessieren? Ich meine, ja, ich war schon ziemlich toll und alles, aber …

„Aber was wenn ...“

„Lydia“, sagte Ian und es fiel mir schwer, ihn über meinen eigenen Atem hinweg zu verstehen. „Sie ist durch und durch deine Tochter. Ihr wird nichts passieren. Außerdem hat sie doch die Kette.“

Meine Hand fuhr zu dem Medaillon, unter dem ich nun den stetigen schnellen Schlag meines Herzens spüren konnte. Irgendetwas sagte mir, dass es gerade nicht um Australien ging.

Wenn sie sich Sorgen um mich machten ... sollten sie da nicht mal mit mir drüber reden? Vielleicht konnte ich die Sorgen ja sofort aus der Welt schaffen!

„Du hast recht“, sagte meine Mutter nach einigen Momenten der Stille. „Es tut mir leid. Es ist nur ... manchmal frage ich mich ... ach, egal. Lass uns zu Ende aufräumen.“

Sprachlos stand ich im Flur und starrte auf die verschlossene Tür, hinter der ich jetzt hören konnte, wie Geschirr in die Spüle geräumt wurde.

Da sage noch jemand, Teenager seien kompliziert!

Kapitel 2

„Ich. Bin. Zu spät“, keuchte ich eine halbe Stunde später, als ich vorm einzigen Musikladen der Stadt zum Stehen kam, vor dem meine beste Freundin schon auf mich wartete.

„Ich weiß“, antwortete Leah grinsend, als sie in mein feuerrotes Gesicht sah. „Aber weil du heute Geburtstag hast, werde ich dir nicht sagen, dass ich seit genau zwölf Minuten und dreiundzwanzig Sekunden auf dich warte. Also ...“ Sie zog mich in ihre Arme. „Herzlichen Glückwunsch und herzlich Willkommen in der Volljährigkeit! Getrunken wird heute Abend!“

Irgendwo aus meinem Körper bekam ich noch genug Luft hergezaubert, um zu lachen. „Gott, ich sterbe gleich.“ Immer noch schwer atmend, stützte ich mich mit meinen Händen auf die Knie. „Mein Fahrrad hatte einen Platten und dann bin ich den halben Weg her gejoggt, weil ich mein Handy natürlich Zuhause vergessen habe und ...“ Ich japste nach Luft. „Egal, worauf ich hinauswollte: Wann bin ich so verdammt unsportlich geworden? Ich bin letztes Jahr einen Halbmarathon gelaufen, verdammt!“

„Das ist das Alter“, bemerkte Leah nur und half mir, mich aufzurichten. „Aber krepier‘ mir hier nicht vorm Laden. Sonst kriege ich noch Hausverbot in dem einzigen coolen Geschäft, das diese Stadt zu bieten hat. Gott, ich muss hier raus. Wenn meine Mutter noch einmal fragt, ob sie mir ein Butterbrot schmieren kann, muss ich mich umbringen.“

Ich lachte und das Stechen in meinen Seiten wurde schwächer. „Zwei Monate! Dann sind wir weg. Und hey, ich habe heute Morgen den kompletten Globetrotterladen geschenkt bekommen! Wir könnten statt nur einem glatt drei Jahre bleiben.“

„Bring mich nicht in Versuchung. Meine Mutter hat mich heute Morgen als Facebookfreund geadded – und ich weiß nicht, ob sie mir glaubt, wenn ich ihr sage, dass es bei Facebook nicht legal ist, mit der Familie befreundet zu sein, und ich Angst davor habe, aus dem Netzwerk zu fliegen.“

Ich musste noch lauter lachen und mein Herz schlug nun wieder auf einer normalen Frequenz. Leah und ihre Mutter hatten eine komplizierte Beziehung – um es nett auszudrücken.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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