Das Wunder der Achtsamkeit - Thich Nhat Hanh - E-Book + Hörbuch

Das Wunder der Achtsamkeit E-Book

Thich Nhat Hanh

4,8

Beschreibung

Das Standardwerk für alle, die wissen wollen, was Meditation wirklich ist und wie man sie in den Alltag integrieren kann. Thich Nhat Hanh zeigt, wie wichtig Achtsamkeit ist, um den Herausforderungen des Lebens gelassen und entspannt zu begegnen. Die 32 Übungen, die er entwickelt hat, helfen, Das Wunder der Achtsamkeit in jedem Moment unseres Lebens zu erfahren.

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Seitenzahl: 123

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THICH NHAT HANH

Das Wunderder Achtsamkeit

Einführung in die Meditation

Theseus im Internet: www.Theseus-Verlag.de

Titel der amerikanischen Originalausgabe:

The Miracle of Mindfullness

erschienen bei Beacon Press, Boston, MA, USA

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet

über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN Print 978-3-89901-238-5

ISBN E-Book 978-3-95883-096-7

Übersetzung ins Deutsche: Sylvia Wetzel

Neubearbeitung: Karen Siebert

Lektorat: Ursula Richard / Ulrich Scharpf

© 1975 by Thich Nhat Hanh

© der deutschen Ausgabe 1988 by Theseus in

J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld

© des Vorwortes 2001 by Theseus in

J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld

Die Gedichte auf Seite 11, 21, 39, 47, 63, 75, 91 und 103 sind entnommen aus: Thich Nhat Hanh Nenne mich bei meinen wahren Namen

© der deutschen Ausgabe 2010 O.W. Barth, ein Unternehmen der Droemerschen

Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co KG, München

Die Verwertung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne

Zustimmung des Verlages urheberrechtswidrig und strafbar.

Dies gilt auch für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen

und für die Verarbeitung mit elektronischen Systemen.

Umschlaggestaltung: Morian & Bayer-Eynck, Coesfeld, www.mbedesign.de

unter Verwendung eines Fotos von © Hildegard Morian

Illustrationen: Judith Bossert

Satz und Gestaltung: Dagmar Schadenberg, Berlin

E-Book Gesamtherstellung: Bookwire GmbH, Frankfurt a. M.

INHALT

Vorwort

von Ulrich Scharpf

Vom Alltagsbewusstsein zum Kern der Übung

Das Wunder, auf der Erde zu gehen

Gönnen Sie sich einen Tag der Achtsamkeit

Wie ein Kieselstein

Eins ist alles, alles ist eins

Der Mandelbaum in Ihrem Vorgarten

Drei wunderbare Antworten

Zweiunddreißig grundlegende Achtsamkeitsübungen

Mit den Augen des Mitgefühls sehen

von James Forest

VORWORT

Achtsamkeit ist ein Schlüsselwort der buddhistischen Lehre. Als solches ist es aber auch – wie alle Begriffe – ein Feld für Missverständnisse. Denn wie der Buddhismus insgesamt als primär asketische, weltfremde Religion verkannt werden kann, so könnte auch der Ausdruck Achtsamkeit als einschränkende Kontrolle, als rigide Hab-Acht-Disziplin missdeutet werden. »Achtsamkeit« ist die Übersetzung des Sanskrit-Wortes smriti (Pali: sati), das ursprünglich vor allem »Gedächtnis« und »Erinnerung« bedeutete. Die erweiterte Bedeutung »Achtsamkeit« entspringt der Erfahrung, dass wir vor allem die Momente im Gedächtnis, in lebendiger Erinnerung behalten, in denen wir vollkommen lebendig sind, in denen sich Herz und Geist ganz öffnen für die Intensität des Augenblicks.

Achtsamkeit meint also nicht verkrampfte Selbstkontrolle, mit der wir eine Cola-Dose in höchster Konzentration auf unsere Bewegungen auf dem Waldboden abstellen und dort liegen lassen, ohne daran zu denken, was wir mit unserer Umwelt in diesem Moment machen. Sie ist auch nicht als kritisches Überwachen und Bewerten der Prozesse in Körper und Geist zu verstehen, die immer auf der Suche danach sind, was gut und was schlecht ist. Die Übung der Achtsamkeit, die der buddhistische Mönch und Meditationslehrer Thich Nhat Hanh in diesem Buch vorstellt, heißt mit liebevoller Akzeptanz alles willkommen, worauf sie sich richtet, von unseren körperlichen Vorzügen, spirituellen Fortschritten und altruistischen Idealen bis hin zu geistiger Trägheit, Wut und Haarausfall.

Thich Nhat Hanh vermag es in einfachen und doch tiefgründigen Worten, die Leichtigkeit und Frische dieser Übung aufzuzeigen sowie das ungeheure Potenzial, das in ihr steckt. Vielleicht liegen Sie gerade gemütlich auf Ihrem Sofa, während Sie diese Zeilen lesen, oder Sie stehen im Gedränge eines überfüllten Buchladens – wo immer Sie gerade sind: Wenn Sie kurz innehalten, Ihren Körper spüren, das Kommen und Gehen des Atems, Ihre Umgebung registrieren, … dann ändert dieser kleine Moment der Achtsamkeit nicht nur Sie, sondern auch die Welt, in der Sie sich befinden. Geist und Körper sind nicht mehr ganz so getrennt, Ihr Wahrnehmungsfeld weitet sich, die Umgebung wird vielleicht mehr zur Mitwelt. Ist das nicht schon ein kleines Wunder?

Wenn Thich Nhat Hanh vom »Wunder« der Achtsamkeit spricht, meint er zum einen dieses Wohlbehagen, das wir im Alltag auf so einfache Weise erfahren können. Und er meint noch mehr als das. Innehalten und spüren, was ist, schafft Raum für weitere Wunder. Wir finden selbst in der Hektik des Alltags zu uns und spüren unsere Bedürfnisse und unsere Intuition klarer. Achtsamkeit verschafft uns einen größeren Überblick über die Auswirkungen unserer Gedanken und Handlungen. Ungeahnte Zusammenhänge eröffnen sich da. Der freie Fluss des akzeptierenden Gewahrseins macht die Grenze zwischen dem Subjekt und Objekt der Wahrnehmung, zwischen Ich und Umwelt durchlässiger. Diese Grenzziehung wurde im Buddhismus immer als künstlich betrachtet. Die Erkenntnis, dass es ein abgeschottetes, für sich existierendes Ich in Wirklichkeit nicht gibt, wird als Leerheit bezeichnet. Thich Nhat Hanh zeigt in einer Folge von zweiunddreißig meditativen Übungen, wie wir uns durch Achtsamkeit der lebendigen Erfahrung der Leerheit annähern und uns der Fülle des Seins in seiner wechselseitigen Vernetztheit öffnen können. Achtsamkeit wird so zur Basis für die tiefste meditative Verwirklichung.

Und das Schöne daran ist: Es ist für die Übung nicht notwendig, dass Sie Ihre Beine im Lotossitz verknoten oder an langen Retreats mit wenig Schlaf und zweifelhafter Ernährung teilnehmen. Beginnen Sie einfach jetzt, und erfreuen Sie sich an dem Wunder der Achtsamkeit.

Ulrich Scharpf

Vierundzwanzig brandneue Stunden

Heute Morgen wache ich auf und sehe den blauen Himmel.

Ich lege meine Hände zusammen im Dank

für die vielen Wunder des Lebens;

für die vierundzwanzig brandneuen Stunden,

die vor mir liegen.

Die Sonne geht auf,

und der Wald, getaucht in das Licht der Sonne,

wird zu meiner Achtsamkeit.

Ich laufe durch ein Feld von Sonnenblumen.

Zehntausende von Blumen wenden sich

dem strahlenden Osten zu.

Meine Achtsamkeit ist wie die Sonne.

Meine Hände säen Samenkörner für die nächste Ernte.

In meinen Ohren erschallt der Klang der steigenden Flut.

Aus allen Richtungen tauchen Wolken

am strahlenden Himmel auf

und begegnen sich voller Freude.

Ich sehe die duftenden Lotosteiche meiner Heimat,

erkenne die Kokospalmen entlang des Flusses.

Endlos, endlos erstrecken sich die Reisfelder,

sie lachen die Sonne und den Regen an.

Mutter Erde schenkt uns Koriander, Basilikum,

Sellerie und Minze.

Morgen werden die Hügel und Berge des Landes

wieder ergrünen.

Morgen werden die Knospen des Lebens aufplatzen.

Süß wie Kinderlieder

werden die Gedichte aus dem Volk sein.

VOM ALLTAGSBEWUSSTSEIN ZUM KERN DER ÜBUNG

Gestern bekamen wir Besuch: Allen schaute mit seinem Sohn Joey bei uns vorbei. Groß ist Joey geworden! Mit seinen sieben Jahren spricht er bereits fließend Französisch und Englisch – und etwas Slang von der Straße.

Der Unterschied zwischen dem Erziehungsstil hier im Westen und dem bei uns zuhause in Vietnam ist beträchtlich. »Ein Kind braucht Freiheit in seiner Entwicklung« – dies ist hier die vorherrschende Einstellung der Eltern. In den zwei Stunden, die ich mich mit Allen unterhielt, musste er Joey ständig im Auge behalten. Joey spielte und redete ununterbrochen, störte uns dauernd, so dass es kaum möglich war, ein normales Gespräch zu führen. Ich gab ihm ein paar Bilderbücher, aber er schaute sie nur flüchtig an und warf sie gleich wieder beiseite. Wieder unterbrach er unser Gespräch, forderte ständig unsere Aufmerksamkeit.

Später ging er dann nach draußen, um mit einem Nachbarkind zu spielen. Ich fragte Allen: »Ist es einfach, mit einer Familie zu leben?« Allen antwortete nicht direkt. Seit der Geburt von Ana vor einigen Wochen, sagte er, habe er kaum richtig schlafen können. Nachts weckt Sue ihn auf und bittet ihn – da sie selbst zu müde zum Aufstehen ist – nachzusehen, ob Ana noch atmet. »Ich stehe also auf, schaue nach der Kleinen, gehe wieder ins Bett und schlafe weiter. So geht das manchmal zwei- bis dreimal in einer Nacht.«

»Findest du das Leben als Familienvater einfacher als das eines Junggesellen?«, fragte ich ihn. Er schwieg. Aber ich verstand. So stellte ich ihm eine weitere Frage: »Viele Leute behaupten ja, dass man mit einer Familie weniger einsam ist und mehr Sicherheit genießt. Siehst du das auch so?« Allen nickte und murmelte etwas vor sich hin.

Schließlich sagte Allen: »Weißt du, ich glaube, ich habe eine Möglichkeit gefunden, wie ich jetzt viel mehr Zeit für mich haben kann. Früher habe ich meine Zeit ganz anders betrachtet: sie schien mir aus lauter verschiedenen Abschnitten zu bestehen. Einen Teil hatte ich für Joey reserviert, einen anderen für Sue, dann gab es den, wenn ich mich mit ihr gemeinsam um Ana kümmerte, und schließlich noch den Anteil für die Hausarbeit. Die Zeit, die dann noch übrig blieb, gehörte mir. Da konnte ich lesen, schreiben, meine Forschungsarbeit betreiben und spazieren gehen. Neuerdings versuche ich, mir meine Zeit überhaupt nicht mehr in einzelne Abschnitte einzuteilen. Die Zeit mit Joey und Sue betrachte ich jetzt genauso als meine eigene Zeit. Wenn ich Joey bei den Hausaufgaben helfe, schaue ich, wie ich auch diese Zeit genauso zu meiner eigenen machen kann. Ich gehe also mit ihm seine Hausaufgaben durch, bin ganz bewusst mit ihm zusammen und entwickle so auch wirkliches Interesse an unseren gemeinsamen Aktivitäten. Die Zeit, die ich scheinbar nur ihm widme, wird dadurch plötzlich zu meiner eigenen Zeit. Genauso mache ich es jetzt auch mit der Zeit, die ich mit Sue verbringe. Und das Verblüffende daran ist, dass ich auf einmal unbegrenzt Zeit für mich selbst habe!«

Allen lächelte, als er mir das erzählte. Ich war überrascht. Das hatte Allen nicht aus Büchern, sondern in seinem Alltag für sich allein herausgefunden.

Abwaschen, um abzuwaschen

Als junger Novize lebte ich vor einigen Jahrzehnten in der Tu-Hieu-Pagode. Das Abwaschen war damals eine wenig angenehme Aufgabe. In der Zeit der Exerzitien, wenn alle Mönche wieder im Kloster versammelt waren, mussten zwei Novizen für zeitweise mehr als hundert Mönche kochen und abwaschen. So etwas wie Spülmittel kannten wir nicht! Wir hatten nur Asche, Reisspelze und Schalen von Kokosnüssen. Das war alles. Eine schwere Aufgabe, so einen Riesenstapel von Schüsseln zu säubern, besonders im Winter, wenn das Wasser eiskalt war! Zunächst hieß es, einen großen Topf Wasser heiß zu machen, bevor wir mit dem Putzen und Schrubben anfangen konnten. Heute gibt es in den modernen Küchen flüssige Seife, spezielle Spülbürsten und selbstverständlich fließend heißes Wasser, was die Arbeit natürlich sehr viel angenehmer macht. Da fällt es nicht mehr schwer, mit Freude abzuwaschen. Ohne große Vorbereitungen kann man das Geschirr abwaschen und sich danach gemütlich hinsetzen, um in Ruhe eine Tasse Tee zu genießen. Nun halte ich die Anschaffung einer Waschmaschine für die Wäsche ja durchaus für sinnvoll (obwohl ich selbst meine Kleidung von Hand wasche), aber eine Geschirrspülmaschine finde ich dann doch übertrieben!

Wenn man abwäscht, sollte man nur abwaschen, das heißt, man sollte sich während des Abwaschens dessen ganz bewusst sein, dass man abwäscht. Das kommt einem auf den ersten Blick vielleicht etwas albern vor. Warum einer so banalen Sache wie Abwaschen derart viel Aufmerksamkeit widmen? Doch das ist der springende Punkt: Die Tatsache, dass ich hier stehe und diese Schalen abwasche, ist die wunderbare Wirklichkeit. Ich bin ganz ich selbst, folge meinem Atem und bin mir meiner Präsenz, meiner Gedanken und Handlungen völlig bewusst. Diese Bewusstheit verleiht mir eine innere Festigkeit, und verhindert, dass mein Geist wie eine Flasche in den Wellen des Ozeans hin und her geworfen wird.

Die Tasse in der Hand

Als mein lieber Freund, Jim Forest, und ich uns vor acht Jahren zum ersten Mal begegneten, arbeitete er bei der Katholischen Friedensgesellschaft. Im letzten Winter kam mich Jim besuchen. Nun wasche ich gewöhnlich das Geschirr gleich nach dem Abendessen ab, bevor ich mich wieder den anderen widme und mit ihnen Tee trinke. An einem Abend fragte mich Jim, ob er dies nicht heute einmal übernehmen solle. Ich sagte: »Ja, mach nur, aber wenn du abwäschst, dann musst du auch wissen wie.« Jim entgegnete: »Na hör mal, meinst du, ich weiß nicht, wie man Geschirr spült?« Ich entgegnete ihm: »Weißt du, es gibt zwei Arten, Geschirr zu spülen: einmal so, dass man hinterher sauberes Geschirr hat, und die zweite Art besteht darin, abzuwaschen, um abzuwaschen.« Jim war erfreut und sagte: »Dann wähle ich die zweite Art – abwaschen, um abzuwaschen.« Von nun an wusste Jim, wie man den Abwasch macht, und gern übertrug ich ihm die Verantwortung dafür gleich für die ganze Woche.

Wenn wir beim Abwasch lediglich an die Tasse Tee denken, die uns erwartet, und wir uns deshalb beeilen, um es schnell hinter uns zu bringen, als wäre der Abwasch eigentlich etwas völlig Überflüssiges, dann waschen wir keineswegs ab, »um abzuwaschen«. Ja, wir leben dann eigentlich auch gar nicht, während wir abwaschen! Wir sind unfähig, das Wunder des Lebens zu begreifen, wenn wir mit dieser Einstellung am Spülbecken stehen. Wenn wir aber nicht einmal bewusst abspülen können, liegt es nahe, dass wir auch nicht in der Lage sind, wirklich unseren Tee zu trinken. Dann trinken wir zwar unseren Tee, denken aber pausenlos an andere Dinge und sind uns der Tasse in unserer Hand kaum bewusst. So verschlingt uns die Zukunft – und wir sind leider gänzlich unfähig, auch nur eine Minute lang unser Leben wahrhaftig zu leben.

Können wir wirklich eine Mandarine essen?

Viele Jahre ist es jetzt her, aber ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich mit Jim zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten reiste. Eines Tages saßen wir unter einem Baum und aßen Mandarinen. Jim fing an, über unsere Zukunftspläne zu sprechen. Wann immer wir Pläne machten oder irgendwelche Vorhaben entwickelten, die spannend und interessant waren, konnte sich Jim derart hineinvertiefen, dass er im wahrsten Sinne des Wortes vergaß, was er im Augenblick gerade tat. Er nahm ein Stück Mandarine in den Mund, und bevor er überhaupt begonnen hatte zu kauen, steckte er sich bereits das nächste Stück in den Mund. Er bekam überhaupt nicht mit, dass er eine Mandarine aß. Ich brauchte dann nur zu sagen: »Du solltest zuerst das Stück essen, das du im Mund hast«, und Jim merkte, was er tat.

Durch diese Angewohnheit war es aber im Grunde so, als hätte er überhaupt keine Mandarine gegessen, oder wenn er etwas aß, dann aß er allenfalls noch seine Zukunftspläne.

Eine Mandarine besteht aus einer Anzahl von Stücken. Gelingt es uns, auch nur ein Stück wirklich zu essen, so können wir vermutlich auch die ganze Mandarine essen. Essen wir aber dieses eine Stück nicht wirklich, können wir wohl auch die ganze Mandarine nicht essen. Jim verstand. Er ließ die Hand ruhen und richtete seine Aufmerksamkeit auf das Stück Mandarine, das er gerade im Mund hatte. Sorgfältig kaute er es, bevor er das nächste Stück in die Hand nahm.

Später kam Jim wegen seiner Antikriegs-Aktivitäten ins Gefängnis. Ich machte mir Sorgen, dass er es in der engen Gefängniszelle nicht aushalten würde, und schickte ihm einen kurzen Brief: »Denkst du noch manchmal an die Mandarine, die wir miteinander gegessen haben? Dein Aufenthalt im Gefängnis gleicht dieser Mandarine. Schluck es und sei eins damit. Morgen ist es vorbei.«

Der Kern der Übung