Das Wunschdesaster - Andrea Bienek - E-Book
Beschreibung

Wünsch dir was!   Sams Leben könnte nicht schlimmer sein. Er hasst seinen Job, ist mit sich unzufrieden, und seine große Liebe Kristie hat kein Interesse an ihm. Aus all dem Frust sucht er eine Auszeit und trifft dabei auf den Naturgeist Siourissa, der auf all seine Probleme eine Lösung zu haben scheint. Er schenkt ihm eine Wunschmachine, die ihm all seine materiellen Wünsche erfüllt. Nur wie weit wird Sam gehen, um das Herz seiner großen Liebe für sich zu gewinnen? Ist Liebe käuflich, und wie ehrlich ist sie dann noch?   Autorin Andrea Bienek spielt hier gekonnt mit Hauffs Märchen in einer faszinierenden Darstellung und vor einer völlig neuartigen Kulisse.

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Seitenzahl:129

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Andrea Bienek

DAS WUNSCHDESASTER

Inhalt

Wünsch dir was!

Sams Leben könnte nicht schlimmer sein. Er hasst seinen Job, ist mit sich unzufrieden, und seine große Liebe Kristie hat kein Interesse an ihm. Aus all dem Frust sucht er eine Auszeit und trifft dabei auf den Naturgeist Siourissa, der auf all seine Probleme eine Lösung zu haben scheint. Er schenkt ihm eine Wunschmachine, die ihm all seine materiellen Wünsche erfüllt.

Nur wie weit wird Sam gehen, um das Herz seiner großen Liebe für sich zu gewinnen? Ist Liebe käuflich, und wie ehrlich ist sie dann noch?

Autorin Andrea Bienek spielt hier gekonnt mit Hauffs Märchen in einer faszinierenden Darstellung und vor einer völlig neuartigen Kulisse.

Weitere Informationen zur Autorin finden sie am Ende des Buches.

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.deabrufbar.

Copyright © 2018 by Papierverzierer Verlag

Herstellung, Satz, Lektorat, Korrektorat: Papierverzierer Verlag

Cover: Legendary Fangirl Design // Tina Köpke

Alle Rechte vorbehalten.

Sämtliche Inhalte, Fotos, Texte und Graphiken sind urheberrechtlich geschützt. Sie dürfen ohne vorherige Genehmigung weder ganz noch auszugsweise kopiert, verändert, vervielfältigt oder veröffentlicht werden.

ISBN 978-3-95962-931-7

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Inhaltsverzeichnis
Das Wunschdesaster
Titel
Inhalt
Impressum
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Andrea Bienek

Kapitel 1

In seinem Gehirn funktionierte nichts so, wie es sein sollte. Es fühlte sich an, als wäre sein Kopf über Nacht zu einem Terraforming-Aggregat mutiert. Wackelig, instabil und höchst explosiv. An das dazugehörige Hammerwerk, das es jederzeit zum Ausbruch bringen konnte, wollte er nicht einmal denken. Aber Letzteres schien normal, nach einer ausschweifenden Party wie der vom Vortag. 

Nein, was ihm Sorge bereitete, war sein Gedächtnis. Nicht nur Blackouts durchlöcherten seine Erinnerungen, es erschien alles verschwommen, unwirklich und merkwürdig verblasst. Das war anders als sonst, fühlte sich falsch an. Dabei kannte Sam sich mit Partydrogen aus. Vor allem mit denen, die er gestern wegen seines Geburtstages spendabel verteilt und maßlos zu sich genommen hatte.

Mit diesem Tag war er siebzehn Jahre alt, und gemäß den interplanetarischen Regelungen galt er als volljährig. Jetzt musste er nicht mehr ständig zum Mond oder zur Erde fliegen, um die Erlaubnis seiner Eltern für etwas einzuholen, das er längst selbst entschied. Diese Zeiten waren vorbei! Seit über zwei Jahren lebte er in seinem eigenen Quartier in der Nähe einer gewaltigen Raumstation und niemand sagte ihm mehr, was er zu tun oder zu lassen hatte. Bisher hatten die Regierungen der Vereinten Planeten allerdings für jeden Pups das Einverständnis der Eltern verlangt. Bis gestern, dem letzten Tag seiner Minderjährigkeit.

Doch außer dieser rein formalen Selbstständigkeit würde sich bei ihm nicht viel ändern.

Ta-bumpf-ta-bumpf-ta-bumpf. Das Hammerwerk pochte gnadenlos. Sein Hirn schien unter dieser Behandlung zu stottern und zu brummen wie ein Computer aus uralter Zeit, der Probleme mit dem Hochfahren hatte. So ein Teil hatte einst sein Urururur-Großvater programmiert – vor fast 400 Jahren. Er kannte dessen Aufzeichnungen und wünschte sich sehnlichst, er wäre in der damaligen Zeit geboren worden und nicht in dieser.

Sam kniff die Lider zusammen, als wäre es in seinem Quartier taghell, dabei konnte er die Hand vor Augen nicht sehen. Mit den Fingern rieb er sich durch das kurze Haar, rubbelte über die Kopfhaut, nur um sicherzugehen, dass sein Schädel noch da war.

Gestern war zu viel des Guten gewesen. Warum hatte er es nur so übertrieben? Alkohol durfte man nicht unterschätzen, aber die Methan-Ethanol-Kombipackung hätte er sich sparen können. Auch wenn es sich angefühlt hatte, als könnte er fliegen. Dabei hatte dieser Zustand ihm ein Lächeln von Kristie eingebracht, die mit ihrem dämlichen Freund, ihrem Navy, angerückt war.

Na ja, wenigstens war sie überhaupt aufgetaucht. Das hatte ihn bereits glücklich gemacht.

Sam versuchte sich ihr Gesicht in Erinnerung zu rufen, ihr Lächeln, als er mit einer Pyramide aus Sektschalen zu ihr getänzelt war, vor ihr niederkniete und ihr die oberste anbot. Dieses Kunststück hatte er zuvor nie fertiggebracht, aber mit Hilfe der Kombipackung entpuppte sich das als ein Kinderspiel.

Wieder grinste Sam in sich hinein. Er rief sich das Bild vor Augen – und sein Grinsen verebbte. Nein, sein Hirn machte seinen Job nicht ordentlich. Die Erinnerung wirkte wie ein DVD-Film seines Ur-Opas aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Zweidimensional, glanzlos und seltsam verpixelt. Vor sich sah er Kristies wunderschönes Gesicht, das verblasste und unrealistisch wirkte wie ein Papierfoto. Von gestern zu heute hätte das anders aussehen sollen, viel intensiver und strahlender. Als er versuchte, sich stärker auf die Erinnerung zu konzentrieren, begann der Rückblick zu flackern und das Aggregat in seinem Kopf vibrierte gefährlich. Unter stöhnen zog er sich das Laken über die Nase, biss die Zähne fest zusammen.

War die Party die Qualen wert gewesen? Ja. Leider ja.

Rotes schummriges Licht erhellte sein Quartier und ein monotones Summen erklang. Elli, sein Connector, meldete sich. Dieses nützliche und zugleich nervige Stück Technik begleitete einen überall hin. Jedes Wesen, egal ob Mensch oder Außerirdischer (oder auch beides), stand über einen Connector mit allen anderen in Kontakt. Diese winzigen Schaltkreise, die in einen transparenten anschmiegsamen Chip integriert waren, trugen sie entweder als Implantat an einer beliebigen Stelle des Körpers oder es war Teil ihrer alltäglichen technischen Ausrüstung. Es gab niemanden, der freiwillig darauf verzichtete. Außerdem konnte diese glorreiche Errungenschaft auf alle möglichen und unmöglichen Daten zugreifen. Daher wusste sie alles und war von sämtlichen Mitgliedern der Vereinigten Planeten zwingend zu nutzen.

»Was willst du?«, brüllte Sam durch das Laken hindurch. »Lass mich doch einfach pennen!«

»Dein Boss ruft an, Sam«, erwiderte eine säuselnde Frauenstimme. Sam hatte verflucht viele Einheiten investiert, um seinen Connector selbst programmieren zu können. Daher klang Elli auch nicht wie alle anderen und hatte ein paar höchst praktische Extras auf Lager. »Nimmst du das Gespräch entgegen?«

 Als Zaut-Beauftragter fristete Sam ein Dasein, das von ständiger Pleite bedroht war. Eine Zaut war eine erwerbbare Legitimation, die eine Mischung aus Zollkontrolle und Maut darstellte. Sie wurde an jeder Grenze eines Hoheitsgebiets verlangt, das zu den Vereinigten Planeten gehörte. Sams Jobbezeichnung klang wie eine bedeutungsvolle Position. In Wahrheit hockte er in einer winzigen, frei im All schwebenden Einmann-Kugelstation, die mit einer Sonde Raumschiffe und Gleiter checkte und herausfand, ob eine gültige Zaut vorhanden war. Das hatte seine Tücken, denn häufig fand der Computer keine und Sam musste die Daten nach einer Lizenz durchforsten. Fand auch er nichts, hieß das, einen Kontakt zum Schiff aufzubauen, der im Ausnahmefall ohne Konflikte ablief. Ein zermürbender Job, den keiner wollte – auch Sam nicht. Aber bei seinem niedrigen Bildungsabschluss blieb ihm keine Wahl.

»Mein Boss? Was will der denn?«, brummte er.

»Darüber besitze ich leider keine Informationen.«

Natürlich nicht, dachte er Augen rollend, stützte sich auf die Ellbogen und bereute es sofort. Sein Bett wurde zum High-Speed-Karussell und Übelkeit stieg in ihm auf. Er rang das Gefühl nieder, dann seufzte er. »Egal, stell ihn durch, Elli. Bitte nur Audio, erspare mir seinen Anblick.«

Es erklang ein lautes Piepsen, das die Schmerzen in Sams Kopf zu verstärken schien. Er hatte es gewusst, schließlich kannte er das System in- und auswendig, denn dieses furchtbare Geräusch bedeutete, dass sein Gesprächspartner durchgestellt wurde.

»Wo bleibst du, Sam?«, polterte die Stimme seines Chefs durch den Raum. Das Hammerwerk in Sams Kopf fühlte sich herausgefordert, härter zuzuschlagen und zwang ihn regelrecht in die Knie. »Du hättest schon vor zehn Minuten auf der Arbeit sein müssen! Es gibt einen verdammten Stau! Wo steckst du eigentlich? Liegst du etwa noch im Bett?« Einige Beschimpfungen folgten, die Sam geflissentlich überhörte.

»Barney, ich hab heute frei!«, unterbrach er seinen Chef.

»Ach ja? Dann guck mal auf deinen Dienstplan!«, donnerte dieser weiter.

»Du hast ihn geändert?«, fragte er verblüfft und richtete sich stöhnend auf. »Wann?«

»Gestern, kurz vor Mitternacht.«

Dieses verdammte A… »Du spinnst doch!«, fuhr Sam ihn an. »An meinem Geburtstag. Du wusstest, dass ich eine Party schmeiße! Ich hatte dich eingeladen!«

»Das ist mir einerlei. Sieh zu, dass du herkommst, oder du bist deinen Job los.«

»Verbindung unterbrochen«, meldete Elli sanft. »Soll ich eine neue aufbauen?«

»Nee, lass mal«, murrte Sam und schwang die Beine aus dem Bett. »Das bringt sowieso nichts.« Ta-bumpf-ta-bumpf-ta-bumpf. Die Hammerschläge standen kurz davor, ihm den Schädel einzuschlagen. Schwankend versuchte er, sich aufrecht zu halten. Gleich würde das Terraforming-Aggregat in seinem Kopf hochgehen. Garantiert.

***

Mit Hilfe des medizinischen Standardprogramms, das ein fester Bestandteil eines jeden Quartiers war, ließ er sich eine Wiederherstellungsinjektion spritzen. Nach einem kurzen Sprachbefehl öffnete sich eine Klappe in der Badezimmerwand und ein Injektionsarm fuhr geräuschlos aus dem Dunkel. Doch statt einer Kanüle, rammte ihm das Ding einen Stempel mit hunderten von Nadeln gegen den Oberarm, was höllisch brannte. Das einzig Gute daran war, dass zumindest das Donnern in seinem Kopf verebbte. Fit machte es jedoch nicht.

Besser – zumindest etwas, dachte er.

Dann folgte die Schalldusche, er ließ sich von ihr säubern und fuhr dann die Fluggastbrücke an der Außentür seiner Behausung aus. Der Tunnel verschaffte ihm Zugang zu dem am Quartier angedockten Deltagleiter. Er hätte sich auch teletransportieren können, aber vom Stand in den Sitz katapultiert zu werden, verursachte bei ihm jedes Mal ein unwohles Gefühl. Ein einziges Fingertippen auf seinen im Arm implantierten Connector mit dem Hinweis, wohin er möchte, würde genügen. Er zerfiel in seine Elementarteilchen und wäre am Zielort exakt zusammengesetzt worden. Doch wenn er nicht musste, bevorzugte er es, selbstständig über die Verbindungsbrücke zu gehen. 

Mies gelaunt flog er zur »Boje«, wie er die Kugelstation nannte. Die obere Hälfte ähnelte einer gläsernen Kuppel, nur dass die durchsichtige Panzerung nicht aus Glas bestand, sondern aus einer Mixtur Carbon mit kristallinem, außerirdischem Metall. Von außen nicht einsehbar, doch der Blick hinaus war phänomenal.

Unzählige Lichtpunkte glühten, funkelten und strahlten aus einer alles verschlingenden Schwärze heraus. Ein jeder in einer anderen Größe, Farbe oder Intensität, auch wenn sie von seiner Position aus kaum zu unterscheiden waren. Doch Sam wusste, dass alles, was es in diesen unendlichen Weiten gab, ob Sterne, Planeten, Galaxien, Quasare, Kometen – es gab derlei so vieles! – dass sie alle einzigartig waren. Die Boje zeigte ihm durch ihre spezielle Konstruktion, all die Formen, Farben und Schattierungen, die das menschliche Auge nicht erkennen konnte. Ohne die Boje sähe das All tiefschwarz aus. Außer den Himmelskörpern war nichts anderes erkennbar. Doch durch die Kuppel betrachtet, sah er es schillern, flackern, wabern und es wirkte auf ihn, als sei das Universum lebendig, die Schwärze nicht allumfassend. Vor allem aber war es eines: vierdimensional. Für seinen Job war das besonders wichtig, denn so konnte er auch die Flieger sehen, die das menschliche Auge nicht hätte erfassen können.

Die untere Hälfte seiner Kugelstation beherbergte den Antrieb, der seinen Namen nicht verdiente, denn das Ding flog ungefähr so schnell wie eine Taube auf der Erde. Außerdem befand sich in diesem Bereich auch die Sondierungseinheit, um die Zauten zu identifizieren. Im Kugelinneren stand ein polsterloser, fest verankerter Stuhl, der sich um die eigene Achse drehen konnte, und von dem aus man das rund herum angebrachte Cockpit bediente. Dort befanden sich Displays, Anzeigen, Touchscreens und Oberflächen für virtuelles Zubehör. Das meiste durfte er nicht anfassen. Sams Job bestand darin, nach Zauten zu schauen, sie auszulesen und, wenn keine zu finden waren, in den Daten danach zu suchen. Zum Scannen gab es einen Knopf, das Auslesen übernahm die Boje und für das Suchen nutzte er den Touchscreen. Das war’s. Die anderen Bedienelemente zu verwenden, war höchstens im Notfall erlaubt.

Genau wie sein Chef gesagt hatte, stauten sich bereits Dutzende Flieger. Eine bunte Mischung aus Raumfrachtern, Reiseschiffen, Privat- und Dienstgleitern, die wegen der hohen Wartezeit sicherlich in Bombenstimmung waren. Hoffentlich feuerten sie ihm nicht gleich ihr gesamtes Waffenarsenal um die Ohren. Kein Scherz, so etwas hatte es an anderen Grenzstellen bereits gegeben. 

Sam seufzte. Er hasste seinen Job. Keine Aufstiegschancen, Gefahrenzulagen oder Mitspracherechte bei Schichteinteilungen, keine Gehaltserhöhungen und niemals irgendwelche Vergünstigungen oder Alternativeinsätze. Wenn er nicht kündigte, würde er bis zur Invaliditätsentlassung in dieser Kugel hocken. Ein Alb-Traumjob. Zumindest verdiente er ein paar Einheiten, mit denen er sein eigenes Quartier bezahlen konnte und die es ihm erlaubten, sich hin und wieder zu amüsieren. Reisen und Investitionen gehörten jedoch ins Reich der Träume. Selbst der Delta-Gleiter gehörte nicht ihm, sondern Barney, aber wenigstens musste er nicht für Unterhalt und Reparaturen aufkommen.

»Dann mal ans Werk«, seufzte Sam und teletransportierte sich vom Gleiter in die winzige Station. Nachdem sein Körper sich von dieser Reise erholt hatte, stürzte Sam sich auf seine Arbeit. Das Display blinkte bereits nervös, die erste Zaut konnte nicht identifiziert werden. Das fing großartig an und versprach einen anstrengenden Tag, der quälend langsam umgehen würde.

Kapitel 2

Er hatte überlebt. Die ersten drei Stunden waren die Hölle gewesen, dann flaute der Stau endlich ab. Wieder einmal hatten viele keine Zaut besessen und gehofft, still und heimlich durch die Kontrolle zu kommen. Die darauffolgenden Diskussionen waren das Letzte, doch denen konnte er sich nicht entziehen, bis die Grenzflotte eintraf und übernahm. Ihre Aufgabe war es, zu kontrollieren, ob eine Zaut erteilt werden konnte und diese zu verkaufen. Erst dann durften die Schiffe passieren. Wenigstens hatte keiner auf ihn geschossen und er hatte den Arbeitstag heile überstanden. Jabba löste ihn schließlich ab und Sam verschwand in den Feierabend. Er war völlig erledigt. Die zehn Stunden in der Boje kamen ihm wie ein komplettes Leben vor.

»Elli, verbinde mich mit >Engel<«, murmelte Sam erschöpft und ließ sich auf sein Bett fallen. Nachdem er heimgekommen war und sein Quartier damit beauftragt hatte, sich selbst zu reinigen, um den Partymüll zu entsorgen, hatte er nicht schlafen können. Der vergangene Arbeitstag und auch die Gedanken an die letzte Nacht beschäftigten ihn zu sehr. Das verblassende Bild von Kristie spukte ebenfalls in seinem Kopf herum. Sie zu sprechen, würde ihn sicherlich aufmuntern, und danach könnte er hoffentlich schlafen.

»Selbstverständlich gern, Sam.«

Keine Sekunde später erschien ein durchscheinender Nebel, der sich zu einem dreidimensionalen Hologramm formte.

»Hey Kristie! Na, wieder fit nach der Party?«, fragte er grinsend. Er gab sich cool, doch in seinem Bauch flatterte es, als würden Myriaden von winzigen Nanorobotern auf seinem Zwerchfell Samba tanzen. 

Kristies Kopf schwebte mitten im Raum und Sam genoss es, sie zu betrachten. Er liebte ihren Anblick und die feinen Gesichtszüge. Sie hatte die Haare zu einem strengen Zopf gebunden, unter ihren Augen lagen tiefe Schatten, doch als sie ihn sah, strahlte sie wie ein Sonnenaufgang. »Sam! Du siehst fitter aus, als ich mich fühle«, sagte sie kichernd und hielt sich die Hand an die Stirn. »Gestern war der Hammer gewesen!«

»Lust auf 'ne Fortsetzung? Ist noch genug da!«

»Ey Babe, mit wem laberst du da?«, hörte Sam die Stimme von Navy aus dem Hintergrund, der Kristie unterbrach, bevor sie Sam antworten konnte. »Sieh zu, dass du antanzt, ich brauch hier deine Hilfe!«

Was für ein Arsch, dachte Sam und ballte die Hände zu Fäusten. Wie redete der denn mit ihr? Auch wenn Sam Navy nicht leiden konnte, weil dieser mit Kristie zusammen war, so waren sie früher einmal recht dicke miteinander gewesen. Er hatte sich immer schon merkwürdig verhalten, aber niemals unfreundlich. Das hatte Kristie nicht verdient.

Kristie biss sich auf ihre Unterlippe, ihr Strahlen verschwand. »Nein, Sam, heute geh ich nicht mehr raus. Tut mir leid.« Kurz blickte sie zur Seite. »Ich muss erst mal Navy überleben«, versuchte sie zu witzeln, was Sam aber sofort durchschaute.

»Babe, gib endlich Gas!