Beschreibung

Eine große Liebe, an deren Anfang eine Vergewaltigung steht? 1278: Die Macht des Kaiserreichs ist geschwächt, die Fürsten bestimmen die Richtlinien der Politik. Verbündete werden zu Feinden, Feinde zu Verbündeten. In dieser unruhigen Zeit verlobt sich Martin Chorus, ein junger Patrizier und Kriegsheld der Aachener standesgemäß mit der Tochter eines Aristokraten. Doch seine Liebe gehört einem Mädchen, das er noch nie gesehen hat. Als er Eva, der Frau seiner Träume, jedoch wider Erwarten eines Tages gegenübersteht, vergeht er sich in einem Rausch befremdlicher Gefühle an ihr. Von nun an wird Martin von schweren Schuldgefühlen geplagt, zumal er nachträglich noch erfährt, dass er in jener Nacht nicht nur ein Kind gezeugt, sondern Eva unwissentlich auch noch anderweitig schweres Leid zugefügt hat. Sowohl Martin als auch Eva heiraten, aber Martin verliert Eva niemals aus den Augen und folgt ihr wie ein Schatten. Bis er eines Tages eine zweite Chance erhält.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 915

oder

Günter Krieger

Günter Krieger

Das zweite Leben

Historischer Roman

Autor: Günter Krieger Titel: Das zweite Leben

edition fredebold

fredebold&partner gmbh

schaafenstraße 25, 50676 köln

Copyright © 2012 fredebold&partner gmbh

Titelabbildungen:

AKG Images (Kopf)

© Christie's Images Ltd – ARTOTHEK (Landschaft)

pecher und soiron (Domstadt)

Autorenfoto: © PM Eschweiler

Karte: Joseph Krieger

Umschlaggestaltung: Roland Pecher, Köln

Satz: D.I.E. Grafikpartner, Köln

ISBN 978-3-939674-94-8

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Die Figuren und deren Namen dieses Romans sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind nicht

beabsichtigt und wären rein zufällig.

eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net

www.editionfredebold.de

Dramatis Personae

Historisch verbürgte Personen sind mit * gekennzeichnet.

Die Hauptpersonen

Martin Chorus, Aachener Patriziersohn

Eva, Wirtstochter aus Jülich

Niko, Evas und Martins Sohn

Agnes, jüngstes Mitglied einer Gauklertruppe

Die Familie

Winand, Bauer, Evas erster Mann

Bertha, Winands zänkische Schwester

Winand der Jüngere, Winands und Evas Sohn

Martha, Winands und Evas erste Tochter

Maria, Winands und Evas zweite Tochter

Isolde, Bauerntochter, später Frau Winands d. J.

Eva, Tochter von Niko und Agnes

Winand und Magda, Kinder Winands d. J. und Isoldes

Aachen

Mathilde, eine uralte Seherin

Rudolf, Martins Onkel

Lotte, „Lottchen“, Martins Cousine

Pitter, Hausdiener und Frauenliebhaber

Irene, Martins Verlobte, später seine erste Frau

Gunter Punt, Irenes Vater

Matthes, waffengewandter Recke, Martins Mentor

Clementius von Burtscheid, ein intriganter Patrizier

Wilhelm von Haaren, Martins Freund

Kasper, genannt die Ratte, Spion

Pia, eine verführerische Schankdirne

Jülich

Nikolaus, Wirt des „Löwen“, Evas Vater

Paul, Evas erste Liebe

Hannes, Evas Bruder

Martha, Heilerin und Hebamme

Ignatius, großherziger Priester

Bartholomäus, sein engherziger Nachfolger

Goliath, ein Büttel

Adam, ein Verehrer Evas

Arnold, rauflustiger Hufschmied

Jakob, ein trinkfreudiger Freund Evas

Vitus Holzschuh, Wirt im „Sigfrid“

Burg und Ortschaft Merode

Johann Scheiffart*, Herr von Merode

Beatrix, seine Frau

Sophia, Johann Scheiffarts Schwester

Adelheid, Sophias Zofe

Lambert, Stallmeister

Gretchen, seine Frau

Gernot, Stallbursche

Gerlinde, Küchenmagd, später Gernots Frau

Sibylle, heilkundige Hebamme, Evas Freundin

Bodo, Sibylles Bruder

Metza, Mutter von Sibylle und Bodo

Luitger, Knecht

Raphael, Burgkaplan

Baldur, Wirt des „Carolus Magnus“

Käthe, die Wirtsfrau

Ottmar, Bauer und Trunkenbold

Gerald, Hufschmied

Thietmar, Stallbursche

Drogo, Stallbursche

Catherine, Drogos Frau

Bongard, Kastellan

Bliza, eine Magd

Ritter und Adel

Wilhelm*, Graf von Jülich

Richardis*, seine Frau

Walram*, Sohn der beiden und späterer Graf

Gerhard*, Walrams Bruder und Nachfolger

Walter von Frechen, Martins Erzfeind

Siegfried von Westerburg*, Erzbischof von Köln

Reinhard von Linzenich*, eines der Opfer der Gertrudisnacht

Robert von Frenz, Ritter und Sophia Scheiffarts späterer Gatte

Harper von Weisweiler, Ritter und Turnierkämpfer

Johann I.*, Herzog von Brabant

Ruprecht von Virneburg*, Oberbefehlshaber des brabantischen

Heeres

Sonstige

Britta, Magd auf einem Hof bei Weisweiler

Egbert, Brittas Flamme

Heinrich, der Bauer des Hofes

Helmbrecht, ein Bader

Konstantin, Führer einer Gauklertruppe

Konstantia, seine Gefährtin

Karl, begnadeter Jongleur

Heiner, Tierbändiger

Neidhart, ein zwielichtiger Rattenfänger

Mutter Ursula, Priorin der Prämonstratenserinnen zu Wenau

Die Monografie Worringen 1288 von Vera Torunsky, herausgegeben vom Landschaftsverband Rheinland, war für den Autor die meistbeachtete Quelle zur Schilderung der Ereignisse rund um die Schlacht von Worringen.

PROLOG

Am Morgen des 15. März, 1278 Jahre nach der Fleischwerdung des Herrn, erschien über Aachen ein Schwarm von Krähen, die zeternd ihre Kreise zogen. Beinahe schien es, als würden sie auf Ereignisse warten, von deren Eintreffen sie zuvor prophetische Kunde erhalten hatten.

Der Tag versprach grau und trübe zu werden, von Westen her näherte sich mit drohender Langsamkeit eine dunkle Wolkenfront. Aber auch als der Regen einsetzte, fuhren die Vögel in ihrem seltsamen Tun fort. Erst mittags, als die Glocken zum Angelusgebet riefen, verschwanden sie. Die meisten Aachener hatten das Schauspiel im Lauf der vergangenen Stunden verwundert zur Kenntnis genommen, war es doch mehr als ungewöhnlich, dass Krähen mit einer derartigen Ausdauer über den Dächern kreisten, anstatt sich ihr Futter auf den Weiden und Feldern vor den Stadtmauern zu suchen.

Die alte Mathilde verkündete, das Verhalten der Vögel deute auf nahendes Unheil hin, welches die Stadt bald heimsuchen werde, und im Nu hatte sich ihre Prophezeiung herumgesprochen. Zwar machten sich einige Aachener über ihre Worte lustig, doch ein unbehagliches Gefühl blieb selbst bei den Spöttern und Zweiflern zurück, denn man sagte Mathilde nach, sie könne in die Zukunft blicken. Viele suchten sie auf, wenn sie in wichtigen Lebensfragen nicht weiterwussten, und niemand konnte der Alten bislang nachsagen, dass sie jemals eine falsche oder zweifelhafte Vorhersage getroffen hatte. Sie genoss hohes Ansehen, auch bei denen, die von Magie oder Zauberei gemeinhin nichts wissen wollten.

Und auch diesmal sollte sie Recht behalten. Schon am darauffolgenden Tag wurde die Stadt in Blut getaucht. Spätere Generationen behaupteten, der Graf von Jülich habe die Stadt in der Nacht mit seinen Gefolgsleuten überfallen. Die Wirklichkeit jedoch sah anders aus.

ERSTER TEIL

MÄRZ 1278

1

Jülich, ein Tagesmarsch von Aachen entfernt.

Der Mann trug eine Wasserschüssel, an seinem rechten Unterarm hing ein weißes Tuch. „Mein Kind, steh auf! Du willst doch nicht, dass dein armer alter Vater den Dreckstall da unten allein aufräumen muss.“

Eva schreckte hoch. Durch die Ritzen des Fensterladens drangen Sonnenstrahlen in das Innere ihrer Schlafkammer und ließen den Staub in der Luft tanzen. Draußen zwitscherten Vögel. Nach all den trüben Wochen voller Regen, Sturm und Kälte versprach der Gertrudistag den Frühling.

„Heller wird’s draußen heut nimmer!“, sagte der Vater, stellte die Schüssel auf einem Hocker ab und legte das Tuch daneben. „Hier, frisch vom Brunnen, wie du es magst.“

„Vater, du beschämst mich.“

„Ja, ja, das solltest du tun: dich schämen, du Schlafmütze.“ Nikolaus’ gutmütige Augen blinzelten belustigt in seinem runden Gesicht, während sich auf seiner Halbglatze ein Sonnenstrahl brach, der ihm eine Art Heiligenschein verlieh.

„Wie Sankt Peter siehst du aus“, lächelte Eva, die sich an eine Freske des Heiligen in der Pfarrkirche erinnert fühlte. „Verzeih mir, Vater, ich weiß auch nicht, warum ich in letzter Zeit immer wieder den Hahnenschrei überhöre.“

„Weil du zu oft von deinem Liebsten träumst. Was treibt ihr beide eigentlich nur in deinen Träumen, he?“ Er zwinkerte ihr zu, seufzte aber still in sich hinein, als ihm einmal mehr schmerzlich bewusst wurde, dass Eva seiner Obhut bald entgleiten würde. Sie war fast sechzehn und zu einer hübschen jungen Frau herangereift. Von den Burschen in Jülich wurde sie umschwärmt, doch ihr Herz gehörte Paul, dem Sohn des Fassbinders gleichen Namens. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann Paul beim Wirt des „Löwen“ erscheinen und um die Hand seiner Tochter anhalten würde.

Eva gähnte. „Was wir treiben? Das wüsstest du wohl gerne“, beantwortete sie die anzügliche Frage ihres Vaters. Der hob nur die Schultern und verschwand wieder.

„Ich spute mich!“, rief Eva ihm nach.

Sie erhob sich von ihrer Pritsche, riss sich die Haube vom kastanienbraunen Haar und streckte sich. Sie liebte es, den Tag mit einer kühlen Körperwaschung zu beginnen, die ihre Lebensgeister weckte. Am Vorabend war es sehr spät geworden, der Grund war eine Schlägerei in der Wirtsstube gewesen. Nicht zum ersten Mal hatte Arnold, ein Hufschmied aus einem der Dörfer auf der anderen Seite der Rur, einen Streit vom Zaun gebrochen, indem er seinem Jülicher Kollegen und Konkurrenten Kuno allerlei üble Beleidigungen an den Kopf geworfen hatte. Die Beschwichtigungsversuche ihres Vaters schlugen fehl, und auch Eva gelang es nicht, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Betrunken, wie die beiden Hufschmiede waren, gingen sie sich gegenseitig an die Kehle. Beide hatten ihre Sympathisanten, Arnold die Bauern aus den Dörfern und Kuno die Schar der anwesenden Städter.

Bald flogen Hocker und Trinkbecher, später gar Tische durch das Wirtshaus. Längst war Nikolaus ins Freie geeilt, um Hilfe zu holen, und nach einer Weile mit zwei Bütteln wieder zurückgekehrt; zu spät, um größeren Schaden zu verhindern. Mindestens zwei der insgesamt sechs Tische und fünf oder sechs Hocker lagen zertrümmert auf dem Boden, wo sich ein Knäuel von Kämpfenden mit blutenden Nasen wälzte. Auch das Erscheinen zweier Büttel führte nicht augenblicklich zum Einstellen der Kampfhandlungen; erst nachdem die beiden sich die Lungen aus dem Leib geschrien und reichlich Tritte verteilt hatten, wobei ihr bevorzugtes Ziel die Weichteile der Kämpfenden waren, kamen diese allmählich wieder zu sich.

„Wer hat mit diesem verdammten Blödsinn angefangen?“, wollte einer der Büttel wissen.

Die beiden Hufschmiede, blutend aus allen sichtbaren Körperöffnungen, deuteten auf den jeweils anderen.

„Na schön, dann geht ihr eben beide bis morgen früh ins Loch“, brummte der Büttel, den jedermann nur unter dem Spitznamen Goliath kannte. Er war mindestens so kräftig gebaut wie die betrunkenen Zankhähne und überragte sie gar um Kopfeslänge. „Für den Schaden hier werdet ihr aufkommen. Und ihr anderen – verschwindet, ab zu euren Weibern. Die können ja wahrhaft stolz auf euch sein.“

Der sonst so gutmütige Nikolaus sah den kleinlaut gewordenen Männern, die, von Goliath und dem anderen Büttel getrieben, die Wirtstube verließen, wütend hinterher. „Das ist schon das dritte Mal“, lamentierte er. „Diese verfluchten Hufschmiede! Jeder Ackergaul, den sie beschlagen, hat mehr Grips im Kopf als diese Rohlinge. Gütiger Himmel, ich hätte ihnen längst Stubenverbot erteilen sollen. Sieh dir bloß diesen Trümmerhaufen an.“

Eva hatte nach seiner Hand gegriffen und sie fest gedrückt. „Lass uns schlafen gehen, Vater. Morgen ist auch noch ein Tag.“

Gegen Mittag würden die ersten Gäste einkehren – meist Kaufleute, aber auch Handwerker und Bauern aus den umliegenden Dörfern –, um Nikolaus’ berühmte Fleischpasteten zu verzehren. Bis dahin musste die Stube wieder aufgeräumt und gefegt sein.

Eva streifte ein grünes Kleid über, öffnete den Fensterladen und sog die frische Morgenluft in sich hinein. Sie winkte ein paar Kindern zu, die auf der Straße gegen eine gefüllte Schweinsblase traten; erst dann verließ sie ihre Schlafkammer und stieg die schmalen hölzernen Stufen zur Wirtsstube hinab, in der es ziemlich übel roch. Ihr Vater war bereits damit beschäftigt, die noch brauchbaren Teile des zertrümmerten Mobiliars von den völlig zerstörten zu trennen und auf einen Haufen zu schichten.

„Der Tischler wird sich freuen“, murmelte er. Er blickte seiner Tochter fest ins Gesicht. „Und sein Sohn ebenfalls.“

Eva errötete und winkte ab. „Aber du weißt doch –“

„Ja, natürlich. Du liebst allein deinen Paul. Aber man wird ja wohl noch darauf hinweisen können, dass du durchaus auch andere Burschen kriegen könntest.“

„Manchmal glaube ich, dass du Paul nicht gut leiden kannst.“

„Unsinn.“

„Gib’s nur zu.“

„Es ist nur ... sein Vater. Der ist ein dummer Esel. Und nicht immer ehrlich und aufrichtig. Aber das muss ja noch lange nicht heißen, dass auch Paul – “

„Paul ist anders als sein Vater. Söhne sind nicht immer wie ihre Väter, das weißt du doch besser als ich.“

Nikolaus schwieg und dachte an Hannes, der durch nichts dazu zu bewegen war, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Lieber spielte er Soldat in der gräflichen Reitergarde. Wenn Eva das Wirtshaus eines Tages nicht übernahm, würde es wohl ein Fremder tun. Doch auch der Gedanke, dass seine Tochter einmal Wirtin des „Löwen“ sein würde, war nicht unbedingt verlockend. Frauen gerieten nur allzu schnell in den Ruf der Verderbtheit; erst vor Jahresfrist hatte man eine Fremde aus der Stadt gejagt, weil sie in der Nähe des Aachener Tores eine Schänke eröffnen wollte. Obwohl ihre Vertreibung gerade für Nikolaus kein Grund zur Klage gewesen war, besaß sie dennoch sein stilles Mitgefühl. Nikolaus mochte Frauen, die wussten, was sie wollten, und sich nicht von jedem Schwachkopf den Mund verbieten ließen. Auch seine Irma war von diesem Schlag gewesen, tatkräftig und selbstbewusst, aber dennoch eine fürsorgliche, liebende Ehefrau und Mutter. Ihr Todestag würde sich übermorgen zum fünften Mal jähren, und wenn er Eva ansah, sah er immer auch Irma in ihr. Selbst wenn Eva etwas stiller war als ihre Mutter und weniger selbstbewusst in ihrem Auftreten, besaß sie doch Irmas Dickschädel. Der Gedanke, dass Eva zum Gespött, mehr noch, zu einem vermeintlichen Ärgernis der Leute werden könnte, quälte Nikolaus. Indes, die Frage nach Evas Zukunft schien sich ohnehin zu erübrigen, denn offenbar war sie fest entschlossen, die Frau des jungen Fassbinders zu werden. Sie würde Kinder bekommen und großziehen, was Lebensaufgabe genug war. Wenn es nur nicht gerade der Sohn dieses Esels wäre ...

Eva wusste, was er dachte. „Mach dir keine Sorgen um mich, Vater“, verkündete sie lächelnd. „Ich werde schon meinen Weg gehen.“

„Daran zweifle ich nicht“, erwiderte er.

„Und du bleibst immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Wenn du einmal alt bist, werde ich gut für dich sorgen.“

Beim Fegen entdeckte Eva schließlich die Quelle des üblen Geruchs: Einer der Streithähne hatte es sich nicht nehmen lassen, sich in einer der hinteren Ecken zu übergeben. Seufzend machte sie sich ans Putzen.

„Dafür hast du was gut bei mir“, tröstete sie der Vater. „Versprochen.“

„Ich nehme dich beim Wort, Vater.“

Sie sah ihn fordernd an.

„Aha“, nickte er. „Wie ich sehe, ist dir auch schon was eingefallen.“

„Vater! Dürfte ich heute Nachmittag ... ich meine, nach der Non, wenn alle Mittagsgäste weg sind, dürfte ich dann –“

„Wenn mich nicht alles täuscht, hast du dich mit deinem Liebsten verabredet.“

„Bitte, Vater. Nur ein Stündchen.“ Sie legte den Kopf schief. „Oder zwei.“

„Versprochen ist versprochen. Würdest du mir denn ebenfalls einen kleinen Gefallen tun?“

„Gern auch zwei.“

„Oh, das trifft sich gut, denn wenn ich’s mir recht überlege, handelt es sich tatsächlich um zwei Aufträge, die du für mich erledigen könntest.“

„Deiner Stimme nach zu urteilen mache ich dabei am Ende ein schlechtes Geschäft.“

Nikolaus winkte ab. „Ach was, nur zwei Botengänge.“

„Lass mich raten: Ich soll beim Tischler vorbeischauen und ihm ausrichten, dass es hier etwas zu reparieren gibt.“

Ihr Vater grinste. „Am liebsten wär’s mir, er käme noch heute.“

„Vater, du weißt, was du mir damit antust. Adam wird mir wieder den Hof machen. Ich hoffe nur, du hegst dabei keine Hintergedanken. Mein Schatz ist Paul und er wird es auch bleiben.“

„Gewiss, gewiss.“

„Und der zweite Gefallen?“

„Nun, wie ich euch Turteltäubchen kenne, werdet ihr bei diesem herrlichen Wetter für euer Treffen doch sicher ein lauschiges Plätzchen im Wald oder an einer Flussaue wählen, wo euch niemand stört.“

„Schon möglich.“

„Wenn du schon einmal vor den Toren bist, könntest du in Koslar bei unserem Freund Arnold, dem Hufschmied, vorbeischauen. Inzwischen dürfte er wieder auf freiem Fuß und nüchtern sein. Er schuldet uns einen halben Silbergulden. Eigentlich ist er ja ein anständiger Kerl, wenn er nicht gerade sturzbetrunken ist. Und wenn eine junge Frau wie du bei ihm erscheint, um die Schulden einzutreiben, wird ihn das bestimmt beschämen. Er wird zahlen, ohne lange zu zögern.“

„Deine Gerissenheit entsetzt mich, Vater.“

„Keine Gerissenheit, nur Erfahrung. Beim letzten Mal hat’s doch auch geklappt. Um den anderen, Kuno, kümmere ich mich dann selbst, damit dir und deinem Paul nicht zu viel Zeit verloren geht.“

„Die Aufträge werden erledigt.“

„Dein Paul wird dich doch begleiten, oder? Wenn der Fluss heute schwer zu überqueren ist, lasst es lieber sein. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn dir etwas zustößt.“

Sie trat auf ihn zu und küsste ihn auf die Wange. Schon lange musste sie sich hierzu nicht mehr auf die Zehenspitzen stellen. Sie überragte den klein gewachsenen Vater inzwischen um einen halben Kopf. „Danke, dass du mir frei gibst“, sagte sie.

Er streichelte ihr über den Rücken. „Wie könnte ich dir einen Wunsch abschlagen? Das weißt du doch genau.“

Eva beschloss, den lästigen Gang zum Tischler als Erstes zu erledigen. Nachdem der letzte Gast die Wirtsstube verlassen und ihr Vater sie mit einem wohlwollenden Wink entlassen hatte, eilte sie nach draußen, wo in den Gassen das übliche geschäftige Treiben herrschte. Die Achse eines Karrens war gebrochen, nun kullerten die geladenen Futterrüben munter in alle Richtungen und wurden von vorwitzigen Knaben zum Ärger des laut schimpfenden Bauern als Fußbälle missbraucht. Eva erreichte das Haus des Tischlers, das direkt an der nördlichen Stadtmauer lag. Als sie die Werkstatt betrat, atmete sie erleichtert auf: Adam war nicht anwesend. Sein Vater hobelte an der Werkbank, hielt aber inne, als er Eva bemerkte.

„Kuno und Arnold?“, fragte er nur.

Eva lachte und nickte.

„Warum lässt dein Vater diese Trottel überhaupt noch in die Gaststube?“

„Das hat er sich selbst auch schon gefragt. Aber nun ist es zu spät. Eure Dienste werden dringend benötigt. Am besten noch heute, sagt mein Vater.“

„Das ist immerhin bescheidener als die Forderungen der meisten anderen, denn die hätten’s am liebsten immer schon gestern. Weil’s sich aber um den guten Nikolaus handelt, werde ich mich bemühen, seinem Wunsch nachzukommen.“

Sie hob eine Hand zum Gruß und verließ die Werkstatt wieder, wo ihr vor der Tür doch noch des Tischlers Sohn begegnete.

„Oha, wohin des Weges, schönes Mädchen?“

Sie erklärte ihm kurz den Grund ihres Hierseins, vermied es jedoch, ihm dabei in die Augen zu sehen.

„Tja, immer diese Hufschmiede!“ Er schüttelte den Kopf. „Aber etwas Gutes hat diese ärgerliche Geschichte dennoch für uns beide.“

„So?“

„Ich werde meinen Vater natürlich begleiten. So sehe ich dich wenigstens wieder.“

Wütend suchte sie nun doch den Blickkontakt. „Adam, du weißt genau, dass ich –“

„Ja, ja, ich weiß es. Du und Paul.“ Er spreizte seufzend die Hände. „Obwohl Adam und Eva doch eigentlich zusammengehören. Steht sogar in der Heiligen Schrift.“

Sie hätte am liebsten gelacht über so viel Kühnheit. „Mit Adam und Eva hat es aber kein gutes Ende genommen“, erklärte sie.

„Wieso? Die beiden sind miteinander alt geworden und hatten viele Nachkommen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.“

„Nur wirkt der Schaden, den sie anrichteten, bis heute nach.“

„Da hast du leider Recht. Hätten sie sich nicht danebenbenommen und den lieben Gott erzürnt, könnte ich dich nun in paradiesischer Nacktheit bestaunen.“

„Das würde dir nichts nützen. Die Menschen wären sich ihrer Nacktheit ja überhaupt nicht bewusst.“

„Dennoch würde ich ein wunderschönes Mädchen sehr wohl von einer hässlichen Vettel unterscheiden können.“

Das reichte. Adam war wirklich um keine Antwort verlegen, und ohne ein weiteres Wort ließ Eva ihn stehen.

„Bis später!“, hörte sie ihn rufen.

Gern hätte sie ihm eine passende Antwort gegeben, aber ihr fiel auf die Schnelle nichts ein. Adam war durchaus ein interessanter Bursche mit viel Witz und Schlagfertigkeit. So gesehen war er das genaue Gegenteil von Paul, der eher wortkarg und verschlossen wirkte. Außerdem waren Adams anzügliche Bemerkungen harmlos im Vergleich zu denen, die sie oft von ungehobelten Zechern im Wirtshaus oder von brünstigen Burschen auf der Straße zu hören bekam. Auch hatte er nie versucht, sie anzufassen. Im Gunde seines Herzens war er wahrscheinlich ein Ehrenmann, mutmaßte Eva. Und ein gut aussehender noch dazu.

Wie auch immer, all dies änderte nichts an der Tatsache, dass sie ihr Leben an der Seite von Paul verbringen wollte. Und Paul wartete bereits an der Porta Rurae auf sie.

Schon von Weitem sah sie seine mittelgroße Gestalt mit den breiten Schultern, seine lockigen Haare und sein ernstes Gesicht mit den Narben, die ihm als Kind die Blattern beschert hatten. „Wo warst du denn so lange?“, fragte er gereizt, als sie schließlich vor ihm stand.

Zur Begrüßung küsste sie ihn keck auf den Mund und erzählte ihm, weshalb es später geworden war. Ihre Erklärung verbesserte seine Laune keineswegs.

„Hast du den Adam gesehen?“

Sie bejahte es mit einer Gleichgültigkeit, die ihn stutzen ließ.

„Wahrscheinlich hat er dich wieder umworben.“

„Er kann uns nicht entzweien.“

„Eines Tages werd ich ihn gehörig versohlen.“

„Wart ihr nicht mal gute Freunde?“

„Vergangenheit! Heute verdient er nur noch Prügel. Und die wird er eines Tages von mir kriegen.“

„Du wirst dich nicht mit ihm prügeln, verstanden?“

„Und warum nicht?“

„Weil ich auf keinen Fall mit einem Raufbold verheiratet sein möchte.“

Das wirkte. Paul starrte schweigend auf seine Füße. Eva streichelte seine Wange. „Wohin wollen wir gehen, mein Paul?“, fragte sie mit weicher Stimme.

„Mir einerlei.“

„Also gut. Dann zum Garten Eden.“

So nannten sie ihr Lieblingsplätzchen, das sie meist aufsuchten, wenn sich eine der wenigen Gelegenheit zur Zweisamkeit ergab. Eva nahm ihn bei der Hand und führte ihn Richtung Fluss. Unweit der Stadtmauer war die Rur von einigen Auen flankiert, die im Sommer von wunderbaren Schattendächern überspannt waren, aber auch wenn die Bäume, wie an diesem freundlichen Märztag, noch kahl waren, hatten diese Orte ihren Reiz. Vor allem für Liebespärchen, die dort für kurze Zeit dem harten Alltag entrannen.

Der Garten Eden, ihre Lieblingsaue, war noch recht sumpfig. Sie fanden ein trockenes Plätzchen auf dem Stamm einer vom Sturm entwurzelten Pappel und ließen sich nieder. Hand in Hand beobachteten sie eine Weile die hellbraunen Wellen, die an ihnen vorübertrieben. Das stille Rauschen des Wassers und das Schnattern der Enten, die auf ihm dahindrifteten, hatten für Eva etwas Beruhigendes.

„Ich freue mich, dass bald der Frühling kommt“, sagte sie verträumt.

Paul antwortete nicht.

„Bist du immer noch böse? Dafür gibt es wirklich keinen Grund.“

Er schüttelte den Kopf, aber sein Gesichtsausdruck blieb finster.

„Mein Paul, sag mir um Himmels willen, was dich bedrückt.“

Statt einer Antwort legte er eine Hand auf ihr Knie und streichelte es. Eva lächelte und ließ ihn gewähren. Immer noch stierte er in die Wellen der Rur. Eine Weile verging.

„Liebst du mich?“, brach er schließlich das Schweigen. „Wie kannst du das fragen. Natürlich liebe ich dich. Wir werden doch heiraten!“

Ihre Antwort ermunterte ihn, seine Hand unter ihr Kleid zu schieben.

„Was tust du?“

„Das wirst du gleich sehen.“

Die Hand wanderte nach oben, berührte ihre Schenkel, streichelte sanft deren Innenseiten. Dann wanderte sie weiter nach oben, langsam nur, aber unaufhaltsam. Plötzlich sprang Eva auf.

„Nein“, sagte sie irritiert.

„Was hast du?“

„Ich will es nicht. Noch nicht. Wir sollten damit warten, bis wir verheiratet sind.“

Er verdrehte die Augen und stieß ein verzweifeltes Schnaufen aus. Seit Langem sehnte er sich danach, mit Eva zu schlafen. Seine künftige Braut aber hatte sich bisher recht zurückhaltend gezeigt. Heute hatte er sich ein Herz gefasst – vergebens: Sie zierte sich immer noch.

„Du solltest nicht zu viel auf die Pfaffen hören“, sagte er verdrossen.

„Es sind nicht die Pfaffen.“

„So? Wer dann? Etwa Adam?“

Sie spielte mit dem Gedanken, ihm eine Ohrfeige zu verpassen.

„Mit Adam hat das nicht das Geringste zu tun, Paul!“ Sie betonte jedes Wort.

„Warum willst du es dann nicht mit mir tun?“

Sie holte tief Luft. „Es muss etwas Besonderes sein“, erwiderte sie schließlich. „Ich möchte als Jungfrau auf unser Brautlager steigen. Und dann nur für dich da sein. Ein Leben lang. Wäre das nicht herrlich?“

Noch viel herrlicher wäre es für Paul gewesen, wenn er seiner Erregung in diesem Augenblick hätte Abhilfe schaffen können. „Lass uns wieder gehen“, meinte er daher nur.

Auf dem Rückweg fiel Eva ein, dass sie noch etwas zu erledigen hatte. Sie erzählte Paul von ihrem Auftrag. Dessen Laune wurde dadurch nicht besser, doch immerhin erklärte er sich bereit, sie nach Koslar zu begleiten.

Das Dorf lag auf der anderen Seite des Flusses, aber die Holzbrücke, die die beiden Orte miteinander verband, war im vergangenen Herbst durch einen nächtlichen Blitzschlag zerstört und bislang noch nicht wieder erneuert worden. Im Übrigen zweifelte mancher Jülicher daran, dass wirklich ein Blitz für die Vernichtung der Brücke verantwortlich war. Denn der Graf von Jülich hatte viele Feinde und Neider, und womöglich fand einer seiner Widersacher – der Name des Erzbischofs von Köln fiel hierbei besonders oft – Gefallen an der Vorstellung, Jülichs Handel durch unpassierbare Wege zu sabotieren. Leute des Vogtes behaupteten überdies, an der zerstörten Brücke Zeichen von Brandstiftung entdeckt zu haben. Jedenfalls war eine baldige Wiedererrichtung vorgesehen, da der Winter nun endgültig dem Frühling wich.

An einer Furt stiegen Eva und Paul in eines der bereitliegenden Boote. Sicher ruderte Paul auf die andere Seite hinüber. Sie sprachen nicht viel. Eva überlegte, auf welche Weise sie ihren Liebsten entschädigen könnte. Die Triebe der Männer beherrschten meist deren Gefühle, sie dachten eben anders als Frauen. Allerdings fiel Eva nichts ein, und so hoffte sie, dass Paul ihren Wunsch akzeptieren würde.

Sie erreichten das Dorf nach zwanzig Minuten Fußmarsch. Die Sonne war inzwischen hinter ein paar Wolkenbändern verschwunden.

Als sie die Schmiede betraten, fuhr Arnold erschrocken zusammen. Eva empfand Mitleid mit ihm, denn der Hufschmied war ein wahrer Riese, der normalerweise niemanden zu fürchten brauchte. Ein schwarzer, wolfsähnlicher Hund, der bis dahin in einer Ecke gelegen hatte, näherte sich knurrend den Ankömmlingen.

„Still, Castus!“, befahl der Hufschmied.

Der Hund gehorchte und setzte sich hechelnd neben seinen Herrn.

„Du weißt, weshalb ich hier bin?“, fragte Eva.

Arnold nickte schuldbewusst. Er legte den Hammer beseite, mit dem er ein Hufeisen bearbeitet hatte, und kehrte ihnen seinen breiten Rücken zu. „Ich kann nicht zahlen“, erklärte er so leise, dass sie Mühe hatten, ihn zu verstehen.

Paul stemmte die Arme in die Hüften. „Du kannst nicht zahlen? Aber Geld zum Saufen hast du genug, wie? Wer Tische und Stühle demoliert, muss auch dafür geradestehen.“

Weidlich nutzte Paul die Gelegenheit, seinen Unmut an dem Hufschmied auszulassen, der sich als Prellbock hervorragend eignete. Denn seine Unfähigkeit zu bezahlen, was er zerstört hatte, konnte Arnold wieder ins Loch bringen – diesmal für längere Zeit. Paul wusste das und machte ein paar entsprechende Bemerkungen. Eva war das peinlich. Es gefiel ihr nicht, dass Paul sich wie ein Büttel des Vogtes aufführte.

„Lass ihn, Paul“, sagte sie beschwichtigend. „Gewiss wird er uns erklären, weshalb er seine Schulden nicht bezahlen kann.“ Sie trat zwei Schritte näher und sah die Spuren der Prügelei in Arnolds Gesicht. Seine aufgedunsenen Lippen bebten, und sein linkes Auge war so zugeschwollen, dass es aussah wie eine überreife Pflaume.

„Meine Alte“, sagte er verstohlen. Er blickte zur Tür, um sich zu vergewissern, dass sie nicht dort stand und lauschte. „Sie verwaltet das Geld. Wenn sie erfährt, was gestern Abend passiert ist, bereitet sie mir die Hölle auf Erden. Bitte, lasst mir ein paar Monate Zeit, dann zahle ich, was ich schuldig bin.“

„So einfach ist das aber nicht“, brauste Paul auf. „Außerdem warst du eine ganze Nacht im Loch und siehst aus wie ein geprügelter Hund. So dumm kann deine Alte doch nicht sein, dass sie nicht eins und eins zusammenzählen kann.“

Arnold beschwor ihn mit einer Geste, leiser zu sprechen. „Natürlich, weiß sie von der Schlägerei“, gab er zu. „Aber sie weiß nichts vom Ausmaß der ... äh ... Zerstörung. Sie wird mich umbringen!“

„Woran keinem von uns gelegen ist“, beruhigte ihn Eva lächelnd. „Ich werde jede Woche heimlich einen Pfennig zurückbehalten.“ Er kratzte sich am Kopf. „Im Herbst bezahle ich, was ich deinem Vater schuldig bin. Ich verspreche es.“

Eva dachte über den Vorschlag des Hufschmiedes nach.

„Bitte“, fuhr dieser fort. „Wir haben einen kranken Säugling. Meine Alte sagt, dass sie mich verlässt und das Kind mitnimmt, wenn ich uns in den Ruin saufe. Ich würde das Kind sehr vermissen. Es ist ein Junge.“

„Wie heißt er?“

„Hannes.“

Der Name ließ Evas Herz vor Freude hüpfen. „So heißt auch mein Bruder.“

„Ich weiß. Er dient in der Reitergarde des Grafen.“

„Der Kleine ist krank, sagst du? Was fehlt ihm?“

„Er will nicht trinken. Aber ein Bader hat gesagt, das wird sich schon wieder legen, wenn wir sein Bäuchlein regelmäßig mit einer Paste aus Asche, Ringelblumenblüten und Gänsemist einreiben. Leider fehlen uns zurzeit die Blüten, aber zum Glück wird’s ja bald wieder Frühling.“

„Gut“, sagte Eva. „Lassen wir erst mal den Frühling kommen. Und zahlen kannst du im Herbst.“

In Arnolds gesundem Auge tauchte ein Hoffnungsschimmer auf. „Und dein Vater wird einverstanden sein?“

„Ich werde mich bei ihm für dich verbürgen.“

„Du spinnst“, zischte Paul ihr zu.

Arnold sank auf die Knie und faltete die Hände wie zum Gebet. „Oh, du Gütige. Wie kann ich dir das jemals danken, Mädchen?“

„Steh auf, oder willst du dich vollends zum Trottel machen?“, brummte Paul.

Eine schrille Stimme ließ sie alle zusammenfahren.

„Arnold!“

Im Nu stand der Gerufene wieder auf seinen Beinen. Schon betrat sein Weib die Schmiede. Unter einer Haube lugte ihr spitzes Gesicht mit der endlos langen Nase hervor. Mit unverhohlenem Misstrauen musterte sie die Besucher aus der Stadt, wobei sie Eva die größere Aufmerksamkeit schenkte.

„Dich kenne ich doch“, sagte sie abweisend. „Du bist die Tochter von Nikolaus, dem Wirt.“

„Das stimmt. Ich heiße Eva“, antwortete sie freundlich. „Und das hier ist Paul, mein Verlobter.“

„Was habt ihr hier verloren? Hat dieser Tunichtgut etwa seine Zeche nicht bezahlt?“

Auf Arnolds Stirn perlte der Schweiß.

„Oh nein“, lachte Eva. „Wir sind nur gekommen, um uns zu erkundigen ... nun ja, mein Vater hat ein Pferd, und das will er gern beschlagen lassen.“

Die Frau blieb misstrauisch. „Der Wirt hat ein Pferd?“

„Das geht weder dich noch mich etwas an, Weib!“ Arnold hatte beschlossen, sich nicht gänzlich von ihr unterbuttern zu lassen, erst recht nicht vor Fremden. „Ich bin Hufschmied und beschlage Pferde, warum lässt du mich also nicht einfach meine Arbeit machen und siehst nach unserem Kind? Hat es inzwischen getrunken?“

Sein Weib war sichtlich überrascht von diesem Ausbruch, verneinte die letzte Frage und trollte sich dann grummelnd.

„Danke, Eva“, flüsterte der Schmied. Sogar Castus schien zu begreifen, was hier vor sich ging. Schwanzwedelnd näherte er sich Eva und ließ sich von ihr bereitwillig den Kopf tätscheln.

Kurz darauf machte sie sich mit Paul wieder auf den Weg in die Stadt. Der machte ihr unterwegs noch einige Vorhaltungen, gab es aber schließlich auf. Eva verspürte dagegen ein Glücksgefühl, weil sie einem hilfsbedürftigen Mitmenschen hatte helfen können.

Als Eva daheim ankam, hatten sich der Tischler und sein Sohn bereits an die Arbeit gemacht. In Gegenwart seines Vaters und des Wirtes verzichtete Adam darauf, Eva zu umgarnen. Allerdings warf er ihr, sooft sich Gelegenheit dazu bot, schmachtende Blicke zu. Eva versuchte ihn zu ignorieren und spülte die Krüge und Becher, obwohl sie dies bereits am Vormittag getan hatte. Am frühen Abend, als die ersten Gäste kamen, lud Nikolaus den Tischler und seinen Sohn zum Bleiben ein. Er selbst verschwand in der Küche und kehrte mit zwei köstlich duftenden Wildkaninchenpasteten zurück. Seiner Tochter trug er auf, den Männern Apfelschnaps zu kredenzen. Beharrlich wich Eva Adams Blick aus.

Der Abend verlief ohne Streitereien unter den Gästen. Längst hatte sich herumgesprochen, was am Vorabend hier geschehen war. Jeder wusste, dass die Büttel im Wiederholungsfall noch rabiater durchgreifen würden, und niemand hatte Lust, ins Kerkerloch zu wandern.

Es waren keine einfachen Zeiten. Viele waren ohne regelmäßige Arbeit, die letzte Ernte war nicht besonders ergiebig gewesen, und zudem hatten alle unter den Händeln der Mächtigen zu leiden, denen ihr Platz unter der Sonne noch immer nicht sonnig genug war. Die ständigen Fehden zwischen den Grafen, Bischöfen und Herzögen trugen kaum dazu bei, den Handel zu beleben. Viele der älteren Menschen, die es wiederum noch von ihren Großeltern wussten, berichteten von Zeiten, in denen alles besser gewesen war. Als alle Fürsten noch dem Kaiser gehorcht hatten. Unruhestifter waren damals unverzüglich ihres Amtes enthoben worden. Die Menschen hatten in Wohlstand und Frieden gelebt, ein Raubrittertum hatte es nicht gegeben.

Zwar bezweifelte Nikolaus, dass die vorangegangenen Zeiten wirklich so rosig gewesen waren, wie die Alten einen glauben machen wollten, aber es war offenkundig, dass die Fürsten mittlerweile taten, was sie wollten. Früher waren die Könige noch nach Rom gezogen, um sich dort zum Kaiser krönen zu lassen, wie es sich für den höchsten aller Herrscher geziemte. Heutzutage schien der König jedoch unter ständiger Geldnot zu leiden, und die Fürsten griffen ihm unter die Arme und machten ihn damit zu ihrem Schuldner. Er war abhängig von ihrer Gunst und nicht umgekehrt, wie es doch eigentlich hätte sein sollen.

Debatten solchen Inhaltes waren – neben den üblichen Weibergeschichten, mit denen geprahlt wurde – im „Löwen“ an der Tagesordnung; und der Wirt und seine Tochter hatten im Lauf der Jahre die Meinung eines jeden Jülichers hierzu erfahren. Manch einen hatte das Leben verbittert, was zwar bedauerlich war, einem Wirt wie Nikolaus jedoch beständige Einnahmen bescherte. Denn Frust und Trübsal ließen sich am wirkungsvollsten mit ein paar Schnäpsen hinunterspülen.

Gerade tischte Nikolaus einer Gruppe von Tagelöhnern Suppe mit deftigen Speckwürfeln auf, als Goliath, der Büttel, mit finsterer Miene das Wirtshaus betrat.

„Danke, dass du vorbeischaust, Goliath“, rief Nikolaus mit verbesserter Laune. „Heute sind die Jungs äußerst brav. Willst du einen mittrinken?“

Aber Goliath antwortete nicht. Sein Gesicht war wie versteinert. Das Angebot des Wirtes schien er überhaupt nicht zur Kenntnis genommen zu haben. „Tot!“, sagte er nur mit tonloser Stimme und ließ sich auf einen Schemel sinken.

Abrupt verstummten die Gespräche an den Tischen.

„Um Himmels willen, wer ist tot?“, fragte Leo, der dicke Bäckermeister.

„Der Graf, seine beiden Ältesten und die, die mit ihnen ausgezogen sind!“

Eine halbe Ewigkeit herrschte entsetztes Schweigen. Es war jedem bekannt, dass Graf Wilhelm wieder einmal seine Burg in Nideggen verlassen hatte, um Truppen für einen Feldzug des Königs anzuwerben. Unter seinen Reitern befanden sich viele Männer aus Jülich – darunter auch Hannes, der Sohn des Wirtes. Wie gelähmt sank Nikolaus auf einen Hocker. Eva trat neben den Vater und griff nach seiner zitternden Hand. Sie rang sichtbar nach Fassung. „Was ist geschehen, Goliath?“

Der Büttel hielt nun doch Ausschau nach etwas Trinkbarem. Jemand reichte ihm einen gefüllten Becher. Der Büttel leerte ihn in einem Zug, dann begann er erschüttert zu berichten.

„Gestern Nachmittag ritten sie nach Aachen. Von Anfang an begegnete man ihnen dort feindselig. Weder Gelder noch Truppen wollten die Aachener für den Feldzug bereitstellen. Es kam zu Straßenkämpfen. Die Hunde haben alle Tore schließen lassen, denn vor den Mauern lagerten Wilhelms Fußtruppen. Wilhelm und alle seine Reiter wurden innerhalb der Stadtmauern von einer Übermacht niedergemetzelt, und niemand konnte ihnen zu Hilfe eilen. Zweihundert Leute – alle tot.“

Alle Reiter! Also auch Hannes?

Seit frühester Kindheit hatten Pferde und Waffen Nikolaus’ Sohn fasziniert. Beseelt von dem Wunsch, einst der Reitergarde des Grafen anzugehören, war er aufgewachsen. Der „Löwe“ war nur sein Elternhaus gewesen, nicht seine Zukunft.

Doch nicht nur Nikolaus stöhnte jetzt auf, auch viele der Wirtshausbesucher hatten Verwandte unter den Männern des Grafen. Dutzende von aufgeregten Fragen prasselten auf den Büttel ein, doch der hob Einhalt gebietend die Hand. „Fragt mich nicht nach Namen. Alle Reiter sind tot, heißt es. Die Fußtruppen jedoch befinden sich auf dem Heimweg. Wir werden ihrer Dienste wohl schon bald bedürfen.“

„Vielleicht gibt es ja noch Hoffnung“, stammelte Nikolaus. Eva sprach ihm Mut zu.

„Hannes ist ein gewitzter Bursche, Vater. Bestimmt hat er rechtzeitig das Weite suchen können. Du weißt doch, am Ende erweisen sich die meisten Schauergeschichten als haltlose Gerüchte.“

Das war keinesfalls übertrieben. So manches Scharmützel wurde in den Schilderungen der Beteiligten im Nachhinein zur weltbewegenden Schlacht. Trösten ließ sich Nikolaus trotzdem nicht. „Mein Junge, mein Junge“, schluchzte er immer wieder.

Goliath ließ sich einen weiteren Becher reichen, trank ihn wie den Ersten in einem Zug leer und stierte dann in ihn hinein. „Das bedeutet Krieg“, sagte er bedeutungsschwer.

Unheilvoll standen seine Worte im Raum. Die jüngeren Söhne des Grafen waren noch Kinder, und Richardis, seine Witwe, würde kaum in der Lage sein, all die Krähen zu verscheuchen, die sich schon bald mit Bestimmtheit auf ihre Grafschaft stürzen würden. Die Trauer um den Grafen selbst hielt sich bei den Jülichern dagegen in Grenzen; zu selten hatte er sich in seiner Stadt sehen lassen und sich der Bevölkerung auf seiner fernen Burg in Nideggen stattdessen mehr und mehr entfremdet. In Jülich hatte man nie daran gezweifelt, dass er eines Tages ein gewaltsames Ende nehmen würde. Nun war er gestorben, wie er gelebt hatte – kämpfend, gegen eine Unzahl von Feinden, als ein Abenteurer, der auch im hohen Alter weder friedlich noch weise geworden war.

„Wie bekommen wir Gewissheit?“, fragte der Bäcker Leo, dem ganze Bäche von Schweiß übers Gesicht rannen.

„Angeblich haben die Aachener sich bereiterklärt, uns die Leichen der Getöteten zu übergeben – bis auf die des Grafen“, erklärte Goliath. „Der Vogt hat bereits Leute mit Kutschkarren nach Aachen geschickt, um die Leichen dort abzuholen.“

Eva lief ein kalter Schauder über den Rücken. Ihr Vater hatte aufgehört zu schluchzen und starrte lethargisch ins Leere.

Eine Stunde später verließ der letzte Gast die Wirtsstube. Zurück blieben Nikolaus und seine Tochter, denen die Ungewissheit über Hannes’ Schicksal unerträglich war.

„Er ist tot“, murmelte Nikolaus. „Ich weiß, dass er tot ist.“

Eva hätte ihm gern widersprochen, aber sie glaubte selbst nicht mehr an eine Wendung zum Guten. Stumm geleitete sie den Vater in die Schlafkammer, verabreichte ihm einen Schlaftrunk, hielt tröstend seine Hand und wartete, bis er in einen bleischweren Schlaf gefallen war. Dann suchte sie ihre eigene Bettstatt auf. Am Morgen zuvor, als ihr Vater sie geweckt hatte, war die Welt noch eine andere gewesen. Nun lag eine dunkle Wolke über allem. Sie überlegte, zu Paul zu laufen, um sich in seine tröstenden Arme zu werfen, verwarf den Gedanken aber, denn in den nächtlichen Gassen war es nicht ungefährlich. Erst letzten Sommer hatte man eines Morgens die strangulierte, unbekleidete Leiche einer jungen Marketenderin vor einem der Backhäuser gefunden. Bis heute wusste man nicht, wer diesen grausamen Mord verübt hatte.

Eva sprach ein Paternoster und drei Ave-Maria und bat inbrünstig darum, dass Hannes noch am Leben war. Aber auch das brachte ihr keinen Frieden. Ihre Gedanken kreisten immer wieder um den Bruder, dessen Seele vielleicht schon im Fegefeuer geläutert wurde, und brachten sie in jener schwermütigen Märznacht um den Schlaf.

An seinem neunten Geburtstag – Eva selbst war nur elf Monate jünger als ihr Bruder – hatte Hannes erstmals auf einem Pferd gesessen.

Sie erinnerte sich, wie sie nachmittags in der leeren Wirtsstube gesessen und Buchstaben auf ein Wachstäfelchen gekritzelt hatte. Plötzlich war Hannes durch die Tür gestürmt, hatte sich vergewissert, dass weder Vater noch Mutter in der Nähe waren, und Eva aufgefordert, mit ihm zu kommen.

„Du siehst doch, dass ich üben muss“, erwiderte sie. „Mutter hat mir einen neuen Buchstaben beigebracht. Schau her, das ist ein ‚H’ wie in Hannes.“

„Üben kannst du später noch“, winkte der Bruder aufgeregt ab. „Komm, ich muss dir was zeigen!“

Weil sie wusste, dass die Eltern in der Stadt unterwegs waren, ließ sie sich überreden. Neugierig war sie schon immer gewesen.

Hannes führte sie zum Haus des Sattlers, mit dessen Jungen er dick befreundet war. Gleich neben dem Wohngebäude befand sich ein Stall, wo Hannes’ Freund schon auf sie wartete. Er hielt einen schnaubenden Hengst am Zügel. Eva erinnerte sich, dass er falb gewesen war und einen gestutzten Schwanz gehabt hatte.

„Ist das nicht ein Prachthengst?“ Hannes’ Begeisterung war grenzenlos.

Eva nickte, um dem Bruder einen Gefallen zu tun. Davon abgesehen war es tatsächlich das stolzeste Pferd, das sie jemals gesehen hatte.

Hannes wandte sich seinem Freund zu. „Du weißt, was du mir versprochen hast!“

„Was hast du vor?“, fragte Eva bang.

„Das wirst du gleich sehen!“

Mithilfe einer bereitstehenden Kiste stieg Hannes schwungvoll in den Sattel, riss beide Arme hoch und schrie: „Ich reite, ich reite!“

Sein Freund ermahnte ihn, leise zu sein. „Es ist das Pferd eines Kunden“, erklärte er. „Eines reichen Kaufmanns aus Flandern. Mein Vater darf nicht wissen, dass ich dich auf seinem Pferd sitzen lasse.“

Eva hatte nicht die leiseste Ahnung, wo Flandern lag. Dessen ungeachtet kam sie zu dem Schluss, dass es besser war, das Unglück nicht herauszufordern. „Komm jetzt da runter, Hannes! Lass uns wieder nach Hause gehen!“

„Ja, gleich. Nur noch einen Augenblick!“

Er schwang ein unsichtbares Schwert. Besorgt bemerkte Eva, dass das Pferd nervös zu tänzeln begann. Auch dem Sohn des Sattlers war dies nicht entgangen, und er nahm das Pferd daraufhin enger am Zügel. Dieses wehrte sich gegen die Nötigung und bäumte sich wiehernd auf. Der Sohn des Sattlers sprang erschrocken zur Seite, und Hannes wirbelte durch die Luft. Krachend landete er auf einem hölzernen Trog.

Im Nu kniete Eva neben ihm. Hannes war kreidebleich vor Schreck und Schmerz. Ein blutiger Knochen ragte aus seinem Unterarm. Der Sohn des Sattlers hatte den Hengst inzwischen beruhigen können und trat neben die Geschwister. „So ein Mist!“, jammerte er. „Mein Vater wird mich windelweich prügeln.“

„Mir wird’s kaum anders ergehen“, murmelte Hannes. Nikolaus hatte ihm streng verboten, jemals allein auf ein Pferd zu steigen.

Eva bewunderte die Tapferkeit ihres älteren Bruders. Seine schwere Verletzung rang ihm keine Träne ab. Stattdessen schmiedete er kühl einen Plan.

„Ich war nicht hier“, verkündete er. „Der Unfall ist ganz woanders passiert. Lass uns nach Hause gehen, Eva. Wir sagen dem Vater, dass ich die Holzstiege zum Dachgeschoss hinabgestürzt bin.“

Seine Verletzung unter einem Tuch verbergend, schafften sie es bis nach Hause. Dort war es dann vorbei mit der Tapferkeit, denn der unmenschliche Schmerz ließ Hannes blöken wie ein Schaf, das man zur Schlachtbank führte.

Indes – sein Plan glückte. Bis heute wusste der Vater nicht, was damals wirklich vorgefallen war. Allein der Mutter hatte Hannes später die Wahrheit anvertraut.

Ein herbeigerufener Baderchirurg richtete den Bruch und schiente den Arm des Verletzten. Die Heilung aber schritt nur langsam voran, und eine Entzündung, die erst Wochen später auftrat, ließ Schlimmes befürchten. Nur dank der Heilkünste Marthas, einer stadtbekannten Hebamme und Heilerin, überlebte Hannes. Auch konnte eine Amputation des Armes abgewendet werden, wenngleich der Junge gezwungen war, sein Leben fortan als Linkshänder zu meistern.

2

Aachen, am Tag zuvor

Noch nie hatte Martin Chorus seine Braut ohne Haube gesehen. Er wusste aber, dass sie strohblondes Haar besaß, weil stets ein oder zwei Strähnen wie zufällig unter ihrem Saum hervorlugten. Außerdem hatte sie ihm einmal verraten, dass ihr die Haare weit über die Taille fielen, wenn sie sie offen trug. Martin hätte sie gern ohne diese gottverdammte, aus flandrischer Spitze geklöppelte Haube betrachtet, aber damit würde er wohl noch einige Wochen warten müssen. Sein Onkel und Ziehvater hatte die Hochzeit erst für den Mai anberaumt.

Irene besaß frischrote Wangen in einem ansonsten blassen Gesicht. Ihre Augen waren grün, ihre Wimpern kurz und ihre Lippen schmal. Eigentlich fand sie Martin nicht wirklich hübsch, doch vielleicht würde er seine Meinung ja noch ändern, wenn er sie erst einmal mit ihrer vollen Haarpracht zu Gesicht bekommen würde. Zumindest hoffte er das.

Seine Verlobte saß zwischen ihren Eltern und verhielt sich still, wie es von ihr erwartet wurde. Nur ab und zu, wenn niemand sonst auf sie achtete, warf sie Martin verheißungsvolle Blicke zu. Martin traute sich nicht, diese auf gleiche Weise zu erwidern, fürchtete er doch, sein Onkel Rudolf, der direkt neben ihm saß und sich angeregt mit Irenes Eltern unterhielt, könne dies missbilligend zur Kenntnis nehmen.

Gesprächsthemen gab es genug, denn sowohl Rudolf als auch Gunter Punt, Irenes Vater, waren Mitglieder des Stadtrates. Beide, aus alten Patrizierfamilien stammend, waren sich darin einig, dass die Zünfte, die in letzter Zeit wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, sich zunehmend Freiheiten herausnahmen, die ihnen in keiner Weise zustanden. Und auch der Herr im Himmel, polterte Rudolf, sei zweifellos erzürnt über diese Entwicklung, welche die gottgegebene Ordnung ernsthaft infrage stelle. Eines Tages werde dies noch ein böses Ende nehmen.

Martin interessierte sich kaum für das, was besprochen wurde, doch er mühte sich redlich, nicht gelangweilt zu wirken. Nur Lotte, seine zehnjährige Cousine, die zu seiner Linken saß, schien zu spüren, was Martin tatsächlich bewegte.

„He“, flüsterte sie. „Deine Braut will dich fressen, glaube ich. So wie die dich anguckt ...“

„Sei still, du kleine Ziege“, zischte Martin.

„Sie guckt dich an, als wollte sie dich mit Haut und Haaren verschlingen. Dabei liebst du sie sowieso nicht. Du liebst doch nur mich.“

„Trotzdem werde ich dir später den Hintern versohlen, verlass dich drauf.“

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