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Dieses Buch untersucht die oft missverstandene Logik des autonomen Nervensystems aus polyvagaler Perspektive. Es beleuchtet, warum Angst, Erstarrung und Überwältigung keine Fehler sind, sondern adaptive Schutzreaktionen deines Körpers auf wahrgenommene Bedrohungen. Statt Entspannungstechniken als schnelle Lösung zu versprechen, erforscht es die tieferen Muster nervöser Dysregulation: Warum beruhigt sich dein System nicht, obwohl du in Sicherheit bist? Welche unbewussten Signale interpretiert dein Vagusnerv als gefährlich? Das Buch bietet Einblicke in die drei Zustände des polyvagalen Systems – Verbindung, Mobilisierung, Erstarrung – und wie sie dein emotionales Erleben prägen. Es lädt ein, deine körperlichen Reaktionen nicht als Problem zu betrachten, sondern als intelligente Sprache eines Systems, das gelernt hat, auf bestimmte Weise zu überleben. Für alle, die verstehen möchten, warum ihr Nervensystem so reagiert, wie es reagiert, und die bereit sind, mit Neugierde statt mit Selbstkritik hinzuschauen.
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Seitenzahl: 142
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Table of Contents
Chapter 1: Einführung in die Polyvagale Theorie
Was ist die Polyvagale Theorie?
Die Funktionsweise des autonomen Nervensystems
Die drei Zustände des polyvagalen Systems
Wie unser Nervensystem Wissen vermittelt
Chapter 2: Die drei Zustände des Nervensystems
Der Zustand der Verbindung
Der Zustand der Mobilisierung
Der Zustand der Erstarrung
Chapter 3: Angst als Schutzmechanismus
Die biologischen Grundlagen der Angst
Angst und das autonome Nervensystem
Angst als adaptive Reaktion
Umformulierung unserer Angst
Chapter 4: Erstarrung – Wenn der Körper sich zurückzieht
Was ist Erstarrung?
Physische und emotionale Auswirkungen
Zeichen und Erkennung von Erstarrung
Wege zur eigenen Regulation
Chapter 5: Mobilisierung – Die Energie der Flucht
Was ist Mobilisierung?
Mobilisierung im Alltag
Die Kontrolle über Reaktionen behalten
Mobilisierung und Beziehungen
Chapter 6: Bedeutung des Vagusnervs
Einführung in den Vagusnerv
Der Vagusnerv und Angst
Erstarrung und der Vagusnerv
Mobilisierung und der Vagusnerv
Die Gesundheit des Vagusnervs fördern
Chapter 7: Nervöse Dysregulation verstehen
Was ist nervöse Dysregulation?
Faktoren, die zur Dysregulation führen
Symptome der nervösen Dysregulation
Die drei Zustände des autonomen Nervensystems
Verbindung zur Polyvagaltheorie
Strategien zur Stabilisierung des Nervensystems
Chapter 8: Unbewusste Signale des Nervensystems
Was sind unbewusste Signale?
Die verzerrte Wahrnehmung von Bedrohungen
Die Rückkopplung von Emotion und Körper
Wege zur Bewusstseinssteigerung
Chapter 9: Die Rolle von Trauma und Stress
Was ist Trauma?
Stress und seine Auswirkungen
Trauma-Dysregulation verstehen
Langfristige Auswirkungen von Trauma
Wege zur Heilung von Trauma und Stress
Chapter 10: Praktische Übungen zur Regulation des Nervensystems
Die Grundlagen der Nervensystemregulation
Atemübungen zur Beruhigung
Körperliche Übungen für mehr Stabilität
Achtsamkeit und Meditation
Soziale Unterstützung zur Nervensystemregulation
Langfristige Strategien zur Nervensystemstabilität
Chapter 11: Verbindung und Zugehörigkeit
Die Basis menschlicher Verbindung
Der Einfluss von Gemeinschaft
Emotionale Unterstützung und Nervensystem
Chapter 12: Selbstmitgefühl und Achtsamkeit
Die Bedeutung von Selbstmitgefühl
Achtsamkeit und ihre Rolle im Nervensystem
Praktiken des Selbstmitgefühls
Integration von Achtsamkeit in den Alltag
Schlussgedanken: Deine Reise zur Selbstakzeptanz
In diesem Kapitel stellen wir die Grundlagen der Polyvagalen Theorie vor. Wir erklären, wie das autonome Nervensystem funktioniert und welche Rolle der Vagusnerv dabei spielt. Dieses Wissen ist entscheidend, um die körperlichen Reaktionen auf Stress und Angst zu verstehen. Wie beeinflusst unser Nervensystem die Wahrnehmung von Sicherheit und Gefahr? Diese Fragen sind der Schlüssel zum Verständnis der späteren Kapitel.
Die Polyvagale Theorie, entwickelt von Stephen Porges, bietet ein neues Verständnis für das autonome Nervensystem, insbesondere für die Rolle des Vagusnervs. In diesem Abschnitt klären wir die Grundprinzipien dieser Theorie und deren Bedeutung für unser emotionales Erleben. Wie können wir unsere Stressreaktionen besser verstehen und warum ist das so wichtig?
Der Vagusnerv: Schlüssel zur Regulation
Der Vagusnerv ist der längste Nerv des autonomen Nervensystems und hat bedeutenden Einfluss auf unsere emotionalen und körperlichen Zustände. Er erstreckt sich vom Gehirn bis zu verschiedenen Körperorganen, darunter Herz, Lunge und Verdauungssystem. Diese Verbindung ist essentiell für die Regulation unserer Reaktionen auf Stressoren und trägt dazu bei, wie wir uns im Alltag fühlen. Der Vagusnerv spielt eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der Herzfrequenz und der Atmung, und sein Zustand kann direkt unser emotionales Erleben beeinflussen.
Wenn der Vagusnerv gut funktioniert, sind wir in der Lage, uns zu entspannen und mit anderen zu interagieren. Bei dysregulierten Zuständen hingegen kann es zu Angst, Stress oder sozialem Rückzug kommen. Indem wir die Funktionsweise des Vagusnervs verstehen, können wir lernen, unsere Reaktionen auf Schwierigkeiten besser zu steuern und unsere innere Sicherheit zu stärken.
Die zwei Äste des Vagusnervs
Der Vagusnerv lässt sich in zwei Hauptäste unterteilen: den ventralen und den dorsalen Ast. Der ventrale Ast, der mit der oberen Hirnstammregion verbunden ist, fördert soziale Interaktionen und beruhigende Reaktionen des Körpers. Er ermöglicht es uns, Nähe zu anderen zu suchen und unsere Emotionen auszudrücken.
Im Gegensatz dazu aktiviert der dorsale Ast eher unsere Überlebensmechanismen. Bei wahrgenommenen Bedrohungen neigen wir dazu, uns zurückzuziehen oder in eine Erstarrung zu verfallen. Dieses Wissen um die Unterschiede zwischen den beiden Ästen des Vagusnervs hilft uns zu verstehen, wie körperliche Reaktionen in sozialen Situationen gesteuert werden und warum wir manchmal in Stress und Isolation geraten, anstatt Verbindung zu suchen.
Adaptive Reaktionen
Angst, Erstarrung und Überwältigung gelten oft als negative Reaktionen, doch sie sind in Wahrheit adaptive Mechanismen unseres Körpers. Diese Reaktionen sind evolutionär bedingt und dienen dem Schutz des Individuums in gefährlichen Situationen. Wenn unser Nervensystem eine Bedrohung wahrnimmt, aktiviert es automatisch diese Reaktionen, um uns zu helfen, die Risiken zu überstehen.
Anstatt diese Zustände als Fehler zu betrachten, können wir sie als adaptive Antworten auf Umweltfaktoren verstehen. Diese Einsicht ermöglicht es uns, unsere Erfahrungen zu akzeptieren und die Ursachen für unsere Stressreaktionen besser zu erkennen. Indem wir lernen, diese Reaktionen zu integrieren, können wir unsere innere Sicherheit und emotionale Stabilität fördern.
Sicherheit vs. Gefahr
Die Polyvagale Theorie zeigt uns, wie unsere Wahrnehmung von Sicherheit und Gefahr beeinflusst wird. Oft geschieht dies aufgrund vergangener Erfahrungen, die unser Nervensystem geprägt haben. Zum Beispiel könnten wir in neutralen Situationen Angst empfinden, weil unser Körper unbewusst Signale wahrnimmt, die auf frühere Bedrohungen hinweisen.
Wir lernen, dass unsere Reaktionen nicht immer der gegenwärtigen Realität entsprechen. Die Schaffung von Sicherheit im eigenen Körper ist ein wichtiger Schritt zu mehr emotionaler Gesundheit. Die Polyvagale Theorie ermutigt uns, unsere Vergangenheit zu reflektieren und offen daran zu arbeiten, unsere gegenwärtigen Erfahrungen besser wahrzunehmen. So können wir alte Muster durchbrechen und ein stärkeres Gefühl der Sicherheit entwickeln.
Das autonome Nervensystem ist verantwortlich für viele automatische Körperfunktionen. Wir werden seine beiden Hauptteile, das sympathische und das parasympathische Nervensystem, erläutern und die Bedeutung des Vagusnervs innerhalb dieser Systeme untersuchen. Warum ist das Verständnis dieser Funktionen entscheidend für unsere emotionale Gesundheit?
Sympathisches Nervensystem
Das sympathische Nervensystem spielt eine zentrale Rolle in der menschlichen Reaktion auf Stress und Bedrohungen. Es wird aktiviert, sobald das Gehirn eine potenzielle Gefahr wahrnimmt, was eine Reihe von physiologischen Reaktionen auslöst. Diese Reaktionen bilden zusammen die sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion, die darauf abzielt, den Körper auf sofortige Handlung vorzubereiten. Herzfrequenz und Blutdruck steigen, die Muskulatur wird aktiviert, und die Atmung wird schneller. Diese körperlichen Veränderungen sind evolutionär so angelegt, dass sie das Überleben sichern.
Doch während die Aktivierung des sympathischen Nervensystems in akuten Stresssituationen hilfreich ist, kann eine chronische Aktivierung zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Die ständige Bereitschaft zur Flucht oder zum Kampf kann das emotionale Wohlbefinden beeinträchtigen und das Risiko für Angststörungen, Depressionen und körperliche Erkrankungen erhöhen. Zu verstehen, wie dieses System funktioniert, ist entscheidend, um wieder ein Gefühl von Sicherheit und innerer Ruhe zu finden.
Parasympathisches Nervensystem
Das parasympathische Nervensystem stellt die entspannende Gegenkraft zum sympathischen Nervensystem dar. Es aktiviert Prozesse, die Erholung, Regeneration und ein Gefühl der Ruhe fördern. Nach einer stressigen Situation hilft das parasympathische Nervensystem, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen, indem es die Herzfrequenz senkt, die Atmung verlangsamt und die Muskeln entspannt. Diese Antwort wird oft als der "Rest-and-Digest"-Zustand bezeichnet.
Eine gute Funktion des parasympathischen Nervensystems ist unerlässlich für das emotionale und körperliche Wohlbefinden. Es ermöglicht uns, nach Stressphasen zur Ruhe zu kommen und die Verdauung sowie andere regenerative Prozesse zu aktivieren. Ein Ungleichgewicht zwischen den beiden Systeme kann zu Problemen führen, weshalb es wichtig ist, Strategien zur Förderung der parasympathischen Aktivierung zu entwickeln, zum Beispiel durch Atemtechniken, Meditation oder körperliche Bewegung.
Homöostase
Homöostase beschreibt den Zustand, in dem der Körper ein stabiles internes Gleichgewicht aufrechterhält. Das autonome Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle dabei, diesen Zustand zu regulieren, indem es kontinuierlich auf interne und externe Veränderungen reagiert. Zum Beispiel führt eine Erhöhung der Umgebungstemperatur zu einem Anstieg der Schweißproduktion, um den Körper abzukühlen.
Die Aufrechterhaltung der Homöostase ist für das Überleben unerlässlich, da der Körper in der Lage sein muss, auf Stressoren, Veränderungen im Blutdruck oder im Blutzuckerspiegel zu reagieren. Ein gestörtes homöostatisches Gleichgewicht kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, einschließlich chronischer Erschöpfung, Angstzuständen und physiologischen Erkrankungen. Es ist daher wichtig, die Mechanismen der Homöostase zu verstehen, um die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern.
Die Balance finden
Ein gesundes autonomes Nervensystem ist in der Lage, zwischen Aktivierung und Entspannung ausgeglichen zu bleiben, was für die optimale Funktion des Körpers entscheidend ist. Die Balance zwischen sympathischen und parasympathischen Aktivitäten ermöglicht es uns, angemessen auf stressige Situationen zu reagieren und anschließend in einen Erholungszustand zu gelangen. Ein ständiges Ungleichgewicht kann zu Übererregung oder chronischer Müdigkeit führen.
Das Erkennen von Anzeichen für ein dysreguliertes Nervensystem kann der erste Schritt sein, um Wege zur Wiederherstellung der Balance zu finden. Praktiken wie Achtsamkeit, gezielte Atemübungen und soziale Interaktion können helfen, das Nervensystem neu zu kalibrieren. Indem wir die eigene Reaktionsweise verstehen und anpassen, können wir zu einem gesünderen emotionalen und körperlichen Zustand zurückfinden.
Für das Verständnis der Polyvagalen Theorie ist es wichtig, die drei Zustände des polyvagalen Systems zu kennen: Verbindung, Mobilisierung und Erstarrung. Jeder Zustand hat spezifische physiologische und emotionale Merkmale. Wie beeinflussen diese Zustände unseren Alltag?
Zustand der Verbindung
Im Zustand der Verbindung fühlen wir uns sicher und geborgen. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch eine erhöhte Fähigkeit zur sozialen Interaktion und ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit. In diesem Modus kommuniziert unser Nervensystem effektiv mit anderen Menschen und ermöglicht empathische Verbindungen. Die physiologischen Merkmale des Verbindungszustands umfassen eine niedrige Herzfrequenz und eine entspannte Atemweise, was zu einem Gefühl der Ruhe beiträgt.
Wenn wir in diesem Zustand sind, können wir uns besser auf unsere Umwelt einstellen und gesunde zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen. Dies ist entscheidend für unser emotionales Wohlbefinden, da es uns ermöglicht, Unterstützung von anderen zu empfangen und zu bieten. Der Zustand der Verbindung ist also nicht nur ein Schutzmechanismus, sondern auch die Basis für Intimität und Vertrauen in Beziehungen.
Zustand der Mobilisierung
Der Zustand der Mobilisierung tritt ein, wenn wir uns in einer bedrohlichen Situation wähnen. Hier aktiviert unser Nervensystem Ressourcen, die für eine Kampf- oder Fluchtreaktion erforderlich sind. Physiologisch zeigen wir häufig eine erhöhte Herzfrequenz und eine erhöhte Muskelanspannung, die darauf abzielen, uns jederzeit kampfbereit zu machen oder schnell zu fliehen.
In diesem Zustand fühlt sich unser Körper angespannt und bereit für Handlungen. Obwohl diese Reaktion instinktiv und adaptiv ist, kann sie auch dysregulatorische Effekte auf unser emotionales Erleben haben, wenn wir ständig in einem Zustand von Anspannung leben. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Mobilisierung eine natürliche Antwort auf wahrgenommene Bedrohungen ist und unser Nervensystem versucht, uns zu schützen, auch wenn dies zu Spannungen im Alltag führen kann.
Zustand der Erstarrung
Im Zustand der Erstarrung erleben wir eine Form der emotionalen und physischen Taubheit. Diese Reaktion tritt in extremen Bedrohungsszenarien auf, in denen unser Nervensystem die Kampf- oder Fluchtoptionen als unzureichend erachtet. Stattdessen schaltet es auf „Freeze“ und versetzt uns in eine Art Schockzustand. Physiologisch kann dies mit einer stark reduzierten Herzfrequenz und einer verminderten Reaktivität des Körpers einhergehen.
In diesem Zustand wird die Fähigkeit, zu handeln oder angemessen zu reagieren, stark eingeschränkt. Viele Menschen, die traumatische Erlebnisse hatten, kennen diesen Zustand gut. Es ist wichtig zu erkennen, dass Erstarrung keine Schwäche ist, sondern eine überlebenswichtige Reaktionsweise des Körpers, um sich vor überwältigenden Gefühlen zu schützen. Hier erkennen wir, wie wichtig es ist, diese Reaktion zu verstehen und wieder in einen Zustand der Verbindung oder Mobilisierung zu gelangen.
Einfluss auf unser Verhalten
Die drei Zustände des polyvagalen Systems beeinflussen in erheblichem Maße, wie wir auf alltägliche Herausforderungen reagieren. Im Zustand der Verbindung sind wir in der Lage, offen und empathisch auf andere zuzugehen, was unsere sozialen Beziehungen stärkt. Im Zustand der Mobilisierung hingegen neigen wir dazu, defensiv und gestresst zu sein, was unsere zwischenmenschlichen Interaktionen beeinträchtigen kann.
Wenn wir in den Zustand der Erstarrung geraten, kann es dazu kommen, dass wir uns von unseren Emotionen und der Umwelt isolieren. Dies hat direkte Auswirkungen auf unser Verhalten, unsere Entscheidungsfindung und unsere Fähigkeit, mit Stress umzugehen. Ein besseres Verständnis dieser Zustände ermöglicht es uns, proaktive Schritte zu unternehmen, um emotionalen Stress zu regulieren und gesündere Verhaltensmuster zu entwickeln.
Jedes Verhalten und jede Reaktion basiert auf einem tiefen Verständnis, das unser Nervensystem über Überleben, Sicherheit und Gefahr hat. Wir erkunden, wie diese intelligenten Signale unser tägliches Leben beeinflussen und wie wir lernen können, ihnen zuzuhören.
Die Sprache des Nervensystems
Unser Nervensystem kommuniziert ständig durch körperliche Reaktionen und emotionale Empfindungen. Diese Signale sind nicht willkürlich, sondern Ausdruck komplexer biologischer Prozesse, die über Jahrtausende der Evolution entwickelt wurden. Wenn wir Angst empfinden oder uns überwältigt fühlen, senden unsere Körpermitglieder Botschaften, die auf eine potenzielle Bedrohung hinweisen. Diese Reaktionen sind oftmals unbewusst und äußern sich in Symptomen wie erhöhter Herzfrequenz, Muskelverspannungen und Atemveränderungen.
Die Sprache des Nervensystems erfordert jedoch eine bewusste Übersetzung. Indem wir lernen, diese Signale zu deuten, können wir das, was wir erleben, besser verstehen. Anstatt unsere körperlichen Reaktionen zu ignorieren oder als störend zu empfinden, können wir sie als wichtige Informationen betrachten, die uns zeigen, wie wir uns in verschiedenen Situationen fühlen und warum unser Körper darauf reagiert, wie er es tut. Dieses Wissen ist der erste Schritt hin zu mehr Selbstakzeptanz und innerer Sicherheit.
Wahrnehmungen und Interpretationen
Oftmals geschieht es, dass wir unbewusste Signale unseres Körpers missinterpretieren. Zum Beispiel kann ein Schwitzen oder ein schneller Herzschlag fälschlicherweise als Zeichen von Panik gedeutet werden, während es tatsächlich eine normale Reaktion auf Stress ist. Diese Fehlinterpretationen sind häufig das Ergebnis tief verwurzelter Überzeugungen oder früherer Erfahrungen, die unser Nervensystem geprägt haben. Unser Gehirn neigt dazu, Bedrohungen zu erkennen, auch wenn keine tatsächliche Gefahr besteht.
Diese Missverständnisse haben tiefgreifende Auswirkungen auf unser Verhalten. Sie können uns dazu führen, uns in sozialen Situationen zurückzuziehen oder riskante Entscheidungen zu treffen, die uns nicht guttun. Indem wir uns bewusst werden, wie wir unsere körperlichen Empfindungen interpretieren, können wir unsere Reaktionen neu kalibrieren. Wir lernen, zwischen tatsächlicher Gefahr und unserer inneren Wahrnehmung zu unterscheiden, was letztlich zu einem entspannteren und sichereren Lebensstil führt.
Intuitive Antworten
Die Reaktionen unseres Körpers sind oft intuitiv und darauf ausgerichtet, uns zu schützen. Diese Schutzmechanismen sind evolutionär bedingt und haben sich als überlebenswichtig erwiesen. Wenn wir uns in einer bedrohlichen Situation befinden, reagiert das Nervensystem schneller als unser bewusster Verstand, oftmals ohne, dass wir darüber nachdenken. Diese intuitive Schnelligkeit kann Leben retten, birgt jedoch auch die Gefahr, dass wir in harmlosen Situationen unangemessen reagieren.
Diese automatisierten Antworten können positive Aspekte besitzen, da sie uns helfen, Gefahren sofort zu erkennen und zu handeln. Nichtsdestotrotz kann eine übermäßige Aktivierung dieser Reaktionen zu chronischen Stresszuständen führen. Zu lernen, wie man diese intuitiven Antworten erkennt und bewertet, ist entscheidend für die persönliche Entwicklung. Es ermöglicht uns, bewusster mit unseren Emotionen und Körperreaktionen umzugehen und ultimately eine tiefere Verbindung zu unserem inneren Selbst zu schaffen.
Lernen, die Signale zu verstehen
Indem wir die Sprache unseres Nervensystems besser verstehen, können wir gesündere Bewältigungsstrategien entwickeln. Es ist wichtig, sich die Zeit zu nehmen, um auf die eigenen körperlichen und emotionalen Signale zu hören. Vor allem Meditation, Achtsamkeit und Körperarbeit können hervorragende Werkzeuge sein, um ein Gefühl für die Reaktionen unseres Körpers zu entwickeln. Solche Praktiken helfen uns, innerlich stiller zu werden und die subtilen Botschaften unseres Nervensystems wahrzunehmen.
Das Verständnis dieser Signale ermöglicht es uns, bewusste Entscheidungen anstelle von reaktiven Impulsen zu treffen. Außerdem fördert es das Gefühl von innerer Sicherheit und Vertrauen in den eigenen Körper. Mit der Zeit werden wir in der Lage sein, die Unterschiede zwischen echten Gefahren und unseren emotionalen Reaktionen zu erkennen, was uns eine neue Freiheit der Bewegung innerhalb unserer Erfahrungen bietet. Diese Transformation führt zu einem gesünderen und resilienteren Leben.
Hier betrachten wir die drei Hauptzustände des polyvagalen Systems: Verbindung, Mobilisierung und Erstarrung. Wir erläutern, welche physiologischen und emotionalen Reaktionen mit jedem dieser Zustände verbunden sind und wie sie unser Verhalten in verschiedenen Situationen beeinflussen. Wie erkennt man, in welchem Zustand man sich befindet? Dies ist unerlässlich, um es im Alltag besser zu navigieren.
Der erste Zustand des polyvagalen Systems ist die Verbindung, in der sich Körper und Geist in einem Zustand der Sicherheit befinden. In diesem Zustand sind wir sozial fähig und offen für Interaktionen. Das Verständnis dieses Zustands ist entscheidend, um emotionale Beziehungen und unsere Fähigkeit zur Kommunikation zu fördern.
Ein Gefühl der Sicherheit
Im Zustand der Verbindung signalisiert der Körper, dass keine unmittelbare Bedrohung besteht. Diese Wahrnehmung von Sicherheit führt zu einem Zustand der Entspannung, der sich sowohl physisch als auch emotional bemerkbar macht. Menschen empfinden in diesem Zustand Geborgenheit und Zugehörigkeit. Die Freisetzung von Neurotransmittern wie Oxytocin, das oft als „Kuschelhormon“ bezeichnet wird, spielt eine entscheidende Rolle dabei, dieses Gefühl zu fördern. Es hilft uns, Vertrauensverhältnisse aufzubauen und stärkt unsere Bindungen zu anderen.
Darüber hinaus ermöglicht dieser Zustand, auf unsere inneren Bedürfnisse zu reagieren und emotionale Verbindungen zu schaffen. Das Bewusstsein, dass man in Sicherheit ist, eröffnet die Möglichkeit, offen für das Leben und die Beziehungen zu sein. Durch diese erlebte Sicherheit sind wir in der Lage, sowohl unsere eigenen Gefühle als auch die unserer Mitmenschen zu erfassen. Das Bewusstsein um diesen Zustand der Verbindung ist daher grundlegend für unser zwischenmenschliches Wohlbefinden und unsere soziale Interaktion.
Soziale Interaktion
