DELTA FORCE - Mission Hydra - Jeremy Robinson - E-Book
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DELTA FORCE - Mission Hydra E-Book

Jeremy Robinson

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Beschreibung

Würdest du töten, um ewig zu leben? Der Archäologe Dr. George Pierce macht in der peruanischen Wüste eine phänomenale Entdeckung: Unter einem Felsen findet er den Kopf der sagenhaften Hydra – der Sumpfschlange aus der griechischen Mythologie. Das unglaubliche: Ihre DNS soll der Schlüssel zur Unsterblichkeit sein. Als Pierce kurz nach seiner bahnbrechenden Entdeckung spurlos verschwindet, schlägt die Welt Alarm. Special Forces Kommandant Jack Sigler und sein Elite-Team der Delta Force werden beauftragt, den Wissenschaftler zu finden. Denn ein skrupelloser Feind ist hinter Pierce und seiner Entdeckung her: Richard Ridley, der ebenso visionäre wie machtgierige Gründer von Manifold Genetics, sieht in der Hydra-DNS seine Chance, eine Armee aus unsterblichen Soldaten zu schaffen und damit an die Weltherrschaft zu gelangen. Und er schreckt vor nichts zurück, um dieses Ziel zu erreichen … »Die Kombination aus Mythologie, Wissenschaft und hochkarätiger Action ist unwiderstehlich.« Booklist Hier trifft harte Action auf sagenumwobene Mythen: Die adrenalingeladene Thriller-Reihe »Delta Force« wird Fans von James Patterson und Clive Cussler begeistern.  In Band 2 geht es für Jack Sigler und sein Team auf der Suche nach einem Gegenmittel für einen tödlichen Virus in die gnadenlose Hitze des vietnamesischen Dschungels ... Alle Bände der Reihe: Band 1: DELTA FORCE: Mission Hydra Band 2: DELTA FORCE: Operation Genesis Die Bände sind unabhängig voneinander lesbar.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Über dieses Buch:

 

Der Archäologe Dr. George Pierce macht in der peruanischen Wüste eine phänomenale Entdeckung: Unter einem Felsen findet er den Kopf der sagenhaften Hydra – der Sumpfschlange aus der griechischen Mythologie. Das unglaubliche: Ihre DNS soll der Schlüssel zur Unsterblichkeit sein. Als Pierce kurz nach seiner bahnbrechenden Entdeckung spurlos verschwindet, schlägt die Welt Alarm. Special Forces Kommandant Jack Sigler und sein Elite-Team der Delta Force werden beauftragt, den Wissenschaftler zu finden. Denn ein skrupelloser Feind ist hinter Pierce und seiner Entdeckung her: Richard Ridley, der ebenso visionäre wie machtgierige Gründer von Manifold Genetics, sieht in der Hydra-DNS seine Chance, eine Armee aus unsterblichen Soldaten zu schaffen und damit an die Weltherrschaft zu gelangen. Und er schreckt vor nichts zurück, um dieses Ziel zu erreichen …

eBook-Neuausgabe Januar 2026

Die amerikanische Originalausgabe erschien erstmals 2009 unter dem Originaltitel »PULSE« Thomas Dunne Books, New York. Die deutsche Erstausgabe erschien 2010 unter dem Titel » Mission Hydra« bei Ullstein, Berlin.

Copyright © der amerikanischen Originalausgabe 2009 by Jeremy Robinson

Copyright © der deutschen Erstausgabe 2010 Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin

Copyright © der Neuausgabe 2026 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von firefly/Nele Schütz Design

eBook-Herstellung: dotbooks GmbH unter Verwendung von IGP (mk)

 

ISBN 978-3-69076-667-8

 

***

 

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***

 

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Jeremy Robinson

DELTA FORCE - Mission Hydra

Thriller | Delta Force 1

Aus dem Amerikanischen von Peter Friedrich

 

dotbooks.

Für Hilaree, abermals, immer noch meine Beste

Wer könnte wohl in einem Regenbogen genau die Linie angeben, wo das Violett aufhört und das Orange beginnt? Wir sehen zwar deutlich die verschiedenen Farben, aber nicht den genauen Ort, wo die eine in die andere übergeht. So ist es auch mit Vernunft und Wahnsinn.

Herman Melville

 

Wird ihm [dem Menschen] eine Tatsache vorgesetzt, die ihm gegen den Strich geht, so wird er sie genau prüfen, und wenn der Beweis nicht überwältigend ist, wird er sich weigern, sie zu glauben. Wenn ihm andererseits etwas vorgesetzt wird, das aus irgendeinem Grund mit seinen Wünschen und Hoffnungen übereinstimmt, so wird er es sogar aufgrund des schwächsten Beweises akzeptieren. Auf diese Weise erklärt sich der Ursprung von Mythen.

Bertrand Russel

 

Wenn alles andere scheitert, kann man sich immer noch durch einen grandiosen Fehler unsterblich machen.

John Kenneth Galbraith

Prolog

 

Nazca, Peru, 454 v. Chr.

 

Hunderte von Füßen stampften über den staubigen Boden und erfüllten die Luft mit dem bedrohlichen Klang marschierender Soldaten. Aber es waren keine Soldaten. Es war die Schar der Anbeter eines Mannes, dessen seltsames Schiff erst eine Woche zuvor an den Ufern Perus gelandet war und der nun ihren Zug anführte, weg von ihrer fruchtbaren Heimat, quer durch die ausgedörrte, lebensfeindliche Ebene von Nazca.

Er marschierte ohne Unterlass, ohne Pausen zum Essen, Trinken oder Ruhen. Mit jedem gnadenlosen Tag schrumpfte ihre Zahl. Frauen mit Kindern kehrten als Erste um. Der Hunger und die Verantwortung für die Familie waren stärker als ihr Wunsch, der Gottheit zu dienen, die sie mit ihrem Besuch beehrt hatte. Die Männer, die dem schweigenden Fremden noch folgten, kämpften mit ausgetrockneten Kehlen und versengten Füßen, waren aber entschlossen zu sehen, wohin der Riese sie führen würde. Einer nach dem anderen sanken die Schwächsten in den festgebackenen, brennend heißen Sand und starben im glühenden Angesicht der Sonne eines langsamen Todes.

Endlich hielt der Mann im Schatten eines hohen Hügels an, wandte sich um und warf einen kühlen Blick auf die verbliebenen dreiundzwanzig Männer – das kleine Häuflein, das von den hundertsiebenunddreißig, die diese Reise zusammen mit ihm angetreten hatten, noch übrig war. Es waren die Stärksten und Tapfersten des Stammes, zweifellos jeder Auszeichnung würdig, die der Gottgleiche ihnen zuteilwerden ließe. Wortlos griff der riesige Mann nach dem Löwenfell, das sein Haupt und seinen Rücken bedeckte, und hob den intakten Raubtierschädel von seinem Kopf. Das schweißnasse, lockige schwarze Haar klebte ihm an der Stirn, aber er achtete nicht darauf. Er machte sich auch nicht die Mühe, die Schweißtropfen wegzuwischen, die ihm in die dunkelbraunen Augen und die dick verschorften Wunden rollten, die Brust, Rücken und Beine bedeckten.

Als der Riese am sandigen Strand ihres Dorfes gelandet war, hatten seine Widerstandskraft gegen die tiefen Wunden und seine Körpergröße von fast zwei Metern – womit er den größten Mann des Stammes um mehr als dreißig Zentimeter überragte – die Eingeborenen von Nazca von seiner Göttlichkeit überzeugt. Das geheimnisvolle Löwenfell verriet ihnen, dass er aus dem Land der Götter kam. Seine Streitkeule trug dunkle Flecken von altem Blut und wies ihn als ehrfurchtgebietenden Krieger aus. Der blutdurchtränkte, gewebte Sack, den er bei sich trug und der sich in seinen Händen wand und krümmte, erfüllte die Luft mit einem strengen Kupfergeruch und zeugte davon, dass er die Überreste eines uralten Bösen hütete. Angesichts der Größe des Objekts dachten viele zuerst, er hätte ein Wildschwein erlegt, aber die Menge an Blut, die weiterhin reichlich aus dem immer noch zuckenden Körper floss, sprach eine andere Sprache. Nichts Sterbliches konnte einen derartigen Blutverlust überleben.

Der riesige Mann kniete nieder, stieß den Finger in die Erde und ritzte eine Skizze in den festgebackenen Sand der Wüste. Als er fertig war, erhob er sich wieder, sah den Männern, die noch stehen konnten, in die Augen und wies mit einer weit ausholenden Geste auf die flache Wüste am Fuß des Hügels. Dann deutete er erst auf den zentralen Punkt seiner Zeichnung und anschließend auf einen großen Felsblock in etwa fünfzehn Meter Entfernung. Dessen eine Seite war abgeflacht und hatte einen Durchmesser von mehr als drei Metern, aber die Rückseite war gewölbt wie ein Findling. Der Felsen balancierte gefährlich wacklig auf der Kante, an der sich die gekrümmte und die flache Hälfte trafen. Für die Männer sah er aus wie eine unförmige, gigantische Melone, die vor Äonen von irgendeiner uralten Gottheit halbiert und weggeworfen worden war.

Die Männer begriffen. Der seltsame Stein sollte den mittleren Kopf der unheimlichen Kreatur bilden, die der Gottgleiche gezeichnet hatte. Während die Sonne sank, arbeiteten die Männer in der kühler werdenden Luft. Bei Einbruch der Nacht machten sie im Mondschein und bei Fackellicht weiter und widerstanden der frostigen Wüstenluft, elend vor Hunger und Durst, aber entschlossen, dem Gottgleichen zu Diensten zu sein. Am Morgen war die überdimensionale Reproduktion der Zeichnung des Riesen vollendet. In der Höhe maß sie hundertfünfzig, in der Breite hundert Meter. Die hellbraunen Linien standen in starkem Kontrast zu der dunklen, steinigen Kruste der Ebene und bildeten einen wahrhaft erhabenen Anblick.

Die Männer taumelten unter den sengenden Strahlen der aufsteigenden Sonne, die ihnen die letzten Kräfte raubte und ihre Körper ausdörrte. Mit jedem Tropfen Blut aus den aufgerissenen Händen verrann ihre Lebenskraft. Sie alle wussten, dass diese Wüste ihren Tod bedeutete, aber sie widerstanden dem Wunsch zu fliehen und glaubten daran, dass der Gottgleiche sie für ihre treuen Dienste belohnen würde. Benommen und verwirrt torkelte die Gruppe endlich auf den Mittelpunkt der Zeichnung zu, wo der Riese sie erwartete.

Er stand neben einer tiefen Grube, die er vor dem großen Felsen ausgehoben hatte, an dem die Linien von beiden Seiten der Zeichnung zusammentrafen. Die Männer blieben erwartungsvoll am gegenüberliegenden Rand stehen. Der Riese hielt den Sack über die Grube und ließ das Blut in den Sand an ihrem Grund tropfen, wo es augenblicklich vertrocknete und zu Asche wurde. Ein Raunen erhob sich unter den Männern über jene seltsame Magie, die Blut in Asche verwandelte. Doch sie blieben wie angewurzelt stehen, vor Erschöpfung, aber auch aus Neugier. Dann ließ der Mann den Sack in die Grube fallen, wo er auf den zu Asche geronnenen Blutstropfen landete.

Beim Aufprall auf die heiße, trockene Erde begann sich der Sack zu winden, heftig zunächst, doch dann immer schwächer. Als das Blut an seiner Außenseite sich weiß verfärbte und trocknete, hörten die Bewegungen ganz auf.

Die Männer harrten atemlos der weiteren Ereignisse. Als der Gottgleiche die Hand hob und deutete, packten Furcht und Entsetzen ihre ausgelaugten Körper. Hätten sie ihr Schicksal gekannt, kein Einziger von ihnen wäre dem Riesen gefolgt oder hätte ihm geholfen, das Bild in den Sand zu kratzen. Schrecken und Verzweiflung erfüllten ihre Augen, aber als die Hand des Riesen sich fester um seine Streitkeule schloss, wussten sie, dass jeder Gedanke an Flucht sinnlos war. Nicht einem von ihnen würde es gelingen, auch nur die Umrisslinien der Zeichnung zu erreichen, bevor ihn diese Keule träfe.

Der Mann deutete abermals und stieß mit dem Finger in Richtung der Grube. Diesmal gehorchten die Männer und krochen hinab. Mit schlotternden Knien und zitternden Händen erwarteten sie ihr Schicksal. Der Mann trank aus einem Weinschlauch, der an seiner Hüfte baumelte. Die letzten paar Tropfen der schwarzen Flüssigkeit, die noch darin verblieben waren, tropften auf seine Zunge. Er schluckte sie hinunter und wandte sich wieder den Männern zu. Sein Körper wirkte kraftvoller denn je, und sein Gesicht verriet – Mitgefühl. Doch der Ausdruck des Bedauerns hielt nur einen Moment lang an, bevor sich die entschlossene Miene des Giganten wieder verhärtete. Zum ersten Mal seit seiner Ankunft sprach er. Seine Stimme brachte den Sand und die Ränder der Grube zum Erzittern. Die Männer verstanden kein Wort, aber der Klang seiner Stimme, die Autorität seiner Gestalt und die Energie seiner Gesten feuerten sie an. Ihre Zuversicht kehrte zurück, und einige von ihnen lächelten sogar, als der Mann seine Keule zum Himmel erhob und einen lauten Ruf ausstieß. Sie jubelten ihm zu, reckten ihre blutigen Fäuste und schrien der Sonne entgegen.

Aber ihre Siegesschreie verwandelten sich in Schreckensgeheul, als plötzlich etwas Großes die Sonne über ihnen verdunkelte. Bevor sie begriffen, was das massive Objekt war, krachte es bereits donnernd auf sie herab. Danach vernahm man nur noch das Knirschen eines einzelnen Paares sandalenbekleideter Füße, deren Schritte sich ostwärts in Richtung Küste über die Ebene entfernten.

GAMMA

EINS

 

Peru, 2006

 

Todd Maddox stieg aus dem Eurocopter EC 155 und duckte sich instinktiv, während die Rotorblätter über ihm noch die Luft durchschnitten. Der Flug vom LAX in Los Angeles zum Capitán-Rolden-Flughafen in Peru war glatt verlaufen, ebenso der Hubschraubertransfer vom Flughafen zu seinem unbekannten Ziel. Aber als er jetzt aus der klimatisierten Atmosphäre des Hubschraubers trat und ihm die feuchte Dschungelluft des Amazonas-Regenwalds im östlichen Peru entgegenschlug, prallte er förmlich zurück.

Sein sonnenblumengelbes Hemd klebte ihm binnen Sekunden wie ein nasser Lappen am Körper. Die gestylten und mit einer dicken Schicht teuren Elnett-Haarsprays in Form gebrachten Haare verklumpten zu einer formlosen Masse, die ihm in die Stirn rutschte. Maddox fühlte sich nur im trockenen Los Angeles zu Hause, darum brummelte und schimpfte er jetzt halblaut vor sich hin. Die Aktentasche unter den Arm geklemmt, trabte er auf eine gläserne Doppeltür zu, die mitten im grünen Urwald irgendwie fehl am Platz wirkte.

Zweifel plagten ihn. War es das wert? Konnte er die Hitze und Feuchtigkeit überhaupt ertragen? Die Bezahlung würde zweifellos sensationell sein, und die Firma Manifold war weltbekannt auf dem Gebiet der Genetik. Die Jobbeschreibung war allerdings etwas dürftig ausgefallen ... sie existierte schlicht und einfach nicht. Man hatte ihm lediglich einen Vertrag mit fünf Jahren Laufzeit angeboten, außerdem zehntausend Dollar dafür, dass er an einem Einstellungsgespräch teilnahm. Friss oder stirb. Er erwartete, bei diesem Gespräch Näheres zu erfahren, doch sie mussten ihm schon eine bahnbrechende Forschungsarbeit anbieten, andernfalls saß er im nächsten Flugzeug zurück ins sonnige, trockene Los Angeles. Schließlich hatte er dort bereits einen gutbezahlten Job bei CreGen, der ihm sogar die eine oder andere Schlagzeile brachte. Doch für Manifold zu arbeiten, war eine einzigartige Gelegenheit, daher musste er sich die Sache zumindest einmal ansehen. Auch wenn er im Traum nicht darauf gekommen wäre, dass das Einstellungsgespräch im peruanischen Regenwald stattfinden würde.

Die Doppeltür schwang auf, und Maddox rannte hinein, als suchte er Schutz vor einem sintflutartigen Regenguss. Angesichts der Nässe, die nach dem kurzen Sprint in seiner Kleidung und in den triefenden Haaren hing, war das nicht einmal besonders übertrieben.

Drinnen blies ihm aus zahlreichen Öffnungen entlang der Decke kühle, klimatisierte Luft entgegen. Maddox spürte, wie die Haare auf seiner Stirn zu einer betonartigen Masse erstarrten, während das Elnett-Spray wieder antrocknete. Seine gestylte Frisur war jetzt ein paar Zentimeter flacher als zu dem Zeitpunkt, als er sie in Form gebracht hatte.

»Dass der Boss immer solche Metrosexuellen anschleppen muss, die die schwüle Luft nicht abkönnen«, begrüßte ihn eine tiefe Stimme.

Maddox sah den Mann verblüfft an, der die Tür geöffnet hatte. So respektlos hatte ihn seit der Highschool keiner mehr angeredet. Er funkelte den Kerl wütend durchseine elegante Oakley-Sonnenbrille mit dem schwarzen Gestell an. Der Bursche war großgewachsen, und nach den Ausbuchtungen unter seinem enganliegenden schwarzen Hemd zu urteilen, kein Wissenschaftler. Maddox sagte mit so viel Herablassung, wie er aufbringen konnte: »Wie meinen?«

»Ich verarsche Sie doch bloß, Mann.« Der Fremde schlug ihm auf die Schulter – schmerzhaft – und lachte. Dann streckte er die Hand aus. »Oliver Reinhart. Chef der Gen-Y-Sicherheit bei Manifold Gamma.«

»Sie leiten diese Anlage?«, fragte Maddox und überlegte, ob er wohl längere Zeit mit diesem Schlägertypen klarkommen musste, wenn er den Job annahm.

Reinhart rieb sich über den kurzgeschorenen Hinterkopf und ließ sich von den Stoppelhaaren an der Handfläche kitzeln. »Ich bin für die Sicherheit in allen Anlagen zuständig, von Manifold Alpha bis Epsilon. Ich bin da, wo der Boss ist.«

»Ridley?«

»Genau der.«

Maddox blinzelte. Richard Ridley war zur Legende geworden, seit er vor zehn Jahren mit einer Erbschaft von drei Milliarden Dollar Manifold gegründet hatte.

Anfangs wollte niemand die Firma so recht ernst nehmen, aber er warb die fähigsten Köpfe der Branche an, holte sie direkt vom MIT, aus Harvard oder Berkeley. Bald florierte das Unternehmen und machte rasante Fortschritte auf dem Gebiet der Genetik und der Biopharmazeutika. »Richard Ridley ist hier?«

»Sind Sie aber schnell von Begriff!«, spöttelte der andere. »Jetzt wird mir klar, warum der Chef Sie angeheuert hat.«

»Er hat mich noch nicht angeheuert.«

Reinhart trat an ihm vorbei in den blendend weißen Korridor. »Doch, hat er. Sie wissen es nur noch nicht. Kommen Sie, mir nach.«

Maddox betrachtete den stämmigen Mann von der Seite. Auf einer Wange hatte er eine lange Narbe, ansonsten wirkte das glattrasierte Gesicht vor allem jung. Keinesfalls älter als dreißig. Er schloss daraus, dass Reinhart sich nur gern vor Neuankömmlingen aufspielte und mit seiner Bekanntschaft zu Ridley prahlte. Also sagte er: »Sie wirken ein bisschen jung für einen Sicherheitschef. Wie alt sind Sie, dreißig?«

Reinhart antwortete ohne das geringste Zögern. »Fünfundzwanzig. Wir heißen nicht umsonst Gen-Y, nach der ›Generation-Y‹. Sie finden niemanden über achtundzwanzig unter meinen Leuten.«

»Ist der Mangel an Erfahrung nicht ...«

Reinhart beugte sich zu Maddox, sah ihn eindringlich an und legte eine Kunstpause ein, bevor er sagte: »Killer werden geboren, nicht gemacht.«

Wie auf ein Stichwort bogen zwei weitere Sicherheitsleute um die Ecke, beäugten Maddox im Vorübergehen misstrauisch und nickten Reinhart zu wie Freunde in einem Klub. Beide wirkten kaum alt genug, um sich rasieren zu müssen, doch ihr Körperbau und die kalten Augen bestätigten Reinharts Worte. Maddox war in eine Schlangengrube geraten.

War es nicht verantwortungslos, derart junge Leute mit Sicherheitsaufgaben zu betrauen? Andererseits fand man Achtzehnjährige auf allen Schlachtfeldern dieser Welt. Nach Reinharts Stoppelhaarschnitt und seinem militärischen Habitus zu schließen, hatte er wahrscheinlich im Irak oder in Afghanistan gedient, bevor er diesen Job an Land zog. Maddox beschloss, das Thema fallenzulassen, und folgte ihm durch das Labyrinth von Gängen.

Schließlich blieb Reinhart stehen und öffnete eine Tür. Er machte eine einladende Geste, begleitet von einem Grinsen. »Nach Ihnen.«

Maddox seufzte und trat ein. Bei dem Anblick, der sich ihm bot, blieb ihm die Luft weg. Ein weißer Marmorfußboden reflektierte in zahllosen Schattierungen das Blau des Himmels und das Grün des Dschungeldachs, die leuchtend durch die mindestens fünfzehn Meter lange kuppelförmige Glasdecke schimmerten. Inka-Statuen säumten die rubinroten Wände, und ein langer Orientteppich durchmaß die Mitte des Raums. Er führte zu einem enormen Empfangstresen, der eher zu einem Hollywood-Agenten als zu einer Genetikfirma passte. Die kühle Rothaarige dahinter musterte ihn über den Rand ihrer Brille hinweg und lächelte knapp.

»Sagen Sie ihr, wer Sie sind, dann übernimmt sie von jetzt an die Führung«, meinte Reinhart.

Maddox stand immer noch staunend da, als die Tür hinter ihm leise ins Schloss glitt. Reinhart war gegangen. Der Mann hatte Maddox trotz seiner Jugend eine Heidenangst eingejagt. Was würde passieren, wenn er Ridleys Angebot ausschlug? Er verdrängte die Frage und dachte weiter über Reinhart nach. Als Ridleys persönlicher Leibwächter würde er ja wohl nicht die ganze Zeit hier sein ... oder doch? Niemand wusste so genau, wo Ridley sich jeweils aufhielt. Reinhart hatte von »Manifold Alpha bis Epsilon« gesprochen, also gab es mindestens fünf solcher Komplexe.

Vielleicht mehr.

Die blutroten Augen von zwölf Inka-Statuen auf jeder Seite des Raums schienen Maddox zu folgen, während er zum Empfangstresen ging. Die grotesken, bedrohlichen Fratzen waren seinem Nervenkostüm nicht gerade zuträglich. Die Rothaarige gebot ihm mit erhobener Hand stehen zu bleiben und lauschte in einen Telefonhörer. »Sie können jetzt hineingehen«, sagte sie schließlich, legte auf und drückte einen Knopf unter der Tischplatte. Rechts hinter dem Empfangstisch glitt lautlos eine Tür auf. Maddox packte seine Aktentasche fester und trat ein, ohne zu wissen, was ihn erwartete.

Das Büro war sparsam mit weiteren Kunstwerken des Inkareichs dekoriert. An den Wänden hingen Masken, in den Ecken standen Statuen. Große Grünpflanzen verliehen dem Raum die Atmosphäre einer Zeremonialhöhle. Maddox bemerkte einen starken Duft nach frischer Pfefferminze, die Sorte, die seine Mutter selbst im Treibhaus gezogen hatte.

Im Zentrum des Büros standen sich zwei schwarze Sofas gegenüber. Dazwischen ein niedriger, handbeschnitzter Teetisch mit zwei gläsernen Bechern, einer dampfenden Tonkanne und einer Dokumentenmappe. Richard Ridley persönlich saß auf einem der Sofas und blickte Maddox entgegen. Sein kahler Schädel glänzte im Schein eines eleganten Lichtschienensystems.

Maddox kannte Ridley von Fotos aus Artikeln und Werbebroschüren, die er bei Konferenzen gesehen hatte, aber in Fleisch und Blut wirkte er noch größer und imposanter. Ohne aufzustehen oder ihm die Hand zu reichen, bedeutete er ihm, auf der anderen Couch Platz zu nehmen. Maddox gehorchte und stellte die Aktentasche neben sich auf den Boden. Ridley schenkte Tee ein, tröpfelte Honig dazu und reichte Maddox eine Tasse. Ein kräftiger Schwall Pfefferminzduft stieg ihm in Nase und Augen. Er nippte an der heißen Flüssigkeit und fühlte sich sofort erfrischt und belebt, als die Minze ihre Wirkung entfaltete.

»Frisch gepflückter Pfefferminztee«, meinte Ridley, trank einen Schluck und stellte seine Tasse ab. Seine raue, dröhnende Stimme war unverkennbar und gebieterisch. Maddox hatte sie schon einmal gehört und war darauf gefasst gewesen, doch trotzdem wunderte er sich, wie ein Mann mit einer derart unheimlichen Stimme so erfolgreich sein konnte. »Erstaunlich, was ein so schlichtes Gebräu Gutes für den Körper tun kann. In der Wirkung natürlich nicht im Entferntesten vergleichbar mit dem, womit Sie sich befassen, dafür schmeckt es aber vermutlich besser. «

Maddox lächelte unverbindlich und versuchte, seine Nervosität zu verbergen.

»Ich habe Ihre Arbeit recht genau verfolgt. Sie haben große Durchbrüche beim Wnt-Signalweg und der Gliedmaßenregenerierung bei Hühnerembryonen erzielt.«

Maddox’ Augen weiteten sich.

Ridley grinste. »Möchten Sie mir erklären, wie Sie das geschafft haben?«

Maddox wurde lebhaft. Er hätte nie damit gerechnet, dem großen Richard Ridley einmal etwas erklären zu können. »Wie Sie wissen ... vielleicht wissen ... ist der Wnt- Signalweg ein Netzwerk von Proteinen, das, vereinfacht gesprochen, einem heranwachsenden Fötus mitteilt, wie und wann er Gliedmaßen entwickeln muss. Aber nach der Geburt ruht er. Mutter Naturs Sicherheitsschaltung sozusagen, um unkontrollierte Ergänzungen zu verhindern. Zum Beispiel, dass einem ein sechster Finger an der Hand wächst, wenn man sich lediglich geschnitten hat. Wir haben nun versucht, diesen Signalweg bei Erwachsenen zu reaktivieren, damit die Wnt-Proteine den Zellen befehlen, bei einer Amputation neue Bänder, Knochen und Muskeln aufzubauen und nicht nur eine frische Lage Haut über der Wunde zu bilden.«

Ridley räusperte sich. »Nur – korrigieren Sie mich, falls ich mich irre –, der Wnt-Signalweg war zwar eine brillante Idee, aber gleichzeitig auch ein ziemlich peinlicher Fehlschlag.«

Maddox’ Schultern sackten nach vorne, während sein Selbstbewusstsein sich verflüchtigte. Ridley wusste offenbar mehr, als er wissen durfte.

»Aber« – Ridley drohte ihm scherzhaft mit dem Finger – »Sie verfolgen bereits eine andere Spur, nicht wahr?«

Viel mehr.

Maddox blieb stumm. Ihm war klar, dass jeder Kommentar zu seinen gegenwärtigen Forschungen einen Vertragsbruch gegenüber CreGen bedeutete und zu seiner Entlassung und wahrscheinlich einer Klage führen konnte. Allein seine Anwesenheit hier im peruanischen Regenwald statt in der Karibik, wo er angeblich Urlaub machte, war ein Kündigungsgrund.

»Sie müssen nichts sagen. Ich weiß, dass Sie das in eine ... peinliche Lage bringt. Darum spreche ich es für Sie aus. Es ist Ihnen gelungen, Gliedmaßen bei Ratten zu regenerieren – Schwänze, Beine, sogar Ohren.«

Maddox’ Augen wurden groß. »Woher wissen Sie das? Wir haben nichts publiziert ...«

Ridley hob gebietend die Hand. »Bitte. Lassen Sie mich ausreden. Sie haben außerdem zumindest teilweise die Glieder von Schweinen und Schafen regenerieren können, wenn auch mit geringerem Erfolg. Aber das Pièce de Résistance ist das, was Ihnen, und zwar nur Ihnen allein, beim Menschen gelungen ist.«

»Jetzt warten Sie mal«, sagte Maddox und setzte sich steif auf. »Die Arbeit an Schafen und Schweinen ist streng geheim. Sie können unmöglich ...«

Ridley hob abwehrend die Hände. »Und doch weiß ich davon. Industriespionage ist eine wundervolle Sache. Glauben Sie, Ihre Bosse bei CreGen hätten nicht auch ihre Spione bei uns eingeschleust? Ohne unseren Mister Reinhart und Gen-Y hätten Sie wahrscheinlich ebenso Zugang zu Manifolds Geheimnissen wie umgekehrt.« Er beugte sich vor. »Mir fällt auf, dass Sie die Experimente am Menschen nicht erwähnen.«

»Das liegt daran, dass es keine gibt«, erwiderte Maddox mit trockenem Mund und blickte zu Boden. Ridley lächelte und griff zu der Dokumentenmappe auf dem Tisch. Er schlug sie auf und begann zu lesen. »Junge. Alter fünfzehn Jahre. Eingeliefert ins Massachusetts General Hospital mit abgeschnittener Zeigefingerspitze ... ein Unfall, als er versuchte, im Keller einen Frosch zu sezieren. Das war im Jahr 1986.« Er sah auf. »Klingt das bekannt?«

»Wie sind Sie an meine Krankenakte gekommen?«

»Wenn ich die Sicherheitsmaßnahmen bei CreGen ausschalten kann, glauben Sie im Ernst, Ihre Krankenversicherung hätte eine Chance?« Er schloss die Mappe und warf sie zurück auf den Tisch; dann packte er mit der Schnelligkeit einer zubeißenden Schlange Maddox’ linke Hand. Er hielt sie in die Höhe und inspizierte den makellosen Zeigefinger. »Sie haben vor kurzem ihre eigene Fingerspitze nachwachsen lassen. Nicht im Rahmen Ihrer Arbeit. Auf eigene Faust.«

Maddox entriss ihm die Hand, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

»Kein Grund zur Aufregung. Ich bewundere Ihre Hartnäckigkeit, selbst wenn sie hier von Eitelkeit inspiriert war.« Ridley zog ein zusammengefaltetes Blatt Papier aus der Hosentasche und hielt es in die Höhe. »Sagen Sie mir, wie Sie es angestellt haben, und ich zeige Ihnen, was auf diesem Blatt Papier steht.«

»Was könnte darauf schon stehen, dass ich Ihnen etwas Derartiges anvertraue?«

»Ihre Zukunft«, gab Ridley zurück. »Na, interessiert?«

Maddox hielt es ganze fünf Sekunden lang aus, dann sagte er: »Schweineblasenextrakt. Es ... hilft dabei, das mikroskopische Gerüst für neue Humanzellen zu konstruieren, und sendet chemische Signale, die den Prozess des Nachwachsens stimulieren.«

»Ein ... ungewöhnlicher Ansatz«, sagte Ridley. Aber er lächelte.

»Schweineextrakte werden bei der Diabetesbehandlung eingesetzt, um Inselzellen zu produzieren, die nach der Transplantation einen Gesundungsprozess beim Menschen einleiten«, erläuterte Maddox.

»Und da haben Sie gedacht, das könnte auch beim Nachwachsen von Gliedmaßen klappen.«

Maddox zuckte die Achseln. »Damals, ja. Aber es hat sich als weitere Sackgasse erwiesen. Der Prozess funktioniert nicht. «

Ridley nickte. »Ihre Forschung stagniert also?«

Maddox gab keine Antwort. Es wäre zu schmerzhaft gewesen, den Fehlschlag eines Projekts einzugestehen, dem er sein ganzes Leben gewidmet hatte. Außerdem, Ridley kannte die Antwort ja offenbar schon.

»Als junger Mann, lange vor alldem hier«, meinte Ridley und wedelte mit den Armen in der Luft, »war ich besessen von Landkarten. Ich zeichnete den Landweg von einem Ort zum anderen auf, sagen wir von Peking nach Paris, immer und immer wieder, bis scheinbar alle Möglichkeiten ausgeschöpft waren. Dann versuchte ich etwas anderes, so wie Sie mit der Schweineblase. Ich stellte die Landkarte auf den Kopf, und siehe da, neue Wege tauchten auf. Doch auch mit dieser Technik war ich irgendwann am Ende, weil es keine weiteren Alternativen mehr gab. Die Mittel meines Vaters ermöglichten es mir, eine letzte Ressource zu erschließen, die schwer zu erhalten und oft auch ziemlich teuer ist – die antike Vergangenheit. Ich kaufte alte Karten bei Händlern auf der ganzen Welt, legal oder auf dem Schwarzmarkt. Uralte Handelsrouten erschlossen sich mir. Geheime Wege. Vergessene Tunnel. Jede Karte enthüllte mir mehr. So begriff ich, dass die Vergangenheit einem die Mittel in die Hand geben kann, der modernen Welt ihre Geheimnisse zu entlocken. Daran glaube ich auch heute noch – und Sie werden diese Lektion ebenfalls lernen, wenn Sie interessiert sind.«

»Ich ... ich weiß nicht, ob es mir möglich ist.«

Ridley lachte auf, als hätte er noch nie etwas Dümmeres gehört. »Sie haben Ihre Fingerspitze regeneriert. Ihr Ehrgeiz reicht weit über CreGen hinaus, wo man, wenn ich Sie daran erinnern darf, den Lohn für Ihre Entdeckungen einheimst. Sie stecken in einer Sackgasse, genau wie wir. Sie können eine abgeschnittene Fingerspitze nachwachsen lassen. Na und? Bei Kindern unter elf Jahren wachsen sie manchmal von selbst nach. Sie haben lediglich die Altersgrenze für die Regeneration von Fingerspitzen in die Höhe geschraubt.«

»Um zweiundzwanzig Jahre!«

Ridley lächelte. »Beeindruckend, ich weiß. Aber es ist nicht das Goldene Vlies, oder? Komplette Regeneration von Gliedmaßen. Von Organen. Rückgrat, Gehirn, vielleicht sogar Erinnerungen. Darum geht es.«

Eine plötzlich aufwallende Erregung drängte Maddox’ Bedenken in den Hintergrund. Er erkannte, dass Ridley ihm vielleicht, nur vielleicht, den goldenen Schlüssel zum Königreich anbot. Aber er hatte seine Bedingungen.

»Ich will den Ruhm.«

»Abgemacht«, erwiderte Ridley ruhig und händigte Maddox das Blatt Papier aus, das er inzwischen ganz auseinandergefaltet hatte. »Mein Angebot. Nehmen Sie es an, und ich enthülle Ihnen die Vergangenheit, die uns in die Zukunft führen wird.«

Während Maddox die wenigen Zeilen Text las, wuchs sein Staunen mit jedem Wort. Das war mehr als der Schlüssel zum Königreich; es war der Schlüssel zum Universum! Unbegrenzte Forschungsmittel, ein Gehalt, das ihn zum Multimillionär machen würde, und einige der besten Köpfe der Branche zu seiner freien Verfügung.

»Nehmen Sie an?«

Maddox nickte langsam. Ein solches Angebot schlug man nicht aus.

»Ausgezeichnet.« Ridley trank einen Schluck Tee und machte es sich bequem, wobei das Sofa unter seiner Leibesfülle ächzte. »Das Problem mit dem Wnt-Signalweg besteht darin, dass es noch niemandem gelungen ist, die ›natürliche Barriere‹, wie ich sie nenne, zu durchbrechen. Menschen können sich manchmal Fingerspitzen nachwachsen lassen, wie Sie demonstriert haben, aber niemand konnte bisher herausfinden, welcher molekulare Signalweg diese Art von natürlicher Regeneration auslöst. Signalwege, die ein Nachwachsen in anderen Regionen des menschlichen Körpers bewirken, sind schlicht und einfach unbekannt. «

»Und Sie glauben, ich kann diese Hürde überwinden?«

»Aber keineswegs«, gluckste Ridley. »Ich schlage einen völlig anderen Weg vor. Eine etwas unkonventionelle Methode.«

»Wie wäre es mit nAG-Proteinen?«, fragte Maddox aufgeregt. Vom Wunsch beflügelt, sein Gegenüber zu beeindrucken, fuhr er fort, bevor Ridley etwas erwidern konnte:

»Wenn ein Salamander ein Glied verliert, verklumpen sich Blast-Zellen um die Wunde. Diese Blast-Zellen können Knochen, Organe oder Gehirne bilden – alles. Als Embryo besitzt sie auch der Mensch, doch nach der Geburt stoppt die Produktion. Diese Zellen wachsen und teilen sich und verwandeln sich mit der Zeit in das amputierte Gewebe. Das nAG-Protein steuert die Blast-Zellen und teilt ihnen mit, was sie werden sollen: Muskeln, Adern, Haut. Wenn wir die menschliche Version adulter Blast-Zellen finden und die nAG-Proteine dazu bringen könnten, bestimmte Signale weiterzuleiten, dann wäre das ein phantastischer Durchbruch für die Humanregenerierung. Doch bei Salamandern dauert es mehr als einen Monat, bis ein Glied nachgewachsen ist, das weniger als zweieinhalb Zentimeter lang ist. Beim Menschen würde es viel länger dauern. Vielleicht ein Leben lang. Aber ich bin sicher, diese Hürde können wir nehmen, wenn wir erst einmal so weit sind. Mit Ihren Ressourcen, denke ich, könnte ich so ziemlich jedes Geheimnis entschlüsseln.«

Ridley zog eine Augenbraue hoch. »Gar nicht übel. Eine sehr brauchbare Idee. Man könnte sie nebenbei weiterverfolgen, während wir mein Lieblingsprojekt anpacken.«

Maddox hatte Mühe, ein Aufstöhnen zu unterdrücken. Am liebsten hätte er Ridley angeschrien, endlich zur Sache zu kommen, aber heraus kam nur ein schwaches: »Und das wäre?«

Der große Mann lächelte zum ersten Mal ohne jeden Anflug von Spott oder Bosheit. »Die Quelle ewiger Jugend ist nicht irgendein Wasserfall hier draußen im Dschungel, Maddox«, sagte er und stieß sich dann mit dem Zeigefinger gegen die Brust. »Ich, ich will ewig leben, und der Schlüssel dazu liegt irgendwo in unserer DNA verborgen. In unseren Genen. Und in unserer Vergangenheit.«

»Sie wollen ewig leben?«, echote Maddox.

»Wer möchte das nicht?«, gab Ridley zurück. »Ich will einfach lange genug leben, um dieses Unternehmen so weit zu bringen, wie es überhaupt möglich ist. Ich bin mit ganzem Herzen Unternehmer, und die Vision, die ich für meine Firma habe, lag immer außerhalb ihrer Möglichkeiten, selbst jetzt noch. Wenn Sie jedoch das Geheimnis der Regenerierung lösen, dann lebe ich vielleicht lange genug, um meine Träume zu verwirklichen. Und ganz nebenbei werden wir eine Riesenmenge Geld verdienen.«

Maddox hätte fast laut aufgelacht, erkannte aber gerade noch rechtzeitig, dass es dem Mann völlig ernst war. Er selbst hatte nie in Betracht gezogen, dass die Regenerationsfähigkeit im Extremfall das Leben stark verlängern könnte, von der Unsterblichkeit einmal ganz abgesehen.

»Wie gut kennen Sie sich in griechischer Mythologie aus?«, fragte Ridley plötzlich.

Maddox faltete die Hände und lehnte sich zurück. »Relativ gut, denke ich. Ich interessiere mich dafür, seit ich als Kind Kampf der Titanen gesehen habe. Aber meine Kenntnisse sind angelesen und haben keine fundierte wissenschaftliche Basis.«

Ridley nickte. »Es gab da eine ... Kreatur. Vielleicht einzigartig. Vielleicht die letzte ihrer Art. Wer weiß. Das Entscheidende ist, dass diese Kreatur in der Lage war, außergewöhnlich schnell all ihre Gliedmaßen nachwachsen zu lassen, einschließlich Hals und Kopf.«

»Und Sie glauben, dass diese Kreatur oder ihre Nachkommen heute noch existieren?«

»Nein. Wenn dem so wäre, wüssten wir davon. Der Mythos besagt, dass sie getötet wurde ... von Herkules.«

»Ich verstehe«, sagte Maddox lahm. Er fragte sich langsam, ob Ridley noch ganz bei Verstand war.

Ridley sah den Zweifel in seinen Augen, und sein Blick verhärtete sich. »Halten Sie mich bitte nicht für einen Spinner, Maddox. Ich habe Manuskripte entdeckt, die weit über den Mythos des Herkules hinausreichen. Von der Legende völlig unabhängige Dokumente. Berichte von ausgelöschten Herden. Zerstörten Dörfern. Vermissten Jagdgruppen. Jahrhundertelang wusste niemand, was all den Tod und die Zerstörung verursachte. Jedenfalls nicht, bis Herkules kam.«

Ridley ging zu einem Wandsafe und tippte den Code ein. Als die schwere Metalltür aufschwang, entnahm er ihm ein einzelnes, altes Dokument, das von einem massiven Glascontainer geschützt wurde. »Dieses Dokument habe ich auf dem schwarzen Markt für hunderttausend Dollar erworben, noch bevor ich wusste, dass es authentisch ist. Mit dem, was ich heute weiß, hätte ich buchstäblich alles gegeben, um es in die Hände zu bekommen ... und bei zwei Gelegenheiten versuchte eine rivalisierende Gruppe, deren Identität ich noch nicht herausfinden konnte, es mir abzujagen. Es ist absolut unbezahlbar. Schon so mancher hat gezeigt, dass er dafür zu sterben bereit ist.« Er setzte sich wieder und reichte Maddox den Container zur Inspektion.

»Was ist das für eine Sprache?«

»Griechisch. Es wurde auf 460 v. Chr. datiert, nur ein paar Jahre nach Herkules’ sagenumwobenem Aufeinandertreffen mit der Kreatur. Viel zu kurz danach, als dass sich schon eine Legende gebildet haben könnte.«

Maddox starrte das Dokument an. Sein Alter und seine Schmucklosigkeit verliehen Ridleys Worten eine gewisse Glaubwürdigkeit.

»Herkules wird mit keinem Wort darin erwähnt, obwohl das Dokument darauf anspielt, dass jemand die Bestie getötet hat. Es enthält lediglich eine Beschreibung der Kreatur, damit man sie identifizieren und ihr entsprechend begegnen kann, falls noch einmal eine ihrer Art auftauchen sollte.«

»Eine Art antiker Feldführer«, meinte Maddox, der das erste Prickeln der Erregung spürte.

»Exakt. Und wissen Sie, was ich festgestellt habe?«

Maddox wartete stumm. Er hatte natürlich keine Ahnung.

»Die Beschreibung der Kreatur in diesem rein historischen Text ist beinahe identisch mit der aus dem Herkules-Mythos. Seine Taten mögen im Lauf der Zeit glorifiziert worden sein, doch alle Einzelheiten, die die Bestie betreffen, waren von Anfang an so phantastisch, dass sich niemand in den letzten zweieinhalb Jahrtausenden die Mühe gemacht hat, ihre Eigenschaften oder Fähigkeiten zu übertreiben. Daher nehme ich an, dass andere Aspekte der Geschichte ebenfalls wahr sind. Ausgehend von den Beschreibungen im Mythos, könnte es möglich sein, den Ort zu lokalisieren, an dem die Kreatur vergraben liegt. Sollte sie gut erhalten sein, würde ihre DNA alles, was wir über physische Regenerierung wissen, revolutionieren. Mr Maddox, wir müssen die letzte Ruhestätte des Untiers von Lerna finden und ihm seine DNA entnehmen. Der Lohn dafür ist das ewige Leben.«

»Lerna ...« Maddox beugte sich vor, und seine Augen weiteten sich, als er plötzlich verstand. »Mein Gott. Sie sprechen von der Hydra.«

Ridley lächelte breit und zeigte die Zähne.

»Das ist ... verrückt.«

Ridley gluckste. »Es war zu erwarten, dass Sie als Wissenschaftler so reagieren.«

Er hielt Maddox’ Blick fest. »Die großen Wissenschaftler in der Geschichte der Menschheit hatten alle etwas gemeinsam. Einstein, Galileo, da Vinci, Hawking – Phantasie! Sie alle waren brillante Wissenschaftler, aber sie hatten auch den Mut, in Regionen der Vorstellungskraft vorzustoßen, die zuvor als Wahn, Science-Fiction, Häresie galten. Wenn die menschliche Rasse nicht nach dem Unmöglichen strebte, würden wir immer noch zum Mond emporstarren, statt ihn bereits betreten zu haben.«

Maddox wusste, dass das stimmte. Er hatte diesen Weg selbst eingeschlagen, indem er seinen eigenen Finger regenerierte. Doch auch wenn die Hydra Realität sein sollte, blieb noch das Problem, ihr Grab aufzuspüren und zudem verwertbare DNA vorzufinden. Es schien einfach nicht machbar.

»Lassen Sie es mich anders formulieren: Wollen Sie ein Risiko eingehen, das Ihren Namen an die Spitze der Liste der großen Wissenschaftler katapultieren könnte, oder spielen Sie lieber auf Sicherheit und kehren zu einer Firma zurück, die alle Anerkennung für Ihre Arbeit einstreicht? Ruhm oder Vergessenheit?«

»Sie glauben wirklich daran?«

»Ich würde mein ewiges Leben darauf verwetten!«

Maddox lächelte. Vermutlich hätte er allein wegen der Bezahlung zugesagt, doch falls Ridley recht hatte, würde er nicht nur seinen Namen in die Geschichtsbücher eintragen können. Er würde sogar lange genug leben, um ihn persönlich darin zu lesen. »Ich bin dabei.«

ZWEI

 

Nazca, Peru, 2009

 

Am Montag hatte George Pierce’ Arbeitswoche begonnen wie immer. Um acht Uhr morgens hielt er eine Anfängervorlesung über antike Geschichte an der Universität von Athen. Gegenstand war der Aufstieg und wachsende Einfluss Athens. Für die Lehrtätigkeit hatte er sich noch nie besonders begeistern können, vor allem nicht bei einem so langweiligen Thema; interessant wurde es normalerweise erst nach dem Mittagessen, wenn er wieder die archäologischen Ausgrabungen an einem kürzlich entdeckten Schiffswrack vor der Insel Antikythera leitete. Es gab Hinweise für wiederholte Angriffe verschiedener Volksgruppen auf die dortige Zitadelle: Spartaner, Einwohner von Rhodos, Mazedonier und Römer. Der Zeitraum ließ sich bis in die Periode zurückverfolgen, die Pierce am meisten am Herzen lag, 2000 vor Christus und früher – die Zeit der Mythen und Legenden. Darum hatte der Fund dieses Schiffswracks ihn auch so fasziniert und begeistert.

Er hatte seine eigene Theorie, um welches Schiff es sich dabei handelte, doch hielt er sie noch zurück, da sie extrem kontrovers aufgenommen werden würde. Es gab zwar Indizien, die seine These erhärteten, doch keinen konkreten Beweis. Dafür hätte er schon den Schiffsnamen finden müssen oder, was noch viel unwahrscheinlicher war, ein Logbuch. Die Artefakte, die sie seit drei Monaten bargen und an der Universität katalogisierten, waren allein nicht aussagekräftig genug. Sein einziges wirkliches Beweisstück, ein eisernes Medaillon, hatte er heimlich bei seiner Kollegin Agustina Gallo deponiert. Sie gehörte zu den wenigen Menschen, denen er in Griechenland voll vertraute.

An diesem Montag gab es keine wichtigen Entdeckungen. Pierce ging nach Hause in sein Apartment auf dem Campus, setzte sich an den Computer und startete das E-Mail-Programm. Eine einzige Nachricht lag im Eingangsordner, doch nachdem er diese gelesen hatte, sagte er drei Wochen vor Semesterende alle Vorlesungen ab und betraute Agustina mit der Leitung der Ausgrabungen bei Antikythera.

Weniger als eine Woche später und mehr als achttausend Kilometer entfernt stand er nun auf der Hochebene von Nazca in Peru. Stumm und wie betäubt starrte er eine grobe, griechische, in Stein gemeißelte Inschrift an. Ungläubig streckte er die Hand aus und betastete das eingeritzte Symbol darüber. Er kannte es, doch seine Bedeutung würde er noch für sich behalten. Mit den Fingerspitzen zog er die Buchstaben nach, um sich selbst davon zu überzeugen, dass er nicht träumte. Schon lange suchte er nach Beweisen dafür, dass die großen Zivilisationen der Antike lange vor Kolumbus die Reise nach Amerika bewältigt hatten. Dass Wikinger und Römer den Nordosten der Vereinigten Staaten erreicht hatten, galt inzwischen ja fast schon als Allgemeingut. Aber die Griechen in Südamerika – in Peru ... die Geschichte müsste umgeschrieben werden.

Die E-Mail, die ihn hierhergeführt hatte, stammte von einem Freund, der für die Weltkulturerbestiftung der UN arbeitete. Er berichtete darin von einem neunköpfigen Geoglyphen, einer neu entdeckten, riesigen Erdzeichnung, die vor Tausenden von Jahren entstanden war. Sie gehörte zu den berühmten Nazca-Linien in einem fünfhundert Quadratkilometer großen Wüstengebiet, das seit 1994 als Weltkulturerbe galt. Die ersten Nazca-Zeichnungen waren bereits 1929 entdeckt worden, doch zu Weltruhm gelangten sie erst, als Flugzeuge regelmäßig die Wüstenregion zu überfliegen begannen und einen Geoglyphen nach dem anderen entdeckten – viele davon. Die gewaltigen Umrisszeichnungen waren nur aus der Luft zu erkennen. Manche, bis zu dreihundert Meter lang, konnte man erst aus fünfhundert Metern Höhe zur Gänze überblicken. Es gab sie in allen Formen und Größen: Spinnen und Affen, Menschen und Götter. Die Entdeckung jedes neuen Geoglyphen musste umgehend der UN gemeldet werden, nicht weil man sich daraus wichtige Erkenntnisse erhoffte, sondern um den Grabräubern zuvorzukommen. Die meisten Funde wurden geplündert, bevor Wissenschaftler sie dokumentieren konnten, obwohl die Region offiziell unter »Schutz« stand.

Alles musste katalogisiert und an einem sicheren Ort verwahrt sein, bevor die Nachricht von der Entdeckung die Plünderer erreichte und sie sich wie Geier daraufstürzten. Zwar fanden sich bei den Geoglyphen selten interessantere Dinge als ein paar Keramikscherben oder primitive Grabwerkzeuge, doch die antike Zeichnung musste vermessen und fotografiert werden, bevor die Reifenspuren der Grabräuber sie zerstörten.

Bei den Luftaufnahmen dieses speziellen Geoglyphen war dem Fotografen ein großer Felsen aufgefallen, geformt wie ein halbiertes Ei, der am Ende eines Halses der eigenartigen Kreatur aus der Wüste aufragte. Noch nie zuvor war von einem Geoglyphen mit dreidimensionalen Elementen berichtet worden. Schon tags darauf war ein Team von Wissenschaftlern am Fundort. Zu ihrer Verblüffung entdeckten sie eine Inschrift auf dem Felsen. Doch niemand konnte sie entziffern, bis ein junger Praktikant die Sprache identifizierte – es war Altgriechisch.

Die Entdeckung lag erst einen Tag zurück, als Pierce davon erfuhr. Da er bereits für das Welterbekomitee der UN gearbeitet hatte und als Experte für antike Zivilisationen galt, zog man ihn ganz offiziell zu Rate. Er brauchte drei Flugetappen und eine lange, holprige Fahrt mit dem Jeep, um die Fundstätte zu erreichen. Die UN hatte auf dem Hügel oberhalb des Glyphen ein kleines Basislager aufgeschlagen. Nach einem einzigen Blick auf die neunköpfige Zeichnung war Pierce schnurstracks zu der Stelle hinuntergerannt, wo er sich jetzt seit zehn Minuten befand. Mit angehaltenem Atem betrachtete er die griechische Inschrift auf einem Stein, der unmöglich aus Griechenland stammen konnte. Und das bedeutete, dass vor mehr als zweitausend Jahren ein Grieche genau an dieser Stelle gestanden und die Inschrift verfasst hatte.

Pierce wandte sich an Molly McCabe, die Archäologin, die den Fund aus der Luft dokumentiert hatte. Die Irin forschte seit den späten 1980er Jahren über die Glyphen und hatte mehr Zeit in der Wüste verbracht als sonst irgendwo. Die Geoglyphen von Nazca waren ihr Spezialgebiet, doch Griechisch konnte sie nicht einmal erkennen, geschweige denn lesen.

»Sind Sie sicher, dass die Stätte noch unberührt war? Das muss ein Schwindel sein«, sagte Pierce.

»Meilenweit keine Reifenspuren«, erwiderte sie. »Die kann man hier nicht verbergen. Kein Wind. Kein Regen. Keine Erosion. Wann immer etwas die Oberfläche ankratzt, bleibt sie angekratzt. Nur aus diesem Grund haben die Geoglyphen die Jahrtausende überdauert. Wenn in den letzten zwei Jahrtausenden jemand mit irgendeinem Fahrzeug oder auch nur mit einem Esel hier gewesen wäre, könnte man es noch deutlich erkennen. Zu Fuß wäre es wohl möglich gewesen, keine Spuren zu hinterlassen, doch nur ein Narr würde so etwas riskieren.«

»Wie meinen Sie das?«, fragte er, während er vorsichtig die Inschrift mit einem Pinsel weiter freilegte.

»Es käme einem Todesurteil gleich. Niemand kann genügend Wasser tragen, um hierher und wieder zurück in die Zivilisation zu gelangen. Innerhalb eines Monats wäre man eine ausgedörrte Mumie.« McCabe schnaubte und fuhr sich durch die langen, grauen Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden trug. »Und?«

»Und ...« wiederholte er. »Und was?«

»Was zum Teufel steht da?«, fragte sie und warf die Hände in die Luft.

»Richtig. Tut mir leid.« Pierce war ein systematischer Mensch. Wenn es nach ihm ginge, würde man den gesamten Glyphen einzäunen und dann mit Schnüren in ein Raster einteilen, damit jede mögliche Fundstelle gekennzeichnet und später genau untersucht werden konnte. Er ging am liebsten langsam und methodisch vor, aber ihm war klar, dass der Zeitfaktor hier eine Rolle spielte. Mit jedem Tag wurde das Risiko größer, dass die Grabräuber einen Tipp bekamen und einen ihrer nächtlichen Raubzüge unternahmen. Dabei ging es ihnen ebenso um die teure Forschungsausrüstung wie um antike Artefakte.

Staunend las Pierce noch einmal die Inschrift.

 

Εδωείναιθαμμένοςτοθηρίοπιοάσχημη. ΦλόγακαιτοξίφοςτουΒορράεκανεαθανατοκεφάλι, παντακάτωαποτηνάμμοκαιπέτρα. Ναπροειδοποιήσειολουςπουδιαβάζουναυταταλόγια. Λάβουνσοβαρανποψητουςφρουρούς 'ανοικταακρακαινακρατήσειστεγνήτηγηφοβούνταισαςμετάτοτέραςκαιτηγεύσητουςμεαλειωδαιςεκδίκηση

 

Die Buchstaben wirkten grob gemeißelt, doch der Stein war wie die ihn umgebende Wüste seit zweitausend Jahren keinerlei Witterungseinflüssen ausgesetzt gewesen. Die Inschrift war noch genauso deutlich zu entziffern wie am ersten Tag.

Pierce schrieb die Zeilen in seine kleine Kladde und übersetzte sie, ohne allerdings das Resultat gleich vorzulesen. Als er sich hinkauerte, um die unterste Zeile zu übertragen, wippte McCabe neben ihm ungeduldig mit dem Fuß. Er beäugte ihr Bein und stellte fest, dass es bemerkenswert fit aussah für eine Frau in den Fünfzigern.

McCabe bemerkte seinen Blick. »Vor zwanzig Jahren hätten Sie vielleicht eine Chance gehabt, George«, spottete sie. »Jetzt bevorzuge ich Männer in meinem Alter.«

Pierce lächelte und beendete seine Notizen. »Und nicht einmal für mich würden Sie eine Ausnahme machen, Molly?«

»George«, sagte sie und beugte sich zu ihm.

»Ja?«

»Übersetzen Sie die verdammte Inschrift!«

Pierce kicherte und las seine Übersetzung noch einmal durch. Er schüttelte den Kopf, sein Gesicht wurde ausdruckslos. »Es muss ein Schwindel sein.«

»George, ich versichere Ihnen, das ist es nicht. Was steht da?« Aus ihrer Stimme klang mühsam gezügelte Ungeduld.

Pierce las von seiner kleinen Kladde ab. »Hier liegt begraben das schlimmste aller Ungeheuer ... Feuer und Schwert trennten den unsterblichen Kopf ab, auf dass er für immer unter Sand und Stein begraben liege. Seid gewarnt, ihr, die ihr diese Worte lest. Hütet euch vor den kreischenden Wächtern im Innern und haltet die Erde trocken, damit das Scheusal nicht erwache und ihr seine furchtbare ... Rache kostet.«

McCabe runzelte die Stirn. »Es ist ein Grab?«

Pierce rieb sich die Stirn und dachte nach. Dann galoppierte er plötzlich los wie ein Rennpferd und hastete den Hügel hinauf. McCabe setzte ihm nach. Keuchend wegen der heißen, trockenen Luft, erreichten sie die Hügelkuppe mit dem Basislager der UN – einem kleinen Dorf aus Zelten und Lastwagen. Pierce drehte sich um und betrachtete den Geoglyphen mit neuen Augen. »Es ist die Hydra«, flüsterte er ehrfürchtig.

McCabe blinzelte. »Die Hydra?«

Pierce blitzte sie mit seinen braunen, anziehenden Augen an. »Die Lernäische Schlange. Der neunköpfige Sumpfdrache. Spross des Typhon und der Echidna.«

Sie schüttelte den Kopf. »Das sind böhmische Dörfer für mich.«

Er packte sie bei den Schultern und sagte beschwörend: »Herakles ...«

»Wer?«

Pierce seufzte. Niemand kannte mehr den eigentlichen Namen des Mannes. »Herkules. Er war der illegitime Sohn des Zeus mit Alkmene, einer Sterblichen. Daher verfolgte ihn Zeus’ eifersüchtige Gattin Hera mit ihrem Zorn und trieb ihn schließlich in den Irrsinn. Um dem Wahnsinn zu entrinnen und seine Taten zu sühnen, ging er an den Hof des Königs Eurystheus. Dort blieb er zwölf Jahre lang und stellte sich in dieser Zeit zwölf Proben oder ›Arbeiten‹. Bei seiner zweiten Arbeit musste er gegen eine neunköpfige Kreatur namens Hydra antreten – er tötete sie, indem er ...« Pierce erstarrte zu einem Eisblock, dem nicht einmal die intensive Hitze der Wüste von Nazca etwas anhaben konnte.

»Was denn?«, fragte McCabe.

»Er tötete die Hydra, indem er ihr den mittleren Kopf abschlug – ihren unsterblichen Kopf – und den Stumpf des Halses ausbrannte, bevor diesem ein neuer Körper wachsen konnte.« Pierce schwirrte der Kopf von den unfassbaren Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Mit monotoner Stimme, fast wie in Trance, fuhr er fort: »Die meisten Legenden besagen, dass er den Kopf unter einem großen Felsblock begrub ... Wann ist diese Stätte entstanden?«

»Nach Karbondatierungen zwischen vier- und fünfhundert vor Christus. Warum?«

»Einige Wissenschaftler, zu denen ich gehöre, glauben, dass Herkules eine reale Person war, die gegen vierhundert vor Christus lebte.« Seine Augen wurden groß. »Der Zeitrahmen passt. Die Schifffahrt in Griechenland war damals sehr fortgeschritten. Ihren Sieg gegen die Perser in der Schlacht von Salamis verdankten sie hauptsächlich ihrer mächtigen Flotte. Es wäre technisch denkbar, dass eine von Herkules geleitete Expedition die Küste Perus erreichte.«

»Die alten Griechen hatten Segelschiffe?«, fragte McCabe.

»Ja«, erwiderte Pierce und rieb sich die Augen. »Frachtschiffe mit bis zu hundertfünfzig Tonnen. Sie machten das griechische Reich zu einer wohlhabenden Handelsmacht. Doch vielleicht war es gar kein Frachtschiff. Es gab zu der Zeit ein ganz besonderes Schiff, das berühmt war für seine Mannschaft und seine abenteuerlichen Fahrten. Vielleicht haben Sie schon davon gehört. Die Argo.«

Sie musste sich beherrschen, um nicht laut aufzulachen. »Wie in Jason und die Argonauten? Ich habe den Film gesehen. Die Tricktechnik von Ray Harryhausen ist genial, aber es ist bloß eine Geschichte.«

Pierce grinste sie an. »Sie sollten sich besser über die Wissenschaftler erkundigen, die Sie von der UN anfordern, Molly.«

McCabes Lächeln erlosch. »Was ...?«

»Vor einem Jahr stieß ich in einer Gruft, die auf vierhundert vor Christus datiert wurde, auf das griechische Besatzungsverzeichnis eines Schiffes namens Argo. Plünderer hatten die wesentlichen Artefakte gestohlen, doch das Verzeichnis blieb zusammen mit anderen zerfallenden Dokumenten unentdeckt in einer Spalte verborgen. Vierzig Mann waren darin aufgelistet. Einer davon hieß Herkules.«

»Warum habe ich nie etwas darüber gelesen?«, fragte sie. »Haben Sie denn nichts publiziert?«

»Nein. Das Verzeichnis wurde gestohlen.«

»Von wem?«

Er zuckte die Achseln. Daran, wie die beiden maskierten Männer, die in sein Labor eingedrungen waren, ihn bewusstlos geschlagen und die Besatzungsliste mitgenommen hatten, erinnerte er sich nur ungern. Und ganz bestimmt wollte er sich nicht darüber auslassen, wen er hinter dem Überfall vermutete. Ebenso wenig wie über die Ausgrabungen in Antikythera und das gesunkene Schiff, das sie entdeckt hatten. Auch wenn es durchaus einen Bezug zu der Angelegenheit hier gab. Pierce’ Vertrauen musste man sich erst verdienen. »Wer weiß?«, sagte er leichthin. »Aber ich garantiere Ihnen, die Liste war echt. Herkules hat gelebt. Er war natürlich kein Sohn des Zeus, aber er hat existiert ... und vielleicht, nur vielleicht, ist er in Peru gelandet. Der Beweis könnte dort unten liegen.« Pierce deutete auf den Felsbrocken.

McCabe fasste ihn an der Schulter. »George.« Sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu. »Dann müssen wir unbedingt unter diesen Felsen.«

Er nickte langsam, immer noch wie betäubt.

»Und noch etwas«, fügte sie hinzu. »Wir brauchen einen Sicherheitsdienst. Wenn die Plünderer hiervon Wind bekommen, gibt es kein Halten mehr. Sie werden in Scharen herbeiströmen und sich von unseren UN-Ausweisen kaum abschrecken lassen.«

Pierce erwachte schlagartig aus seiner Trance. »Wenn Sie ein Satellitentelefon haben – ich kenne genau den richtigen Mann für diese Aufgabe.«

DREI

 

Ostrow Nosok, Sibirien

 

Vier unsichtbare Schemen glitten über die zugefrorene See. Von Kopf bis Fuß in weiße, militärische Schutzanzüge gehüllt, bewegte das Delta-Team sich auf sein Angriffsziel zu – ein Ausbildungslager für Terroristen. Die Islamische Armee Aden-Abyan hatte sich für die verlassene Ödnis des sibirischen Nordens entschieden statt für die brennend heiße Wüste ihrer Heimat Jemen. Niemand wusste, wie lange das Lager schon existierte oder ob die Russen von ihm wussten, aber eines war klar ...

»Es ist höchste Zeit, das Mistding in die Luft zu jagen«, sagte Stan Tremblay. Wie alle Mitglieder des Delta-Teams hatte er als Codenamen eine Schachfigur: »Rook« – der Turm. Über sein Kehlkopfmikrofon konnten ihn die anderen trotz des schneidenden arktischen Windes verstehen. »Mann, hat die Kälte einen Schrumpffaktor – da weiß man nicht mehr, ob man Männlein oder Weiblein ist.«

Ein leises Lachen schüttelte die vier flach ausgestreckten Silhouetten. Aus einiger Entfernung waren sie von Schnee und Eis nicht zu unterscheiden, und davon gab es in der Umgebung der U-förmigen Insel weiß Gott genug. Selbst aus der Nähe wirkten sie noch eher wie vom Wind gepeitschte Schneewehen. Die einzige Lücke in ihrer Tarnung waren fünf Zentimeter breite Schlitze in den Schneebrillen, aber ein Feind musste schon auf weniger als zwei Meter herankommen, um diese Anomalie zu bemerken. Und dann würde es zu spät sein.

Ein Geräusch hinter ihnen ließ die Gruppe erstarren. Shin Dae-Jung, Codename »Knight«, der Springer, blickte sich danach um. Über das Eis näherte sich rasch ein Fahrzeug. »Vorsicht bei sechs Uhr«, sagte er. »Köpfe runter. Nicht bewegen.«

Die vier Delta-Agenten drückten die Gesichter in den Schnee und versuchten, Entfernung und Geschwindigkeit des Fahrzeugs nach dem Jaulen des Motors und den Vibrationen des Eises abzuschätzen. Es würde knapp werden.

»Deep Blue, hier ist Knight. Sehen Sie das näherkommende Fahrzeug?«

Nach kurzem Rauschen und Knistern meldete sich über ihre speziell modifizierten AN/PRC-158-PPR-Funkgeräte klar und deutlich die Stimme eines Mannes, dem sie nie begegnet waren, der jedoch per Satellit über sie wachte. Die Funkgeräte ermöglichten Sprach- und Datenübertragung und enthielten zudem GPS-Chips, mit denen man die Position des Teams überall auf der Welt feststellen konnte. Ihr einziger Nachteil war eine Verzögerung von einer Sekunde. »Verstanden, Knight. Zoome es heran. Distanz hundert Meter. Sieht nach zwei Leuten auf einem Schneemobil aus. Sie halten direkt auf Sie zu.«

»Ein Problem?«

»Bewaffnet, aber nicht gefechtsbereit ... Warten Sie. Queen, sie werden Sie überfahren. Sie müssen sich nach rechts wegrollen.«

»Verstanden«, ertönte eine lebhafte, feminine Stimme. Zelda Baker, einziges weibliches Teammitglied, hörte auf den Codenamen »Queen«, die Königin. Sie wartete regungslos, während das Schneemobil mit seinen beiden Passagieren auf sie zudonnerte.

»Zwei Meter nach rechts«, sagte Deep Blue. »Auf mein Kommando. Drei ...«

Sie spannte sich, wartete auf das Zeichen und hoffte, dass Deep Blue die einsekündige Verzögerung mit einrechnete. Das Eis vibrierte bereits spürbar unter ihr, und der Motorenlärm dröhnte in ihren Ohren.

»Zwei ...«

Einen Moment lang bezweifelte sie, dass sie Deep Blues Signal in dem Lärm überhaupt hören würde, doch die Stimme kam laut und deutlich durch: »Jetzt!«

Queen machte mit angelegten Armen und geschlossenen Beinen schnell zwei Rollen nach rechts und vergrub ihr Gesicht im selben Moment wieder im Schnee, als das Schneemobil zu ihrer Linken vorbeirauschte und seine Kette den Rand ihres Ärmels streifte. Einen Augenblick später hörte der Motor auf zu heulen und lief dann leer.

»Keine Bewegung«, flüsterte Deep Blues Stimme, als könnten ihn die Männer auf dem Schneemobil hören. Sieben Meter vom Team entfernt wandten sich die beiden auf dem Sitz um. Sie musterten die Schneefläche aus zusammengekniffenen Augen. Sie waren dick vermummt mit mehreren Lagen von Thermalwäsche und Fellen. Jeder trug eine AK-47 über die Schulter gehängt. Während der Motor im Leerlauf tuckerte, schwang sich einer der Männer aus dem Sattel und brachte seine Kalaschnikow in Anschlag. Seine Blicke glitten suchend über den Schnee, während er sich auf das Team zubewegte.

Deep Blue sprach wieder. »Wenn ich einen eurer Namen sage, eröffnet derjenige das Feuer.«

Der Herzschlag der Delta-Leute blieb ruhig und gleichmäßig, während sie auf das Signal warteten, dass einer von ihnen zwei Männern das Leben nehmen sollte. Nicht dass sie das besonders belasten würde. Die beiden gehörten zu einer Bande von Mördern und Terroristen, und es war der Auftrag des Teams, sie allesamt auszulöschen. Doch ursprünglich hatten sie vorgehabt, sie alle innerhalb des Ausbildungscamps zu erwischen, wo sie vor dem Wüten der Elemente geschützt waren. Sie hatten es in die Luft jagen wollen, ohne sich in unnötige Feuergefechte verwickeln zu lassen. Unter normalen Umständen hätte ein Tomahawk-Marschflugkörper dazu ausgereicht, doch da sie sich auf russischem Territorium befanden, könnte ein Raketenangriff als kriegerischer Akt gewertet werden. Besser, sie auf diese Art zu eliminieren und gar nicht erst auf den Radarschirmen aufzutauchen ... im wörtlichen Sinn. Wenn die Russen die Anlage entdeckten, würde nichts mehr übrig sein als gefrorene Asche.

»Wartet«, sagte Deep Blue. »Alles klar.«

Keiner der vier hörte den Motor des Schneemobils aufheulen und sich entfernen, aber wenn Deep Blue sagte, es sei alles klar, genügte das. Sie hoben gerade noch rechtzeitig die Köpfe, um zu sehen, wie der Mann, der ihnen am nächsten stand, mit durchschnittener Kehle gurgelnd zu Boden sackte. Ein Schwall von Blut tränkte den Schnee. Dahinter stand ein weißes Gespenst, das sie durch zwei schmale Schlitze anstarrte.

»Na, habt ihr mich vermisst?«

»King, das ging aber schnell«, sagte Rook und stand auf.

Jack Sigler, Codename »King«, der Könige säuberte sein getreues, 18 cm langes KA-BAR-Messer im Schnee. Hinter ihm hing der zweite Mann über dem Schneemobil. Ein dünnes Rinnsal Blut tropfte noch aus seinem Hals. »Bin schon seit fünf Minuten wieder zurück. Wollte mal hören, wie ihr hinter meinem Rücken über mich herzieht.«

»Scheiße«, sagte Rook und wischte den Schnee von seinem weißen FN-SCAR-L-Sturmgewehr der zweiten Generation mit angeflanschtem 40-mm-Granatwerfer. Von den fünfen war er der größte Waffennarr und trug zusätzlich zwei Magnum-Desert-Eagle-Pistolen Kaliber .50, eine an jeder Hüfte, unter seiner Schneemontur. Sie waren ihm lieb und teuer, als wären sie seine Kinder – ausgesprochen tödliche Kinder.

»Bewegung am Zielobjekt«, sagte Deep Blue. »Sieht aus, als hätte man euch entdeckt.«

King hob das Kinn des toten Mannes auf dem Schneemobil an, dessen Blut um das Fahrzeug herum bereits zu Eis erstarrt war, und öffnete seine Jacke. Unter dem klaffenden Schnitt im Hals wurde ein Kehlkopfmikrofon sichtbar.

»Mist. Ich hab’s langsam satt, dass diese Dritte-Welt- Wichser unsere Technologie in die Finger kriegen.«

»Das liegt an der verdammten Privatwirtschaft«, philosophierte Rook. »Der Höchstbietende kriegt den Zuschlag. Denen ist doch scheißegal, wer dabei draufgeht. Sie bedienen ja nicht den Abzug, also klebt auch kein unschuldiges Blut an ihren Händen.«