Beschreibung

Der salzige Wind des Meeres, der Geschmack von Crêpes mit Cidre und das Gefühl unendlicher Freiheit - das Leben kann so schön sein. Georges genießt es in vollen Zügen. Mit seinem Freund Charles erfüllt sich der 83-Jährige einen großen Traum: einmal im Leben die Tour de France nachzufahren. Die einzige Verbindung zu seiner Familie sind die täglichen SMS an seine Enkelin Adèle, die ihren Großvater auf einmal mit ganz anderen Augen sieht...

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Seitenzahl: 223

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Inhalt

CoverTitelImpressumWidmungDienstag, 21. OktoberDonnerstag, 18. SeptemberFreitag, 19. SeptemberDonnerstag, 25. SeptemberFreitag, 26. SeptemberSamstag, 27. SeptemberSonntag, 28. SeptemberMontag, 29. SeptemberDienstag, 30. SeptemberMittwoch, 1. OktoberDonnerstag, 2. OktoberFreitag, 3. OktoberSamstag, 4. OktoberSonntag, 5. OktoberMontag, 6. OktoberDienstag, 7. OktoberMittwoch, 8. OktoberMontag, 9. OktoberFreitag, 10. OktoberSonntag, 12. OktoberMontag, 13. OktoberDienstag, 14. OktoberDienstag, 16. SeptemberMittwoch, 17. SeptemberDienstag, 14. OktoberMittwoch, 15. OktoberSamstag, 18. OktoberSonntag, 19. OktoberDienstag, 21. Oktober

Caroline Vermalle

Denn das Glück ist eine Reise

Roman Übersetzung aus dem Französischen von Karin Meddekis

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Titel der französischen Originalausgabe: »L’avant-dernière chance«

Für die Originalausgabe: Copyright © 2009 by Calmann-Lévy

Für die deutschsprachige Ausgabe: Copyright © 2011 by Bastei Lübbe AG, Köln Lektorat: Caroline Scribe Layout, Satz: Christina Krutz Design, Riedstadt E-Book-Produktion: Dörlemann Satz, Lemförde

ISBN 978-3-8387-0426-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Für Christiane und André, im Gedenken an Ninette und Marcel, meine Großeltern.

Dienstag, 21. Oktober

London

....................

Der Vibrationsalarm des Handys riss Adèle aus einer gähnenden Langeweile. Es war strengstens verboten, das Handy in solchen Situationen eingeschaltet zu lassen. Das wurde ja oft genug betont. Zum Glück hatte Adèle nicht vergessen, es auf lautlos zu stellen. Schließlich hatte sie heute Geburtstag. Sie wurde dreiundzwanzig Jahre alt und war gespannt, welche ihrer Freunde sich wohl daran erinnern würden. Bis jetzt waren es enttäuschend wenige. Ab und zu vergewisserte sie sich, dass niemand sie beobachtete, und warf schnell einen Blick auf das Display ihres Handys, das kaum aus der Tasche ihrer Jeans herausragte. Um die neue SMS zu lesen, musste sie einen günstigeren Moment als diesen abwarten, denn im Nebenzimmer sprach der Inspektor gerade von Mord.

Adèle hatte sich auf dem langen, düsteren Korridor, der zum Schlafzimmer führte, auf eine unbequeme Kiste gesetzt. Nur ein paar Straßengeräusche drangen herein: ein Motorroller, ein Lastwagen, ein Hund, ein Martinshorn in der Ferne. Sie spähte in das Zimmer, das von einem Lichtkegel beleuchtet wurde, und sah die Staubkörner darin tänzeln. Ein schön gearbeitetes französisches Bett aus dunklem Holz, die dicke Daunendecke, eine rosarote Hügellandschaft aus Satin, und der Tote, der einen Pyjama im Stil der Vierzigerjahre trug, mit fahlem Gesicht und der tragischen Miene eines Ermordeten. Denn hier handelte es sich um Mord, da war der Inspektor ganz sicher. Er hatte es vier Mal wiederholt. Das Insulin für die täglichen Spritzen des alten Mannes war mit seinen Augentropfen vertauscht worden. Die Fläschchen standen noch da und bewiesen es. Das Opfer war dreiundachtzig Jahre alt und hinterließ seiner Familie ein gewaltiges Vermögen und dieses große Haus in London, in dem sie alle wohnten. Immer, wenn der Polizist das Wort »Verbrechen« aussprach, brach seine Enkeltochter in Tränen aus. Ihr Verlobter nahm sie in die Arme, um sie zu trösten, doch es war vergebliche Liebesmüh. Die junge Frau kniete vor dem Bett auf dem Boden und hatte den Kopf auf die Daunendecke gelegt. Sie hielt die Hände des Toten, stammelte wirres Zeug und brach manchmal in lautes Schluchzen aus, das beinahe lächerlich wirkte. Sie erging sich in Wehklagen und Kindheitserinnerungen und äußerte vor allem Bedauern. Die Liste war lang, besonders, da sie diese bereits zum vierten Mal wiederholte. Eine würdevolle alte Dame stand kerzengerade neben dem Bett und hob und senkte den Kopf im Rhythmus der bedauernden Worte, die die junge Frau wie einen Rosenkranz herunterleierte. Es war ihre Großtante, die Schwägerin des Toten. Hinter der Tür standen schweigend noch andere Personen. Der Inspektor sagte es noch einmal: Der Täter stammt aus dem Kreis der Familie. Das war also wirklich nicht der passende Moment, um sich die SMS anzusehen.

Es war nicht Adèles erste Mordszene. Sie langweilte sich entsetzlich, und während sie darauf wartete, dass die Szene abgedreht wurde, ließ sie die Gedanken schweifen. Kurz bevor ihr Handy vibrierte, war ihr aufgefallen, dass die junge Frau, die im Schlafzimmer weinte, ihr ein bisschen ähnelte. Sie waren gleichaltrig, hatten beide langes, dickes braunes Haar und eine schlanke Figur. Die junge Frau in dem Schlafzimmer war zwar nicht unbedingt hübscher als sie, aber besser gekleidet und sorgfältiger zurechtgemacht. Sie hatte zarte Hände und war es gewohnt, die Blicke auf sich zu lenken. Im Vergleich zu ihr war an Adèle trotz ihrer ebenmäßigen Gesichtszüge eher ein Junge verloren gegangen. Außerdem war sie nicht reich, und niemand schenkte ihr große Beachtung. Nicht einmal an ihrem Geburtstag. Der Tote dagegen war mit Irving Ferns so gar nicht vergleichbar. Sie besaßen überhaupt nicht dasselbe Format. Irving Ferns. Beim Gedanken an ihn schnürte sich ihr Herz zusammen.

Adèle kam um vor Ungeduld. Wer hatte ihr diese Nachricht geschickt? Der junge Anwalt, den sie vor einem Monat auf einer Party kennengelernt hatte? Aber woher sollte er wissen, dass sie heute Geburtstag hatte? Sie schaute sich um. Auf dem Flur standen viele Leute, bestimmt an die dreißig, die sich nicht rührten, aus Angst, die Bodendielen könnten knarzen. Einige kratzten sich an der Nase, und andere kauten auf den Fingernägeln. Sie verständigten sich mit Gesten, denn selbst Flüstern war hier nicht angebracht. Aber niemand schien Adèle zu beachten. Sie überzeugte sich noch einmal davon, dass die Kommandanten der Stille nicht auf dem Flur standen. Als sie sah, dass sie mit dem Toten beschäftigt waren, zog sie ihr Handy aus der Tasche und öffnete die SMS, die sie soeben erhalten hatte.

Adèle hielt sich das Handy direkt unter die Nase, um sich zu vergewissern, dass sie richtig gelesen hatte. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr ein leiser, erstickter Schrei entfuhr und ihr das Handy aus der Hand glitt. Mit einem lauten Knall fiel es auf den Holzboden des alten Hauses. Alle Anwesenden zuckten zusammen und drehten sich zu Adèle um. Sofort darauf drang eine wütende Stimme aus dem Schlafzimmer.

»SCHNITT! SCHNITT! Herrgott noch mal! Was ist denn da los?«, rief der Erste Regieassistent, als er in den Flur stürmte.

»Es tut mir furchtbar leid, John, ich ... «, stammelte Adèle.

Die ganze Filmcrew einschließlich der Schauspieler drehte sich zu Adèle, wandte sich aber rasch wieder anderen Dingen zu. Das passierte oft, und es war für alle eine Gelegenheit, sich zwei Minuten lang zu entspannen.

»Konzentration, Leute! Es ist die letzte Szene«, schrie John der Mannschaft zu. »Der Champagner wartet auf uns. Strengt euch noch einmal an! One last push, chaps.« Der Regisseur nutzte die Gelegenheit, um den Schauspielern ein paar Anweisungen zuzuflüstern. Der Tote rieb sich schnell am Auge und scherzte mit der alten Tante. Der Aufnahmeleiter veränderte die Einstellung der Scheinwerfer, und dann fuhren alle mit der fünften Aufnahme fort.

Es war der letzte Tag der Dreharbeiten. Agatha Christies Roman Das krumme Haus wurde für das englische Fernsehen verfilmt. Das erste Kapitel, die Entdeckung eines Mordes, war bereits am ersten Tag, vor einem Monat, gedreht worden, musste aber nachgedreht werden. Es war die letzte noch fehlende Szene, und alle hofften, dass es auch die letzte sein würde. Anschließend sollte gefeiert werden.

»Ruhe, Ruhe, bitte! Kamera ab. Achtung … und Action!« Adèle hatte sich nicht von der Stelle gerührt. Sie hielt das Handy noch immer fest umklammert. Zum ersten Mal empfand sie die Stille am Set wie einen Segen. Es war ihr furchtbar peinlich, dass sie das Handy hatte fallen lassen; überdies stand sie noch immer unter Schock. Sie wagte es nicht, die SMS noch einmal zu lesen. Schließlich fand sie den Mut, die Finger zu lockern und den Kopf zu senken.

Hrzlchn Glckwnsch zm Gbrtstg AdL – dn Opa, dr dch shr lb ht

(Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Adèle – dein Opa, der dich sehr lieb hat.)

Es gelang ihr, die Tränen zu unterdrücken, nicht aber das Lächeln, das ihr Gesicht erhellte und bei dem ihr wieder ganz warm ums Herz wurde. Denn diese kurze Nachricht mit der sonderbaren Orthografie, die ihr einen jugendlichen Touch geben sollte, war außergewöhnlich. Fast poetisch und so zärtlich. Und natürlich ganz und gar unmöglich.

Es gibt Dinge im Leben, die man gern für sich behält. Andere wiederum möchte man am liebsten mit der ganzen Welt teilen. Diese SMS gehörte zur letzten Kategorie. Diese Geschichte musste einfach heraus, und Adèle war gerührt und ungeduldig zugleich.

Es wurde entschieden, eine sechste Aufnahme zu machen. Doch Adèle verfolgte die Dreharbeiten nicht mehr. Sie dachte über ihre Geschichte nach. Sicher, sie war nicht besonders lang, aber sie musste alles erzählen, um zu erklären, warum diese kurze SMS so unglaublich war. Ja, alles erzählen, von dem Augenblick an, als alles begann – vor etwa einem Monat, am 18. September. Ein Monat war nicht lang, und dennoch hatten sich Herzen geöffnet, Koffer waren geschlossen worden und Tränen geflossen, wo man sie nicht mehr erwartet hatte. Und während sich im anderen Zimmer zum sechsten Mal ein Drama abspielte, nutzte Adèle diesen letzten stillen Moment, um sich zu erinnern. Im Dämmerlicht des Korridors konnte sie sich den Film des letzten Monats vor Augen führen, der ihr Leben ein wenig, das anderer Menschen hingegen sehr verändert hatte.

Donnerstag, 18. September

Chanteloup (Deux-Sèvres)

....................

Nach dem zehnten Klingeln hob endlich jemand ab.

»Hallo?«, meldete sich eine leicht zittrige Stimme.

»Hallo Opa, hier ist Adèle.«

»Hallo?«, sagte der alte Mann noch einmal.

»Opa?«

»Ja?«

»Ich bin’s, Adèle!«

»Ah, mein liebes Kind, wie geht’s dir?«

»Gut, und dir?«

»Mir? Ach, weißt du...«, antwortete er in diesem lustlosen Ton, den er am Telefon häufig anschlug. »Und warum rufst du an?«

»Tja... hm... Mama hat es dir doch erklärt. Sie ist in Urlaub gefahren, weißt du noch?«

»Ja, nach Peru. Sie hat es mir gesagt.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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