Der Aftermath Effekt - Tobias K. M. Mandel - E-Book

Der Aftermath Effekt E-Book

Tobias K. M. Mandel

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Beschreibung

Eine mysteriöse Welle von Selbstmorden, herbeigeführt durch eine Überdosis an Heroin hält die englische Stadt Haven in Atem. Unter den Opfern befindet sich der Cousin des Privatermittlers Raymond Ashford. Dieser glaubt allerdings nicht an die vermeintlichen Selbstmorde und beginnt entgegen der örtlichen Polizei seine eigenen Ermittlungen...

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Seitenzahl: 187

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dieses literarische Werke ist rein fiktiv. Jegliche Überschneidung mit realen Ereignissen oder Personen ist rein Zufällig.

Inhaltsverzeichnis

Prolog: Zeitungsausschnitte

Kapitel 1: Alte Wunden heilen nicht

Kapitel 2: Fragen führen zu Antworten

Kapitel 3: Falsche Schlussfolgerungen

Kapitel 4: Der letzte Trumpf im Ärmel

Epilog: Vereinigung

Kleines Nachwort und Danksagungen

Die Optik des Buches

Prolog
Zeitungsausschnitte

The Haven Prophet Kommentarsektion, 16.08.1990

Doppelmord erschüttert Haven

Vergangenen Montag ereignete sich in der Innenstadt von Haven ein grausames Verbrechen: Das Ehepaar Kyle und Magret Ashford wurden ermordet aufgefunden.

Entdeckt wurden die beiden ausgerechnet von dem gemeinsamen Kind der beiden, Raymond. Der zehnjährige fand seine Eltern, als er von der Schule nach Hause gekommen war. Er steht bisher noch immer unter Schock.

Der einzige Lichtblick: Onkel Ryan Ashford, Leiter der Detektei Ashford, nahm den Jungen sofort bei sich auf.

»Das ist zumindest etwas, was ich für den Jungen tun kann«, meinte Mr. Ashford.

»Mein eigener Sohn Dave freut sich über die neue Gesellschaft, auch wenn er noch nicht so recht versteht, warum Raymond so traurig ist.«

Wir wünschen dem Jungen alles Gute und hoffen, dass er eines Tages in der Lage sein wird, seine Trauer zu verarbeiten.

Von dem Täter oder den Tätern von diesem grausamen Blutbades gibt es bisher keinerlei Spuren. Auch das Motiv ist bisher unbekannt. Aber die Polizei hat zumindest einige Spuren sichergestellt und die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Mich selbst schmerzt diese Tat schwer, denn ich kannte die Ashfords persönlich.

Sie lieferten niemals jemanden einen Grund, sie zu hassen. Und dennoch traf sie ein solches Schicksal.

Keine Zeile, die ich je schreiben werde, würde meine eigene Traurigkeit über diesen Verlust zum Ausdruck bringen.

Gott habe sie seelig.

Von unserem Mitarbeiter: Matthew White.

Haven News Paper Lokalteil, 01.06.2009

Kommentar: In Gedenken an einen großartigen Mann

»Wenn ich zurück an meine Arbeit beim Haven Prophet denke, erinnere ich mich am meisten an Matthew White. Er war mein Mentor während meiner Zeit dort. Bis heute ist es mir unbegreiflich, wieso er sterben musste. Noch weniger, warum die Polizei nie im Stande war, etwas über diesen Fall herauszufinden. Was ich daraus als Lehre ziehen kann ist, dass man als Enthüllungsjournalist niemals sicher lebt. Matthew ließ in seiner Zeit viele Verbrecher auffliegen und verdient unser aller Ansehen. Wenn ich heute gefragt werde, warum ich dann meinen Job beim »The Haven Prophet« aufgegeben habe, werde ich sagen, dass es nie an der Angst lag, sondern weil mich der Verlust von Matthew viel zu sehr schmerzt. Alles an dieser Arbeit erinnert mich an ihn. Haven verlor nicht nur einen großartigen Bürger, nein, er verlor einen echten Helden. Wenn ich selbst könnte, würde ich alles dafür tun, um den Täter hinter diesem Verbrechen zu finden. Aber alles was ich tun kann, ist der Polizei viel Erfolg bei den Ermittlungen zu wünschen. Und ich hoffe, eines Tages dieselbe Stärke zu erlangen wie sonst nur Matthew sie hatte.«

Von Katharina May, Mitglied der Redaktion

Haven News Paper Lokalteil, 15.07.2009

Serienmörder Stanley Reece durch Heldentat zur Strecke gebracht.

Raymond Ashford, Mitarbeiter der Detektei Ashford, ist der Name für den Mann der Stunde:

Am vergangen Sonntag überschlugen sich die Ereignisse an den Docks von Haven: Mr. Ashford erschoss den Täter, der an den Morden von Edward Smith, einem wohlhabenden Immobilienmakler aus der Uptown sowie Matthew White, Journalist beim Magazin »The Haven Prophet« verantwortlich war.

Die Vermutung liegt nahe, dass White dem Täter auf die Spuren gekommen war und deshalb sterben musste.

Dies war aber nicht die einzige Leistung von Raymond Ashford an diesem Abend. Er rettete das Leben von Albert Granhill, Chief Constable des Haven Police Department und entlarvte die Identität des Mörders. Sein Name lautete Stanley Reece.

Die Polizei schickte in den vergangenen Tagen Taucher in das Meer, um nach der Leiche von Reece, die laut Aussagen von Ashford und Granhill nach dem Schuss in das Wasser gefallen sei, zu suchen. Diese Suche verlief bisher ohne Erfolg.

»Natürlich werden wir weiter nach Reece suchen«, sagte Granhill. »Aber das ist mir egal. Viel wichtiger für mich ist das, was Mr. Ashford vollbracht hat. Er begab sich selbst in größte Gefahr um mich zu retten. Das werde ich ihm nie vergessen.«

Mr. Ashford verweigerte wie immer ein Interview mit der Presse.

»Auch wenn wir nie Worte von ihm selbst zu hören bekommen, sind wir um seine Hilfe immer wieder dankbar«, erklärte uns Bob McMillan, ein Polizist, der den Fall bearbeitete. »Wir haben dem Fall wegen seiner Leistungen intern sogar einen Spitznamen gegeben: Die Reece Offenbarung.«

Wir können nun froh darüber sein, dass die »Reece Offenbarung« nun endlich Abgeschlossen ist und die Bürger wieder ein wenig ruhiger schlafen können.

Von Marcus Bolby, Mitglied der Redaktion

Haven News Paper Lokalteil, 28.07.2009

Detektei Ashford wechselt den Besitzer.

Das plötzliche Verschwinden von Ryan Ashford, ehemaliger Leiter der angesehenen Detektei Ashford in der Harper Road wirft zunächst viele Fragen auf.

Kurz nach dem jüngsten Aufschwung der Detektei, ausgelöst durch die Tat von Raymond Ashford in dem Fall Reece, verschwand Ryan Ashford ohne jede Spur und ernannte laut Unterlagen Raymond Ashford höchst-persönlich zum nächsten Leiter der Detektei.

Es gibt Gerüchte, dass Raymond Ashford seinen eigenen Onkel aus dem Weg geräumt hätte.

»Das ist absolut ausgeschlossen!« sagte Albert Granhill, Chief Constable des Haven Police Department. »Für solche Anschuldigungen gibt es keinerlei Beweise!«

Beweise gab es in der Tat keine, jedoch sollten die jüngsten Gerüchte nicht ungehört bleiben.

Fakt ist jedoch gegenwärtig, dass die Detektei nun von Raymond Ashford geleitet wird und diesem zunächst kein Strafverfahren droht.

Von Michael Finch, Mitglied der Redaktion

Haven News Paper Lokalteil, 10.01.2010 Top und Flop der Woche.

Top: CLAB im Aufwind

Kurz nach der Ernennung von Dr. Roberts als Leiter von CLAB, Havens größtem Chemielaboratorium im Industrieviertel scheint sich einiges zu tun. Es wurden zwar viele Mitarbeiter entlassen, aber der Umsatz der Firma stieg an und CLAB ist nun auf dem besten Weg, wieder unter die Top 10 der bedeutensten Chemiefabriken in ganz England zu kommen.

Dr. Roberts mag zwar sehr umstritten sein, aber unzweifelhaft von Vorteil für das Laboratorium, nicht zuletzt auch für die Karrierechancen junger Menschen.

Flop:

Detektei Ashford auf absteigendem Ast

Auf der anderen Seite ist die Detektei Ashford seit dem Verschwinden (manche sagen »Nach der Ermordung«) von Ryan Ashford ohne größere Aufträge verblieben. Raymond Ashford habe sich seit diesem Vorfall nahezu komplett aus dem Geschäft zurückgezogen.

Ob dahinter Schuldgefühle oder Trauer stecken sei jedem selbst überlassen.

Von Michael Finch, Mitglied der Redaktion

Haven News Paper Lokalteil, 12.01.2010

Kurznachrichten: Einbruch in der Uptown.

Gestern ereignete sich ein Einbruch in der südlichen Uptown. Die Behörden gehen anhand der vorliegenden Indizien von mindestens zwei Tätern aus. Der Schaden ist allerdings verhältnismäßig gering ausgefallen (schätzungsweiße 400 Pfund), da die Täter nur in das Wohnzimmer eingestiegen sind, indem sich ein Fernseher und Bargeld befanden. Die Polizei fahndet bisher noch nach den Tätern.

K. M.

Haven News Paper Lokalteil, 24.02.2010

Kommentar: Raymond Ashford noch immer alleine.

Seit über einem halben Jahr ist Ryan Ashford noch immer ohne jegliche Spur aus Haven verschwunden. Das ist nun schon der zweite, große Verlust im Leben von Raymond Ashford.

Nach dem Tod seiner Eltern im Jahr 1990 nahm Ryan seinen Neffen bei sich auf. Dabei finde ich es unglaublich, wie viele Menschen behaupten würden, Raymond Ashford hätte bei dem Abgang von Ryan seine Hände im Spiel gehabt.

»Ich vermute, dass Mr. Ashford großen Schmerz in sich trägt und sich deshalb aus der Öffentlichkeit zurückzog«, sagte Dr. Igor Parell, Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychologie.

Der Hobbyprofiler glaubt nicht, dass Raymond seinen Onkel ermordet haben könnte.

Eine weitere, wichtige Persönlichkeit, der Chief Constable Albert Granhill bezeichnet derartige Anschuldigungen als »absurd, skrupellos und absolut unbegründet, ja gar rufschädigend«.

Wichtig ist vor allem, auch wenn Raymond Ashford sich nie selbst dazu geäußert hat, dass es noch genug Menschen gibt, die immer noch an ihn glauben und besonders ich wünsche ihm viel Erfolg, sich erneut zu fangen und wieder zurück unter die Menschheit zu kommen.

Von Marcus Bolby, Mitglied der Redaktion

Haven News Paper Lokalteil, 22.03.2010

Einbrüche mehren sich! Haven Police Department tappt im Dunklen.

Immer mehr Menschen sind in Sorge um ihr Hab und Gut. Zusätzlich zu den Einbrüchen in diversen Haushalten scheint das berüchtigte, bisher unbekannte Duo auch keinen Halt vor öffentlichen Plätzen zu machen. Gestern untersuchte das HPD (Haven Police Department) einen Einbruch im »Golden Hawk Pub«, eine Bar in der Innenstadt.

Wir berichten seit dem 08.01.2010 über Täter, die unaufhaltsam von den Docks bis zur Innenstadt regelmäßig Einbrüche begehen. Mit dem Einbruch von gestern sind bisher vier Fälle gemeldet. Die Täter sind laut Angaben der Behörden professionell organisiert. Fingerabdrücke und andere Indizien ergaben keine Treffer. Man fand an den betroffen Tatorten nie Fußabdrücke von mehr als zwei unterschiedlichen Personen. Betroffen waren bisher nur Privathaushalte.

Müssen nun auch Inhaber um ihre Geschäfte fürchten?

»Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um die Täter dingfest zu machen. Bisher haben wir einige Fährten, denen wir momentan nachgehen«, sagte uns ein Sprecher des Departments knapp.

»Vor allem die Tatsache, dass die Täter kein festes Gebiet haben, sondern sprichwörtlich ganz Haven unsicher machen gestaltet den Fall schwierig.«

Die Bürger werden zur äußersten Vorsicht gebeten, bis das Duo geschnappt wird. Falls es mögliche Hinweise geben sollte, bitte an das Haven Police Department bei Albert Granhill wenden.

Tipps wie Sie sich am besten schützen können, finden Sie auf Seite zwei.

Katharina May, Mitglied der Redaktion

Haven News Paper Lokal, 12.04.2010

Endlich eine Verhaftung! Privatermittler R. Ashford schlug erneut zu.

Gestern Abend erreichte uns die Eilmeldung dass einer der zwei Täter, der an den berüchtigten Einbruchsserien teilnahm, die in Haven innerhalb der letzten 3 Monate andauerte, erfolgreich gefasst wurde.

Seit Wochen hielt das Duo die Bürger von Haven mit wiederholten Einbrüchen in Atem. Einer der Täter wurde durch den Privatermittler Raymond Ashford gestellt und anschließend von der örtlichen Polizei verhaftet. Man ertappte ihn auf frischer Tat als er versuchte, bei dem Juwelierhändler H. Schneider einzubrechen.

Ermittler Ashford wurde auch von eben diesem Juwelier, der sein Geschäft in der Innenstadt betreibt, angeheuert.

»Ich war zunehmend über die anhaltenden Einbrüche innerhalb der Innenstadt beunruhigt!« sagte dieser, »Und als ich von dem Einbruch in eine Bar bei mir in der Nähe hörte, wusste ich, dass ich handeln musste!« »Ich hatte das Gefühl, die Polizei fand keinerlei brauchbare Spuren«, meinte ein weiterer Betroffener eines früheren Einbruches, der hier nicht näher genannt werden möchte. »Bis Mr. Ashford dann plötzlich mit mischte.«

Ashford selbst verweigerte gegenüber der Presse jegliche Stellungnahme.

Insiderquellen bestätigen jedoch, dass Mr. Ashford eine ausgezeichnete Auffassungsgabe habe und sehr gut in der Beschaffung von (Hintergrund-) Informationen sei.

Manche sind jedoch verwundert, warum es im letzten Jahr so still um Ashford geworden war. Jene sagen, dies hänge mit dem plötzlichen Untertauchen seines Onkels, Ryan Ashford, zusammen.

Der ehemalige Leiter der Detektei Ashford, die momentan von Raymond Ashford selbst geleitet wird, wird gegenwärtig seit gut einem Jahr vermisst.

»Umso erfreuter war ich, als mir Mr. Ashford seine Hilfe in der Angelegenheit zusicherte«, so Schneider.

Laut Angaben des Haven Police Department nennt sich der Verhaftete selbst »Ricky«.

Jedoch trug er keinerlei Personalien mit sich und weigert sich, seinen wahren Namen preiszugeben.

Ein Sprecher der Polizei sagte: »Bei der festgenommen Person gibt es keinen Eintrag in unseren Datenbanken.«

Bisher verweigert der Verhaftete jegliche Aussage, insbesondere im Bezug auf seinen geflohenen Partner. Bei der Verhaftung allerdings berichtete Albert Granhill, Leiter der Ermittlungen und zugleich Chief Constable des Haven Police Department, dass der Verdächtige seinen flüchtigen Partner »Coby« genannt hätte.

»Wir können jedoch anhand der Indizien bestätigen, dass es sich bei den Einbrüchen immer um die gleichen Täter handelte. Die Fingerabdrücke von »Ricky« stammen mit denen vom Tatort überein.«

Der zweite Täter ist derzeit auf der Flucht. Es wird vermutet, dass dieser zunächst für eine Weile untertaucht, was zumindest die Gefahr auf neue Einbrüche mindert.

»Natürlich sind wir dennoch bemüht, den flüchtigen Verdächtigen so schnell wie möglich zu finden«, sagte Granhill. Ganz Haven freut sich gewiss über diesen letzten großen Erfolg von Albert Granhill, der ab kommenden Monat seinen Ruhestand antritt und Platz für seinen Nachfolger, Robert Spencer, macht.

Granhill hat während seiner Amtszeit von über 25 Jahren als Chief Constable große Erfolge verbucht und wird dem Department als fähiger Polizist und guter Chef noch lange in Erinnerung bleiben.

Nähere Informationen zu den Einbrüchen und Raymond Ashford finden Sie auf Seite vier.

Einen Rückblick auf die Erfolge von Albert Granhill zeigen wir Ihnen auf Seite fünf.

Katharina May, Mitglied der Redaktion

Kapitel 1
Alte Wunden heilen nicht

Upper Main Road, Innenstadt von Haven Montag, den 03.05.2010 22:34 Uhr

Die Straßen von Haven lagen in nahezu vollkommener Stille. Nur in der Ferne bellte ein Hund. Aber sonst waren die Straßen um diese Zeit wie ausgestorben. Doch diese Stille wurde je durchbrochen, als ein Mann die Upper Main Road entlang rannte.

Hecktisch sah er sich nach allen Seiten um, während er weiter in Richtung Detektei Ashford rannte.

Niemand war hinter ihm. Trotzdem fühlte er sich auf eine merkwürdige Art und Weise beobachtet. Er hatte für solche Gedanken keine Zeit, denn immerhin war sein Cousin Raymond in Gefahr.

Er erwartete jeden Moment, wie das lodernde Feuer die Glasscheiben der Detektei sprengen würde. Dave nahm eine scharfe Rechtskurve über die Straße.

Ein Autofahrer bremste und hupte ärgerlich, als er die Straße ohne sich umzuschauen überquerte.

Dann bog der Mann so schnell er konnte in die Harper Road ab. Doch als er endlich das Gebäude, die Nummer elf, erreichte, war dort weder ein Feuer, noch sonst irgendetwas Ungewöhnliches zu sehen. Er blieb einen Moment lang regungslos davor stehen. Kurz darauf trat auf einmal ein weiterer Mann aus einer Seitengasse, nicht weit von der Detektei entfernt, hervor.

»Mr. Dave Ashford?«, fragte er mit tiefer Stimme. Der Mann war, soweit Dave es sehen konnte, groß gewachsen und machte einen kräftigen Eindruck. Er trug ein schwarzes Jackett, Jeans und seine langen, dunklen Haare waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

»Was wollen Sie?« entgegnete Dave mit einer Spur Misstrauen.

»Mein Name ist Agent Niro, MI5«, sagte er und zeigte Dave seine Marke »Ich muss mit Ihnen über Aftermath reden.«

Dave's Augen weiteten sich: »Sie wissen davon?«

»Natürlich, das MI5 und somit auch ich wurde darüber informiert. Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen das mit dem Brand erzählt habe, ich wollte Sie nur so schnell wie möglich hierher bekommen ohne Ihnen am Telefon mein Anliegen zu nennen.«

Dave nickte, war jedoch über diese Vorgehensweise verwundert und blieb weiter vorsichtig.

Agent Niro fuhr fort: »Ich habe einige wichtige Fragen, die leider nicht warten können.«

»Das muss wohl sehr dringend sein«, entgegnete Dave.

Der Agent seufzte: »In der Tat. Ich will auch nicht lange um den heißen Brei reden. Jemand hat Aftermath entwendet.«

»Wie bitte?« fragte Dave aufgebracht.

Agent Niro blieb ruhig, zuckte jedoch kurz zusammen und flüsterte: »Psst! Nicht so laut! Ich brauche dringend ein paar Antworten, aber bloß nicht hier. Die Gefahr, dass jemand mithört ist zu groß! Könnten Sie mit mir mitkommen?«

Dave nickte: »Also gut, aber klären Sie mich auf. Was weiß man bereits über den Diebstahl? Immerhin ist die Sicherheit jedes Einzelnen betroffen! Und ich würde zu gerne wissen, was das MI5 mit unserem Projekt hier in Haven zu tun hat.«

»Alles der Reihe nach. Wir beide wissen genau, wie ernst die Situation ist! Beantworten Sie mir erst, was für mich wichtig ist.«

Die beiden Männer liefen los. Dave konnte von nahem erkennen, dass der Agent Handschuhe trug und zudem eine Waffe mit sich führte. Soweit Dave das beurteilen konnte, handelte es sich um eine 9mm Pistole. Eine Waffe, bei der Raymond verächtlich den Kopf schütteln würde.

Außer einer Katze, die auf einer Mauer auf und ab lief, war es nach wie vor ruhig auf der Straße. Dave lief dem Agent hinterher bis dieser anhielt.

»Das sieht sicher aus«, murmelte er vor sich hin, »Kommen Sie.«

Dave folgte dem Mann in einen offenen Hinterhof. Innerhalb des Hofes war es dunkel. Der Sternenhimmel war neben einer Straßenlampe die einzige Lichtquelle, die den Hof beleuchtete und dabei einen unheimlichen Effekt erzeugte.

Er konnte gerade noch so die Konturen von Agent Niro erkennen. Er stand mit dem Rücken zu ihm und hielt erst noch einen Moment inne, bevor er sich zu Dave umdrehte:

»Nun, Mr. Ashford. Um die Sicherheit zu gewährleisten muss ich das Wichtigste zuerst wissen: Ist Aftermath bereits fertig gestellt?«

Dave überlegte, ob er antworten sollte. Immerhin lief das Aftermath Projekt unter größter Geheimhaltung und niemand, der nichts davon wissen sollte, hätte davon erfahren. Der leitende Laborführer von CLAB, Dr. Roberts, würde unter keinen Umständen etwas so wichtiges nach außen dringen lassen, wenn es nicht notwendig gewesen wäre. Seinen beiden Kollegen vertraute er auch, wobei er sich bei einem gelegentlich ein wenig unsicher war.

Dennoch bezweifelte er, dass der besagte Kollege zum MI5 persönlich rennen würde und Geheimhaltungsprojekte ausplaudert, ohne dabei sein Team in Kenntnis zu setzen. Bleibt also nur Dr. Roberts übrig und dieser wird dann auch einen guten Grund haben, das MI5 zu informieren. Fragt sich, ob der Secret Service vor oder nach dem Diebstahl bereits informiert war.

Vielleicht musste Dr. Roberts diesen Schritt einleiten um das Projekt überhaupt starten zu können.

Ein glücklicher Zufall scheint, dass der Diebstahl wohl recht schnell entdeckt wurde. Außerdem beschäftigte ihn die Tatsache, dass Aftermath sehr gefährlich sein konnte, wenn es zweckentfremdet verwendet würde.

Er entschloss sich, zu antworten: »Die finalen Testläufe sind seit letzter Woche abgeschlossen.«

Der Agent nickte: »Ich verstehe. Und wer verfügt über die Testergebnisse und Aufzeichnungen?«

»Bisher gibt es nur eine einzige, handschriftliche Version der Testläufe und der chemischen Zusammensetzung und diese liegt gut verwahrt in einem Tresor.«

»Gibt es keine Digitale Aufzeichnung?« Agent Niro runzelte die Stirn.

»Nein«, entgegnete Dave. »Unser Team hat beschlossen, die sicherste Methode zu wählen. Sicher vor Stromausfällen und Hackern. Die Idee hatten wir von unserem Chef, Dr. Roberts. Der Safe enthält die Testprotokolle, die Formel der chemischen Zusammensetzung selbst sowie fünf Proben in Phiolen.«

Der Agent nickte erneut: »Wann haben Sie zuletzt gesehen, ob Aftermath unter Verschluss ist?«

Dave überlegte: »Also... Das muss zuletzt am Sonntagmittag gewesen sein. Etwa gegen Zwölf Uhr habe ich zuletzt in den Tresor gesehen. Meines Wissens nach war ich auch der letzte, der nachsah.«

»In Ordnung.« erwiderte Agent Niro. »Das beschränkt den Zeitraum von Sonntagabend bis heute. Ihr Team besteht nur aus Ihnen und den zwei anderen Beteiligten?«

Dave bejahte: »Genau, Susan Va…«

»Stopp!« warf Agent Niro ein. »Keine Namen! Nicht hier.«

»Gut«, antwortete Dave und musste trotz dieser ernsten Situation innerlich bei dem Gedanken schmunzeln, dass dieser Agent sich wohl nirgendwo sicher fühlte. Ob er sich auf einem Fußballspiel in einem lauten und überfüllten Stadion auch belauscht fühlte?

»Wir haben bislang geglaubt, wir seien die einzigen neben dem Leiter des Laborratoriums, die von Aftermath wissen«, bemerkte Dave.

Agent Niro sagte nichts. Der Hund in der Ferne fing wieder an zu bellen.

»Kann ich Sie fragen, was Sie mit der Sache zu tun haben, Agent? Und vor allem, wie sie darüber so schnell erfahren konnten?« »Ich fürchte, dass geht leider nicht. Meine Fragen sind noch nicht zu Ende!«

Die Stimme des Agents veränderte sich plötzlich. Dave registrierte den Klang und war beunruhigt. Etwas Bedrohliches lag in der Luft. Dave wollte am liebsten weglaufen, aber seine Beine waren wie gelähmt. Er fürchtete sich zu sehr vor der 9mm in dem Hohlster des Agents. Unerbittlich drang die Stimme von Niro zu ihm durch:

»Ihr Cousin, das ist doch der Schnüffler Raymond Ashford, oder?«

Dave war verwirrt. »Ja, aber…«

»Und er ist der Privatdetektiv, von dem die Lokalzeitung immer wieder mal berichtet?«

»Das stimmt, wozu wollen Sie das aber so plötzlich wissen?«

Trotz der Dunkelheit konnte Dave sehen, wie die Augen des Agents auf einmal wild funkelten. Dann breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. Und dieses Grinsen bedeutete nichts Gutes. Es hatte etwas Wahnsinniges.

Dave verspürte eine plötzlich aufkommende Panik. Er wollte los rennen, so schnell wie möglich weg von diesem Mann kommen. Selbst die 9mm würde er jetzt in Kauf nehmen. Seine Beine waren nicht mehr taub und er setzte zum Sprint an. Aber der Mann packte Dave blitzschnell mit seiner linken Hand.

»Wohin den so eilig?« fragte er höhnisch. »Etwa zum lieben Ray, der immer so artig seinen kleinen Cousin beschützt? Ich glaube, es wäre toll, wenn wir ihm ein kleines Geschenk bereiten. Wie wäre es denn mit Ihrer Leiche?«

Niro griff mit der freien Hand in sein Jackett und zog eine Spritze heraus, die bereits aufgezogen war.

Daves Augen weiteten sich schlagartig, als er wusste, was das da in der Spritze war.

»Nein bitte, Sie wissen ja nicht, was Sie da tun!«

»Und ob ich das weiß. Nicht zuletzt durch Sie. Leben Sie wohl, Mr. Dave Ashford.«

Er stieß ihm die Spritze so fest er konnte in die Armbeuge. Dave erschrak. Niro drückte den Inhalt in seine Venen, was ihn vollends verstummen lies. Jetzt war ohnehin jede Hilfe zu spät und er fühlte sich so kraftlos, dass er nicht mehr schreien könnte.

Kurz darauf sackte er zusammen.

Aftermath.

Etwas, was er geschaffen hat und ihm selbst nun zum Verhängnis wurde. Niro lies ihn los, beugte sich zu ihm hinunter und legte ihm die Spritze sorgsam in die Hand. Er öffnete Dave's Gürtel und nahm ihn von seiner Hose. Diesen platzierte er um Dave‘s Oberarm, zog an der Schnalle und flüsterte: »Eine überdosis Heroin, so ein trauriges Ende für ihre Karriere, Herr Doktor.«

Niro stand auf und entfernte sich. Er lächelte noch immer. Bevor Dave's letzten Kräfte ihn vollends verließen, dachte er noch einmal an seinen geliebten Cousin: »Raymond…«

Die Welt um ihn herum wurde schwarz.

Ein Hinterhof, Major Road No. 4 Dienstag, den 04.05.2010 11:12 Uhr

Haven lag westlich von Brighton, direkt am Ärmelkanal in East Sussex, England. Über die Lewes Road im Norden gelangt man direkt in die Innenstadt von Haven. Die Stadt selbst ist in vier Bezirke unterteilt:

Nordwestlich davon liegt das Industrieviertel, Platz vieler Fabriken und Firmen wie etwa CLAB.

Westlich davon liegt die Uptown, die Oberstadt, Wohnort der Reichen und Schönen.

Und südlich die Docks, der Bezirk der Arbeiter und zwiespältigen Persönlichkeiten.

Das meiste Leben spielt sich jedoch in der zentral gelegenen Innenstadt ab.

Dort gibt es auf der Hauptstraße, nördlich als die Upper Main Road bezeichnet, die bis zu den Docks führt und dort dann unter dem Namen Lower Main Road verläuft, neben vielen Läden auch Restaurants und ein großes Kino. In den Seitenstraßen hingegen ist es meist ruhig und außer