Verlag: Bastei Entertainment Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Der Bergdoktor 1936 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner  

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E-Book-Beschreibung Der Bergdoktor 1936 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner

Geiselnahme im Doktorhaus - Dr. Burger und die Verzweiflungstat eines Patienten Vor fünf Jahren kam Michael Mayerhofers bester Freund Mirko bei einer Klettertour am Feldkopf ums Leben. Seitdem verfolgt Lissi Brenner, damals die Dritte im Bunde, den jungen Bauern mit bösen Verleumdungen. Überall verbreitet sie das Gerücht, Michael habe Mirko auf dem Gewissen. Michael selbst kann sich nicht verteidigen, denn ihm fehlt jegliche Erinnerung an das Bergdrama. Doch dann kehren plötzlich nach all den Jahren die ersten Erinnerungssplitter zurück, und Michael ahnt, wie es wirklich gewesen sein könnte. Als er zufällig in der Praxis des Bergdoktors Zeuge wird, wie Lissi über ihn herzieht, will er sie zwingen, endlich die Wahrheit zu sagen. "Das wird niemals geschehen! Darauf kannst du warten, bis du schwarz wirst", schleudert sie ihm gehässig ins Gesicht. Da brennt bei Michael die Sicherung durch. Er verlässt die Praxis und kehrt kurz darauf mit einem Gewehr zurück ... *** Im schönen Zillertal lebt und wirkt der Mann, den Millionen Leser und Fernsehzuschauer seit Jahren lieben: Dr. Martin Burger - Der Bergdoktor. Ein Mann, dessen persönliches Schicksal ihn empfänglich gemacht hat für die Probleme und das Leid seiner Mitmenschen. Ein Arzt, der stets bereit ist, das Äußerste für seine Patienten zu wagen. Das idyllische Dorf St. Christoph dient als Kulisse für die spannenden Geschichten. Hier ist Dr. Martin Burger eine soziale und moralische Instanz - ein aufrechter, geradliniger Charakter, der alle guten traditionellen Werte in sich vereinigt und selbstlos danach handelt. Mit inzwischen über 1800 Folgen, einer Gesamtauflage von über 55 Millionen Exemplaren und einer gleichnamigen TV-Serie hat "Der Bergdoktor" längst den Gipfel der Berg- und Heimatromane erklommen. Eine echte Erfolgsserie! Jede Woche erscheint eine neue Folge. Jede Folge ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig von den anderen Folgen der Serie gelesen werden.

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E-Book-Leseprobe Der Bergdoktor 1936 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner

Inhalt

Cover

Impressum

Geiselnahme im Doktorhaus

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-6767-6

www.bastei-entertainment.de

Geiselnahme im Doktorhaus

Dr. Burger und die Verzweiflungstat eines Patienten

Von Andreas Kufsteiner

Vor fünf Jahren kam Michael Mayerhofers bester Freund Mirko bei einer Klettertour am Feldkopf ums Leben. Seitdem verfolgt Lissi Brenner, damals die Dritte im Bunde, den jungen Bauern mit bösen Verleumdungen. Überall verbreitet sie das Gerücht, Michael habe Mirko auf dem Gewissen.

Michael selbst kann sich nicht verteidigen, denn ihm fehlt jegliche Erinnerung an das Bergdrama. Doch dann kehren plötzlich nach all den Jahren die ersten Erinnerungssplitter zurück, und Michael ahnt, wie es wirklich gewesen sein könnte. Als er zufällig in der Praxis des Bergdoktors Zeuge wird, wie Lissi über ihn herzieht, will er sie zwingen, endlich die Wahrheit zu sagen.

»Das wird niemals geschehen! Darauf kannst du warten, bis du schwarz wirst«, schleudert sie ihm gehässig ins Gesicht. Da brennt bei Michael die Sicherung durch. Er verlässt die Praxis und kehrt kurz darauf mit einem Gewehr zurück …

Nebel hing über dem Feldkopf, der Himmel war trüb. Eine leichte Brise von Norden wehte Michael Mayerhofer kühl an und ließ ihn frösteln. Fragend schaute er sich um. Wie kam er hierher? Das schwindende Tageslicht lag bleigrau über dem Tal.

Stille umfing den Burschen, kein Laut drang an sein Ohr, fast so, als sei er in Watte gepackt, abgeschnitten vom Rest der Welt. Irgendwo regte sich etwas. Er schaute sich um.

Schritte kamen näher. Dann senkte sich unvermittelt eine Hand auf seine Schulter. Michael zuckte zusammen. Gleich darauf blickte er in das lachende Gesicht von Mirko Gruber.

»Nun komm schon, Michel, auffi geht’s!«

Michel? Es war lange her, dass ihn jemand so genannt hatte. Der Spitzname aus Kindertagen war mit seinem besten Spezl gestorben. Und doch marschierte der nun an seiner Seite, beide trugen sie ihre Bergsteigerkluft, bereit für eine gemeinsame Tour.

Sie waren ein eingespieltes Team, einer konnte sich blind auf den anderen verlassen. Unzählige Male hatten sie einander ihr Leben anvertraut. Unzählige Male – bis zu diesem letzten Mal, als das grausige Verhängnis seinen Lauf genommen hatte, als …

Michael stöhnte im Schlaf gepeinigt auf. Wieder dieser Traum, wieder diese Qual, die nie enden wollende Pein. Die Schuld, die sein Leben seit fünf Jahren belastete, sein Fühlen und Denken verdunkelte, ihm jede Hoffnung, jeden Mut nahm.

Nein, er wollte das nicht. Nicht noch einmal!

Der Bursche begann sich zu wehren. Er bot all seinen Willen auf, wollte erwachen aus dieser Endlosschleife der Vergeblichkeit. Was geschehen war, ließ sich nicht mehr ändern. Es wurde ihm Tag um Tag schwerer, damit zu leben. Er konnte es nicht mehr ertragen, auch noch seine Nächte mit den bitteren Erinnerungen an seine Schuld zu durchleiden. Es musste aufhören!

Doch es gelang Michael Mayerhofer nicht, den Schleier zu durchbrechen, der sich über sein Bewusstsein gelegt hatte, der ihn von der Wirklichkeit trennte und in diesen grausamen, unerträglichen Albtraum sperrte.

Übergangslos änderte sich etwas. Es war nicht mehr der Feldkopf, wo der Träumende sich befand. Er saß daheim in der guten Stube und sprach mit seinem Vater über Lissi.

An die sechs oder sieben Jahren musste das her sein. Der Vater war damals schon leidend gewesen, das Herz hatte dem früh verwitweten Bauern zu schaffen gemacht.

Dr. Martin Burger, der Bergdoktor von St. Christoph, hatte auf eine längere Behandlung im Spital gedrängt und auf eine anschließende Kur. Bislang war das nicht möglich gewesen, Arbeit und Pflicht hatten den Bauern daheim festgehalten.

Nun war Michael aber bereit gewesen, den Hof zu übernehmen. Als Jahrgangsbester hatte er die Landwirtschaftsschule in Schwaz abgeschlossen, ein tüchtiger Jungbauer, wie Georg Mayerhofer ihn sich nur hatte wünschen können.

Michael hatte von seiner baldigen Verlobung mit Elisabeth Haselbeck gesprochen, dem verwirrend schönen Madel, das sein Herz gestohlen hatte. Und er hatte mit dem Vater den Beginn von dessen Behandlung geplant, die so dringend nötig gewesen war.

Glücklich war Michael damals gewesen, das Leben hatte voller Sonnenschein vor ihm gelegen. In seiner Freizeit war er oft mit seinem besten Spezl Mirko Gruber klettern gegangen. Lissi hatte die Freunde nun häufig begleitet, alles schien bestens.

Die Erinnerung an diese Zeit hatte für den Burschen jedoch einen bitteren Nachgeschmack. Schon allzu bald sollte er erfahren, dass sein Glück nur Einbildung gewesen war, all seine Hoffnungen umsonst und seine Pläne auf Sand gebaut.

Michael sah Lissi vor sich, schön und begehrenswert, wie sie ihn auslachte und dann einfach verschwand, sich in Nichts auflöste wie eine Fata Morgana. Ebenso wie sein Lebensglück.

Sie hatte ihn mit Mirko betrogen und vielleicht auch noch mit anderen. Von einem Tag zum nächsten war sie kalt und unnahbar geworden. Für alles, was er gesagt und getan hatte, hatte sie nur noch Spott und Hohn übrig gehabt. Wochen voller Streit und Enttäuschung, die sich langsam in Verzweiflung und Hass gewandelt hatten, waren gefolgt.

Und schließlich jener schreckliche Tag, der Michaels Leben für immer verändert hatte.

»Komm, Michel, wir steigen auffi. Und dann wird alles gut«, sagte Mirko nun zu ihm.

Plötzlich hingen sie alle drei an der Westwand des Feldkopfes. Das Wetter hatte sich gebessert, eine milde Herbstsonne schien durch den Dunst, ließ Lissis dunkle Locken schimmern wie das Gefieder eines Raben.

»Ich komm net mit«, murmelte der Träumende. »Es hat keinen Sinn, hier stimmt was net. Lissi, sag es ihm, du hast längst einen anderen, sag es dem Mirko und dann geh, lass uns …«

»Sie steht in der Hoffnung«, murmelte Mirko bekümmert. »Sie muss die Meine werden, ich gebe sie net frei.«

»Aber sie ist net die Rechte für dich, glaub mir!«

Michael wollte den Spezl zur Vernunft bringen, ihm noch einmal ganz deutlich vor Augen führen, dass dieses Madel sie beide nur unglücklich gemacht hatte, dass es sinnlos war, Pläne zu schmieden, die Lissi längst nicht mehr interessierten.

Er hatte nie verstanden, wieso sie die zwei Burschen zu dieser letzten Klettertour gedrängt hatte. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass sie sich hätte aussprechen wollen. Sie hatte nur geschwiegen und ihn mit ihren verwirrend schillernden Augen auf so eigentümliche Weise angesehen, dass es ihm noch heute nachging.

Was war in diesem Blick gewesen, was hatte sich hinter dem tiefgründigen Dunkelbraun verborgen? Was hatte Lissi wirklich im Schilde geführt?

»Was willst du? Sag endlich die Wahrheit!«, rief er ihr im Traum zu. Doch er erhielt keine Antwort.

Übergangslos fiel Dunkelheit über die Umgebung. Alles versank in einem tiefen, undurchdringlichen Schwarz. Michael hörte die Stimme seines Freundes, der nach ihm rief, weit entfernt, sehr schwach. Immer und immer wieder. Und dann blieb alles still.

Der Bursche wollte sich abseilen, wollte zu Mirko, ihm helfen. Er spürte, er wusste, dass etwas Schreckliches geschehen war. Aber er konnte sich nicht bewegen.

Starr hing er im Seil, unfähig, auch nur einen Schritt zu tun. Sinnlose Worte kamen über seine Lippen, er fühlte Tränen, die seine Wangen nässten. Die Dunkelheit war sein Feind, sie hinderte ihn daran, dem Spezl zur Hilfe zu kommen. Aber sie verbarg auch das Grauen vor seinem Blick. Und vielleicht sogar die Wahrheit …

Ein markerschütternder Schrei zerriss die Stille. Dann ein kurzes, hartes Reißen. Irgendwo lachte jemand leise. Und plötzlich stürzte Michael ins Bodenlose.

Während er fiel, leuchtete die Umgebung kurz in grellem Licht auf. Er sah Mirko am Fuß des Berges, er schaute in die toten Augen seines Kindheitsfreundes. Und er sah Lissi, die weit oben stand, unbeteiligt, unerreichbar. Dann versank die Welt hinter einem Vorhang aus dunklem Purpur. Und in der nächsten Sekunde schreckte Michael Mayerhofer keuchend auf.

Mit weit geöffneten Augen starrte er in das wattige Grau der späten Nacht. Sein Atem ging stoßweise, sein Körper war in Schweiß gebadet. Zähe Schmerzen durchzogen sein rechtes Bein und den Arm. Die alten Brüche gemahnten ihn daran, dass die neuerliche Qual dieser Nacht nicht nur ein böser Traum gewesen war. Dass alles geschehen war, unabänderlich, endgültig.

Es dauerte eine Weile, bis der Bauer sich so weit beruhigt hatte, dass er in der Lage war, das Licht einzuschalten und aufzustehen.

An Schlaf war nun nicht mehr zu denken. Und er legte auch keinen Wert auf einen weiteren Ausflug in die Geisterbahn, die jede Nacht durch seinen Kopf fuhr, mit ihm als einzigem Fahrgast.

Müde und zerschlagen verließ Michael wenig später seine Kammer und ging die Stiege hinunter, um sich etwas Kaffee zu kochen, der ihn halbwegs munter machen sollte.

Doch er war nicht der Einzige, der an diesem Morgen noch vor dem ersten Hahnenschrei aufgestanden war.

***

Lina Pold war bereits seit mehr als vierzig Jahren Hauserin auf dem Erbhof der Familie Mayerhofer.

Die patente Frau war noch keine dreißig gewesen, als sie sich seinerzeit bei Georg und Helga Mayerhofer vorgestellt hatte. Damals war der Bauer jung verheiratet gewesen und noch recht verliebt.

Seine zierliche Frau hatte Lina ein wenig an eine Bergfee erinnert. Ihr blondes Haar hatte ein ebenmäßiges Gesicht mit großen grauen Augen umrahmt. Helga war eine ruhige, liebenswerte Person gewesen, fleißig und sehr tierlieb. Als Kind hatte sie gekränkelt und war auch als Erwachsene nicht sehr stabil gewesen. Lange hatte es so ausgesehen, als könne sie keine Kinder bekommen, denn ihre Konstitution schien einfach zu schwach.

Georg hatte in jeder Beziehung sehr viel Rücksicht auf seine Frau genommen, weil er sie von Herzen lieb gehabt hatte. Er hatte Lina eingestellt, damit sie den Haushalt führte. Und er hatte sich damit abgefunden, dass es wohl keinen Hoferben geben würde.

Dann aber, die Mayerhofers waren schon über zehn Jahre lang verheiratet gewesen, hatte sich doch noch Nachwuchs eingestellt.

Dr. Burger hatte die Bäuerin gewissenhaft betreut und war auch bei der Hausgeburt dabei gewesen, auf die Helga bestanden hatte, weil es eben so Sitte war.

Der kleine Bub war ihr ganzes Glück gewesen. Doch schon, als der Bauer seinen Sohn über das Taufbecken gehalten hatte, war Helga nicht mehr auf der Höhe gewesen. Ihr Zustand hatte sich langsam, aber stetig verschlechtert. Und als der kleine Michael seinen dritten Geburtstag gefeiert hatte, da schloss seine Mutter die Augen für immer.

Georg Mayerhofer hatte schwer an dem Verlust zu tragen. Die Trauer wollte nicht weichen und hatte ihn schließlich krank gemacht. Einzig sein Bub, der so wohlgeraten war, wie man es sich nur wünschen konnte, und der ihm beständig Freude machte, hatte seinem Leben noch einen Sinn gegeben.

Lina hatte sich fürsorglich um das mutterlose Kind gekümmert und war bei Michael bald zur Ersatzmutter geworden. Und so war es bis auf den heutigen Tag geblieben.

Die Hauserin stand heuer im siebzigsten Jahr, das Rheuma plagte sie, und manche Arbeit wurde ihr schwer. Doch der Erbhof war ihr Daheim, und keiner hier konnte ihn sich ohne Lina vorstellen. Sie war eben die Seele vom Ganzen.

Als der Bauer vor einigen Jahren hatte heiraten wollen, schien sich alles zum Guten zu fügen. Doch dann war der schreckliche Unfall am Feldkopf passiert.

Mirko Gruber tot, Michael so schwer verletzt, dass es lange unklar war, ob er es schaffen konnte.

Einzig Elisabeth war unverletzt geblieben. Und sie ließ es sich bis heute nicht nehmen, einem jeden, der es hören wollte, von Michaels Schuld zu berichten. Er habe sich mit seinem Freund gestritten, er sei unaufmerksam gewesen und habe Fehler am Berg gemacht. Nur durch großes Glück sei ihr selbst nichts geschehen.

Durch jedes ihrer Worte schimmerte der Vorwurf hindurch, dass Michael seinen Spezl absichtlich hatte abstürzen lassen. Aus Eifersucht, Missgunst und vielerlei anderen niederen Regungen.

Die gemeine Hetze, mit der Elisabeth St. Christoph überzogen hatte wie mit einem giftigen Spinnennetz, hatte den Altbauern vorzeitig ins Grab gebracht und dafür gesorgt, dass Michael nicht nur am Leib, sondern auch an der Seele zu einem gebrochenen Mann geworden war.

Lina fragte sich, was damals wirklich geschehen war.

Der Bauer hatte keine Erinnerung an den Unfall und musste glauben, was seine ehemalige Verlobte ihm erzählte. Doch wie passte es zusammen, dass diese nur kurze Zeit später, als Michael im Spital noch mit dem Tod gerungen hatte, einem anderen das Jawort gegeben hatte? Walter Brenner, einem der reichsten Hoferben im Tal …

Lina setzte sich mit einem Haferl Kaffee auf die Eckbank. Sie stand oft so früh auf, wenn das Rheuma sie nicht zur Ruhe kommen ließ. Und es war keine Seltenheit, dass der Bauer ihr Gesellschaft leistete, weil er ebenfalls nicht schlafen konnte.

So war es auch an diesem Morgen Mitte August.

»Morgen«, brummte er und ließ sich neben ihr auf der Eckbank nieder. Kurz streifte sein Blick die Fotografie der Eltern, vor der im Herrgottswinkel ein ewiges Licht brannte. »Hast du auch ein Haferl für mich, Lina?«

»Freilich, Bub. Magst du schon frühstücken?«, fragte sie ihn freundlich und goss Kaffee für ihn ein.

»Na, später. Musst dir keine Extraarbeit machen. Ich esse mit dem Gesinde«, murmelte er und trank dann in kleinen Schlucken, denn der Kaffee war frisch und heiß.

»Es macht mir nix aus, Bub, dir ein paar Pfannkücherl zu backen. Die Arbeit in der Kuchel geht mir fei noch gut von der Hand, auch wenn’s sonst allerweil schwerer wird …«

Michael schaute die Hauserin aufmerksam an. Sie trug ihr graues Haar zu einer flotten Kurzhaarfrisur geschnitten, in ihrem Gesicht leuchteten die hellblauen Augen munter.

Lina hatte ein arbeitsreiches Leben hinter sich, doch sie strahlte nach wie vor einen jugendlichen Schwung aus, der bewundernswert war. Aber das Rheuma plagte sie, und Michael war durchaus bewusst, dass sie sich das Altenteil mehr als verdient hatte.

Sie hatten schon öfter darüber geredet, so ganz zur Ruhe mochte Lina sich allerdings nicht setzen. Es lief darauf hinaus, eine neue Kraft einzustellen, die sie entlasten konnte. Und allmählich wurde es wohl Zeit für den Bauern, sich konkret darum zu kümmern.

»Ich geb eine Anzeige im Bauernblatt auf. Mal schauen, ob sich eine geeignete Kraft meldet. Hernach kannst du kürzertreten und auch mal eine Kur machen. Das rät der Bergdoktor dir doch schon seit einer ganzen Weile, net wahr?«

»Ja, schon. So ein paar Wochen in Südtirol, das tät mir schmecken. Mich ein bisserl verwöhnen lassen …« Sie lächelte versonnen. »Aber ich kann nur weg, wenn hier alles geregelt ist. Sonst hätt ich fei keine ruhige Minute. Es braucht eine versierte Kraft für einen so großen Haushalt.«

»Das ist mir klar, deshalb müssen wir uns allmählich darum kümmern.« Er zwinkerte ihr zu. »Damit du den Mannsbildern in Meran schon bald ordentlich die Schädel verrucken kannst.«

»Ja mei, die werden grad auf mich alte Schachtel gewartet haben«, gab Lina lachend zurück.

»Sag das net, du bist immer noch ansehnlich. Ich hab manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich bedenk, wie wenig du vom Leben gehabt hast, nur Arbeit. Sollst es dir jetzt schöner machen.«

»Das ist lieb von dir, Bub. Aber ich beklag mich net. Wenn’s mir gesundheitlich besser ginge, würdest du freilich keinen Mucks von mir hören.«

»Den hör ich eh net, bist doch unsere Beste.«