Der Bergdoktor 1958 - Heimatroman - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 1958 - Heimatroman E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Deine Tochter braucht dich! Was Dr. Burger einer jungen Mutter mit auf den Weg gab Von Andreas Kufsteiner Liebe und Familie? Bisher kein Thema für den erfolgreichen Geschäftsmann Torben Rieder. Da steht an einem milden Frühlingsabend seine Jugendliebe Valerie wieder vor ihm. Die Jahre der Trennung konnten ihren Gefühlen nichts anhaben, noch immer knistert es zwischen ihnen. Doch Valerie ist nicht grundlos in der Stadt, sie muss ihm zwei Dinge beichten. Erstens: Sie haben eine gemeinsame Tochter. Und zweitens: Valerie ist todkrank! Die junge Mutter bittet ihn, sich um ihr Kind zu kümmern, wenn sie einmal nicht mehr da ist. Torben ist nicht gewillt, Valerie gehen zu lassen, ausgerechnet jetzt, wo sie sich wiedergefunden haben. Gemeinsam mit Dr. Burger und der kleinen Lissi versucht er alles, um Valeries Leben zu retten und ihr neuen Mut zu geben. Aber die Zeit läuft ihnen davon ...

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Seitenzahl: 131

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Inhalt

Cover

Impressum

Deine Tochter braucht dich!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: ktmoffitt / iStockphoto

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-7583-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Deine Tochter braucht dich!

Was Dr. Burger einer jungen Mutter mit auf den Weg gab

Von Andreas Kufsteiner

Liebe und Familie? Bisher kein Thema für den erfolgreichen Geschäftsmann Torben Rieder. Da steht an einem milden Frühlingsabend seine Jugendliebe Valerie wieder vor ihm. Die Jahre der Trennung konnten ihren Gefühlen nichts anhaben, noch immer knistert es zwischen ihnen.

Doch Valerie ist nicht grundlos in der Stadt, sie muss ihm zwei Dinge beichten. Erstens: Sie haben eine gemeinsame Tochter. Und zweitens: Valerie ist todkrank! Die junge Mutter bittet ihn, sich um ihr Kind zu kümmern, wenn sie einmal nicht mehr da ist.

Torben ist nicht gewillt, Valerie gehen zu lassen, ausgerechnet jetzt, wo sie sich wiedergefunden zu haben. Gemeinsam mit Dr. Burger und der kleinen Lissi versucht er alles, um Valeries Leben zu retten und ihr neuen Mut zu geben. Aber die Zeit läuft ihnen davon …

»Das kann net stimmen!« Fassungslos schaute Valerie auf das Teststäbchen in ihrer Hand nieder. Die beiden parallelen rosafarbenen Streifen zeichneten sich deutlich im Ergebnisfeld ab.

Nein! Nein! Nein!, hämmerte es in ihrem Kopf. Das kann net wahr sein. Ich muss etwas falsch verstanden haben.

Mit fliegenden Fingern griff sie nach der Pappschachtel, überflog die Anleitung, las ein zweites Mal und sank schließlich matt auf den Toilettendeckel.

Es gab keinen Zweifel: Sie war schwanger!

»Wir haben doch nur ein Mal net aufgepasst. Nur ein einziges Mal«, wisperte sie und schlang die Arme um sich selbst, als könnte sie sich so vor dem Resultat des Schwangerschaftstests bewahren.

Sie würde ein Baby bekommen! In ungefähr … Sie überschlug die Zeit im Kopf. In ungefähr sieben Monaten würden Torben und sie ein Kind haben. Einen Säugling. Hier, auf dem Campus der Uni …

Mit einem Mal stieg es sauer in ihrer Kehle hoch. Sie schaffte es gerade noch, den Deckel der Toilette hochzuklappen, dann gab ihr Magen das Wenige von sich, das sie zum Frühstück verzehrt hatte. Ein paar Cornflakes mit Milch, nach denen ihr – wie so oft in letzter Zeit – flau gewesen war. Nun wusste sie auch, warum.

Valerie hatte erst im vergangenen Herbst ihr Studium an der Uni München begonnen. Sie wollte einen Abschluss in Agrarwissenschaften machen und ihr Wissen später auf dem Hof ihrer Eltern anwenden.

Torben war im Jahrgang über ihr. Er studierte Mathematik, um später einen Beruf in der Wirtschaft zu ergreifen. Er liebte Zahlen, Ordnung und feste Strukturen. Das gefiel ihr. Torben hatte einen festen Plan für seine Zukunft.

Einen Plan, den ihr Baby nun durcheinanderwirbeln würde.

Valerie schluckte, aber der Kloß in ihrer Kehle ließ sich nicht vertreiben.

Kennengelernt hatten Torben und sie sich im Fahrstuhl der Bibliothek. Sie waren abends zwischen der ersten Etage und dem Erdgeschoss steckengeblieben. Valerie litt unter Platzangst und war kurz vor dem Durchdrehen gewesen.

Torben hatte ihr gezeigt, wie sie ihre Panik mit Atemübungen in den Griff bekommen konnte. Er hatte mit ihr gehechelt, gekeucht und geschnauft. Schließlich hatten sie auf dem Boden der Liftkabine beieinandergesessen und sich von ihrem Leben erzählt.

Torben hatte sie mit Berichten über Streiche abgelenkt, die seine Freunde und er in der Schule verübt hatten und von denen einige durchaus filmreif gewesen waren. Sie hatten stundenlang geredet und kaum bemerkt, wie die Zeit verging.

An jenem Abend hatten sie sich ineinander verliebt.

Als sie schließlich aus dem Lift befreit worden waren, hatte Torben Valerie zu ihrem Zimmer im Wohnheim begleitet und sich vergewissert, dass sie heil ankam. Seit diesem Abend waren sie unzertrennlich. Sie verbrachten jede freie Minute zusammen.

Torben begleitete sie übers Wochenende nach Hause ins Zillertal. Ihre Eltern waren noch nicht recht warm geworden mit ihm, aber das würde sich hoffentlich noch ergeben …

Ihre Eltern! Valerie durchzuckte es siedend heiß. Was würden sie dazu sagen, wenn sie Großeltern wurden?

Die Verantwortung für ein hilfloses Wesen erschien Valerie gewaltig. Andererseits: So schlecht würde ihr Baby es nicht treffen, nicht wahr? Es würde Torben und sie haben und in dem sicheren Wissen aufwachsen, geliebt zu werden. An ihrer Uni gab es zahlreiche Studenten, die bereits ein Kind hatten.

Wenn andere das hinbekommen, werden Torben und ich es auch schaffen, machte sich Valerie selbst Mut. Ich muss ihm von dem Baby erzählen, dann überlegen wir uns gemeinsam, wie wir es unseren Familien beibringen.

Bei diesem Gedanken fühlte sie sich ein wenig besser. Sie spülte sich den Mund aus und bürstete ihre blonden Haare, bis sie weich auf ihre Schultern fielen. Weil ihr kühl war, streifte sie eine Strickjacke über ihr T-Shirt, dann verließ sie ihr Zimmer.

Torben wohnte im Studentenwohnheim zwei Etagen unter ihr und teilte sich ein Zimmer mit Björn, einem schwedischen Austauschstudenten. Der machte zurzeit ein Praktikum im Krankenhaus und würde nicht vor morgen früh zurück sein. Also hatten sie viel Zeit zum Reden.

Die würden sie auch brauchen. Die – und vielleicht ein paar Beruhigungstropfen …

Valeries Herz pochte bis zum Hals, als sie den langen Korridor hinter sich brachte und bei ihrem Freund anklopfte.

Die Tür schwang auf. Mit seinen eins neunzig überragte Torben sie gut um einen Kopf. Seine sportliche Statur und die breiten Schultern verrieten, dass er sich in seiner Freizeit gern und viel bewegte. Er hatte dichte, dunkle Haare und wache blaue Augen, mit denen er Valerie nun verwundert musterte.

»Val? Solltest du jetzt nicht in der Vorlesung sein?«

Seine Begrüßung fiel wesentlich kühler aus als sonst. Ahnte er womöglich schon etwas? Valeries Beklemmung wuchs.

»Ich muss etwas mit dir besprechen«, sagte sie kratzig.

»Das trifft sich gut. Ich muss auch etwas mit dir bereden. Komm rein – und wundere dich bitte net über die Unordnung. Björn ist mal wieder Hals über Kopf zu seiner Schicht aufgebrochen.« Torben trat von der Tür zurück und ließ sie eintreten.

Tatsächlich sah das Zimmer aus, als würde eine unsichtbare Mauer hindurchführen. Während die linke Hälfte ordentlich aufgeräumt war, stapelten sich auf der rechten Seite Ordner und lose Blätter auf dem Schreibtisch. Zerknitterte T-Shirts und einzelne Socken lagen auf dem Fußboden herum. Wie Björn in dem Durcheinander noch etwas wiederfand, war Valerie schleierhaft.

Allerdings hatte sie jetzt kaum einen Blick für das Chaos, denn sie hatte etwas erspäht, was ihr Herz zu einem schmerzhaften Satz veranlasste: Auf dem Bett ihres Freundes lag ein geöffneter Rollkoffer! Ein Teil seiner Garderobe stapelte sich bereits darin. Der Rest lag säuberlich gestapelt auf der Bettdecke.

»Du hast gar nichts von einer Reise erzählt«, wunderte sie sich.

»Ich … hm, wohl net«, gab er zurück und rieb sich das Kinn, wie immer, wenn er nicht recht wusste, was er sagen sollte.

»Wohl net?« Mit einem Mal überkam Valerie das Gefühl, dass sich ihr Leben an diesem Tag in mehr als nur einer Beziehung verändern würde. »Wo willst du denn hin?«

»Nach London.«

»London? Oh, wow! Willst du jemanden besuchen?«

»Net direkt. Ich … also, ich hätte es dir schon längst erzählen sollen, aber ich dachte net, dass es wirklich klappen würde.« Torben trat von einem Fuß auf den anderen und stieß hörbar den Atem aus. »Also, es ist so, dass ich mich für ein Stipendium beworben habe. Es ist mit einem Praktikum verbunden. Eine einmalige Chance. Es gab viele Bewerber, aber sie wollen mich.«

»Ein Stipendium? Das ist großartig, aber …« Valerie stockte, als ihr aufging, was er ihr gerade beizubringen versuchte. »Du ziehst weg? Für länger? Nach … London?«

Torben nickte verlegen. »Das war schon immer mein Traum, weißt du? Ich kann dort so viel lernen und Beziehungen knüpfen, die mir für die Zukunft nutzen werden.«

»Aber was ist mit uns? Ich verstehe das net. Du wirst wirklich umziehen?« Ungläubig sah Valerie zuerst auf den Koffer und dann zu ihrem Freund. »Und wann wolltest du es mir sagen?«

»Ich … also …« Seine Ohrenspitzen röteten sich. »Ich hätte es dir noch gesagt. Ehrlich.«

»Wann denn? Hättest du mich vom Flughafen aus angerufen? Oder erst, nachdem du in London gelandet bist?«

»Val, nun sei doch net so.«

»Wie denn? Mein Freund beschließt, das Land zu verlassen, und sagt mir keinen Ton. Ich kann das net fassen. Du …« Valerie stöhnte leise. Ein bitterer Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus.

»Es tut mir leid, Val«, sagte er sanft. »Ich weiß, das ist ein Schock für dich, deshalb habe ich es auch hinausgezögert, dir davon zu erzählen. Ich will dich net verletzen, aber diese Chance kann ich mir net entgehen lassen. Versteh mich doch!«

»Du verlässt mich also wirklich?«

»Ja, aber ich werde dich vermissen. Sehr sogar. Hör zu, ich bin net aus der Welt, sondern nur einen Flug entfernt. Wir können uns jederzeit schreiben und besuchen.«

»Eine Weile noch«, wisperte sie. »Dann wirst du mich vergessen.«

»Das werde ich bestimmt net. Aber das mit uns, das ist zu früh, denkst du net auch? Wir sind noch net mal zwanzig. Wir sollten uns noch net fürs ganze Leben festlegen. Wir müssen unseren Weg doch erst noch finden.«

»Ich dachte, das würden wir gemeinsam tun.« Valerie sah ihren Freund an und spürte, wie die Verzweiflung über ihr zusammenschlug. Torben würde fortgehen. Und er hatte sie nicht einmal vorgewarnt. »Das war es also? Mit uns?«

»Ich denke, ja.« Er sah sie zerknirscht an, dann runzelte er die Stirn. »Was wolltest du mir eigentlich erzählen?«

»Oh …« Valerie zögerte. Jetzt war die Gelegenheit. Ihre einzige vielleicht.

Was, wenn sie ihm von dem Baby erzählte? Womöglich würde er seine Pläne ändern und bei ihr bleiben. Aber dann würde er ihr vermutlich für den Rest ihres Lebens nachtragen, dass sie ihn um seinen großen Traum gebracht hatte. Zank und bittere Vorwürfe wären vorprogrammiert.

So sollte ihr Kind nicht aufwachsen.

»Nein«, murmelte sie. »Das hat sich erledigt.«

***

Neun Jahre später …

Für Dr. Martin Burger war der Frühling die schönste Jahreszeit. Wenn sich der Schnee allmählich in die höheren Regionen zurückzog und sich das erste zarte Grün mit blühenden Teppichen aus Krokussen ausbreitete, schien das Zillertal wie verwandelt zu sein. Die Luft wurde milder und duftete süß nach den ersten Blüten. Ringdrosseln, Bergpieper und Zitronenzeisige begrüßten das Frühjahr mit lebhaftem Zwitschern und Singen – bis weit in den Abend hinein.

Für Martin Burger war der abendliche Spaziergang mit seinem Dackel ein lieb gewordenes Ritual geworden, um die Anstrengungen des Tages hinter sich zu lassen. Nicht immer fand er die Gelegenheit dazu. Manchmal zogen sich seine Hausbesuche hin, dann vertraten seine Kinder oder sein Vater ihn. Er schaute nicht auf die Uhr, wenn er gebraucht wurde. An diesem Tag jedoch hatte er pünktlich Feierabend gemacht und schlenderte nun mit Poldi an der Leine die Kirchgasse hinauf.

Sein Heimatdorf lag an einer steil gewundenen Serpentinenstraße, die von Mayrhofen heraufführte. Um die weiße Dorfkirche scharten sich zahlreiche Bauernhöfe. Weiter oben gab es auch einen Wandererparkplatz und eine Bergbahn, die auf den Gipfel des Feldkopfes führte. Die Praxis des Bergdoktors war im Anbau seines Hauses untergebracht.

St. Christoph war ein hübsches, ruhiges Dorf, in dem es sich gut leben ließ. Die Hektik der modernen Zeit hatte hier oben noch keinen Einzug gehalten. Es gab nur ein einziges Hotel, deshalb hielt sich auch der Urlaubstrubel in Grenzen.

»Guten Abend, Herr Doktor!« Pfarrer Roseder saß auf der Bank vor dem Pfarrhaus und blies Rauchkringel in die Luft.

»Herr Pfarrer, Ihnen auch einen guten Abend.« Martin Burger blieb stehen und sah sein Gegenüber halb mahnend, halb lächelnd an. »Wollten Sie das Rauchen net sein lassen?«

»Freilich, aber ich bin mein Pfeifchen am Abend gewohnt. Der Tag fühlt sich unvollständig an, wenn ich es net habe. Verraten Sie es nur der Fanny net. Sie sieht es gar net gern, wenn ich rauche.« Der Geistliche deutete über seine Schulter zum Haus. Hinter einem der hell erleuchteten Fenster werkelte seine Wirtschafterin. »Sagen Sie, was macht denn Ihr Poldi da?«