Der Bergdoktor - Folge 1837 - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor - Folge 1837 E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Was ist nur mit Bärbel Tannauer los? Die stets fröhliche Sprechstundenhilfe des Bergdoktors ist kaum wiederzuerkennen! Stets war sie der Sonnenschein der Praxis, immer zuverlässig, fleißig und voller Hilfsbereitschaft. Doch plötzlich kommt sie andauernd zu spät, vergisst wichtige Termine und scheint keine Freude mehr an ihrer Arbeit zu haben. Sowohl Martin als auch Sabine Burger machen sich große Sorgen um Bärbel. Als sie dann auch noch ihren gesamten Resturlaub einfordert, obwohl in der Praxis gerade ziemlich viel los ist, ist sich der Bergdoktor sicher, dass Bärbel nicht aus freien Stücken handelt ...

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Inhalt

Cover

Impressum

Bärbel Tannauers Irrweg

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Michael Wolf / Bastei Verlag

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-3689-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Bärbel Tannauers Irrweg

Dr. Burgers treue Sprechstundenhilfe erliegt dem Charme eines Abenteurers

Von Andreas Kufsteiner

Was ist nur mit Bärbel Tannauer los? Die stets fröhliche Sprechstundenhilfe des Bergdoktors ist kaum wiederzuerkennen! Stets war sie der Sonnenschein der Praxis, immer zuverlässig, fleißig und voller Hilfsbereitschaft.

Doch plötzlich kommt sie andauernd zu spät, vergisst wichtige Termine und scheint keine Freude mehr an ihrer Arbeit zu haben.

Sowohl Martin als auch Sabine Burger machen sich große Sorgen um Bärbel. Als sie dann auch noch ihren gesamten Resturlaub einfordert, obwohl in der Praxis gerade ziemlich viel los ist, ist sich der Bergdoktor sicher, dass Bärbel nicht aus freien Stücken handelt …

Wohlig räkelte sich Dr. Martin Burger, der Landarzt von St. Christoph, an diesem herrlichen Sommertag im Juni auf der Liege im Garten seines Hauses und lauschte den Stimmen der Natur. Die Vögel zwitscherten, die Bienen summten, und der Wind säuselte in den Bäumen.

Sonst ein begeisterter Wanderer und Kletterer, ließ sich der Arzt heute vom Müßiggang treiben. Er hatte an diesem Wochenende keinen Bereitschaftsdienst, und sein Freund Dominikus Salt, der Bergwachtleiter von St. Christoph, war nicht anwesend. Bei dem perfekten Kletterwetter hätte ihn der umtriebige Mann gewiss schon in den frühen Morgenstunden aus dem Bett geworfen.

Für Dr. Burger waren die Bergtouren ein gutes Training für seine Funktion als Notarzt der Bergwacht. Oft musste er haarsträubende Klettertouren meistern, um leichtsinnigen Bergsteigern, die ihre Fähigkeiten überschätzt hatten, in prekären Situationen ärztliche Hilfe zu leisten. Das erforderte eine gute Kondition.

Trotz seiner bereits einundfünfzig Jahre war der Arzt, der von seinen dankbaren Patienten nur achtungsvoll Bergdoktor genannt wurde, auch agiler als manch Jüngerer. Sein braunes Haar schimmerte zwar an den Schläfen silbern, und sein markantes, sonnengebräuntes Gesicht war von feinen Fältchen durchzogen, die sein bewegtes Leben hineingezeichnet hatte. Doch das machte ihn nur noch anziehender und ließ die Damenwelt dahinschmelzen.

Sein Herz schlug jedoch nur für sein »Binchen«. Mit der sechzehn Jahre jüngeren Wienerin Sabine führte er eine überaus glückliche Ehe, die von drei Kindern gekrönt wurde.

Das zweijährige Nesthäkchen Laura saß an diesem lauschigen Nachmittag im Planschbecken und übertönte mit ihrem fröhlichen Jauchzen selbst das Tirilieren der Vögel. Ihre beiden älteren Geschwister, die acht Jahre alte Tessa und der fünfjährige Philipp, allgemein nur Filli gerufen, hatten ihren Spaß mit dem Wasserschlauch, während die Mama in der Hollywoodschaukel in einem Buch schmökerte.

Pankraz Burger, der Senior und alte Landarzt, war mit dem Familienhund Poldi, einem vorwitzigen Rauhaardackel, Gassi gegangen, und Nachbarskatze Minka versuchte sich unter den Büschen im Mäusefangen, was ihr aber nicht so recht gelingen wollte.

Aus dem offenen Küchenfenster war das Scheppern von Geschirr zu vernehmen. Die Bachhuber-Zenzi, seit über vierzig Jahren die gute Seele im Doktorhaus, kümmerte sich bereits um den Kaffee. Dabei hatte sie die Küche gerade erst vom Mittagstisch aufgeräumt. Aber die Dreiundsechzigjährige hatte Hummeln im Hintern und konnte nie lange stillsitzen.

Martin Burger schmunzelte in sich hinein. Die Harmonie in der Familie war seine Kraftquelle.

Zufrieden ließ er sich wieder ins Kissen sinken, ohne zu ahnen, dass seiner großen Tochter der Schalk im Nacken saß. Tessa füllte die Gießkanne von Laura mit dem eiskalten Wasser aus dem Schlauch. Dann animierte sie die kleine Schwester, dem Vater eine Dusche zu verpassen.

Laura goss leidenschaftlich gern Blumen, also machte sie sich eifrig daran, den von der Sonne erhitzten Rücken des ahnungslosen Papas mit ihrer Gießkanne zu bearbeiten.

Mit einem Schreckensruf, der das dickfälligste Murmeltier aus dem Tiefschlaf reißen würde, schoss der Arzt von seinem Platz hoch und schüttelte sich wie ein nasser Hund. Sabine und die Kinder wollten sich vor Lachen ausschütten, als sich unvermittelt eine tiefe Bassstimme daruntermischte und bei Dr. Burger sämtliche Synapsen anspringen ließ.

Verdutzt starrte er den groß gewachsenen Mann an, der in der Terrassentür stand und diese mit seiner gewaltigen Statur fast ausfüllte.

Die Zenzi hatte den Besucher eingelassen, und Martin konnte kaum glauben, wen er da sah: Professor Dr. Alexander Sailer, einen ehemaligen Studienkollegen und sehr guten Freund.

Inzwischen war der Professor eine anerkannte Koryphäe auf dem Gebiet der Hirnchirurgie und leitete eine Klinik in Salzburg, die sich hauptsächlich auf Erkrankungen und Verletzungen des Gehirns spezialisiert hatte. Es war ein Wunder, dass sich der Junggeselle, der mit seinem Beruf verheiratet war, von seiner Klinik losgeeist hatte, um dem abgeschiedenen Zillertaler Bergdorf St. Christoph einen Besuch abzustatten.

»Wo kommst du denn so plötzlich her, Alex?«, stieß Martin verwirrt hervor, als er seine Sprache wiederfand.

Der Besucher grinste und spreizte die gewaltigen Hände.

»Entschuldigt, wenn ich euren geruhsamen Nachmittag störe. Aber ich dachte, ich sag mal Hallo, bevor du noch gänzlich dem süßen Nichtstun verfällst, Martin. Hab dich vom Gartenzaun aus beobachtet.« Er schüttelte in gespieltem Tadel den Kopf. »Der Mann räkelt sich träge im Liegestuhl, statt seinem Namen als dynamischer Bergdoktor alle Ehren zu machen.«

»Man wird älter«, konterte Dr. Burger lakonisch. Er trat näher, um den Überraschungsgast gebührend zu begrüßen.

»Das sagst gerade du«, protestierte Alexander Sailer lachend. »Schaust aus wie das blühende Leben und faselst vom Alter.« Er klopfte dem zwei Jahre jüngeren Freund so kräftig auf die Schulter, dass dieser fast in die Knie ging.

Dabei gehörte Dr. Burger mit seinen ein Meter fünfundachtzig auch nicht gerade zur Riege der Zwerge. Er war ebenfalls breitschultrig und hatte eine kräftige Gestalt. Trotzdem wirkte er gegen den Bär von einem Mann, den der Professor darstellte, beinahe wie ein Hänfling.

»Aber nun im Ernst, was treibt dich nach St. Christoph, alter Knabe?«, forderte er Aufklärung und boxte dem Freund herzhaft gegen den Arm.

»Deine Einladung«, erwiderte Alexander trocken. »Ich dachte, ich nehme dich endlich mal beim Wort, mir während einer Wandertour deine Heimat zu zeigen.«

»Aber bitte, jetzt setzen Sie sich doch«, mischte sich nun Sabine Burger ein und schob dem Gast einen Stuhl hin. Sie kannte den Freund ihres Mannes bislang nur aus Erzählungen, war ihm persönlich noch nicht begegnet.

Der Professor war noch beeindruckender als in Martins Schilderungen. Er war nicht nur enorm groß und mächtig, er strahlte einfach Kompetenz und Würde aus. Dazu umgab ihn die Aura eines gemütlichen Teddybären.

»Aber gern«, erwiderte Alexander lächelnd. Er ergriff die Hand der jungen Ärztin und hauchte charmant einen Kuss darauf. »Ich freue mich, endlich das bezaubernde ›Binchen‹ kennenzulernen, das meinem Freund neuen Lebensmut eingehaucht hat, nachdem er schon dem Trübsinn verfallen wollte.«

Wenn Martin bei Alexander in Salzburg zu Gast war, konnte er nicht genug von seiner Eheliebsten schwärmen, die ihn nach einem schweren Schicksalsschlag – seine erste Frau starb im Kindbett und hatte das Baby mit sich zu den Engeln genommen – wieder aufgebaut und zu dem glücklichen Ehemann und zufriedenen Familienvater gemacht hatte, der er heute war. Auch Sabines Kosename »Binchen« war ihm stets wie Honig über die Lippen gekommen.

Deshalb konnte Alexander nicht verstehen, warum der Freund ihm nun mit panischem Augenrollen signalisierte, einen Fehler begangen zu haben, als er dessen Gattin so salopp anredete, ohne sie zu kennen. Aber er wollte gleich eine Barriere abbauen. Außerdem fand er, »Binchen« passe wundervoll zu der jungen Frau mit dem süßen Lächeln und den lebhaften, braunen Augen, in denen goldene Tüpfelchen tanzten.

Vielleicht funkelten letztere im Moment ein wenig sehr intensiv. Trotzdem schien ihm Sabine wegen der Vertraulichkeit nicht böse zu sein, wie ihr strahlendes Lächeln zeigte. Er war nun mal ein direkter Mensch und ließ sich auch nicht verbiegen. Entweder man akzeptierte ihn, wie er war, oder man verzichtete auf seine Freundschaft.

Dr. Burger hielt die Luft an. Würde die Vorwitzigkeit des Freundes gleich für eine Diskrepanz zwischen Sabine und ihm sorgen? Sie hasste die Verniedlichung ihres Namens. Trotzdem konnte er es nicht lassen, sie gelegentlich damit zu necken, um die nachfolgende Versöhnung in Form eines süßen Kusses zu genießen.

Nun würde sie ihm sicher verübeln, diese Intimität mit einem Fremden geteilt zu haben, der dies nun auch noch ausnutzte, um sich bei ihr einzuschmeicheln. Aber – o Wunder! – Sabine strahlte wie ein Honigkuchenpferd und hieß Alexander so herzlich willkommen, als wären sie schon die besten Freunde. Teddybär müsste man sein!

»Um auf deine Frage zurückzukommen, Martin …«, holte der Professor den Freund aus seinen Gedanken. »Ich bin auf Geheiß meines Arztes hier. Er hat mich zum Ausspannen verdonnert, weil meine Pumpe in letzter Zeit ein paar Schwierigkeiten macht.« Er legte die Hand auf sein Herz, während er zerknirscht fortfuhr: »Natürlich müsste ich mein Gewicht reduzieren und für mehr Bewegung sorgen. Aber ich bin nun mal von Natur aus ein behäbiger Mensch und kann kulinarischen Verführungen nur schwer widerstehen.«

Er seufzte theatralisch. Dann feixte er und rieb vergnügt seine Hände. »Also habe ich gedacht, eine Woche Wandern im Zillertal wäre genau das Richtige für mich. Natürlich ganz gemütlich, wie es meiner Statur angemessen ist, und mit genügend Pausen auf den diversen Almhütten.«

Er zwinkerte dem Freund verschwörerisch zu.

***

»Warum hast du dein Kommen denn net angekündigt?«, tadelte Martin kopfschüttelnd. »Ich hätte mir doch für dich Zeit genommen. Aber so kurzfristig …« Er brach ab und hob resigniert die Schultern.

In der Praxis war schon seit Tagen die Hölle los. Eine Virusinfektion hatte so ziemlich die Hälfte der Einwohner von St. Christoph und Umgebung fest im Griff. Die hustenden und schniefenden Patienten gaben sich die Klinke in die Hand.

»Ich wusste bis gestern selbst nicht, ob ich dem Rat meines Arztes folgen sollte, denn ich glaubte, in der Klinik nicht abkömmlich zu sein«, erwiderte Alexander Sailer zerknirscht. »Aber dann spürte ich wieder dieses sonderbare Stechen in der Herzgegend und habe alle Termine abgesagt. Tja, nun bin ich hier.« Er grinste schief.

»Zenzi, richte doch bitte das Gästezimmer her«, wandte sich Sabine an die Wirtschafterin, die gerade den Kaffee servierte.

Doch der Professor hob abwehrend die Hände.

»Oh nein, vielen Dank! Niemals würde ich mich erdreisten, hier so einfach hereinzuplatzen und auch noch auf Quartier zu hoffen. Ich habe mich bereits im Berghotel ›Am Sonnenhang‹ eingemietet, hatte Glück, es wurde gerade eine Suite frei.« Er lächelte entschuldigend. »Ich brauche meinen Platz, fühle mich in kleinen Zimmern eingeengt. Außerdem wollte ich euch wirklich nicht über Gebühr zur Last fallen.«

»Das wärst du schon net«, entgegnete Dr. Burger entschieden. »In Zukunft klopfst du auch erst mal bei uns an, bevor du dich ins Hotel begibst. Unser Gästezimmer ist keine winzige Kammer, sondern ein Appartement mit Dusche und großem Giebelfenster. Wir haben das Dachgeschoss für die Kinder ausbauen lassen, wenn sie mal älter sind. Tessa würde das Zimmer zwar am liebsten gleich beziehen, aber erst muss unser Wildfang noch ein bisserl ernsthafter werden. – Net wahr, Schneckerl?«

Neckend stupste er seine Tochter an die Nase, die ihren Spitznamen den dunklen Locken verdankte, die sich wie kleine Schnecken um ihren Kopf wanden.

Tessa zog einen Flunsch. »Ich bin aber kein kleines Madel mehr«, protestierte sie und reckte stolz ihre Gestalt.

»Kleines Madel«, wiederholte Laura kichernd und erklomm ungeniert den Schoß des Professors, der sie lachend an sich drückte.

Martin stieß verdutzt die Luft aus. »Ich muss wohl aufpassen, dass du mir in der Familie net den Rang abläufst«, scherzte er in gespielter Entrüstung. »Die holde Weiblichkeit steht offenbar auf gemütliche Bären.« Er grinste.

Selbst in der Studentenzeit war der Freund, dessen kräftige Statur und das rötlich schimmernde Haar sowie der sorgsam gestutzte Backenbart, an dem Laura gerade fasziniert herumzupfte, an einen Wikinger erinnerte, von den Kommilitoninnen angeschmachtet worden.

Bevor Alexander Sailer einen passenden Kommentar loswerden konnte, kam Dr. Pankraz Burger, mit einem sichtlich verdrossenen Poldi im Schlepptau, über den Gartenweg daher. Offenbar war dem Hund der Spaziergang nicht lang genug gewesen, doch dem alten Arzt schmerzte wieder sein rechter Knöchel, den er sich vor Jahren gebrochen hatte und der nur schlecht verheilt war.

»Hat euch der Kaffeeduft heimgelockt, Pankraz?«, frotzelte Zenzi, die ihrem Brotherrn schon lang mehr Freundin als Bedienstete war.

»Das und euer fröhliches Gelächter, das man über fünf Ecken hört«, erwiderte der Senior lakonisch.

Professor Alexander Sailer verdrehte reumütig die Augen. Er wusste, dass sein Organ über Meilen zu hören war. Doch Pankraz lachte nur und reichte dem Besucher die Hand. Er kannte ihn schon länger und war einmal Gast in dessen Haus gewesen. Als er vor ein paar Jahren seinen lädierten Knöchel von einem Heilpraktiker in Salzburg therapieren ließ, hatte ihm der Professor während der Dauer der Behandlung in seiner Villa Quartier geboten.

»Es geschehen noch Zeichen und Wunder«, sagte er und schüttelte dem Besuch erfreut die Hand. »Ich hätte nie gedacht, dass ich mal die Ehre haben würde, dich in unserem bescheidenen Heim willkommen zu heißen, Alexander.«

»Bevor du dich noch vor den endlosen Diskussionen fürchtest, in die ich dich verwickeln könnte, lieber Pankraz, kann ich dich beruhigen«, erwiderte der Professor schmunzelnd. »Ich habe schon im ›Sonnenhang‹ Unterschlupf gefunden.« Er wandte sich erklärend an Sabine. »Ich schwadroniere für mein Leben gern und bin Ihrem Schwiegervater wohl mit meinen wissenschaftlichen Ergüssen gehörig auf die Nerven gegangen, als er damals bei mir wohnte.«

»Ich habe unsere Gespräche sehr geschätzt«, widersprach Pankraz und zog sich einen Stuhl bei. »Aber ich habe auch den vorzüglichen Wein genossen, den du abends kredenzt hast, Alexander. Ich entschuldige mich dafür, wenn ich den Eindruck erweckte, deinen Ausführungen net gebührend gefolgt zu sein. Doch der Geist des Weines hatte mich wohl manchmal etwas mehr gefangen genommen als der Geist der Wissenschaft.« Er grinste breit. Mit dem Professor konnte man wunderbar Klartext reden. Er nahm nie etwas krumm.

Er beugte sich vor und erkundigte sich neugierig: »Was treibt dich nun in unsere beschauliche Gegend? Hast du genug vom Smog der Großstadt?«

Das war natürlich übertrieben. Die Villa des Professors lag auf einem Hügel in einer Randregion von Salzburg mit einem traumhaften Blick über die Mozartstadt.

Mit wenigen Worten informierte Alexander den alten Landarzt über den Grund seines Urlaubs. Er entschuldigte sich nochmals für den Überfall und versicherte, Martin nicht über Gebühr zu beanspruchen.

»Aber natürlich wird dich der Bub bei deinen Ausflügen begleiten, Alexander«, widersprach Pankraz energisch. »Meine Schwiegertochter und ich übernehmen unterdessen die Sprechstunde. Net wahr, Sabine?«

»Das wollte ich selbst schon vorschlagen«, stimmte die junge Ärztin sofort zu.

Sie war Fachärztin für Anästhesie und ihrem Mann sowohl in der Praxis als auch in der »Mini-Klinik« eine unentbehrliche Hilfe. Diese liebevolle Bezeichnung hatte die medizinische Einrichtung mit voll ausgestattetem OP, Labor und Röntgenraum dem Volksmund zu verdanken. Die Einwohner des abgeschiedenen Hochtals waren dankbar für die optimale medizinische Versorgung, die besonders in schneereichen Wintern ein Segen war. Nach St. Christoph führte nur eine einzige kurvenreiche Bergstraße von Mayrhofen herauf.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten war auch Sabine von den Bewohnern des Hochtals längst als Ärztin akzeptiert worden. Es gab nur noch wenige kauzige Bergbauern, die die Behandlung durch eine Frau verweigerten. Doch diese verwies sie an den Schwiegervater, der trotz seiner siebenundsiebzig Jahre noch rüstig war und gern hin und wieder Praxisluft schnupperte.

Martin wollte widersprechen, doch sein Vater erstickte den Protest mit einer energischen Handbewegung.

»Wird ohnehin Zeit, dass du mal ausspannst, Bub. Die letzten Wochen bist du kaum noch aus der Praxis rausgekommen. Außerdem bin ich ganz gern mal wieder der ›Bergdoktor‹. Sonst roste ich noch gänzlich ein. Die trockene Studie der medizinischen Fachzeitschriften reicht net immer aus, um die Gehirnzellen fitzuhalten. Da braucht’s schon auch ein bisserl Praxis und die Patienten mit ihren vielfältigen Beschwerden und Fachausdrücken, die manchmal so utopisch sind, dass man sich wundert, in welchem verborgenen Winkel des Internets diese wohl ausgegraben wurden.«