Der Bergpfarrer 427 – Heimatroman - Toni Waidacher - E-Book

Der Bergpfarrer 427 – Heimatroman E-Book

Toni Waidacher

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Beschreibung

Mit dem Bergpfarrer hat der bekannte Heimatromanautor Toni Waidacher einen wahrhaft unverwechselbaren Charakter geschaffen. Die Romanserie läuft seit über 10 Jahren, hat sich in ihren Themen stets weiterentwickelt und ist interessant für Jung und Alt! Unter anderem gingen auch mehrere Spielfilme im ZDF mit Millionen Zuschauern daraus hervor. "Willkommen in St. Johann, Herr Arnold." Alexander Arnold erwiderte das Lächeln der feschen jungen Dame an der Hotel-Rezeption. Seine Laune konnte kaum besser sein: Zwei Wochen Urlaub in St. Johann lagen vor ihm – im besten Hotel vor Ort. Alles im Hotel "Zum Löwen" zeugte von Eleganz und versprach Entspannung pur. Genau das war es, was er jetzt dringend brauchte. "Sind Sie beruflich hier?", fragte die junge Frau hinter dem Empfangstresen. "Um Gottes Willen, nein", wehrte Alexander lachend ab. "Ich bin Architekt und was ich bisher von St. Johann gesehen hab, gefällt mir sehr. Da braucht's mich also net." Die schwarzhaarige Schönheit warf dem attraktiven Endzwanziger einen interessierten Blick zu und lächelte. Alexander kannte das, es lag sowohl an seinem Beruf, als auch an seinem Äußeren. Der Architekt richtete sich zu seiner vollen Größe auf, bevor er weiter sprach: "Ziemlich überarbeitet bin ich auch. Mein Geschäftspartner hat mir auf den Kopf zugesagt, dass er mich so net gebrauchen kann. Das hat er jetzt davon: Nun muss meine Firma eben ohne mich auskommen."

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Der Bergpfarrer ab 375 – 427–

Ein Mann zum Verlieben

Kann Alexanders Herz nur einer Frau gehören?

Toni Waidacher

»Willkommen in St. Johann, Herr Arnold.«

Alexander Arnold erwiderte das Lächeln der feschen jungen Dame an der Hotel-Rezeption. Seine Laune konnte kaum besser sein: Zwei Wochen Urlaub in St. Johann lagen vor ihm – im besten Hotel vor Ort. Alles im Hotel »Zum Löwen« zeugte von Eleganz und versprach Entspannung pur. Genau das war es, was er jetzt dringend brauchte.

»Sind Sie beruflich hier?«, fragte die junge Frau hinter dem Empfangstresen.

»Um Gottes Willen, nein«, wehrte Alexander lachend ab. »Ich bin Architekt und was ich bisher von St. Johann gesehen hab, gefällt mir sehr. Da braucht’s mich also net.«

Die schwarzhaarige Schönheit warf dem attraktiven Endzwanziger einen interessierten Blick zu und lächelte.

Alexander kannte das, es lag sowohl an seinem Beruf, als auch an seinem Äußeren. Der Architekt richtete sich zu seiner vollen Größe auf, bevor er weiter sprach: »Ziemlich überarbeitet bin ich auch. Mein Geschäftspartner hat mir auf den Kopf zugesagt, dass er mich so net gebrauchen kann. Das hat er jetzt davon: Nun muss meine Firma eben ohne mich auskommen.«

»Ihre Firma …« Die dunkelhaarige Rezeptionistin erlaubte sich ein weiteres Lächeln.

Es sah entzückend aus. Ihre Augen aber faszinierten ihn noch mehr. Darin stand ein Funkeln, das ihm verriet, dass sich hinter dem charmanten Äußeren etwas Wildes verbarg. Sie erinnerte ihn an eine Raubkatze auf der Jagd. Alexander Arnold fand sie höchst interessant.

Beiläufig fragte er: »Können Sie mir vielleicht Tipps geben, was ich in St. Johann unternehmen kann?«

»Selbstverständlich«, sagte sie. »Worauf legen Sie denn Wert?«

»Zunächst einmal will ich mich entspannen«, antwortete Alex. »Das heißt: ein bisschen wandern. Allerdings will ich es net übertreiben, es soll ja net in Arbeit ausarten. Dann will ich gut speisen, und gegen Tanzvergügen hab ich auch nichts. Spaß will ich haben, darauf kommt es an.« Er blickte ihr tief in die Augen.

»Verstehe«, hauchte sie.

Alex schaute tiefer, zu dem Namensschild an ihrem Arbeitsplatz. »Clara Henschke«, las er darauf. Er überlegte gerade, wie er unverfänglich fragen konnte, wann sie Feierabend hatte. Da unterbrach eine sonore Stimme seine Gedanken.

»Kommen Sie zurecht, Frau Henschke?«

»Natürlich, Herr Reisinger«, sagte Clara Henschke eilig. »Ich wollte dem Herren soeben die Freizeitmöglichkeiten vor Ort erläutern.«

Alexander musterte den Mann, der nun aus dem Hintergrund zu ihnen an den Empfangstresen herantrat. Er hatte eine stattliche Figur, war mittleren Alters und strahlte Autorität aus. Bestimmt war es Claras Vorgesetzter.

Sepp Reisinger nickte ihm freundlich zu, bevor er das Gespräch wie selbstverständlich weiterführte: »Da hätten wir zunächst die etwas leichteren Touren, hinauf in den Ainringer Forst. Dort finden Sie herrliche stille Plätze, mitten im Wald, oder auf einer Lichtung, mit Blick auf St. Johann. Oder Sie unternehmen eine Tour zu einer der Almen. Die Lärchen-Alm ist net ganz so weit weg, ebenso wie die Streusach-Hütte. Wollen Sie aber zur Kanderer-Alm, müssen S’ früh aufstehen, Herr Arnold.« Der Hotelier warf Alexander einen kurzen Blick zu, als schätze er dessen persönliche Fitness ein. »Der Weg dort hinauf dürfte für Sie kein Problem sein. Und die Senner auf den Almen leben sehr ursprünglich und traditionell, darum sind sie immer einen Besuch wert. Unterwegs passieren Sie eine Vielzahl an Naturschauspielen, die einzigartig sind und die Beliebtheit von St. Johann ausmachen: Kachlachklamm und Höllenbruch, sowie die Hohe Riest, um nur die wichtigsten zu nennen. Wenn Sie dazu mehr wissen wollen, fragen Sie uns oder sehen Sie sich die Prospekte hier an.« Der Hotelbesitzer griff zum Aufsteller auf dem Tresen und reichte Alex diverse bunte Flyer hinüber. Reisinger stutzte, dann bat er ihn zu warten und eilte ins Hinterzimmer.

Clara zuckte leicht mit den Schultern, bevor sie sich nach allen Seiten umsah. Dann lehnte sie sich ein wenig nach vorn und flüsterte: »Ich bin neu hier. Und er ist der Hotelchef. Sie verstehen …?«

Alex roch einen Hauch von ihrem Parfum. Ihr Lächeln raubte ihm den Atem.

Der Hotelchef hielt einen weiteren Prospekt in der Hand, als er zurückkehrte. »Das hier hatte ich gesucht", rief er und reichte Alexander Arnold den bunten Zettel. »Warum liegen die net am Tresen aus, Frau Henschke?«

Die junge Rezeptionistin presste unmerklich die Lippen zusammen, bevor sie antwortete: »Es tut mir leid. Ich werde die Info-Zettel sofort nachlegen, Herr Reisinger.«

»Sehr gut, tun Sie das.« Der Hotelier nickte zufrieden.

Alexander überflog den Zettel. »Tanzvergnügen Open End«, las er. »Großer Saal – jeden Samstag – direkt hier im Hotel.«

»Sie sind herzlich eingeladen«, sagte Sepp Reisinger noch, dann sah er zur Tür, wo soeben eine größere Gruppe Reisender hereinströmte. »Ah, die Italiener sind da. Übernehmen Sie das bitte, Frau Henschke? Ich packe natürlich mit an.«

»Net nötig, Herr Reisinger«, versetzte die junge Frau. »Das mache ich schon.« Unverzüglich begann sie, die neuen Gäste zu begrüßen und die Formalitäten abzuwickeln, während Sepp Reisinger wieder im Hinterzimmer verschwand.

Mit leichtem Bedauern griff Alexander nach den Prospekten und räumte den Platz am Empfang.

Vom Lift aus warf er einen kurzen Blick zurück. Im selben Moment blickte auch Clara auf. Während ihre Blicke sich trafen, lächelte sie.

*

Im Hotelzimmer angekommen, gab Alex dem Hoteldiener ein üppiges Trinkgeld. Dann trat er auf seinen Balkon und ließ den Blick über das Panorama schweifen, das sich vor ihm ausbreitete.

Es war atemberaubend. St. Johann lag am Fuß der Alpen, im Wachnertal, so viel wusste er schon.

Begrenzt wurde das Tal von massiven Bergen, deren Gipfel auch jetzt im Sommer nie ganz frei von Schnee waren. Besonders auffällig waren die sogenannten Zwillingsgipfel: Himmelsspitz und Wintermaid schienen direkt am Himmel zu kratzen, so hoch ragten sie auf. Bei klarem Wetter, so wie heute, konnte man sogar bis zum österreichischen Kogler blicken.

Alex stand ganz still, während er einfach nur staunte. Zwar hatte er voller Vorfreude mehrere Reiseführer gewälzt. Doch es war etwas ganz anderes, wirklich hier zu sein. Er sog tief die klare Luft ein, und genoss die Sonne, die auf ihn herabstrahlte. Mit einem Mal fühlte er sich leicht und frei. Hier konnte er nach Herzenslust wandern, sich im Ort herumtreiben, auf einer Terrasse in der Sonne sitzen … Dann schoss ihm die Erinnerung an diese attraktive und charmante Rezeptionistin durch den Kopf.

Er schmunzelte, es würde ein interessanter Urlaub werden, da war er sicher.

Endlich warf er einen Blick auf die Uhr. Die Fahrt hierher war schneller gegangen, als er gedacht hatte. Es zog ihn hinaus, er wollte die herrliche Zeit von der ersten Sekunde an zu nutzen.

Alex packte seinen Koffer aus, zog ein frisches T-Shirt an und warf einen Blick in den kleinen Spiegel, der neben der Tür an der Wand hing. Unbekümmert grinste er seinem Spiegelbild zu, nickte zufrieden, dann griff er nach seiner Jacke und lief aus dem Zimmer.

Sein Plan für diesen ersten Urlaubstag war einfach: Es gab keinen Plan! Er würde lediglich ein wenig herumspazieren, vielleicht in den nahen Wald. Er würde sich einfach treiben lassen und seine Unbeschwertheit genießen.

In der Hotelhalle sah er sich um. Reisinger, der Hotelchef, war nirgendwo zu sehen. Doch Clara Henschke stand mit einer Kollegin hinter der Rezeption. Jetzt, am späten Vormittag, schien der Ansturm nachgelassen zu haben, und die beiden unterhielten sich leise.

Als Clara ihn erblickte, leuchtete etwas in ihren dunklen Augen auf.

Alex neigte leicht den Kopf, hob die Augenbrauen und warf ihr ein Lächeln hin. Er wollte schon an die Rezeption treten, da spurtete ein älterer Mann mit großem Leibesumfang an ihm vorbei, er drängte an den Tresen und nahm ausgerechnet Clara in Beschlag.

»Moser ist mein Name«, rief er laut. »Ich möchte mich beschweren, die Dusche in meinem Zimmer ist ja unmöglich …«

Unschlüssig trat Alex von einem Fuß auf den anderen, während er dem ausufernden Redeschwall des Mannes lauschte. Das würde wohl ein Weilchen dauern.

Schließlich zuckte er leicht mit den Achseln, bevor er durch die Hotelhalle zum Ausgang marschierte. Er hatte so viel Zeit – es würde sich schon noch eine Gelegenheit ergeben, mit der jungen Frau ins Gespräch zu kommen.

*

Schon seit Stunden saß Eva Gruber auf einem Klapphocker mitten im Ainringer Forst. Vor der Dreiundzwanzigjährigen stand eine Staffelei, nur wenige Schritte von einem Aussichtspunkt entfernt. In Reichweite hatte Eva im Gras eine kleine Plane ausgebreitet, darauf lagen ihre Malsachen: ein Koffer voller Pastellstifte, aber auch Lappen, Bleistifte und ein Skizzenblock.

Ihr Magen knurrte, denn seit dem Mittag hatte sie nichts mehr gegessen. Zu vertieft war sie gewesen – die mitgebrachte kleine Brotzeit ruhte unangetastet in ihrem kleinen Rucksack.

Zum Schutz gegen die Sonne trug Eva einen großen hellen Strohhut. Unter dessen Rand hervor musterte sie nun aus schmalen Augen ihr Bild. Dann schaute sie zu dem Motiv, den beiden Zwillingsgipfeln in der Ferne. Irgendetwas stimmte nicht. Doch Eva kam einfach nicht drauf, was es war.

Die Hausberge von St. Johann und die sie umgebenden Berge drum herum hatte sie gut getroffen. Auch mit den Häusern im Tal war sie zufrieden. Dennoch störte Eva irgendetwas. Zu bunt? Hatte sie eine falsche Farbe gewählt? Oder wieder einmal den Himmel zu tief angesetzt? Nachdenklich sah sie das Bild, auf dem die zarten Pastellfarben leuchteten.

Sie schob den Strohhut zurück und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Es war heiß. Zum Glück hatte sie ein leichtes Sommerkleid angezogen, und auch die Sonnencreme nicht vergessen.

»Grüß Gott!«, ertönte da hinter ihr eine muntere Stimme. »Störe ich?«

Die junge Frau wandte sich um.

Am Rand der Lichtung stand ein junger Mann. Mit seinen neu aussehenden Wanderstiefeln sah er aus wie ein Tourist, allerdings wie einer, der es nicht eilig hatte, nach oben in die Berge zu kommen. Ruhig ließ er seinen Blick zuerst über die Staffelei, dann über die Künstlerin schweifen.

Eva nickte ihm grüßend zu. »Aber gar net«, sagte sie freundlich. »Ich wollte sowieso gerade eine Pause einlegen.«

In den Augen des Mannes blitzte es freudig auf. »Wie schön!«, rief er.

Eva wusste nicht, auf was er sich bezog: Auf das Bild, die Pause – oder gar auf sie, Eva? Sie lächelte unverbindlich.

»Ist es gestattet, wenn ich Ihnen ein wenig Gesellschaft leiste?«, fragte er nun.

»Wie Sie möchten«, sagte sie und wies auf die kleine Lichtung. »Platz genug ist ja da …«

Sein Lächeln verstärkte sich. Als er näher trat, sah sie die winzigen Lachfältchen um seine Augen.

»Mein Name ist Alex Arnold«, sagte er, bevor er ihr die Hand gab. Unauffällig musterte sie ihn, während sie sich ebenfalls vorstellte.

Die schwarzen, vollen Haare waren sehr kurz gehalten, so dass sie seine markanten Gesichtszüge betonten. Alles an ihm strahlte Energie und Selbstbewusstsein aus. Sein Körper war kräftig, aber schlank, was durch seine einfache Jeans noch betont wurde. Sein Gesicht wirkte offen und freundlich.

»Kann man das kaufen?« Er nickte zur Staffelei hin.

Eva musste lachen. »Es ist ja noch gar net fertig«, sagte sie. »Und außerdem – es gefällt mir net.«

»Das Problem hat wohl jeder Künstler«, sagte er verständnisvoll. »Man ist nie so ganz zufrieden.«

Erstaunt sah ihn Eva an: »Machen Sie denn auch etwas mit Kunst?« Ihr Blick flog an ihm nach unten, während sie versuchte, ihn einzuschätzen.

»Wie man’s nimmt«, sagte er mit einem Schmunzeln. »Die Kunst, ein gutes Haus zu entwerfen, beherrscht net jeder.«

Eva nickte. »Das glaub ich gern«, sagte sie nur.

»Früher habe ich auch ein wenig gezeichnet«, fuhr er fort. »Zum Architekturstudium an der Uni muss man das können.«

»Sie sind Student?«, fragte sie überrascht.

Er grinste, ein spitzbübisches Lächeln, das ihr gefiel. »Sehe ich denn so jung aus?«, scherzte er.

Eva spürte, wie sie errötete. »Das hat doch damit nichts zu tun«, sagte sie leicht verlegen. »Man kann auch noch studieren, wenn man ein bisschen älter ist. Ich zum Beispiel werde net die Jüngste sein, sollte die Kunsthochschule mich nehmen.«

Alexander betrachtete sie aufmerksam. »Sie wollen an die Kunsthochschule? Die in München?« Seine warmen braunen Augen ruhten auf ihr.

Sie nickte.

»Alle Achtung!«, rief er aus. »Ein Freund von mir hat es dort mehrmals versucht. Die sind sehr wählerisch, müssen Sie wissen.« Dann biss er sich auf die Lippen. »Wobei Sie natürlich Talent haben, das sieht man. Entschuldigen Sie, ich wollte Sie net entmutigen.«

Eva bemühte sich um ein Lächeln, was ihr nur halb gelang. »Manchmal denke ich auch, dass es vermessen ist, darauf zu hoffen«, sagte sie langsam. »Vielleicht sollte ich lieber den Rest meines Lebens Kellnerin bleiben, das kann ich wenigstens. Aber dann sitze ich wieder einmal hier und es macht mir so viel Freude … Normalerweise gelingt es mir auch gut.« Nach einem raschen Blick auf das unselige Bild setzte sie hastig hinzu: »Viel besser, als dies hier.«

Alex näherte sich der Staffelei und betrachtete, was sie gemalt hatte. »Also mir gefällt es«, sagte er dann. »Ernsthaft – ich weiß net, was Sie daran auszusetzen haben. Vielleicht stellen Sie zu hohe Ansprüche an sich.«

Erneut traf sie ein tiefer Blick aus seinen Augen, und ihr schien, als ginge er ihr durch und durch.

Er schien ihre Verlegenheit zu spüren, denn sanft fügte er hinzu: »Nun, ich kann mir kein Urteil erlauben, solange ich Ihre anderen Gemälde net kenne.« Ein kurzes Zögern, dann fuhr er fort: »Könnte ich mir die Bilder vielleicht einmal ansehen? Zu Vergleichszwecken, versteht sich.« Wieder erhellte ein Lächeln sein Gesicht. Diesmal wirkte es auf eine liebenswerte Art frech.

Eva musste sich zwingen, ernst zu bleiben. »Können Sie net«, gab sie zurück. »Die stehen nämlich bei meinen Eltern auf dem Dachboden. Und dieser Dachboden ist net öffentlich zugänglich.«

»Wie schade«, sagte er. Es klang aufrichtig enttäuscht. Scherzhaft setzte er hinzu: »Ich zahle auch Eintritt …« Seine Worte wurden begleitet von einem Zwinkern.

Eva kannte diese Art Männer. Siegesgewiss und routiniert flirtete man mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Es war nichts als ein Spiel. Sie spürte einen leichten Stich der Enttäuschung. Lief es denn immer nur darauf hinaus?

Demonstrativ begann sie zusammenzupacken. Sie sammelte ihre Malutensilien ein, steckte die Stifte zurück in das Etui, schloss den Koffer, rollte die Plane ein und nahm vorsichtig das Bild von der Staffelei. »Das Licht ist jetzt sowieso net mehr richtig«, sagte sie auf seinen erstaunten Blick hin.

Doch dann überraschte er sie. Anstatt gekränkt zu sein, griff er nach der Staffelei und klappte sie gekonnt zusammen. »Ich helfe Ihnen«, sagte er einfach. »Den Weg hinunter würde ich Sie gern begleiten, das Ding hier ist schwer. Wenn Sie nichts dagegen haben, meine ich.«

Unschlüssig betrachtete Eva den vor ihr liegenden Wanderweg. Warum sollte sie sich nicht ein bisschen helfen lassen? Sie würde sich noch oft genug alleine mit der Staffelei abschleppen.

»Na schön«, seufzte sie endlich. »Gehen wir.«

*

Alex bemühte sich sehr, die junge Künstlerin nicht allzu auffällig anzustarren. Leichtfüßig lief sie neben ihm her, den Blick abwesend in die Ferne gerichtet, als suche sie unablässig nach weiteren Motiven für ihre Arbeit.

Eine schöne Abfuhr hatte sie ihm da gerade erteilt! Dabei hatte er sich wirklich bemüht, ihr Interesse zu wecken. Als er sie eben erblickt hatte, war er zunächst wie erstarrt dagestanden.

Ihre Schönheit war zeitlos. Die blonden Locken lagen über ihrer Stirn wie eine glänzende Krone, die weibliche Figur schmiegte sich ins Gras wie die eines jungen Rehs. Und als sie ihm ihr Gesicht zugewandt hatte, sah er in hellgrüne Augen.