Der blaue Kombi - Peter Eggedorfer - E-Book

Der blaue Kombi E-Book

Peter Eggedorfer

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Beschreibung

Es ist Sonntag und über dem kleinen Dorf Holbrexen geht ein gediegener Landregen hernieder. Nichts deutet auf etwas Außergewöhnliches hin. Doch dann tauchen unvermittelt Polizeiwagen auf und halten vor einem Haus mitten im Dorf. Ein schreckliches Gerücht macht bald die Runde: Eine alleinstehende Witwe sei überfallen und ermordet worden. Niemand scheint etwas gehört oder gesehen zu haben. Und das ist ungewöhnlich, wo man ansonsten doch so ziemlich alles mitbekommt, was in Holbrexen passiert. Oberkommissar Hegenkamp nimmt die Ermittlungen auf und kommt gut voran. Eine Zeugin hat zur Tatzeit einen blauen Kombi vor dem Haus der Toten gesehen

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Seitenzahl: 120

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Holbrexen liegt etwas abseits im Höxterer Land, etwa zwischen Ottbergen und Brakel. Das im Jahr 632 erstmals urkundlich erwähnte Dorf hat heute etwa siebenhundert Einwohner. Das sind ziemlich genau so viele, wie gegen Ende des 16. Jahrhunderts, gegen Mitte des 17. und während des gesamten 18. und 19. Jahrhunderts. Das Dorf verfügt über einen Briefkasten, das Nebenerwerbsgasthaus ‚Dorfkrug’ am historischen Dorfanger und - um ihn herum - jede Menge malerische Fachwerkhäuser. Früher waren dies aktiv bewirtschaftete Bauernhöfe oder Kleingewerbebetriebe gewesen, aber inzwischen gibt es nur noch zwei Landwirte im Ort. Die gewerbliche Infrastruktur reduziert sich auf einen Dorfladen, der neben dem Gasthaus liegt und von der Gastwirtin Anna Dörichen mit betrieben wird. Bei den Einheimischen heißt sie kurz ‚Änne’. Ihr Mann Gerd hatte schon vor Jahren seinen eigenen Arbeitsplatz im Dorfgasthaus wegrationalisiert und arbeitet, wie viele Männer, in Brakel. Sicherlich wäre es für die Bewohner von Holbrexen unter mittelfristiger Betrachtung sinnvoller gewesen, in Brakel ein Haus zu bauen und umzuziehen. Aber das Heimatgefühl in diesem lieblichen Landstrich nahe der Weser ist sehr stark ausgeprägt. Und wer die leicht wellige Landschaft, in der sich Wiesen, Felder und Wälder abwechseln, kennt, versteht das. Ausschlaggebender ist sicherlich, dass die meisten Häuser den Bewohnern vererbt wurden und auf diese Weise kostenlosen Wohnraum bieten.

Im Sommer wird dieses kleine Paradies mitten in Deutschland auch zunehmend von Wanderern entdeckt, meist älteren Paaren oder Gruppen, die sich ‚bei Änne’ einquartieren und tagsüber durch die Gegend streifen. Die Gegend ist – wie schon angedeutet – seniorengerecht, das Klima ausgeglichen und die Küche deftig und ohne jenen neumodischen Firlefanz, der zwar nett auf dem Teller aussieht aber letztlich doch nicht satt macht.

Auch andere Paare genießen die Ruhe des Ortes – allerdings aus etwas anderen Gründen. Der ‘Dorfkrug’ hat sich im Laufe der Jahre den Ruf eines diskreten Hotels erarbeitet, das wenig Wert auf die wirklichen Personalien seiner Gäste legt. Wann immer Paare verschiedenen oder gleichen Geschlechts das Bedürfnis verspüren, mal ganz für sich zu sein, reift nicht selten die Idee zu einem Abstecher in den ‚Dorfkrug’. Hier werden keine Meldezettel ausgefüllt, hier quietschen die Matratzen der Betten nicht und hier hört man auch nichts aus den Nebenzimmern, falls es dort bereits am frühen Nachmittag zu etwas lauteren Betätigungen käme. Ganz wichtig sind auch die Parkmöglichkeiten in einer ehemaligen Scheune, die nur durch die Nebenstraße erreicht werden kann. Wer die Örtlichkeiten kennt, parkt also nicht vor dem Haus, sondern fährt gleich direkt in die Nebenstraße und in die Scheune, und ist auf diese Weise vor neugierigen Blicken sicher. Dieser angenehme Service spricht sich mit der Zeit rum.

Der eigentliche Clou des Gasthauses ist aber der Dorfladen, der sich perfekt auf die Wünsche dieser Übernachtungsgäste eingestellt hat, selbst wenn sie bereits nach wenigen Stunden wieder abreisen wollten. Das kleine Geschäft verfügt über diverse hochwertige Champagner oder Weine, und auch für den kleinen Hunger zwischendurch können Leckereien diskret auf das Zimmer geliefert werden. Natürlich auch jene Utensilien für den Genuss ohne Reue. Sie sind vorrätig in allen denkbaren Farben, Geschmäckern und Größen und werden nicht extra berechnet, sofern sie in haushaltsüblichen Mengen abgerufen werden. Aber über so etwas spricht man nicht in Holbrexen.

Die Zeiten, in denen im ‚Dorfkrug’ der sonntägliche Frühschoppen ein solider Umsatzbringer war, sind schon lange vorbei. Dieses Geschäft brach weg, als die katholische Dorfkirche ihren sonntäglichen Dienst einstellte, weil der letzte Pfarrer in Pension ging. Zunächst wurde die Kirche von der Nachbargemeinde in Henzten mitbetreut, aber jener Pfarrer gab seinen Dienst auf, als die Frau, mit der er sich in regelmäßigen Abständen Zweisamkeit wünschte, Dreisamkeit wünschte. Zur eigenen Überraschung stellte die gläubige Dorfgemeinschaft fest, dass es sich in Holbrexen auch ohne den sonntäglichen Gottesdienst prima leben ließ. Anfangs vermissten besonders die Witwen den wöchentlichen Gang in die Kirche, da man anschließend häufig noch länger zusammenstand und sich über das Leben im Dorf austauschte. Schließlich organisierte die Kirchengemeinde einen wöchentlichen Altennachmittag im ‚Dorfkrug’. Die Damen konnten so wetterunabhängig und bei einer leckeren Tasse Kaffee und einem glutenfreien Stück Kuchen den Sonntagstratsch nachholen. Die Umsätze, die Änne am Mittwochnachmittag erlöste, machten allerdings nicht annähernd die Umsätze wett, die durch den nun fehlenden sonntäglichen Frühschoppen der Bier trinkenden Herren verloren gingen und reichten nicht ansatzweise an das heran, was die Übernachtungsgäste konsumierten.

***

Emmi hatte diese Entwicklungen alle aus nächster Nähe miterlebt. Sie wurde Anfang der fünfziger Jahre hier geboren. Das Höxterer Land war im Krieg von den Alliierten irgendwie vergessen worden. Zwar war Ottbergen ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt gewesen, an dem sich die Strecke aus dem Ruhrgebiet nach Kreiensen und Northeim teilte. Aber dennoch verzichteten die alliierten Luftwaffen darauf, die Dörfer und Städte dieser Gegend zu bombardieren. Und da die Landwirtschaft voll funktionsfähig blieb, hatte man auch in den Hungerjahren immer genug zu essen.

Emmi heiratete Anfang der siebziger Jahre einen Mann, der viele Jahre lang als Dorffriseur tätig war und auch Generationen junger Friseusen sehr einfühlsam ausbildete. Vor zehn Jahren erkrankte er an Lungenkrebs und starb schließlich nach langem Leiden. Das traf sich insofern gut, als das Geschäft in den letzten Jahren merklich nachgelassen hatte. Am Schluss arbeitete ihr Karl ganz allein, und daher eher lustlos, im Salon und konnte nur noch Herrenschnitte anbieten. Die Natur kam also mit ihrer Entscheidung, Emmis Gatten von der Bühne des Lebens abzuräumen, zu einem akzeptablen Augenblick. Emmi erbte das vollständig abbezahlte Haus an der Hauptstraße und überlegte lange, ob sie es verkaufen sollte. Ihre Tochter, die bereits vor der Hochzeit erfolgreich gezeugt worden war, wohnte jetzt in Paderborn und ihr Sohn, der nach einem Jahr Ehe folgte, in Bielefeld. Aber der Gedanke, in eine dieser großen Städte zu ziehen und ihre nicht immer unbeschwerte Vergangenheit hier zurück zu lassen, machte sie doch recht traurig. Sie kam alleine gut zurecht und liebte die Ruhe im Ort und die Gemeinschaft mit den anderen Menschen um sie herum, mit denen sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht hatte. Schließlich kannte man sich größtenteils seit der Kindheit.

So waren Emmis Tage seit dem Beginn ihrer Witwenschaft ruhig und geregelt: auch die Samstage. Gewöhnlich fuhr sie mit dem Bus nach Brakel, kaufte im Supermarkt ein, trank einen Kaffee in ihrer Lieblings-Bäckerei, traf immer jemanden für eine kurzweilige Unterhaltung und kehrte am Nachmittag mit dem Bus nach Holbrexen zurück. Ihren sechzigsten Geburtstag feierte sie etwas größer im ‘Dorfkrug’. Das nächste Jubiläum würde erst wieder der Siebzigste werden, wenn die Gesundheit weiterhin mitspielte. Das war noch erfreulich lange hin.

An jenem Samstag, im September, war ihr Leben auch nicht anders als sonst. Vormittags war sie in Brakel zum Einkaufen gewesen. Nach einem Mittagsschläfchen ging sie in ihren liebevoll gepflegten, bunten Küchengarten, um das Unkraut bei seiner Vermehrung zu stören, und schnackte mit den Nachbarn über den Zaun hinweg.

Die meisten ihrer Abende begann sie mit der ‚Tagesschau’ und einem Eierlikör. Am liebsten schlief sie bei ‚Wetten dass….’ ein, einer Sendung, die zweifellos für die jungen Leute gemacht war. Irgendwann nach Mitternacht wachte sie dann auf, machte das Fernsehen aus, trank noch einen großzügig bemessenen Schlummerschluck und ging zu Bett.

Das war auch heute so. Das Wetter war ruhig gewesen, und so genoss sie den Sonnenuntergang über den ostwestfälischen Wäldern und bereitete sich auf einen schönen Fernsehabend vor. Es war in diesem Landstrich völlig unüblich, abends den einen oder anderen Nachbarn zum gemeinsamen Fernsehen einzuladen. So kam es vor, dass achtzig oder neunzig ältere Einwohner allein vor achtzig oder neunzig Fernsehern saßen. Warum das so war wusste Emmi nicht so genau. Sie selbst wollte wahrscheinlich abends ihre Ruhe haben. Zuviel Nachbarschaft ist ja auch ungesund und hätte die Eierlikörvorräte sicherlich stark dezimiert. Im Übrigen neigte Emmi dazu, im Laufe einer guten Unterhaltungssendung vor sich hinzudämmern und dann schließlich in einen tiefen und gesunden Schlaf hinüberzuwandeln. Bei diesem inzwischen zur Tradition gewordenen Ritual hätten Gäste nur gestört. Es darf vermutet werden, dass es den übrigen achtzig oder neunzig anderen Einzelzuschauern ähnlich erging.

Auch der heutige Fernsehabend war wie jeder andere. Der nach wie vor gut aussehende Spielleiter redete sehr klug zum Publikum, zu den Kandidaten und schließlich zu den Fernsehzuschauern. Dann durften die Teilnehmer der Wetten auch kurz etwas sagen und anschließend wurden irgendwelche Spiele durchgeführt. Das war alles ganz bestimmt sehr spannend, wenn man sich dafür interessierte und nicht so viel Eierlikör trank, wie die Emmi. Ihr Kopf nickte erwartungsgemäß nach vorn und wurde nur durch Musik wieder in die Horizontale gehoben. Sobald dann wieder eine Spieleinlage kam, sackte er wieder nach vorne durch. Emmi garnierte diese Übung mit laut hörbarem Ein- und Ausatmen. Dieses Schnarchen hatte früher ihren Gatten sehr gestört. Seit seinem Tode war aber auch diese Kritik verstummt und Emmi genoss es, unkommentiert ihren körperlichen Bedürfnissen nachzugehen.

Tatsächlich wachte Emmi gegen Mitternacht auf. Ein Sportreporter mühte sich, den Leuten etwas Wichtiges über ein Fußballspiel zu vermitteln, und Emmi goss sich noch einen Likör ein, denn auf vier oder fünf Beinen kann der Mensch nicht stehen. Sie wunderte sich, dass sie schon so früh aufgewacht war. Gewöhnlich schlief sie bis um drei Uhr durch und wachte zu wirklich schlecht gemachten amerikanischen Krimis in schwarz-weiß aus den fünfziger Jahren wieder auf.

‚Na ja’, dachte sie sich, ‚… ich werde halt alt.’ Langsam schlurfte sie nach oben, warf noch einen Blick aus dem kleinen, quadratischen Fenster auf die Straße. Es war alles wie sonst. Die Straßenlampe war bereits ausgeschaltet und man konnte nur noch schemenhaft erkennen, wie ruhig die Nacht in Holbrexen war. Ein Auto erleuchtete nun die Straße und suchte sich den Weg durch den Ort. Wahrscheinlich waren das die Jungs, die am Samstag in eine Disco nach Brakel fuhren und nun nach erfolglosen Paarungsversuchen zurückkamen. ‚Eigentlich auch recht früh’, dachte sich Emmi und zog die Gardine zu.

Während sie sich die Zähne putzte erinnerte sie sich, dass sowohl bei Inge Nettelkamp als auch bei Josef Rimbeck, die in den beiden Häusern gegenüber wohnten und ebenfalls zu den Einzelfernsehern zählten, auch noch Licht gebrannt hatte. Die beiden lebten allein und gingen gewöhnlich früher schlafen.

Der Eierlikör hatte Emmi die nötige Entspanntheit und Bettschwere bereitet, so dass sie wenige Minuten später eingeschlafen war und dem nächsten Tag entgegen träumte.

Im ‚Dorfkrug’ herrschte an diesem Abend eine besinnliche Stille. An der Theke hatten sich die üblichen Stammkunden versammelt, um sich im Laufe des Abends in aller Ruhe mit Bier zu berauschen. Änne stand hinter der Theke und fragte sich, warum sie den ‚Dorfkrug’ Samstag nicht auch noch schließen sollte, denn mehr als achtzig Euro würde sie heute mit den Berufstrinkern wohl nicht erwirtschaften.

Ach ja, da waren ja noch die beiden Herren, die sich am Nachmittag eingemietet hatten. Sie hatten sich kurzfristig angemeldet und zwei getrennte Zimmer gebucht. Für eine Nacht. Dann waren sie nach oben verschwunden und hatten sich sicherlich viel zu erzählen gehabt. Es könnte sein, so dachte Änne, dass die beiden noch Hunger bekommen und noch für fünfzig Euro essen würden. Dann hätte sich der Abend mal wieder gelohnt. Es hätte aber auch sein können, dass sie zum Essen in ein Nachbardorf gefahren waren. Das bekam Änne hier im Schankraum nie richtig mit, falls die Gäste durch den Hintereingang über den Hof zu den Autos gingen und wegfuhren. Ihr Haus war nun mal eher als Hotel bekannt und weniger als Restaurant. Zugegebenerweise war es nicht Appetit fördernd, wenn man beim Essen zusah, wie vorne an der Theke die Gäste immer lauter wurden und gelegentlich Probleme hatten, den Weg zur Toilette zu finden. Da wäre es Änne wirklich lieber gewesen, das Haus mit gepflegten Herren in Einzelzimmern auszufüllen.

Schließlich war da noch das ältere Ehepaar, das sich für eine Woche eingemietet hatte und morgen früh abreisen wollte. Änne war sich sicher, dass die beiden miteinander verheiratet waren. Das konnte sie gut unterscheiden. Während sich die Männer immer stets unauffällig bewegten, neigten verheiratete Frauen dazu, sich bei der Anmeldung neben ihren Gatten Raum füllend zu präsentieren. Geliebte hingegen benötigten weniger Platz, standen während der Anmeldung meistens im Hintergrund oder wirkten so, als würden sie mit dem Herrn da vorne eigentlich gar nichts Wesentliches verbinden.

Gingen die Paare dann die Treppe hinauf, war es genau anders herum. Während die verheirateten Paare zwischen den Körpern einen sichtbaren Sicherheitsabstand hielten oder nebeneinander die Treppen hinaufgingen, quasi im Gleichschritt, war der Abstand zwischen den Liebespaaren kaum wahrnehmbar. Außerdem neigten die Männer dazu, ihren Freundinnen beim Hinaufgehen in den Po zu kneifen. Änne erkannte so beiläufig, wer von ihnen Linkshänder war, sie wusste allerdings nicht, was sie mit diesen Erkenntnissen anfangen sollte.

Die Frauen wehrten mit einer angedeuteten Abwehrbewegung diese Geste meistens ab und kicherten leicht in sich hinein. Auch wenn sich die Paare nach dem Bezug des Zimmers wieder im Schankraum zeigten war klar, welche miteinander verheiratet waren. Die Gatten kamen meistens nach zwanzig Minuten wieder nach unten und fragten nach Sehenswürdigkeiten oder Wanderwegen oder nach dem nächsten Bäcker, während die Liebespaare für den Rest des Tages nicht mehr zu sehen waren. Aber das ging Änne ja alles nichts an.

***

Der heraufziehende Sonntag begann unfreundlich. Ende September wurde das Wetter in dieser Gegend schon etwas frischer, und es regnete durchaus regelmäßig und ausdauernd. War der Samstag noch recht angenehm gewesen, wollte man heute, am Sonntag, eigentlich nicht auf die Straße. Aber es war heute evangelischer Altentreff. Emmi war nicht sonderlich gläubig, dafür hatte sie schon zuviel erlebt, aber die Geselligkeit des Altentreffs war ihr eine schöne Sonntagsabwechslung. Gegen halb zehn würde ein Kleinbus Emmi, Josef und Inge nach Ottbergen mitnehmen. Nach dem relativ kurzen Wortgottesdienst würde es dann ein Altenfrühstück geben – bis in den Mittag hinein. Dadurch würde sie sich das eigene Mittagessen sparen und gleich zum Kaffeetrinken übergehen können. Sicherlich war Emmi noch meilenweit davon entfernt, als ‚alt’ zu gelten, im Gegenteil, sie fühlte sich noch recht jung, besonders in Gegenwart der Frauen, die wirklich alt waren und für die das Altenfrühstück eine sehr wichtige Begegnung mit anderen Witwen war. Aber Emmi sah die Veranstaltung unter praktischen Gesichtspunkten: Das Frühstück wurde aus Kirchensteuergeldern spendiert, der Kaffee war gut. Und es war wohltuend, am Sonntagvormittag mal so richtig schön bedient zu werden.

Das gleiche Gefühl musste wohl das Ehepaar haben, das sehr zeitig frühstückte, weil es anschließend ins Ruhrgebiet aufbrechen wollte. Die beiden waren bester Laune und lobten auffallend oft die gute Betreuung während ihres Besuches und die unerwartet gute Ausstattung der Zimmer. Besonders war