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Aus den kleinsten Anfängen heraus entwickelt sich eine Kosmetikfirma zum Global Player. Mit dem plötzlichen Tod des Firmenchefs bricht eine heile Welt zusammen. Zuerst ringen die Familienangehörigen um die Macht, dann die Leitenden Angestellten. Die Talfahrt der Firma scheint vorprogrammiert zu sein. Auch die junge Witwe entdeckt ihre wiedergewonnene Freiheit und macht ausgiebig davon Gebrauch. Dabei geht es nicht immer ganz standesgemäß zu. Ein Manager nach dem anderen nimmt in dem Chefsessel Platz. Die Firma würde unweigerlich untergehen, wenn da nicht die alte, schrullige Firmengründerin wäre.
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Seitenzahl: 545
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Der Chefsessel
Phil Lister
Copyright: © 2013Hermann Mezger
published by: epubli GmbH, Berlin
www.epubli.de
ISBN 978-3-8442-5108-1
Die Handlung dieses Buches ist frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Ereignissen, Personen, – lebend oder verstorben, – Firmen und Institutionen wäre rein zufällig. Das Buch ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Übersetzungen, Vervielfältigungen aller Art, Mikroverfilmung und die Einspeisung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Selbst jetzt noch, nach all den Jahren, nach all den Erfolgen, machte es Claudio Caprese einen beinahe kindlichen Spaß, seinen Namen auf einem Plakat zu lesen. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem kleinen Lächeln, als er zu der Litfaßsäule hinüberschaute, die sich nur wenige Meter entfernt befand. CCC - Claudio Caprese Cosmetics stand dort in fetten Lettern. CCC. Früher hätte man bei diesen Lettern an Kinofilme gedacht. Heute dachte man dabei an Schönheit, an Jugend, Makellosigkeit und Erfolg. Die CCC zählte zu den erfolgreichsten Kosmetikkonzernen der Welt. Das war doch etwas. Darauf konnte man schon mehr als nur ein bisschen stolz sein. Sein Blick schweifte herüber zu den Bannern, die sich über ihm im lauen Wind leicht blähten. Auch sie stammten von der CCC, und man sah sie überall in der Stadt.
„Ein Cappuccino, der Herr.“ Die Serviererin stellte eine große Tasse vor ihm ab, auf deren Untertasse ein Keks lag, und lächelte ihm zu.
„Danke sehr.“ Claudio lächelte zurück. Ein apartes Mädchen mit schlanken Beinen, von denen der knappe Minirock nur wenig verbarg. Unter der dünnen weißen Bluse zeichneten sich zart knospende Brüste ab. Die Kleine kannte ihre körperlichen Vorteile nur zu gut und wusste sie geschickt zu betonen. Allein das Gesicht wirkte vielleicht eine Spur zu herb, um als schön gelten zu können. Ein bisschen Schminke, sparsam eingesetzt, könnte es weicher wirken lassen.
Lass das, schalt er sich. Du bist hier, um abzuschalten... Aber so einfach ist das wohl nicht. Irgendwie bist du immer im Einsatz. Die CCC ist nun mal dein Leben. Wenn es anders wäre, würde die Firma nur eine von vielen sein. Sie braucht dich, mit deinem ganzen Einsatz. Und, auch das ist wahr, du brauchst sie genauso.
Claudio sah der Serviererin nach, wie sie durch die Tischreihen des Straßencafés vor dem Hotel Haus Reichert ging und schließlich im Inneren des Hotels verschwand. Sie schien sich seines Blickes bewusst zu sein und schwang graziös die Hüften. Claudio lächelte. Ganz sicher hoffte die Kleine darauf, dass sie irgendwann einmal jemand aus ihrem Dasein als Serviererin herausholte und in ein schöneres Leben entführte. Ob sie ihn wohl erkannt hatte?
Unwillkürlich wanderte Claudios Blick wieder zu der Litfaßsäule hinüber. Claudio Caprese Cosmetics - Beauty Contest – Girl of the Year 1990 – Endausscheidung 30.April 2008, 20 Uhr – Kurhaus Baden-Baden.
Claudios Blick glitt hinab zu dem riesigen Farbfoto, dem unübersehbaren Blickfang des Plakats. Und was das für ein Blickfang war! In bunter Reihe präsentierten sich sieben bildhübsche und gutgewachsene Mädchen, drei in eleganter Abendrobe, weitere drei in knappsten Bikinis, die eigentlich nur aus ein paar Bändern bestanden, und in der Mitte befand sich ein offenbar völlig nacktes Mädchen, das bezaubernd lächelte und seine Blößen in charmanter Frivolität hinter einem riesigen Rosenstrauß nur unzulänglich versteckte. Die blutroten Rosenköpfe bedeckten nur die beiden Brustwarzen, und die Stiele der Rosen hielt das Mädchen so geschickt vor ihre Blöße, dass nur noch eine Andeutung übrig blieb. Claudio liebte diese Pose, die er sich selbst ausgedacht hatte. Er liebte die Andeutung, dieses kleine Spiel, das die Phantasie beflügelte. Und ihm gefielen Kontraste. Auch die Idee, die Mädchen auf diese Art zu präsentieren – immer eines im Abendkleid neben einem im Bikini, die ihre Nacktheit hinter Rosen verbergende Schöne in der Mitte – stammte von ihm. Es war so etwas wie ein Gemälde der Lebensfreude, dachte er. Schön und aussagekräftig.
Dass er sich in alles einmischte, selbst der Kreativabteilung seiner Werbeagentur gelegentlich hineinredete, passte so manchem nicht, weder in der Werbeagentur, noch in der Firma oder zu Hause. „Musst du dich denn immer um alles kümmern, Claudio?“, hatte ihn Astrid mehr als einmal vorwurfsvoll gefragt, wenn er wieder einmal ein Wochenende für die CCC opferte. „Du solltest einfach mehr delegieren. Gib den anderen auch mal eine Chance.“ Sie verstand es einfach nicht, obwohl er es ihr immer wieder zu erklären versucht hatte. Er gab anderen eine Chance. Mehr als das. Er delegierte nach Kräften, ließ seinen Mitarbeitern die lange Leine, entfachte ihre Kreativität, lockte Ideen hervor und hörte auf gute Ratschläge. Aber das alles hieß doch nicht, dass er die anderen einfach gewähren ließ und sich selbst um nichts mehr kümmerte. Das Gegenteil war der Fall, und es konnte aus seiner Sicht auch gar nicht anders sein. Er war der Operateur einer gut geölten Maschine. Er musste jedes Detail der Maschine kennen, um eingreifen zu können, wenn es zu Betriebsstörungen kam. Er musste das Leistungsvermögen der Maschine kennen, um sie optimal einzusetzen und bis an ihre Grenzen hochzufahren, musste ihre Leistungsfähigkeit stetig erhöhen, um schneller zu sein als die Konkurrenz. Er war die CCC, er verkörperte das Ganze. Und das Ganze war eben mehr als die Summe der Teile. Die anderen brachten sich engagiert ein, trugen zum Erfolg des Konzerns bei – Claudio hatte eine hohe Meinung von seinen Mitarbeitern und viel Mühe darauf verwendet, gute Leute um sich zu scharen. Die aber blickten manchmal nicht über den Tellerrand, sahen nur ihren eigenen Bereich. Da bedurfte es eines Mannes, der alles überschaute und mit Herzblut bei der Sache war. Diese Einschätzung basierte nicht auf übertriebenem Selbstbewusstsein und nur zu einem ganz kleinen Teil auf Eitelkeit. Die Erfolge gaben ihm ganz einfach recht.
Claudio rührte seinen Cappuccino um, umkoste mit dem Löffel den weißen Schaum, knabberte an dem süßen Keks und nahm einen kleinen Schluck. Er lehnte sich auf dem Bistrostuhl zurück, blinzelte mit halb geschlossenen Augen eine Weile in die Sonne und betrachtete dann müßig das Treiben in der Fußgängerzone. Hier schlug das Herz von Baden-Baden. Luftig gekleidete junge Mädchen flanierten gelangweilt umher. Mit dem Wetter hatte die CCC wieder einmal Glück gehabt. Es war erst Ende April, aber so warm wie sonst erst Ende Mai. Das richtige Wetter für sommerliche Phantasien, für Träume von Schönheit, für Genüsse aller Art.
Wenn er der einen oder anderen besonders Hübschen ansichtig wurde, die das gewisse Etwas hatte, fragte er sich, ob er sie wohl am Abend wiedersehen würde, wenn die CCC im Großen Kurhaus ihren auf dem Plakat angekündigten Schönheitswettbewerb zelebrierte und das Girl of the Year gekürt wurde. Unwahrscheinlich war dies nicht. Der CCC-Beauty Contest war ein Magnet für die jungen Schönen – und jene, die sich dafür hielten. Sie kamen aus ganz Europa und sogar von Übersee nach Baden-Baden, wenn die CCC für ihre Veranstaltung die Werbetrommel rührte. Die Zahl der Bewerberinnen stieg unaufhaltsam von Jahr zu Jahr, und manche waren noch halbe Kinder, auch wenn man es ihren Körpern nicht ansah. Claudio liebte die Jugend, und die CCC war mit einer speziell auf die Bedürfnisse sehr junger Mädchen abgestimmten Produktlinie Cool Young Lady immens erfolgreich. Gleichzeitig wusste Claudio jedoch, dass es vor allen Dingen Frauen zwischen 25 und 45 waren, die Kosmetikartikel der CCC kauften. Diese Frauen konnten sich mit einem frischen, jugendlichen, aber voll erblühten Girl of the Year identifizieren oder ihm nacheifern, einem Mädchen von vielleicht siebzehn oder achtzehn Jahren – nicht aber einem, das erst fünfzehn war. Aus diesem Grunde und um generell die Flut der Bewerbungen zu reduzieren, hatte er vor zwei Jahren die Notbremse gezogen. Seitdem wurde die Teilnahme am Beauty Contest davon abhängig gemacht, dass die Kandidatinnen das siebzehnte Lebensjahr vollendet hatten und dies mit einwandfreien Papieren auch belegen konnten. Um sich auch vor jenen zu schützen, die sich Jahr um Jahr immer wieder aufs neue bewarben, hatte er zugleich eine Altersobergrenze eingeführt: Keines der Mädchen durfte älter als zwanzig sein. Die CCC suchte Mädchen, die zwischen siebzehn und zwanzig waren, Mädchen, die frisch, natürlich und unverbraucht waren. Und die bekam seine CCC. Hunderte, Jahr für Jahr, die sich den Vorausscheidungen stellten. Übrig blieben am Ende zwölf Bewerberinnen für die Endausscheidung, ein weiteres Dutzend erhielt eine kostenlose Eintrittskarte für das große Ereignis im Kurhaus. Selbst das zweite Dutzend hatte noch gute Aussichten, den einen oder anderen Werbe-, Repräsentations- oder TV-Vertrag zu ergattern, denn im Publikum wimmelte es nur so von Talentsuchern der Medienwelt und der Werbung, ganz obenan die Castingdirektoren der erfolgreichsten Model-Agenturen.
Die Konkurrenz unter den Mädchen war erbittert. Kein Wunder, es ging ja auch um einiges. Immer wieder gab es Neid, giftige Blicke, abfällige Bemerkungen und Tränen. Auf der Bühne merkte man davon nichts, aber hinter den Kulissen kam es manchmal zu weniger schönen Szenen, bisweilen sogar zu handfesten Raufereien. Mädchen zerrten sich wütend an den Haaren und mussten gewaltsam getrennt werden. Und doch waren es die gleichen Mädchen, die bei anderer Gelegenheit mit großen, unschuldigen Augen dreinschauen konnten oder sich hilflos an ein Stofftier klammerten, das fast jedes von ihnen als Talisman dabei hatte.
Der Beauty Contest war ein Selbstgänger geworden, das Interesse der Medien am Girl of the Year wuchs und wuchs. Selbst für die Bevölkerung war diese Veranstaltung zu einem festen Begriff geworden, und der Volksmund erfand sogar einen speziellen Ausdruck dafür: „Kalbfleisch-Derby“. Der Claudio Caprese Cosmetics konnte dies nur recht sein. Die Marketingstrategie war voll aufgegangen und zeigte keine Abnutzungserscheinungen. Claudio war seiner Sache sicher, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleiben würde, solange ihm und seinem Team immer wieder etwas Neues einfiel.
Schöne Mädchen, die sich zeigen und bewundern lassen wollten, würde es immer geben. Tatsächlich wurden es in einer Welt der Massenmedien und Selbstdarsteller immer mehr. Mädchen, die eine Chance suchten, irgendwie nach oben zu kommen, und sei es nur, um die eine oder andere Einladung zu einer VIP-Party zu erhalten. Besonders viele Mädchen reisten in den letzten Jahren aus Osteuropa an. Als hätten sie etwas nachzuholen. Wie viele von ihnen mochten davon träumen, dass ein reicher Märchenprinz im Publikum saß, der sie in ein Leben von Sorglosigkeit und Reichtum entführte? Einige von ihnen würden vielleicht in einem Hotelzimmer hier in Baden-Baden nur eine Nacht lang in den Armen eines Verehrers diesen Traum träumen, der danach zu der mehr oder minder schalen Erinnerung an einen One-Night-Stand verpuffte. Aber vielleicht sprang dann wenigstens ein Vertrag als Model dabei heraus.
Einige der Mädchen würden, leider, von anderen gewissen Herren im Publikum ausgeguckt werden, den Männern mit der Rolex am Handgelenk und den schweren Goldringen an den Fingern, Männer, die Claudio zutiefst hasste, aber leider nicht immer von der Veranstaltung fernhalten konnte. Man sah ihnen ihre Profession ja nicht unbedingt an. Wenn die Mädchen zu leichtgläubig waren und sich von ihnen umgarnen ließen, landeten sie vielleicht in einem sogenannten Club oder, wenn sie etwas mehr Glück hatten, ergatterten sie einen Vertrag als Fotomodell für ein Herrenmagazin.
Claudio zuckte die Schultern. So sehr er solche Mädchen auch bedauerte: Jeder war seines eigenen Glückes Schmied. CCC bot nur den Griff zu den Sternen. Zupacken mussten die Mädchen schon selbst. Oder zurückzucken, bevor sie sich die Finger verbrannten, wenn die Sterne sich als zu heiß erwiesen oder aus Katzengold bestanden.
Er trank wieder von seinem Cappuccino, nicht geistesabwesend, sondern voller Genuss. Er ließ den Geschmack auf der Zunge zergehen. Dazu war er bei allem Stress immer noch fähig. Und weil dies so war, wusste er, dass er sich auf dem richtigen Weg befand. Ja, genießen konnte er schon immer, auch und vor allem weibliche Schönheit. Er liebte sie alle, die blutjungen, erblühenden Mädchen ebenso wie die etwas reiferen Frauen, wenn sie einen schönen Körper und das gewisse Etwas besaßen. Personality. Ausstrahlung. Charisma. Sinnlichkeit. Das ewig Weibliche. Dafür hatte er sich trotz seiner achtundvierzig Jahre den Blick bewahrt.
Wieder fiel sein Blick, wie magisch angezogen, auf das Plakat. Die kleine Nackte in der Mitte des Fotos war die Vorjahressiegerin gewesen. Wie hieß sie noch gleich? Miriam... nein, Nicky aus Wien. Dieses Mädchen war genial in ihrer Präsentation gewesen. Sie hatte sich kokett geziert, als er sie bat, sich später für das Plakat so zu zeigen und ablichten zu lassen. Er hatte ihr recht gegeben: In den Teilnahmebedingungen war nicht davon die Rede, dass die Siegerin sich splitternackt ausziehen musste. Er war ihr gegenüber völlig ehrlich gewesen und hatte ihr gesagt, dass ihm der Gedanke erst beim Anblick ihres perfekten Körpers im Bikini und ihrer Art, sich zu bewegen, gekommen war. Das schmeichelte ihr. Er betonte, dass es ihr freistand, seinen Vorschlag abzulehnen, ohne einen Nachteil zu erleiden. Oder ihn anzunehmen – für zusätzliche zweitausend Euro aus seiner eigenen Tasche. Und für den Ruhm, den es bringen würde, wenn das Foto „CCC-Girl of the Year: die Nackte mit den Rosen“ um die Welt ging. Denn das würde unausweichlich der Fall sein, dafür verbürgte sich Claudio. Schließlich hatte sie mit einem bezaubernden Lächeln zugestimmt – und es nicht bereut. Das Foto war um die Welt gegangen, hatte Nicky zahlreiche Werbeverträge und einen kleinen Filmvertrag eingebracht.
Claudio seufzte. Bei Nicky hatte er sich damals noch ernsthaft beherrschen müssen. Gern hätte er die Rolle des Rosenstraußes gespielt, schon in der Umkleidekabine, als sie die Szene ohne die Anwesenheit von Dritten probten und Nicky sich wie selbstverständlich ausgezogen hatte. Aber das wäre ohnehin nicht sein Stil gewesen. Dann schon eher später auf seiner Segelyacht Cecilia oder in seinem Haus in Spanien. Und er sah an ihrem halb fragenden, halb lockendem Lächeln, dass sie sich ihm nicht versagt hätte, ein solches kleines Abenteuer sogar als unausgesprochenen Teil des Deals akzeptierte. Aber Claudio blieb seinen Prinzipien treu: Keine Affären mit Angestellten, keine Affären mit den Mädchen, die an den CCC-Beauty Contests teilnahmen. Letzteres galt auch für alle Angestellten der CCC, die mit dem Contest zu tun hatten. Aber für ihn galt dies in besonderem Maße. Eine Liebesnacht mit einem Girl of the Year oder auch nur einem der anderen Mädchen, das sich dem Wettbewerb gestellt hatte, würde alles zerstören. Wenn die Medien so etwas herausbekamen – und sie würden es herausbekommen!, war der Zauber der Wahl zum Girl of the Year dahin, das Ganze kam in den Ruch, käuflich zu sein, der Firmeninhaber geriet ins Zwielicht, und das Image der CCC würde schwer beschädigt werden. Und die Liebe zur CCC zählte für Claudio nun mal mehr als alle Liebesnächte mit allen schönen Frauen der Welt zusammen.
Nur einmal hatte Claudio eine Ausnahme von dieser Regel gemacht, aber in aller Ehre und in aller Öffentlichkeit, als er das allererste Girl of the Year zu seiner Frau machte. Es war damals Liebe gewesen, aber ungewollt hatte er mit dieser Heirat zum Mythos des CCC-Beauty Contest beigetragen, der sich in den folgenden Jahren aufbaute. Wer wagte es schon, der CCC zu unterstellen, dass ihr Schönheitswettbewerb einzig und allein geschäftlichem Kalkül unterlag, wenn Claudio Caprese höchstpersönlich die erste Gewinnerin zu seiner Herzensdame gemacht hatte?
Claudio lehnte sich zurück, ließ den Kopf in den Nacken fallen und genoss die warmen Strahlen der Frühlingssonne. Er war hierher geflüchtet um abzuschalten, und um sich auf das am Abend stattfindende große Ereignis vorzubereiten.
Sein Büro glich an diesem Morgen einem Irrenhaus. Seine Sekretärinnen bestürmten ihn mit tausend Belanglosigkeiten und zu allem Überfluss hatte ihm Proll, sein Produktionsleiter, die Ohren vollgeblasen, die Firma müsse unbedingt an eine Osterweiterung denken. Ein Joint Venture mit einer russischen Kosmetikfirma wäre dringend erforderlich. Dabei geht Proll der Vertrieb überhaupt nichts an. Überhaupt ist dieser Proll in letzter Zeit etwas aufmüpfig und penetrant geworden. Und nicht genug damit: Es kam auch noch ein Krankenwagen mit Sirenengeheul angebraust, weil eine der Teilnehmerinnen, die an einer Betriebsbesichtigung teilgenommen hatte, umgekippt war. Vermutlich hatte das arme Ding seit Tagen nichts mehr gegessen, um die letzten paar Gramm abzuhungern, die ihrer Traumfigur noch im Wege standen. Sofort stand das Mädchen Nummer 13 bei ihm auf der Matte und machte sich Hoffnungen, als Ersatz einspringen zu dürfen. So sind sie nun mal. Keine gönnt der anderen etwas. Jede lauert auf eine Schwäche der anderen.
Einer der Passanten winkte Claudio zu, und er grüßte mit einer leichten Handbewegung zurück, obwohl er den Mann nicht kannte. Das kam häufig vor. Vielleicht hatte der Mann Claudios Bild in der Presse gesehen oder ihn bei einem Empfang kennengelernt. Claudio besaß ein gutes Personengedächtnis, aber all die Namen und Gesichter, mit denen er konfrontiert wurde, konnte er sich beim besten Willen nicht merken.
Wo sich wohl seine Frau in diesem Moment herumtrieb? Sicher war sie bei ihrem Friseur, um sich ihre naturblonden Haare stylen zu lassen. Oder bei der Schneiderin. Ja, sie wird bei ihrer Schneiderin sein, um wieder einmal ein Kleid abzuholen, das nach ihren Vorstellungen angefertigt wurde. Geld spielte dabei ja keine Rolle. Und Astrid hatte zum Glück einen sehr guten Geschmack.
Claudio umgab sich gerne mit schönen Dingen und er hatte einen Hang zur Perfektion. Er verlangte auch von seinen Mitarbeitern, die sich der Öffentlichkeit präsentierten, ein gepflegtes Aussehen. Aber das hielt er bei einem Unternehmen, dessen alleinige Botschaft die Schönheit war, für selbstverständlich. Und es stimmte auf keinen Fall, dass er seine Mitarbeiter oder gar seine Frau als Inventar betrachtete. Er verlangte lediglich, dass sie sich den Interessen der Firma unterwarfen.
Na ja, dachte Claudio, wenn er ehrlich war, dann verlangte er von Astrid doch etwas mehr. Aber schließlich repräsentierte sie die Firma als eine Art Botschafterin der Schönheit. Sie konnte sich wirklich nicht beklagen. Er verwöhnte sie. Materiell fehlte es ihr an nichts. Er sah durchaus, dass Astrid für dieses sorglose Leben ein paar Opfer bringen musste. Wo in der Welt gab es schon etwas umsonst?
Sicher, von ihm selbst hatte sie nicht viel. Die Firma und die Niederlassungen im Ausland forderten den ganzen Mann. Dass er nebenbei noch Präsident eines Golfclubs war, in den Vorständen mehrerer Wirtschaftsverbände wirkte, und im Aufsichtsrat eines Chemieunternehmens und einer großen Versicherung saß, konnte man an dem dicht gedrängten Terminkalender ablesen. So gesehen lebte seine Frau in einem goldenen Käfig. Vielleicht lag es auch an diesem unsteten Leben, dass er nur noch sporadisch und in immer größer werdenden Abständen sexuelles Verlangen verspürte. Oder stumpfte der ständige Umgang mit der weiblichen Schönheit mit der Zeit ab?
Claudios Interesse an schönen Frauen reduzierte sich auf die pure Ästhetik. Die Frage, wie man große Augen noch leuchtender, volle Lippen noch sinnlicher machen konnte, waren für ihn viel wichtiger als die Vorstellung, was man mit einer Frau alles anstellen kann.
Zugegeben: Auch Astrid ist mit der Zeit spröde geworden. Sie gibt sich genau so, wie sich Lehmann von nebenan eine Schwedin vorstellt: Groß, blond und kaltherzig. Claudio machte keine Anstalten, das Gefühlsleben seiner Frau näher zu beleuchten. Solange der Schein nach außen gewahrt blieb, hatte er keinen Grund zu einer Beanstandung.
Er schaute auf die Uhr. Kurz vor 14 Uhr. Es wurde Zeit, in die Büroräume zurückzukehren, die von der CCC wie jedes Jahr für die Vorbereitung der Veranstaltung im Kurhaus angemietet worden waren. Es war von hier aus nur ein kurzer Weg, den er wie den Hinweg zuvor rasch zu Fuß zurücklegen würde. Er wollte bei seinem Team sein, wenn es galt, die letzten Hindernisse für einen vollendeten Ablauf der Abendveranstaltung, die unausweichlich noch auftreten würden, aus dem Weg zu räumen. Später, so gegen 18 Uhr, würde er nach Hause fahren und sich umziehen. Was für seine Frau und seine Mitarbeiter galt, hatte auch für ihn oberste Priorität: Perfektion in der äußeren Erscheinung. Oder zumindest das allerbeste Streben danach.
Zuvor allerdings blieb ihm noch eine Pflicht, die er niemals versäumte, wenn wieder einmal die Wahl zum Girl of the Year anstand: die Verwandtschaft zu mobilisieren. Das war ein Ritual, eigentlich unnötig, weil natürlich weder seine Geschwister noch seine Mutter daran erinnert werden mussten. Aber er konnte nicht davon ablassen. Mama wartete förmlich auf diesen Anruf, nahm ihn als liebevollen Beweis dafür, dass ihr Sohn sie als Seniorchefin auch wirklich noch immer dabeihaben wollte. Was hingegen Claus und Sabine anging... Nun, Claudio musste sich eingestehen, dass er nicht ganz frei von einer gewissen Boshaftigkeit war, wenn er seine Geschwister an diesem Tag anrief und sie an ihre Pflichten gegenüber der Firma erinnerte. Sie taten sonst nichts, absolut gar nichts für die Firma, hielten nur die Hand auf und lebten gut davon. Sie wussten, dass er ihre Anwesenheit an diesem Abend verlangte – und sie fügten sich.
Er wandte sich dem Telefon zu und wählte die erste Nummer.
Seit ihr Mann gestorben war, lebte Anna Caprese allein in der alten Jugendstilvilla, die wegen des königsblauen Außenanstrichs in der Firma nur das Blaue Haus genannt wurde. Nach Marios Beerdigung hatte sie das Haus als leer und öde empfunden, und sie sah Mario noch immer, wie er tot im Bett des Schlafzimmers gelegen hatte. Sie überlegte kurzzeitig, das Haus zu verkaufen und in ein komfortables Appartement zu ziehen. Aber mit dem von den Eltern geerbten Haus waren zu viele Erinnerungen verbunden. Sie hatte in diesem Haus ihre Kindheit verlebt. Hier war sie mit Mario glücklich gewesen, hier waren die Kinder groß geworden. So etwas zu verkaufen hieß, ein riesengroßes Stück eigener Identität zu verkaufen. Sie verwarf ihren Plan. Stattdessen ließ sie das Haus gründlich renovieren, räumte um, degradierte das einstige Schlafzimmer zum selten genutzten Büro und richtete sich ein komplett neues Schlafzimmer in einem der Gästezimmer ein.
Genau genommen lebte sie nicht völlig allein in diesem Haus, zumindest tagsüber nicht. Dann ging ihr Elli Reincke zur Hand, die selbst immerhin schon zweiundsechzig, aber immer noch putzmunter war, und seit Jahrzehnten für die Familie Caprese als Köchin und „Mädchen für alles“ Hand anlegte. Und dann gab es noch die Szymaniaks im Haus nebenan, alte Bekannte und Freunde, die den Garten versorgten, sich um kleine Reparaturen kümmerten und abends oft zu einem Plausch vorbeischauten. Anna war vor zwei Monaten siebzig Jahre alt geworden, empfand sich aber keineswegs als alte Frau, der gefälligst Pflege anzugedeihen hatte. Im Gegenteil, sie fühlte sich kräftig genug für die Hausarbeit – dass Elli kochte, lag mehr daran, dass Anna selbst stets eine widerwillige und miserable Köchin gewesen war und auf ihre alten Tage daran auch nichts mehr ändern wollte, machte ihre Einkäufe und nahm am gesellschaftlichen Leben regen Anteil. Mit ihrem BMW besaß sie einen flotten Wagen – und sie fuhr ihn noch immer so, dass der Motor weiß Gott keinen Grund hatte zu versauern.
Anna war eben alles andere als ein Großmuttertyp, wie sogar schon ihr Enkel Carlo anerkennend festgestellt hatte. Das hieß aber keineswegs, dass sie sich krampfhaft der Jugend anbiederte. Sie war eine gestandene, selbstbewusste Frau, die niemandem nach dem Mund redete, auch den eigenen Kindern und Enkeln nicht, ihnen am allerwenigsten. Sie war sehr eigenwillig und hatte ihre Marotten. Ihr war durchaus bekannt, dass es Leute gab, die sie hinter ihrem Rücken als ein bisschen schrullig bezeichneten. Das war ihr völlig egal. Dies offen herauszusagen, traute sich allerdings niemand.
Anna hatte ihre in Jahrzehnten gewachsenen Vorlieben, etwa die für alte klassische Musik. Sie schätzte Bach und Mozart, Verdi und Vivaldi, und sie besaß eine umfangreiche Sammlung an Langspielplatten – darunter sogar einige Schellackraritäten – und CDs mit klassischen Aufnahmen aus den dreißiger, vierziger und fünfziger Jahren. Oldtime-Jazz war ihre andere große Leidenschaft. Erst kürzlich hatte sie zum Entsetzen der ganzen Familie an einem Oldie-Dixieland-Tanzmarathon teilgenommen. Eines der Fotos von der Veranstaltung, das sie in einem hoch geschlitzten lila Fummel, einer Federboa und knallrot gefärbten Haaren zeigte, hatte ihr so gut gefallen, dass sie hundert Abzüge davon machen ließ und diese an alle Bekannte und Freunde der Familie verteilte.
Sie hegte und pflegte ihre Erinnerungen und die Dinge, die damit verknüpft waren und das Haus vom Keller bis zum Dach zierten. Dezent und sparsam, versteht sich, hier und da ein Stück, denn sie hasste andererseits auch den Gedanken, in einem Museum leben zu müssen. Die Dinge selbst mussten aber nicht unbedingt dezent aussehen. Sie durften auch schrill sein. Wie etwa die schon erwähnte Federboa aus dem Dixieland-Marathon, die seither als eine Art Trophäe über der Tür zum Wohnzimmer hing. Nur Marios Zimmer, das „italienische Zimmer“, war so geblieben, wie Mario es damals verlassen hatte, mit all dem gemütlichen Chaos und den Mitbringseln aus den vielen Italienreisen, die sie gemeinsam unternommen hatten. Manchmal, wirklich nur manchmal, wenn ihr danach war, ging sie hinein, setzte sich eine Weile stumm in den Schaukelstuhl, in dem Mario so gern gesessen hatte, und unternahm eine Zeitreise in die Vergangenheit.
Auch die meisten Erinnerungsstücke, die über das Haus verteilt waren, hatten Mario und ihr zu gleichen Teilen gehört, waren Souvenirs von Reisen, Aufmerksamkeiten von Freunden, Geschenke, die sie einander gemacht hatten, Bilder und Bastelarbeiten von den Kindern, als diese noch klein gewesen waren. Einzelne Stücke schätzte Anna besonders, etwa die einen halben Meter große Statue eines lachenden Buddha aus massiver Bronze, die aus Taiwan stammte und eine echte Antiquität darstellte. Sie beide hatten sie im Verlauf einer Ostasienreise bei einem Trödler in Taipeh erstanden und im Flughafen über die Diskussionen mit dem Zoll das Flugzeug verpasst. Der Bumerang, der im Treppenhaus an der Wand hing, erinnerte an eine Reise nach Australien, an eine Fahrt im Range Rover quer über den Kontinent und an ein Pokerspiel mitten in der Wüste mit vier rustikal aussehenden Australiern, bei dem Mario eben jenen Bumerang gewann. Und sie liebte den wunderschönen alten Wiener Regulator von Gustav Becker, der im Esszimmer hing und fast so genau lief wie eine Quarzuhr. Mario hatte ihn kurz nach dem Krieg, in der „Schlechten Zeit“, wie die Leute damals sagten, auf dem Schwarzmarkt als Naturalie gegen Schönheitssalbe eingetauscht, die Uhr später aber schweren Herzens einem Bauern für etwas Butter und Schinken verkauft, als die Familie hungerte. Anna erfuhr von dem erneuten Tausch erst, als Mario stolz mit den Esswaren nach Hause kam. Da sie wusste, wie sehr er an der Uhr gehangen hatte, entlockte sie ihm den Namen des Bauern, kaufte den Regulator nach der Währungsreform heimlich zurück und schenkte ihn Mario zum Geburtstag. Er hatte sich wie ein kleines Kind darüber gefreut. Und Anna liebte die Uhr, weil Mario sie geliebt hatte. Und es war wirklich ein schönes, schellackpoliertes, tadellos erhaltenes Stück aus der Gründerzeit um 1890.
Mindestens genauso liebte sie das, was sich in einer Nische des Salons befand: einen Mörser aus inzwischen rissig gewordenem weißen Porzellan mit einem Stößel aus dem gleichen Material. Das war eines der wenigen Stücke, das sie an ihren Vater erinnerte, und stammte aus der Alten Hirschapotheke ihres Vaters. Angeblich war in genau diesem Mörser die erste Schönheitssalbe angemischt worden, die in gewisser Weise den Grundstein der CCC darstellte. Aber das interessierte Anna nicht besonders. Allein die Tatsache, dass sie als Kind ihren Vater oft dabei beobachtet hatte, wie er diesen Mörser und diesen Stößel benutzte, machte die Gegenstände kostbar.
Gerade jetzt ruhte Annas Blick auf der bewussten Nische. Sie saß in ihrem bequemen hochlehnigen, dunkelblauen Ledersessel und rauchte ein Zigarillo, was sie zwar selten, dann aber mit großem Genuss tat. Sie hatte das Buch, eine Bach-Biographie, aus der Hand gelegt. „Können Sie sich eigentlich noch an Paps erinnern, Elli?“, fragte sie ihre Haushälterin, die gerade schwarzen Tee und Gebäck aufgetischt hatte, jeweils zwei Teelöffel Kandiszucker in zwei Tassen gab und die Tassen mit heißem Tee aus der bauchigen Kanne auffüllte. Der Kandiszucker knisterte. Elli stellte die Kanne auf ein Stövchen, in dem sie zuvor eine Kerze entzündet hatte, damit der Tee heiß blieb. „Sie waren doch damals schon bei uns, oder? Nach dem Krieg, in den späten Vierzigern, als Paps noch lebte? Entschuldigen Sie bitte, wenn ich frage, aber manchmal lässt mich mein Gedächtnis doch ein wenig im Stich.“
Elisabeth Reincke, eine rundlich-gedrungene, bäuerlich und gesund wirkende Frau, gab je einen Löffel Sahne in den Tee, reichte Anna ihre Tasse und setzte sich ihr gegenüber auf das Dreiersofa. Sie nickte. „Ich war einundzwanzig, als ich zu Ihnen kam. Mein Gott, ist das lange her. Natürlich erinnere ich mich noch an Ihren Vater, obwohl ich ihn nur kurz gekannt habe. Er war schon ganz weißhaarig und sehr krank, als ich meine Stellung bei Ihnen antrat. Ein freundlicher Mann, der wenig sprach. Er trank immer einen guten Cognac zum Kaffee. Der Cognac wurde dort drüben in der Vitrine aufbewahrt...“ Sie zeigte hinüber. „...und ich musste mir vorher immer erst den Schlüssel von Ihnen oder Herrn Caprese geben lassen, denn die Vitrine war abgeschlossen.“
„Ja, stimmt“, sagte Anna. „Das war mir gar nicht mehr so gegenwärtig. Einen französischen Cognac zum Kaffee, natürlich, obwohl er sonst kaum Alkohol trank. Es war damals gar nicht so einfach, an französischen Cognac zu gelangen, vor allem nicht kurz nach dem Krieg, vor der Währungsreform. Da halfen nur gute Beziehungen. Aber irgendwie haben wir es immer geschafft, für ihn eine Flasche aufzutreiben.“
Später war alles leichter geworden, schon im Juni 1948, gleich nach der Währungsreform, als all die gehorteten Vorräte der Kaufleute wieder in den Läden aufgetaucht waren. Damals hatten sich auch schnell erste geschäftliche Erfolge bei Mario Caprese eingestellt. Anna war Mario in der Firma zur Hand gegangen, und jemand musste die Kinder betreuen. Paps war zu krank gewesen, um dies zu übernehmen, und Mutter war schon vor ihm dahingegangen, schwer verletzt bei einem Tieffliegerangriff in den letzten Kriegstagen und Monate später daran gestorben. Sie hatten hin und her gerechnet, ob sie sich eine Hausangestellte leisten konnten, und schließlich Elli eingestellt. Es war die richtige Entscheidung gewesen – sowohl in bezug auf Elli als auch zum Wohl der Firma, die ohne Annas Organisationstalent kaum so schnell aufgeblüht wäre. Das sah Anna ganz nüchtern und ohne Eitelkeit. Sie wusste, was sie konnte und was sie nicht konnte. Und organisieren konnte sie.
Anna legte das Zigarillo im Aschenbecher ab und nahm einen Schluck von dem Tee, ohne ihn umzurühren. Er schmeckte noch angenehm bitter, mit nur einer Spur Süße und einem Hauch von Sahne. Später, wenn der Zucker und die Sahne sich weiter ausbreiteten, würde er süß und sahnig schmecken, und das war auch etwas Feines.
„Paps war damals schon sehr krank, der Arme“, fuhr sie fort. „Leukämie. Man kann bis heute nicht viel dagegen tun, und damals konnte man es erst recht nicht. Er war noch nicht sehr alt, als er starb. Nur fünfundfünfzig. Aber das mit den weißen Haaren hatte nichts zu sagen. Schauen Sie sich meine Haare an. Sie sind auch ganz weiß. Ein Erbe meiner Familie. Die Gene. Alle Weselohs bekommen schon in frühen Jahren weiße Haare und sicher auch einige von den Capreses. Sie sehen es an Claudio und auch an Sabine. Die ersten Strähnen sind schon da. In zwei bis drei Jahren sind sie auch weißhaarig. Nur Claus schlägt aus der Art und scheint bei seinen dunklen Caprese-Haaren zu bleiben.“
„Die anderen werden sie sich einfach so färben, wie es ihnen passt“, meinte Elli. „Macht ja heute jeder, auch die Männer. Und schließlich kriegen sie die Mittelchen von der eigenen Firma sogar umsonst.“
„Nicht Claudio“, entgegnete Anna. „Ich bin sicher, er findet weiße Haare attraktiv und lässt sie. Er tut auch jetzt nichts gegen die Strähnen.“
„Warten wir’s ab“, meinte Elli. „Männer über fünfzig, und das ist er ja bald, wollen heute um jeden Preis jünger aussehen.“
Anna lächelte nur. Elli, die nie geheiratet hatte, war nicht gerade eine Expertin, wenn es um Männer ging, aber sie war eine aufmerksame Beobachterin. Trotzdem glaubte sie, dass Claudio das Erbe seiner Familie anzunehmen und mit Würde zu tragen wüsste – wie er auch das Firmenerbe der Familie angenommen, sich dessen würdig erwiesen und es beträchtlich vermehrt hatte.
Es klingelte, und Elli erhob sich, um zur Tür zu gehen.
„Das wird die Journalistin sein“, sagte Anna und schaute auf ihre Armbanduhr. „Genau halb zwei. Sie ist wirklich pünktlich, das muss man ihr lassen.“ Sie strich sich den eleganten königsblauen Hosenanzug glatt und straffte die Schultern.
Sie hörte Stimmen an der Tür, und wenig später führte Elli eine junge Frau in den Salon, die eine dunkelrote Lederumhängetasche trug. Sie war noch blutjung, wohl Anfang Zwanzig, klein und zierlich, hatte keine Schminke und keinen Lippenstift aufgelegt und machte einen natürlichen und dabei knabenhaften Eindruck. Mit ihrem schmalen Gesicht und der vielleicht etwas zu kleinen Nase war sie keine Schönheit im klassischen Sinne, aber doch ausgesprochen hübsch und sehr apart. Sie besaß große, neugierig blitzende Augen, und die brünetten Haare waren ihrem Typ entsprechend sehr kurz geschnitten. Mit Bluse, Jeans und Pumps war sie leger, aber durchaus korrekt gekleidet. Sie besaß zarte, sehr kleine Brüste, deren Warzen sich andeutungsweise unter der Bluse abzeichneten. „Guten Tag, Frau Caprese“, sagte sie und blieb in der Tür stehen. „Mein Name ist Arabella Niehausen vom Forum Verlag in Hamburg, Wir haben miteinander telefoniert, und Sie waren so freundlich, mir diesen Termin für ein Gespräch einzuräumen.“
Anna wies mit der Hand zu dem Zweiersofa zu ihrer Rechten. „Treten Sie doch näher, Frau Niehausen, und setzen Sie sich. Meine Haushälterin Frau Reincke haben Sie ja bereits kennengelernt. Wir haben unsere Teestunde ein wenig vorverlegt. Mögen Sie Schwarzen Tee nach Ostfriesenart, ohne Parfümierung oder Beimischung, dafür mit echten Klüntjes und Sahne, oder soll Ihnen Frau Reincke etwas anderes bringen? Mögen Sie ein Zigarillo?“
„Tee ist korrekt“, sagte die Journalistin und setzte sich, nachdem sie die Umhängetasche auf dem Sofa abgelegt hatte. „Auf das Zigarillo würde ich dagegen gern verzichten. Ihr Sohn sagte mir schon, dass sie gelegentlich ziemlich harte Sachen rauchen. Und nennen Sie mich bitte Arabella, wenn Sie mögen.“
Anna empfand spontane Sympathie für die Kleine, die so viel Natürlichkeit ausstrahlte.
„Gern, Arabella. Ich freue mich, dass Sie so pünktlich sind, zumal wir das Gespräch wie vereinbart spätestens um 17 Uhr beenden müssen. Sie wissen ja, ich habe heute Abend noch Verpflichtungen, und eine alte Frau – bitte protestieren Sie nicht, ich weiß, dass ich nicht mehr die Jüngste bin – braucht ihre Vorbereitungszeit.“
Elli wiederholte in der für den Besuch bereitgestellten schlichtweißen, hauchdünnen Porzellantasse die Zeremonie mit Kandis, darüber gegossenen Tee und dem abschließenden Löffel Sahne. Arabella sah ihr dabei zu, nachdem sie ihre Tasche geöffnet und einen kleinen Kassettenrecorder sowie ein Mikrofon hervorgeholt hatte. Schließlich kam noch eine Pocketkamera zum Vorschein.
„Danke“, sagte sie und nahm die dargereichte Tasse entgegen. „Wie kommt eine Badenerin – das sind Sie doch, nicht wahr? – und Frau eines Italieners zu der Vorliebe für Ostfriesentee, wenn ich fragen darf?“
Anna lachte. „Indem sie eine Haushälterin hat, die aus Ostfriesland stammt.“,
Arabella sah sich neugierig im Raum um. „Hübsch haben Sie es hier. Haben Sie etwas dagegen, wenn ich das Gespräch aufzeichne?“
Anna schüttelte den Kopf. „Keine Einwände.“
„Außerdem würde ich während des Gesprächs gern das eine oder andere Foto von Ihnen machen. Geht das ebenfalls in Ordnung?“
„Natürlich.“
„ Die Journalistin deponierte das Mikrofon auf dem Tisch und schaltete den Recorder ein.
„Entschuldigen Sie bitte, Arabella, was sagten Sie noch gleich, für welche Zeitung Sie arbeiten?“
„Für das Forum-Magazin. Sie können es nicht kennen, da die erste Ausgabe mit einer Startauflage von 250.000 erst am 1. Juli auf den Markt kommt.“ Sie kostete von dem Tee. „So habe ich Tee noch nie getrunken, obwohl ich in Norddeutschland zu Hause bin. Schmeckt aber wirklich sehr gut.“
„Der 1. Juli ist ein bisschen spät, um aktuell über das Girl of the Year zu berichten“, merkte Anna an.
Arabella griff sich ein Stück von dem Gebäck. „Das Girl of the Year wird in meinem Artikel nur am Rande eine Rolle spielen. Vielmehr geht es um eine Serie, die wir ‚Erfolgsstory’ nennen und in der erfolgreiche Unternehmer vorgestellt werden: Claudio Caprese als Erster. Wir haben sehr viel Platz für diese Story eingeplant. Deshalb bin ich auch an möglichst vielen Details interessiert. Und es geht dabei nicht allein um die Firmengeschichte, sondern auch und gerade um die Menschen, die hinter dieser Geschichte stehen. “
„Ich verstehe“, sagte Anna. „Sie wollen also von seiner Mutter hören, ob Claudio in seiner Jugend ein Flegel war.“
Arabella lachte. „Das auch, aber...“
„Er war übrigens keiner, im Gegensatz zu seinem Bruder Claus, der es faustdick hinter den Ohren hatte.“
„...aber vor allem geht es mir um die Sicht einer Frau, deren beide Männer, wenn ich so sagen darf, nämlich Ehemann und Sohn, die Entwicklung der Claudio Caprese Cosmetics als Firmenchefs verantwortet haben, und die selbst maßgeblich am Aufbau beteiligt war.“
„Sie wissen ja bereits alles. Was kann ich Ihnen da noch groß erzählen?“
„Ich habe mit Ihrem Sohn gesprochen und die offizielle Broschüre zur Firmengeschichte gelesen. Viele der Fakten kenne ich, aber mir fehlt das Persönliche. Ihr Sohn gibt sich da ziemlich bedeckt.“
„Nicht bewusst, aber er kann schlecht Privatleben und Firma voneinander trennen. Wenn er von der Firma redet, meint er, es sei schon alles gesagt. Die Firma ist sein Lebensinhalt, ist auch der wesentliche Teil seines Privatlebens. Leider. Oder Gott sei Dank. Kommt darauf an, ob man es aus der Sicht seiner Frau Astrid oder aus der Sicht der Firma sieht. Aber das veröffentlichen Sie nicht, Arabella!“
„Einverstanden. Sie bekommen sowieso die Endfassung zur Genehmigung, bevor sie in den Druck geht.“ Sie trank wieder einen Schluck Tee und kostete das Gebäck, das sie die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte.
„Also, Frau Caprese...“,begann Arabella und nestelte an ihrem Armband herum.
„Anna, bitte, sonst machen Sie mich wirklich zu einer alten Dame und Respektsperson. Das bin ich nicht.“
„Gern, Anna. Wie war das damals, als Ihr Mann Mario die Firma aufgebaut hat...? Wie war das also damals, Anna, als Mario Caprese die Firma, die ja damals noch nicht CCC hieß, gegründet hat? Wie kam Ihr Mann auf die Idee, in der Nachkriegszeit, als die Leute wohl noch andere Sorgen hatten, als sich um ihr gutes Aussehen zu sorgen, auf Kosmetika zu setzen? Wie haben Sie das persönlich erlebt?“
„Das alles begann nicht unbedingt mit der Gründung der ‚MC Kosmetik’, wie wir die Firma genannt haben.“
„Pardon“, sagte Arabella. „Ich glaube, das war ohnehin der falsche Ansatz. Wie haben Sie Mario Caprese kennengelernt? In Italien oder hier in Deutschland? Wissen Sie noch, wann und wo Sie ihn das erste Mal gesehen haben?“
„Oh, das weiß ich recht gut“, antwortete Anna. „Es war nicht in Italien, sondern hier in Baden-Baden, in der Apotheke meines Vaters, mitten im Krieg. Er hatte eine triefende Nase und wollte etwas gegen seinen Heuschnupfen haben. Wir kamen miteinander ins Gespräch, und er lud mich – spontan, wie er war – zu einem Eis ein. Er kannte ein Café, das ebenfalls von einem Italiener betrieben wurde und in dem es, wenn man den Besitzer gut kannte, tatsächlich noch italienisches Eis gab, das aus Kondensmilch hergestellt wurde. Er gefiel mir mit seinen leicht gewellten, üppigen dunklen Haaren, den ebenso dunklen Augen und der aristokratischen Nase, so sehr sie auch tropfte, und ich sagte zu. Gutaussehende junge Männer waren rar in diesen Tagen, denn die meisten Söhne der Stadt befanden sich ja irgendwo an der Front. Als wir uns dann ein paar Tage später im Café Florenz trafen und tatsächlich italienische Eisbecher serviert bekamen – ich habe niemals vorher und niemals nachher ein derart phantastisches Eis gegessen -, war seine Nase wieder schnupfenfrei, und seine Augen strahlten mich die ganze Zeit über an. Nun, das war der Auftakt zu einer Romanze. Wir trafen uns heimlich, und ich erfand gegenüber meinen Eltern immer wieder abenteuerliche Ausreden, um zu den Treffen gehen zu können, denn ich war mir nicht sicher, wie mein Vater auf einen Italiener als möglichen Schwiegersohn reagieren würde. Und dass wir heiraten wollten, stand für uns schon nach wenigen Wochen fest.“
„Hat Mario Ihnen einen Heiratsantrag gemacht?“, wollte Arabella wissen.
„Natürlich, das war damals noch ein Vorrecht der Männer. Den ersten bekam ich schon beim zweiten Treffen, den zweiten kurz danach. Ich lehnte zweimal ab, mehr aus Wohlerzogenheit denn aus Überzeugung, aber den dritten Antrag nahm ich an.“
„Und Ihr Vater...?“ Arabella machte die Kamera startklar und schoss ein Foto, während Anna sprach.
„Es kam, wie es kommen musste. Baden-Baden ist schließlich nicht Berlin oder München oder Hamburg. Nicht so groß, meine ich, und in den Kriegsjahren fehlte das internationale Flair. Ein junger Italiener fiel auf. Hinzu kam, dass unsere Familie viele Freunde und Bekannte hatte. Dann die vielen Kunden der Apotheke, die mein Gesicht schon mal gesehen hatten und es zuordnen konnten. Obwohl wir uns an versteckten Orten trafen, wurden wir natürlich bald gesehen, und die Sache wurde meinen Eltern gesteckt. Mein Vater stellte mich zur Rede. Zu meiner Überraschung war er nur über unsere Heimlichtuerei verärgert. Dass Mario Italiener war, interessierte ihn wenig. Nur Mutter machte dies ein wenig Kummer, denn sie hatte wohl andere Pläne mit mir gehabt. Wie auch immer, Mario wurde offiziell zu uns nach Hause eingeladen, und meine Eltern waren sehr angetan von ihm. Mutters Vorbehalte schlugen sogar in Entzücken um. So geht das manchmal.“
„Sie stimmten der Heirat also zu?“
„Ja, aus Überzeugung. Zum Glück war das so. Aber sie hätten wohl auch zustimmen müssen, wenn es anders gewesen wäre, denn ich war bereits schwanger, trug Claudio unter dem Herzen.“
„Wann haben Sie geheiratet?“, fragte Arabella.
„Vier Monate nach dem ersten Kennenlernen, am 12. Oktober 1941. Hier in Baden-Baden. Es war eine Hochzeit im engsten Familien- und Freundeskreis.“ „Und wann kam Mario auf die Idee, eine Kosmetikfirma zu gründen? Das war dann aber schon nach dem Krieg, nicht wahr?“
„Richtig, das war nach dem Krieg. Aber es war nicht einfach eine urplötzliche neue Geschäftsidee, sondern diese Idee hat ihre eigene Geschichte – und die hatte eigentlich zunächst einmal mit meinem Vater zu tun. Mein Vater hat den Beruf des Apothekers sehr ernst genommen und wollte nicht einfach nur, wie er es nannte, Pillenverkäufer sein. Er liebte es, eigene Arzneien und Salben für seine Kunden herzustellen, nach traditionellen wie auch nach eigenen Rezepturen. Hinzu kam, dass die Apotheke allein anfangs nicht genug Geld einbrachte. Neue Ideen mussten her. Er begann andere Apotheken und Drogerien zu beliefern. Zu seinen eigenen Kreationen gehörte schließlich auch eine Schönheitssalbe, die sich sehr gut verkaufen ließ. Wer weiß, vielleicht wäre daraus die Firma ‚Weseloh Kosmetik’ geworden, auf dem richtigen Weg dazu war er, aber der Ausbruch des Krieges hat das verhindert. Vater wurde dazu verdonnert, mit seinen bescheidenen Produktionsmitteln Brand- und Wundsalben für die Wehrmacht herzustellen. Das war zwar nicht das, was er sich erträumt hatte, aber seine Kapazitäten waren fortan immer voll ausgelastet, und der Staat zahlte gut und pünktlich. Nach dem Krieg dachte er kurzzeitig daran, wieder seine Schönheitssalbe herzustellen. Er sprach auch mit Mario darüber, und der war sofort Feuer und Flamme. Aber es mangelte eben an allem, auch an den Grundstoffen zur Salbenherstellung.
Die Sache geriet in Vergessenheit. Vater starb, und die Apotheke konnte nicht gehalten werden. Aber Mario, der inzwischen arbeitslos geworden war, weil seine alte Firma das Kriegsende nicht überdauert hatte, schaffte es, Vaters Labor und Salbenproduktion zu retten. Mario war wirklich sehr tüchtig. Er begann mit simplen Wundsalben. Dann kam das Wirtschaftswunder. Überall ging es bergauf. Mario besann sich auf das Rezept seines Schwiegervaters und begann damit, die vor dem Krieg entwickelte Schönheitssalbe zu produzieren, zunächst in kleinen Mengen. Er nannte sie ‚Florenz’, in Erinnerung an das Café, in dem wir unser erstes Rendezvous hatten. Ich half ihm nach Kräften beim Absatz, indem ich Drogerien und Kosmetiksalons besuchte und die Salbe vorstellte.“
„Dann war es also die Salbe Ihres Vaters, die den Welterfolg der CCC begründete?“, fragte Arabella erstaunt, ließ sich dankend von Ella eine weitere Tasse Tee einschenken und nestelte wieder an ihrem Armband herum.
Anna schmunzelte. „So kann man es ausdrücken. Jedenfalls war es der erste Schritt in diese Richtung. Mario hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ‚Florenz’ nicht seine eigene Kreation war. Mario hat zwar anfangs die Cremes selbst angerührt und sich viel angeeignet, aber er war kein Chemiker, sondern Kaufmann. Sein Verdienst war das Gespür für moderne Kosmetika, die auf dem Markt eine Chance hatten. Er erkannte frühzeitig, wie wichtig die Aufmachung war – die Behälter, in denen die Artikel angeboten wurden, und ihre Verpackung. Wir beide zusammen haben die Firma hochgezogen, wobei ich vor allem für die Organisation zuständig war. Gemeinsam haben wir uns auch Werbestrategien ausgedacht. Das war noch alles Marke Eigenbau und vielleicht etwas hausbacken, hatte aber den gewünschten Erfolg. Die MC Kosmetik war eine der wenigen deutschen Kosmetikfirmen jener Jahre, die voll auf Werbung setzte. Sobald genügend Geld in der Kasse war, schaltete ich kleine Anzeigen in Frauenzeitschriften. Unsere Spezialität waren Direktbestellungen von Kunden. Mario kam auf die Idee, Miniaturpackungen unseres Sortiments zu entwickeln und solche Probenpakete zu einem geringen Preis anzubieten. Das wurde ein Riesenerfolg. Wir verdienten nicht viel an diesen Proben, aber sie machten uns bekannt. Anfangs habe ich selbst noch dabei geholfen, die Probenpakete zu verpacken.“
„Und ganz nebenher haben Sie noch zwei weitere Kinder zur Welt gebracht und die drei großgezogen“, warf Elli ein.
„Es war nicht leicht, und trotzdem war es eine sehr schöne Zeit. Erst später, als die Firma in Schwung gekommen war und Personal eingestellt wurde, konnte ich mich stärker meiner Familie widmen.“
„Aber der Durchbruch war es noch nicht, oder?“, wollte Arabella wissen und machte ein weiteres Foto.
Anna schüttelte den Kopf. Sie nahm sich jedoch die Zeit, sich ein Zigarillo anzuzünden und einen Rauchkringel durch den Raum zu schicken, bevor sie antwortete. „MC Kosmetik war eine kleine mittelständische Kosmetikfirma, eine von vielen im Ländle. Mit dem Plus, dass wir auch überregional warben und durch unsere Probenpäckchen und Direktbesteller außerhalb von Baden-Württemberg schon recht bekannt waren. Wir hatten gute Ideen und für die damalige Zeit recht gute Verpackungen, aber unser Sortiment war viel zu schmal: ein paar Salben, ein paar nicht sonderlich originelle Parfüms – das war’s auch schon. Um ehrlich zu sein, Arabella: Unsere Produkte waren damals nicht besser und nicht schlechter als die der Konkurrenz, nur besser verpackt. Aber dann kam das Jahr 1956. Damals fand in Ungarn der Volksaufstand statt, wie Sie vielleicht wissen. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, viele Menschen mussten flüchten. Gerade zu der Zeit suchte Mario weitere Leute. Unter den Bewerbern war ein Dr. Janosch, einer jener ungarischen Flüchtlinge. Ein Chemiker. Mario zögerte anfangs. Ein Chemiker mit einem Doktortitel in der MC Kosmetik? War das nicht eine Nummer zu hoch gegriffen? Würde der Mann nicht viel zu teuer sein? Aber dann lud er Dr. Janosch doch zu einem Vorstellungsgespräch ein. Der Mann stellte keine hohen finanziellen Forderungen, sondern wollte erst zeigen, was er konnte, schlug selbst ein Probejahr vor. Dr. Janosch wurde eingestellt, und schon nach wenigen Wochen wehte in der Firma ein ganz anderer Wind. Kein scharfer, sondern ein überaus erfrischender Wind. Mit seinem ungarischen Temperament versprühte Herr Janosch soviel an Lebensfreude und steckte alle anderen mit seiner unermüdlichen Schaffenskraft an. Mario hatte einen kongenialen Partner gefunden. Marios Kreativität im Marketing wurde durch Herrn Janoschs Kreativität in der Produktentwicklung ideal ergänzt. Fachlich gesehen war Dr. Janosch ein Ass, und er hatte Geschmack und ein feines Näschen, dachte sich betörende Düfte und Cremes aus. Er verbesserte die vorhandenen Produkte und ergänzte sie um eigene Kreationen. Die ganze Produktpalette wurde neu geordnet. MC Kosmetik stand schon bald nicht mehr für preiswerte Kosmetik, sondern für exquisite Produktlinien für den gehobenen Geschmack, natürlich auch zu gehobenen Preisen. Dr. Janosch wurde zu einer Institution, und über das Probejahr ist niemals mehr gesprochen worden. Der Mann war ein Segen für die Firma. Mit ihm gelang der Durchbruch.“
„Was war er für ein Mensch? Hatten Sie auch privat Kontakt zu ihm?“
„Aber ja“, rief Anna und zündete das inzwischen erloschene Zigarillo neu an. „Er war ein wundervoller Mensch. Ich sagte ja, er war temperamentvoll und lebensfroh, dabei aber auch feinsinnig und aufrichtig. Und seine Frau war auch eine ganz Liebe. Wir haben viel privat miteinander unternommen. Die beiden hatten einen Sohn, Sandór, auch ein sehr netter Kerl, den wir schnell ins Herz geschlossen haben. Wir haben ihm übrigens ein Studium an der Universität finanziert.“
„Ganz ohne Hintergedanken?“, fragte Arabella spitzbübisch und zwinkerte Anna zu.
Anna zwinkerte zurück. „Na ja, so eine Art Nebeneffekt war natürlich, dass sein Vater dadurch noch enger an die Firma gebunden wurde. Aber ein Schelm, der Böses dabei denkt. Schließlich hatten alle etwas davon.“
„Haben Sie heute noch Kontakt zu den Janoschs?“, wollte Anna wissen.
„Dr. Janosch und seine Frau sind bereits vor Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Eine tragische Geschichte. Und Sándor lebt heute in den USA. Aber wenn er mal in Deutschland ist, besucht er uns natürlich.“
Verbissen trabte Achim Proll durch den kleinen Park in der Nähe des Fitnesscenters. Er war heute früh dran mit dem Jogging. Meistens war er einer der letzten, die das Gebäude der CCC verließen, weil er an die übliche Arbeitszeit ein oder zwei unbezahlte Überstunden anhängte. Er war der Meinung, dass eine solche zusätzliche Leistung einem leitenden Angestellten gut zu Gesicht stand, ganz unabhängig davon, ob diese Überstunden zwingend notwendig waren. Achim war ehrgeizig. Er wollte Claudio Caprese zeigen, dass die CCC jederzeit auf ihn zählen konnte. Heute allerdings hatte Caprese der gesamten Belegschaft aus Anlass der Wahl zum Girl of the Year zwei Arbeitsstunden geschenkt. Die Angestellten bekamen so die Gelegenheit, sich in Ruhe auf die Abendveranstaltung vorzubereiten, und die anderen konnten ein bisschen früher in den Mai hineinfeiern oder sonst etwas Schönes mit den geschenkten Stunden anfangen.
Achim engagierte sich voll für seine Arbeit, und die CCC bezahlte ihm ein gutes Gehalt. Trotzdem war er nicht rundum zufrieden, traute sich mehr zu, als nur die Produktion der Firma in Schwung zu halten. Für seinen Geschmack wurde die CCC von Claudio Caprese nicht straff genug geführt. Es gab Mitarbeiter – vor allem außerhalb der Produktion -, die zu eigenmächtig handelten und denen Achims Meinung nach Grenzen gesetzt werden sollten. Aber Caprese wollte davon nichts hören, setzte auf eine vermeintliche Kreativität dieser Leute, die sich bei entsprechend gewährten Freiräumen besser entfalten konnte. Er machte dabei den Fehler, alle über einen Kamm zu scheren. Bei ihm, Achim Proll, wirkten sich solche Freiräume positiv aus, bei anderen hingegen nicht. Achim fragte sich manchmal, ob Caprese nicht doch langsam alt wurde und nicht mehr in der Lage war, von einmal als richtig angesehenen Rezepten abzuweichen. Das galt auch für die Geschäftspolitik der Firma. Natürlich, es gab weiterhin gute Wachstumsraten, aber Achims Meinung nach war mehr für die CCC drin, wenn sie die derzeit gegebenen Chancen nutzte und sich neue Märkte im Osten eroberte.
Er war noch immer verärgert über die Abfuhr, die er heute Morgen bei Caprese erlebt hatte, obwohl das schon Stunden her war, und spürte die Verkrampfung in den Beinen. Erst allmählich, nach einigen hundert Metern, lockerte sich die Muskulatur. Achim gelang es allmählich, den Gedankenfluss zu stoppen und sich ganz seinem Körper zu überlassen. In gleichmäßigem Tempo absolvierte er zwei Parkrunden, machte eine kleine Pause und setzte dann zur dritten Runde im Intervalltempo an. Die kleinen Zwischenspurts erhöhten seine Pulsfrequenz und brachten ihn gehörig ins Schwitzen, was auch Sinn der Sache war. Als er wieder am Tor angelangt war, keuchte er leicht. Er lief aus, erholte sich für ein paar Minuten und kehrte dann in mäßigem Trab zum Fitnesscenter zurück, um zu duschen.
Im Duschraum traf er Torsten, der mit ihm zusammen Betriebswirtschaftslehre studiert, später ein EDV-Studium angehängt hatte und jetzt für ein Softwareunternehmen tätig war. Sie waren über die Jahre hinweg Freunde geblieben. Torsten kam gerade aus dem Kraftraum. Die beiden begrüßten sich mit Handschlag.
„Na, hast du dich fit gemacht für das Girl of the Year?“, flachste Torsten. „Heute ist doch der große CCC-Tag, das berühmte Kalbfleisch-Derby, nur dass die Pferdchen nicht in Iffezheim, sondern im Kurhaus laufen. Wie sieht’s aus? Hat sich der Herr Produktionsleiter schon ein Girl ausgeguckt, das er aufs Kreuz legen will?“
„Red keinen Stuss“, entgegnete Achim. „Du weißt, wie der Alte darüber denkt. Ich müsste ja wahnsinnig sein, wenn ich dafür meine Karriere riskieren würde. Außerdem bin ich zu Hause gut versorgt.“
„Ja, aber so eine richtig zarte und willige Jungfrau wäre doch mal was anderes! Jeder Mann braucht doch ab und zu ein Stück Kalbfleisch.“
„Ich nicht!“, entgegnete Achim trocken, legte das um die Hüften gebundene Handtuch ab und trat in eine der Duschkabinen.
Torsten lachte nur und ging in die Nachbarkabine. Achim stellte die Dusche an und rekelte sich unter dem heißen Duschstrahl, trug Duschgel auf, und duschte anschließend abwechselnd heiß und kalt. Er ließ sich Zeit dabei. Als er schließlich die Dusche abschaltete, war Torsten bereits verschwunden. Er begegnete ihm fertig angezogen, als Achim zu den Umkleideräumen ging, und verabschiedete sich gleich. „Bin verabredet, Alter. Meine neue Flamme in Rastatt. Tanz in den Mai und so weiter. Wir sehen uns. Adieu.“
„Ciao“, grüßte Achim zurück.
Er zog sich an und fuhr dann mit seinem Audi Quattro zu Christine. Zu Christine, irgendwie war es typisch, dass er dies so empfand, dachte er, obwohl sie das Reihenhaus doch gemeinsam gemietet hatten und es eigentlich auch sein Zuhause war. Aber als er den Wagen auf dem Gemeinschaftsparkplatz abstellte, ausstieg und auf die schäbigen Wohnblocks in knapp zweihundert Metern Entfernung schaute, wusste er wieder, warum dies nicht die Art von Zuhause war, die er sich vorstellte und als angemessen empfand. Das Reihenhaus am Ende des von Vorgärten gesäumten Wegs war ja von innen ganz nett, und sie hatten es sich hübsch eingerichtet, aber die Umgebung. Dort drüben in den Blöcken wohnten viele Sozialhilfeempfänger und andere Existenzen aus dem unteren Bereich des sozialen Spektrums. Achim hatte ein gewisses Maß an Verständnis für diese Leute, und ihre Lage, ob selbst verschuldet oder nicht, dauerte ihn. Zu dieser Haltung hatte Christines Tätigkeit als Sozialarbeiterin und Bewährungshelferin entscheidend beigetragen. Sie warb immer wieder bei ihm um Verständnis für die Gescheiterten und Gestrauchelten, für jene, die im sozialen Abseits standen.
Achim teilte nicht alle ihre Argumente, hatte ihr aber einmal sogar geholfen, einen Vorbestraften, der auf Bewährung draußen war, bei der CCC in Lohn und Brot zu bringen. Dieter Kopp, früher als Drogendealer aktiv und selbst von Drogen abhängig gewesen. Bis jetzt – und das immerhin schon seit vier Jahren – machte er sich gut, war allem Anschein nach nicht rückfällig geworden und schien das in ihn gesetzte Vertrauen zu bestätigen. Er war als Capreses Chauffeur tätig und betreute daneben die Villa und den Garten des Chefs. Caprese kannte natürlich Kopps Vergangenheit; trotzdem war er sehr zufrieden mit ihm. Er vertraute ihm. Und Kopp schien zumindest für die Rolle des Chauffeurs eine Idealbesetzung zu sein, denn er war ein routinierter Fahrer, nicht zu lahm und nicht zu waghalsig, und kannte sich gut genug mit Autos aus, um bei kleineren Pannen nicht ratlos zu reagieren. Außerdem sah er sehr gut aus und hatte, was vielleicht das Wichtigste von allem war, gute Manieren.
So sehr Achim gerade dank Kopp Anlass hatte, Christines Thesen von der Veränderbarkeit des Menschen zu glauben, hörte der Spaß für ihn auf, wenn wieder einmal sein Audi auf dem Parkplatz mit Nägeln zerkratzt wurde – einmal war jemand wahrhaftig mit Nagelschuhen über das Dach gelaufen! – oder Jugendliche aus den Blöcken die Vorgärten der Reihenhäuser verwüsteten. Bei manchen Leuten, dachte er dann, helfen Toleranz, Freundlichkeit und Hilfe überhaupt nichts, sind im Gegenteil die ganz und gar falschen Rezepte, die alles nur noch verschlimmern. Das war wie in der Firma. Freiräume für die wenigen, die damit umgehen konnten, Anleitung und Kontrolle für jene, die dazu neigten, über die Stränge zu schlagen, oder nicht genügend Leistung brachten...
„Hallo Chris, Liebling, ich bin’s“, rief er, als er das Haus betrat und die Haustür hinter sich schloss.
„Hallo Liebling“, kam die Antwort aus einem der Räume. „Ich bin im Wohnzimmer.“
Christine legte einen Aktenordner aus der Hand und eilte ihm entgegen, als er das Wohnzimmer betrat. Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss auf den Mund. „Wie war’s, Achim?“, fragte sie.
Er ließ sich in einen Sessel fallen und streckte die Beine aus. „In der Firma oder beim Jogging?“
„In der Firma natürlich. Du wolltest Caprese doch heute...?“
„Vergiss es.“ Achim winkte ab. „Er hat mich abgewimmelt. Na ja, nicht endgültig. Vielleicht war heute auch ein schlechter Zeitpunkt. Der hatte nur die Veranstaltung heute Abend im Kopf. Typisch mal wieder für ihn. Der Chef einer Firma von Weltrang sollte sich nicht mit diesem Firlefanz, sondern mit den Firmengeschäften befassen. Aber nein, er muss sich wieder mal um jeden Mist in Bezug auf den Beauty Contest kümmern, statt jemanden zu bestimmen, der diese Aufgaben übernimmt. Den könnte er sich ja zur Brust nehmen, falls etwas nicht klappt.“
„Nun lass ihn doch. Es macht ihm wahrscheinlich Spaß, sich im Licht der Öffentlichkeit zu sonnen. Und dass er dabei eine gute Figur macht, musst du ihm schon zugestehen.“
„Das ändert nichts daran, dass er nicht mehr den Sinn für die rechten Proportionen hat.“ Achim begann sich in Rage zu reden. „Mein Gott, er kann ja gern die Eröffnungsrede halten und die Firma repräsentieren. Habe nichts dagegen. Aber ansonsten gehört die Kleinarbeit delegiert, aber streng von oben überwacht. Teile und herrsche! Und die Führung der Firma sollte er auch jemand anderem überlassen, der Ideen hat und für frischen Wind sorgt.“
„Dir!“, bemerkte Christine, und es war ihrer Stimme nicht anzuhören, ob sie lediglich eine Feststellung traf oder eine Forderung erhob, hinter der sie auch selbst stand.
Achim Proll schaute sie leicht verunsichert an. „Unter den leitenden Angestellten dürfte ich in der Tat der geeignetste Mann dafür sein, das muss man mal ganz nüchtern feststellen. Und es wäre im Interesse aller. Caprese könnte kürzer treten, die Firma würde noch größer und mächtiger am Markt sein, und Capreses Bankkonto würde es auch nicht schaden. Und darum geht es doch letztlich.“
„Du hast dich vergessen“, erinnerte ihn Christine.
„Wie?“, fragte Achim irritiert.
„Deinem... unserem Bankkonto würde es auch nicht schaden, oder?“
Achim schaute sie fast pikiert an. „Das versteht sich ja wohl von selbst. Natürlich würde ich als Spitzenmanager auch ein Spitzengehalt und eine Umsatzbeteiligung einfordern. Wer der Firma viel Geld einbringt – und das würde ich, wenn ich ganz oben stünde, davon bin ich überzeugt –, sollte auch das Selbstbewusstsein haben, daran seinen Anteil zu fordern, sonst ist er nicht der richtige Mann für den Job.“
„Aber Achim, die CCC zahlt dir auch jetzt nicht gerade ein Almosen.“
„Zugegeben, aber ich habe das Zeug, um oben mitzumischen, auch finanziell. Chris, da liegt für mich mehr Geld drin, viel mehr. Dagegen, was in den Chefetagen großer Firmen gezahlt wird, ist mein derzeitiges Gehalt tatsächlich nicht mehr als ein Almosen. Die CCC könnte sich auch einen Spitzenmanager mit einem Spitzengehalt leisten.“ Er seufzte, und es klang resigniert. „Aber langsam habe ich den Eindruck, dass sich Caprese nicht nur an seinem Chefsessel festklammert – das soll er ja gern –, sondern auch keinen anderen ganz oben neben sich dulden will. Und ich sage dir eins, Chris, lange mache ich das nicht mehr mit. Wenn Caprese nicht auf meine konstruktiven Vorschläge für das Ostgeschäft eingeht und meine Position nicht anhebt, überlege ich ernsthaft zu kündigen.“
Seine Lebensgefährtin machte ein betroffenes Gesicht. „Und was würde das für uns bedeuten? Ich meine, du findest ja nicht unbedingt einen Spitzenjob hier in Baden-Baden.“
„Wir würden umziehen“, sagte er leichthin. „In eine andere Stadt, in eine bessere Gegend, wo man sich nicht mit zerkratzten Autos herumärgern muss. Vielleicht auch ins Ausland.“
„Du weißt, ich kann hier nicht so ohne weiteres weg“, sagte sie und deutete auf die vor ihr liegende Akte. „Hier gibt es Leute, die mich brauchen, die auf mich hoffen. Dies ist wieder so ein Fall, eine junge Frau, geschieden, Alleinerziehende mit zwei Kindern, von ihrem Ex verprügelt, die in ihrer Verzweiflung zu einem Messer gegriffen hat.“
„Sei unbesorgt, solche Leute wirst du auch in anderen Städten finden. Die Arbeit wird dir nicht ausgehen.“
„Du verstehst mich nicht oder willst mich nicht verstehen!“, gab sie zur Antwort. „Es geht hier um einzelne Menschen, zu denen ich in jahrelanger Arbeit eine Beziehung aufgebaut habe. Zu denen sagt man nicht so einfach Ade und mach es gut, ich habe was anderes vor!“
