Der Fluthelfer - Gunnar Klehm - E-Book

Der Fluthelfer E-Book

Gunnar Klehm

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Beschreibung

August 2002. Nach tagelangen Regenfällen rasen von den sächsischen Bergen drei bis vier Meter hohe Flutwellen zu Tal. Sie reißen Häuser mit, kniscken Brücken, zerfetzen Straßen. In dieser verheerenden Naturkatastrophe gerät die junge Dresdnerin Anna in Lebensgefaht. Was ihr Freund Stephan auch versucht, es gelingt ihm nicht, sie zu retten. Doch auf der Schwelle zwischen Leben und Tod werden Helden geboren. Dieser Roman basiert auf wahren Begebenheiten.

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Seitenzahl: 288

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Dieser Roman beruht auf wahren Begebenheiten, Namen, Charaktere und einige Orte sind allerdings frei erfunden.

Impressum

© edition Sächsische Zeitung SAXO’Phon GmbH Layout: Antje Madaus · Dresdner Verlagshaus Technik GmbH Titelfoto: Rainer Jensen/picture-alliance Druck: CPI Moravia Books GmbH ISBN: 978-3-943444-00-1 (Printausgabe) Alle Rechte vorbehalten · 1. Auflage Juli 2012

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

ISBN: 978-3-943444-13-1

Prolog

Dramatische Nacht

Das Wasser schlägt wild um sich. Es hat Anna endgültig umzingelt. Aber sie ist fit. Das zahlt sich aus in dieser dramatischen Nacht. Das Geländer, das den untergegangenen Gehweg immer noch von der Fahrbahn trennt, ist schmierig. Hier fuhren vorhin noch Autos durch Freital. Die Fahrer wollen nur raus, raus aus der Landeshauptstadt, raus ins Grüne. Oder umgekehrt. Freital ist nur Durchgangsstation. Jetzt auch für die Wassermassen, die sich nach stundenlangen Unwettern über den Tälern des Osterzgebirges in die Stadt ergießen. Das schmale Tal füllt sich. Die vereinigte Weißeritz steigt ohne Unterlass. Das Flüsschen schickt sich an, sich deutschlandweit einen Namen zu machen. Die nächste Flutwelle rollt an. Sie reißt ein Auto mit sich. Ohne Fahrer. Er hat sich retten können. Jetzt würden sich nicht mal mehr Wildwasserkanuten ins Gelände trauen.

Anna hat immer mehr Mühe, sich an ihrer rettenden Insel, dem Fußweggeländer, festzuklammern. Die Finger können das kalte Metall nicht vollständig umfassen. Nur ein winziges Stück fehlt. Aber es fehlt. Es könnte so leicht sein, sich zu halten. Doch es wird immer schwerer. Der Holm des Geländers, der nur noch Zentimeter aus den Fluten ragt, bläht sich unter ihren Handflächen. Nachfassen. Anna presst den Oberkörper auf den Holm. Mit dem linken Fuß sucht sie unter Wasser verzweifelt nach einem Widerstand. Überall ragen schiefe Gehwegplatten auf. Warum hier nicht? Sie rutscht immer wieder weg. So sehr sie auch ihr Gewicht auf den anderen Fuß verlagert, Millimeter um Millimeter treibt sie ab. Beim Bergsteigen wäre sie längst abgestürzt. Allein mit den Händen kann man sich nicht lange halten. Das weiß die erfahrene Kletterin. Immer wieder klirrt Schwemmgut gegen das Metall. Der Stahl vibriert, will Anna endgültig abwerfen. Doch die schlingt nun ihre Arme um die rettende Stange. Es ist der einzige Halt in diesen tosenden Fluten. Das Wasser zerrt an ihren Beinen. Sie verliert das Gleichgewicht. Sinkt nieder. Festhalten. Nur nicht loslassen.

Das verdammte Wasser ist höchstens einen Meter tief. Aber die Strömung reißt Anna fast die Kleider vom Leib. Der neue Sommerrock hängt schon in Fetzen. Irgendein scharfkantiges Unterwassergeschoss hatte sich verfangen. Die nackten Beine schmerzen. Das Wasser ist kalt. Wunden. Sie müsste doch Wunden haben. Mülltonnen, Kühlschränke, ja sogar Baucontainer treibt die wild gewordene Weißeritz vor sich her. Kleineres Treibgut ist jetzt nach Anbruch der Nacht nicht mehr genau identifizierbar. Aber die harten Stücke schmerzen, wenn sie über Annas Füße poltern. Die Schuhe hatte sie noch ausgezogen, als sie sich aufmachte, schnell mal über die Straße zu waten. Längst sind die roten Riemchenschuhe davongeschwommen. Ob sie schon in Dresden sind? Wieder zurück, genau dort in der Auslage des Schuhgeschäftes an der Prager Straße, wo sie Anna erst gestern gekauft hatte? Auch dort peitscht inzwischen das Flüsschen Weißeritz alles nieder, was sich ihm entgegenstellt. Von Annas Überlebenskampf weiß in Dresden aber noch keiner.

Die Straßenbeleuchtung an Freitals Magistrale und allen Querstraßen ist seit Stunden abgeschaltet. In den Häusern sieht man nur hinter einigen Gardinen einen dünnen Kerzenschein. Steht da etwa jemand am offenen Fenster? Kann er mich hören? Funzelt da etwas auf dem Balkon? Anna ist der Verzweiflung nah. Das Gurgeln des vollgestopften Wassers ist einfach zu laut. Sie nimmt die Dinge um sich herum nur noch instinktiv wahr. Sie kämpft mit einem Raubtier, das alles verschlingt, was vor ihm niedersinkt. Noch hat das Wasser das blonde Mädchen aber nicht umgeworfen. Noch hält sie sich aufrecht, wäre Rettung möglich. Auf der Straße erkennt man gar nichts mehr. Dunkelheit macht noch viel einsamer. Ist denn hier niemand, der mir helfen kann? Die Scheinwerfer des Feuerwehrautos, die eben noch von der anderen Straßenseite auf sie gerichtet waren, sind erloschen. Der Rettungsversuch endete im Fiasko. In Annas Kopf beginnt sich langsam alles zu drehen. Auf was soll sie hoffen? Auf Licht in der Nacht? Auf Kraft? Auf einen Ausweg? Die Situation verschärft sich. Erneut steigt das Wasser mit einer noch kräftigeren Welle. Anna kniet noch immer in den Fluten, bäumt sich auf. Das Wasser hält noch stärker dagegen. Sich eisern festhaltend, den Kopf nur noch knapp über den Wellen haltend, starrt sie in die Dunkelheit. So sollte also alles enden? Das Wasser aus ihren Haaren läuft in Schlieren über ihr Gesicht. Es mischt sich mit den Tränen. Sie sind wärmer. Ihr Körper ist fest verankert. Dann türmt sich die nächste, noch größere Welle auf. Bevor sie über ihrem Kopf zusammenschlägt, schreit Anna ihren unerbittlichen Widerpart an, als würde das Hochwasser nur auf diesen einen, alles beendenden Befehl gewartet haben, um endlich Schluss zu machen. Doch nichts passiert. Natürlich nicht. Wie konnte sie nur in diese ausweglose Lage geraten. Sie, die doch bisher immer alles im Griff hatte.

Kapitel 1

Jugendliebe

Fünf Minuten Pause

Stephan steht etwas verloren neben der Laderampe. Hier werden die kleineren Waren für das Baumarktlager angeliefert, in dem er vor kurzem die Ausbildung zum Lageristen angefangen hat. Seine Schicht ist noch lange nicht vorbei, trotzdem macht er Pause, fünf Minuten Pause, denn er ist mit Anna verabredet, um gemeinsam eine zu rauchen. Fünf Minuten Pause, mehr nicht, so viel hat er sich von dem Lagerarbeiter erbeten, dem er gerade unterstellt ist. Der hat zwar mit der Stirn gerunzelt, aber genickt. So ziemlich jeder Packer hier raucht, mancher erledigt gar seine Aufgaben mit einer Fluppe im Mundwinkel. Untätig herumstehen muss hier keiner, es ist immer Betrieb. Und sich setzen, geht schon gar nicht, auch wenn die Beine schmerzen oder man doch kurz warten muss, bis es weitergeht. Meistens steht man aber unter Strom, überall ist Bewegung. An der Rampe neben Stephan werden gerade Pakete aus einem Kleinlaster verladen. Zwei Männer packen die Ladung auf einen Hubwagen, stapeln sie von der einen Palette zur anderen. Sie werfen Stephan höchstens einen flüchtigen Blick zu, dennoch fühlt er sich angestarrt. Was stehe ich hier eigentlich so blöde rum, mit Zigaretten, die nicht glimmen, denkt er sich. Auf die Aufmerksamkeit kann er gut verzichten, überhaupt möchte er am liebsten aus diesem Lager verschwinden, wo nie Ruhe ist, nur Staub und ein ständiges kaltes Licht. Auch jetzt dröhnt der Lärm durch den offenen Halleneingang. Fünf Minuten Pause, mehr hatte er nicht, jetzt ist er schon bei sechs Minuten. Der Vorarbeiter schaut sicher nicht auf die Uhr, aber wann wird sein Fehlen unangenehm auffallen? Die beiden Männer zünden sich nun auch eine Kippe an, der ganze Boden um die Rampe herum ist übersät mit Stummeln, beige Zigarettenfilter auf grauem Asphalt. Wenn Stephan sich bloß auch eine anzünden könnte, dann stünde er nicht so untätig da, würde halt eine Pause machen, ist doch in Ordnung. Stattdessen hält er die beiden kalten Kippen in der linken Hand. Er hat sie selber gestopft, heute Morgen, in der neuen Küche, in ihrer neuen Wohnung. Anna schwärzte währenddessen ihre Wimpern vor dem Spiegel. Sie hatte auch eine Ausbildung im Baumarkt bekommen, allerdings als Bürokauffrau, einige Etagen weit entfernt vom Lager. Stephan schaut nervös auf die Uhr, jetzt sind es schon acht Minuten. Langsam wird es auffällig. Stephan drückt den Daumen an den Mund und schiebt sich den Nagel zwischen die Zähne. Mit dem Knabbern hat er wieder angefangen, seit sie nach Düsseldorf gezogen sind.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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