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Ein einfacher Zettel kann für große Verwirrung sorgen. 5 Freunde sorgen sich um die Umwelt, man befürchtet sogar den Weltuntergang. Eine jahrhundertalte Prophezeiung droht in Erfüllung zu gehen. Sogar Geheimdienste der ganzen Welt agieren in dieser Sache, allerdings werden sie von anderen Motiven angetrieben. Wien als Mittelpunkt des Geschehens, zur Zeit der Türkenbelagerung und des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
Erich Wenisch
Der gestohlene Regenbogen
Eine unglaubliche Geschichte
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1, 29.Juli
Kapitel 2, Wo bleibt Maximilian
Kapitel 3, Herzog Karl V.
Impressum tolino
Es ist schwül, die Hitze ist erdrückend, 42 Grad um 11 Uhr vormittags. Der Deckenventilator in der schmuddeligen Bar versucht redlich etwas frische Luft in den dunklen Raum zu bringen. Die Wüste zeigt ihre Krallen von der unerbittlichsten Seite. Es ist ruhig in der Bar, direkt an der langen Durchzugsstraße, der N53, niemand will sich hier unnötigerweise bewegen, sogar der Kellner lehnt an der Theke, den Gästen abgewandt und blickt geistesabwesend durch die Tür. Von dessen Türstock hängt ein bunter Vorhang, der sich leicht im Wüstenwind bewegt, der sicherlich noch niemals gewaschen wurde und Löcher hat ganz so wie ein Schweizer Käse. Er hat die Aufgabe den Gastraum vom Lager zu trennen. Hinaus durch die geöffnete, im Wind quietschende, Hintertüre blickt man auf die leere staubige Straße.
Es ist kurz vor Mittag in Libyen, in Ghadames der sogenannten unterirdischen Stadt. Die Stadt liegt mitten in der Wüste und ist eine Tagesreise von Tripolis entfernt. Man hat diese Stadt zum Schutze der Sonne teilweise überbaut, daher der Name „unterirdische Stadt“.
Abdul Aziz, ein Arzt der stets mit seinem abgeschrammten Arztkoffer unterwegs ist, sitzt auf einem wackeligen Stuhl in der Bar „Ali Baba“. Abdul Aziz ist ein großgewachsener Mann der allerdings seine besten Tage schon hinter sich hat. Der Bart ist lang und ungepflegt aus seinem Mundwinkel schaut ein dunkelbrauner Zigarillostummel hervor, an dem er ständig kaut, aber sich wohlgemerkt nie anzündet. Der weiße Mantel ist schmutzig und abgewetzt.
Neben ihm, am gleichen Tisch mit der abgeschlagenen Marmorplatte, sitzt im schummrigen Licht der Chemiker Yusuf Rahman Al-Saud. Der leert gerade sein Glas Whiskey mit einem Schluck, und gießt sich aus der am Tisch stehenden fast leeren Flasche nach. Er kratzt sich an seinem Dreitagebart und sagt: „Abdul, hast du schon einmal so ein brütende Hitze erlebt? Wir sitzen eher in einem Backofen und nicht in der Wüste!“ Abdul wischt sich mit einem Taschentuch über die schweißnasse Stirn: „Nein, Yusuf, und diese Luftfeuchtigkeit noch dazu, bald wachsen bei uns Tropenbäume!“
In dieser Alkohol triefenden, tiefsinnigen Unterhaltung stürmt ein Mann in das Lokal. Der stutzt kurz, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, blickt sich kurz um und steuert direkt auf die Beiden zu. Der Mann trägt einen weißen Arbeitskittel, er krallt sich behände einen der umherstehenden Sessel und lässt sich lautstark auf den herangezogenen Stuhl fallen. Ächzend protestiert das Sitzmöbel das den Namen nicht verdient und gibt sich letztendlich der Masse des Mannes geschlagen. Der Kellner ist wie auf Kommando sofort zur Stelle und stellt dem Mann der soeben erst die Bar betreten hat wortlos ein Glas auf den Tisch. Nicht ohne das Glas zuvor mit seinen schmierigen Tuch zu reinigen und den Tisch damit flink abzuwischen.
Der Kellner wirft das Tuch um seine Schultern und verschwindet murmelnd in Richtung Theke. Ohne Aufzusehen, wer da jetzt gekommen ist, schenkt Abdul das Glas des Neuankömmlings voll, dabei sagt er: „Hallo, Hans, hast du wieder einmal ein Haus in die
Luft gesprengt, mit deinen Experimenten?“
„Psst, nicht so laut.“ bremst Hans Berg, die für ihn etwas zu lockere Stimmung. Und mit verschwörerischen Unterton: „Einer deiner Probanden, Abdul, den ich vor einem Monat die Ampulle mit der modifizierten Lösung von Yusuf gegeben habe scheint plötzlich sterbenskrank zu sein.“ Er leert das Glas ruckartig, verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse: „Was sollen wir tun?“
Abdul Aziz versucht Hans Berg zu beruhigen: „Den habe ich doch untersucht, der ist beim Einliefern doch gesund gewesen. Bis auf die Beule am Kopf.“ Dabei blickt er Yusuf Rahman Al-Saud vorwurfvoll an: „Dem du eine Übergebraten hast, du solltest ihn doch einfach nur zum Schweigen bringen.“ Yusuf protestiert: „Was soll ich machen, wenn sich der plötzlich umdreht. Das Chloroform konnte ich ihn nicht mehr verabreichen.“ „Streitet euch nicht.“ Meint Hans Berg, Abdul Aziz lenkt ein: „Gut Hans, du bringst den Patienten bei Einbruch der Dunkelheit zu mir in die Praxis, Yusuf und ich warten dort auf dich.“ Berg nickt: „Ok, um neun bin ich da, haltet mir die Hintertüre auf.“ Er springt vom Stuhl, sodass der lautstark über den abgetretenen Holzboden schleift, und verlässt grußlos das Lokal.
4. August (Österreich)
Die Zeitungen überschlagen sich schon seit Tagen mit regelrechten Horrormeldungen über das schlechte Wetter, das zurzeit nicht nur in Österreich herrscht, sondern weltweit den Menschen die Sorgenfalten auf die Stirn brennt. Da ist zum Beispiel in einer Tageszeitung etwa als Überschrift auf der Titelseite zu lesen: „Das ist ein Jahrhundertregen!“ Oder in einem anderen Boulevardblatt wird gewarnt: „Kommt jetzt die Sintflut?“ Aber auch die Nachrichtensprecher der Fernsehsender wissen immer etwas über den Regen der seit Tagen unaufhörlich auf die Erde niederprasselt sensationsgierig zu berichten. Da werden Experten zitiert, die einen meinen es sei die Klimaveränderung schuld, die anderen sagen es sei nur normaler Regen der halt schon etwas länger dauert. Aber andere meinen wo Regen fällt, scheint nachher wieder die Sonne. Da werden Analysen und Prognosen aufgestellt und mit Tafeln dem Publikum vor den Fernsehern zum Abendessen gereicht. Der österreichische Bundespräsident meldet sich in einer Ansprache zur Nation ebenfalls zu Wort.
Er sagt mit staatstragenden aber beruhigendem Ton: „Diese Wettersituation ist eine ernstzunehmende Sache, die man beobachten müsse. Das Bundesheer ist schon im Rahmen des Katastrophenschutzes unterwegs. Wir werden alles Mögliche dafür tun die österreichische Bevölkerung zu beschützen.“ Dabei zieht er das Wort „österreichische“ besonders in die Länge, und noch dazu mit einer extra weichen, ja salbenden, Stimme. Ein findiger Geschäftsmann inseriert in einem Wochenblatt und bietet „Einwegregenschirme“ und Stiefeln in passender Farbe, ganz besonders günstig an. So versichert er zumindest. Ein Anderer offeriert einen Sandsackverleih zum Hochwasserschutz, inklusive Zustellung im Raum Wien.
Aber nicht nur die Stadt Wien, also die größte Stadt Österreichs, nein sogar die ganze Welt dürfte betroffen sein. So hört man auf einem amerikanischen Nachrichtensender, dass sich der amerikanische Präsident mit dem Russischen und dem Chinesischen Oberhaupt, die gegenseitige Hilfe zugesichert haben. Weiters berichtet der Sender CDN, dass in Amerika bereits Kampfjets aufgestiegen sind, die mit doppelter Schallgeschwindigkeit flogen, direkt in die bedrohlich dunkle tiefhängende Wolkendecke um diese zu zerstören. Keine Wolken kein Regen, war die These. Der Erfolg blieb allerdings gänzlich aus.
Aus Deutschland werden schon die ersten Überschwemmungen gemeldet. Der Rhein tritt über die Ufer, die Deiche drohen zu bersten. Die deutsche Bundeskanzlerin tritt im großen Medieninteresse vor ihr Volk, man sieht es an den vielen Mikrophonen der verschiedensten Rundfunkstationen.
Doch hier in Wien ist es eigentlich ganz normal. Jeder schimpft über das Wetter, egal ob Regen oder Sonnenschein. Hier arrangiert man sich mit fast jeder Situation, a bisserl raunzen, und es geht schon wieder besser. So hat schon der Johann Nestroy einst prophezeit: „Die Welt steht auf keinen Fall mehr lang.“
29. Juli (Lybien)
Yusuf und Abdul warten in der Praxis des Arztes, in der es schon lange keine zahlenden Patienten gibt, Personal schon gar nicht, auf Hans Berg. Hans Berg ist ein ehemals gefeierter Geoökologe, der aber vor Jahren mit eigenen Experimenten noch dazu unter
Alkoholeinfluss begann. Das wollten die Konzerne für die er arbeitete aber nicht. Die Praxis zeichnete sich einst hoch modern aus, mit glänzenden weißen Schränken und lindgrünen Fliesen an den Wänden. Der Boden strahlte vor langer Zeit im sterilen weiß, die medizinischen Geräte waren stets blankpoliert. Nun aber gleicht die Praxis eher einem Lagerraum einer schmuddeligen Hinterhofwerkstadt. Yusuf meint, während er auf seine Fliegerarmbanduhr sieht: „Ist schon neun durch, Hans ist immer noch nicht da.“ Abdul ergänzt: „Hoffentlich ist der nicht bei seiner Freundin der Whiskyflasche eingeschlafen.“ In diesem Augenblick scheppert es an der Hintertüre, Hans Berg stößt sie mit einem Ruck auf und schiebt eine Bahre in den Raum. Das Licht von kalten Neonröhren flackert auf und lässt den Patienten auf der Bahre so weiß wie das Laken auf dem er liegt aussehen. Wobei das Laken ist alles andere als weiß. „Endlich.“ Sagt Yusuf: „Wo warst du denn so lange.“ Berg protestiert: „Na, du musst den,“ er deutet auf den Kranken, „Sandsack erst einmal heben. Zuerst von der Liege in den Wagen und dann jetzt wieder auf die Bahre.“ Ok, ok,“ beruhigt Yusuf: „Abdul soll ihn gleich untersuchen.“
Die Untersuchung des Patienten dauert schon zwei Stunden. Der Mann bekommt nichts mit, er ist in einem komamäßigen Zustand. Hans Berg sagt zu Yusuf Rahman Al-Saud: „Nächstes Mal wähle unsere Versuchspersonen nicht aus dem Sandlermileu aus.“ Der Arzt winkt ab: „Nein, damit hat das nichts zu tun, was hast du ihm denn gegeben?“ Der angesprochene Hans Berg: „Eine Ampulle von dem neuen Zeugs, sonst nichts.“ Der Arzt schaut besorgt zu Yusuf: „Was hast du da gemixt? Das
Mittel ist mit Silberiodid konterminiert.“
Hans Berg kratzt sich am Kinnbart: „Und was ist das, ich bin doch nur der Händler hier, ihr seid die Profis.“ Yusuf mischt sich ein: „Ja, ich habe Silberiodid als Trägermittel eingesetzt.“ Der Arzt wirft ein: „Silberiodid wird zur sogenannten Wolkenimpfung verwendet, seit den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts.“ „Na, toll, ihr habt mir doch schon das Ok gegeben. Ich habe vorige Woche unserem Auftraggeber bereits eine Palette geliefert.
Die sind schon ungeduldig geworden.“
Nun es ist eigentlich schon Hochsommer, aber ein schrecklicher Tag, denn es regnet unaufhörlich. Wegen diesem Mistwetter hat er seinen Urlaub abgebrochen. Das heißt, er ist noch immer im Urlaub, eine Woche noch. Aber er war in der Steiermark, in der grünen Mark Österreichs, zur vorgezogenen Sommerfrische. „An sich eine schöne Gegend, über den Grimming nach Gröbming. Schöne Bergstraßen und so, eine herrliche Motorradstrecke.“ Pflegt er begeistert seinen Freunden zu sagen, wenn er plötzlich für einige Tage oder Wochen verschwindet. Von dort ist er vorzeitig wieder nach Wien zurückgefahren. Er hat den dortigen Quartiergeber beim Abendessen, er bestellte sich Steirisches Wurzelfleisch mit Apfelkren und Kümmelerdäpfel, gefragt, ob er sein Motorrad bei ihm einstellen und später abholen kann. Typisch steirisch war die Antwort des Wirtes während er sich das Kernöl üppig über die in Scheiben geschnittene Wurst goss: „Ja, ist eh Wurscht, lass des Radl im Stadl steh’n, frisst eh kein Heu.“
Noch am Abend hat er sich ein trockenes Platzerl im Stadl vom Seppl-Sonnleitner für seine schwarze Yamaha Fazer gesucht. Am frühen Morgen des darauffolgenden Tages hat er seinen Rucksack und die Koffer gepackt und ist noch im Morgengrauen zum Bahnhof von Aich Assach gepilgert und hat den nächsten Zug nach Wien geentert. Zuerst musste er aber eineinhalb Stunden in den kleinen Wartehäuschen ausharren. Einige Güterzüge elendslang ratterten vorbei, aber auch Schnellzüge rauschten durch den Bahnhof. Am Schalter, wo er die Karte kaufte saß ein etwas mürrischer Beamter. Unrasiert, die Brille auf die Nasenspitze geschoben, das Kapperl in den Nacken gedrückt, fragte er ihn wohin die Reise gehe. Er hatte Mühe dem Schaffner sein Fahrziel durch die Glasscheibe die die Beiden trennte mitzuteilen. Mit allen Mitteln der Kunst, inklusive Zeichensprache, gelang es nun doch. Bis zur Ankunft des Zuges setzte er sich auf eine der zahlreichen Holzbänke und beobachtete die anderen Reisenden. Endlich fuhr die Diesellock mit vier Wagons in die Haltestelle ein, quietschend kam sie am Perron zum Stillstand. Er beeilte sich rasch einen Sitzplatz zu erhaschen, sogar einen Fensterplatz. Es war eine trostlose Fahrt gewesen, das Abteil im Zug war zum Bersten voll, die Scheiben beschlagen, nasse Kälte kroch in ihm hoch.
Nun sitzt er in seiner, Gott-Sei-Dank trockenen Wohnung, eine typische Wiener Altbauwohnung mit drei Meter hohen Wänden und stuckverzierten Decken. Die Wände sollte er vielleicht einmal neu ausmalen, denkt er sich, aber der Boden ist dafür sehr schön, ein schöner knarrender Fischgrätparkett. In seinem Wohnzimmer hat er eine gemütliche rote Couch eine Stehlampe und einen großen Teppich, die Wände zieren Bilder von seinen Abenteuern. Zwei große Fenster lassen normalerweise sehr viel Sonne in den Raum, aber jetzt müsste man sogar am Tage das Licht aufdrehen, so finster ist es.
Die Fenster sind sehr hoch, haben eine Nische und eine breite Fensterbank, auf der er es sich gerne gemütlich macht. Genauso wie jetzt, sinnierend lehnt er also an der Fensterbank, die Ellenbogen abgewinkelt sein Kinn stützt sich auf seine ausgebreiteten Hände, und schaut den Regentropfen gelangweilt zu wie sie am Fensterglas abperlen und die Fensterscheiben runter laufen. Es ist als würden sie um die Wette eilen. Er stellt sich vor, wie die Regentropfen zu schwitzen beginnen, wenn sie auf den letzten hundert Millimetern zum Endspurt ansetzen. Sie werden von den abseits stehenden Tropfen unter tosenden Beifall angefeuert schneller zu laufen. Etwa wie ein Sportreporter, zum Beispiel dieser Edi, na, wie hieß der noch, diese Szene kommentieren würde. Doch da, der Tropfen auf der linken Seite des Fensters macht einen Haken nach links außen. Was macht er da, er verbindet sich mit einem weiteren Tropfen, Doping nennt man das, äußerst unfair. Das ist doch dieser Edi, der in Cordoba gegen die Deutschen beim Fußballmatch, Tor, Tor, Tor, i wird narrisch, geschrien hat.
Zwischendurch reißt er sich aus diesen Fantasien und nimmt einen kräftigen Schluck aus seinem Glas Rotwein. Er haucht auf das Fensterglas, sein Atem lässt die Fensterscheibe anlaufen, es muss wohl kalt draußen sein. Er zeichnet einige lustige Figuren auf die Scheiben, bis der Hauch wieder von den Gläsern verschwindet. So vertreibt er sich die Zeit.
Er lehnt noch immer am Fensterbrett, jetzt aber richtet er sich auf, stemmt meine Arme in die Seiten und drückt sein Kreuz durch, knacks, angenehm, danach setzt er sich auf das Fensterbrett, lehnt sich mit der Stirn an das kalte Fensterglas, ein angenehmes Gefühl durchflutet ihn. Angestrengt, ja, doch etwas beunruhigt beobachtet er das Treiben auf der Straße.
Es ist zwar erst früher Nachmittag, aber draußen wird es trotzdem schon dunkel. Man könnte meinen, es wäre schon Abend und die Nacht breitet ihren dunklen Mantel über die Stadt aus. Dadurch kann er sich in der Fensterscheibe fast wie in einem Spiegel sehen. Er ist zufrieden mit seinem Aussehen, die Haare werden vielleicht schon ein bisserl grau, aber sonst alles paletti, bemerkt er beiläufig. Scherzhaft sagt er laut mit tiefer Stimme: „ Mein Name ist Harry, Harry Bond!“ Dabei zieht er eine imaginäre Waffe aus dem ebenso imaginären Halfter und zielt auf sein Spiegelbild.
Wann wird dieser Regen wohl wieder aufhören, spinnt er seine Gedanken mit besorgter Miene, während er das Glas wieder vom Fensterbrett aufnimmt und den Roten schwenkt, um ihm damit Luft zum Atmen gibt. Maximilian, er war gerade beim Auspacken der Koffer, rief ihn vor, na, es wird schon drei Stunden her sein, ziemlich aufgelöst an und sagte atemlos und aufgeregt, er wolle zu ihm kommen und ihm etwas sehr, sehr Wichtiges zeigen.
Sein Freund Maximilian, er schaut eigentlich aus wie ein Maulwurf. Er ist sehr kurzsichtig und trägt eine dicke rote Brille. „Hoffentlich hat er sich im dichten Regen nicht verlaufen,“ murmelt er leise vor sich hin und erschrickt fast über seine eigne Stimme. Nunmehr geräuschlos hängt Harry seinen Gedanken weiter nach. Unruhig löst er sich vom Fensterbrett um eine sehr wichtige Sache zu erledigen, wie es ihm im Augenblick erscheint. Die Koffer und Taschen nämlich, stellt er, nein stopft er, alle ungeöffnet, in den Wäscheschrank, und Hauruck, fest zudrücken, und die Türe des Schrankes ist zu. Zum Aufräumen ist später auch noch Zeit, ist ja sowieso nur Schmutzwäsche drinnen. Ermattet von der schweren Arbeit, begibt er sich zurück zum Fenster und rutscht rücklings auf das Fensterbrett. Maximilian ist nahe dem Lainzer Tierpark zu Hause, er wohnt dort in einer kleinen Mansardenwohnung mit einem kleinen Balkon zur Miete, direkt mit Aussicht auf die Hermesvilla. Er wohnt somit in einem der sogenannten Nobelviertel Wiens.
Von dort fährt er gerne mit dem Autobus zur Philadelphiabrücke die auch gleichzeitig eine U-Bahnstation ist. Durch seine Kurzsichtigkeit steigt er manchmal allerdings dann in die U-Bahn und fährt in die falsche Richtung, die U4 nach Hütteldorf und nicht auf die Landstraße, in den 3. Wiener Gemeindebezirk, wo Harry zu Hause ist. „Vielleicht macht er das, weil er ein eingefleischter Grüner ist,“ denkt sich Harry, „ich meine ein Rapidler.“
Das ist die Wiener Fußballmannschaft die sich die
Clubfarben Grün und Weiß an ihre Fahnen geheftet hat.
Beim Blick aus dem Fenster kann er die Standln unten auf dem Rochusmarkt mit ihren bunten Schirmen gut erkennen, aber nicht Maximilian. Weit und breit ist kein Maximilian zu sehen. Der Rochusmarkt ist ein Wochenmarkt wo es so gut wie alles gibt. Vom Gemüse und Obst zu Fleisch und Wurst bis hin zu Schals und Lederbrieftaschen. Er hat den Namen von der Rochuskirche, die während der zweiten Türkenbelagerung völlig zerstört wurde, danach im barocken Stil wiedererbaut und sich auch heute noch am oberen Ende des Marktes befindet. Man sagt es gibt hier noch unzählige unterirdische Gänge aus dieser Zeit. Es ist schon ein lustiges Bild, die wenigen Menschen, die bei diesem Sauwetter auf der Straße sind, drängen sich unter den Schirmen der Buden, keiner der Leute will nass werden, man könnte glauben sie wären alle aus Zucker. Und müssten sonst zergehen, wie Zucker im heißen Kaffee.
Die ganze Landstraße ist heute sonst ziemlich Menschenleer, nur hie und da huscht ein Passant mit schwarzen Schirm, oder anderen schirmähnlichen Regenschutz, Frauen hingegen meist mit bunten Schirmen bewaffnet, über die Straße, um sich sofort wieder in die Häuserfluchten zu retten. Harry kann sogar Leute auf der Straße erkennen, die sich mit einer Zeitung auf dem Kopf gestülpt, vor dem Regen schützen wollen. Manche laufen wie Balletttänzer, auf Zehenspitzen, und versuchen so den immer größer werdenden Lacken auszuweichen. Ein Fiaker trabt die leicht ansteigende Straße entlang, die Pferde dampfen regelrecht, der Kutscher kauert auf dem Bock und starrt vor sich hin.
Sogar die Autos fahren ganz langsam, so stark regnet es. Sie spritzen hohe Wasserfontänen auf die Gehsteige, und so manch ein Fußgänger wird von der Gischt getroffen. Ein Passant, den er gerade sehen kann, der einen schwarzen Mantel trägt, fuchtelt wild gestikulierend mit der erhobenen Hand, in der anderen hält er einen vom Wind geknickten Regenschirm, einem Autofahrer nach. Vielleicht schimpft er auch, das kann er aber durch seine geschlossenen Fenster nicht hören. Aber eine Frau, die an dem Passanten vorbeigeht, schüttelt den Kopf. Sie ist wohl entsetzt über seine Schimpftiraden.
Plötzlich läutet es an der Tür, das wird wohl Maximilian sein, schießt es Harry durch den Kopf. Endlich, es wird schon Zeit, denn das Warten dauert ihm schon zu lange. Man kann zwar bei dem Mistwetter sonst nichts anfangen, aber das Warten dauert dann besonders lange. Neugierig, was er ihm wohl so geheimnisvolles zu erzählen hat, springt Harry mit einem gewaltigen Satz vom, wie gesagt für Wiener Altbauwohnungen typischen breiten, Fensterbrett auf den frisch gewachsten, das sagt man so in der Wienerstadt, für alle anderen heißt das wohl gebohnerten, Parkettboden. Hoppla, damit hat er wohl nicht gerechnet. Mit einer ungewollten gigantischen
Rutschpartie gleitet er über den glatten Holzboden.
Surfvergnügen, die Beach Boys würden zu ihren Hit anstimmen, schießt es ihm durch den Kopf. Surfin’ U.S.A. So weit so gut, alles geplant könnte man sagen.
An der Eingangstüre stoppt er seine rasante Fahrt durchs Wohnzimmer und Vorzimmer, schätzungsweise vier Meter Wohnzimmer und drei Meter Vorzimmer, nach Adam Riese sieben Metern, mit einem ohrenbetäubenden Knall. Benommen schüttelt Harry sein geschundenes Haupt und denkt sich: „Na Servus, das war jetzt auch nicht ohne.“ Und laut brummt er weiter: „Man sollte dieses rutschige Fußbodenwachs verbieten.“ Er fährt sich mit der flachen Hand über seine Haare, um nicht auszusehen wie ein gerupftes Henderl und öffnet die Eingangstür. Ganz cool und dabei tut er so, als wäre eben gar nichts passiert.
Er zieht also die Eingangstüre mit einer einladenden Geste auf, mit der Meinung Maximilian steht vor ihm. Die Endtäuschung ist ziemlich groß, nein falsch enttäuscht ist er nicht wirklich, aber, ja das ist das richtige Wort, überrascht. Nun, es steht nicht Maximilian vor Harry, sondern Dorli, eigentlich heißt sie Dorothee, aber die Clique, also Harry und alle seine Freunde, sagen Dorli zu ihr. Dorli ist schon seit Ewigkeiten in der Rasselbande. Sie sieht Harry an und kann dabei ihr Lachen nicht verkneifen, denn sie hörte ebenfalls sein etwas zu engagiertes Herantreten an die Eingangstüre und reimt sich, nachdem sie dem glatten Boden eines Blickes würdigt, eins und eins zusammen.
Sie sagt aber zu ihm ganz unschuldig: „Ist dir etwas heruntergefallen?“ und grinst dabei ganz unverschämt. „Hat ja gerade eben einen gewaltigen Bumms gemacht.“ Während sie das sagt gluckst ihre Stimme und sie beginnt fast zu kichern. Er geht nicht darauf ein, als hätte er ihre Bemerkung gar nicht gehört, und sagt ganz gelassen: „Hallo, Dorli, komm weiter, du bist ja klitschnass.“ Ihre sonst immer topgepflegten langen brünetten Haare hingen ihr diesmal in nassen Strähnen herunter. Als sie im Vorzimmer war, schließt Harry hinter ihr die Türe wieder, eine dunkelbraune Eichentüre, ziemlich schwer.
Er prüft noch mit einem scharfen Blick, ob er nicht doch Spuren an der Pforte hinterlassen hat, keine Kratzer, keine Dellen, dafür aber spürt er eine kleine Beule an seinem Kopf, die ständig zu wachsen scheint. Er lässt sich aber nichts anmerken, es ist auch keine Zeit dazu, denn Dorli erzählt ihm sofort ganz aufgeregt, dass Maximilian sie heute angerufen habe. Er sei am Telefon ganz aufgelöst gewesen, meint sie, während sie ihre Jeans schüttelt, sodass sich regelrecht eine kleine Pfütze auf dem Fußboden ausbreitet.
Harry wischt den Wasserfleck mit einem Wischmob, den er vorsichtshalber im Vorzimmer stehen hat, gleich weg und deutet Dorli, sie möge ins Wohnzimmer weitergehen. Auf Harrys Frage, was er denn gesagt habe, antwortet sie, während sie beide in Richtung Wohnzimmer schlendern: „Er hat nur gesagt, dass er auf dem Weg zu dir ist. Er ruft unterwegs auch gleich Freddy an und auch er soll zu dir, Harry, kommen.“ Achselzuckend ergänzt sie noch: „Mehr weiß ich auch nicht.“ Dorli lässt sich mit einem Seufzer auf die Couch fallen und streckt danach genüsslich ihre Beine kerzengerade aus.
Merkwürdig denkt Harry sich, und er streicht sich instinktiv mit der linken Hand nachdenklich über sein unrasiertes Kinn. Er geht zum Fenster und dreht sich dort angekommen zu Dorli um. Angelehnt an die Fensterbank sagt er während er aus dem Hosensack sein Smartphone kramt zu ihr: „Ich werde Maximilian gleich an seinem Handy anrufen und fragen wo er so lange bleibt. Und vor allem, was ihn so aus der Ruhe bringt.“ Dorli winkt mit einer kurzen Handbewegung ab und erklärt: „Brauchst du nicht, ich habe schon öfter versucht ihn am Telefon zu erreichen, ohne Erfolg. Das Handy ist ausgeschaltet, denn die Mailbox schaltet sich sofort ein.“ In die darauffolgende Stille, die Beiden sind kurzfristig in eigene Gedanken versunken, schrillt wieder die Türglocke.
Wie auf Kommando starten die Beiden in Richtung Eingangstüre, sie schauen sich eine Sekunde lang fragend an und stürzen gleichzeitig zur Türe und reißen gewissermaßen gemeinsam die schwere Eichentüre mit einem Ruck auf und sehen in zwei verdutzte Augen. Am Gang steht ihr Freund Freddy, ebenso nass wie Dorli noch kurz zuvor.
Freddy ist auch schon im besten Mannesalter, immer salopp gekleidet und trägt immerzu Westernstiefel. Harry glaubt der schläft sogar damit. Dorli und Harry sagen beide gleichzeitig wie im Chor, noch bevor Freddy einen Laut von sich geben kann: „Hat dich Maximilian auch angerufen?“ Freddy nickt nur, seine metallene Halskette klimpert im Takt mit seinen Kopfbewegungen. Er schüttelt seinen Mantel, das Wasser spritzt nur so um sich, umständlich zieht er ihn aus und wirft ihn auf einen Garderobenhaken. Dann tut er so als wäre er ein Wackeldackel, schüttelt den Kopf und sagt: „Brrr, so ein mieses Wetter, wird’s denn überhaupt nicht besser? Jetzt musst schon im Sommer die Maschin‘ in der Garage stehen lassen, sollt‘ mir ein Schlauchboot kaufen.“ Dabei klimpert seine Halskette an der seine Bundesheer-erkennungsmarke hängt. Harry muss unweigerlich an die Kühe auf den Almen Tirols oder Salzburgs denken, wenn die mit ihren Kuhglocken läuten.
Als auch er so gut es geht trocken ist, mithilfe eines bereitgestellten Handtuches, das Harry schnell aus dem Badezimmer geholt hat, gehen sie alle drei ins Wohnzimmer. Den Wischmob konnte er diesmal in der Ecke stehen lassen, denn Freddy hat sich schon, schlauerweise, am Gang das überschüssige Wasser aus seinen Stiefeln geschüttelt. Harry setzt sich wieder aufs Fensterbrett um Ausschau zu halten und murmelt dabei: „Gondeln in Wien, das wäre doch was.“ Am liebsten würde er seine Stirn wieder am kalten Fensterglas kühlen, damit die Beule weiterhin unsichtbar bleibt. Wo bleibt denn Maximilian nur.
Der Regen klatscht noch immer ans Fenster und unten auf der Straße ist noch immer alles verhältnismäßig Menschenleer. Und die wenigen Leute, die auf der Straße sind, drängeln sich noch immer unter den Schirmen der Marktbuden. Harry dreht sich um und sieht zu seinen beiden Freunden, Dorli und Freddy. Die machen es sich währenddessen auf einem großen Teppich, der über den frisch gewachsten Parkettboden kunstvoll ausgebreitet ist, gemütlich.
Unweigerlich muss er dabei an die folgende Geschichte denken. Die Story ist nämlich, dass das kein gewöhnlicher Teppich ist, der gehörte einmal einen Scheich Emir oder so, er hatte den in seinem Zelt liegen. Das erklärte ihm zumindest der Trödler der ihn Harry verkaufte. Er durchschaute aber den Händler sofort und wusste, die Auslegeware kommt aus dem Supermarkt, das Preisetikett verriet es ihm. Man sollte es eben rechtzeitig entfernen. Aber er ist genauso gemütlich wie farbenprächtig, man sieht es, denn Freddy lehnt sich an Dorli Schulter an, brummt zufrieden wie ein Plüschteddybär und schläft sofort ein.
Heute ist der 12.Oktober 1683, die zweite Türkenbelagerung ist geschlagen, Herzog Karl V. (Lothringen) Feldherr der kaiserlichen Armee, dreht sich noch einmal zufrieden in seinem Bett um und genießt die Ruhe nach den Wochen und Monaten der gefährlichen Schlacht um Wien. Heute ist der Tag an dem er vom österreichischen Kaiser offiziell geehrt wird.
Der Herzog ist noch teilweise im Halbschlaf als es an der Schafzimmertüre klopft. Leise öffnet sich die schwere Eichentüre, ein Lakai, im typischen Livree eines Dienstboten gekleidet, mit einem hageren Gesicht und quirligen Augen, schaut in das mit schweren dunkelroten Brokatvorhängen abgedunkelte Zimmer, um sicher zu gehen, ob der Herzog auch schon munter sei.
Als er sieht, dass sich der Herzog nur mehr im Dämmerschlaf befindet, schleicht er leise, fast unhörbar, nur das leise knarren des Parkettbodens ist zu hören, in das Zimmer. Nachdem er die Tür wieder hinter sich geschlossen hat, geht er unter laufenden buckelnden Bewegungen zu den großen Fenstern und öffnet die Vorhänge nahezu lautlos. Licht strömt in das große mit Stuck verzierte Schlafzimmer, er blickt aus dem Fenster und sagt: „Guten Morgen Durchlaucht, das Wetter ist heute nicht sehr schön, vielleicht wird es Regen geben.“ Der Herzog blinzelt in das Licht, in die Richtung aus der die Stimme kam und sieht nur schemenhaft den Lakaien. Als Antwort grunzt er nur unverständliches. Der Lakai nimmt dies als Bestätigung und fährt fort: „Durchlaucht, wenn sie bereit sind läute ich der Zofe, sie möge das Frühstück vorbereiten.“
Nach dem opulenten Frühstück mit Kipferln, Marmelade und neuerdings mit Kaffee frisch aus dem neumodischen Kaffeehaus vom Kaffeesieder Kolschitzky, so wie es der Herzog liebt, begibt man sich zur Kleideranprobe, denn heute ist ein besonderer Tag, heute wird er vom Kaiser geehrt. Dafür dass er den Großvisier Kara Mustafa vor den Stadttoren Wiens zum Aufgeben gezwungen hat.
Das Hofzeremoniell beginnt um 14:00 Uhr, denn der Kaiser benötigt nach dem Mittagmahl genügend Zeit sich kaiserlich auszuruhen. Die Hofburg ist für diesen Anlass festlich geschmückt, hat ja Kaiser Leopold I. erst den Schweizertrakt mit der Amalienburg verbunden. So entstand der nach dem Kaiser benannte frühbarocke Leopoldinische Trakt. Die Damen in ihren spitzenumsäumten Gewändern tragen trotz des trüben Wetters, es ist ja schon Oktober, zarte weiße Sonnenschirme, um ihren blassen Teint nicht zu gefährden. Ihre spitzenbesetzte Kleider reichen bis auf den Boden, haben tief ausgeschnittene Dekolletees und nach oben gepresste Busen, so ist eben die Etikette. Grafen, Herzoge, Barone und so weiter fahren in blankpolierten Kutschen vor, während die arme Wiener Bevölkerung hinter den Kutschen herläuft um die Rossknödeln der Pferde aufzusammeln, sie sind ein bewährtes und kostengünstiges Heizmaterial.
Das Ritual wird bei solchen Ehrungen immer strikt eingehalten und darf niemals, auch nur ansatzweise, geändert werden. Als der Herzog in den großen Spiegelsaal gerufen wird, geht er mit bedächtigen Schritten durch die, ihm zuvor extra geöffnete, gepolsterte Türe. Die Galauniform des Herzogs ist reich mit Orden verziert und der Säbel den er auf der rechten Seite trägt, scheppert im Takt seiner Schritte. Die linke Hand ist behandschuht und hält den Handschuh der rechten Hand. Die wiederum ruht auf dem Knauf seines blankpolierten Säbels.
Die schwarzen Stiefel sind frisch gewichst und glänzen um die Wette. Spiegeln auf allen Wänden und Decken des Saales, dicke rote Teppiche am Boden ausgelegt, Kristallluster mit tausenden Kerzen baumeln von der Decke herab. Goldbelegter Stuck glänzt in den Zwischenräumen der Spiegel, was ist das gegen das Feldlager der vergangenen Monate wo man in Zelten hauste und der Gestank von Pulver und Schweiß herrschte. Er schreitet durch ein Spalier an Soldaten, allesamt von hohem Adel, die Hofdamen verneigen sich artig.
Das gefällt den Herzog besonders gut, so kann er die Dekolletees der Damen ungeniert betrachten und bekommt keine harsche Antwort ihres Galans. Der ihn dann womöglich zum Duell auffordert. Der Herzog zwinkert einer aparten Baronin versteckt zu. „Toll sieht sie heute wieder aus, die Nannerl.“ Denkt er sich im Vorbeigehen, die Nannerl wird bei seinem Zwinkerer rot und kichert verlegen, sodass ihr tiefes Dekolleté regelrecht zu beben beginnt.
Der Kaiser sitzt am Ende des Saales, an einem, man glaubt es kaum, ziemlich abgewetzten Militär-schreibtisch in einem bequemen mit grünem Samt bezogenen Stuhl, der sicherlich auch schon bessere Tage gesehen hat. Er sieht den Feldherren mit stolzem und väterlichem Blick entgegen, der Herzog bleibt zirka einen Meter vor dem Schreibtisch stehen, verbeugt sich und grüßt den Kaiser in aller Form. Der erwidert den Gruß mit den Worten: „Na, mein lieber Feldherr, jetzt haben wir die Türken wieder einmal geschlagen, war eine kolossale Schlacht die er uns da geliefert hat, nicht wahr?“ Er zeigt auf den Dolch der vor ihm am
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ISBN: 978-3-7393-5271-8
