2,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 2,99 €
Kate ist erfolgreich und unbarmherzig in ihrem Job, was besonders ihrem Kollegen Luke missfällt. Damit Kate ihm bei Verhandlungen für einen neuen Auftrag nicht im Wege steht, überredet er seinen Jugendfreund, den wohlhabenden Peter, sie abzulenken. Doch Kate ist schnell von ihrem neuen "Kunden" genervt. Zumal dieser gutaussehende Mister Arroganz sich eindeutig an sie heranmacht. Peter muss sich mächtig anstrengen, um sie zu beeindrucken, denn er hat seine ganz eigenen Gründe, sich auf diese Täuschung einzulassen. Seiten der Printausgabe: 204
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2021
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
Zum Schluss
Über die Autorin
Fünf Worte reichten, um Kate den Tag zu vermiesen.
»Sie will wieder nicht essen.« Millas Stimme klang besorgt. Fast meinte Kate, die Sorgenfalten auf dem Gesicht der Pflegerin durchs Handy sehen zu können.
»Ist sie wach?«, fragte Kate, während sie aus ihrer Wohnungstür zum Fahrstuhl hastete.
»Wir mussten sie ruhigstellen. Sie hat sich aufgeregt. Vor heute Mittag wird sie nicht aufwachen. Sie wird um die Sonde nicht herumkommen.«
Kate seufzte.
»Ich komme später vorbei und rede selbst mit meiner Mutter.« Sie legte auf und rieb sich über das Gesicht. Das war das Letzte, das sie jetzt gebrauchen konnte.
Sie fuhr mit dem Fahrstuhl die elf Stockwerke hinunter und eilte weiter zur Außentür. Matt, der Portier, blickte ihr lächelnd entgegen und öffnete genau im richtigen Moment die Tür.
»Guten Morgen, Miss Wesson!«, grüßte er, während sie vorüberging.
»Guten Morgen!«, erwiderte Kate und lächelte zurück. Immerhin war Matts Gesicht eins der wenigen freundlichen, die sie heute zu sehen bekommen würde.
Matt winkte ein Taxi heran und hielt ihr mit einem Augenzwinkern die Tür auf. Dann nannte er dem Taxifahrer die Adresse, wofür Kate ihm ein weiteres Lächeln schenkte.
»Danke!«, sagte sie.
Während der zwanzigminütigen Fahrt durch New Yorks Straßen checkte sie ihre Tagestermine. Sie brauchte den Nachmittag frei. Aber so, dass niemand mitbekam, wo sie hin wollte. Das würde ihr nur als Schwäche ausgelegt werden. Kate war lieber die knallharte Geschäftsfrau, vor der sich alle in Acht nahmen.
Ihr Ziel war ein vollverglastes Hochhaus, vor dem sie sich von dem Taxi absetzen ließ. Die Büroräume der PR-Agentur, in der sie arbeitete, lagen im neunzehnten Stock. Menschen strömten in der Lobby in alle Richtungen an Kate vorbei. Sie hielt auf die Fahrstühle zu, ohne den Blick von ihrem Handy und den hereinkommenden Nachrichten zu lösen, die ihr Hal, einer ihrer Assistenten, bereits schickte, nachdem sie ihm mitgeteilt hatte, nach dem Mittag einen unaufschiebbaren privaten Termin zu haben.
Als sich die Fahrstuhltür im neunzehnten Stock öffnete, wurde sie bereits von Hal und Bianca, ihrer zweiten Assistentin, erwartet. Mit Begrüßungen hielt Kate sich nicht auf. Bianca nahm ihr die Jacke ab. Hal begann sofort die Termine des Vormittags aufzuzählen, ohne den Blick von seinem Handy zu nehmen. Dabei schaffte er es, weiterhin Nachrichten abzusenden, die begleitet von Summtönen im Sekundentakt auf Kates Handy eintrafen.
Bianca war eine adrette, rothaarige Mittzwanzigerin, die sicher nicht erwartet hatte, nach sechs Monaten in dieser Firma immer noch Botengänge zu erledigen. Jetzt trippelte sie auf ihren High Heels vor ihnen her in Kates Büroräume und zum Schrank im Vorzimmer, in dem sie die Jacke verstaute. Kate wusste, dass Bianca das hasste. Ihre Assistenten waren studierte Marketing-Experten, die sich bei Kate ihre Sporen verdienen sollten. Und was Bianca anging, war diese längst der Meinung, dass sie aus der Assistentinnen-Rolle herausgewachsen sei.
Luke, Kates Kollege und härtester Konkurrent, hatte ein Auge auf Bianca geworfen. Ob die sich nun bessere Jobchancen ausrechnete, oder aber wirklich auf Luke stand, war nicht erkennbar. Jedenfalls trafen sich die beiden, weshalb Kate nun noch strenger mit Bianca umging.
»Die Spendenparty?«, fragte Kate übergangslos.
»Die Gästeliste steht, achtundneunzig Prozent Zusagen. Catering und Band haben bestätigt.« Hal wischte heftig über sein Handy.
»Schick mir die Listen. Ich sehe selbst noch einmal alles durch.«
Hal nickte und setzte einen finalen Klick auf sein Display. Dann wandte er sich seinem Schreibtisch zu.
Bianca blickte Kate erwartungsvoll an.
»Hast du die Gästeliste auswendig gelernt?«, erkundigte sich Kate.
Bianca nickte eifrig. »Darf ich nachher mit zur Besprechung?«, fragte sie.
»Meine Wäsche muss aus der Reinigung geholt werden.«
Wie erhofft, entgleiste das Gesicht ihrer Assistentin. »Aber – das kann ich doch hinterher erledigen.«
Kate schüttelte den Kopf und ließ Bianca stehen.
Ihr Büro war nur durch eine Glaswand von ihrem Vorzimmer abgetrennt. So konnte sie die nächsten Minuten deutlich die Blicke spüren, mit denen Bianca sie bedachte. Bestimmt arbeitete sie schon an einem Plan, wie sie Kate eins auswischen konnte. Kate traute niemandem, der privat mit Luke zu tun hatte. Seit sie zusammen hier angefangen hatten, hatte Luke alles getan, Kate blöd aussehen zu lassen. Und sie hatte sich dafür gerächt. Immer wieder.
Irgendwann nahm Bianca Jacke und Handtäschchen und verschwand. Hoffentlich, um Kates Wäsche zu holen.
Kate lehnte sich zurück und genoss den Kaffee, den Hal auf ihrem Schreibtisch bereitgestellt hatte. Diese paar Minuten vor dem Statusmeeting waren die ruhigsten des Tages.
Hal hielt ihr die Tür zum Konferenzzimmer auf. Wieder, ohne von seinem Handy aufzublicken. Es schien, mit seiner Hand zu verwachsen sein.
Sie kamen als letzte. Ihr Boss Jeff Bingsley, dessen bulliges Aussehen in krassem Gegensatz zu seinem netten Charakter stand, saß bereits ungeduldig am Kopfende des Konferenztisches. Doch Kate genoss den Auftritt. Ihre Punktlandung zeigte, dass sie zwar viel zu tun hatte, aber nicht unhöflich war. Es schadete nicht, Jeff immer wieder zu zeigen, wer seine Top-Agentin war. Statt einer Pistole trug Kate ein Tablet, auf dem ihr gesamtes Arbeitsleben gespeichert war. Für ihr Privatleben hätte ein altmodischer Notizblock gereicht.
Jeff ließ sie nicht aus den Augen, während sie zum anderen Tischende schritt, um dort ihren Platz einzunehmen. Der einzige Platz, von dem aus sie das Gefühl hatte, Luke dumm aussehen lassen zu können, der sich wie immer dicht neben Jeff gesetzt hatte, als wäre er seine rechte Hand, sein Vertrauter.
Lukes Strategie bestand darin, Jeff in den Hintern zu kriechen, während Kate sich darauf spezialisiert hatte, öfter zu widersprechen.
Jeff mochte sie in dieser Rolle, weil sie neue Blickwinkel einbrächte, wie er meinte. Luke hatte sich oberflächlich mit ihr arrangiert, weil er von Jeff ebenso für seine Bestärkung geschätzt wurde.
Aber Kate wusste es besser. Luke wartete nur auf einen Fehler von ihr, um sie rauszudrängen. Doch das würde nicht passieren.
Außer ihnen saßen noch Miranda, Bill und Walter am Tisch, begleitet von ihren Assistenten, die auf an den Wänden aufgereihten Stühlen saßen, sodass sie alles mitbekamen, aber nicht dazu gehörten.
Sie sprachen über die anstehenden Aufträge und Veranstaltungen. Der Reihe nach erstatteten sie Bericht und beantworteten Jeffs Fragen.
Kate fiel es schwer zuzuhören, weil Luke und Walter das Ganze unnötig in die Länge zogen wie immer.
Bill war gerade dran.
»Ich habe mir überlegt, dass man überall in der Stadt kleine Pröbchen verteilt«, erklärte er gerade. »Aber nicht nur in Parfümerien und Drogerien, sondern auch in Fast-Food-Restaurants.«
»Man könnte bei McDonalds, KFC und Burger King nachfragen«, schlug Walter vor. »Nicht nur bei CVS, Walgreens und Rite Aid.«
Merkte er denn wirklich nicht, dass Bill eben haargenau das Gleiche gesagt hatte? Walter hatte nur die Markennamen ergänzt.
»Super Idee, Walter!«, rief Luke begeistert.
Bill stimmte zu und Walter lächelte stolz.
Kate unterdrückte ein Stöhnen. Sie hasste diese Wer-es-als-letzter-sagt-dessen-Idee-war-es-Masche. Vielleicht sollte sie einen draufsetzen und auch noch mal denselben genialen Vorschlag machen. Doch sie verkniff es sich.
Ihr Blick fing den von Miranda auf. Natürlich dachten sie beide dasselbe. Wenn Kate Miranda hätte leiden könnte, hätten sie vielleicht gemeinsame Front gegen dieses männliche Dominanzgehabe machen können.
Aber so hieß es, das still zu ertragen.
Wenigstens Jeff hielt sich aus allem raus und zeigte mit keiner Miene, was er dachte. Sich nicht von solchem Imponiergehabe beeindrucken zu lassen, war seine größte Stärke. Jedenfalls aus Kates Sicht.
Als sie dran war, begann sie ihre Aufträge und Termine aufzuzählen. Doch Jeff merkte, dass sie etwas wegließ.
»Was ist mit dem Termin mit den Kendricks? Die wollten letzte Details für die Spendenparty besprechen.«
»Den Termin musste ich auf morgen Vormittag verschieben, weil ich nachher noch etwas Dringendes zu erledigen habe«, erklärte Kate.
Luke plusterte sich auf. »Kunden wie die Kendricks vertröstet man nicht einfach so. Der Termin stand seit Wochen. Du weißt, wie nervös die sind. Wenn du etwas Besseres zu tun hast, dann lass jemand anderem den Vortritt!«
»Dir oder was?« Kate schoss mit den Augen Giftpfeile in seine Richtung. Luke wartete förmlich darauf, dass ihr ein Fehler unterlief. Den Auftrag hatte sie sich geschnappt. Zugegebenermaßen nicht mit ganz fairen Mitteln, aber Luke hatte es nicht anders verdient.
»Ja, wie wäre es mit Arbeitsteilung?«, erwiderte Luke. »Mister Kendrick arbeitet sicher lieber mit einem engagierten Mann zusammen als mit einer unzuverlässigen Frau. Ich könnte hingehen und deine Assistentin mitnehmen.«
Kate schnaubte. Immer dasselbe mit diesem Macho. Ihr lag schon eine passende Antwort auf der Zunge. Doch links und rechts neben ihr erklang Räuspern, sogar ein leises Kichern von den Stühlen an den Wänden. Jeff zog die Augenbrauen hoch und atmete tief ein.
Luke hatte sich selbst ausgeknockt. Jeder wusste, dass er etwas mit Bianca hatte. Dafür hatte Kate gesorgt.
Sie grinste, als Jeff einschritt: »Ich verlasse mich da voll auf dich, Kate.«
Und sie nickte artig, während Lukes Kopf rot anlief.
Nach einer Stunde löste Jeff die Besprechung auf. Kate erhob sich, doch als sie fast schon draußen war, hielt Jeff Luke zurück.
»Äh, Luke! Du wolltest mit mir noch über einen neuen Klienten sprechen?« Jeff sah Luke erwartungsvoll an.
Die meisten hatten das Besprechungszimmer bereits verlassen.
Obwohl sie nicht hinsah, spürte sie, dass Luke ruckartig den Kopf zu ihr drehte. Soso! Sie sollte also nichts mitbekommen. Extra langsam checkte sie nochmals die neuen Mails auf ihrem Tablet, um sich dann genauso langsam hinauszubewegen.
»Später«, sagte Luke und verschwand an Kate vorbei durch die Tür.
Sie würde schon herausbekommen, worum es ging. So leicht ließ sie sich nicht ausbooten.
Es war zwar unfair, aber Bianca musste Lukes Benehmen ausbaden. Kate bastelte ihr eine Liste zurecht, die sie hoffentlich den ganzen Nachmittag beschäftigen würde. Selbst ihr Auto, das sauber und sicher in der Tiefgarage von Kates Wohnhaus parkte, – Kate bevorzugte Taxis oder den firmeneigenen Fahrdienst – sollte Bianca in die Waschanlage fahren.
Das laute Geräusch, mit dem sich die Tür hinter Bianca schloss, zeigte, dass Kates Schikanen ihre Wirkung nicht verfehlten.
Karen Wesson saß in ihrem Rollstuhl am Fenster und starrte vor sich hin. Nicht mehr viel erinnerte an die Frau, die Kate zumindest zeitweise großgezogen hatte. Die ehemals hellblonden Haare waren grau und stumpf. Statt der stolzen Haltung saß sie mit gekrümmtem Rücken da und ließ den Kopf hängen. Ein Schatten der schönen und ebenso strengen Frau, die Kates Mutter gewesen war, bevor die Demenz voll zu geschlagen hatte. Ausgleichende Gerechtigkeit in Kates Augen, dass es nun ihre Mutter war, die in einem Heim lebte. Wenn auch in einem viel schöneren, als die, die Kate in ihrer Kindheit gesehen hatte.
»Sie hat sich inzwischen beruhigt«, erklärte Milla. »Aber wenn sie nicht bald etwas isst …« Sie stemmte ihre Fäuste in die Hüften, was sie noch breiter wirken ließ, als sie schon war. Milla reichte Kate bis zur Schulter. Aber was ihr an Körpergröße fehlte, glich sie mit Entschlossenheit aus.
So auch jetzt. Scheinbar mühelos hievte sie Kates Mutter aus dem Rollstuhl in einen roten Ohrensessel. Kate schätzte, dass Milla um die fünfzig sein musste. Wer weiß, ob sie selbst es schaffen würde, ihre Mutter hochzuheben?
Sie kannte Milla, seit sie ihre Mutter hier vor sechs Jahren untergebracht hatte, als sie sich endlich ein besseres Pflegeheim leisten konnte.
Milla war das strahlende Gegenteil zu den unterbezahlten und völlig überlasteten Pflegekräften in den Heimen aus Kates Kindheit. Aber mehr hatte sich ihre Mutter nicht leisten können.
Umso mehr schätzte Kate Milla, die sie jetzt auffordernd ansah.
Kate ging hinüber und legte vorsichtig ihren Arm auf die Schulter ihrer Mutter.
Die drehte ruckartig den Kopf und lächelte sie breit an.
»Kate«, sagte sie in ihrem lallenden Tonfall.
Kate lächelte erleichtert zurück. Heute war einer der Tage, an denen sie sie erkannte.
Karen klammerte sich an Kates Hand und schmiegte die Wange daran. Kate zog mit der freien Hand einen Stuhl heran und setzte sich.
Beruhigend sprach sie auf ihre Mutter ein, erzählte ihr belangloses Zeug, von dem neuen Kuschelsessel, den Kate gerade erstanden hatte, dem Wetter und Klatsch und Tratsch von den Nachbarn, obwohl ihre Mutter keinen von ihnen kannte.
Schließlich schob Milla ihr einen Teller mit Reisbrei hin. Und ihre Mom ließ sich anstandslos von Kate füttern.
Kate blieb den ganzen Nachmittag bis in den Abend hinein. Um noch ins Büro zu fahren, fehlten ihr die Nerven, sodass sie sich ein Taxi direkt nach Hause nahm.
Erschöpft ließ sie sich auf die beige Riesencouch im Wohnzimmer sinken.
Die Besuche im Pflegeheim schafften sie einfach. Auch wenn es heute verhältnismäßig gut gelaufen war. Besonders schlimm war es, wenn ihre Mutter sie nicht erkannte, verwirrt um sich schlug, wenn Kate sie berührte, oder nur apathisch vor sich hin starrte.
Sie stellte den Fernseher an und zappte herum, ohne wirklich zu registrieren, was da lief. Ihr Geist hing immer noch im Heim fest, drehte Kreise und durchlebte alles noch einmal.
Trotz der heftigen Streits, von denen es so viele in ihrer Jugend gegeben hatte, – Kate vermisste ihre Mutter von damals. Die verbitterte, starrsinnige, rechthaberische Frau, mit der sie während des Studiums kaum Kontakt hatte. Obwohl sie es war, die Kate immer wieder eingetrichtert hatte, dass sie als Mädchen alles erreichen konnte, wenn sie sich nur anstrengte. Und wie Kate sich angestrengt hatte. Jeden einzelnen Tag. Sie tat es immer noch. Kate hatte früh gelernt, dass sie sich nur auf sich selbst verlassen konnte. Stipendien und Kellnerjobs hatten ihr ermöglicht, alles aus eigener Kraft zu schaffen. Das Studium, der jetzige Job und das Apartment.
Nun mit ihren einunddreißig Jahren saß sie nicht mehr in einer winzigen Mietwohnung fest in einer Gegend, in der man sich besser wenig draußen aufhielt. Jetzt gehörte Kate ein achtzig Quadratmeter großes Apartment in einem Haus in Midtown West, Manhattan. Es war ihr Rückzugsort, ihr Heim in jeder Hinsicht. Die Aussicht war das beste. Kate konnte von jedem ihrer Fenster aus mehr oder weniger ungehindert auf den Central Park sehen.
Allerdings arbeitete sie so viel, dass ihr kaum Gelegenheit blieb, den Anblick zu genießen.
Die Regale, mit denen der riesige Wohn- und Essbereich vollgestellt waren, quollen über vor Büchern, von denen sie die meisten schon gelesen hatte, und Reiseführern von Orten, an die sie einmal reisen wollte. Irgendwann.
Doch davon bekam ihre Mutter kaum mehr etwas mit. Die Dinge hatten sich geändert. Ein merkwürdiges Schicksal hatte dafür gesorgt, dass es nun Kates Mutter war, die auf Hilfe angewiesen war. Und die verschaffte Kate ihr. Mit allen Mitteln verteidigte sie das, was sie sich erarbeitet hatte. Ihr Job sicherte die Kosten für das Heim. Sogar eine Lebensversicherung hatte sie abgeschlossen, damit auf jeden Fall für ihre Mutter gesorgt war.
Endlich warf sie ihre Schuhe neben die Couch und streckte sich aus. Dann blieb sie bei einer alten Doctor Who-Folge hängen.
»Oh, Peter! Du hast nicht zu viel versprochen. Es ist traumhaft.« Sandy seufzte, bevor sie durch den Strohhalm ihren Cocktail schlürfte, wodurch sich ihr knapper oranger Bikini fast zum Zerbersten über ihrer Oberweite spannte.
Peter lachte leise und wandte seinen Blick wieder dem Meer zu, das sich in einem prachtvollen Türkis unter ihnen erstreckte. Hier oben auf den Felsen wehte ein lauer Wind und dämpfte die karibische Hitze.
Sandy erhob sich von ihrer Liege, was Peter einen exzellenten Blick auf ihren sonnengebräunten und nur spärlich bedeckten Hintern erlaubte, bis zu dem ihre langen, braunen Haare reichten, und sprang in den Pool. Ein paar Tropfen spritzten auf Peters Beine. Dann ein paar mehr.
»Komm rein!«, forderte sie ihn auf und wedelte mit der Hand Wasser zu ihm herüber.
»Gleich«, erwiderte er träge.
Sandy entblößte große weiße Zähne, als sie ihn herausfordernd anlächelte. Sie war zum ersten Mal hier. Und zum letzten. Er brachte jede Frau nur einmal her. Länger hielten seine Liebschaften nie. Die mit Sandy würde nach diesem Urlaub vorbei sein. Doch davon wusste sie noch nichts.
Er setzte sich auf, als sein Handy klingelte, und seufzte, nachdem er die Nummer erkannt hatte.
»Luke?«, fragte Peter in sein Handy.
»Peter? Wo bist du?«
»In der Karibik. Was gibt es?« Luke rief immer an, wenn er etwas wollte. Das war schon früher so gewesen. In einem anderen Leben.
»Du musst mir helfen. Ich habe hier Probleme mit einer Frau.«
Peter lachte ins Telefon. »Wer hat die nicht?«
»Nicht so eins. Oder eigentlich auch. Genau gesagt sind es Probleme mit zwei Frauen.«
»Das geht nie gut aus.«
»Nicht das, was du denkst. Hier auf der Arbeit.« Es folgte eine minutenlange Schilderung Lukes über eine Frau, die in Peters Ohren recht interessant klang. Taff, unnachgiebig, karrierebewusst. Wenn sie ein Mann gewesen wäre, hätte Luke sie wahrscheinlich bewundert. »Mein Boss meint, sie wäre seine Top-Agentin. Noch. Ich muss mich beweisen. Da gibt es diesen Auftrag. Wenn ich es schaffe, den an Land zu ziehen, bin ich seine Nummer eins. Doch falls diese Schlange etwas davon mitbekommt, bin ich geliefert. Sie schnappt ihn mir weg. Hilf mir! Bitte! Du schuldest mir noch immer etwas.«
Da waren die Worte, auf die Peter gewartet hatte. Sie kamen immer, in jedem Gespräch, das er mit Luke führte. Wer weiß, ob er sie je loswurde?!
»Was soll ich denn dabei tun?«, fragte Peter.
»Du musst sie ablenken.«
»Erzähl mir von deinen zwei Frauen!« Peter lehnte sich in seinen Stuhl zurück, während die brünette Kellnerin einen Espresso vor ihm platzierte. Ihm entging nicht der interessierte Seitenblick, mit dem sie ihn von oben bis unten abcheckte. Er mochte es, wenn Frauen nicht nur sein Gesicht ansahen. Mit einem Blick auf ihren Hintern, als sie sich entfernte, revanchierte er sich. Dafür liebte er New York. Hier sahen Kellnerinnen aus wie Schauspielerinnen, was vermutlich auch viele von ihnen mehr oder weniger erfolglos waren.
»Hey!« Luke schnippte mit seinen Fingern vor Peters Gesicht. »Im Moment sollst du dich nur mit einer Frau befassen.«
»Ich dachte, es wären zwei?«
»Von Bianca lässt du die Finger.« Luke runzelte die Stirn. »Du sollst dich um Kate kümmern.«
Luke fasste die Situation in seiner Firma zusammen. Bianca, die von Kate kleingehalten wurde und keine eigenen Aufträge bekam. Kate, die der Liebling des Chefs war und die guten Aufträge abstaubte.
»Ich habe einen großen Klienten am Haken«, erklärte Luke jetzt. »Eine Riesenfirma. Das wird ein Auftrag über Jahre. Davon weiß aber noch niemand außer mir. Bei meinem Boss habe ich nur etwas angedeutet, damit er nicht gleich Kate dazu holt.«
»Weil er sie lieber hat als dich?« Peter schlürfte an seinem Espresso.
Luke nickte. »Warum auch immer er dieses hinterlistige Biest ständig bevorzugt. Jedenfalls ist das meine Gelegenheit. Wenn ich den Auftrag klarmache, kann ich Bianca ins Boot holen, damit sie ihre Chance bekommt.«
»Was ist mein Part?«
»Du bist die Ablenkung.«
Peter lachte. »Soll ich mich an sie ranmachen? Hoffst du, dass sie dann wochenlang das Bett nicht verlässt? Oder besser mein Bett?«
Luke seufzte herzhaft. »Wenn das nur möglich wäre! Dann hätten wir beide etwas davon. Aber diese Frau ist eiskalt. Die lässt sich nur durch einen weiteren Auftrag ablenken.«
»Habt ihr so wenig zu tun, dass ihr euch darum streiten müsst? Und wie kommst du darauf, dass sie ausgerechnet auf mich anspringen würde? Ich brauche keine PR.«
Luke wiegte den Kopf hin und her. »Sagen wir mal, ich weiß, nach welchem System Kate ihre Aufträge aussucht.« Er grinste. »Es muss passen. Und das würde es mit dir.«
»Klingt nach einer interessanten Frau.«
»Nope!« Luke schüttelte den Kopf. »Sie ist ein Biest. Eine Intrigantin. Ein hinterlistiges Miststück.«
Peter lachte auf. »Sag ich ja.« Er beugte sich vor. »Erzähl mir mehr von ihr! Was hat sie getan, um dich so wütend zu machen?«
Luke stöhnte auf. »Wo soll ich da beginnen?! Sie macht alles so geschickt, dass man erst gar nicht merkt, dass sie einen gelinkt hat. Zum Beispiel arbeitet sie am Wochenende und entwickelt Konzepte, die wir eigentlich zusammen entwickeln sollen. Sie glänzt dann montags damit, während ich so dastehe, als würde ich am Wochenende feiern. Auf einer Firmenfeier hat sie mit mir ein Wetttrinken gemacht. Ich dachte, wenn sie trinkt, kann ich das auch, und hab ordentlich gebechert. Wie sich herausgestellt hat, war das kein Schnaps in ihren Gläsern, sondern Wasser. Wasser! Ich war sturzbetrunken, während sie einen Kunden an Land zog, der überraschenderweise auch dort war.«
»Klingt, als wärst du selbst daran schuld.«
»Vielleicht.« Luke verzog das Gesicht. »Einen Auftrag hat sie mir verdorben, indem sie verbreiten ließ, dass ich die Tochter des Firmenbosses als scharf bezeichnet hatte. Das ist überhaupt ihre Spezialität. Gerüchte verbreiten.«
»Ist denn da nie was dran.«
»Na ja, diese Tochter war schon heiß.
