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Bachelorarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...), Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Sprache: Deutsch, Abstract: Immer wieder werden in der Bundesrepublik Deutschland wissenschaftliche Debatten über den richtigen und angemessenen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit geführt und auch darüber, wie diese Vergangenheit in der Gegenwart und auch in der Zukunft weltgeschichtlich eingeordnet werden sollte. Sollen wir die Vergangenheit vergessen oder nicht? Und wenn wir sie nicht vergessen sollen, wie gehen wir angemessen und richtig mit ihr um? Können wir mit der nationalsozialistischen Vergangenheit so umgehen wie mit allen anderen Epochen auch? Oder wird das Dritte Reich mit all seinen Verbrechen – vor allem dem Holocaust – dadurch verharmlost? Diese Fragen wurden häufiger diskutiert, entweder in Universitäten, an Schulen, im privaten Kreise, manchmal aber auch öffentlich, in Presse und Rundfunk. Die bekannteste und bedeutendste und auch am intensivsten und emotionalsten geführte öffentliche Auseinandersetzung ist zweifelsohne der so genannte „Historikerstreit“ aus den Jahren 1986 und 1987.
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Veröffentlichungsjahr: 2011
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Einleitung
Immer wieder werden in der Bundesrepublik Deutschland wissenschaftliche Debatten über den richtigen und angemessenen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit geführt und auch darüber, wie diese Vergangenheit in der Gegenwart und auch in der Zukunft weltgeschichtlich eingeordnet werden sollte. Sollen wir die Vergangenheit vergessen oder nicht? Und wenn wir sie nicht vergessen sollen, wie gehen wir angemessen und richtig mit ihr um? Können wir mit der nationalsozialistischen Vergangenheit so umgehen wie mit allen anderen Epochen auch? Oder wird das Dritte Reich mit all seinen Verbrechen-vorallem dem Holocaust-dadurch verharmlost? Diese Fragen wurden häufiger diskutiert, entweder in Universitäten, an Schulen, im privaten Kreise, manchmal aber auch öffentlich, in Presse und Rundfunk. Die bekannteste und bedeutendste und auch am intensivsten und emotionalsten geführte öffentliche Auseinandersetzung istzweifelsohne der so genannte „Historikerstreit“ aus den Jahren 1986 und 1987.Geprägt wurde dieser Begriff von dem Journalisten Hermann Rudolph anlässlich der ersten Bilanz der Kontroverse im Oktober 1986.
Diese Kontroverse ist gerade deshalb so wichtig, weil sich an ihr nicht nur zahlreiche Historiker, vornehmlich der Zeitgeschichte, sondern auch Intellektuelle aus anderen Fachbereichen und zudem eine breite Öffentlichkeit beteiligte. Aus diesem Grund istder Begriff „Historikerstreit“ zum Teil irreführend, weil er davon ausgeht, dass sichausschließlich Fachleute beteiligten. Tatsächlich aber hat die gesamte deutsche Öffentlichkeit die Kontroverse aufgegriffen und sich zu Wort gemeldet. In Schulen und Universitäten beispielsweise wurden zahlreiche Diskussionskreise veranstaltet, die regen Zulauf fanden. Deshalb beschrieb Hans-Ulrich Wehler die Debatte imNachhinein als „politischen Kampf um das Selbstverständnis der Bundesrepublik, um das politische Bewusstsein der Bürger.“1Es handelte sich also um eine allgemeine Auseinandersetzung über das Geschichtsbild und um die nationale deutsche Identität, die jede deutsche Bundesbürgerin und jeden deutschen Bundesbürger angesprochen und betroffen hat. Jeder hatte seine eigene Vorstellung davon, wie man die Verbrechen der NS-Zeit zu bewerten hat. Genau deshalb war der Historikerstreit sowohl eine geschichtswissenschaftliche als auch eine politische Auseinandersetzung.
Dass diese Kontroverse über die Einordnung und Bewertung unserer jüngsten deutschen Vergangenheit einen so breiten Zugang und hohes Interesse fand, liegt auch daran, dass diese überwiegend in überregionalen Tages- oder Wochenzeitungen geführt wurde und nicht ausschließlich in geschichtswissenschaftlichen Fachpublikationen. Die Artikel erschienen unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Zeit und dem Nachrichtenmagazin der Spiegel. So hatte
1Hans-Ulrich Wehler: Entsorgung der deutschen Vergangenheit? Ein polemischer Essay zum„Historikerstreit“, München 1988,S. 22
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eine breite und weit gefächerte Leserschaft Zugang zu den verschiedenen Veröffentlichungen und die Möglichkeit, sich daran direkt und unmittelbar zu beteiligen.Claus Leggewie bezeichnete den Historikerstreit deshalb als „Mutter aller Debattenfeuilletons in der jüngeren Kulturgeschichte.“2Sicherlich spielte aber auch die Brisanz des Themas bei der Wahrnehmung und Beteiligung eine große Rolle.Das enorme öffentliche Interesse „fand seinen Ausdruck in einer Vielzahl von Zeitungskommentaren und Leserbriefen.“3Gerade die einfache Kommunikation über das Medium der Presse machte eine Beteiligung relativ einfach. Auch die zahlreiche Literatur, die zu diesem Thema vorhanden ist und die Tatsache, dass auch zwei Jahrzehnte nach dem Ereignis noch Bücher und Aufsatzsammlungen zum Thema erscheinen, zeigt die Wichtigkeit und Bedeutung dieser Auseinandersetzung auch für tagespolitische und tagesgeschichtliche Themenbereiche.
