Der Italienzug Kaiser Karls IV. - Georg Schäfer - E-Book

Der Italienzug Kaiser Karls IV. E-Book

Georg Schäfer

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit, Note: 1,4, Universität zu Köln (Historisches Seminar), Veranstaltung: Hauptseminar, Sprache: Deutsch, Abstract: Der erste Italienzug Kaiser Karls IV. Im Allgemeinen gilt das Kaisertum des „Spätmittelalters“ als weniger mächtig als das des „Hochmittelalters“. Besonders in Italien hatten die Einflußmöglichkeiten des jeweiligen Reichsoberhauptes gegenüber der staufischen Zeit (-1250) stark abgenommen. Dennoch gelang es Karl IV. nach Maßstäben des 14. Jahrhunderts im Jahre 1355 einen erfolgreichen Italienzug durchzuführen. Überraschend sind vor allem die hohen Summen, die die italienischen Machthaber und Kommunen an den König zahlten. Diese Erfolge lassen sich zum einen mit den umfangreichen diplomatischen Vorbereitungen des Italienzugs erklären. Karl marschierte nicht einfach mit einem Ritterheer von Prag aus los, sondern durch flexibel geführte Verhandlungen gelang es ihm, schon im Vorhinein mit den sich gegenseitig bekämpfenden italienischen Gemeinwesen bzw. Fürsten Bündnisse abzuschließen, die ihm den Weg durch Italien ebneten. Ja durch geschicktes Lavieren zwischen den Parteien konnte er sogar die eine gegen die andere ausspielen. Zudem konnte er sich auf die im Italien des 14. Jahrhunderts noch bestehende Vorstellung vom römischen Kaiser als Rechtsinstanz stützen. So ließen sich die italienischen Staaten ihre erreichten Machtpositionen und Besitztitel vom Inhaber der alten italischen Reichsrechte gegen klingende Münze legitimieren. Doch Karl begnügte sich auf seinem angeblich „hastig“ durchgeführten Italienzug nicht nur mit der nominellen Inanspruchnahme von Herrschaftsrechten. In Siena und v.a. in Pisa übte er durchaus direkte Herrschaft aus, als wegen internen Streitigkeiten in diesen Stadtkommunen die Gelegenheit dazu günstig schien. Wenn dies auch nicht von Dauer war, so wird doch deutlich, dass der König bzw. Kaiser sich Stützpunkte in Italien aufzubauen gedachte. Ziel von Karls IV. Italienzug war also nicht „nur“ die fiskalische Ausnutzung der Reichsrechte und der Erwerb der Kaiserkrone, sondern Karl scheint durchaus beabsichtigt zu haben, der Krone einen möglichst großen Einfluß im Reich südlich der Alpen zu bewahren. Nur verzettelte er sich während seines Romzuges anders als seine Vorgänger nicht in sinnlosen Kämpfen mit den italienischen Mächten und dem Papsttum.

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Veröffentlichungsjahr: 2005

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Inhaltsverzeichnis
Kapitel
1.1 Die Schwierigkeit von Italienzügen im 14. Jahrhundert
1.2 Vorbereitende Sondierungen bei italienischen Fürsten
1.4 Die Romzugsverhandlungen mit Florenz
2. Ohne Schwertstreich durch Italien: Der Weg nach Rom
2.2 Die Einigung mit den Visconti
2.4 Der Handel mit Florenz: Rechte gegen Geld
3. Karls IV. Versuch, Stützpunkte in Italien aufzubauen
3.2 Der Aufstand gegen Karl IV. in Pisa
3.3 Bischof Markward von Randeck als Reichsvikar von Pisa
3.4 Karl IV. verläßt Italien
4. Nachwort: Die veränderte Substanz des Kaisertums
4.1 Die landläufige Ansicht über Karls Italienzug
4.2 Der materielle Gewinn aus den Reichsrechten
4.3 Der „übereilte“ Abzug
4.4 Die besondere Leistung Karls IV.
5. Literatur

Page 1

Hauptseminar:

Das deutsche Kaisertum im Spätmittelalter Anspruch und Wirklichkeit WS 2003

Der erste Italienzug Kaiser Karls IV.

Page 3

Einleitung

Mit relativ geringem Einsatz erreichte Karl IV. in Italien nach den Maßstäben des 14. Jahrhunderts maximale Anerkennung als Herrscher, und das sogar von Mailand und Florenz, die sonst so oft dem deutschen Reichsoberhaupt widerstanden hatten. Doch warum konnte Karl IV. den Italienzug trotz gewaltiger Hindernisse im großen und ganzen erfolgreich durchführen? Und warum zahlten die Italiener während des Italienzuges soviel Geld an den König bzw. Kaiser, obwohl er doch, weit von seiner Basis in Böhmen entfernt, eigentlich gar nicht die Möglichkeit, sie dazu zu zwingen? Um diese Fragen angemessen zu beantworten, ist es notwendig, besonders auf die politischen Verhältnisse und Machtkonstellationen in Italien einzugehen, ausgehend von der Überlegung, dass der römische König sich bei einem Italienzug im 14. Jahrhundert weit mehr nach den kulturellen, sozialen und politischen Zuständen in Italien richten mußte, als dass er in der Lage gewesen wäre, diese zu formen. Aber offenbar vermochte sich der schlaue König recht gut an die dortigen Verhältnisse anzupassen und sein Chancen auszuloten. Auch Karl IV. besaß freilich nicht von vorneherein einen fertigen Plan für seine Italienpolitik. Er hatte jedoch eine Methode, die militärische Auseinandersetzungen vermied und die auf Diplomatie, Bündnissen und Verträgen beruhte. Dabei kam ihm der Umstand zur Hilfe, dass auch im Italien des 14. Jahrhunderts gewisse Vorstellungen über die Rechtsgewalt des Kaisertums nach wie vor wirkungsmächtig waren.

Im ersten Teil soll es um die umfangreichen diplomatischen Vorbereitungen des Italienzuges gehen, die Karl ergreifen mußte. Italienpolitik - das war zunächst Papstpolitik. Daher werden Karls Bemühungen, sich mit der Kurie gütlich über den Italienzug zu einigen, behandelt. Doch auf die Papstkirche allein kam es im Italien des 14. Jahrhunderts nicht mehr an, sie war, wie ihr kaiserlicher Widerpart, in ihren politischen Entscheidungen vielfältigen Zwängen a usgesetzt. So werden Karls Verhandlungen über den Romzug mit maßgeblichen italienischen Mächten wie Florenz und Venedig, einen breiten Raum einnehmen. Dabei soll es vor allem darum gehen, in welchem Ausmaß es ihm gelang, ihnen gegenüber Reichsrechte wahrzunehmen. Von „heroischen“ Taten im Stile eines Friederich I Barbarossa wird demgegenüber weniger die Rede sein - doch zwei häufig gegen Karl IV. erhobene Vorwürfe sind zu relativieren. Weder war er so willfährig gegenüber dem Papst, wie häufig angenommen, noch floh er, nach Erlangung der Kaiserkrone, in übertriebener Eile aus Italien. Tatsächlich blieb Karl IV. nach der Kaiserkrönung am 5. April 1355 noch zwei Monate in Italien. Er verfolgte nämlich durchaus eigene politische Konzeptionen für den italienischen Reichsteil, die über bloße fiskalische Ausnutzung von Reichsrechten hinausgingen. Vielmehr versuchte er, sich auch dauerhafte Stützpunkte für seine Herrschaftsausübung zu schaffen.

Page 4

1.1 Die diplomatischen Vorbereitungen für den Italienzug