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Der junge Fotograf Richard Anderson war ein Einzelgänger. Schon als Kind war er immer allein. Von seinen Eltern ausgesetzt, im Heim groß geworden, entwickelte er einen Hass auf Menschen- besonders auf Frauen. Eines Tages begegnete er einer Frau, die vorgab Interesse zu haben, doch interessierte sie sich nur aus beruflichen Gründen für ihn. Sie war Polizistin und sicher, dass er ein Mörder war. Ein Katz- und Mausspiel beginnt...
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Fortsetzung folgt...
Impressum
Der Killer unter uns
Für Mama, N. und M.
Danke, dass es euch gibt.
Allein. Richard Anderson war so gut wie sein ganzes Leben allein. Von den Eltern ausgesetzt, ist er in einem Heim groß geworden. Dort hatte er keine Freunde, auch in der Schule fand er keinen Anschluss. Mittlerweile ist Richard 25 Jahre alt und arbeitet als Fotograf.
Durch diese Tätigkeit bekam er etwas Kontakt zu seinen Mitmenschen. Jedoch zog er sich aufgrund seiner Vergangenheit im Privatleben weiterhin zurück.
So saß er an einem herrlichen Frühlingstag alleine und versunken in Gedanken, auf seiner Veranda und trank eine Tasse Kaffee. Vor ihm stand ein Tisch, wo sein Laptop und das Handy drauf lag.
Der Ton, der ertönt wenn eine neue E-Mail ankam, riss Richard aus seinen Gedanken.
Eine Frau namens Amanda Greyson war der Absender.
Sehr geehrter Mister Anderson,
mein Name ist Amanda Greyson und ich suche einen Fotografen. Sie wurden mir von einer Freundin empfohlen.
Über eine Antwort, ob positiv oder negativ, würde ich freuen.
Grüße A.G
Richard wusste noch nicht, ob er diesen Auftrag annehmen kann, da er noch keine Informationen bezüglich des Datums hatte. Auch würde er gerne den Anlass erfahren, wozu er gebucht werden sollte.
So antwortete er:
Hallo Mrs Greyson,
vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Interesse.
An welchem Tag brauchen Sie einen Fotograf und was ist der Anlass?
Bitte lassen Sie mir diese Informationen zukommen. Gerne können Sie mir Ihre Telefonnummer geben, damit wir alles weitere besprechen können.
Grüße
Richard Anderson
Es dauerte nicht lange und es kam eine Antwort.
Nun da er ihre Telefonnummer hatte, rief er sie an.
Amanda Greyson wollte ein Fotoshooting im Wald mit ihrem Hund.
Richard war einverstanden und sie verabredeten sich für den nächsten Samstag.
Zur Zeit gab es weniger Aufträge, deswegen war Richard froh, dass Amanda Greyson sich gemeldet hat.
Er freute sich auf sein erstes Shooting im Wald. Auf den Hund eher weniger, da er mit ihnen in den seltensten Fällen zurecht kam. Aber die Wünsche der zahlenden Kundschaft gingen natürlich vor.
Samstag. Der Tag war gekommen, an dem Richard Anderson sich einem Hund stellen musste.
Am verabredeten Ort wartete er auf Amanda Greyson.
Es dauerte keine fünf Minuten, da erblickte er eine Frau mit einem sehr großen Hund.
„Oh Gott, bitte nicht.“, sagte er leise zu sich selbst.
Als sie näher kamen, war er sofort von Amandas Schönheit fasziniert.
Sie war groß, mindestens 1,70 m, schätzte Richard. Die langen, braunen Haare hingen locker und wunderschön auf der Schulter. Alles was er auf den ersten Blick wahrnahm, gefiel ihm. Auch ihre Figur. Sie war nicht schlank aber auch nicht mollig. Älter als Richard war sie aber sehr attraktiv.
„Sind Sie Mr. Anderson?“, fragte Amanda und riss Richard so aus seinen Gedanken.
„Ja, der bin ich“., antwortete er und gab ihr die Hand.
Der Hund setzte sich kerzengerade neben Amanda und musterte Richard von oben bis unten. Ein leises Knurren ging von dem Hund aus. Richard fühlte sich sichtlich unwohl.
„Keine Angst, sie ist fremden gegenüber immer etwas misstrauisch“. Er nickte.
Nach kurzem kennenlernen hatte er erfahren das es sich bei dem Hund um eine Deutsche Dogge handelte, die zweitgrößte Hunderasse, die es gibt. Das beruhigte ihn nicht wirklich. Aber so lange der Hund ihm nicht zu nahe kam, sollte es ihm egal sein.
„Ich habe mir schon eine genaue Stelle für das Shooting ausgesucht. Folgen Sie mir.“, sagte Amanda und ging voran.
Richard lief mit seinem Equipment hinterher und hoffte das der Weg nicht allzu weit war.
Nach knapp zehn Minuten sind sie an ihrem Ziel angelegt. Richard legte alles ab und sah sich um.
Es war März, noch blühte nicht alles, dennoch gab die Stelle eine gute Kulisse ab.
Ein großer, dicker Baumstamm lag auf dem Boden, der von braun-orangen Blättern bedeckt war. Den wollte er auf jeden Fall für einige Fotos verwenden.
„Ich habe mir gerade gedacht, dass Sie sich auf den Baumstamm setzen und der Hund vor Ihnen“. Amanda überlegte einen Moment und setzte sich dort hin. Der Hund gehorchte aufs Wort und nahm ebenfalls Platz.
Richard dirigierte sie mal ein wenig nach rechts, mal nach links, sitzend, stehend und liegend.
Etwa eine Stunde dauerte das Shooting. Danach machten sie sich auf den Weg zurück zu seinem Auto.
„Da vorne ist ein Café, dort könnten wir reingehen und uns in Ruhe die Fotos ansehen. Die Sie nicht mögen, sortieren wir sofort aus.“, schlug Richard vor.
„Einverstanden“.
Der Hund ließ den Blick nicht von Richard und knurrte ihn immer mal wieder an.
Im Café angekommen, bestellten sie sich etwas und setzten sich an einen ruhigen Platz. Zusammen gingen sie alle Bilder durch. Ein paar gefielen weder Amanda, noch ihm. Sie wurden gleich gelöscht.
Richard konnte den Blick kaum von ihr abwenden. Sie zog ihn magisch an. Ob es ihr genauso erging, konnte er nicht abschätzen. Aber er vermutete, dass es nicht so war. Nie interessierte sich eine Frau für ihn. Sie behandelten ihn als sei er Luft.
Als sie sich verabschiedeten, wusste Richard, dass er sie unbedingt wiedersehen musste.
Dies geschah am kommenden Dienstag. Amanda kam und holte die Fotos ab.
Richard hat sich fest vorgenommen, sie nach einem Date zu fragen.
„Amanda, haben Sie Lust, mal mit mir essen zu gehen?“, fragte er schüchtern.
„Natürlich habe ich das. Sagen wir Freitag? 18 Uhr?“
Er stimmte sofort zu und sie machten ein Restaurant aus.
Wie sie nach kurzer Zeit herausfanden, aßen sie beide gerne chinesisch.
Als Amanda seinen Laden verließ, schaute er ihr hinterher und konnte sein Glück kaum fassen. Doch es dauerte nicht lange und er wurde nervös.
Richard schaute in den Spiegel und überlegte was er an sich verändern könnte, damit er attraktiver wirkte.
Er war schlaksig, unscheinbar und hatte dünnes Haar. Nichts das er sah, gefiel ihm.
Nachdem Richard am Abend seinen Laden schloss, ging er noch schnell zum Friseur. Die Dame dort sollte sich überlegen, welche Frisur am besten zu ihm passte.
Überraschenderweise gefiel ihm das Ergebnis.
Normalerweise war Richard kein neugieriger Mensch. Aber als auf dem Rückweg überall Polizei an der Seite stand, wollte er doch wissen was los war.
Mit etwas Abstand, um nicht als Gaffer zu gelten, schaute er dem Treiben zu.
Offensichtlich hatte man in einem unbewohnten Haus eine Leiche gefunden. Mehr konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht sehen und hören.
Er stieg wieder in sein Auto und fuhr nach Hause.
Dort angekommen, machte er die Nachrichten an und bereitete sich Essen zu.
Von dem Einsatz und dem Leichenfund war keine Rede.
Erst zwei Stunden später hat er auf der Internetseite von New York gelesen, dass man eine Frau zwischen 20-30 Jahren ermordet aufgefunden hatte.
Nun war seine Neugierde befriedigt und er widmete sich wieder dem Gedanken an Amanda.
Seinen Kleiderschrank schaute er durch und fand das er nichts vernünftiges für ein Date hatte.
Für den nächsten Tag nahm er sich vor, neue Kleidung und Schuhe zu kaufen.
Mit seiner Kleidung die er immer bei der Arbeit trug, wollte er dort nicht erscheinen.
Am nächsten Tag kam er mit neuen Sachen nach Hause.
Für das Date hatte er sich eine graue Jeans, einen grau-weißen Pullover, eine schwarze Jacke und weiße Sneaker ausgesucht. Damit wollte er punkten.
Freitag. Der große Tag da war. Noch war Richard in seinem Laden, konnte sich jedoch kaum konzentrieren.
So später es wurde, so nervöser wurde er.
Am Nachmittag machte er sich auf den Weg nach Hause um pünktlich mit allem fertig zu sein.
Er ärgerte sich etwas, dass er Amanda nicht anbot sie abzuholen. Kurz überlegte er sie anzurufen und den Vorschlag zu machen. Allerdings würde er dann dem Hund begegnen, also verwarf er den Gedanken wieder.
Um 17:50 Uhr stand Richard vor dem Eingang des Restaurants. Auf dem Weg hat er eine weiße Rose besorgt. Punkt 18 Uhr kam Amanda auf ihn zu.
„Entschuldige, ich wäre fast zu spät gewesen.“, sagte sie und lächelte ihn an.
„Es ist doch gerade erst sechs, also noch alles pünktlich.“, erwiderte er und übergab die Rose.
Amanda nahm sie dankend entgegen, roch dran und lächelte ihn mit leicht schiefen Kopf an.
Obwohl sie nicht reserviert haben, bekamen sie einen schönen Platz in dem Restaurant. Sie entschieden sich für das Buffet.
„Schön, dass du der Verabredung zugestimmt hast.“, sagte Richard schüchtern.
„Nicht so angespannt, ich tue dir nichts. Und den Hund habe ich auch nicht dabei.“, sagte sie lachend.
Richard berichtete ihr, dass er schon immer Probleme mit Hunden hatte, seit er als kleines Kind gebissen wurde.
Amanda hörte aufmerksam zu.
Richard hatte so viele Fragen, wollte aber nicht aufdringlich sein. Sie holten sich vom Buffet etwas zu essen. „Guten Appetit, Richard.“
Auch Amanda wollte einiges von ihrem Gegenüber erfahren. Sie war ganz und gar nicht schüchtern.
„Du weißt das ich wesentlich älter bin als du. Wie kommt es, dass du keine Frau in deinem Alter um ein Date bittest?“, wollte sie wissen.
Richard war sich sicher das eine derartige Frage kommt. „Weißt du, ich komme mit Frauen in meinem Alter nicht so gut zurecht. Und für mich spielt das Alter überhaupt keine Rolle. Das Wichtigste ist es doch, dass man sich sehr gut versteht. Um ehrlich zu sein, habe ich allgemein sehr wenig Erfahrung mit Frauen.“ Er errötete.
„Du scheinst ein vernünftiger junger Mann zu sein, deswegen wunderte mich ein bisschen das du keine Freundin hast. Aber schön, so kann ich dich wenigstens näher kennenlernen.“
Sie unterhielten sich eine Weile. Richard hatte zum ersten Mal wirklich viel Spaß. Sie verstanden sich sehr gut.
„Also, du weißt das ich Fotograf bin, was machst du denn beruflich?“, wollte er wissen.
„Ich bin Bürokauffrau in einer großen Firma. Also nichts spannendes“.
Er fand alles spannend was sie zu erzählen hatte. Selbst ihre Stimme fesselte ihn.
Um kurz nach 22 Uhr verließen sie das Restaurant.
„Ich fand den Abend wirklich sehr schön, Amanda und ich hoffe, dass wir uns öfter sehen können.“, sagte Richard hoffnungsvoll und weniger schüchtern als am Anfang des Treffens.
„Das werden wir, der Abend war wirklich schön.“, erwiderte sie und verabschiedete sich.
Jeder stieg in seine Wagen und fuhr nach Hause. Den ganzen Abend dachte Richard noch an das Date und er musste sich eingestehen, dass er auf dem besten Weg war, sich in Amanda zu verlieben. Das war ein ganz neues Gefühl für ihn, dass ihm etwas angst machte. Auf keinen Fall wollte er sich blamieren und vorschnell von seinen Gefühlen berichten. Noch war er sich auch gar nicht sicher, ob es von Amandas Seite genau so war oder ob sie nur rein freundschaftliche Gefühle für ihn hatte. Vielleicht ging es bei ihr nicht so schnell, schließlich haben sie sich erst das zweite Mal gesehen und kennenlernen konnte man sich in dieser kurzen Zeit nicht.
Richard hoffte, dass sich bei Amanda, falls das nicht schon geschehen ist, etwas entwickeln würde.
Ihm war es egal, dass sie 15 Jahre älter war. Doch war ihr das ebenfalls egal? Auch das wusste er nicht.
Als er im Bett lag fand er keinen Schlaf, denn er war sexuell sehr erregt und wollte Amanda bei sich haben.
Sie anzurufen, traute er sich nicht, also schrieb er ihr eine Nachricht.
Richard Anderson schrieb um 23:03 Uhr:
Hallo Amanda, ich hoffe ich störe nicht. Hast du nicht noch Lust zu mir zu kommen, dann können wir gemütlich den Abend ausklingen lassen.
Amanda war mit ihrem Hund draußen, als sie die Nachricht bekam.
„Heute lasse ich dich doch nicht mehr alleine, Kira.“, sagte sie in die Richtung ihres Hundes.
Amanda Greyson schrieb um 23:07 Uhr:
Du störst nicht. Sei bitte nicht böse aber ich möchte heute nicht mehr weg. Der Tag war lang und ich werde gleich ins Bett gehen. Wir holen das ein anderes Mal nach.
Gute Nacht Richard. Schlaf gut.
Enttäuscht las er die Nachricht und antwortete noch kurz, dass er nicht böse sei. Dann legte er sein Handy wieder beiseite und stand auf.
Er zögerte einen Moment und fuhr zu einem Bordell.
Dort war er schon öfter, traute sich jedoch nie, mit einer Frau in eines der Zimmer zu gehen.
Heute war seine Erregung und Enttäuschung so groß, dass er in das Bordell ging und suchte sich eine Prostituierte aus. Sie sollte groß, dunkelhaarig und nicht sehr schlank sein. Nach einem Glas Rum-Cola ging er mit eben so einer Frau zusammen auf ein Zimmer.
„Na, Süßer? Mein Name ist Nancy.“, sagte die Prostituierte und nahm auf dem Bett platz. Richard begutachtete sie von oben bis unten.
„Heute Abend ist dein Name nicht Nancy, sondern Amanda.“ Er zog sich aus und streichelte ihr durchs Haar. Das er schon sehr erregt war, war ihr nicht entgangen. Er wollte das sie sich auszog und sie tat es.
Nun lagen sie zusammen in dem großen Bett, Richard auf ihr und drang in sie ein.
„Es scheint dir nicht zu gefallen, Amanda.“, sagte er nach wenigen Minuten.
„Doch, doch , es ist alles wunderbar.“, log Nancy.
Er glaubte ihr nicht so recht und versuchte sie zu küssen, doch sie drehte den Kopf zur Seite. Richard erhob seine Hand und wollte Nancy schlagen, entschied sich aber im selben Augenblick dagegen, denn dann hätte er gehen müssen. Das Risiko wollte er nicht eingehen. Sie wechselten die Stellung. Nancy kniete vor ihm und er drang von hinten in ihre Scheide ein.
Er war noch wütender als bei seiner Ankunft und ließ dies auch spüren. Ohne auch nur ein bisschen Rücksicht, stieß er immer wieder hart zu, zog Nancy an den Haaren und kniff abwechselnd in die rechte und linke Brustwarze.
„Das hast du jetzt davon, Amanda. Wärst du zu mir nach Hause gekommen, hätten wir einen romantischen Abend haben können. Aber du wolltest es ja nicht anders!“
Nancy sagte nichts, sie hoffte nur das er bald fertig war und von ihr abließ. Er ließ von ihr ab – für einen Moment. Als er aus dem Bett gestiegen war, zog er sie an den Beinen zur Bettkante, drehte sie brutal um, nahm ihre Beine in die Hände und drang erneut in sie ein.
„Wie gefällt dir das? Mir abzusagen, wird dir eine Lehre sein, Amanda!“, sagte er in scharfem Ton.
„ICH BIN NICHT DIESE SCHEIß AMANDA!“, schrie Nancy ihn an. Nun schlug er zu. Erst auf die Brust und dann auf den Bauch. Als er seine sexuellen Höhepunkt hatte, ließ er von ihr ab, zog sich an, bezahlte sie und verschwand in der Nacht.
Erst als er in den frühen Morgenstunden wieder zu Hause eintraf, war ihm bewusst, dass es keine gute Idee war, wie er mit Nancy umgegangen ist. Dort brauchte er sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr blicken lassen.
Noch war Richard aber auch voller Hoffnung, dass er dort nicht mehr hin muss. Wenn die echte Amanda mit ihm eine Beziehung eingehen würde, wäre sicher alles anders. Romantisch und harmonisch. Das wünschte er sich am allermeisten.
Es war viertel vor sechs am Morgen, als Richard frisch geduscht in seinem Bett lag. Es dauerte nicht lange und er schlief ein.
Die Tage vergingen und Richard schrieb ein paar Mal mit Amanda. Zu einem erneuten Date kam es aber nicht.
Sie erklärte ihm, dass sie ihn auch gerne wiedersehen würde, es aber langsam angehen lassen möchte, da sie eine sehr enttäuschende Beziehung hinter sich hatte. Noch war ihr die wiedergewonnene Freiheit wichtiger.
Richard teilte ihr sein Verständnis mit.
Auf dem Computer in seinem Laden hatte Richard noch Bilder von Amanda. Er wusste er durfte es nicht aber er tat es und druckte sich ein paar davon aus. Den Hund schnitt er weg. Ein Foto von ihr bearbeitete er so, dass es perfekt in seine Geldbörse passte.
Drei Wochen nach dem ersten Date trafen sie sich erneut. Amanda schlug diesmal ein anderes chinesisches Restaurant vor. Richard war fest entschlossen hinterher mit ihr zu ihm nach Hause zu fahren. Abholen wollte er sie aber das lehnte sie bedauerlicherweise ab.
Also trafen sie sich wieder vor dem Eingang. Und wieder war Richard eher da. So langsam beschlich ihn das Gefühl, dass er ihr nicht wirklich wichtig geworden ist.
„Da bin ich.“, rief sie und kam auf ihn zu.
„Hi. Ich hatte schon befürchtet du kommst nicht.“, sagte er. Amanda entging nicht, dass er etwas angespannt war.
„Warum sollte ich nicht? Ich würde mich melden, wenn etwas dazwischen gekommen wäre oder ich später hier wäre. Mach dir nicht so viele Gedanken.“
Er nickte zustimmend.
Der Abend verlief erst nicht unbedingt so, wie Richard es sich gewünscht hatte. Es lag eine gewisse Spannung in der Luft. Keine positive.
„Bist du irgendwie sauer?“, wollte Richard wissen.
„Nein, bin ich nicht. Ich hatte nur diese Woche reichlich Stress und dann war ich eben nicht begeistert davon, dass du dachtest, ich würde dich versetzen, nur weil ich nicht ganz so früh hier war wie du. Um 16 Uhr hatte ich erst Feierabend. Dann war ich zu Hause, mit Kira draußen und dann habe ich mich fertig gemacht. Wäre ich zu spät gewesen, hätte ich deine Reaktion verstanden.“, antwortete sie.
Richard war peinlich berührt und entschuldige sich augenblicklich für seine etwas überzogene Reaktion.
„Es ist nur so Amanda, ich habe dich wirklich schon sehr gern, deswegen bin ich ein wenig aufgeregt und ängstlich. Selbstverständlich war es nicht meine Absicht dich zu verärgern.“
Sie trank einen großen Schluck Wasser und wandte sich dann wieder Richard zu. „Ist schon gut. Nur ich hätte das Date nicht vorgeschlagen, wenn ich es nicht gewollt hätte.“, sagte sie.
„Hast du Lust, nach dem Essen noch mit zu mir zu kommen?“, fragte er, um vom Thema abzulenken.
„Nein, Richard. Heute nicht, tut mir leid. Morgen früh muss ich zeitig aufstehen, da ich einiges zu erledigen habe. Meistens fahre ich samstags zu meinem Mutter. Einkaufen und so weiter. Dann muss sie nicht alles mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen“.
Richard hatte es geahnt, dass sie ablehnt.
„Schade. Und wie sieht es mit morgen Abend aus?“, wollte er wissen.
„Da bekomme ich Besuch. Das steht schon seit Monaten fest. Ein Mädelsabend. Aber wie wäre es mit nächsten Samstag?“, schlug sie fort. Er war sofort einverstanden.
Gegen 22 Uhr verabschiedeten sie sich voneinander.
Diesmal fuhr Richard nicht nach Hause, sondern sofort im Anschluss in ein Bordell. Ein anderes, etwas weiter entfernt. Durch den Vorfall mit Nancy traute er sich das nicht mehr. Und da die Prostituierte verschwunden war, hatte er angst das er verdächtigt wurde, sie entführt zu haben.
Auch in dem neuen Bordell lief es so ab wie im letzten. Schnell suchte er das Weite, denn diese Prostituierte drohte ihm mit der Polizei, nachdem er ihr heißen Kerzenwachs auf den Körper tropfte und sie schlug.
Er raste und kam in eine Polizeikontrolle.
Nach einer Verwarnung durfte er weiterfahren.
Auf das nächste Wochenende freute er sich ganz besonders. So kam es, dass er jeden Tag nach der Arbeit seine Wohnung perfekt säuberte und aufräumte. Schließlich wollte er einen sehr guten Eindruck bei Amanda hinterlassen. Sauber war es bei ihm immer, jedoch lagen öfter viele Sachen herum, die er nie sofort wegräumte. Das gewöhnte er sich für die nächsten Tage ab.
Seine Wände waren etwas kahl, woraufhin er beschloss ein paar Bilder aufzuhängen.
Mit dem Ergebnis war er nicht hundertprozentig zufrieden aber es war immerhin besser als vorher.
Am Mittwoch meldete er sich bei Amanda.
Richard Anderson schrieb um 15:55 Uhr:
Hallo Amanda. Bleibt es bei Samstag? Dann würde ich dir meine Adresse schicken.
Amanda Greyson schrieb um 16:15 Uhr:
Hallo Richard. Ja, es bleibt dabei. Deine Adresse kannst du mir schon mal schicken, dass ist eine gute Idee.
Es war Samstag 17:55 Uhr, als es bei Richard an der Tür schellte. Nervös öffnete er.
„Hallo Amanda. Komm doch bitte rein.“, sagte er freundlich und sie betrat nach kurzer Begrüßung seine Wohnung.
Sie war groß und geräumig. Richard führte Amanda herum und dann nahmen sie in der Küche Platz.
„Ich habe gedacht, dass wir eine Kleinigkeit essen. Hoffentlich magst Schaschlik. Dazu habe ich einen Salat gemacht.“, sagte er aufgeregt.
„Hört sich gut an“.
Während Richard das Essen fertig machte, entschuldigte sie sich, um ins Bad zu gehen.
Sie sah sich auch nochmal im Wohnzimmer um. Ihr war aufgefallen, dass er keine Familienfotos an den Wänden hatte oder auf den Beistelltischen.
„Sag mal Richard, hast du keinen Kontakt zu deiner Familie? Mir ist aufgefallen, dass nirgendwo Fotos sind.“, sagte sie, als sie die Küche betrat.
„Ich habe keine Familie.“, war alles was er dazu sagte. Doch mit dieser Antwort gab Amanda sich nicht zufrieden.
„Mehr möchtest du dazu nicht sagen? Du kannst ruhig mit mir reden, wie sollen wir uns denn sonst richtig kennenlernen?“ Das sie recht hatte, wusste er und es war sein Ziel sie kennenzulernen. Allerdings gab sie über sich auch nicht viel preis.
„Ich werde es anders ausdrücken. Meine Familie kenne ich nicht. Als kleines Kind wurde ich ausgesetzt, von meinen Eltern. Da war ich knapp drei Monate alt. Das einzige was ich weiß, dass meine Mutter so in meinem Alter war, als sie mich bekam. Mehr nicht. Ich habe lange versucht etwas über sie herauszufinden. Aber leider ohne Erfolg. Abgelegt wurde ich vor einer Mülltonne bei einem Supermarkt. Dort hat mich dann am Abend ein Mitarbeiter gefunden. Auf den Kameras hat man zwei junge Leute gesehen aber die Qualität der Kamera war nicht so besonders, deswegen konnte man nur grob das Alter schätzen. Eine Suche nach ihnen blieb erfolglos und sie meldeten sich auch nie wieder. Ein Zettel lag mit in der Decke, in der ich eingewickelt war. Das ich Richard heiße, sonst keinerlei Informationen. Erst mal war ich wohl im Krankenhaus, dort hatte mich der Mitarbeiter des Supermarktes hingebracht.
Aufgewachsen bin ich im Smith Kinderheim. Eine Pflegefamilie wollte mich aufnehmen, als ich sechs Jahre alt war, jedoch mussten sie abspringen, weil bei dem Mann Krebs diagnostiziert wurde und sie keine Zeit mehr für ein Kind hatten. Danach wurden immer nur die kleineren adoptiert oder sind in eine Pflegefamilie gekommen. Das war ziemlich deprimierend, als ich älter wurde und verstanden habe was los war.“
Amanda hatte sehr aufmerksam zugehört und wusste erst gar nicht was sie dazu sagen sollte.
„Das tut mir sehr leid, Richard. Das war mit Sicherheit keine einfache Zeit für dich. Aber wie ich sehe, ist doch etwas ordentliches aus dir geworden. Du hast es sogar geschafft dich selbstständig zu machen.“, sagte sie aufmunternd. Er nickte und lächelte sie an.
Nach dem Essen wollte Amanda sich noch weiter unterhalten. Sie gingen in das Wohnzimmer und machten es sich auf der Couch bequem.
„Wie war es denn mit den anderen Kindern zusammen in dem Heim? Hat man sich da gegenseitig halt gegeben?“, wollte sie wissen. Sein Gesichtsausdruck wurde traurig.
„Schön wäre es gewesen. Ich war schon immer sehr schüchtern und habe deswegen dort keinen wirklichen Anschluss gefunden. Es gab einen Jungen, mit dem ich wenigstens ab und zu mal etwas gespielt habe aber der war dann von heute auf morgen weg. Seine Mutter hatte ihn wieder zu sich geholt. Und das Mädchen, Jenny, mit der ich mich hin und wieder unterhalten habe, war dann auch weg. Sie war älter als ich und machte eine Ausbildung zur Krankenschwester, dafür zog sie in das Schwesternwohnheim. Ich habe nie erfahren in welches. Was sehr schade war, denn ich mochte sie sehr gerne.
Mit 16 habe ich meine Ausbildung zum Fotografen begonnen, mit 17 konnte ich endlich meine eigene Wohnung beziehen. Da war ich zwar immer noch alleine, fühlte mich aber wohler. Durch die Ausbildung habe ich einige Kontakte knüpfen können. Allerdings habe ich nie jemanden zu mir eingeladen und bin auch nie zu jemandem nach Hause gegangen. Das habe ich mich nie getraut. Dieses alleine sein, ist irgendwie zu einem festen Teil von mir geworden. Nur möchte ich das gar nicht mehr. Deswegen bin ich auch so froh, dass wir beide uns über den Weg gelaufen sind und uns treffen. Um ganz ehrlich zu sein Amanda, ich habe mich schon sehr in dich verliebt. Dir geht das alles zu schnell, ich weiß. Das akzeptiere ich auch, nur fällt es mir schwer, da ich nicht weiß, woran ich wirklich bei dir bin. Ist es von deiner Seite aus nur die Entwicklung zu einer Freundschaft oder könntest du dir vorstellen, dass es irgendwann mehr mit uns wird?“
Plötzlich hatte er das Gefühl, dass er mit ihr über alles reden konnte. Fast alles. Ein paar Dinge musste er unbedingt für sich behalten.
„Jetzt sprudelte wohl endlich mal alles aus dir heraus. Das ist wichtig und tut sicher gut, mal mit jemandem darüber zu reden. Dein Leben war wirklich nicht schön. Umso beeindruckender, dass du dich so toll entwickelt hast.
Es kann nur besser werden.
Mit deinen zwei Freunden ist es doof gelaufen aber so ist das leider im Leben, Menschen ziehen weg und man verliert den Kontakt. In deinem Fall war das natürlich sehr schlimm, dass verstehe ich.
Du hast recht, mir geht das zu schnell. Was aber nicht heißen soll, dass sich da keine Gefühle für dich entwickeln können. Im Moment bin ich aber eher an einer richtigen Freundschaft interessiert. Wenn dir das aber wehtut oder nicht gut tut, wenn wir weiterhin Kontakt haben, dann ziehe ich mich zurück“. Das wollte Richard auf keinen Fall.
„Nein, dass möchte ich nicht. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben. Du bist einfach faszinierend. Alles an dir.“
Amanda fühlte sich aufgrund der vielen Komplimente ein wenig unwohl, ließ sich dies jedoch nicht anmerken.
„Danke, dass ist sehr lieb von dir.“
Nach dem langen Gespräch machten sie einen Filmabend. Wie aus dem Nichts, fiel Richard aber noch eine Frage ein. „Eins wollte ich dich noch fragen. Bei welcher Firma arbeitest du eigentlich?“
„Wieso? Möchtest du mich besuchen kommen?“, antwortete sie lachend.
„Nein, mich interessiert das einfach.“, entgegnete er lächelnd.
„Ich arbeite bei der Firma Seymour&Banks.“
Kurz musste Richard überlegen. Wusste aber dann welche Firma sie meinte, dort fuhr er nur selten lang.
Gegen Mitternacht wollte Amanda nach Hause fahren.
„Bleib doch bitte bis morgen.“, bat Richard.
„Das geht nicht, wegen Kira. Ich möchte sie nicht die komplette Nacht alleine lassen.“
Er nickte und begleitete sie zur Tür.
„Schön, dass du da warst. Das können wir gerne wiederholen“., sagte er und gab ihr zum Abschied einen Kuss auf die Wange.
„Ja, dass werden wir. Das nächste Mal dann bei mir.“ Er wartete im Treppenhaus, bis die Tür hinter ihr ins Schloss fiel.
„Diesen Köter muss ich aus dem Weg schaffen. Er versaut mir alles.“, sagte er sauer zu sich selbst.
Amanda kam zu Hause an und war am Überlegen den Kontakt zu ihm abzubrechen. Er wurde ihr ein bisschen zu anhänglich.
