Der Knochenbrecher / Der Totenkünstler - Chris Carter - E-Book

Der Knochenbrecher / Der Totenkünstler E-Book

Chris Carter

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*** 2 Psychothriller in einem Band ***

Chris Carter war jahrelang Kriminalpsychologe. Er hat die Opfer gesehen. Er kennt die Täter. 

Niemand kennt die Hölle der Toten so gut wie er. Niemand schreibt so spannend wie er.


Der Knochenbrecher:

Wenn es Nacht wird in Los Angeles, gibt es einen Mann, der keinen Schlaf findet. Von Albträumen geplagt, ist er auf der Suche nach seinem nächsten Opfer. Er ist ein kaltblütiger Killer. Nur einer kann ihn aufhalten: Robert Hunter – Polizist, Profiler, Held des LAPD. Er weiß, wo er suchen muss. Die Jagd hat längst begonnen. Schlaf schön, L.A.!


Der Totenkünstler:

Die Angst geht um beim Los Angeles Police Department. Wer von ihnen wird das nächste Opfer? Ein brutaler Mörder tötet Polizisten und formt aus ihren Körpern abscheuliche Figuren. Er versteht sich als Künstler. Und genau da setzen Profiler Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia mit ihren Ermittlungen an. Hunter weiß, wie Mörder denken. Und das könnte sein Todesurteil sein.


Zwei Spiegel-Bestseller in einem E-Bundle. 

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Der Knochenbrecher / Der Totenkünstler

Der Autor

Chris Carter wurde 1965 in Brasilien als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Er studierte in Michigan forensische Psychologie und arbeitete sechs Jahre lang als Kriminalpsychologe für die Staatsanwaltschaft. Dann zog er nach Los Angeles, wo er als Musiker Karriere machte. Mittlerweile lebt Chris Carter als Vollzeit-Autor in London. Seine Thriller um Profiler Robert Hunter sind allesamt Bestseller.

Das Buch

Chris Carter war jahrelang Kriminalpsychologe. Er hat die Opfer gesehen. Er kennt die Täter. 

Niemand kennt die Hölle der Toten so gut wie er. Niemand schreibt so spannend wie er.

Der Knochenbrecher:

Wenn es Nacht wird in Los Angeles, gibt es einen Mann, der keinen Schlaf findet. Von Albträumen geplagt, ist er auf der Suche nach seinem nächsten Opfer. Er ist ein kaltblütiger Killer. Nur einer kann ihn aufhalten: Robert Hunter – Polizist, Profiler, Held des LAPD. Er weiß, wo er suchen muss. Die Jagd hat längst begonnen. Schlaf schön, L.A.!

Der Totenkünstler:

Die Angst geht um beim Los Angeles Police Department. Wer von ihnen wird das nächste Opfer? Ein brutaler Mörder tötet Polizisten und formt aus ihren Körpern abscheuliche Figuren. Er versteht sich als Künstler. Und genau da setzen Profiler Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia mit ihren Ermittlungen an. Hunter weiß, wie Mörder denken. Und das könnte sein Todesurteil sein.

Band 3 und Band 4 der Hunter-Serie von Chris Carter in einem E-Bundle.

Chris Carter

Der Knochenbrecher / Der Totenkünstler

Zwei Hunter-und-Garcia-Thriller in einem E-Book

Ullstein

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Sonderausgabe im Ullstein TaschenbuchMärz 2022© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2022

Der Knochenbrecher:

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2012Umschlaggestaltung: Zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®, München

Der Totenkünstler:

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2013Umschlaggestaltung: Zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®, München

Autorenfoto: © Andrzej Banas / Polska PressISBN 978-3-8437-2761-7

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Inhalt

Titelei

Der Autor / Das Buch

Titelseite

Impressum

Der Knochenbrecher

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Anhang

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Titelseite

Inhalt

Der Knochenbrecher

Der Knochenbrecher

1

Dr. Jonathan Winston zog sich die Maske über Mund und Nase und warf einen Blick auf die Uhr des Sektionssaals Nummer 4 im Untergeschoss des Rechtsmedizinischen Instituts von Los Angeles. Es war achtzehn Uhr zwölf.

Vor ihm auf dem Stahltisch lag die Leiche einer nicht identifizierten Frau. Sie war Ende zwanzig bis Anfang dreißig, ihre schulterlangen schwarzen Haare klebten in nassen Strähnen am Tisch. Im Licht der OP-Lampe sah ihre bleiche Haut aus wie Gummi, beinahe als wäre sie nicht menschlich. Die Todesursache hatte am Fundort der Leiche nicht festgestellt werden können. Es gab kein Blut, keine Schuss- oder Stichverletzungen, keine Hämatome, keine Abschürfungen an Kopf oder Körper und keine Würgemale am Hals. Ihr Körper wies nicht eine einzige Verletzung auf – abgesehen davon, dass jemand ihr Mund und Vagina zugenäht hatte. Das dafür verwendete Garn war dick und steif, die Stiche waren unregelmäßig und ohne jede Sorgfalt ausgeführt.

»Sind wir dann so weit?«, wandte sich Dr. Winston an seinen jungen Sektionsassistenten Sean Hannay.

Dessen Blick war starr auf die zugenähten Lippen der Toten gerichtet. Aus irgendeinem Grund war er nervöser als sonst vor einer Obduktion.

»Sean, können wir anfangen?«

»Äh, ja, Doktor, tut mir leid.« Hannay sah zu Dr. Winston auf und nickte. »Es ist alles vorbereitet.« Er nahm seinen Platz rechts vom Tisch ein, während Dr. Winston das digitale Diktiergerät einschaltete, das er neben sich auf den Tresen gestellt hatte.

Er nannte Datum und Uhrzeit, die Namen der Anwesenden sowie das Aktenzeichen des Falls. Gemessen und gewogen war die Tote bereits, also konnte direkt mit der äußeren Leichenschau begonnen werden. Bevor er zum Skalpell griff, untersuchte Dr. Winston die Leiche gründlich, wobei er insbesondere nach körperlichen Merkmalen Ausschau hielt, die eventuell bei der Identifikation hilfreich sein konnten. Als sein Blick zu den Stichen am Unterleib des Opfers wanderte, stutzte er plötzlich und kniff die Augen zusammen.

»Einen Moment mal«, murmelte er, trat näher an die Tote heran und schob ihr behutsam die Beine auseinander. »Sean, geben Sie mir bitte mal die Taschenlampe.« Ohne aufzuschauen, streckte er dem Sektionsassistenten die Hand hin. Ein Ausdruck der Besorgnis trat in sein Gesicht.

»Stimmt was nicht?«, wollte Hannay wissen, während er Dr. Winston eine kleine Taschenlampe reichte.

»Ich weiß noch nicht genau.« Winston richtete den Strahl der Lampe auf die Stelle an der Leiche, die seine Aufmerksamkeit erregt hatte.

Hannay trat von einem Fuß auf den anderen.

»Für die Naht wurde kein chirurgischer Faden verwendet«, sagte Dr. Winston ins Diktiergerät. »Die Stiche sind dilettantisch und ungleichmäßig ausgeführt.« Er ging noch ein Stück dichter heran. »Außerdem sind die Abstände zwischen den einzelnen Stichen sehr groß, und …« Er hielt inne und legte den Kopf schief. »… Das kann doch nicht sein.«

Hannay spürte, wie es ihm kalt den Rücken herunterlief. »Was ist denn?« Er trat näher.

Dr. Winston holte tief Luft, bevor er langsam den Kopf hob. »Ich glaube, der Täter hat ihr etwas in den Unterleib eingeführt.«

»Was?«

Dr. Winston sah noch einige Sekunden lang aufmerksam in den Strahl der Taschenlampe, dann hatte er Gewissheit. »Irgendwas in ihrem Körper reflektiert das Licht.«

Hannay beugte sich vor und folgte dem Blick des Rechtsmediziners. Es dauerte eine Weile, dann sah auch er es. »Verdammt, Sie haben recht. Das Licht wird tatsächlich reflektiert. Aber wovon?«

»Ich weiß es nicht, aber auf jeden Fall ist es groß genug, dass man es zwischen den Stichen hindurchsehen kann.«

Dr. Winston richtete sich auf und nahm einen kleinen metallenen Zeigestab vom Instrumententablett.

»Sean, halten Sie bitte das Licht für mich. So.« Er übergab dem jungen Assistenten die Taschenlampe und zeigte ihm, wohin er leuchten sollte. Dann beugte er sich vor und schob die Spitze des Stabs langsam zwischen zwei Stichen hindurch.

Hannay hielt die Taschenlampe ganz ruhig.

»Es ist irgendwas Metallisches«, verkündete Dr. Winston, der den Zeigestab benutzte, um das Objekt vorsichtig abzutasten. »Aber ich kann immer noch nicht genau sagen, was. Geben Sie mir Fadenschere und Pinzette, wären Sie so gut?«

Es dauerte nicht lange, bis er die Naht vollständig geöffnet hatte. Nach jedem Stich, den er durchtrennt hatte, zog er mit Hilfe der Pinzette ein Stück dicken schwarzen Faden aus dem Gewebe des Opfers und legte es in eine kleine Asservatendose aus Plastik.

»Wurde sie vergewaltigt?«, fragte Hannay.

»Im Vaginalbereich sind Abschürfungen und Hämatome zu erkennen, die von einer gewaltsamen Penetration herrühren könnten«, lautete Dr. Winstons Antwort, »allerdings könnten sie genauso gut beim Einführen des Gegenstands entstanden sein. Ich nehme ein paar Abstriche und schicke sie zusammen mit dem Faden ins Labor.« Er legte Schere und Pinzette auf das Tablett mit den bereits benutzten Instrumenten. »Dann wollen wir mal sehen, was der Täter uns hinterlassen hat.«

Hannays Körper spannte sich unwillkürlich an, als Winstons rechte Hand im Unterleib des Opfers verschwand. »Ich hatte recht. Es ist nicht gerade klein.«

Mehrere unangenehme Sekunden verstrichen.

»Die Form ist auch merkwürdig«, fuhr er fort. »Eckig, und an einer Seite hat es eine kleine Ausbuchtung.« Endlich bekam er den Gegenstand zu fassen. Als er ihn herauszog, war ein leises Klicken zu hören.

Hannay trat einen Schritt vor, um einen Blick darauf zu werfen.

»Metall, relativ schwer, sieht selbstgebaut aus …«, stellte Dr. Winston fest, während er den Gegenstand in seiner Hand betrachtete. »Aber ich habe immer noch keine Ahnung, was …« Mitten im Satz brach er plötzlich ab. Er spürte das Herz in seiner Brust wie wild schlagen. Seine Augen weiteten sich. »O mein Gott …«

2

Detective Robert Hunter von der Abteilung für Mord und bewaffneten Raubüberfall des Los Angeles Police Department brauchte für die Fahrt vom Gericht in Hollywood bis zu der leerstehenden Fleischerei in East L. A. über zwei Stunden. Dass man ihn angepiept hatte, war schon mehr als vier Stunden her, aber das Verfahren, bei dem er als Zeuge geladen gewesen war, hatte sich länger als erwartet hingezogen.

Hunter war Teil einer handverlesenen Elite, wenngleich die meisten Polizisten in L. A. ihren rechten Arm dafür gegeben hätten, nicht dazuzugehören. Das Morddezernat I der Abteilung für Mord und bewaffneten Raubüberfall widmete sich ausschließlich Serienverbrechen, die stark im Fokus der Öffentlichkeit standen, sowie schweren Gewaltdelikten – Fällen also, deren Aufklärung spezielles Fachwissen und aufwendige Ermittlungen erforderte. Innerhalb des Dezernats kam Hunter eine ganz besondere Aufgabe zu: Da er einen Doktortitel in Kriminalpsychologie besaß, wurden ihm all jene Fälle anvertraut, in denen der Täter mit besonderer Brutalität vorgegangen war. Das Dezernat bezeichnete solche Fälle als UV – ultra violent.

Die Fleischerei war das letzte in einer Reihe verlassener Ladenlokale. Die Gegend machte einen vernachlässigten, heruntergekommenen Eindruck. Hunter parkte seinen alten Buick neben dem weißen Lieferwagen der Spurensicherung. Beim Aussteigen musterte er das Gebäude. Sämtliche Fenster waren mit massiven Eisenplatten verbarrikadiert, und die Fassade wies so viele Graffiti auf, dass sich unmöglich feststellen ließ, welche Farbe sie ursprünglich einmal gehabt hatte.

Er ging auf den Officer zu, der am Eingang Wache hielt, zeigte ihm seine Dienstmarke und duckte sich unter dem gelben Flatterband hindurch. Der Officer nickte ihm zu, jedoch ohne ihn anzusehen.

Hunter stieß die Tür auf und trat ein.

Der Geruch, der ihm entgegenschlug, warf ihn fast um. Hunter musste würgen. Es war eine Mischung aus fauligem Fleisch, schalem Schweiß, Erbrochenem und Urin, die in seine Nase stach und in seinen Augen brannte. Er blieb kurz stehen, um sich den Kragen seines Hemds als provisorischen Atemschutz über Mund und Nase zu ziehen.

»Die hier sind besser«, sagte Carlos Garcia, der aus dem hinteren Raum auftauchte und Hunter einen medizinischen Mundschutz hinhielt. Er selbst trug auch einen.

Garcia war groß und schlank, hatte knapp schulterlanges dunkles Haar und hellblaue Augen. Der einzige Makel in seinem jungenhaft attraktiven Gesicht war der kleine Höcker auf seiner Nase, die er sich vor einiger Zeit gebrochen hatte. Im Gegensatz zu anderen Detectives in der Abteilung hatte Garcia ganz bewusst und zielstrebig auf eine Aufnahme ins Morddezernat I hingearbeitet. Er war seit mittlerweile drei Jahren Hunters Partner.

»Da hinten wird der Gestank noch schlimmer.« Garcia deutete mit einem Nicken auf die Tür, durch die er gerade gekommen war. »Wie war der Prozess?«

»Lang«, sagte Hunter nur, während er sich die Maske umband. »Was haben wir?«

Garcia legte den Kopf schief. »Was ziemlich Unschönes. Das Opfer ist eine weiße Frau, vielleicht Ende zwanzig oder Anfang dreißig. Sie wurde auf dem Fleischertisch da hinten gefunden.« Erneut zeigte er auf den hinteren Raum.

»Todesursache?«

Garcia schüttelte den Kopf. »Da müssen wir die Autopsie abwarten. Auf den ersten Blick lässt sich nichts erkennen. Aber jetzt kommt der Abschuss: Ihr wurden Lippen und Vagina zugenäht.«

»Was?«

Garcia nickte. »Genau. Richtig krank. Ich habe so was jedenfalls noch nicht gesehen.«

Unwillkürlich ging Hunters Blick zur Tür.

»Die Leiche ist schon weg«, fuhr Garcia fort, bevor Hunter die nächste Frage stellen konnte. »Dr. Winston war heute als Leichenbeschauer eingeteilt. Eigentlich wollte er, dass du die Leiche noch am Fundort zu sehen bekommst, aber irgendwann konnte er nicht länger warten. Die Hitze da drin hat die Fäulnis beschleunigt.«

»Wann wurde sie weggebracht?« Automatisch sah Hunter auf die Uhr.

»Vor ungefähr zwei Stunden. Wie ich den Doc kenne, hat er direkt mit der Obduktion angefangen. Er weiß ja, wie sehr du es hasst, dabei zu sein, deshalb bestand kein Grund, zu warten. Wenn wir hier fertig sind, hat er bestimmt schon ein paar Ergebnisse für uns.«

Hunters Handy klingelte. Er fischte es aus seiner Hosentasche und zog sich den Mundschutz herunter, so dass er ihm lose um den Hals hing. »Detective Hunter.«

Er lauschte ein paar Sekunden. »Was?« Als er zu Garcia herumfuhr, war sein Gesichtsausdruck wie verwandelt.

3

Garcia legte die Strecke von East L. A. zum Rechtsmedizinischen Institut in der North Mission Road in Rekordzeit zurück.

Mit wachsender Verwirrung näherten sie sich der Zufahrt zum Parkplatz vor dem Institut. Sie wurde von vier Streifenwagen und zwei Löschzügen blockiert. Auf dem Parkplatz standen weitere Streifenwagen. Uniformierte Polizisten eilten hierhin und dorthin, riefen Kollegen Befehle zu oder bellten in ihre Funkgeräte.

Die Presse hatte sich am Ort des Geschehens zusammengerottet wie ein Rudel ausgehungerter Wölfe. Ü-Wagen mehrerer Lokalsender und die Autos der Zeitungsjournalisten parkten wild durcheinander. Reporter, Kameraleute und Fotografen versuchten alles, um möglichst nahe heranzukommen, doch das Hauptgebäude war bereits abgeriegelt, und das LAPD ließ niemanden durch.

»Was zum Teufel ist hier los?«, raunte Hunter, als Garcia vor der Parkplatzzufahrt hielt.

»Sie können hier nicht stehen bleiben, Sir«, sagte ein junger Officer, der ans Fahrerfenster getreten war und Garcia mit hektischen Bewegungen signalisierte, er solle weiterfahren. »Das ist nicht –«

Er verstummte, sobald er Garcias Marke sah. »Tut mir leid, Detective, ich mache Ihnen sofort den Weg frei.« Er drehte sich zu zwei Kollegen um, die neben ihren Wagen standen. »Los, Jungs, macht Platz.«

Weniger als dreißig Sekunden später stellte Garcia seinen Honda Civic unmittelbar vor der Treppe zum Eingang des Hauptgebäudes ab.

Hunter stieg aus und sah sich um. Am hinteren Ende des Parkplatzes stand eine kleine Gruppe Menschen dicht zusammengedrängt. Die meisten von ihnen trugen weiße Kittel: Mitarbeiter aus dem Labor und der Rechtsmedizin.

»Was ist denn hier passiert?«, wandte er sich an einen Feuerwehrmann, der gerade sein Funkgerät weggesteckt hatte.

»Das müssen Sie den Einsatzleiter fragen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass es da drinnen gebrannt hat.« Er zeigte auf das ehemalige Krankenhausgebäude, in dem das Rechtsmedizinische Institut untergebracht war.

Hunter zog die Brauen zusammen. »Gebrannt?«

Es kam vor, dass das Morddezernat I auch bei Brandstiftung ermittelte, allerdings wurden solche Fälle nur äußerst selten als ultra violent eingestuft. Hunter persönlich hatte noch nie in einem Fall von Brandstiftung ermittelt.

»Robert, hierher!«

Als Hunter sich umdrehte, sah er, wie Dr. Carolyn Hove die Stufen hinunter auf sie zukam. Sie war sechsundvierzig, sah aber normalerweise viel jünger aus. An diesem Tag allerdings nicht. Die sonst perfekt frisierten kastanienbraunen Haare standen ihr wirr vom Kopf ab, ihre Stimmung war ernst und gedrückt. Im Rechtsmedizinischen Institut gab es keine offiziellen Dienstgrade, aber wenn es welche gegeben hätte, wäre Dr. Hove Dr. Winstons Stellvertreterin gewesen.

»Was um alles in der Welt ist denn hier passiert, Doc?«, wollte Hunter von ihr wissen.

»Ein absoluter Alptraum …«

4

Gemeinsam gingen sie die Stufen hoch und betraten das Hauptgebäude durch die große Doppeltür. Auch im Foyer standen Polizisten und Feuerwehrleute herum. Dr. Hove führte die beiden Detectives am Empfangstresen vorbei und über eine Treppe ins Untergeschoss. Obwohl zu hören war, dass die Abluftventilatoren auf höchster Stufe liefen, hing ein übelkeiterregender Gestank von Chemikalien und verbranntem Fleisch in der Luft. Sowohl Hunter als auch Garcia verzogen das Gesicht und hielten sich reflexartig die Hand vor die Nase.

Garcia spürte es in seinem Magen gurgeln.

Am Ende des Gangs, der zum Sektionssaal 4 führte, stand der Fußboden unter Wasser. Die Tür zum Sektionssaal war offen – es sah aus, als sei das Türblatt aus den Angeln gerissen worden.

Der Einsatzleiter der Feuerwehr gab einem seiner Männer gerade Anweisungen, als er die drei näher kommen sah.

»Chief«, sagte Dr. Hove, »das hier sind Detective Robert Hunter und Detective Carlos Garcia von der Abteilung für Mord und bewaffneten Raubüberfall.«

Kein Händeschütteln, nur höfliches Nicken.

»Was ist hier passiert?«, fragte Hunter und reckte den Hals, um in den Sektionssaal sehen zu können. »Und wo ist Dr. Winston?«

Dr. Hove gab keine Antwort.

Der Einsatzleiter nahm seinen Helm ab und wischte sich mit der behandschuhten Hand über die Stirn. »Es gab eine Explosion.«

Hunter runzelte die Stirn. »Eine Explosion?«

»Ja. Wir haben den Raum gerade überprüft, es gibt keine versteckten Brandherde. Wie es aussieht, war das Feuer räumlich eng begrenzt. Die Sprinkleranlage hatte es schon gelöscht, als wir kamen. Im Augenblick wissen wir noch nicht, was die Explosion ausgelöst hat, dazu werden wir wohl den Bericht des Brandermittlers abwarten müssen.« Er wandte sich an Dr. Hove. »Man hat mir gesagt, dass dies hier der größte Sektionssaal ist und dass er außerdem noch als Labor benutzt wird, stimmt das?«

»Ja, das ist korrekt«, bestätigte sie.

»Werden dort irgendwelche reaktionsfreudigen Chemikalien aufbewahrt? Gasflaschen zum Beispiel?«

Dr. Hove schloss einen Moment lang die Augen und stieß die Luft aus. »Manchmal.«

Der Einsatzleiter nickte. »Vielleicht gab es ein Leck, aber wie gesagt, wir müssen den Bericht des Ermittlers abwarten. Es ist ein solides Gebäude mit massivem Fundament. Da es sich um einen Kellerraum handelt, sind die Wände um einiges dicker als im restlichen Gebäude, das hat dazu beigetragen, die Explosion einzudämmen. Sie war stark genug, um innerhalb des Raums erheblichen Schaden anzurichten, aber nicht stark genug, um die Statik zu gefährden. Im Moment ist das alles, was ich Ihnen sagen kann.« Der Einsatzleiter zog sich die Handschuhe aus und rieb sich die Augen. »Es sieht übel aus da drinnen, Doktor. Sehr übel.« Er hielt inne, als wisse er nicht genau, was er noch sagen solle. »Es tut mir wirklich leid.« In seinen Worten schwang Trauer mit. Er nickte dem Rest der Gruppe schweigend zu, dann machte er sich auf den Weg zurück nach oben.

Sie standen eine Zeitlang schweigend vor dem Eingang des Raums, der früher einmal Sektionssaal 4 gewesen war, und betrachteten die Verwüstung. Tische, Tabletts, Schränke und Rollwagen lagen umgestürzt und verbogen herum. Alles war übersät mit Schutt, Haut- und Fleischfetzen. Ein Teil der Decke und der hinteren Wand war beschädigt und blutbespritzt.

»Wann ist das passiert?«, wollte Carlos wissen.

»Vor etwas über einer Stunde. Ich hatte eine Besprechung im anderen Gebäude. Es gab einen dumpfen Knall, und dann ist der Feueralarm losgegangen.«

Was Hunter zu denken gab, waren die Menge an Blut und die unverhältnismäßig große Anzahl schwarzer Planen, die an verschiedenen Stellen im Raum ausgebreitet waren, um Leichen oder Leichenteile abzudecken. Die Kühlzellen, in denen die Toten gelagert wurden, befanden sich auf der Raumseite, die am weitesten vom Explosionsherd entfernt gewesen war. Keine der Zellen schien beschädigt worden zu sein.

»Wie viele Leichen waren denn zur Zeit der Explosion draußen, Doc?«, fragte er zögerlich.

Dr. Hove wusste, dass Hunter bereits begriffen hatte. Sie hob die rechte Hand und streckte den Zeigefinger aus.

Hunter atmete aus. »Es war also gerade eine Autopsie im Gange?« Es war eher eine Feststellung als eine Frage, und er spürte, wie ihm kalt wurde. »Dr. Winstons Autopsie?«

»Ach du Scheiße!« Garcia schlug sich die Hand vors Gesicht. »Nein.«

Dr. Hove wandte den Blick ab, aber nicht schnell genug, um die Tränen zu verbergen, die in ihren Augen glänzten.

Hunters Blick verweilte noch kurz auf ihr, bevor er sich wieder dem verwüsteten Raum zuwandte. Die Kehle wurde ihm trocken, und sein Herz krampfte sich vor Trauer zusammen. Hunter kannte Dr. Jonathan Winston seit mehr als fünfzehn Jahren. Solange er denken konnte, hatte Winston das Rechtsmedizinische Institut von Los Angeles geleitet. Er war ein Arbeitstier und ein Meister seines Fachs, und er legte Wert darauf, sämtliche Leichen, bei denen die Todesumstände als ungewöhnlich gelten konnten, persönlich zu obduzieren. Aber vor allem war Dr. Winston für Hunter so etwas wie Familie. Ein echter Freund. Jemand, auf den er sich unzählige Male verlassen hatte. Jemand, den er achtete und bewunderte wie kaum einen Zweiten. Jemand, dessen Tod ein großes Loch in seinem Leben hinterlassen würde.

»Es waren zwei Leute anwesend.« Einen Moment lang versagte Dr. Hove die Stimme. »Dr. Winston und Sean Hannay, ein einundzwanzigjähriger Sektionsassistent.«

Hunter schloss die Augen. Er konnte nichts sagen.

»Ich habe Sie angerufen, sobald ich Bescheid wusste«, sagte Dr. Hove.

In Garcias Miene spiegelte sich fassungsloses Entsetzen. Er hatte im Laufe seiner Karriere schon viele Leichen gesehen, darunter einige, die von einem sadistischen Killer grausam zugerichtet worden waren. Aber noch nie hatte er eins der Opfer persönlich gekannt. Und obwohl er Dr. Winston erst drei Jahre zuvor kennengelernt hatte, waren sie in der kurzen Zeit gute Freunde geworden.

»Was ist mit dem Assistenten?«, fragte Hunter schließlich. Zum ersten Mal überhaupt hörte Garcia die Stimme seines Partners zittern.

Dr. Hove schüttelte den Kopf. »Es tut mir leid. Sean Hannay war im dritten Jahr Pathologie an der UCLA. Er wollte Forensiker werden. Ich selbst habe vor sechs Monaten seinen Praktikumsantrag bewilligt.« Ihre Augen glänzten. »Er hätte eigentlich gar nicht hier sein sollen. Er ist nur eingesprungen.« Hove verstummte. Ihre nächsten Worte wählte sie sehr sorgfältig. »Ich hatte ihn darum gebeten. Eigentlich hätte ich Jonathan assistieren sollen.«

Hunter sah, dass die Hände der Ärztin zitterten.

»Es waren ungewöhnliche Todesumstände«, fuhr sie fort. »Bei solchen Fällen wollte Jonathan immer mich als Assistentin dabeihaben. Und ich hätte es auch gemacht, aber die Besprechung hat länger gedauert als erwartet, deswegen habe ich Sean gefragt, ob er für mich übernehmen kann.« Verzweiflung trat in ihre Augen. »Ich hätte heute hier sterben sollen, nicht er.«

5

Hunter wusste genau, was in Dr. Hove vorging. Unmittelbar nach der Explosion hatte ihr Selbsterhaltungstrieb die Kontrolle übernommen, und sie hatte vor allem Erleichterung empfunden: Sie war davongekommen. Doch jetzt meldete sich ihr Verstand zurück, und mit ihm kam das schlechte Gewissen, das sie auf die schlimmste nur denkbare Weise bestrafte. Wenn meine Besprechung nichtlänger gedauert hätte, wäre Sean Hannay jetzt noch am Leben.

»Nichts davon ist Ihre Schuld, Doc«, versuchte Hunter, sie zu trösten, obwohl er wusste, dass Worte nicht viel ausrichten würden. Bevor sie das Geschehene verarbeiten konnten, mussten sie erst einmal herausfinden, was überhaupt passiert war.

Hunter machte einen Schritt auf die Tür des Sektionssaals zu und versuchte, das, was er sah, zu begreifen. Im Augenblick ergab noch nichts einen Sinn. Dann blieb sein Blick plötzlich an etwas hängen, und er kniff kurz die Augen zusammen, bevor er sich zu Dr. Hove umdrehte.

»Werden die Obduktionen manchmal auf Video aufgezeichnet?«, fragte er und deutete auf etwas am Boden, das Ähnlichkeit mit dem Bein eines Kamerastativs hatte.

Dr. Hove schüttelte den Kopf. »Nur ganz selten, und die Anfrage muss entweder von mir oder …« Ihr Blick glitt an Hunter vorbei in den Raum hinein. »… dem Institutsleiter genehmigt werden.«

»Also von Dr. Winston.«

Ein kurzes, zögerliches Nicken.

»Halten Sie es für möglich, dass er diese Autopsie aufzeichnen wollte?«

Dr. Hove dachte einen Augenblick lang nach. Hoffnung glomm in ihren Augen auf. »Möglich wäre es. Wenn er den Fall ungewöhnlich genug fand.«

»Aber selbst wenn«, mischte sich Garcia ins Gespräch, »inwiefern würde uns das weiterhelfen? Die Kamera muss doch in tausend Stücke zerrissen worden sein wie alles andere hier. Sieh dich doch mal um.«

»Nicht notwendigerweise«, sagte Dr. Hove langsam.

Alle Augen ruhten auf ihr.

»Wissen Sie was, was wir nicht wissen?«, fragte Hunter.

»Sektionssaal 4 wird manchmal auch für Seminare benutzt«, erklärte die Rechtsmedizinerin. »Es ist der einzige Sektionssaal, der mit einem digitalen Videoanschluss ausgestattet ist. Der wiederum ist direkt mit unserem Hauptrechner verbunden, das heißt, die Bilder werden dort automatisch auf der Festplatte gespeichert. Um ein Seminar oder eine Obduktion aufzuzeichnen, muss man nichts weiter machen, als eine Digitalkamera aufzustellen, sie anzuschließen, und schon kann es losgehen.«

»Können wir nachsehen, ob Dr. Winston das getan hat?«

»Folgen Sie mir.«

Dr. Hove ging zielstrebig voran. Sie stiegen dieselbe Treppe hinauf, die sie heruntergekommen waren, und passierten im Erdgeschoss erneut den Empfangsbereich, bevor sie durch eine Metalldoppeltür in einen langen Flur kamen. Nach etwa einem Drittel des Wegs zweigte rechts ein weiterer Flur ab, an dessen Ende eine einzelne hölzerne Tür mit einem Fenster aus Milchglas zu sehen war. Dr. Hoves Büro. Sie schloss die Tür auf, öffnete sie und ließ die beiden Detectives eintreten.

Drinnen ging sie sofort zu ihrem Schreibtisch und loggte sich in ihren Computer ein. Hunter und Garcia stellten sich hinter sie.

»Dr. Winston und ich sind die Einzigen mit Administratorberechtigung, das heißt, wir haben auch Zugang zum Videoverzeichnis auf dem Hauptrechner. Mal schauen, ob wir was finden.«

Durch wenige Klicks gelangte Hove ins Videoverzeichnis, in dem sämtliche Aufzeichnungen gespeichert waren. Innerhalb des Hauptordners gab es drei Unterordner – Neu, Vorlesungen und Autopsien. Hove klickte auf den Ordner Neu. Er enthielt nur eine einzige mpg-Datei, die dem Zeitstempel zufolge eine Stunde zuvor abgespeichert worden war.

»Bingo. Jonathan hat die Autopsie tatsächlich aufgezeichnet.« Dr. Hove hielt inne und sah unsicher zu Hunter auf. Der hatte gemerkt, dass ihre Hand ein winziges Stück von der Maus abgerückt war.

»Ist schon gut, Doc, Sie müssen das nicht mit uns zusammen ansehen. Ab hier kommen wir auch alleine klar.«

Dr. Hove zögerte eine Sekunde. »Doch, das muss ich.« Mit einem Doppelklick öffnete sie die Datei. Der Monitor flackerte kurz, als der Rechner seinen Standard-Videoplayer startete. Hunter und Garcia traten einen Schritt näher.

Die Bildqualität ließ zu wünschen übrig, dennoch konnte man deutlich den Sektionstisch mit der Leiche einer weißen Frau erkennen. Das Bild war schräg von oben aus einem relativ nahen Winkel aufgenommen worden, so dass der Tisch einen Großteil des Ausschnitts einnahm. Rechts daneben waren – vom Bauch abwärts – zwei Leute in weißen Kitteln zu sehen.

»Können Sie weiter wegzoomen?«, wollte Garcia wissen.

»Der Film wurde in dieser Kameraeinstellung aufgenommen«, antwortete Hunter, während er gleichzeitig den Kopf schüttelte. »Auf den Bildausschnitt haben wir keinen Einfluss, das ist nur die Wiedergabe.«

Auf dem Monitor trat nun eine der zwei Personen zum Kopf der Leiche, um ihn näher zu untersuchen. Kurz darauf tauchte Dr. Winstons Gesicht im Bild auf.

»Gibt es keinen Ton?«, fragte Garcia, der zusah, wie sich Dr. Winstons Lippen lautlos bewegten. »Wie kommt es, dass man nichts hört?«

»Die Mikrofone an den Kameras, die wir für die Videoaufzeichnung benutzen, sind ziemlich schlecht«, erklärte Hove. »Normalerweise schalten wir sie gar nicht erst ein.«

»Ich dachte, Rechtsmediziner diktieren jeden Schritt ihrer Untersuchung auf Band.«

»Das tun wir auch«, bestätigte sie. »Auf unsere persönlichen Aufnahmegeräte, die wir mit in den Sektionssaal nehmen. Was auch immer Jonathan dazu benutzt hat, es ist wie alles andere im Raum bei der Explosion zerstört worden.«

»Na großartig.«

»Augen haselnussbraun, Haut gut gepflegt, Ohrläppchen nicht durchstochen …«, sagte Hunter, bevor Dr. Winston sich von der Kamera abwandte. »Mist, jetzt kann ich seinen Mund nicht mehr sehen.«

»Sie können von den Lippen ablesen?« Die Frage kam von Dr. Hove, aber Garcia war nicht minder erstaunt.

Hunter gab keine Antwort. Seine Aufmerksamkeit galt ganz dem Video.

»Wo hast du denn das nun wieder gelernt?«, wollte Garcia wissen.

»Bücher«, log Hunter. Wenn er eins im Moment nicht wollte, dann seine Vergangenheit aufrollen.

Eine Zeitlang folgten sie schweigend dem Geschehen auf dem Bildschirm.

»Jonathan fängt wie üblich mit der äußeren Leichenschau an«, kommentierte Dr. Hove. »Dabei werden sämtliche körperlichen Eigenschaften des Opfers vermerkt, und er verschafft sich einen ersten Überblick über die Verletzungen, sofern es welche gibt. Außerdem sucht er nach Merkmalen, die bei einer Identifikation helfen können – die Leiche wurde als Jane Doe eingeliefert.«

Auf dem Bildschirm hielt Dr. Winston plötzlich inne. Etwas schien seine Aufmerksamkeit erregt zu haben. Sie sahen zu, wie sein Sektionsassistent ihm eine kleine Taschenlampe reichte. Winston beugte sich vor und richtete den Lichtstrahl auf die Naht an der Vagina der Leiche, wobei er ihn zunächst auf und ab, dann von rechts nach links schwenkte, als gebe ihm irgendetwas Rätsel auf.

»Was macht er denn da?« Instinktiv legte Garcia den Kopf schief, um besser sehen zu können.

Der Film ging weiter, und sie sahen, wie Dr. Winston einen Stab nahm, um damit zwischen den Stichen hindurch im Unterleib des Opfers zu tasten. Die Lippen des Mediziners bewegten sich. Garcia und Hove sahen Hunter erwartungsvoll an.

»Irgendwas Metallisches«, übersetzte Hunter. »Aber ich kann immer noch nicht genau sagen, was. Geben Sie mir Fadenschere und Pinzette, wären Sie so gut?«

»Da steckt was in ihr drin?« Dr. Hove zog die Brauen zusammen.

Auf dem Bildschirm drehte sich Dr. Winston erneut von der Kamera weg und trennte mit einer Schere die Stiche durch. Hunter zählte mit, es waren insgesamt fünf. Dann ließ der Rechtsmediziner die Hand in den Unterleib des Opfers gleiten.

Augenblicke später zog er einen Gegenstand daraus hervor. Als er sich umdrehte, sah man eine Ecke davon durchs Bild huschen.

»Was war das?«, rief Garcia. »Was hat er im Körper des Opfers gefunden, hat jemand was gesehen?«

»Ich bin mir nicht sicher«, erwiderte Hunter. »Warten wir ab, vielleicht dreht er sich noch mal zur Kamera.«

Aber dazu kam es nicht mehr.

Sekunden später gab es eine Erschütterung, und statt des Bildes war nur noch Schnee zu sehen. In der Mitte des Monitors blinkte die Warnmeldung Saal 4 – kein Signal.

6

Im Raum war es mehrere Sekunden lang totenstill. Dr. Hove war die Erste, die die Sprache wiederfand.

»Eine Bombe? Jemand hat eine Bombe in eine Leiche gesteckt? Wozu um alles in der Welt …?«

Niemand antwortete ihr. Hunter hatte ihren Platz am Computer übernommen und klickte eifrig, um den Film zurückzuspulen. Als er fertig war, drückte er auf Play, und das Video begann, wenige Sekunden bevor Dr. Winston den mysteriösen metallenen Gegenstand aus dem Körper des Opfers zog. Alle Augen waren gebannt auf den Schirm gerichtet.

»Ich kann es nicht genau erkennen«, sagte Garcia. »Man sieht es nur ganz kurz. Kannst du den Film langsamer laufen lassen?«

»Es ist doch völlig egal, wie es aussieht«, sagte Dr. Hove tonlos. »Es war eine Bombe. Wer zum Teufel versteckt eine Bombe in einer Leiche und wieso?« Sie trat einen Schritt zurück und massierte sich die Schläfen. »Ein Terrorist?«

Hunter schüttelte den Kopf. »Allein der Ort der Explosion widerspricht der elementaren Zielsetzung des Terrorismus als solchem. Terroristen sind darauf aus, ein Höchstmaß an Zerstörung anzurichten und dabei möglichst viele Menschen zu töten. Ich sage es ungern, Doc, aber das hier ist ein Leichenschauhaus, kein Shoppingcenter. Außerdem war die Detonation nicht mal stark genug, um einen einzigen mittelgroßen Raum zu verwüsten.«

»Ganz davon abgesehen«, ergänzte Garcia ohne eine Spur von Sarkasmus in der Stimme, »sind die meisten, die sich hier im Gebäude aufhalten, bereits tot.«

»Aber warum würde sonst jemand eine Bombe in einer Leiche verstecken? Das ist doch völlig sinnlos.«

Hunter erwiderte den ratlosen Blick der Rechtsmedizinerin. »Die Frage kann ich Ihnen im Moment noch nicht beantworten.« Er hielt kurz inne. »Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren. Ich nehme an, außer uns hat niemand diese Aufzeichnung gesehen?«

Dr. Hove nickte.

»Das sollte fürs Erste auch so bleiben«, entschied Hunter. »Wenn sich herumspricht, dass ein Killer eine Bombe im Körper seines Opfers versteckt hat, wird sich die Presse sofort daraufstürzen, und wir werden mehr Zeit damit verbringen, Interviews zu geben und dumme Fragen zu beantworten, als nach dem Täter zu suchen. Wir können es uns nicht leisten, Zeit zu verlieren, denn selbst wenn wir alle emotionalen Faktoren beiseitelassen, haben wir es immer noch mit jemandem zu tun, der wahnsinnig genug ist, eine junge Frau zu töten, einen Sprengsatz in ihrem Körper zu deponieren und sie dann zuzunähen – eine Tat, in deren Folge es noch zwei weitere unschuldige Todesopfer gegeben hat.«

Erneut glänzten Tränen in Dr. Hoves Augen. Doch sie hatte im Laufe der Jahre schon bei vielen Fällen mit Hunter zusammengearbeitet, und es gab niemanden bei der Polizei, dem sie mehr vertraute. Sie nickte langsam, und zum ersten Mal an diesem Tag sah Hunter einen Ausdruck der Wut in ihrem Gesicht.

»Versprechen Sie mir einfach, dass Sie dieses Schwein kriegen.«

Bevor sie das Rechtsmedizinische Institut verließen, statteten Hunter und Garcia noch dem kriminaltechnischen Labor einen kurzen Besuch ab und nahmen alles mit, was bisher zu dem Fall vorlag. Die meisten Labortests würden einige Tage dauern. Da Hunter die Leiche am Fundort nicht gesehen hatte, waren die Berichte, Notizen und Fotos vorerst das Einzige, womit er arbeiten konnte.

Er wusste bereits, dass die Leiche acht Stunden zuvor im hinteren Raum eines leerstehenden Fleischereibetriebs in East L. A. gefunden worden war. Ein anonymer Anrufer hatte die Polizei alarmiert. Hunter würde sich später noch eine Kopie der Aufzeichnung besorgen.

Auf der Fahrt zurück nach East L. A. blätterte er langsam durch die Akte der Kriminaltechnik. Den Fotos vom Fundort zufolge war das Opfer unbekleidet abgelegt worden und hatte rücklings auf einem verschmutzten stählernen Arbeitstisch gelegen. Ihre Beine waren geschlossen und lang ausgestreckt, aber nicht gefesselt. Einer ihrer Arme hing seitlich vom Tisch herunter, die andere Hand lag auf ihrer Brust. Ihre Augen waren geöffnet, und Hunter hatte den Ausdruck in ihnen schon oft gesehen: nackte Angst.

Unter den Fotos befand sich auch eine Nahaufnahme ihres Mundes. Ihre Lippen waren mit dickem schwarzem Faden zugenäht worden. Die einzelnen Stiche saßen wie Dornen in ihrem Fleisch. An den Stellen, an denen die Nadel die Haut durchstoßen hatte, war Blut ausgetreten und ihr über Kinn und Hals gelaufen. Das ließ den Schluss zu, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt noch am Leben gewesen war. Eine weitere Nahaufnahme zeigte den Schambereich, mit dem der Täter auf dieselbe Weise verfahren war. Vagina und Schenkelinnenseiten waren ebenfalls voller Blut. Das Gewebe um die Einstichstellen herum war angeschwollen – ein weiteres Indiz dafür, dass sie noch mehrere Stunden gelebt hatte, nachdem sie mit Nadel und Faden so brutal zugerichtet worden war. Zum Zeitpunkt des Todes hatte sich in den Wunden bereits eine leichte Sepsis gebildet. Allerdings konnte das kaum die Todesursache gewesen sein.

Als Nächstes nahm sich Hunter die Aufnahmen des Leichenfundorts vor. Die alte Fleischerei war verdreckt und voller Müll. Der Boden war übersät mit Crackpfeifen, alten Spritzen, benutzten Kondomen und Rattenkot. An den Wänden prangten unzählige Graffiti. Die Kriminaltechnik hatte so viele verschiedene Fingerabdrücke sichergestellt, dass man glauben konnte, in dem Raum hätte eine Party stattgefunden. Die bittere Wahrheit sah so aus: Das Einzige, was Licht in den Fall hätte bringen können, wäre eine Obduktion gewesen.

7

Als Garcia Hunter vor der Fleischerei absetzte, waren die Kollegen bereits gegangen. Der Umkreis war noch mit Flatterband abgesperrt, und ein einzelner Officer in Uniform bewachte den Eingang.

Garcia wusste, dass Hunter viel Zeit brauchen würde. Er würde sich jedes Detail in den Räumlichkeiten der Fleischerei genau ansehen.

»Ich fahre dann in der Zwischenzeit schon mal zurück und schaue, ob ich mit den Leichenfotos und der Vermisstendatenbank weiterkomme. Wie du gesagt hast, zu allererst müssen wir rausfinden, wer sie war.«

Hunter nickte und stieg aus.

Der Gestank schien noch schlimmer geworden zu sein. Hunter präsentierte dem Officer am Eingang seine Dienstmarke und betrat zum zweiten Mal am Abend das Gebäude.

Sobald die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, wurde es stockdunkel. Er knipste seine Taschenlampe an und spürte eine Welle Adrenalin durch seinen Körper rauschen. Bei jedem Schritt knirschte Glas unter seinen Schuhen, und hin und wieder war ein schmatzendes Geräusch zu hören, wenn er in etwas Feuchtes trat. Er ging um den alten Auslagetresen herum zur Tür, die in den hinteren Raum führte. Beim Näherkommen hörte er das Summen von Fliegen.

Der zweite Raum war groß und verband das eigentliche Ladengeschäft vorn mit einem kleinen Kühlraum hinten. Hunter blieb an der Tür stehen und versuchte, sich an den Fäulnisgeruch zu gewöhnen. Sein Magen sendete eindeutige Signale an ihn, das Gebäude zu verlassen, und drohte damit, sich jeden Moment umzudrehen. Ein paarmal musste er heftig würgen und husten. Sein Mundschutz half nur wenig.

Langsam ließ er den Lichtkegel seiner Taschenlampe durch den Raum wandern. Zwei riesige Edelstahlbecken standen an der hinteren Wand, rechts daneben befand sich ein leeres Regal, das bis zur Decke reichte. Ratten huschten darauf hin und her.

Hunter verzog das Gesicht.

»Natürlich muss es hier Ratten geben«, fluchte er halblaut. Er hasste Ratten.

Mit einem Schlag war er wieder acht Jahre alt.

Auf dem Nachhauseweg von der Schule verstellten ihm zwei ältere Kinder den Weg und rissen ihm seine Batman-Butterbrotdose aus der Hand. Seine Mutter hatte ihm die Dose ein Jahr zuvor zum Geburtstag geschenkt, wenige Monate bevor sie an Krebs gestorben war. Die Dose war sein kostbarster Besitz.

Nachdem die zwei Jungs Hunter eine Weile geärgert hatten, indem sie die Butterbrotdose zwischen sich hin- und herwarfen, kickten sie sie schließlich in einen offenen Kanalschacht.

»Na los, hol sie dir, du taube Nuss!«

Der Tod der Mutter war ein schwerer Schlag für Robert und seinen Vater gewesen und hatte bei ihnen beiden Spuren hinterlassen. Während der letzten Wochen hatte Hunter oft alleine in seinem Zimmer gesessen, die verzweifelten Schmerzensschreie seiner Mutter gehört und ihre Qualen gespürt, als wären es seine eigenen. Als sie dann schließlich starb, verlor Robert von einem Tag auf den anderen sein Gehör. Es war eine psychosomatische Reaktion, um die Trauer auszublenden. Erwartungsgemäß machte seine Taubheit den jungen Robert zu einem noch dankbareren Ziel für die Hänseleien tyrannischer Altersgenossen. Um nicht noch stärker ausgegrenzt zu werden als ohnehin schon, brachte er sich selbst das Lippenlesen bei. Nach zwei Jahren kehrte sein Hörvermögen mit der gleichen Selbstverständlichkeit zurück, wie es zuvor verschwunden war.

»Na los, taube Nuss, hol sie dir!«, wiederholte der größere der zwei Jungs.

Robert zögerte keine Sekunde. Er kletterte die Eisen­leiter hinab, als ginge es um sein Leben. Natürlich hatten seine zwei Peiniger genau darauf gewartet. Sie schoben den Deckel wieder über den Schacht und machten sich lachend aus dem Staub.

Robert fand die Brotdose am Grund des Schachts und kletterte zurück nach oben. Doch wie sehr er sich auch abmühte, er hatte einfach nicht die Kraft, die schwere Schachtabdeckung beiseitezuschieben. Doch statt in Panik zu geraten, kletterte er wieder nach unten, zurück in die Kanalisation. Wenn er nicht auf demselben Weg hinausgelangen konnte, wie er hineingekommen war, dann musste er eben einen anderen Weg ins Freie finden.

Im Halbdunkel, die Butterbrotdose fest an die Brust gepresst, machte er sich auf den Weg durch den Kanaltunnel. Er war ungefähr fünfzig Meter weit durch schmutzige, stinkende Abwässer gewatet, als plötzlich etwas von der Decke auf seinen Rücken fiel und an seinem Hemd zu zerren begann. Reflexartig griff er danach und schleuderte es so weit von sich fort, wie er nur konnte. Als es hinter ihm ins Wasser platschte, quiekte es auf, und da erst sah Robert, was es war.

Eine Ratte, so groß wie seine Butterbrotdose.

Langsam und mit angehaltenem Atem drehte er sich nach rechts. An der Wand wimmelte es nur so von Ratten jeder Art und Größe.

Er begann zu zittern.

Ganz vorsichtig drehte er sich zur linken Wand. Noch mehr Ratten. Und er hätte schwören können, dass sie ihn alle anstarrten.

Ohne nachzudenken, rannte er los, so schnell er konnte. Bei jedem Schritt spritzte das Wasser hoch auf. Nach hundertfünfzig Metern gelangte er an eine Eisenleiter, die zu einer weiteren Schachtabdeckung führte. Auch diese ließ sich nicht bewegen. Er kletterte zurück in den Tunnel und rannte weiter. Noch zweihundert Meter, wieder ein Kanaleinstieg, und hier hatte Robert endlich Glück. Der Deckel lag nur halb über der Öffnung, und es gelang ihm, seinen mageren Körper durch den Spalt zu zwängen.

Die Batman-Butterbrotdose von seiner Mutter hatte er immer noch. Genauso wie Angst vor Ratten.

Hunter schob die Erinnerung beiseite und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf das Hier und Jetzt. Das einzige weitere Möbelstück im Raum war der Fleischertisch, auf dem die nackte Leiche gelegen hatte. Er stand etwa zwei Meter von der geöffneten Tür zum Kühlraum entfernt. Hunter musterte den Tisch lange aus der Entfernung. Irgendetwas kam ihm seltsam vor. Der Tisch war viel zu hoch. Als er den Blick weiter nach unten richtete, sah er, dass unter jedem der vier Beine mehrere aufeinandergestapelte Ziegelsteine lagen, mit deren Hilfe der Tisch um gut dreißig Zentimeter erhöht worden war.

Genau wie auf den Fotos der Spurensicherung war der Fußboden übersät mit Lumpen, benutzten Kondomen und weggeworfenen Spritzen. Hunter ging in den Raum hinein. Er machte kleine, vorsichtige Schritte und hielt den Blick gesenkt, um zu sehen, wohin er trat. Die Temperatur schien um mindestens drei Grad höher zu sein als draußen, und er spürte, wie ihm der Schweiß ins Kreuz rann. Als er sich dem Edelstahltisch näherte, wurde das Summen der Fliegen lauter.

Doch trotz der Fliegen, des Übelkeit erregenden Gestanks und der brütenden Hitze ließ Hunter sich Zeit. Er wusste, dass die Kriminaltechniker alles Menschenmögliche getan hatten, aber Tatorte gaben mehr her als bloß materielle Beweise. Und Hunter hatte die ganz besondere Gabe, sie lesen zu können.

Langsam umrundete er den Tisch, insgesamt fünfmal. Die zentrale Frage, die ihm im Kopf herumging, war, ob die Frau in dem Raum gestorben war oder ob der Täter ihre Leiche lediglich dort abgelegt hatte.

Hunter beschloss, sich den Raum aus der Sicht des Opfers anzusehen.

Er setzte sich auf den Tisch und legte sich genau so hin, wie man die unbekannte Tote aufgefunden hatte. Dann knipste er die Taschenlampe aus. Er lag ganz still da und ließ die Geräusche, den Geruch, die Hitze und die Dunkelheit auf sich wirken. Das Hemd klebte ihm schweißnass am Körper. Vom Foto erinnerte er sich noch an den Ausdruck in ihren Augen, an die Miene des Entsetzens, zu der ihre Züge erstarrt waren.

Er schaltete die Taschenlampe wieder ein, blieb aber liegen und betrachtete die Graffiti an der Decke.

Es fiel ihm fast sofort auf. Er kniff die Augen zusammen und setzte sich hin, den Blick auf eine Stelle an der Decke direkt über dem Tisch gerichtet. Drei Sekunden später begriff er, und seine Augen weiteten sich.

»Grundgütiger!«

8

Katia Kudrov stieg aus der Duschwanne und schlang sich ein weißes Handtuch um die schulterlangen schwarzen Haare. Duftkerzen erleuchteten ihr luxuriöses Bad im Penthouse eines exklusiven Apartmentgebäudes in West Hollywood. Die Kerzen halfen ihr beim Entspannen. Und an diesem Abend hatte sie Entspannung bitter nötig.

Katia hatte soeben ihre erste Amerika-Tournee als Konzertmeisterin des Los Angeles Philharmonic Orchestra beendet. Fünfundsechzig Konzerte in ebenso vielen Städten in siebzig Tagen. Die Tournee war ein phänomenaler Erfolg gewesen, aber nach dem mörderischen Programm war sie am Ende ihrer Kräfte. Sie freute sich auf eine wohlverdiente Auszeit.

Katia hatte bereits im zarten Alter von vier Jahren zur Musik gefunden. Sie konnte sich noch genau daran erinnern, wie sie bei ihrem Großvater auf dem Schoß gesessen hatte, während dieser versuchte, sie zum Klang von Tschaikowskis Violinkonzert in D-Dur in den Schlaf zu wiegen. Doch statt einzuschlafen, hatte sie sich in das Stück verliebt, und am nächsten Tag hatte der Großvater Katia ihre erste Geige geschenkt.

Katia war kein Wunderkind, im Gegenteil. Jahrelang mussten ihre Eltern die ohrenbetäubende Katzenmusik ertragen, die sie beim Üben produzierte. Aber sie war ehrgeizig, entschlossen und fleißig, und irgendwann begann sie, Musik zu spielen, an der selbst die Engel im Himmel ihre Freude gehabt hätten. Nach einem mehrjährigen Europa-Aufenthalt war sie dreizehn Monate zuvor nach L. A. zurückgekehrt, weil man ihr den Posten der Konzertmeisterin beim Los Angeles Philharmonic angeboten hatte.

Katia trat aus dem Bad, blieb vor dem mannshohen Spiegel in ihrem Schlafzimmer stehen und betrachtete sich darin. Ihr Gesicht war nahezu vollkommen – große braune Augen, eine zierliche Nase, hohe Wangenknochen und volle Lippen, die beim Lächeln den Blick auf makellos weiße Zähne preisgaben. Mit dreißig Jahren hatte sie immer noch den Körper eines jungen Cheerleaders. Sie in­spizierte ihr Profil und zog einige Sekunden lang den Bauch ein. Sie hatte ein paar Kilo zugelegt. Schuld daran war wahrscheinlich das Fingerfood auf den unzähligen Cocktailpartys, zu denen sie während der Tournee eingeladen gewesen war. Missbilligend schüttelte sie den Kopf.

»Ab morgen wieder Diät und Fitnessstudio«, sagte sie halblaut zu sich selbst und griff nach ihrem rosaroten Bademantel.

In diesem Moment klingelte das schnurlose Telefon auf ihrem Nachttisch. Sie warf ihm einen argwöhnischen Blick zu. Nur wenige Menschen kannten ihre Privatnummer.

»Hallo?«, meldete sie sich schließlich nach dem fünften Klingeln. Sie glaubte, ein Klicken in der Leitung zu hören, als hätte jemand bei einem der anderen Apparate in ihrem Arbeitszimmer, im Wohnzimmer oder in der Küche den Hörer abgenommen.

»Na, wie geht’s meinem Superstar?«

Katia lächelte. »Dad.«

»Hi, Schätzchen. Wie war die Tournee?«

»Fantastisch, aber sehr anstrengend.«

»Das glaube ich. Ich habe die Kritiken gelesen. Alle liegen dir zu Füßen.«

Erneut musste Katia lächeln. »Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf zwei Wochen ohne Proben, ohne Konzerte und vor allem ohne Partys freue.« Sie trat aus ihrem Schlafzimmer auf die Galerie hinaus, von der aus man einen Blick auf ihr geräumiges Wohnzimmer hatte.

»Aber für deinen alten Vater wirst du doch noch ein bisschen Zeit übrig haben, oder?«

»Ich habe immer Zeit für dich, wenn ich nicht gerade auf Tournee bin, Dad. Du bist derjenige, der andauernd zu tun hat, schon vergessen?«, sagte sie mit leichter Schärfe in der Stimme.

Er lachte. »Schon gut, schon gut, ich habe verstanden. Pass auf, ich höre dir an, wie müde du bist. Warum legst du dich nicht schlafen und erzählst mir morgen alles ganz ausführlich beim Mittagessen?«

Katia zögerte. »Was für eine Art Essen wird das, Dad? Eine von deinen schnellen ›Ich muss gleich wieder los, holen wir uns ein Sandwich auf die Hand‹-Nummern oder ein anständiges Mittagessen mit drei Gängen, Tisch und Stühlen und ohne Handy?«

Leonid Kudrov war einer der bekanntesten Filmproduzenten Amerikas. Seine Verabredungen zum Mittagessen dauerten selten länger als eine halbe Stunde, was Katia selbstverständlich wusste.

Ein kurzes Schweigen folgte, und diesmal war sich Katia ganz sicher, dass sie ein Klicken in der Leitung gehört hatte. »Dad, bist du noch dran?«

»Ich bin hier, Schätzchen. Und ich wähle Möglichkeit Nummer zwei, wenn es dir recht ist.«

»Ich meine es ernst, Dad. Wenn ich mit dir zusammen Mittag essen soll, dann gibt es zwischendurch keine Anrufe, und du springst auch nicht nach einer halben Stunde auf und verschwindest.«

»Keine Anrufe, Ehrenwort. Ich schaufle mir den Nachmittag frei. Und du kannst dir das Restaurant aussuchen.«

Jetzt endlich wurde Katias Lächeln breiter. »Okay, wenn das so ist, würde ich sagen, wir treffen uns um eins in Mastro’s Steak House in Beverly Hills.«

»Ausgezeichnete Wahl«, lobte ihr Vater. »Ich reserviere uns einen Tisch.«

»Und du kommst auch pünktlich, ja, Dad?«

»Natürlich, Liebes. Du bist mein Superstar, schon vergessen? Hör mal, ich muss jetzt. Ich habe gerade einen wichtigen Anruf auf der anderen Leitung.«

Katia schüttelte den Kopf. »Was für eine Überraschung.«

»Schlaf dich schön aus, Liebes. Wir sehen uns morgen.«

»Bis morgen, Dad.« Sie legte auf und steckte das Telefon in die Tasche ihres Bademantels.

Sie ging die Treppe zum Wohnzimmer hinunter und von dort aus in die Küche. Sie hatte Lust auf ein Glas Wein – genau das Richtige, um noch ein wenig gelöster zu werden. Sie nahm eine Flasche Sancerre aus dem Kühlschrank. Als sie in einer der Schubladen nach dem Korkenzieher suchte, klingelte das Telefon in ihrer Bademanteltasche zum zweiten Mal.

»Hallo?«

»Na, wie geht’s meinem Superstar?«

Katia runzelte die Stirn.

9

»Dad, jetzt sag bloß nicht, du musst schon wieder absagen!« Katia war ungehalten. »Dad?«

Mit einem Mal wurde Katia bewusst, dass die Stimme am anderen Ende gar nicht nach ihrem Vater geklungen hatte. »Wer ist denn da?«

»Jedenfalls nicht dein Daddy.«

»Phillip, bist du das?«

Phillip Stein war der neue Dirigent des Los Angeles Philharmonic Orchestra und Katias aktueller Liebhaber. Sie hatten seit vier Monaten ein Verhältnis, aber drei Tage vor Ende der Tournee war es zwischen ihnen zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Phillip hatte sich Hals über Kopf in Katia verliebt und wollte, dass sie bei ihm einzog. Katia mochte Phillip und hatte ihre Affäre genossen, aber sie empfand nicht dasselbe für ihn wie er für sie. Sie war nicht bereit für etwas Festes, im Moment passte eine Beziehung einfach nicht in ihr Leben. Sie hatte angedeutet, dass es vielleicht das Klügste wäre, wenn sie sich ein paar Tage nicht sähen – nur um abzuwarten, wie sich die Sache entwickeln würde. Phillip hatte den Vorschlag nicht sehr gut aufgenommen. Er hatte einen Tobsuchtsanfall bekommen und am Abend darauf das schlechteste Konzert seiner Karriere dirigiert. Seitdem hatten sie kein Wort mehr miteinander gesprochen.

»Phillip? Wer ist Phillip? Ist das dein Freund?«, fragte die Stimme.

Katia erschauerte.

»Wer ist da?«, fragte sie erneut, diesmal in strengerem Tonfall.

Schweigen.

Ein ungutes Gefühl beschlich sie und ließ ihr die Haare im Nacken zu Berge stehen. »Okay, ich glaube, Sie haben sich verwählt.«

»Das glaube ich nicht.« Ein leises Lachen drang durch die Leitung. »Ich wähle diese Nummer seit zwei Monaten jeden Tag.«

Katia stieß erleichtert die Luft aus. »Sehen Sie, da haben wir’s. Jetzt weiß ich genau, dass Sie sich verwählt haben. Ich war nämlich länger weg und bin gerade erst zurückgekommen.«

Schweigen.

»Das macht nichts, so was passiert schon mal«, fuhr Katia versöhnlicher fort. »Also, ich lege jetzt auf, dann können Sie noch mal wählen.«

»Leg nicht auf«, sagte der Mann ruhig. »Ich habe mich nicht verwählt. Hast du schon deinen Anrufbeantworter abgehört, Katia?«

Der einzige Apparat in Katias Wohnung, der über einen Anrufbeantworter verfügte, war der in der Küche. Sie legte die Hand über die Muschel und eilte in die Küche. Das blinkende rote Licht war ihr zuvor gar nicht aufgefallen. Sechzig Nachrichten.

Katia schnappte nach Luft. »Wer sind Sie? Woher haben Sie meine Nummer?«

Wieder ein Lachen. »Ich bin …« Erneut klickte es in der Leitung. »… ein Bewunderer, könnte man sagen.«

»Ein Bewunderer?«

»Ein Bewunderer, der Mittel und Wege kennt. Mittel und Wege, wie man ganz leicht an Informationen kommt.«

»Informationen?«

»Ich weiß, dass du eine begnadete Musikerin bist. Du liebst deine Lorenzo-Guadagnini-Violine mehr als alles andere auf der Welt. Du wohnst in einem Penthouse-Apartment in West Hollywood. Du hast eine Erdnussallergie. Dein Lieblingskomponist ist Tschaikowski, und du fährst gerne in deinem feuerroten Mustang-Cabrio spazieren.« Er hielt inne. »Und du hast dich für morgen um ein Uhr mit deinem Vater zum Mittagessen in Mastro’s Steak House in Beverly Hills verabredet. Deine Lieblingsfarbe ist Rosarot, genau wie der Bademantel, den du gerade trägst, und du wolltest dir gerade eine Flasche Weißwein aufmachen.«

Katia erstarrte.

»Also, was meinst du? Bin ich nun ein glühender Verehrer oder nicht, Katia?«

Instinktiv ging Katias Blick zum Küchenfenster, auch wenn sie wusste, dass sie zu hoch oben wohnte, als dass jemand sie von einem der umstehenden Gebäude aus hätte beobachten können.

»Ach so – und ich spanne auch nicht durchs Fenster«, sagte der Mann mit hörbarem Spott in der Stimme.

Das Licht in der Küche ging aus, und als Katia das nächste Mal die Stimme hörte, kam sie nicht aus dem Hörer.

»Ich stehe direkt hinter dir.«

10

Hunters Hyposomie kostete ihn allnächtlich mindestens vier Stunden Schlaf. In der vergangenen Nacht waren es fast sechs gewesen.

Seine Schlafprobleme hatten nach dem Tod seiner Mutter angefangen. Damals war er erst sieben Jahre alt gewesen. Er hatte nachts alleine in seinem Zimmer gelegen und sie vermisst, zu stolz zum Weinen und zu verängstigt, um die Augen zuzumachen. Trauer und Sehnsucht hatten ihn unerbittlich wach gehalten. Robert war als Einzelkind in einem ärmlichen Viertel von South Los Angeles aufgewachsen. Sein Vater hatte nach dem Tod der Mutter nie wieder geheiratet, und obwohl er zwei Jobs hatte, fiel es ihm schwer, alleine für sein Kind zu sorgen.

Um die Alpträume in Schach zu halten, beschäftigte Robert seinen Kopf auf andere Weise – durch Lesen. Er verschlang ein Buch nach dem anderen, als könne er Kraft und Macht aus ihnen schöpfen.

Robert war immer schon anders gewesen. Bereits als Kind hatte er durch seine außergewöhnlich rasche Auffassungsgabe auf sich aufmerksam gemacht, und im Alter von zwölf Jahren kam er, nach einer ganzen Reihe von Tests, die er auf Betreiben seines Schulleiters in Compton hin absolviert hatte, in die achte Klasse der Mirman School für Hochbegabte am Mulholland Drive.

Doch selbst der anspruchsvolle Lehrplan dort reichte nicht aus, um ihn zu bremsen. Mit fünfzehn machte er seinen Schulabschluss. Er hatte den Stoff von vier Highschool-Jahren in zweien bewältigt und damit sämtliche seiner Lehrer in Staunen versetzt. Dank ihrer Empfehlungen wurde er an der psychologischen Fakultät von Stanford als Frühstudent aufgenommen.

Auf dem College war sein Lernfortschritt nicht weniger rasant, so dass er im Alter von nur dreiundzwanzig Jahren bereits einen Doktortitel in Kriminal- und Biopsychologie vorweisen konnte. Kurz darauf folgte der zweite schwere Schicksalsschlag in seinem Leben. Sein Vater, der zu der Zeit als Wachmann in einer Filiale der Bank of America in Downtown Los Angeles arbeitete, wurde bei einem Raubüberfall erschossen. Mit einem Schlag kehrten Hunters Alpträume und seine Schlaflosigkeit zurück – diesmal sogar noch stärker als zuvor, und sie hatten ihn seitdem nicht mehr losgelassen.

Hunter stand in seinem Wohnzimmer am Fenster und starrte ins Nichts. Seine Augen brannten, und die Kopfschmerzen, die im Nacken begonnen hatten, waren dabei, sich über den gesamten Schädel auszubreiten. Egal wie sehr er sich bemühte, das Gesicht der toten Frau wollte ihm einfach nicht aus dem Kopf. Ihre vor Entsetzen geweiteten Augen, die aufgedunsenen, von der hässlichen Naht entstellten Lippen. War sie mutterseelenallein in der Fleischerei aufgewacht und hatte zu schreien versucht? Hatte ihr der Faden deshalb so tief ins Fleisch geschnitten? Hatte sie in verzweifelter Angst an ihren Lippen gekratzt? War sie bei Bewusstsein gewesen, als der Killer eine Bombe in ihren Unterleib gesteckt und sie zugenäht hatte? Die Fragen überrollten ihn wie Flutwellen.

Hunter blinzelte, und das Gesicht der Frau machte dem von Dr. Winston und den Videobildern aus dem Sektionssaal Platz – wie er vor Entsetzen die Augen aufgerissen hatte, als ihm klargeworden war, was er da in der Hand hielt. Als er begriffen hatte, dass er sterben würde und dass es nichts gab, was daran noch etwas ändern konnte. Hunter schloss die Augen. Sein Freund war tot, und er hatte nicht die geringste Ahnung, warum.

Das Aufheulen einer Polizeisirene irgendwo in der Ferne riss ihn aus seinen Grübeleien. Er bebte vor Wut. Was er am Abend an der Decke des hinteren Raums in der Fleischerei gesehen hatte, veränderte alles. Die Bombe war für niemand anderen gedacht gewesen als für die Frau, die dort auf dem Tisch gelegen hatte. Dr. Winston, sein guter Freund, ein Mensch, den er als Teil seiner eigenen Familie betrachtete, war völlig grundlos gestorben – durch einen tragischen Zufall.

Hunter spürte einen Schmerz im rechten Unterarm. Erst jetzt merkte er, dass seine Hand so fest zur Faust geballt war, dass er sich die Blutzufuhr abgeschnitten hatte. Er schwor sich, den Mörder für das, was er getan hatte, zur Rechenschaft zu ziehen. Koste es, was es wolle.

11

Das Hauptquartier der Abteilung für Mord und bewaffneten Raubüberfall des LAPD befand sich im Parker Center in der North Los Angeles Street. Aufgrund der Brisanz des Falles wurde Hunters und Garcias Ermittlungsbüro vom dritten in den fünften Stock verlegt. Der neue Raum bot genügend Platz für zwei Personen, aber da er nur über ein einziges kleines Fenster an der Südseite verfügte, wirkte er trotzdem eng. Garcia war bereits da, als Hunter eintraf, und studierte die Fotos vom Leichenfundort, die rechts neben Hunters Schreibtisch an einer großen Magnetpinnwand hingen.

»Was die Identifizierung der Leiche angeht, haben wir noch keine Fortschritte gemacht«, sagte Garcia, während Hunter seinen Rechner hochfuhr. »Die Jungs von der Kriminaltechnik haben mehrere Fotos von ihren zugenähten Lippen gemacht, aber nur eins, auf dem ihr ganzes Gesicht zu sehen ist.« Er zeigte auf das oberste Foto an der Pinnwand. »Und wie du siehst, ist es kein besonders gutes.«

Das Bild war von der Seite aufgenommen worden, so dass die linke Gesichtshälfte des Opfers nur teilweise sichtbar war. »Abgesehen von dem Videomaterial gibt es aus dem Sektionssaal auch keine Bilder«, fuhr Garcia fort. »Soll heißen: Das hier ist alles, was wir haben. Wäre möglich, dass sie in der Nähe des Fundorts gewohnt hat, aber wir können ja schlecht hingehen und ein Bild von ihr herumzeigen, auf dem sie mit zugenähten Lippen zu sehen ist. Die Leute würden sich zu Tode erschrecken. Außerdem würde garantiert jemand mit der Presse reden.«

»Vermisstenstelle?«, fragte Hunter.

»Die habe ich gestern Abend gleich angerufen, aber weil das hier unser einziges Foto ist und die Stiche und Schwellungen um ihre Lippen herum so auffällig sind, funktioniert deren Gesichtserkennungs-Software nicht. Selbst wenn sie also in der Vermissten-Datenbank ist, werden sie nichts finden. Wir brauchen ein besseres Foto.«

»Was ist mit den Polizeizeichnern?«

Garcia nickte und sah dann auf die Uhr. »Die sind noch nicht im Büro, und die von der IT auch nicht. Mit ein bisschen Airbrushing und Retusche kriegen die so ziemlich alles hin, das wissen wir ja, insofern besteht noch Hoffnung. Das Dumme ist nur, dass es eine ganze Weile dauern könnte.«

»Wir haben aber keine ganze Weile«, gab Hunter zurück.

Garcia kratzte sich am Kinn. »Das ist mir auch klar, Robert, aber ohne Obduktionsbefund, DNA-Profil oder irgendwelche unveränderlichen Kennzeichen, die uns dabei helfen könnten, sie zu identifizieren, wird uns wohl nichts anderes übrigbleiben.«

»Irgendwo müssen wir aber anfangen. Und im Moment sind die einzigen Anhaltspunkte, die wir haben, die Vermisstendatenbank und diese Fotos da«, sagte Hunter und tippte etwas in seinen Computer ein. »Notfalls müssen wir beide die Akten eben einzeln durchgehen, bis die Zeichner uns ein besseres Bild liefern.«

»Wir beide? Einzeln? Bist du noch ganz bei Trost? Weißt du, wie viele Menschen jede Woche in L. A. als vermisst gemeldet werden?«