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Über das Buch: Sascha Zandorra – Anführer der Rebellen gegen den tyrannischen König Wolfram. Nach der grausamen Ermordung seiner Familie an seinem Hochzeitstag begann der bisher unauffällige Mann, sich gegen die tyrannische Herrschaft des Königs aufzulehnen. Er rettete Menschen aus den Arbeitslagern, überfiel Menschentransporte und half den armen, oftmals unschuldigen Menschen zur Flucht, befreite Gefangene aus dem Kerker, aus den Folterkammern, rettete somit viele Menschen vor dem Tod. Somit konnte er eine große Anzahl Rebellen um sich sammeln. Die Blauen Berge wurden der Hauptsitz der Rebellen. Nach der Befreiung der Zirkusleute, sowie der Menschen aus dem Arbeitslager in Stade teilte er die Rebellen auf und führte die Hälfte in die Sümpfe. Hier lebten sie auf einer riesigen Insel inmitten des Moores, die lediglich über einen schmalen Moorpfad zu erreichen war. Sascha Zandorra, auf dessen Kopf eine so hohe Prämie ausgesetzt wurde, wie sie noch nie vorher für einen einzelnen Menschen gestellt wurde, kämpfte gegen Verrat, Intrigen und Gewalt. Seine engen Freunde Ingo und Rolf, sowie die Zirkusleute Milo, Tankred und das Zirkusmädchen Zita, der Arzt Fürst Oliver von Stryth und später, nach der Befreiung aus Iserloh auch Seine Lordschaft James Edwards von Homer, sie alle bewiesen ihm mit ihrer Freundschaft, ihrer Treue und ihrer Bereitschaft, ihm zu folgen, dass es sich lohnt, gegen diese Terrorherrschaft zu kämpfen. Trotz Verletzungen, Demütigungen und ohne Rücksicht auf sich selber, mit unglaublichem Ideenreichtum und Mut führte er seine Rebellen an, rettete ein ganzes Dorf vor der Vernichtung durch den Terrorkönig und floh mit ihnen zu den Höhlen von Savurn, wo er viele Behinderte, Kranke oder andersweitig Verfolgte verstecken konnte. Durch seine Spione erfuhr Sascha Zandorra, dass der Tyrann einen Krieg gegen zwei Länder anzetteln wollte. Nordsoldaten sollten ihm dabei helfen. Die Kopfgeldprämie auf die Ergreifung des Rebellenführers wurde unermesslich hoch, der Terror des wahnsinnigen König Wolframs immer brutaler und rücksichtsloser. Die Lage spitzte sich zu, als ein alter, kranker Zigeuner eine Bekanntmachung veröffentlichte, die das ganze Land in Aufruhr versetzte.
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Veröffentlichungsjahr: 2012
Über das Buch: Sascha Zandorra – Anführer der Rebellen gegen den tyrannischen König Wolfram. Nach der grausamen Ermordung seiner Familie an seinem Hochzeitstag begann der bisher unauffällige Mann, sich gegen die tyrannische Herrschaft des Königs aufzulehnen. Er rettete Menschen aus den Arbeitslagern, überfiel Menschentransporte und half den armen, oftmals unschuldigen Menschen zur Flucht, befreite Gefangene aus dem Kerker, aus den Folterkammern, rettete somit viele Menschen vor dem Tod. Somit konnte er eine große Anzahl Rebellen um sich sammeln. Die Blauen Berge wurden der Hauptsitz der Rebellen. Nach der Befreiung der Zirkusleute, sowie der Menschen aus dem Arbeitslager in Stade teilte er die Rebellen auf und führte die Hälfte in die Sümpfe. Hier lebten sie auf einer riesigen Insel inmitten des Moores, die lediglich über einen schmalen Moorpfad zu erreichen war. Sascha Zandorra, auf dessen Kopf eine so hohe Prämie ausgesetzt wurde, wie sie noch nie vorher für einen einzelnen Menschen gestellt wurde, kämpfte gegen Verrat, Intrigen und Gewalt. Seine engen Freunde Ingo und Rolf, sowie die Zirkusleute Milo, Tankred und das Zirkusmädchen Zita, der Arzt Fürst Oliver von Stryth und später, nach der Befreiung aus Iserloh auch Seine Lordschaft James Edwards von Homer, sie alle bewiesen ihm mit ihrer Freundschaft, ihrer Treue und ihrer Bereitschaft, ihm zu folgen, dass es sich lohnt, gegen diese Terrorherrschaft zu kämpfen. Trotz Verletzungen, Demütigungen und ohne Rücksicht auf sich selber, mit unglaublichem Ideenreichtum und Mut führte er seine Rebellen an, rettete ein ganzes Dorf vor der Vernichtung durch den Terrorkönig und floh mit ihnen zu den Höhlen von Savurn, wo er viele Behinderte, Kranke oder andersweitig Verfolgte verstecken konnte. Durch seine Spione erfuhr Sascha Zandorra, dass der Tyrann einen Krieg gegen zwei Länder anzetteln wollte. Nordsoldaten sollten ihm dabei helfen. Die Kopfgeldprämie auf die Ergreifung des Rebellenführers wurde unermesslich hoch, der Terror des wahnsinnigen König Wolframs immer brutaler und rücksichtsloser. Die Lage spitzte sich zu, als ein alter, kranker Zigeuner eine Bekanntmachung veröffentlichte, die das ganze Land in Aufruhr versetzte.Über das Buch: Sascha Zandorra – Anführer der Rebellen gegen den tyrannischen König Wolfram. Nach der grausamen Ermordung seiner Familie an seinem Hochzeitstag begann der bisher unauffällige Mann, sich gegen die tyrannische Herrschaft des Königs aufzulehnen. Er rettete Menschen aus den Arbeitslagern, überfiel Menschentransporte und half den armen, oftmals unschuldigen Menschen zur Flucht, befreite Gefangene aus dem Kerker, aus den Folterkammern, rettete somit viele Menschen vor dem Tod. Somit konnte er eine große Anzahl Rebellen um sich sammeln. Die Blauen Berge wurden der Hauptsitz der Rebellen. Nach der Befreiung der Zirkusleute, sowie der Menschen aus dem Arbeitslager in Stade teilte er die Rebellen auf und führte die Hälfte in die Sümpfe. Hier lebten sie auf einer riesigen Insel inmitten des Moores, die lediglich über einen schmalen Moorpfad zu erreichen war. Sascha Zandorra, auf dessen Kopf eine so hohe Prämie ausgesetzt wurde, wie sie noch nie vorher für einen einzelnen Menschen gestellt wurde, kämpfte gegen Verrat, Intrigen und Gewalt. Seine engen Freunde Ingo und Rolf, sowie die Zirkusleute Milo, Tankred und das Zirkusmädchen Zita, der Arzt Fürst Oliver von Stryth und später, nach der Befreiung aus Iserloh auch Seine Lordschaft James Edwards von Homer, sie alle bewiesen ihm mit ihrer Freundschaft, ihrer Treue und ihrer Bereitschaft, ihm zu folgen, dass es sich lohnt, gegen diese Terrorherrschaft zu kämpfen. Trotz Verletzungen, Demütigungen und ohne Rücksicht auf sich selber, mit unglaublichem Ideenreichtum und Mut führte er seine Rebellen an, rettete ein ganzes Dorf vor der Vernichtung durch den Terrorkönig und floh mit ihnen zu den Höhlen von Savurn, wo er viele Behinderte, Kranke oder andersweitig Verfolgte verstecken konnte. Durch seine Spione erfuhr Sascha Zandorra, dass der Tyrann einen Krieg gegen zwei Länder anzetteln wollte. Nordsoldaten sollten ihm dabei helfen. Die Kopfgeldprämie auf die Ergreifung des Rebellenführers wurde unermesslich hoch, der Terror des wahnsinnigen König Wolframs immer brutaler und rücksichtsloser. Die Lage spitzte sich zu, als ein alter, kranker Zigeuner eine Bekanntmachung veröffentlichte, die das ganze Land in Aufruhr versetzte. Über die Autorin: M.B. Cimmey ist das Pseudonym der Autorin Monika Bettina Cimander, geborene Meyer, die in der unterfränkischen Stadt Würzburg geboren wurde. Ab ihrem 5. Lebensjahr wuchs sie dann in der Kurstadt Bad Mergentheim auf, im schönen Taubertal. Hier ging sie auch zur Schule, machte ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und begann schon früh, Geschichten zu schreiben, die sie jedoch nie veröffentlichte. Mit ihrer Schwester, die im Jahre 2008 ihr 1. Buch veröffentlichte, verfasste sie Bildergeschichten mit Texten, zeichnete und schrieb Geschichten jeglicher Art, doch noch war dies reines Vergnügen. Die Zahl 7 wurde für sie eine besondere Zahl: 7 Jahre war sie mit ihrem späteren Ehemann zusammen, 7 Jahre hielt die Ehe, aus der zwei Töchter hervorgingen, die sie dann jedoch alleine erzog. M.B. Cimmey forderte ihre Schwester zur Veröffentlichung auf, selber wagte sie jedoch erst jetzt diesen Sprung für ihr eigenes Manuskript über den Königsrebell. Trotz ihrer zwei Jobs, ihrer beiden Töchter, ihrer vier Hunde, der Vogelvoliere, Haushalt und ihr ehrenamtlicher Job in ihrem Verein verschafft sie sich genügend Zeit zum Schreiben. Ein wenig vergleicht sie sich mit ihrer Romanfigur, auch sie stößt mit ihrem sturen Kopf und ihrer Zähigkeit oftmals auf Unverständnis. Auch sie hasst Unfairness, Ungerechtigkeiten und Gewalt, befürwortet Ehrlichkeit, Verständnis für andere und Toleranz. Sämtliche vorkommende Personen und Namen sind frei erfunden, Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit Personen sind rein zufällig und haben keine Bedeutung. Diese Geschichte habe ich mir selber ausgedacht, irgendwelche Ähnlichkeiten mit anderen Werken sind ebenfalls rein zufällig. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, ich alleine bin dafür verantwortlich. Der Königsrebell An einem heißen Sommertag geschah im Land etwas Schreckliches: König Gerald, der gerechte und beliebte König, wurde in seinem Garten hinterrücks erstochen. Die Menschen waren am Verzweifeln! Das Land war ohne König, führerlos. Und die vergangenen Sommer waren heiß, heiß und trocken und das ganze Land litt unter der Hitze. Auf den Feldern verbrannte das Korn, das Gemüse in den Gärten verdorrte, die Sonne saugte das Wasser aus den Flüssen. Den Menschen ging es schlecht, Nahrung und Wasser waren knapp. In den Brunnen war das Wasser tief gesunken und man musste die Eimer weit hinunterlassen. Täglich bildeten sich Schlangen von Durstigen vor den Brunnen in den Dörfern und Städten, um an das kostbare Naß heranzukommen und den quälenden Durst zu stillen. Man schlachtete das Vieh, bevor es zu dürr wurde und keine Nahrung mehr geben konnte. Doch bald musste man stark reduzieren, es war keine Wetteränderung in Sicht und die Anzahl des Viehs nahm stetig ab. Die Hungersnot, die das Land heimsuchte, war hart. Viele Menschen mussten ihr Leben lassen. Doch da erschien plötzlich ein Mann, in Begleitung von unzähligen Soldaten, und ernannte sich selbst zum König! Er versprach, die Hungersnot zu bekämpfen, brachte Säcke und Wagenladungen voll Körnern und Samen mit. Er kam aus dem hohen Norden und übernahm das Land mit einer Selbstverständlichkeit, die an Hochmut grenzte. Wolfram, so hieß der selbsternannte König, zog in das leerstehende Schloß mitsamt seinen Soldaten, seiner Frau Franziska und seinen beiden Söhnen Boris und Ian. Die beiden Jungen himmelten ihren Vater an und auch die Frau war ihm absoluter Untertan. Nun, auch dieser harte, trockene Sommer verging, er dauerte länger als normal, doch endlich fielen die ersten Regentropfen! König Wolfram befahl den Bauern, die Körner und Samen, die er mitgebracht hatte, auszusäen. Er beschlagnahmte sämtliche Felder im Namen der Krone, stellte Wachen auf, die aufpassen mussten, dass niemand etwas stahl oder die Felder betrat. Plünderei, Diebstähle oder Aufsässigkeiten bestrafte er mit dem sofortigen Arrest im Kerker, bei Brot und Wasser. Zwar schaffte er es, das Land in kürzester Zeit wieder aus der Hungersnot zu bringen, doch war seine Herrschaft sehr streng. Er mochte auch weder Zigeuner, noch Zirkusleute oder sonstige Menschen, die ohne festes Zuhause waren. Erst jagte er diese Leute davon, doch dann ließ er sie gefangen nehmen und in Arbeitslager stecken, wo sie für das Volk in riesigen Gärtnerein für Nahrung sorgen mussten, in großen Wäschereien die Wäsche in Ordnung brachten oder sich in Mühlen, Krämereien, Sattlereien und Fabriken nützlich machen mussten. „Wer essen will muss auch dafür arbeiten.“ So war seine Devise. Und die Menschen in diesen Lagern mussten hart arbeiten! Nachdem die Menschen sich von der Hungersnot, dem heißen Sommer und dem großen Verlust ihrer Mitmenschen und ihres Königs endlich etwas erholt hatten, waren sie nicht mehr begeistert von diesem neuen König, der ein zu strenges Regiment führte. Doch die meisten hatten Angst vor ihm, seiner Macht und vor allem seiner vielen Soldaten und fügten sich still seinen Anordnungen. Eines Tages jedoch schlug seine bereits harte Herrschaft in den absoluten Terror um! Kein Mensch wusste, was geschehen war, doch seine Strafen für Aufsässigkeit und Diebstahl, für Widerspruch und Ungehorsam wurden nun zur „Todesstrafe“, die beim Erwischen sofort aufgeführt werden durfte. Er befahl seinen Soldaten, sämtliches fahrende Volk, sowie Helfer dieser Menschen gefangen zu nehmen und in die Arbeitslager, die nun überall erschaffen wurden, zu bringen. König Wolfram besuchte die Krankenhäuser des Landes, sprach mit den Kranken und befahl den meisten von ihnen, sich wieder an ihre Arbeit zu begeben, da er keine Krankheit feststellen könne und für Taugenichtse und Simulanten keine Geduld und Toleranz hätte. Es wurden einige Krankenhäuser geschlossen und umgebaut in Arbeitslager, wo teilweise Gewehre und andere Waffen hergestellt wurden. Unheilbar Kranke ließ er zusammen nach Iserloh bringen, wo sie in einer großen Baracke erschossen wurden. Er akzeptierte keine Krankheiten und Krüppel, die nicht arbeiten konnten, ließ er ebenfalls ermorden. Viele flohen in die Berge oder versteckten sich in Stadtnähe, wo sie von den Bewohnern heimlich versorgt wurden. Doch eines Tages verbreitete sich die Kunde, dass es einen Mann gab, der gegen den König kämpfen wollte! Dieser Mann baute sich eine Festung in den Blauen Bergen, ein ganzes Stück westlich von Janten. Und der Hass dieses Mannes gegen den König schien ebenso gewaltig zu sein, wie der Terror des Herrschers! Warum – keiner wusste es! Aber man hieß diesen Rebell willkommen! Sein Name war – Sascha Zandorra!!! Es fing damit an, dass er einige Zigeuner auf dem Weg in die Arbeitslager befreite und sie mit sich nahm. Kurz darauf wurde eine Wagenladung Nahrungsmittel kurz vor dem Schloss in Janten überfallen und ausgeraubt. Die Soldaten fand man gefesselt und geknebelt in den Wagen. König Wolfram tobte, brüllte die schlimmsten Strafen, die er diesem Mann antun würde, doch der Rebell entkam den Soldaten immer wieder. Mehrere Jahre ging das nun schon so. Sascha Zandorra hatte sich offen gegen den König erhoben, ließ überall verlauten, dass er gegen die Terrorherrschaft ankämpfte und half den Menschen, die vom König wegen irgendwelchen Verstößen, Gebrechen, Krankheiten oder ihrer Hautfarbe verfolgt wurden. Er sammelte all diese Verurteilten und Verfolgten um sich, um irgendwann, sobald er genug starke und tapfere Menschen bei sich hatte, den König zu stürzen. Es war auch kein Geheimnis, wo das Versteck dieser Rebellen sich befand: Die Blauen Berge – uneinnehmbar für die Soldaten des Königs, denn es führte nur ein schmaler Pfad hinauf, der jedoch streng bewacht wurde. Eines Tages kam ein Botschafter zum König. Er wurde von einer Wache in den Thronsaal geführt und musste sich vor dem König hinknien. „Majestät,“ keuchte er, „Majestät, ein kleiner Zirkustrupp lagert an den Wasserfällen. Sie besitzen ein paar wunderschöne Pferde. Es sind nicht viele und sie fühlen sich offensichtlich sehr sicher.“ Die Augen des Königs bekamen einen gierigen Glanz. Er liebte schöne Pferde! „Okay,“ der König erhob sich. „Geht zum Stallmeister und lasst zwanzig Pferde satteln. Das müsste reichen gegen ein paar Zirkusleute. Sie sollen sie erst mal in den Kerker von Janten werfen, wir werden später einen Trupp zu den Arbeitslagern nach Stade schicken. Ach ja, und lasst die neue Kanone mitnehmen!“ Während sich der Soldat beeilte, den Befehl auszuführen und zum Stallgebäude rannte, war es bei den Zirkusleuten ruhig und friedlich. Sie ahnten nicht die Gefahr, in der sie sich befanden. Die Pferde standen im Schatten der Bäume, nahe am Flussufer und dösten. Die Zirkusleute hatten sich ebenfalls in den Schatten zurückgezogen. Sie hatten eine Wache auf dem Felsen oberhalb des Wasserfalles aufgestellt und aßen Orangen, die fruchtig süß und herrlich saftig waren. Ein paar Kinder spielten am Wasser mit den Hunden, die Frauen nähten und schwatzten und die Männer spielten Karten. Es war ein überaus friedliches Bild – noch! Ein junges Mädchen mit schwarzen Locken und dunkler Hautfarbe stand nun auf und ging zu einem der Pferde. Sie strich über die samtigen Nüstern und klopfte dem Tier den Hals. „Na, Fabian, wollen wir ein wenig spazieren reiten?“ fragte sie schmeichelnd. „Carlito, möchtest du mit?“ fragte sie dann einen kleinen Jungen, der mit seinem kleinen Hündchen spielte. Der sprang sofort auf und nickte begeistert! Einer der Männer hob den Kopf. „Zita, pass aber auf, dass dich niemand sieht. Reitet in den Wald. Vielleicht trefft ihr Milo und Tankred. Sie jagen dort.. Seid auf jeden Fall bei Einbruch der Dunkelheit wieder hier!“ „Ja, Sir!“ das Mädchen lachte und hob den kleinen Jungen auf das Pferd, mitsamt seinem Hündchen. „Wir werden aufpassen!“ Sie sprang ebenfalls auf s Pferd, wendete das Tier und ritt in leichtem Galopp davon. „Diese Zita,“ murmelte der Mann. „Keine Minute Ruhe. Wie ihre Mutter war: ungeduldig, ungehorsam und keine Ruhe, aber man kann sich auf sie verlassen. Auf, lasst uns weiterspielen, du bist dran, Warren.“ Der Überfall Zita und Carlito genossen den Ritt. Es war zwar heiß und die Sonne brannte gnadenlos vom hellblauen Himmel, aber bald tauchten sie in den Wald ein, die Bäume spendeten Schatten und ein wenig Abkühlung. „Ich reite mit dir so gerne, Zita.“ bemerkte der Kleine und fügte bewundernd hinzu: „ Du kannst so gut reiten!“ Zita lachte, dass ihre weißen Zähne blitzten. „Ich bin schließlich als Reitkünstlerin aufgetreten.“ „Warum seid ihr so lange nicht mehr aufgetreten, Zita? Ich möchte euch so gerne mal sehen.“ Zita schwieg nachdenklich. Wie sollte sie einem Kind von sechs oder sieben Jahren erklären, dass jeder Auftritt für die Zirkusleute Lebensgefahr bedeuten könnte? Wenn Soldaten des Königs davon erfahren würden, würde man sie alle gefangen nehmen. Sie traten nur noch auf, wenn wirklich nichts mehr zu essen da war und es die Wahl gab zwischen entdeckt zu werden oder zu hungern. „Milo und Trankred sind auf der Jagd. Wir brauchen im Moment nicht auftreten. Außerdem ist es zu heiß.“ erklärte sie dem Kleinen. „Aber die Soldaten haben die Jagd doch verboten.“ flüsterte Carlito ängstlich. „Milo und Tankred lassen sich nicht erwischen.“ beruhigte ihn Zita. Sie zügelte das Pferd und lenkte es dann in langsamen Schritten durch den Wald. Carlito schaute sich neugierig um. „Wohin reiten wir?“ frage er. Zita zuckte die Schultern. „Kreuz und quer durch den Wald. Mal sehen, vielleicht entdecken wir Milo und Tankred.“ Aufmerksam sahen sie sich um. Doch alles blieb ruhig und dämmrig im dichten Wald. Irgendwo sang ein Vogel trotz der Hitze unermüdlich sein Lied. Ab und zu raschelte es im trockenem Laub. Nach einiger Zeit wurde Carlito unruhig. „Was ist mit dir, Carlito?“ fragte Zita. „Magst du nicht mehr? Sollen wir eine Pause machen?“ „Zita, was ist, wenn wir uns verirren?“ Ängstlich wandte sich der Kleine um. Zita lachte. „Ach, Carlito! Ich verirre mich nicht. Du musst keine Angst haben!“ Plötzlich ertönte ein lauter Knall! Sie fuhren erschrocken zusammen, das Pferd stieg schrill wiehernd hoch, doch Zita beruhigte es sofort wieder. „Was war das?“ fragte Carlito mit zitternder Stimme. „Ich weiß nicht. Jedenfalls war es sehr laut!“ antwortete Zita und blickte sich unruhig um. Das Echo des Knalles verklang und sie ritten langsam weiter. Nach einiger Zeit hörten sie plötzlich ferne Stimmen. Zita hielt sofort ihr Pferd an und lauschte angestrengt. Die Stimmen schienen näher zu kommen, offensichtlich gab jemand Befehle aus. „Halt dich fest, Carlito, und sei ruhig. Pass auf Thilo auf, dass er nicht runterfällt.“ flüsterte Zita und lenkte ihr Pferd in ein dichtes Gestrüpp hinein. Das Tier scheute und stieg hoch, aber Zita konnte wirklich hervorragend reiten und hatte es sehr schnell wieder unter Kontrolle. Inmitten des dichten Gestrüppes zügelte sie das Pferd und glitt von seinem Rücken. Sie zog Carlito hinunter und duckte sich mit dem Kleinen hinter einen Busch. Es dauerte nicht lange, da erschienen ein paar Soldaten. Sie waren bewaffnet und unterhielten sich unbekümmert. „Na, das ging ja recht einfach. Niemand hat Widerstand geleistet, sie haben sich sehr sicher gefühlt.“ lachte einer der Soldaten. „Eigentlich war es auch ein guter Platz.“ meinte ein anderer. „Das Tosen der Wasserfälle hat ihre Gespräche übertönt und die Wache auf dem Felsen konnte herannahende Feinde früh erkennen.“ „Ja, nur hatten sie nicht mit der Kanone gerechnet, die so weit schießen kann. Er hat bestimmt nicht gedacht, dass wir es auf sie abgesehen hatten. Wir waren ja noch weit entfernt.“ „Der König hat die Kanone von einem seiner Jagdzüge erbeutet. Der beste Fang! Da hat niemand eine Chance!“ „Ja, erst recht nicht, wenn ein Verräter die eigenen Leute an den König verkauft.“ lachte ein anderer Soldat. „Zita, sie haben das Zirkuslager überfallen.“ wisperte Carlito entsetzt. Zita legte eine Hand über seinen Mund. „Pst, sei still. Sie dürfen uns nicht entdecken.“ Sie spürte heiße Tränen, die über ihre Hand liefen und drückte den Kleinen beruhigend an sich. Die Soldaten ritten vorbei, als letztes sahen sie die Kanone, die von vier Pferden und einigen Männern gezogen und geschoben wurde. Sie verschwanden keuchend im dunklen Wald. Nur noch ihre Unterhaltung war zu hören, doch auch sie verklang langsam und es wurde wieder still. Zita stand vorsichtig auf. „Komm, Carlito, wir müssen nachsehen, ob jemand noch da ist.“ „Zita, ich habe Angst, ich will nicht.“ weinte der Kleine. Zita stand ratlos da, drückte das Kind an sich und dachte angestrengt nach. „Zita, Carlito!“ ertönte plötzlich eine Stimme. Zita fuhr mit einem Aufschrei herum. „Milo! Du hast mich aber erschreckt!“ Erleichtert schaute sie dem Mann entgegen, der nun hinter einem großen Stapel gefällter Bäume hervortrat. Er war mittelgroß, breitschultrig und athletisch. Mit seinen schwarzen, schulterlangen Locken, der dunklen Hautfarbe und den dunklen Augen sah er Zita ähnlich. Ihm folgte ein jüngerer Mann, dessen Haare ebenfalls über die Schultern hingen, jedoch von dunkelbrauner Farbe waren. Er hatte einen dichten Schnauzbart, war etwas kleiner und drahtiger. „Was macht ihr hier?“ fragte Milo erstaunt. „Wir sind spazieren geritten.“ antwortete Zita. „Habt ihr die Soldaten gesehen? Sie haben offenbar das Lager überfallen. Sie haben eine Kanone! Und wer ist der Verräter? Die Soldaten haben gesagt, jemand vom Lager hat uns an den König verraten! Wer kann das gewesen sein?“ „Wir waren gerade am Lager, als sie es überfielen.“ teilte Tankred ihnen mit. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus unserem Lager uns verraten haben soll. Irgendwas ist da faul. Sie haben niemanden zurückgelassen. Selbst die Kinder haben sie mitgenommen. René und Salvatore wurden verletzt, als sie die Kanone abgeschossen hatten. Aber sie haben sie trotzdem mitgenommen. Und Ronald ist tot.“ Sie schwiegen und nur das leise Weinen von Carlito war zu hören. „Was machen wir jetzt?“ fragte Zita ratlos. „Wir reiten zu den Blauen Bergen.“ sagte Milo entschossen. „Sascha Zandorra wird uns helfen. Er ist der einzige, der offen gegen den König kämpft.“ „Meinst du, er kann uns helfen? Meinst du, er befreit die anderen?“ fragte Zita zweifelnd. „Wenn wir dort sind, kannst du ihn ja fragen. Hat jemand einen anderen Vorschlag? Wir können nichts unternehmen. Aber in den Blauen Bergen soll ein richtiges Rebellenlager sein.“ „Hab ich auch schon gehört.“ nickte Tankred. „Sascha Zandorra hilft allen, die durch den König in Not geraten sind, oder denen Unrecht getan wurde. Der König hat auf seinen Kopf eine hohe Prämie gesetzt.“ „Wo sind denn die Blauen Berge?“ fragte jetzt Carlito. „Ist das weit?“ „Einige Tagesritte ist es schon entfernt.“ nickte Milo. „Ich weiß zwar nicht, wie wir reinkommen, das weiß niemand, aber wenn wir so nahe wie möglich hinreiten, werden uns die Posten schon entdecken.“ „Also, worauf warten wir noch?“ fragte Tankred. „Je eher wir losreiten, desto besser.“ Milo und Tankred holten ihre Pferde zwischen den Bäumen hervor und dann ritten sie los. Carlito saß wieder bei Zita und umklammerte seinen kleinen Hund. Die Blauen Berge In den Blauen Bergen ging es inzwischen recht lebhaft zu. Im Schatten der Felsen arbeiteten einige Frauen und Männer auf kleinen, rechteckigen Feldern, die zwischen den hohen Felsen angebaut waren. Kinder spielten mit Hunden und Katzen, einige Frauen holten Wasser in großen Eimern aus dem Ziehbrunnen, der in der Mitte des freien Platzes stand. Es war der größte, ebene Platz zwischen den Felsen und somit der zentrale Mittelpunkt der Felsenburg. Hier standen auch einige Holztische mit Holzbänken, auf denen ein paar Schalen mit Obst und Gebäck standen. Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Aprikosen gab es genug in den Bergen, denn wilde Obststreuwiesen mit unzähligen Bäumen standen zwischen den kühlenden Felsen. Sie wurden von Bächen gespeist, die zum großen Teil unterirdisch verliefen und den Wurzeln die nötige Feuchtigkeit gaben. Die Sonne hatte die Flüsse und Bäche an der Oberfläche fast ausgetrocknet. Einige Frauen buken aus Maismehl, Eiern, Milch und Obst leckere, kleine Kuchen, die Männer gingen alle paar Tage auf die Jagd und dann gab es frisches Fleisch. Ja, die Rebellen in den Blauen Bergen lebten nicht schlecht! In der Nähe des Brunnens, im Schatten der Felsen, saßen an einem der Tische einige Männer und studierten eine große Karte, die auf dem Tisch ausgebreitet lag. „Hier,“ sagte nun einer der Männer und zeigte mit seinem Zeigefinger auf einen Punkt der Karte. „Hier ist dieses Arbeitslager, in dem die Frauen mit ihren Kindern untergebracht sind.“ „Hast du sie sehen können, Marwin?“ frage einer der anderen Männer. „Ja, aber oben vom Felsen. Erkennen konnte ich nur Stecey und ihren Sohn. Und das auch nur, weil sie beide so rote Haare haben.“ antwortete der Mann. „Da kommt Sascha.“ Er zeigte in Richtung Brunnen, wo gerade ein großer, schlanker Mann mit schulterlangen, blonden Locken mit großen Schritten herankam. Er trug ein weites, weißes Hemd, rote Hosen und schwarze Stiefel. Um die Taille hatte er eine schwarze Schärpe gebunden. Er trat zum Tisch und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. „Mann, ist das heiß.“ stöhnte er. „Gibt es etwas neues?“ „Ja.“ nickte der Mann, der Marwin genannt wurde. „ Ich habe Stacey und ihren Sohn gesehen.“ „Wo?“ fragte Sascha Zandorra kurz. „Im Arbeitslager bei Stade.“ erklärte Marwin und zeigte wieder mit dem Finger auf die Karte. „Haben wir etwas Zeit für einen Plan, oder muss sie sehr hart arbeiten?“ fragte Zandorra weiter. „Sie muss auf die Felder. Es ist bei der Hitze die härteste Arbeit, Sascha.“ Marwin schaute auf. Zandorra runzelte nachdenklich die Stirn. Er setzte sich auf die Tischkante und studierte die Karte. „Rolf, du kannst so gut Karten lesen. Schau einmal her...“ er winkte dem dritten Mann zu, der sich auch gleich über die Karte beugte, „...hier, ist das ein Flussbett? Und dieser rote Strich, was bedeutet er?“ Rolf, ein großer, schlanker Mann mit schulterlangem, glatten, braunem Haar, blauen Augen und einem Oberlippenbart, nickte langsam. „Ja, Sascha, das ist ein Flussbett. Es dürfte aber noch einiges an Wasser führen, es sieht nach einem großen Fluss aus. Und der rote Strich dort, das ist die Grenze zum Nachbarland. Ziemlich nah am Arbeitslager, was?“ „Ja, zu nah.“ murmelte Zandorra nachdenklich. „Wir können durch das Flussbett kommen. Es schlängelt sich halb um das Arbeitslager herum. Es wäre möglich, das Lager zu umzingeln.“ „Woher willst du die Leute nehmen?“ fragte Rolf und blickte Zandorra ins Gesicht. Bevor der jedoch antworten konnte, ertönte Stimmengewirr am Tor. Die Kinder unterbrachen ihre Spiele und rannten zum Tor, die Frauen erhoben sich und standen abwartend da. Zandorra erhob sich ebenfalls. Das Tor wurde aufgestoßen und ein kräftiger, bärtiger Mann, der recht verwegen aussah in seinen grünen Hosen, dem grünen Wams und den braunen Stiefeln, trat ein. Er blieb kurz stehen, entdeckte Zandorra, nickte kurz und winkte zum Tor hin. Zwei weitere Männer erschienen, ebenfalls in grün und braun gekleidet. Jeder von ihnen hielt einen schwarzhaarigen Mann am Arm. Ein dritter erschien und führte zwei Kinder in die Felsenburg. Der Bärtige trat zu Zandorra und sagte: „Sascha, das sind Milo, Tankred und zwei Kinder aus dem Zirkuslager am Wasserfall. Der König ließ den Zirkus überfallen und die hier konnten angeblich fliehen.“ „Lasst sie los.“ sagte Zandorra den Männern, die sofort gehorchten. „Wo haben sie euch gefunden?“ fragte Zandorra die Zirkusleute. „Unten am Waldrand.“ antwortete der eine. „Du bist Sascha Zandorra, der Rebellenführer?“ „Ja,“ nickte der. „ Und wer seid ihr? Von welchem Zirkus kommt ihr?“ „Ich bin Milo, das sind Tankred, Zita und Carlito.“ Er wies mit der Hand auf die einzelnen Personen. „René Feselmann heißt unser Zirkusdirektor.“ „Ja, den kenne ich. Ist er verletzt? Erzählt, was passiert ist.“ Zandorra wies zur Bank. „Setzt euch dazu, esst und trinkt. Ihr müsst sehr durstig sein bei der Hitze.“ „Oh ja, das sind wir!“ rief der Kleine begeistert aus und griff nach einer Aprikose. Zandorra lächelte und setzte sich wieder auf die Tischkante. Milo biss herzhaft in einen Apfel und begann zu erzählen: „Tankred und ich waren auf der Jagt. Da der König Zirkusauftritte verboten hat, müssen wir ab und zu auf Jagd gehen, um unsere Frauen und Kinder zu ernähren. Meistens übernehmen Tankred und ich diese Sache, wir jagen gerne.“ „Die Jagd ist auch verboten.“ stellte der Bärtige fest. „Ach, Ingo,“ lächelte Zandorra, „freilich ist sie verboten. Aber wenn man sich nicht erwischen lässt....“ „Nun, jedenfalls hatten wir einen Rehbock erlegt. Wir ritten zurück zum Zirkuslager, hörten aber plötzlich einen furchtbaren Knall! Es war die Kanone des Königs, mit der er auf das Lager geschossen hatte. René und Salvatore wurden verletzt und Ronald getötet. Wir konnten es aus den Felsen beobachten, wir hatten uns nach dem Knall vorsichtig näher geschlichen. Ich weiß nicht, wie der König vom Lager erfahren konnte, es war sehr gut geschützt zwischen den Felsen am Wasserfall.“ „Die Soldaten sagten etwas von einem Verräter!“ rief Zita dazwischen. Zandorra blickte das Mädchen an. „Du bist Zita, nicht wahr?“ fragte er . Zita nickte. „Gehörst du zum Zirkus? Wo warst du während des Überfalls?“ fragte Zandorra weiter. „Carlito und ich sind spazieren geritten. Ich kann nicht den ganzen Tag faulenzen. Ich reite zu gerne.“ „Zita ist Reitkünstlerin und es gibt niemanden, der besser reiten kann, als sie!“ rief Carlito dazwischen und stopfte den Rest der Aprikose in den Mund. „Oh, da hast du ja einen feschen, kleinen Bewunderer, junge Dame.“ lachte Zandorra. „Ist das dein Bruder?“ „Aber nein,“ Zita schüttelte wild die schwarzen Locken. „Er kommt aus Janten, aber er wohnt bei Madam Konradi im Kinderarmenhaus. Seine Eltern wurden vom König fortgebracht. Er und seine Geschwister wohnen im Heim.“ „Und weil es mir dort gar nicht gefällt, bin ich zu Zita in den Zirkus gegangen!“ rief Carlito. Zandorra musterte den Kleinen mitleidig. Er hatte schon von Madam Konradi gehört: sie war die Vorsteherin des Kinderarmenhauses, einer Einrichtung des Königs, wo verwaiste oder streunende Kinder hingebracht wurden. Sie lernten unter strengem Regiment Lesen, Schreiben und Rechnen, mussten mit den Waffen üben und immer wieder dem König Gehorsam schwören. Die Strafen bei Ungehorsam, Faulheit oder sogar bei offen gezeigtem Heimweh oder Traurigkeit waren sehr hart, von Prügeln zu Essverbot und sogar Tageshaft. Die Kinder allesamt waren verängstigt und unglücklich. Nur wenigen gelang die Flucht aus dem Heim. Offenbar war Carlito einer der Glücklichen, die abhauen konnten. „Wie hast du es geschafft, dort fortzukommen?“ fragte Zandorra erstaunt. „Mit Zita´s Hilfe.“ antwortete Carlito. „Nun, auf jeden Fall hast du es geschafft. Wenn ihr wollt, könnt ihr in den Blauen Bergen bleiben. Allerdings haben auch wir einige Regeln zu beachten. Es ist nun mal so, wenn viele Menschen zusammen an einem Ort leben.“ Zandorra blickte sie fragend an. „Ja, wir bleiben hier.“ nickte Milo zustimmend. „Wir haben ja auch keinen Ort, wo wir hinkönnen.“ wandte Zita ernst ein. „Mann, ich wohne bei den Rebellen!“ jubelte Carlito begeistert. „Warum befreien wir nicht die anderen Kinder aus dem Heim? Sie würden gerne hier leben, viel lieber als mit Madam Konradi!“ „Tja, das ist nicht so einfach, wie du dir das vorstellst, junger Mann.“ antwortete der Rebellenführer und setzte sich wieder auf die Tischkante. „Kent,“ wandte er sich an einen weißblonden jungen Mann, der auf der Bank saß. „Kent, lauf schnell hinüber zu Bernard und frage ihn, welche Zimmer oder Häuser noch frei sind. Milo und Tankred werden zusammen bleiben, oder?“ Die beiden Artisten nickten. „Gut...“ bevor Zandorra weiter sprechen konnte, rief Zita dazwischen: „Und Carlito und ich bleiben auch zusammen! Ich werde auf ihn aufpassen!“ „Aber nur unter der Bedingung, dass ihr ein Zimmer neben Rebecca bekommt.“ stimmte Zandorra zu. „Rebecca kann sehr gut mit Kindern umgehen. Sie war früher mal eine Kinderfrau bei einem Fürsten. Zu ihr könnt ihr dann jederzeit gehen, wenn etwas sein sollte.“ Kent stand auf und ging davon. „Dort drüben...“ Zandorra zeigte auf einen großen Eingang im Felsen, der offenbar zu einem riesigen Gang führte, „dort drüben hängte eine Liste mit den nötigsten Regeln. Lest sie euch durch. Dort in dem Gang könnt ihr euch auch zu essen holen. Aber jeder hat hier eine Aufgabe, das muss so sein, da wir kein Geld haben und es auch nicht oft wagen, irgendwo etwas offen zu kaufen. Ich werde euch eure Aufgaben heute Abend nach dem Essen erklären.“ „Bekommen wir auch eine Aufgabe?“ fragte Carlito neugierig. „Natürlich.“ nickte Zandorra ernst. „Du und Zita, ihr habe die Aufgabe, euch jeden Morgen drei Stunden unterrichten zu lassen.“ „Unterricht? Wofür denn das?“ fragte Zita und krauste die Nase. „Damit ihr Rechnen, Lesen und Schreiben lernt. Und natürlich auch Selbstverteidigung. Wir haben hier in der Felsenburg einige Fachmänner, die euch alles beibringen können.“ „Naja, das klingt ja recht langweilig.“ murmelte Zita. „Dürfen wir auch reiten?“ „Ja, natürlich.“ lächelte Zandorra. „Die Pferde sind in einer Felsenschlucht untergebracht.“ „Nicht in einem Stall?“ fragte Zita erstaunt. „Nein, sie leben frei in der Schlucht. Später zeige ich sie dir mal. Doch jetzt muss ich noch etwas mit Rolf und Ingo besprechen, ihr könnt euch inzwischen umsehen.“ Zandorra wandte sich um und musterte nachdenklich die Karte auf dem Tisch. „Wir kennen die Gegend sehr gut, können wir euch helfen?“ fragte Milo zögernd. Zandorra wandte sich zu ihm. „Kannst Du auch Karten lesen?“ fragte er. „Kennst du das Arbeitslager bei Stade?“ „Oh ja,“ antwortete Milo grimmig. „Dorthin sollen unsere Leute gebracht werden. Es ist das härteste Arbeitslager des Landes.“ „Ja, hab ich auch schon gehört.“ seufzte Zandorra. „Rolf, Milo, schaut einmal her...“ er winkte den beiden Männern zu, die sich über die Karte beugten. Zita und Ulf Inzwischen war es Zita zu langweilig. Sie hatte die Regeln kurz angeschaut und festgestellt, dass das Lesen ihr viel zu anstrengend war. So nahm sie Carlito bei der Hand und ging den Pfad hinab. „Wo laufen wir hin?“ fragte Carlito neugierig. „Wir fragen, wo die Schlucht mit den Pferden ist. Dorthin gehen wir dann und sehen uns mal an, was die Rebellen für Pferde haben.“ sagte Zita vergnügt und blinzelte in die Sonne. Gleich darauf trafen sie auf eine Horde Jugendlicher, die zwischen einigen höheren Felsen herumlungerten und selbstgedrehte Zigaretten qualmten. Einer der Jugendlichen stand auf und versperrte ihnen den Weg. „Wohin wollt ihr denn?“ fragte er und musterte die beiden. „Pfui, ihr seid Zigeuner. Ich finde es immer wieder widerlich, dass Zandorra auch dieses Pack hier wohnen lässt.“ Er spuckte aus. „Wir sind Zirkusartisten, keine Zigeuner.“ verbesserte Zita ihn und reckte ihr Kinn trotzig vor. „Kommt aufs selbe raus.“ Der Junge warf verächtlich seine Zigarette hinter sich. „Also, wohin wollt ihr? Ihr seid neu hier, nicht wahr?“ „Ja, und ich glaube kaum, dass es Dich etwas angeht, wohin wir gehen.“ antwortete Zita frech. „Ich glaube aber schon, dies hier ist mein Revier. Los, schick den Kleinen weg, dann werde ich dir zeigen, wie das hier in der Felsenburg zugeht.“ Er grinste höhnisch. „Ich will bei Dir bleiben.“ flüsterte Carlito Zita zu. Die drückte beruhigend seine Hand. „Warum muss der Kleine fort? Er gehört zu mir.“ bestimmte sie mit fester Stimme. „Komm, Ulf, lass das Pack gehen! Du kriegst nur Ärger!“ reif ein blasser, blonder Junge vom Felsen her. „Außerdem wird dein Bier schal, wenn du es nicht bald trinkst. Es ist zu heiß!“ Der Junge, der mit Ulf angeredet wurde, blickte sich kurz um. „Ich will aber nicht, dass sie diesen Weg weitergehen. Es ist unser Weg.“ erklärte er stur. „Wenn es hier entlang zur Pferdeschlucht geht, wirst Du mich nicht zurückhalten können.“ sagte Zita mit warnendem Unterton. „Das werden wir ja sehen.“ Ulf musterte sie verächtlich. „Ich glaube, Britt und Brenda, ihr nehmt euch kurz dem Kleinen mal an, ich werde seiner Freundin unsere Regeln beibringen.“ Sofort sprangen zwei junge Mädchen von den Felsen. „Komm mit, Kleiner, wir zeigen Dir eine Höhle.“ Brenda, groß, schlank mit langen, dunkelbraunem, glatten Haar nahm Carlito am Arm und zog ihn von Zita fort. „Lass mich, ich will nicht!“ rief er und schlug um sich. „Bringt ihn zu Rebecca, sie soll sich seiner annehmen.“ Befahl Ulf und die Mädchen nahmen Carlito in die Mitte, packten seine Ärmchen, damit er nicht mehr um sich schlagen konnte und zerrten ihn davon. Zita wollte hinterher, doch Ulf stellte ihr ein Bein, so dass sie lang hinschlug. Noch bevor sie sich wieder erheben konnte, warfen sich drei Jungs auf sie und hielten sie am Boden fest. „Was wollt ihr? Laßt Carlito in Ruhe!“ Zita wehrte sich wie eine Wildkatze und ihre schwarzen Augen funkelten wütend. „Wir zeigen Dir, wer hier das Sagen hat in der Felsenburg.“ höhnte Ulf. „du wirst dich daran halten, ist das klar?“ „Das Sagen hat hier wohl Sascha Zandorra und er wird bestimmt nicht mit eurem Benehmen einverstanden sein!“ rief Zita wild und versuchte, einen der Jungen in die Hand zu beißen. „Verdammt, sie ist ganz schön wendig! Wir werden sie fesseln müssen.“ fluchte ein rothaariger Junge. Er zog einen Strick aus seiner Tasche und band ihn dem Mädchen um die Handgelenke. „An deiner Stelle würde ich Ruhe halten, sonst könnte es etwas schmerzhaft werden!“ warnte Ulf mit böser Stimme und gab ihr eine Ohrfeige. Zita spuckte ihn zornig an. Ulf wurde feuerrot im Gesicht, wischte sich angewidert die Spucke weg und hob die Hand, um Zita zu schlagen. Doch plötzlich wurde seine Hand fest umklammert. Er fuhr herum und auch die anderen Jungs ließen von Zita ab und standen langsam auf. Jetzt konnte Zita den Rebellenführer erkennen, der noch immer Ulf´s Hand umklammert hielt. „Ich weiß nicht, was das hier soll, doch bin ich dagegen, dass drei Jungs sich auf ein Mädchen werfen und dieses misshandeln.“ Die Stimme des Mannes klang scharf und er blickte mit funkelnden Augen auf die Jungen. „Ulf, Dirk und Taylor, schämt ihr euch nicht? Geht sofort in eure Räume, ich werde später nochmals mit euch reden.“ Er ließ Ulf los und die Jungs verschwanden so schnell sie konnten. Zandorra hielt dem Zirkusmädchen die Hand hin. „Komm, steh auf, Zita. Bist du verletzt?“ „Nein, Sir.“ Zita erhob sich und schüttelte die schwarzen Locken. „Wer war das denn? Empfangen die Fremde immer so?“ „Das waren Ulf und seine Freunde.“ Zandorra seufzte. „Sie sind in einem ungünstigen Alter und langweilen sich. Ich glaube nicht, dass sie dir ernsthaft weh tun wollten. Sie wollen sich nur wichtig machen. Wo ist dein kleiner Freund?“ „Zwei Mädchen haben ihn zu Rebecca gebracht.“ antwortete Zita. „Führt dieser Pfad zu den Pferden?“ „Ja, da wollte ich auch gerade hin.“ lächelte der Rebell. „Komm mit, ich muss nochmals zum Fluss runter, kannst mitkommen, wenn du willst“ „Auja, Sir!“ jubelte Zita. „Haben Eure Männer unsere Pferde auch in die Schlucht gebracht?“ „Sicher.“ nickte Zandorra und umrundete einen hohen Bergkamm. Dann blieb er stehen und zeigte nach vorn. „Schau, hier leben unsere Pferde.“ Zita bekam große Augen. Zwischen den Felsen lag hier eine Schlucht, deren Grund voller saftigem Gras stand. Ein schmaler Pfad führte hinunter und dort unten weideten unzählige Pferde. Die Sonne stand bereits zu tief, um den Grund der Schlucht zu erreichen. Ein kleiner Bach schlängelte sich durch das Gras und fiel als kleiner Wasserfall weit hinten die Felsen wieder hinab. Ein paar offene Holzbauten standen verstreut herum, sie dienten als Unterschlupf für die Pferde bei Regen oder zu starkem Sonnenlicht. „Hier möchte ich ein Pferd sein.“ flüsterte Zita begeistert. „Gefällt es Dir?“ lächelte Zandorra und stieß einen Pfiff aus. „Und hier darf ich Dir meinen Sultan vorstellen.“ Ein schneeweißer Hengst riss bei dem Pfiff seinen Kopf hoch, keilte aus und galoppierte dann zu dem Mann, der ihm eine Mohrrübe fütterte. „Ist der aber schön!“ Zita strich dem Tier ehrfürchtig über die samtigen Nüstern. „Er ist ein Prachtpferd.“ bestätigte sie dann nochmals. Zandorra lachte und holte aus seiner Hütte, die h inter ihnen dicht am Felsen gebaut war, Sattel und Zaumzeug hervor. „Er hat nur den Nachteil, dass niemand außer mir auf ihm reiten darf.“ erklärte er. „Ich habe ihn schon einige Jahre lang und er ist fast so treu wie ein Hund.“ „Ich wette, dass er mich reiten lassen würde.“ sagte Zita herausfordernd. „Nein, Zita, das probieren wir lieber nicht aus.“ Zandorra stieg auf sein Pferd. „Es ist mir zu gefährlich, auch wenn du Reitkünstlerin bis. Hast du dein Pferd schon gefunden? Wir müssen los, sonst wird es dunkel, bevor wir unten sind.“ Zita pfiff schrill und schon trabte ein goldfarbener Hengst heran, schmiegte seinen großen Kopf an die Schulter des Mädchens und schnaubte leise. Zita flüsterte kurz mit ihm, kraulte Nüstern und Ohren und sprang auf den Rücken des Tieres. „Nimmst du keinen Sattel?“ fragte Zandorra. „Nein, brauch ich nicht. Los geht´s! Reitet Ihr voran?“ Zita ließ ihr Pferd übermütig hochsteigen. Zandorra lenkte seinen Schimmel den schmalen Pfad hinauf. Zita blieb dicht hinter ihm. Am Tor winkte der Rebell dem Torwächter zu. „Öffne und halte dich bereit. Wir sind bald wieder zurück.“ Der Wächter nickte und schob das schwere, riesige Tor zur Seite. Die beiden Reiter lenkten ihre Pferde hindurch und vorsichtig den steilen Weg zwischen den Felsen hindurch. „Es ist schön hier. Man kann so weit sehen.“ stellte Zita zufrieden fest. „Ja, daher ist es ein ideales Versteck. Im Winter bei Schnee ist es allerdings etwas schwierig, den Weg hinauf zu kommen und auch in der Burg haben wir mit Lawinen, Eis und Schnee zu kämpfen. Aber die Soldaten können hier nicht unbemerkt eindringen. Sie kennen nur diesen Weg zu unserer Burg und der ist gut überschaubar.“ Zandorra lenkte seinen Schimmel um die letzte Felsengruppe, dann standen sie zwischen ein paar schattenspendenden Bäumen. Vor ihnen lag eine Wiese mit einer großen Obstplantage. Weiter hinten begann der Wald, jetzt, wo die Sonne am untergehen war, sah er dunkel und bedrohlich aus. Davor schlängelte sich als silbernes Band der Fluss. Zandorra spähte aufmerksam zum Wald hinüber. „Im Wald könnten sich Soldaten leicht verstecken.“ flüsterte Zita unruhig. „Im Wald verstecken sich aber auch Rebellen, die als Wachposten Alarm geben, wenn Soldaten den Wald betreten.“ erwiderte Zandorra kurz. Er ritt langsam aus dem Schatten der Bäume heraus und lenkte sein Pferd durch die Obstplantage. Zita folgte ihm und pflückte im Vorbeireiten ein paar Äpfel. Sie erreichten den Fluss, der leise plätschernd mit rascher Strömung dahin floss. Zandorra stieg vom Pferd, das sofort den Kopf senkte und trank. „Steig ab, Zita. Hab keine Angst, hier sind keine Soldaten.“ forderte Zandorra das Zirkusmädchen auf. Zita sprang hinunter. „Woher wisst Ihr das?“ fragte sie und starrte wieder zum dunklen Wald hinüber. „Weil Rebellen hier Wache halten.“ Zandorra pfiff zweimal kurz. Gleich darauf erschienen zwei Männer, grün und braun gekleidet, wie die, die Zita und ihre Freunde in die Burg gebracht hatten, aus dem Dunkel des Waldes. „Hallo, Sascha! Kommst Du rüber oder sollen wir zu dir rüberkommen?“ rief der größere der beiden, ein kräftiger, großer Mann mit dichtem Schnauzbart. „Heute seid ihr dran, Gregor, außerdem bin ich in Begleitung!“ rief Zandorra zurück. Die beiden Männer zerrten ein Floß aus dem Gestrüpp am Ufer des Flusses und sprangen hinauf. Sie ruderten heftig und doch trieben sie einige Meter weit ab. Zandorra half ihnen, das Floß zu verstauen und ans Ufer zu gelangen. „Zita, das sind Gregor Hinnes und Leander Swend. Sie sind mit noch fünf Männern im Wald verteilt und passen auf. Leute, das ist Zita, ein Zirkusmädchen, das heute mit zwei Zirkusartisten und einem kleinen Jungen zu uns gestoßen ist.“ Die Männer nickten Zita freundlich zu und wandten sich dann an den Rebellenführer: „Vor etwa zwei Stunden ist ein Trupp Soldaten durch den Wald geritten. Sie waren bis an die Zähne bewaffnet und führten eine Gruppe Zirkusleute als Gefangene mit.“ „Bestimmt waren das meine Leute und sie bringen sie jetzt ins Arbeitslager!“ rief Zita bestürzt dazwischen. „Das kann schon sein, sie ritten Richtung Stade. Allerdings liegen in dieser Richtung auch Urntal und Janten.“ Meinte Leander Swent mit einer leisen, für einen Mann ziemlich hellen Stimme. Zandorra rieb sich das Kinn. „Wie schnell kamen sie voran?“ fragte er. „Nun, die Zirkusleute mussten laufen und hatten kleine Kinder dabei. Sie können also nicht allzu schnell vorwärts kommen und müssen auch immer wieder Pausen machen.“ Antwortete Gregor und pflückte sich einen Apfel vom Baum. „Gut, dann haben wir noch Zeit, uns einen Plan einfallen zu lassen. War sonst noch etwas Besonderes? Wie geht es Henry?“ „Wieder besser. Er ist in der Hütte bei der alten Kendra. Sie wird ihn wieder gesund pflegen. Sonst war alles ruhig. Ich rechne auch nicht mit etwas Schlimmen.“ Gregor biss herzhaft in seinen Apfel und lehnte sich an den Baumstamm. „Gut.“ Zandorra legte seine Hand auf Gregor´s Schulter. „Seid trotzdem wachsam. Meistens passiert etwas, wenn man gar nicht darauf gefasst ist. Und grüßt die alte Kendra von mir, sie soll Henry nicht allzu quälen mit ihrer fürchterlichen Arznei.“ Er lächelte und stieg auf seinen Schimmel. Gregor und Leander holten das Floß hervor und sprangen hinauf. „Lass es uns wissen, wenn Du die Zirkusleute befreien willst. Du wirst jede Hilfe brauchen!“ rief Leander, während sie kräftig gegen den Strom ruderten. „In Ordnung, wann kommt eure Ablösung?“ fragte Zandorra noch. „Um Mitternacht, es sind Stan, Kilroy, Olli und Webster!“ Zandorra nickte kurz und lenkte seinen Schimmel wieder durch die Obstplantage zur Felsenburg. Zita ritt dicht hinter ihm. „Wie viele waren es in eurem Zirkuslager?“ fragte Zandorra und zügelte sein Pferd, um neben Zita zu reiten. „Naja, ich denke so an die dreißig Leute, fragt am besten Milo, der weiß es genau.“ Antwortete Zita und schaute ihn mit leuchtenden, schwarzen Augen an. „Ich möchte dabei sein, wenn Ihr meine Leute befreit!“ „Aber Zita, das ist nichts für Dich!“ Zandorra lachte. „Schließlich ist das kein Spiel!“ Zita zog eine Grimasse und richtete sich auf. „Aber ich kann Euch helfen, Sir,“ versicherte sie eifrig. „Ich bin doch eine Reitkünstlerin. Bestimmt könnt Ihr mich gut gebrauchen!“ „Milo und Tankred sind doch auch Artisten, oder etwa nicht? Und sie sind erwachsene Männer, Zita. Und außerdem brauche ich erst einmal eine Idee, was wir am besten unternehmen könnten, um die Zirkusleute zu befreien.“ Zandorra runzelte die Stirn. Zita stieß einen tiefen Seufzer aus und schwieg. Sie erreichten den schmalen Pfad, der recht steil zur Felsenburg führte und ritten hintereinander. Inzwischen war es auch dämmrig geworden und im Westen glühte der Himmel vom Sonnenuntergang. Zandorra brauchte nicht am Tor zu klopfen, der Wächter sah und erkannte ihn und öffnete den schweren Flügel. So ritten sie gleich durch und über den Marktplatz, der jetzt ruhig im Abendlicht dalag. Nur wenige Menschen hielten sich noch hier auf. Sie ritten im Schritt zur Schlucht, stiegen von den Pferden und führten die Tiere in den Holzverschlag, wo sie sie absattelten und trockenrieben. „Sagt Ihr mir wenigstens Bescheid, wann Ihr die Zirkusleute befreit?“ fragte Zita beiläufig. „Also, gut, wenn Du es so gerne möchtest, werde ich Dich informieren.“ lächelte Zandorra und entließ seinen Schimmel in die Schlucht. Auch Zita ließ ihren Fabian laufen und gemeinsam trotteten sie zur großen Höhle. „Ich habe Hunger, meint Ihr, wir bekommen noch etwas zu essen?“ fragte Zita und legte eine Hand auf ihren Bauch. „Aber ja. Die dicke Babsi hat sicher etwas für uns.“ versicherte Zandorra ihr. „Und Carlito? Meint Ihr, er hat schon etwas gegessen?“ fragte Zita weiter. „Bestimmt.“ Nickte Zandorra. „Er wird mit den anderen Kindern gegessen haben, die ohne Eltern hier sind. Rebecca, Brenda und die anderen Frauen kümmern sich um sie. Normalerweise isst Du auch mit ihnen.“ Zita schaute ihn erstaunt an. „Die Kinder, die ohne Eltern hier sind? Sind es denn viele und warum ohne Eltern?“ „Ach Zita, Du kannst fragen.“ seufzte Zandorra. Er öffnete die Tür zur großen Höhle und sie traten ein. „Natürlich sind es viele. Der König hat während seiner Terrorherrschaft viele Opfer gefordert. Und er nahm niemals Rücksicht, ob die Opfer Frauen oder Männer waren und ob sie Kinder hatten oder nicht. Und die Kinder, die eben zu Waisen wurden oder deren Eltern zu den Soldaten eingezogen worden sind wurden zu Madame Konradi gestickt, wo auch dein kleiner Freund war. Manchmal ist es mir gelungen, so einen `Kindertransport´ aufzulauern und die Kinder zu mir zu holen Hier werden sie auch unterrichtet und erzogen, aber sie haben wesentlich mehr Freiheit und vor allem keine sauertöpfische, ungeduldige Lehrerin, sondern eben Brenda und ihre Freundinnen, die sich sehr liebevoll der Kinder annehmen.“ „Warum habe ich nur das Gefühl, dass Ihr es mir unbedingt schmackhaft machen wollt, bei den Kindern zu bleiben?“ murmelte Zita mürrisch. Sie erreichten die Küche und traten ein. Zandorra gab Zita einen Klaps auf die Schulter. „Wart es ab, es wird auch Dir gefallen. Hallo, Babsi, habt Ihr noch etwas zu essen für zwei hungernde Rebellen?“ rief er einer sehr dicken, aber äußerst liebevoll und gemütlich aussehenden Frau mit roten Bäckchen zu, die sofort eifrig nickte. „Klar, Sir, für Euch doch immer! Ich weiß doch, dass Ihr oft spät abends noch fort seid und dann hungrig wiederkommt!“ zwitscherte sie mit heller Stimme, während sie Teller, Besteck und Becher auf den Küchentisch stellte. „Hallo, kleines Fräulein,“ wandte sie sich an Zita. „Habt Ihr heute ausreiten dürfen mit unserem Rebellenführer. Was für ein Glück für Euch.“ Zita starrte die dicke Babsi verdutzt an. Noch nie in ihrem Leben wurde sie für ein `kleines Fräulein´ gehalten! Zandorra lachte leise. „Babsi, Ihr könnt Du zu Zita sagen, ich glaube, das würde ihr besser gefallen. Ich habe sie von Ulf Handel weggeholt. Er hat wieder einmal gemeint, er muss den großen Boss spielen.“ Babsi seufzte übertrieben auf, stellte Brot, Butter, Wurst, Käse, Eier und Schinken auf den Tisch und verteilte die Messer. Dann füllte sie Milch in die Becher. „Ulf Handel! Den Jungen hat uns der Teufel geschickt! Nichts als Ärger, seit er laufen kann!“ „Ich werde ihn mir nachher mal vorknöpfen.“ versprach Zandorra und belegte sein Brot mit Schinken. „So kann es nicht weitergehen.“ Noch während sie aßen, öffnete sich die Küchentür und der große, bärtige Mann, der Milo, Tankred, Zita und Carlito hergebracht hatte, trat ein. Ihm folgte Rolf, den Zita bereits beim Empfang kennen gelernt hatte. „Hier bist Du, hätte ich mir denken können.“ brummte der Bärtige. „Hallo, Ingo, hallo, Rolf.“ grüßte Zandorra mit vollem Mund. „Wir waren unten bei Leander und Gregor. Ihr wusstet doch, dass ich nochmals zu ihnen reite.“ „Jaja, gibt es etwas Neues?“ fragte Ingo mit seiner tiefen Stimme. „Soldaten sind durch den Wald gezogen mit einem Trupp Zirkusleute als Gefangene. Ich denke, sie bringen sie nach Stade ins Arbeitslager. Wir müssen überlegen, was wir unternehmen können. Kommt nachher in mein Zimmer, wir werden uns einen Plan ausdenken und bringt Milo und Tankred, die beiden Zirkusmänner mit. Achja, und Hannes, Josh und Randolph möchte ich auch dabei haben.“ Der Bärtige brummte etwas und verließ die Küche. Rolf setzte sich jedoch auf einen freien Stuhl am Tisch. Er musterte Zandorra nachdenklich. „Was ist jetzt mit Stacey und ihrem Sohn?“ fragte er. „Wir hatten das doch heute Mittag besprochen,“ antwortete Zandorra und schluckte einen Bissen herunter. „Das läuft diese Nacht, wie gehabt. Die Soldaten mit den Zirkusleuten kommen sehr langsam vor, vielleicht schaffen wir es noch, sie auch in dieser Nacht zu befreien, ansonsten in der nächsten.“ „Soso, und wann willst Du mal schlafen?“ fragte Rolf und runzelte die Stirn. „Sascha, so geht es bereits seit zwei Nächten: Vorletzte Nacht hast Du die Krämers-Familie gerettet und geholfen, das Feuer zu löschen, letzte Nacht war der Überfall, bei dem Henry verletzt wurde und du ebenfalls geholt wurdest, diese Nacht willst Du Stacey befreien und nächste die Zirkusleute. Und da Du am Tag ja auch nicht zum Schlafen kommst, erklär mir bitte, wie Du das durchhalten willst?“ Zandorra seufzte tief auf und schob seinen Stuhl zurück. „Ganz einfach, Rolf, ich werde mich jetzt hinlegen. Es ist noch früh am Abend und bis Ingo die Männer zusammen hat, dauert es bestimmt noch eine Stunde. Bereitet alles vor, und weckt mich dann. Aber nicht später als in zwei Stunden, sonst schaffen wir es nicht, nach Stade zu reiten und Stacey zu befreien. Besser wäre es,...“ er rieb sich nachdenklich das Kinn. „Ja, besser, Du weckst mich in einer Stunde. Es wird sonst zu knapp.“ „Aber Sascha,“ begann Rolf, winkte dann jedoch seufzend ab. „Es ist ohnehin nutzlos, wenn ich etwas sage. Du hörst ja doch nicht zu. Okay, ich weck Dich, jetzt mach, dass Du ins Bett kommst!“ Zandorra grinste und verließ die Küche. „Es stimmt schon, erkommt weder zum Schlafen, noch zum ordentlichen Essen.“ Brummte die dicke Babsi und räumte die Teller in die Spüle. Zita lauschte und machte sich ganz klein, um nicht aufzufallen und vielleicht hinausgeschickt zu werden. „Er hat in letzter Zeit nur einen raschen Imbiss hier in der Küche eingenommen.“ teilte die Köchin Rolf mit. „Ich weiß, er bräuchte mal einen Tag und eine Nacht totale Ruhe, aber mach das diesem Kerl mal klar. Er hält sich für unheimlich hart im Nehmen und meint, er hat es nicht nötig, zu schlafen! Naja, ich werde mich mal aufmachen und alles für nachher vorbereiten.“ Rolf erhob sich. Babsi schaute ihn nachdenklich an. „Ich denke, dass auch Du und Ingo Schlaf nötig hättet.“ stellte sie fest. „Bei uns ist das nicht so wild,“ lachte Rolf. „Den Überfall haben wir verschlafen, bei so etwas wird immer nur Sascha geweckt. Und wir können uns vor allem auch mal tagsüber hinlegen, wenn wir müde sind. Aber er nicht. Den ganzen Tag will jemand etwas von ihm oder er muss Streit schlichten oder Einkäufe zusammenstellen und Leute auswählen, die verschiedene Arbeiten verrichten oder Wasche halten sollen. Wir nehmen ihm schon soviel ab wie möglich, nicht nur Ingo und ich, sondern auch die anderen Männer und sogar Tafny, Julchen und Daphne, aber das meiste bleibt doch an ihm hängen.“ Rolf winkte kurz und ging hinaus. „Julchen? Tafny? Daphne?“ fragte Zita leise. „Dürfen denn auch Frauen mit, wenn sie ausreiten, um jemanden zu befreien?“ „Nein, für diese gefährlichen Dinge nicht, aber für Einkäufe in Janten zu erledigen oder zur Mühle oder zur Krämerei oder einfach auf Spionageritten, da schickt er schon mal Julchen oder Tafny. Die sind auch dafür wie geschaffen. Du musst sie kennen lernen. Ich denke, sie dürften prima zu Dir passen.“ Die dicke Babsi musterte Zita und lachte leise. „Gut, das zu wissen, ich werde mir die beiden mal anschauen.“ grinste Zita. „Jetzt muss ich gehen, ich will doch den Abgang der Männer zur Befreiung dieser Stacey nicht verpassen.“ Sie zögerte kurz. „Wer ist Stacey?“ fragte sie dann zögernd. „Och, Stacey ist ein armes Luder,“ erklärte Babsi, „Ihre Eltern wurden von König Wolfram hingerichtet, da sie Sascha Zandorra´s Bruder als Patenonkel für ihre Tochter nahmen. Eine Amme konnte mit Stacey fliehen, sie war damals noch ein junges Mädchen. Sie hielten sich versteckt, als das Massaker mit den Zandorras passierte. Viel später erst entdeckten die Soldaten Stacey durch Zufall. Sie hatte geheiratet und ihr Mann arbeitete beim Sattler. Als König Wolfram erfuhr, dass ein Patenkind eines Zandorra´s noch lebte, ließ er die Sattlerei niederbrennen und alle Menschen erschlagen. Bis heute weiß niemand, warum der König diesen Hass auf alle Zandorras hat. Stacey konnte schwerverletzt fliehen. Eine alte Zigeunerin fand sie im Wald und pflegte sie gesund. Stacey gebar dort auch ihren Sohn, dann brachte die Zigeunerin die beiden hier in die Felsenburg. Doch vor kurzem war Stacey, ihr Sohn und drei weitere Frauen im Maisfeld unten am Fluss, als sie von Soldaten überfallen und gefangen genommen wurden. Anscheinend wissen die Soldaten nicht, wer Stacey ist, darum muss sie befreit werden, bevor König Wolfram von ihrer Festnahme erfährt.“ Babsi seufzte. „Er wird sie töten lassen, nicht wahr?“ Es war mehr eine Feststellung, als eine Frage von Zita. „Der König ist grausam. Warum ist er nur König?“ „Er hat Soldaten aus dem Norden auf seiner Seite.“ Wusste Babsi zu berichten. „Die sind so brutal, da wagte es niemand, sich gegen ihn zu stellen.“ „Außer Sascha Zandorra!“ rief Zita und sprang auf. „Und wir müssen ihn alle kräftig unterstützen! Sein Kampf ist unser Kampf!“ „Aber Kind, was sind das für Wort für ein so junges Mädchen.“ Tadelte Babsi gutmütig. „Wahre Worte!“ rief die übermütige Zita und rannte aus der Küche. Kopfschüttelnd räumte Babsi den Tisch ab. Zita dachte kurz nach. Dann lief sie den Flur entlang, raus aus der Felsenburg und quer über den Marktplatz. Da es nun schon recht spät war und die Sonne nur noch als goldener Streifen im Westen zu sehen war, lag der Platz ruhig und still vor ihr. Zita trottete weiter, langsamer jetzt und wachsamer, denn gleich kam sie an die Stelle, an der Ulf und seine Freunde sie überfallen hatten. Aber auch hier war alles ruhig. Ob Zandorra mit Ulf gesprochen hatte? Hoffentlich hat er ihm gehörig die Meinung gesagt, dachte das Zirkusmädchen wütend. Sie erreichte die Schlucht, hüpfte den Pfad hinunter und schlüpfte durch den Zaun. Dann suchte sie die Heuraufe, in der immer frisches Heu für die Pferde bereit stand. Ein paar Tiere standen dösend vor der Raufe und wichen erschrocken zurück, als Zita erschien. „Still, ich tu euch nichts. Ich schlaf nur besser bei euch Pferden, als in einem Bett. Ihr habt ja wohl nichts dagegen, dass ich es mir in eurem Heu gemütlich mache. Dafür bringe ich euch morgen Äpfel, ich kenne einen Ort, da wachsen ganz viele.“ Während sie so auf die Pferde einsprach, kuschelte sie sich gemütlich ins Heu. Die Pferde näherten sich neugierig und Zita strich jedem von ihnen sanft über die Nüstern. Dann schlief sie irgendwann ein. Die Pferde standen herum, dösten wieder und es schien, als wäre es überhaupt nichts besonderes, wenn plötzlich ein Mädchen im Heu schlief. Die Befreiung „Hannes, Josh, Randolph, Milo, Tankred, Rolf und ich, dazu Sascha selber,“ zählte Ingo auf, als die Männer zusammen an der Küchentür standen und ihre Proviantpäckchen entgegennahmen. „Wir werden noch mehr Männer brauchen für Sascha´s Plan. Wir acht werden es niemals schaffen, Stacey aus Stade zu befreien.“ „Sascha wird schon wissen, was er tut.“ Meinte Hannes, ein großer, kräftiger Mann mit blonder Stoppelfrisur über einem gerötetem Gesicht. „Ich werde ihn jetzt wecken, wir sind schon längst über der Zeit.“ Verkündete Rolf und wandte sich ab. „Warum nimmt er Kilroy und Webster nicht mit?“ fragte Ingo verdrossen. „Die beiden haben ab Mitternacht Wache im Wald.“ Erklärte Josh. „Aber es gibt auch noch andere Männer im Lager.“ Widersprach Ingo. „Wenn Sascha meint, er braucht nicht mehr, wird er wohl wissen, warum.“ Meinte Hannes kurz. Sie warteten schweigend. Rolf klopfte nur kurz an Zandorra´s Tür und trat dann ein. Der Rebellenführer lag schlafend auf seinem Bett. Rolf zögerte kurz, dann berührte er ihn an der Schulter. „Sascha, wach auf, wir sind soweit.“ Zandorra blinzelte und rieb sich dann mit beiden Händen über das Gesicht. „Danke, Rolf. Seid ihr fertig? Habt ihr für jeden etwas Proviant eingepackt? Ich weiß nicht, wann wir wieder da sind.“ Er setzte sich auf, schwang die Beine aus dem Bett und ging zu einer alten, großen Holztruhe. Nachdem er kurz herumgekramt hatte, kam er ans Bett und zog sich frische Strümpfe an, schlüpfte dann in seine Stiefel und zog ein weißes Hemd mit weiten Ärmeln über. Er stand auf, band sich die schwarze Schärpe um die Taille und verstaute sein Messer darin. Während Zandorra seinen Rucksack packte, wandte er sich an Rolf: „Was haben wir an Waffen dabei? Wir können keine Pistolen oder Gewehre mitnehmen, sie sind zu laut.“ „Jeder hat seinen Degen und zwei Messer. Ingo und Josh haben ihre Peitschen dabei.“ Rolf nahm den Rucksack des Rebellenführers an sich, während Zandorra sich noch einen nachtblauen Umhang über die Schultern warf. Leise gingen sie hinunter zum Küchentrakt, wo die anderen Männer warteten. „Alles bereit?“ fragte Zandorra leise. Die Männer nickten und murmelten zustimmend. „Gut, auf zu den Pferden. Wisst ihr, was zu tun ist, wenn wir in Stade angekommen sind?“ „Ja, Rolf und Ingo haben uns in euren Plan eingeweiht.“ Antwortete Hannes. Leise huschten sie durch die Burg und über den Marktplatz. Sie erreichten die Schlucht und Zandorra pfiff seinem Hengst. Der Schimmel warf seinen herrlichen Kopf herum und galoppierte heran. Ihm folgten ein paar andere Pferde und als Tankred seinem Pferd ebenfalls pfiff, tänzelten kurz darauf fast zwei Dutzend Pferde vor dem Zaun. Die Männer holten ihre Tiere heraus, sattelten sie und stiegen auf. Tankred lenkte sein Pferd dicht an Milo heran. „Hast Du Zita irgendwo gesehen?“ flüsterte er. „Sie schläft doch immer bei den Pferden.“ Milo schaute sich um. „Nein, ich habe sie schon seit wir hier sind nicht mehr gesehen.“ Flüsterte er zurück. „Fabian steht aber dort an der Heuraufe.“ Bemerkte Tankred leise und wies auf den goldfarbenen Hengst, der gelangweilt zu den Männern schaute und langsam Heuhalme zermalmte. Milo runzelte die Stirn. „Sie ist sicher nicht weit. Aber lassen wir´s gut sein, Tankred. Sie ist selbstständig genug, als dass wir uns um sie kümmern müssen.“ „Hoffentlich,“ murmelte Tankred und lenkte sein Pferd hinter den anderen her, die bereits über den Marktplatz ritten. Die Wache an der Tür sprach kurz mit Zandorra, öffnete die schweren Tore und sie ritten hinaus in die mondhelle Nacht. Zita sprang auf, schüttelte das Heu von sich und kletterte auf die Felsen. Von her konnte sie die Männer sehen, die aus dem Tor ritten. Rasch sprang sie auf ihr Pferd Fabian, das erschrocken wieherte. Dann trabte sie zum Tor. Kurz, bevor die Wasche das Tor schließen konnte, schlüpfte sie auf ihrem Fabian noch durch. „Heh, wer ist da? Was willst Du draußen, ich schließe jetzt wieder!“ rief der Wachtmann ihr zu. Zita winkte ihm zu und rief leise zurück: „Ist schon in Ordnung, ich gehöre zur Truppe! Ich habe mich nur verspätet!“ Dann trabte sie vorsichtig den steilen Pfad hinunter. Bei jeder Biegung lenkte sie Fabian an die Seite und spähte über die Felsen, ob sie unbemerkt weiter reiten konnte. Zandorra und seine Männer ritten zum Fluss. „Gregor!“ rief der Rebellenführer leise. Der große Mann am anderen Ufer trat zwischen den Bäumen hervor. „Wir reiten jetzt nach Stade. Ihr werdet gegen Mitternacht, wie gehabt, abgelöst! Sobald Du dich ausgeruht hast, bereitet die beiden großen Räume vor, dass darin soviel wie möglich schlafen können. Und bereitet eine Menge zu essen zu, notfalls muss jemand auf die Jagd, aber vorsichtig! Alles klar?“ Der Mann nickte und winkte. „Passt auf euch auf und lasst euch nicht erwischen. Du weißt, Sascha, dass Dein Kopf einiges wert ist.“ Rief er leise zurück und verschwand wieder im Dunkel der Bäume. Zandorra wandte sich an seine Männer. „Wir reiten jetzt so schnell es geht. Wir müssen noch während der Nacht in Stade sein, sonst müssen wir die Befreiung aufschieben. Also los jetzt!“ Er galoppierte an und die anderen folgten ihm. Sie ritten so schnell sie in der Dunkelheit konnten, ohne sich oder die Pferde zu gefährden. Es war bereits nach Mitternacht, als Zandorra seinen Schimmel plötzlich zügelte. Er hob die Hand und sprang vom Pferd. „Wartet hier, dort vorne habe ich ein Licht gesehen.“ Flüsterte er und übergab Ingo die Zügel seines Schimmels. Dann huschte er in die Dunkelheit. Kurz darauf erschien der Rebellenführer wieder. Die Männer waren inzwischen abgestiegen und hatten schweigend gewartet. „Es sind die Zirkusleute. Sie raten dort unten am Waldrand.“ Teilte Zandorra leise mit. „Siw werden recht streng bewacht, doch ich glaube, wir schaffen es, sie zu befreien.“ „Die Zeit wird aber knapp, wenn Du vorher die Zirkusleute befreien willst.“ Wandte Ingo ein. „Ich weiß, wir müssen uns beeilen.“ Zandorra rieb sich das Kinn. „Wir müssen sie umkreisen und von allen Seiten gleichzeitig angreifen. So haben wir den Überraschungseffekt auf unserer Seite. Kommt, binden wir die Pferde hier an die Büsche.“ „Sascha, wir sind zu acht.“ Sagte Rolf zweifelnd. „Wieviel Soldaten sind dort unten?“
