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Die bewegende Erzählung schildert das Schicksal eines außergewöhnlichen Mannes im Straflager Camp du Vernet während des Zweiten Weltkriegs. Esteban, ein spanischer Uhrmacher, setzt seine einzigartigen Fähigkeiten ein, um Botschaften von unschätzbarem Wert an die Außenwelt zu senden. Mit seiner winzigen Schrift, die in Mantelknöpfe passt, spielt er eine entscheidende Rolle im Kampf gegen das Vergessen. Diese fesselnde Geschichte, basierend auf wahren Ereignissen, ist ein kraftvolles Zeugnis von Mut, Hoffnung und Menschlichkeit in dunkelster Zeit. Lassen Sie sich von der stillen Stärke eines Mannes inspirieren, der für seine Mitmenschen alles opfert.
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Seitenzahl: 5
Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedrich Wolf
Der Lupenschreiber
ISBN 978-3-68912-054-2(E–Book)
Die Erzählung ist 1947 entstanden.
Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.
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Oft fragt man mich: „Was waren deine stärksten Erlebnisse in jenen letzten Jahren des Waffenlärms und der KZ-Hölle?“ Viele, an die man eine ähnliche Frage richtet, werden zunächst nicht zu antworten wissen. Heute aber tauchen vor meinen Augen wieder zwei Gestalten auf, die in ihrer ganz unpathetischen, stillen Kraft manchen Mann der „großen Tat“ überragen.
Die eine Gestalt ist ein etwa dreißigjähriger Spanier, Esteban mit Vornamen, ein Katalane, der mit vielen Kameraden der Interbrigaden 1940 im Camp Le Vernet – einem Straflager am Rande der Pyrenäen – interniert wurde.
Es war eine harte Zeit für uns politische Häftlinge, als Hitler am 10. Mai vorrückte, bald die Gironde erreichte und Pétain sich gleichschaltete. In dem allgemeinen Chaos gelangte jedoch noch eine frühere Anweisung an den Lagerkommandanten, dass etwa dreihundert Spanier Pässe und Visa nach der zentralamerikanischen Republik Santo Domingo hätten und mit dem letzten freien Schiff von Bordeaux abfahren könnten.
Zu diesen Glücklichen gehörte auch Esteban, der „Lupenschreiber“. Esteban war von Beruf Uhrmacher. Der Himmel weiß, woher er all die winzigen Pinzetten, Schraubenzieher und Feilen hier aufgetrieben hatte, auch sein Vergrößerungsglas, das er sich bei der Arbeit ins Auge klemmte. Er arbeitete als Uhrmacher für uns Gefangene, vor allem auch für die Sergeanten und Offiziere des Kommandos.
Als er nun auf der Liste der Glücklichen stand, die den Stacheldraht hinter sich lassen konnten, und alle Kameraden beglückwünschend ihm „Ole! Ole!“ zuriefen, da lächelte er selig. Doch am Abend hörten wir, dass Esteban nicht fahren würde, dass ein anderer Spanier seinen Fahrschein erhalte. War Esteban erkrankt? Aber aus diesem Lager würde jeder in jeder Minute mit einundvierzig Grad Fieber abreisen.
