Der Mann mit dem goldenen Torques - Simon R. Green - E-Book
Beschreibung

Mein Name ist Bond, Shaman Bond. Besser bekannt als Drood, Eddie Drood. Ja genau, ich bin einer dieser Droods - der Familie, die seit Menschengedenken dafür sorgt, dass die Mächte der Finsternis dort bleiben, wo sie hingehören - in den Schatten. Kürzlich litt ich unter einem kleinen Anfall von Tod, doch dank der guten Molly (die zufällig eine mächtige Hexe ist) hatte ich diesen Zustand schnell überwunden. Bedauerlicherweise hatte meine Familie weniger Glück. Während meiner Abwesenheit wurde Drood Hall zerstört und meine Verwandten wurden allesamt ermordet. Das machte mich nun zum Letzten der Droods. Es machte mir nicht sonderlich viel Freude, der letzte Drood zu sein, so viel kann ich Ihnen verraten. Doch dann wurde mir klar, dass die Dinge nicht so waren, wie sie schienen. Irgendwer hatte eine Dimensionsmaschine aktiviert, Drood Hall auf eine alternative Erde gesandt und sie durch einen ausgebrannten Doppelgänger ersetzt. Meine Familie lebte dort draußen also noch. Irgendwo. Und nichts würde mich davon abhalten, sie zu finden …

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Seitenzahl:752

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Autor: Simon R. Green

Deutsch von: Axel Franken

Lektorat: Kim Bührle und Oliver Hoffmann

Art Director, Satz und Gestaltung: Oliver Graute

© Simon R. Green 2007

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2015

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-224-0

Originaltitel: The Man with the Golden Torc

ISBN der Printausgabe 978-3-86762-223-3

Der Mann mit dem goldenen Torques ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Simon R. Green 2015. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Simon R. Green.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

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1

Alles bis auf eine Weintraube

Es begann wie eine ganz alltägliche Mission. Ein gewisser sehr wichtiger Politiker, dessen Name und Gesicht Ihnen nicht fremd wären, war – sehr heimlich – in die Harley Street in London gekommen, Heimat einer der fachkundigsten – und zweifelsohne einer der teuersten – Stellen für medizinische Spezialbehandlungen der gesamten zivilisierten Welt. Dieser Politiker, lassen Sie ihn uns Mr President nennen – und nein, nicht der, an den Sie jetzt denken –, hatte sich unter falschem Namen ein Zimmer im Saint Baphomet Hospital reservieren lassen, nachdem er sich auf einer Goodwilltour durch Thailand eine übernatürliche Geschlechtskrankheit zugezogen hatte. Er war so dumm gewesen, das Halsband mit der Leine seines Hundeführers abzustreifen und in den Bars der Seitengassen Bangkoks ein bisschen Spaß zu suchen, und hatte so viel Pech gehabt, zu guter Letzt eine Agentin der Dunkelheit, die sich als Ladydingsda verkleidet hatte, zu bumsen. Als Folge davon war Mr President jetzt hochschwanger mit etwas, was das genaue Gegenteil eines Kindes der Liebe war. Es war angeordnet worden, diese unnatürliche Schwangerschaft gnadenlos und ohne Rücksicht auf den Sprössling zu beenden. Er sollte nicht geboren werden, oder wenn doch geboren, dann nicht frei in der materiellen Welt herumlaufen gelassen werden.

Man hatte mich mit einer Waffe ausgestattet und erwartete von mir, dass ich sie benutzte.

(Wie wir das herausgefunden haben? Meine Familie weiß alles. Das ist ihre Aufgabe, und wenn man so viele Jahrhunderte wie wir auf der guten Seite gekämpft hat, dann ist es unvermeidlich, dass ein weitreichendes Netzwerk von Informanten und Spitzeln entsteht.)

Ich schlenderte auffällig unauffällig lässig die Harley Street entlang. Niemand sah zweimal nach mir; niemand tut das je. Ich bin dazu ausgebildet worden, mit der Menge zu verschmelzen, nur ein weiteres Gesicht darin zu sein. Ich trug einen schön anonymen dreiteiligen Anzug, teuer genug, um zur Gegend zu passen, aber nicht elegant genug, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich schritt die Harley Street entlang, als ob ich alles Recht hätte, dort zu sein, weshalb alle anderen einfach annahmen, dass ich das auch hatte. Es ist alles eine Frage der Haltung, ehrlich. Mit der richtigen Haltung kann man sich überall einfügen. Es hilft, dass ich die Art von Gesicht habe, die einen immer an jemand anderen erinnert: durchschnittlich, angenehm, nichts, was einem hinterher noch Kopfzerbrechen bereitet. Das Gesicht eines Agenten.

Es war alles eine Frage der Ausbildung. Auch Sie könnten lernen, wie niemand Besonderes auszusehen, wenn Sie wollten.

Es war das träge Ende eines Sommernachmittags in London. Angenehm warm unter einem blassblauen Himmel und nur der Hauch einer Brise. Im Hintergrund brauste der Verkehr vorbei, aber die Straße selbst war relativ still und ruhig. Es gab Taxis, die gedrungenen schwarzen Londoner Taxis, die Leute absetzten und mitnahmen, Männer und Frauen sämtlicher Nationalitäten, die sich geflissentlich um ihre eigenen Dinge kümmerten. Und einen großen Prozentsatz, der weder Männer noch Frauen noch etwas in der Art war. Sie wären überrascht, wenn Sie wüssten, wie viele Monster Tag für Tag vor aller Augen offen herumspazieren, vor den Blicken reiner Sterblicher nur durch die oberflächlichste Illusion verborgen. Aber ich bin ein Drood, und ich trage den goldenen Torques um meinen Hals, und deshalb kann ich die Sicht benutzen, um alles zu sehen, solange ich es aushalten kann.

Nur ein paar Schritte weiter weg stieg ein Elfenfürst, ein Angehöriger einer der zahlreichen Elfenrassen, aus einem Taxi, groß und königlich anzuschauen in seinen leuchtenden Gewändern. Er hatte spitze Ohren, vollständig schwarze Augen und einen Ausdruck äußerster Verachtung für die ganze Menschheit in seinem Gesicht. Er bezahlte mit einer Banknote von hohem Nennwert und wies das Wechselgeld mit einer Gebärde aristokratischer Geringschätzung zurück. Der Fahrer wäre gut beraten, diese Banknote schnell bei einer Bank einzuzahlen, bevor sie mit Kalteisen in Berührung kam und sich in ein Blatt oder so etwas zurückverwandelte. Elfen lebten, um die Menschheit übers Ohr zu hauen; es war alles, was ihnen geblieben war.

Überall auf der Straße gingen Geister in Wände, die zu ihren Lebzeiten noch nicht da gewesen waren, oder kamen aus ihnen heraus, gefangen in ihrer Wiederholung wie Insekten in Bernstein. Echos in der Zeit. Dämonen ritten unbemerkt auf den Rücken von Leuten, gruben ihnen die gespornten Fersen tief in Schultern und Rückenmuskeln und flüsterten ihren Reittieren in die Ohren. Man konnte immer sagen, welche Reittiere auf sie hörten, denn deren Dämonen waren fett und aufgebläht. Ein Mann trug einen beginnenden Heiligenschein; er begleitete einen Freund mit Stigmata. Es waren Momente wie dieser, die mir Hoffnung gaben. Ein Alien mit grauer Haut und großen schwarzen Augen erschien aus dem Nichts, die dreifingrige Hand um einen Stadtführer gekrallt. Der Ruf der Harley Street reichte weiter, als man dachte.

Keiner von ihnen beachtete mich im Geringsten. Wie gesagt: Ich habe eine Ausbildung genossen.

Es gab Zeiten, da fragte ich mich, ob es nicht nett wäre, ein normales Leben zu führen, mit ganz normalen Sorgen und Verantwortungen, und nicht all die Dinge wissen zu müssen, die ich wusste. Nicht all die Dunkelheit auf der Welt sehen zu müssen. Eins der Schafe zu sein und nicht der Schäfer. Aber dafür bekam ich mit, was wirklich lief und wer die wirklich bösen Typen waren, und ich durfte ihnen regelmäßig in die widerlichen Ärsche treten. Was viel wettmachte.

Die Harley Street bestand noch immer größtenteils aus langen georgianischen Häuserzeilen mit kostspieligen, langweiligen, anonymen Fassaden. Namen waren kaum zu sehen; entweder wusste man, wohin man wollte, oder man gehörte nicht hierher. Die schweren, diskret verstärkten Türen öffneten sich beim Ertönen des Summers nur, wenn man die richtigen Worte kannte, durch keins der Fenster ließ sich ins Innere sehen, und viele dieser ehrwürdigen Einrichtungen waren auf Arten bewacht und geschützt, über die man gar nicht erst nachdenken wollte.

Das waren die, für die ich mich interessierte.

Ich studierte das Hospital des Heiligen Baphomet aus sicherer Entfernung, während ich scheinbar in mein Handy lauschte. Fabelhafte Dinger, die perfekte Entschuldigung, um mit ausdrucksloser Miene einfach in der Gegend herumzustehen. Es war zwecklos, sich dem Vordereingang des Hospitals auch nur zu nähern: Ich konnte Schicht auf Schicht von Verteidigungsanlagen ausmachen, mit denen nicht zu spaßen war. Die Art, die nicht einmal eine Leiche zum Identifizieren übrig lässt. Stellen Sie sich übergroße magische Fußangeln mit echt großen Zähnen und einem eingebauten Hang zur Gemeinheit vor. Die Art von Verteidigungsanlagen, die man um ein Krankenhaus herum, das auf bizarre und schreckliche Krankheiten spezialisiert ist, erwarten würde; die Art, von der man wirklich nicht will, dass der Rest der Welt davon erfährt.

Also entschied ich mich dafür, in das Gebäude neben Saint Baphomet einzubrechen, einer kleineren und noch spezialisierteren Praxis, Dr. Dee & Söhne & Söhne. Sie beschäftigten sich strikt mit Exorzismen – sehr strikt, nach allem, was man hörte. (Ihr Motto: „Wir machen ihnen die Hölle heiß.“) Ihre Verteidigungsanlagen waren genau so stark, aber mehr darauf ausgerichtet, Dinge drinnen zu halten als Leute draußen, aus dem völlig logischen Grund, dass nur ein Wahnsinniger hineinwollen würde. Die meisten Leute mussten hineingeschleift werden und traten dabei die ganze Zeit schreiend um sich. Allerdings bin ich nicht die meisten Leute. Ich steckte mein Handy weg und blickte die Straße hoch und runter, aber wie immer waren alle anderen viel zu sehr in ihre eigenen wichtigen Geschäfte vertieft, als dass sie Interesse für einen Niemand wie mich hätten erübrigen können. Also schlüpfte ich einfach in die schmale verlassene Gasse neben Dr. Dee und aktivierte meine lebende Rüstung.

Die meiste Zeit über lag sie ruhend als goldener Ring um meinen Hals. Ein Torques. Unsichtbar für jeden, der kein Mitglied der Drood-Familie oder wenigstens ein siebter Sohn eines siebten Sohnes war. (Von denen schienen nicht mehr viele rumzulaufen. Ich gab Verhütungsmitteln die Schuld daran.) Ich sprach innerlich meine aktivierenden Worte, und das lebende Metall im Torques breitete sich aus und bedeckte meinen ganzen Körper, umgab mich binnen eines Augenblicks von Kopf bis Fuß. Es war ein warmes, erfrischendes Gefühl, als zöge man einen alten, vertrauten Mantel an. Obwohl die goldene Maske mein Gesicht und meinen Kopf umhüllte, sah ich noch deutlicher, sogar all die Dinge, die normalerweise selbst begabten Menschen wie mir verborgen blieben. Ich fühlte mich stärker, scharfsinniger, lebendiger, wie aus einem angenehmen Dösen in völlige Wachheit gerissen. Ich fühlte mich, als ob ich es mit der ganzen verdammten Welt aufnehmen und sie wie ein Baby zum Weinen bringen könnte.

Die Rüstung war die Geheimwaffe der Familie Drood. Sie ermöglichte uns unsere Arbeit. Die Rüstung bekamen wir alle direkt nach der Geburt, sie war auf immer gebunden an unsere Nervensysteme und unsere Seelen, und solange wir die Rüstung trugen, waren wir unantastbar, geschützt vor jeder Form des Angriffs, ob wissenschaftlicher oder magischer Natur. Sie machte uns auch unglaublich stark, verblüffend schnell und völlig unauffindbar. Meistens.

Mit der Rüstung sah ich aus wie eine lebende Statue, golden und prächtig, und nirgendwo an der gesamten glatten, glänzenden Oberfläche gab es ein Gelenk oder ein bewegliches Teil oder einen Schwachpunkt. Es waren nicht einmal Seh- oder Atemlöcher in der goldenen Maske, die mein Gesicht bedeckte. Ich brauchte sie nicht. Solange ich sie trug, war ich die Rüstung. Sie war eine zweite Haut, die mich gegen eine gefährliche Welt abschirmte.

Weil ich durch die Maske blickte, sah ich jetzt deutlich den riesigen Dämonenhund, der die Hintertür zu Dr. Dee bewachte. Nachtschwarz, groß wie ein Bus, muskelbepackt, lag er ausgestreckt auf dem Kopfsteinpflaster und starrte argwöhnisch um sich mit seinem platten, brutalen Gesicht und den lodernden Höllenfeueraugen. Er nagte träge an einem menschlichen Oberschenkelknochen, an dem noch etwas Fleisch hing. Andere Knochen lagen vor dem Hund verstreut, aufgebrochen, um ans Mark zu kommen. Mich überkam eine flüchtige, aber sehr reale Versuchung, mir einen der Knochen zu greifen, ihn zu werfen und apport! zu rufen, nur um zu sehen, was passieren würde. Aber ich verkniff es mir. Schließlich bin ich ein Profi.

Ich ging geradewegs auf den Dämonenhund zu, und er konnte mich weder sehen noch hören oder riechen. Was auch ganz gut so war; ich war nicht auf der Suche nach einem Kampf. Nicht mit etwas so Großem und infernalisch Fiesem jedenfalls. Ich bewegte mich vorsichtig an dem Hund vorbei, sorgfältig darauf bedacht, ihn nicht zu berühren. Die Rüstung hat ihre Grenzen. Ich untersuchte die verschlossene Hintertür: sehr alt, sehr knifflig, sehr sicher. Kinderspiel. Ich langte mit meiner goldenen Hand durch meine goldene Seite, so mühelos, als ob ich die Hand in Wasser tauchte, und nahm die Hand des Ruhms heraus, die mir vom Plattner und Waffenmeister der Familie eigens für diesen Auftrag geschickt worden war. Die Hand des Ruhms ist eine menschliche Hand, die einem Gehenkten direkt nach seinem Tod abgeschnitten und dann auf gewisse unerfreuliche Weisen behandelt wird, sodass aus den Fingern Kerzen werden. Zündet man diese Kerzen auf die richtige Art und mit den richtigen Worten an, kann die Hand des Ruhms jedes Schloss öffnen, jedes Geheimnis offenbaren. Die Familie stellt diese schrecklichen Dinger aus den Leichen unserer gefallenen Feinde her. Wir machen auch noch andere Sachen mit den Leichen, wirklich ziemlich entsetzliche Sachen. Noch ein Grund, uns nicht auf sich wütend zu machen.

Ich zündete die Kerzen an und sprach im Geist die Worte. Der Dämonenhund hob seinen plumpen Kopf und witterte misstrauisch in die unbewegte Luft. Ich erstarrte, und langsam senkte der Hund seinen grobschlächtigen Kopf wieder. Das Schloss hatte sich bereits geöffnet, also drückte ich die Tür sacht nach innen auf. Der Hund blickte nicht einmal um sich. Vorsichtig schob ich mich hinein und schloss die Tür leise hinter mir. Sie verschloss sich wieder, und ich entspannte mich ein bisschen. Wahrscheinlich könnte ich es in meiner Rüstung mit einem Dämonenhund aufnehmen, aber ich hatte keine Lust, dieses Wahrscheinlich einer Prüfung zu unterziehen, wenn es nicht absolut unumgänglich war. Dämonenhunde waren auf die Seele abgerichtet.

Ich steckte die Hand des Ruhms weg und studierte meine neue Umgebung. Bei Dr. Dee war es feucht und dunkel, die nackten Steinwände des Flurs trieften vor Wasser und anderen Flüssigkeiten. Im ebenfalls nackten Steinfußboden waren verrostete Eisengitter eingelassen, durch die sie abliefen. Ich ging weiter, und es war, als ginge man durch ein Schlachthaus der Seele. Dies war ein Ort, wo regelmäßig schlimme Dinge geschahen. Ein Ort, wo das Geschehen echt schlimmer Dinge zum normalen Betrieb gehörte.

Ich bewegte mich geräuschlos den langen Steinkorridor entlang, erreichte das Ende und kam in einer höhlenartigen Halle heraus, die mit Reihen über Reihen kastenartiger Käfige gefüllt war, jeder gerade groß genug, um einen Mann, eine Frau oder ein Kind aufzunehmen. Die Gitterstäbe der Käfige bestanden aus massivem Silber, ebenso wie die schweren Ketten, die die Gefangenen festhielten. Das einzige Licht kam von einem großen eisernen Kohlenbecken am anderen Ende der Halle, ein blutroter Schein in der Düsternis um die langgriffigen Instrumente der Zerstörung herum, die das Kohlenbecken erhitzte. Ich ging ruhig den schmalen Mittelgang zwischen den beiden Käfigreihen hinunter, sorgfältig darauf bedacht, nicht nach links oder rechts zu sehen. Hier gab es keine Unschuldigen. Sie waren besessen, Spielzeuge der Hölle, hierhergebracht, um von ihrer Last befreit zu werden. Auf die eine oder andere Weise.

Die meisten von ihnen sahen mich nicht, also machten sie sich nicht die Mühe, eine Schau abzuziehen. Aber eine dunkle, ungeschlachte Gestalt hob ihren verstümmelten Kopf und starrte mich direkt aus Augen an, die so golden wie meine Rüstung glühten. Sie sprach zu mir, und ich erschauderte bei dem Geräusch. Ihre Stimme war wie die eines Engels mit Syphilis, wie die einer Rose mit Krebs, wie die einer Braut mit Zähnen in der Vagina. Sie versprach mir Dinge, wunderbar furchtbare Dinge, wenn ich sie nur freiließe. Ich ging weiter. Sie lachte leise in der Dunkelheit hinter mir, wie ein kleines Kind.

Indem ich mich an dem Grundriss orientierte, den ich zuvor auswendig gelernt hatte, ging ich ein Stockwerk höher in den Wohnbereich des Gebäudes, wo Patienten auf dem Wege der Besserung ganz behutsam wieder der geistigen Gesundheit zugeführt wurden. Überall, wohin ich blickte, konnte ich Geisterbilder versteckter Verteidigungssysteme sehen, bereit, beim kleinsten Anzeichen eines Eindringlings augenblicklich in Aktion zu treten. Nur meine Rüstung verhinderte, dass Dr. Dees Sicherheitsvorkehrungen eine Reihe von Alarmen und Verteidigungsmaßnahmen auslösten. Natürlich gab es überall Kameras, einschließlich infraroter, und sie waren mit dem Weihwassersprinklersystem gekoppelt, aber meine Rüstung definiert den Begriff Heimlichkeit neu. Niemand sieht mich, außer ich will gesehen werden.

Schon bald gelangte ich zu der Mauer, die Dr. Dee mit Saint Baphomet verband, und musste nur noch die tragbare Tür, die der Waffenmeister mir geschickt hatte, herausnehmen und an die Wand klatschen. Sie entfaltete sich schnell und bildete eine völlig normal aussehende Tür, mit einem Messinggriff. Ich öffnete sie, trat hindurch in das nächste Gebäude und zog sie danach von der Wand ab. Schnell schrumpfte sie wieder zu einem kleinen Gummiball aus etwas zusammen, das viel zu kompliziert war, als dass ich es hätte verstehen können und ich steckte sie zurück in meine Tasche. Meine Familie hat die besten Spielzeuge. Danach musste ich nur noch dem Grundriss des Saint Baphomets folgen, den ich ebenfalls auswendig gelernt hatte, um direkt ins Zimmer von Mr President zu gelangen.

(Nein, nicht der, an den Sie jetzt denken. Ganz entschieden nicht. Sie müssen mir vertrauen, wenn ich Ihnen diese Dinge erzähle.)

Das Hospital war voller heller Lichter, und die Wände waren in fröhlichen Farben gestrichen, aber die magischen Schutzvorrichtungen waren genauso stark wie die bei Dr. Dee. Überall gab es Kameras, die einander amtlich zusurrten, während sie hin- und herschwenkten, und Bewegungsmelder flimmerten rot auf Knöchelhöhe. Doch ich ging ungesehen, der Geist in der Maschine. Die Luft roch nach Desinfektionsmittel und etwas Fauligem, das nicht völlig unter teurem Blumenparfum vergraben war.

Ich gelangte unbehelligt nach oben zu der Station im Dachgeschoss, auf der alle wirklich interessanten Patienten untergebracht waren, und wanderte lautlos durch den bis in den letzten Winkel erleuchteten Korridor, wobei ich hier und da stehen blieb, um durch einige Fenster in den Türen zu spähen, an denen ich vorbeikam, nur so aus Neugier. Na ja, würden Sie das etwa nicht? Man hatte mich bereits genau darüber informiert, weshalb jeder einzelne Patient sich hier aufhielt, und ich musste einfach ab und zu einen schnellen Blick riskieren.

Ein Starkoch mit eigener Fernsehsendung war hier, um sich eine Tätowierung auf die harte Tour entfernen zu lassen. Offenbar war die Hand des Tätowierers genau im falschen Moment abgerutscht, während er eine alte chinesische Redensart mit Tinte schrieb, wodurch aus einer simplen Beschwörung für Glück eine unverblümte Beschwörung für richtig schlimmes Pech wurde. Als Folge davon war das berühmte West-End-Restaurant des Kochs während eines Ausbruchs von Lebensmittelvergiftung niedergebrannt, in seiner Livesendung hatte er explosiven Durchfall gehabt, seine besten Rezepte waren im Internet aufgetaucht und er war siebzehn Mal vom Blitz getroffen worden. In seiner eigenen Küche. Eine derartige Tätowierung verändert man nicht einfach mit dem Laser, also häuteten sie ihm Zentimeter für Zentimeter den Rücken, um sie loszuwerden. Im Augenblick lag der berühmte Koch auf seinem Bauch im Bett, schluchzend wie ein Baby. Nächstes Mal würde er sich mit Mama oder seiner Lieblingsfußballmannschaft begnügen.

Im Zimmer neben ihm litt eine Frau an akutem Schwerkraftmangel. Das Personal hatte sie auf dem Bett festschnallen müssen, um sie am Wegschweben zu hindern. Ihre langen Haare flossen nach oben. Hinter der nächsten Tür lag irgendein bedauernswerter Unglücklicher, der den Fehler gemacht hatte, unvoreingenommen und wirklich offenen Geistes in eine Séance zu gehen, und jetzt war er von tausendundeinem Dämon besessen. In seiner Zwangsjacke irrte er in seinem Zimmer hin und her und schrie in Zungen, während er von den Gummiwänden abprallte und die Dämonen in ihm um die Vorherrschaft rangen. Es schien sie nicht zu scheren, dass sie dabei aus ihrem Wirt ein richtiges Durcheinander machten. Er hätte wirklich zu Dr. Dee gehen sollen. Man bekommt, wofür man bezahlt.

Die nächsten Zimmer beherbergten eine abgetrennte Hand, die versuchte, sich einen neuen Körper wachsen zu lassen, einen Timelord, dessen letzte Regeneration schrecklich schiefgelaufen war und sein Innerstes nach außen gekehrt hatte, und einen bekümmert aussehenden Werwolf mit Räude. Es muss wohl auch solche geben.

Ich spähte vorsichtig um die Ecke des Korridors, und da war es: das Zimmer von Mr President. Ein bewaffneter Wachposten saß direkt vor seiner Tür, im Augenblick völlig in sein Muskelmännermagazin vertieft. Ich überprüfte es sorgfältig, aber das war alles. Ein bewaffneter Wachposten. Sie versuchten es nicht einmal richtig. Ich ging geradewegs zu dem Mann hin, und er wusste nicht einmal, dass ich da war, bis ich einen speziellen Nervenknoten in seinem Hals zusammendrückte und er sofort einschlief. Ich setzte ihn in seinen Stuhl zurück, nachdem ich ihn von der Tür weggerückt hatte. Ich spähte durchs Fenster, und da war Mr President, unruhig auf dem Rücken schlafend, und sein geschwollener Bauch drückte das Bettzeug hoch. Eine Schwangerschaft kann sehr ermüdend sein, habe ich mir zumindest sagen lassen. Mr Presidents Gattin hielt in einem Stuhl neben seinem Bett ein Nickerchen. Welch verständnisvolle und große Stütze ihres Mannes.

Ich griff unter meiner Rüstung nach der Waffe in dem Halfter an meiner Hüfte. Der Waffenmeister hatte mich im Lauf der Jahre mit vielen verschiedenen Waffen ausgestattet, aber die hier war wirklich ziemlich speziell. Ein Nadelrevolver mit einer Druckgastrommel, der Splitter aus gefrorenem Weihwasser abfeuerte. Sehr leise, sehr effizient.

Ich gab mich gar nicht erst mit der Hand des Ruhms ab, sondern trat die verschlossene Tür einfach mit einem goldenen Fuß ein. Sie flog krachend auf, und Mr President setzte sich im Bett auf und sah mich direkt an. Das Baby, dessen Wirt er war, musste seine Sinne geschärft haben. Er warf einen einzigen Blick auf mich in meiner goldenen Rüstung und fing an zu schreien, dass ich hier sei, um ihn zu ermorden. Ich zielte sorgfältig und schoss auf seine Frau, die gerade halb aus ihrem Stuhl hochgekommen war. Die Eisnadel traf sie direkt in die Drosselvene, trat in ihren Blutkreislauf ein und zerschmolz zu Weihwasser, und Mr Presidents Frau verfiel in Zuckungen, während der Dämon, von dem sie besessen war, gebannt wurde.

Sie war die ganze Zeit über meine Zielperson gewesen. Der Dämon hatte sich in ihr versteckt, während ihr Mann Ausgang hatte und Pitsche-Patsche mit dem Ladydingsda spielte, und dann unentdeckt darauf gewartet, dass das Mr-President®-Baby durch einen Kaiserschnitt auf die Welt kam. Dann konnte der Dämon das unnatürliche Baby besitzen und eine dauerhaft körperliche Gestalt annehmen, sicher vor allen Exorzismusversuchen. Wer weiß, wie seine Pläne anschließend aussahen? Meine Familie hatte keine Lust gehabt, untätig zu warten, bis sie es herausfand.

Wir hatten alle Das Omen gesehen.

Die Ehefrau fiel auf alle viere, zitternd und von Krämpfen befallen, während ihr Mann zusah, geschockt und stumm vor Grauen. Schwarzer Schleim brach aus ihrem Mund, aus ihrer Nase, aus ihren Ohren und lief ihr sogar als zähflüssige schwarze Tränen übers Gesicht. Immer mehr von dem Zeug quoll aus ihr heraus, immer schneller, und bildete eine immer größer werdende Lache schwarzer, teeriger Substanz auf dem Boden vor ihr. Und aus diesem schwarzen Ektoplasma erschuf sich der Dämon einen neuen Körper, sein letzter verzweifelter Versuch, eine körperliche Gestalt in der materiellen Welt anzunehmen.

Eine untersetzte, kraftvolle Gestalt drängte aus der schwarzen Lache nach oben: zuerst lange, muskulöse Arme, dann eine breite Brust und Schultern und zuletzt ein gehörnter Kopf mit Augen wie glühende Kohlestücke. Ich schoss mit einer weiteren Weihwassernadel darauf, und sie heulte schrecklich auf, hörte aber nicht auf zu wachsen. Entschlossenes Kerlchen. Der Dämon zog sich aus der schwarzen Lache hoch und türmte sich jetzt über mir empor. Seinen Händen wuchsen lange Klauen, und ein breites Lächeln teilte das finstere Gesicht und ließ mich Reihe um Reihe nadelspitzer Zähne sehen. Er sah aus wie das, was er war: gemein und böse und furchtbar stark. An manchen Tagen muss man die Dinge halt auf die harte Tour erledigen.

Der Dämon stürmte heran und schlug mit einer klauenbewehrten Hand nach mir. Funken stoben, als die Klauen harmlos an meiner gepanzerten Brust abrutschten. Ich versetzte dem Dämon einen Faustschlag an den Kopf, und dicke Brocken schwarzen Ektoplasmas flogen durch die Gegend, als meine mit goldenen Spitzen bestückten Fingerknöchel durch sein Pseudofleisch rissen. Wieder und wieder schlug ich zu, prügelte ihn nieder und trieb ihn zurück, während all seine stärksten Hiebe harmlos an meiner gepanzerten Gestalt abglitten. Ich bekam einen seiner um sich schlagenden Arme zu fassen, nahm meine Kräfte zusammen und riss ihn geradewegs ab. Der Dämon heulte auf, und sein Körper begann, einfach zu zerfallen, nicht länger in der Lage, angesichts einer solch groben Behandlung seinen Zustand aufrechtzuerhalten. Die dunkle Gestalt brach in dickflüssige Pfützen stinkenden, verfaulenden Ektoplasmas zusammen, und der Dämon stürzte brüllend zurück in die Hölle.

Ich schüttelte tropfenden schwarzen Schleim von meinen gepanzerten Fäusten und gönnte mir einen Moment, um wieder zu Atem zu kommen. Das Gute daran, Dämonen aus der Hölle die Scheiße aus dem Ektoplasmaleib zu prügeln, ist, dass man sich anschließend nicht im Geringsten schuldig fühlen muss.

Ich sah mich nach Mr President um. Er war nicht mehr im Bett, sondern hatte sich furchtsam in die entfernteste Zimmer-ecke gekauert. Er sah, dass ich ihn anschaute, und wimmerte schwach. Ich nahm meine Nadelpistole heraus und schoss auch auf ihn. Das Weihwasser würde dafür sorgen, dass das, was auch immer man schließlich aus ihm herausholte, tot geboren und keine Gefahr für irgendjemand darstellte. Er keuchte und riss die Augen auf, als er die Veränderungen spürte, die in ihm vorgingen. Dann wandte er den Blick ab und verfluchte mich leise, aber daran war ich gewöhnt.

„Dachten Sie wirklich, Sie könnten das vor uns verbergen, Mr President?“, sagte ich. „Nächstes Mal vergessen Sie Ihren Stolz und kommen zuerst zu uns. Oder noch besser, halten Sie sich von den Ladydingsdas fern.“

2

Lärm, Getümmel und nichts wie raus aus Dodge

Die Manifestation des Dämons hatte alle möglichen Alarme ausgelöst. Sirenen, aufblitzende Lichter, das volle Programm. Ich zögerte gerade lange genug, um mich zu vergewissern, dass es Mr Presidents Gattin gut ging (sie war bewusstlos, von schwarzem ektoplasmischem Schmodder überzogen, aber im Wesentlichen war sie unverletzt, die arme dumme Kuh), und dann riss ich die Tür auf und stürmte auf den Korridor hinaus. Die Sirenen waren ohrenbetäubend, und die Lichter lieferten im Takt zu dem heiseren elektronischen Lärm das optische Schnellfeuer. Was ist bloß aus den wohltuend melodischen Alarmen mit Klingeln geworden? Mit Ambulanzen ist es genau dasselbe. Und mit Löschfahrzeugen. Ich mache mir über solche Sachen Gedanken. Manchmal bereitet mir das Sorgen. In dem Moment, als ich im Korridor erschien, öffneten sich versteckte Schießscharten in beiden Wänden und die Läufe von Hochleistungsgewehren fuhren heraus. Ich fing an zu rennen.

Sofort eröffneten sämtliche Gewehre das Feuer, und aus dieser Nähe verursachten der Donner der Schüsse und das blendende Mündungsfeuer körperliche Schmerzen. Das schwere Feuer zersiebte die Wände hinter mir, als ich den Korridor hinunterhetzte. Meine Rüstung war immer noch in vollem Tarnkappenmodus, deshalb konnten die Gewehre mich nicht aufspüren. Soweit es die Überwachungskameras betraf, war der Flur leer, aber die Wachleute wussten, dass da jemand sein musste, weil sie die Tür hatten aufgehen sehen. Also ballerten sie einfach aus allen Rohren und hofften das Beste. Die Gewehrläufe schwangen hin und her und hielten eine mörderische Feuerrate bei, doch selbst die gelegentlichen Glückstreffer prallten einfach von meiner Rüstung ab. Ich spürte sie nicht mal auftreffen.

Ich bog gerade rechtzeitig um die Ecke, um zu sehen, wie ein schweres Stahlgitter von der Decke herunterknallte und mir den Weg versperrte. Ungebremst rammte ich das Gitter mit der Schulter, nur um jäh zum Stehen zu kommen, denn der schwere Stahl verbog sich zwar, hielt aber. Ich packte das Gitter mit beiden goldenen Händen und zerfetzte es, als ob es aus Brüsseler Spitze wäre. Der Stahl protestierte mit schrillem Kreischen, als er auseinandergerissen wurde. Ich zwängte mich durch die Öffnung und rannte den nächsten Korridor hinunter. Die Rüstung verleiht mir übernatürliche Stärke, wenn ich sie brauche. Fabelhaftes Zeug, dieses lebende Metall. Ich hatte die Gewehre und Sirenen hinter mir gelassen, aber dafür konnte ich jetzt schnelle Schritte und laute, wütende Stimmen hören, die sich von allen Seiten an mich heranarbeiteten. Zeit, mich in einem anderen Zimmer zu verstecken und das Zeter und Mordio an mir vorbeirauschen zu lassen.

Ich lief die Treppe zum nächsten Stockwerk hinunter, suchte aufs Geratewohl eine Tür aus, sprengte das Schloss mit dem Stoß einer gepanzerten Hand auf, schlüpfte in den verdunkelten Raum und schloss die Tür sorgfältig hinter mir. Es war angenehm ruhig in dem Raum, und ich stand ganz still in der Finsternis und hörte zu, wie eine ganze Horde von Leuten an der Tür vorbeirannte, zuerst aus der einen Richtung und dann aus der anderen. Es gab viel verwirrtes Geschrei, und ich lächelte hinter meiner goldenen Maske. Erste Regel eines guten Agenten: Lass die anderen immer im Unklaren. Jetzt brauchte ich nur noch zu warten, bis sich die Dinge ein wenig beruhigt hatten, und dann würde ich einfach vorsichtig hier raus- und in vollem Tarnkappenmodus an den Sicherheitskräften vorbeigehen, und sie würden überhaupt nicht merken, dass ich da war. Das Licht im Raum wurde angeknipst, und ich wirbelte überrascht herum. Der Patient des Zimmers lag in seinem Bett und starrte mich direkt an.

Was eigentlich nicht möglich hätte sein sollen. Na gut, Mr President hatte mich gesehen, aber das auch nur, weil er einen Dämon in sich hatte. Zwei Mal in einer Nacht war noch nie da gewesen. Ich ging schnell zum Bett hinüber, hob warnend eine goldene Faust, und der Patient nahm die Hand vom Klingelknopf. Ich blieb abrupt stehen, denn endlich erkannte ich den Patienten. Hinter meiner goldenen Maske riss ich vor Erstaunen den Mund auf. Kein Wunder, dass er mich sehen konnte: Der Mann im Bett war der Karma-Katechet!

Der Karma-Katechet, eine lebende Legende, wusste alles, was es über magische Systeme, Rituale und Machtformen zu wissen gab. Er war die lebende Verkörperung jeder mystischen Quelle, jedes verbotenen Buches, jeder dunklen und geheimen Abhandlung darüber, wie man anderen Leuten schreckliche Dinge in sieben einfachen Schritten antut. Er war dazu bestimmt worden, als er noch in der Gebärmutter war, gestaltet von schrecklichen Willen, seine Funktion, seine Form und sein Fatum vorherbestimmt von mächtiger Zauberei und arkaner Mathematik. Er kannte alles, von der Kabbala zum Nekronomikon, vom Buch Judas zu den Hoheliedern des Herodes. Jeden Zauberspruch, jedes Arbeitsprinzip, jede Konzeption.

Meine Familie hatte jahrelang versucht, ihn in die Finger zu kriegen, aber seit Jahrzehnten hatte ihn keiner zu Gesicht bekommen. Er war von jeder Gruppe, die jemals von der Macht geträumt hatte, hin und her gereicht, geraubt und entführt und ausgetauscht worden, weil keine Gruppe allein ihn lange festhalten konnte. Das Problem war, er wusste zu viel, und man musste die richtigen Fragen kennen, um die Antworten zu bekommen, die man brauchte. Eine lebende Enzyklopädie erschreckenden Wissens, aber ohne Inhaltsverzeichnis. Und jetzt war er in greifbarer Nähe! Wenn ich ihn nur mit mir zusammen hier rausschaffen könnte … nein. Zu viele Schwierigkeiten. Seine besondere Natur würde zu Interferenzen mit dem Tarnkappenmodus meiner Rüstung führen. Mit ihm würde ich bemerkt werden, er würde mich langsamer machen … nein, ich würde einfach weitersagen, dass er hier war, und der Familie die Entscheidung darüber überlassen, was als Nächstes getan werden sollte.

Wäre es nach mir gegangen, ich hätte eine taktische Atombombe auf die Harley Street geworfen, nur um sicher zu sein, dass es ihn erwischte. Es gab so etwas wie zu viel Wissen. Der Karma-Katechet kannte hundert Wege, der Welt ein Ende zu bereiten oder die Realität selbst zu zerreißen. Die Familie hätte jedoch einen Mord an einem derart kostbaren Aktivposten niemals gebilligt. Sie wollten die Informationen, die in ihm steckten, genau wie alle anderen.

Ich hätte ihn ja selbst umgebracht, und zum Teufel mit den Konsequenzen, aber … so schrecklich sah er aus der Nähe gar nicht aus. Er war nur ein kleiner Mann mittleren Alters, dem schon die meisten Haare ausgegangen waren. Er hatte ein sanftes, freundliches Gesicht, ausdruckslose Augen und ein schüchternes Lächeln. Außerdem trug er einen altmodischen gestreiften Schlafanzug, dessen Jacke teilweise offen stand und ein Büschel weißer Brusthaare sehen ließ. Er wirkte müde und traurig und sehr verletzlich. Es war leicht, Mitleid für ihn zu empfinden; er hatte kein besonders tolles Leben gehabt, und kaum etwas davon hatte er sich selbst ausgesucht. Es war nicht seine Schuld, dass er ein lebendes Instrument des Jüngsten Tages war.

„Tun Sie mir nichts!“, sagte er und sah mich mit fast kindlicher Unvoreingenommenheit an.

„Pst!“, sagte ich. „Sie halten einfach den Mund, und ich bin sofort wieder weg. Warum sind Sie überhaupt hier drin?“

„Weil ich den Mund nicht halten kann“, entgegnete er traurig. „Man hat mich konditioniert, umprogrammiert, meine Arbeitsparameter geändert, und alles ist schrecklich schiefgelaufen. Wenn mir jetzt jemand eine Frage stellt, muss ich sie beantworten, ob er das richtige Passwort kennt oder nicht. Ich bin zu einem Sicherheitsrisiko geworden.“ Plötzlich weiteten sich seine Augen, und Angst spiegelte sich in seiner Miene wider. „Sie werden rauskriegen, dass ich mit Ihnen gesprochen habe! Sie werden denken, dass Sie mich gefragt haben, was kommen wird! Ich werde es Ihnen nicht sagen! Auf keinen Fall!“

Er biss die Zähne zusammen, und ich hörte ein deutliches Knirschen. Seine Muskeln zogen sich krampfhaft zusammen, sein Rücken wölbte sich vom Bett hoch, seine Augen quollen aus den Höhlen, und dann lag er schlaff und reglos da, und sein letzter Atemzug war ein kleiner, trauriger Seufzer. Ich fühlte nach einem Pulsschlag an seinem Hals, aber er war definitiv tot. Ein Giftzahn, um Gottes willen! Ich dachte, die wären in den Sechzigern aus der Mode gekommen! Ein Mann hatte sich gerade vor mir umgebracht, und ich hatte keine Ahnung, warum. Ich weiß nicht, was er glaubte, dass ich ihn fragen könnte. Der Gottlose fleucht, und niemand jagt ihn, und dergleichen.

Dann kam mir in den Sinn, dass viele Leute sich richtig darüber aufregen würden, dass so eine wertvolle Ressource wie der Karma-Katechet meinetwegen tot war. Vielleicht würde ich diesen speziellen Zwischenfall in meinem Missionsbericht lieber doch nicht erwähnen.

Ich horchte sorgfältig an der Tür: Die Sirenen heulten sich noch immer die elektronischen Herzchen aus dem Leib, aber die wütenden Schritte schienen sich entfernt zu haben. Sachte öffnete ich die Tür und schlüpfte auf den Korridor hinaus. Weitere Gewehre stießen aus den Wänden und eröffneten augenblicklich das Feuer, als sie sahen, dass sich die Tür bewegte. Ich sprintete durch den Gang, wobei meine Rüstung mir übernatürliche Geschwindigkeit verlieh, und rannte lachend durch die Kugeln, als ob sie nichts als Regentropfen wären.

Ich erreichte das Ende des Korridors, sprang die Treppe zum nächsten Stockwerk hinunter und segelte in einem Satz von der obersten bis zur untersten Stufe durch die Luft. Meine gepanzerten Beine beugten sich bei der Landung, um den Aufprall zu absorbieren, und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Manchmal ist meine Arbeit so verdammt cool! Ich spurtete durch den nächsten Korridor und bewegte mich mittlerweile so schnell, dass den Gewehren in den Wänden keine Zeit zu reagieren blieb. Ich kam am Ende an – und dann vor der obersten Stufe der nächsten Treppe rutschend zum Stillstand: Eine ganze Kompanie schwer bewaffneter und gepanzerter Wachmänner war bereits auf halber Höhe der Treppe. Ich machte kehrt und rannte den Weg zurück, den ich gekommen war. Ich hätte mich durch sie durchkämpfen können. Sie hätten nicht gewusst, was sie traf, bis es zu spät gewesen wäre. Ich hätte sie alle töten können, ohne dass mir der Schweiß ausbräche, aber so etwas mache ich nicht. Ich bin ein Agent, kein Mörder. Diese Wachen waren nicht die wirklich bösen Typen hier, sondern nur bezahlte Hilfskräfte. Wahrscheinlich wussten sie nicht einmal, was vor sich ging, oben auf den gesperrten Stockwerken. Wahrscheinlich dachten sie, Saint Baphomet sei nur eine weitere Klinik für reiche Exzentriker.

Ich tötete, wenn ich musste. Aber meist musste ich nicht. Also tat ich es nicht.

Ich fand die Aufzüge, brach die protestierenden Türen mit meinen gepanzerten Händen auf und sprang den leeren Schacht hinunter. Ich ließ mich fallen und hielt dabei mit einer goldenen Hand das Stahlkabel fest gepackt, um meinen Absprung zu steuern. Fette Funken vom Kabel erfüllten die Dunkelheit des Schachts wie Feuerwerk. Mit einem höllischen Krach traf ich auf dem Boden des Schachts auf, doch ich spürte rein gar nichts. Wieder stemmte ich die Aufzugstüren auf, trat hinaus in die Eingangshalle … und da war Saint Baphomets Sicherheitschef und erwartete mich. Ich hatte gehofft, ich würde ihm nicht über den Weg laufen, seit ich seinen Namen in den Missionsinstruktionen gelesen hatte. Wir hatten Vergangenheit.

Ich gestattete mir ein paar Flüche. Keinen davon laut, versteht sich; das hätte als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden können, und Droods waren niemals schwach. Alles eine Frage der Haltung, wissen Sie noch?

Also entspannte ich mich ostentativ und nickte dem Sicherheitschef lässig zu. Ich wusste, wer er war, wer er sein musste, auch wenn sein Gesicht und sein Körper mir neu waren. Dies war mein alter Widersacher Archie Leech, der einen neuen Körper einlief, groß und muskulös und vollgepackt mit Waffen. Ich erkannte ihn nur an dem kandarianischen Amulett, das um seinen Hals hing: ein hässlicher Klumpen geschnitzten Steins, Relikt einer Rasse, die vor Jahrtausenden ausgelöscht worden war, und das auch ganz zu Recht. Er erlaubte Archie, seine Seele nach Belieben von einem Körper zum nächsten springen zu lassen. Es ging das Gerücht, dass er ständig ein Dutzend oder so in scheintotem Zustand auf Reserve hatte, nur für den Fall, dass der, den er gerade trug, zu viel Schaden davontrug, um weitermachen zu können.

Archie war ein Körperdieb, ein Serienseelenschänder, und es war ihm völlig schnuppe, was aus den Körpern wurde, wenn er sie wieder aufgab. Ich hatte in der Vergangenheit versucht, einige davon zu retten, aber es war nicht immer möglich gewesen. Ich hatte Archie früher schon getötet, wenn ich es unbedingt musste, aber er war nie tot geblieben. Ich weiß nicht, wie er ursprünglich einmal ausgesehen hatte. Es war ohne Weiteres möglich, dass nicht einmal er selbst sich noch daran erinnern konnte, nach so vielen Gesichtern. Er blickte mich finster an, denn dank seines verfluchten Amuletts konnte er mich deutlich sehen. Drei Mal in einer Nacht … ich fing an, mir ein kleines bisschen auffällig vorzukommen.

„Dieser Ort ist tabu für jedermann“, sagte Archie mit ausdrucksloser Stimme. „Sogar für die superklugen Droods.“

Ich musste hinter meiner goldenen Maske lächeln. „Nichts ist tabu für uns, Archie. Das weißt du doch.“

„Was willst du hier, Drood? Sind nicht mal mehr Kliniken vor dir und deinesgleichen sicher?“

„Das aus deinem Mund zu hören, ist ja köstlich, Archie! Wann hat es dich je interessiert, ob du Unschuldige in Gefahr bringst? Droods gehen hin, wo wir hingehen müssen, um zu tun, was wir tun müssen. Hast dir ein neues Aussehen zugelegt, was, Archie? Machst einen auf groß und brutal und Anabolikamissbrauch. Normalerweise hast du sie doch gern jünger – und hübscher.“

Er zuckte die Achseln. „Ist ein bisschen lang im Arm, aber gut für schweres Heben, und in letzter Zeit haben sie sich so schnell abgetragen.“

Ich trat einen bedächtigen Schritt nach vorn. Er rührte sich nicht vom Fleck. „Tritt zur Seite, Archie!“, sagte ich. „Mein Auftrag ist ausgeführt. Ist nicht nötig, dass das hier hässlich wird.“

„Du machst dir Gedanken um die Körper, die ich trage“, sagte er und grinste mit seinem gestohlenen Mund. „Das war schon immer deine Schwäche.“

„Tritt zur Seite!“, wiederholte ich. „Oder ich werde dich angreifen.“

„Nicht die geringste Chance. Ich wollte schon immer mal einen Drood kaltmachen.“

Er eröffnete das Feuer mit einer Maschinenpistole und bespritzte mich mit Kugeln. Sie prallten von meinem gepanzerten Gesicht und Brustkorb ab, und ich ging mitten in den Kugelregen hinein und schlug ihm die Waffe aus der Hand. Er hieb mit einem leuchtenden Messer nach mir, aber auch die Zaubersprüche, mit denen die Schneide verzaubert war, reichten nicht aus, um mehr als einen Funkenschauer hervorzurufen, als die Klinge über meine Kehle glitt. Ich griff nach dem Amulett um Archies Hals, aber im letzten Moment rutschte meine Hand zur Seite. Das Amulett hatte ernst zu nehmende Schutzzauber.

Archie schlug mir an den Kopf, und hinter dem Schlag steckte die ganze Kraft seines Körpers. Ich hörte die Knöchel brechen. Doch ich zuckte nicht einmal zusammen, sondern packte ihn an den Schultern und schleuderte ihn an die nächste Wand. Er knallte so hart dagegen, dass ihm schlagartig die Luft weg blieb und der Verputz Risse bekam. Ich schickte mich an, an ihm vorbeizugehen, in der Hoffnung, dass es vorüber wäre, doch er stand schwankend wieder auf, womit er die Reserven seines Körpers gefährlich beanspruchte, und hielt eine Handvoll Plastiksprengstoff hoch. Er klatschte ihn gegen meine gepanzerte Brust, wo das Zeug hängenblieb. Archie lachte heiser, als ich versuchte, das klebrige Zeug abzuziehen, aber es gelang mir nicht. Archie hielt den Sprengzünder vor mir hoch und schwenkte ihn höhnisch.

An meiner Brust hing genug Sprengstoff, um den größten Teil dieses Stockwerks in die Luft zu jagen. Meine Rüstung würde es aushalten … aber der Detonationsradius würde sicher beinah die halbe Untermauerung Saint Baphomets kosten und sämtliche oberen Stockwerke herunterkrachen lassen. Hunderte von Toten, vielleicht mehr, die meisten davon wahrscheinlich Unschuldige. Archie war das egal; er würde einfach in einen anderen Körper springen. Hunderte konnten draufgehen, solange er sich damit brüsten konnte, einen Drood getötet zu haben. Ihm war es egal. Mir nicht.

Ich packte Archie noch einmal an den Schultern und zog ihn zu mir heran, knallte seine Brust gegen meine und zerquetschte den Plastiksprengstoff zwischen uns. Er wehrte sich heftig, aber ich hielt ihn mühelos mit einem goldenen Arm fest. Er schrie in kleinlicher Wut auf, als ihm aufging, was ich vorhatte, und dann schloss sich meine freie Hand über seiner und aktivierte den Sprengzünder.

Meine Maske verdunkelte sich kurz, um meine Augen und meine Ohren vor der grellen Explosion und der Druckwelle zu schützen, und als ich wieder sehen und hören konnte, war ich von Rauch und Trümmern und kleinen blutigen Klumpen dessen umgeben, was Archie Leechs gestohlener Körper gewesen war. Meine Rüstung und sein Körper hatten den größten Teil der Explosion absorbiert, und die Wände um mich herum sahen vernarbt, aber immer noch stabil aus. Das Hospital würde stehen bleiben. Archie war natürlich hin; seine Seele wehte zu seinem nächsten Schlupfloch, zusammen mit dem Amulett. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass ich sie beide wiedersehen würde, eines Tages.

Noch einmal erscholl das Geräusch einer verdammten Menge rennender Füße, die sich schnell von oben näherten. Die Sicherheitskräfte hier waren extrem beharrlich, das musste man ihnen lassen. Ich nahm die tragbare Tür aus meiner Tasche und klatschte sie auf den Boden, wo sie augenblicklich zu einer netten neuen Falltür wurde. Ich öffnete sie, ließ mich bis ins Kellergeschoss durchfallen und zog dann die tragbare Tür von dem ab, was jetzt meine Decke war. Sollten sie ruhig die Trümmer nach meiner Leiche durchwühlen, während ich gelassen die Hintertreppe hochstieg und direkt an ihnen vorbei zum nächsten Ausgang ging.

Dieser erwies sich als die Hintertür, und ich schlüpfte geräuschlos auf den Platz dahinter hinaus, wo Dr. Dees Hund aus der Hölle mir auflauerte. Der Lärm und das Getümmel im Haus nebenan hatten offensichtlich seine Aufmerksamkeit erregt. Er knurrte stetig, wie lang anhaltendes Donnergrollen, nah und bedrohlich, und sein gewaltiger Rachen öffnete sich und entblößte dabei mehr Zähne, als schlechterdings möglich schien. Er funkelte die Tür an, die sich gerade vor ihm geöffnet hatte, konnte mich aber nach wie vor nicht sehen oder hören oder riechen … Also hielt ich die Tür auf und ließ den Dämonenhund geradewegs an mir vorbei- und weiter ins Hospital hineinstürmen. Wo zweifelsohne den Sicherheitskräften etwas einfallen würde, um ihn zu beschäftigen. Ich tue mein Möglichstes, aber manchmal bin ich wirklich keine sehr nette Person. Leise schloss ich die Tür hinter dem Dämonenhund und schlenderte fort.

Ich schaltete meine Rüstung aus, und im Nu war sie wieder nur ein goldenes Band um meinen Hals. Und ich war wieder nur ein Mann mit den Grenzen eines Mannes. Manchmal ist das eine Erleichterung. Ich verließ die Seitengasse und trat ohne Eile auf die Harley Street hinaus. Die gleichen Leute gingen auf und ab, ohne eine Vorstellung davon, dass hinter ihren Rücken gerade die gesamte Weltgeschichte verändert worden war. Keiner von ihnen schenkte mir Beachtung. Ich war wieder mein altes, anonymes Ich. Niemand sieht je das Gesicht eines Droods, nur ab und zu die goldene Rüstung. Es reicht, dass die Welt beschützt wird; sie müssen nicht noch wissen, von wem.

Wahrscheinlich wären sie mit einigen unserer Methoden nicht einverstanden gewesen.

3

Abhängen im Wolfskopf

Ich verschwand in der U-Bahn, mischte mich unter die Menge und nahm die nächste Bahn zum Bahnhof Tottenham Court Road. Ich gesellte mich zu dem Heer von Leuten, die geschäftig die Oxford Street auf und ab eilten, bloß ein weiteres Gesicht unter vielen, und sah mir Schaufensterauslagen an, bis ich sicher war, dass mir niemand gefolgt war. Wenn man nämlich für die Drood-Familie arbeitet, ist der Rest der Welt normalerweise darauf aus, einen zu erwischen. Ich ging hinunter nach Soho. Die Stadt hat das, was einmal der letzte wirklich wilde Teil Londons war, luxussaniert, aber man kann immer noch Sünde, Geheimnisse und Anrüchigkeit in Hülle und Fülle dort finden, wenn man weiß, wo man suchen muss.

Ein kleines bisschen abseits, in einer Seitenstraße, in die sich nie ein Sonnenstrahl verirrt, liegt mein ausgesprochenes Lieblings-Internetcafé. Es ist ein Teil der Electronic-Village-Kette, aber ich mag es, weil es rund um die Uhr geöffnet hat, was Nachtschwärmern wie mir entgegenkommt. Das einzige Fenster in der Ladenfront ist mit Farbe übertüncht, und die Leuchtreklame über der Tür funktioniert schon seit Jahren nicht mehr. Die Leute, die hierherkommen, schätzen die Abgeschiedenheit, während sie merkwürdige, illegale und möglicherweise unnatürliche Sachen mit ihren Computern machen. Ich betrat das Café und blieb im Eingang stehen, damit meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen konnten. Es gab Stühle und Tische und Computer und sonst rein gar nichts. Den überraschend großen Raum umgab ein Flair stiller Ehrfurcht, nicht unähnlich dem einer Kirche. Die Gäste saßen zusammengekauert über ihren leuchtenden Bildschirmen und hatten für diejenigen um sie herum weder Augen noch Ohren. Die einzigen Geräusche im Raum stammten vom schnellen Tippen auf Tasten und dem leisen Piepsen der Geräte.

Der Geschäftsführer des Cafés kam auf mich zu, um mich zu begrüßen. Willy Fleagal war von der hoch aufgeschossenen, schlaksigen Sorte, mit Bifokalbrille, hoher Stirn und Pferdeschwanz; er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift Informationen wollen frei sein™. Er bedachte mich mit einem breiten Lächeln und einem schlaffen Händedruck. Er kannte mich als Stammkunden mit besonderen Vorrechten, die mir von den Eigentümern der Kette zugesichert worden waren, aber das war auch schon alles, was er wusste. Ich hatte hie und da eine Bemerkung fallen lassen, der er entnehmen konnte, dass ich womöglich ein Enthüllungsjournalist war, der hinter den bösen Jungs in den Konzernen her war, und das gefiel ihm gut.

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