Der neue Landdoktor 51 – Arztroman - Tessa Hofreiter - E-Book

Der neue Landdoktor 51 – Arztroman E-Book

Tessa Hofreiter

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Beschreibung

"Der neue Landdoktor" zeichnet sich gegenüber dem Vorgänger durch ein völlig neues Konzept aus. Es wird noch größerer Wert auf Romantik, Spannung und sich weiterdichtende, zum Leben erwachende Romanfiguren, Charaktere und Typen gelegt. Eines darf verraten werden: Betörend schöne Frauen machen dem attraktiven Landdoktor schon bald den Hof. Und eine wirkliche Romanze beginnt... "Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?" Sebastian hatte mitten auf dem sandigen Feldweg angehalten, auf den sie vor ein paar Minuten eingebogen waren. Nirgendwo war das Landhaus zu sehen, das Lena ihnen beschrieben hatte. "Was sagt denn das GPS?", fragte Anna, die auf dem Beifahrersitz des dunkelblauen Geländewagens saß. "Es sagt, dass wir unser Ziel erreicht haben", antwortete Sebastian, während er aus dem geöffneten Seitenfenster schaute. Sie waren inmitten einer hügligen Landschaft. Der Weg schlängelte sich vorbei an hoch gewachsenen Weizenfeldern, die durch saftige Wiesen und Akazienhaine voneinander getrennt waren. Jetzt um die Mittagszeit standen die Felder in der prallen Sonne und schienen sich bis zum blauen Horizont hin auszubreiten. "Dass das Haus so weit außerhalb von Wien liegt, war mir gar nicht bewusst." Anna beugte sich zur Seite und schaute auf die Karte, die auf dem Display des GPS-Gerätes abgebildet war. Kein Zweifel, sie waren an ihrem Ziel angekommen, auch wenn sie es nicht sehen konnten. "Irgendwo hier muss das Haus sein. Warte, ich sehe mal nach." Sie stieg aus dem Auto und lief zu dem Akazienhain, der direkt vor ihnen lag und vor dem der Weg endete.

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Der neue Landdoktor – 51–

Es wäre eine Zumutung!

Aus Rücksicht will Oskar auf sein Glück verzichten

Tessa Hofreiter

»Bist du sicher, dass wir hier richtig sind?« Sebastian hatte mitten auf dem sandigen Feldweg angehalten, auf den sie vor ein paar Minuten eingebogen waren. Nirgendwo war das Landhaus zu sehen, das Lena ihnen beschrieben hatte.

»Was sagt denn das GPS?«, fragte Anna, die auf dem Beifahrersitz des dunkelblauen Geländewagens saß.

»Es sagt, dass wir unser Ziel erreicht haben«, antwortete Sebastian, während er aus dem geöffneten Seitenfenster schaute.

Sie waren inmitten einer hügligen Landschaft. Der Weg schlängelte sich vorbei an hoch gewachsenen Weizenfeldern, die durch saftige Wiesen und Akazienhaine voneinander getrennt waren. Jetzt um die Mittagszeit standen die Felder in der prallen Sonne und schienen sich bis zum blauen Horizont hin auszubreiten.

»Dass das Haus so weit außerhalb von Wien liegt, war mir gar nicht bewusst.« Anna beugte sich zur Seite und schaute auf die Karte, die auf dem Display des GPS-Gerätes abgebildet war. Kein Zweifel, sie waren an ihrem Ziel angekommen, auch wenn sie es nicht sehen konnten. »Irgendwo hier muss das Haus sein. Warte, ich sehe mal nach.« Sie stieg aus dem Auto und lief zu dem Akazienhain, der direkt vor ihnen lag und vor dem der Weg endete.

»Ich habe das Haus gefunden!«, rief sie gleich darauf.

Sebastian spürte, wie ihm ganz warm ums Herz wurde, als Anna sich ihm zuwandte. Sie trug eine fliederfarbene Jeans und eine taillierte rote Bluse mit kurzen Ärmeln. Ihr seidiges dunkles Haar hatte sie zu einem dicken Zopf geflochten. Wir werden drei wundervolle Tage zusammen verbringen, dachte er, als sie lächelte und ihn mit ihren strahlenden grünen Augen anschaute.

»Wir müssen ein Stück über die Wiese fahren und am Ende des Akazienwäldchen nach rechts abbiegen«, sagte Anna, als sie wieder zu ihm ins Auto stieg.

»Einfach über die Wiese?«, wunderte sich Sebastian.

»Keine Sorge, da ist ein Weg, den kann man nur von hier aus nicht sehen. Fahr einfach weiter. Oder vertraust du mir nicht?«

»Doch, ich vertraue dir, das weißt du.«

»Gut, dann fahren wir«, sagte sie und betrachtete ihn mit einem liebevollen Lächeln. Es war das erste Mal, dass sie mehrere Tage mit ihm verreiste. Sie gingen hin und wieder ins Theater nach München oder in ein Museum, aber sie waren noch nie über Nacht zusammen fort gewesen.

»Hier entlang?«, fragte Sebastian.

»Ja, genau hier«, sagte sie und beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken, was alles in den nächsten Tagen passieren könnte.

»Viel benutzt wird dieser Weg aber nicht«, stellte Sebastian fest, weil die Fahrspur nur durch das zusammengedrückte Gras auszumachen war.

»Leni ist nur an ihren freien Tagen hier draußen. Sie hat ihre Wohnung in der Stadt behalten. Der tägliche Weg in die Klinik wäre ihr einfach zu weit. Erst recht, wenn sie außerplanmäßig zu einem Notfall gerufen würde. Hebammen sind auch an ihrer Klinik knapp bemessen. Nach rechts abbiegen«, bat Anna, als Sebastian das Ende des Akazienwäldchens erreichte.

»Ich bin beeindruckt«, sagte Sebastian, als sie nun wieder einen sandigen Weg vor sich hatten, der zu einem schönen alten Bauernhaus führte.

Es war in L-Form gebaut, hatte einen gelben Verputz und war von einem verwilderten Garten umgeben. Kleine Apfelbäume mit roten Früchten standen an beiden Seiten des Weges.

»Leni hat nie damit gerechnet, dass ihre Großtante ihr das Haus vererben wird. Alle in der Familie waren davon ausgegangen, dass sie es dem örtlichen Tierheim vermachen würde. Sie hatte wohl in den letzten Jahren mehr Vertrauen in Tiere als in Menschen.«

»Leni hat sie aber offensichtlich gern gehabt.«

»Vielleicht, weil sie die einzige in der Familie war, die mit ihrer kratzbürstigen Art zurechtkam. Die Wiesen gehören jetzt übrigens auch Leni. Sie hat die Tradition ihrer Tante beibehalten. Jeder, der möchte, kann sich das Obst von den Bäumen holen. Im Herbst dürfte einiges hier los sein.«

»Dann war die Tante doch ein Menschenfreund. Sie hätte das Obst auch verkaufen können.«

»Wir wissen doch, dass jeder seine Geheimnisse hat«, entgegnete Anna lächelnd.

»Geheimnisse, die wir manchmal gern aufdecken möchten.«

»Ja, davon träumen wir«, sagte Anna. Ich wünschte, ich könnte wenigstens ein paar deiner Geheimnisse aufdecken, dachte sie und sah in seine Augen, diese wundervollen hellgrauen Augen, die sie immer wieder aufs Neue ins Träumen versetzten.

»Da ist Leni«, sagte Sebastian, als er die junge Frau in dem hellroten Dirndl sah, die durch den Laubengang lief, der die Haustür mit dem Gartentor verband. Sie hatte Anna vor einiger Zeit in Bergmoosbach besucht, und Anna hatte sie ihm vorgestellt. Da er in den nächsten Tagen so viel Zeit wie möglich mit Anna verbringen wollte, hatte er nicht gezögert, Lenis Einladung, dass sie beide bei ihr übernachten sollten, anzunehmen.

»Hier kannst du parken, Sebastian!«, rief Leni und deutete auf den freien Platz vor der Garage neben dem Haus.

»Mache ich!« antwortete er und steuerte seinen Wagen auf das Grundstück.

»Hattet ihr eine gute Fahrt?«, fragte Leni, nachdem ihre Gäste ausgestiegen waren und sie beide herzlich umarmt hatte.

»Es war eine entspannte Reise. Das Wetter war super, und wir sind in keinen Stau geraten«, antwortete Anna.

»Ich gratuliere dir zu diesem schönen Anwesen«, sagte Sebastian.

»Danke, ich habe es auch schon richtig liebgewonnen.«

»Es liegt ganz schön abseits. Nachbarn hast du wohl keine?«, fragte Anna.

»Doch, hinter dem nächsten Wäldchen etwa einen Kilometer entfernt stehen zwei Bauernhäuser. Die Leute dort sind sehr nett.«

»Ein Kilometer? Das ist nicht gerade nebenan.«

»Hier schon. Aber meistens bin ich ohnehin nicht allein hier«, entgegnete Leni mit einem verträumten Lächeln.

»Mit wem bist du denn hier?«, fragte Anna, als Leni plötzlich ganz verlegen wurde und mit den Spitzen ihres dunkelblonden schulterlangen Haares spielte.

»Ihr werdet ihn morgen kennenlernen«, sagte sie, und als sie Anna anschaute, lag ein tiefer Glanz auf ihren hellbraunen Augen.

»Mach es nicht so spannend. Wen werden wir kennenlernen?«, fragte Anna.

»Ich war vor einigen Wochen mit einer Kollegin in einem hübschen Weinlokal. Es gehört Oskar, und in ihn habe ich mich verliebt«, gestand sie den beiden. »Für morgen Abend habe ich uns in seinem Lokal einen Tisch reservieren lassen. Ich hoffe, ihr seid damit einverstanden.«

»Aber ja, wir freuen uns darauf, Oskar zu treffen.«

»Auf jeden Fall wollen wir ihn kennenlernen«, schloss sich Sebastian Anna an.

»Er ist auch schon sehr gespannt auf euch. Und jetzt kommt rein«, bat Leni.

Zuerst zeigte sie ihren Gästen das Haus, führte sie durch das Erdgeschoss mit dem großen Wohnzimmer, in dem ein blauer Kachelofen und zwei blaue Samtsofas standen. Danach ging es in die Küche mit ihren schon recht betagten Möbeln aus Buchenholz. Dort duftete es nach frischen Erdbeeren und Kaffee. Nach einem kurzen Blick in das Bad und das Arbeitszimmer neben der Küche ging es hinauf in den ersten Stock. Dort gab es vier helle Schlafzimmer und ein frisch renoviertes Bad.

»Ich schlafe dort«, sagte Leni und deutete auf dir Tür gleich neben der alten Holztreppe. »Die beiden Zimmer in der Mitte des Gangs habe ich für euch hergerichtet. Macht unter euch aus, wer wo schläft. Ich bin im Garten«, sagte sie und lief die Treppe hinunter.

»Ist es für dich in Ordnung, wenn ich hier schlafe?« Anna streifte Sebastian nur mit einem kurzen Blick, nachdem sie beide Zimmertüren geöffnet hatten. Das mit dem hellblauen Bett und dem mit Malvenblüten bemalten Bauernschrank lag an der Seite zum Garten und der Duft wilder Rosen zog durch das geöffnete Fenster herein. Das andere Zimmer mit seinem weißen Polsterbett und den Möbel aus Kirschbaumholz war weniger verspielt und passte besser zu Sebastian, wie Anna fand.

»Ich hole unser Gepäck aus dem Auto. Du kannst ruhig schon zu Leni in den Garten gehen«, schlug er ihr vor, nachdem sie die Zimmertüren wieder geschlossen hatten und sich in dem Gang mit seinen knarrenden Holzdielen gegenüberstanden.

»Danke«, sagte Anna. Ihr Herz setzte einen Schlag lang aus, als sie nebeneinander die Treppe hinuntergingen und sie mit ihrer Hand versehentlich seine Hüfte streifte. In diesem Moment wagte sie es nicht, ihn anzusehen. Er erschien ihr auf einmal seltsam fremd und unnahbar, aber gerade dieses Gefühl raubte ihr fast den Atem.

Ein weißer Kiesweg gesäumt von bunten Kübeln mit Oleander und Olivenbäumchen führte zu der Sitzgruppe im Garten. Der schöne alte Holztisch und die vier Stühle mit ihren bequemen Polstern standen in einem mit Efeu und gelben Rosen berankten Pavillon. Es war ein ruhiger Ort inmitten der Hecken, Büsche und Blumen in ihren schillernden Farben.

»Dein Garten ist ein Festival für die Augen«, stellte Anna fest, als sie sich zu Leni an den hübsch gedeckten Tisch setzte.

»Deshalb wird er auch nicht dem Rasenmäher zum Opfer fallen. Das, was wächst, wird gehegt und gepflegt, aber keiner Norm unterworfen.«

»Mit Normen können wir auch nicht gut umgehen, sonst hätten wir einen anderen Beruf.«

»Jede Geburt ist anders und jedes Kind ist einzigartig«, sprach Leni aus, was Anna nur angedeutet hatte.

»Es gibt noch mehr Einzigartiges«, sagte Anna leise und betrachtete das weiße Kaffeegeschirr mit dem winzigen Blümchenmuster, das vor ihr auf dem Tisch stand.

»Damit meinst du nicht mein Geschirr«, stellte Leni lächelnd fest. »Deine Gefühle für Sebastian sind nicht weniger geworden, das ist mir klar. Mach dir keine Gedanken über das, was sein könnte, gib dich dem hin, was ist.« Leni streichelte über Annas Hand und sah sie aufmunternd an.

»Er gehört schon so sehr zu meinem Leben, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, wie ich ohne ihn leben könnte. Aber ich bin nicht Helene. Ich kann und will nicht mit ihr konkurrieren.«

»Seine Frau ist jetzt fast zwei Jahre tot, irgendwann wird er den Lebenden den Vorzug geben.«

»Ich will sie nicht verdrängen.«

»Ich weiß, und er wird sich auch immer an sie erinnern. Das bedeutet aber nicht, dass er eine andere Frau nicht mehr auf diese Weise lieben könnte.«

»Ich hoffe, du hast recht«, sagte Anna, als Sebastian in diesem Moment zu ihnen kam. Es gefiel ihr, wie er sich bewegte und wie er sich beim Gehen durch sein dunkles Haar strich. Sie liebte seine sanfte Stimme, den klaren Duft seiner Haut, und er brachte sie beinahe um den Verstand, wenn er sie mit seinen hellen grauen Augen ansah.

»Ich habe deine Reisetasche in dein Zimmer gestellt.«

»Danke«, antwortete sie und wich seinem Blick aus, als er sich auf den Stuhl neben sie setzte. Sie wollte nicht, dass er ihre Gedanken erriet.

»Ich hoffe, euch schmeckt mein Erdbeerkuchen mit Sahne. Ich habe extra fette geschlagen, weil das die einzige ist, die wirklich schmeckt.« Leni hatte die Unterhaltung übernommen, um das Schweigen, das plötzlich zwischen Anna und Sebastian herrschte, zu überbrücken.

»Leni, du hast dich selbst übertroffen«, lobte Anna die Freundin, nachdem sie den dick mit Erdbeeren belegten Kuchen und die köstliche Sahne versucht hatte.

»Mit diesem Kuchen würdest du Traudel ins Schwärmen bringen«, sagte Sebastian, der sich auch eine ordentliche Portion Sahne genommen hatten.

»Das ist ein großes Kompliment. Euer Hausjuwel ist sicher nicht leicht zu überzeugen.« Leni mochte Traudel, die sich um den Haushalt der Seefelds kümmerte und seit Sebastians Geburt zur Familie gehörte, wirklich sehr gern.

»Sie ist durchaus in der Lage, die Kunst eines anderen anzuerkennen«, versicherte ihr Sebastian.

»Sie weiß, was sie kann, und muss deshalb auf niemanden neidisch sein. Sie ist eine liebenswerte Person.«

»Apropos liebenswert. Willst du uns nicht noch ein bisschen mehr von Oskar erzählen?«, fragte Anna mit einem verschmitzten Lächeln.

»Ich kann nur sagen, dass ich ihn liebe und dass er für mich der wundervollste Mann auf der Welt ist. Außerdem ist er der beste Koch, der mir je begegnet ist, und sein Weinlokal ist das romantischste in ganz Wien.«

»Der Mann hat dich zweifellos von sich überzeugt.«

»Sieht so aus«, antwortete Leni lachend. »Noch Kaffee?«, fragte sie, und als Anna und Sebastian nickten, füllte sie ihre Tassen wieder auf.

Sie saßen noch eine ganze Weile im Garten und ließen sich die Erdbeertorte schmecken, während Lena von Wien und all den Orten schwärmte, die Anna und Sebastian unbedingt zusammen besuchen sollten.

»Wir werden erst einmal sehen, wie viele Vorträge wir besuchen«, erinnerte Anna Leni daran, dass sie eigentlich wegen des Ärztekongresses in Wien waren, an dem Sebastian teilnehmen wollte, und für den sie als seine Begleitung angegeben hatte.

»Ihr solltet euch trotzdem ein bisschen Freizeit gönnen. Für euren letzten Abend haben Oskar und ich uns auch etwas ganz Besonderes ausgedacht«, erklärte sie mit einem Augenzwinkern.

»Was habt ihr euch denn ausgedacht?«, wollte Anna wissen.

»Das verrate ich nicht, weil wir euch mit dieser Idee überraschen wollen.«

»Du gibst uns nicht den kleinsten Hinweis?«

»Wie gesagt, es ist eine Überraschung.«

»Dann werden wir uns wohl gedulden müssen«, seufzte Anna.

Nach dem Kaffee stellte Leni ihren Gästen Fahrräder zur Verfügung und zeigte ihnen die nähere Umgebung. Es ging über Wiesen und Felder vorbei an den beiden Bauernhöfen in der Nachbarschaft, zwei großen Gehöften, die sich gegenüberlagen. Danach fuhren sie zu einem kleinen See, der von wilden Büschen umgeben auf der Lichtung eines Tannenwäldchens lag. Sie saßen eine Weile im Gras, und dann ging es wieder zurück nach Hause.

Leni stellte den Nudelauflauf in den Ofen, den sie schon am Vormittag für das Abendessen vorbereitet hatte, und sie blieben in der Küche, bis er fertig war. Schließlich gingen sie wieder in den Garten, machten es sich im Pavillon gemütlich, und Leni öffnete eine Flasche Weißwein, die Oskar ihr mitgegeben hatte.

»So einen Himmel bekommt man nur fernab der Stadt zu sehen. Bedauerlich für alle, die in der Stadt leben«, sagte Anna, als es dunkel wurde und die Sterne sich zeigten, einer nach dem anderen, so als hätte jemand draußen im All die Beleuchtung eingeschaltet.

»So spektakulär wie in Bergmoosbach ist es hier nicht. Die Milchstraße ist nicht überall so gut zu sehen wie bei euch.«

»Das bedeutet wohl, dass Bergmoosbach ein ganz besonderer Ort ist«, sagte Anna und streifte Sebastian mit einem kurzen Blick.

»Zum Kongresszentrum werdet ihr etwa eine halbe Stunde unterwegs sein. Für den morgendlichen Stau müsst ihr etwa zwanzig Minuten einplanen«, klärte Leni die beiden auf, als sie sich kurz vor eins eine gute Nacht wünschten. »Ich werde morgen früh leider nicht hier sein, wenn ihr aufsteht. Ich habe Oskar versprochen, mit ihm in den Großmarkt zum Einkaufen zu fahren. Ihr findet alles, was ihr für das Frühstück braucht, in der Küche. Wir treffen uns dann gegen sieben bei Oskar. Damit ihr uns auch findet«, sagte sie und drückte Anna eine Visitenkarte in die Hand.

»Wir helfen dir.« Anna wollte die Freundin nicht mit dem Geschirr in der Küche allein lassen, das sie gerade zusammen aus dem Garten hereingetragen hatten.

»Nein, geht ruhig schlafen. Ich räume nur den Geschirrspüler ein und gehe dann auch ins Bett. Ich wünsche euch schöne Träume«, sagt Leni. Sie passen so wunderbar zusammen, dachte sie, als sie den beiden nachschaute, wie sie die Treppe in den ersten Stock hinaufgingen.

Gleich darauf wünschten sich Anna und Sebastian oben auf dem Gang vor ihren Zimmern eine gute Nacht und versicherten sich gegenseitig, dass sie den Wecker ihres Handys stellen würden, um nicht zu verschlafen.

*

Am nächsten Morgen war Anna schon wach, als ihr Handy läutete. Sebastian würde sicher auch gleich aufstehen, deshalb überließ sie ihm das Bad im ersten Stock und ging ins Erdgeschoss hinunter, um sich dort in dem kleinen Bad in aller Ruhe zu duschen und anzuziehen.

Für den ersten Tag im Kongresszentrum hatte sie sich für ein leicht ausgestelltes knielanges Kleid entschieden. Es war schwarz mit winzigen weißen Pünktchen. Darüber konnte sie den kurzen weißen Blazer tragen, und ihre schwarzen Wildlederballerinas passten auch hervorragend dazu. Sie wollte gemeinsam mit Sebastian einige Vorträge besuchen und wollte nicht nur elegant, sondern auch bequem angezogen sein.

Gegen halb acht stand sie in der Küche und kochte Kaffee. Als sie zehn Minuten später noch immer nichts von Sebastian hörte, beschloss sie, hinaufzugehen, um nach ihm zu sehen. Sie mussten spätestens um halb neun aufbrechen, wenn sie nicht zu spät zu ihrem ersten Vortrag kommen wollten.