Der neue Sonnenwinkel 39 – Familienroman - Michaela Dornberg - E-Book

Der neue Sonnenwinkel 39 – Familienroman E-Book

Michaela Dornberg

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Beschreibung

Vor Robertas Haustür liegt ein neugeborenes Mädchen, Adrienne. Roberta und Alma sind vollkommen aus dem Häuschen, aber auch überfordert. Da erweisen sich Inge Auerbach und Teresa von Roth als sehr hilfreiche Engel. Bea und Alex befinden sich auf einem sehr guten Weg. Er zerstreut mehr und mehr ihre Zweifel, keine neue Bindung eingehen zu dürfen, solange die alte formal noch nicht beendet, wenn auch endgültig gescheitert ist. Bea ist jetzt tatsächlich glücklich mit Alex. Plötzlich ruft Horst an mit einer erstaunlichen Neuigkeit. Er drängt auf ein schnelles Ende ihrer Ehe. Horst ist sogar bereit, sehr viel Geld dafür zu zahlen. Eine halbe Million! Inge und Werner frühstücken gemeinsam. Ihre Harmonie kennt keine Grenzen mehr. Werner ist bereit, sein altes Leben aufzugeben. Inge ist sprachlos vor Glück. Inge Auerbach musste sich erst einmal hinsetzen. Sie war überrascht und erfreut zugleich. Sie hätte mit allem gerechnet, damit nun wirklich nicht, und das machte sie für einen Augenblick sprachlos. Der Anrufer war ihr Sohn Hannes! Er hatte sich ganz locker gemeldet, als sei er gerade erst gestern zum letzten Mal daheim gewesen oder habe sich gemeldet. Er war ein wenig verwundert, dass seine Mutter so überhaupt nicht reagierte. Deswegen erkundigte er sich irritiert: "Mama, bist du noch da?" Inge riss sich zusammen. "Ja, ja, mein Junge. Ich muss mich nur erst einmal von meiner Überraschung erholen, ich hätte mit allem gerechnet, einem Anruf von dir nicht. Ist etwas passiert, Hannes?" Die letzte Frage hätte sie jetzt nicht stellen müssen. Doch das war so typisch für sie, gleich musste sie an das Schlimmste denken. Hannes kannte seine Mutter nur zu gut, und da wollte er nicht drauf eingehen, er zog alles ein wenig ins Lächerliche. "Ja, es ist was passiert, ich bin an meinem Ziel angekommen, und nun möchte ich nach Hause kommen. Nächsten Sonntag gegen Mittag werde ich daheim sein, wenn der Flieger keine Verspätung hat." Diese Ankündigung freute sie über alles, doch schon wieder war sie überrascht. So kannte sie Hannes nicht, eigentlich nicht nur er, keines ihrer Kinder meldete sich an. Sie kamen und waren einfach da. Natürlich freute sie sich wahnsinnig über seine Rückkehr, das sagte sie ihm auch.

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Der neue Sonnenwinkel – 39 –

Eine Romanze am See

Berthold kann die schöne Unbekannte nicht vergessen

Michaela Dornberg

Inge Auerbach musste sich erst einmal hinsetzen. Sie war überrascht und erfreut zugleich. Sie hätte mit allem gerechnet, damit nun wirklich nicht, und das machte sie für einen Augenblick sprachlos.

Der Anrufer war ihr Sohn Hannes!

Er hatte sich ganz locker gemeldet, als sei er gerade erst gestern zum letzten Mal daheim gewesen oder habe sich gemeldet. Er war ein wenig verwundert, dass seine Mutter so überhaupt nicht reagierte. Deswegen erkundigte er sich irritiert: »Mama, bist du noch da?«

Inge riss sich zusammen.

»Ja, ja, mein Junge. Ich muss mich nur erst einmal von meiner Überraschung erholen, ich hätte mit allem gerechnet, einem Anruf von dir nicht. Ist etwas passiert, Hannes?«

Die letzte Frage hätte sie jetzt nicht stellen müssen. Doch das war so typisch für sie, gleich musste sie an das Schlimmste denken.

Hannes kannte seine Mutter nur zu gut, und da wollte er nicht drauf eingehen, er zog alles ein wenig ins Lächerliche.

»Ja, es ist was passiert, ich bin an meinem Ziel angekommen, und nun möchte ich nach Hause kommen. Nächsten Sonntag gegen Mittag werde ich daheim sein, wenn der Flieger keine Verspätung hat.«

Diese Ankündigung freute sie über alles, doch schon wieder war sie überrascht. So kannte sie Hannes nicht, eigentlich nicht nur er, keines ihrer Kinder meldete sich an. Sie kamen und waren einfach da.

Natürlich freute sie sich wahnsinnig über seine Rückkehr, das sagte sie ihm auch. Dennoch konnte sie sich eine Frage nicht verkneifen: »Hannes, gibt es einen Grund dafür, dass du deine Rückkehr ankündigst? Entschuldige bitte die Frage, doch das hast du noch nie zuvor getan.«

»Ja, Mama, und das war einfach ungehörig. Auch wenn es mein Elternhaus ist, gilt es, gewisse Anstandsregeln einzuhalten. Ich habe viel nachgedacht, und es gehört sich nicht, wie wir alle über Hotel Mama verfügen, mit welcher Selbstverständlichkeit wir ein und aus gehen.«

Sie konnte dazu nichts sagen, sie wunderte sich nur.

Hannes lachte.

»Mama, ich kann mir dein Gesicht jetzt so richtig vorstellen. Doch es ist richtig, wenigstens Bescheid zu sagen. Ich fühle mich jetzt wohler. Und da ich dich nun schon mal an der Strippe habe: Darf ich einen Wunsch äußern?«

»Was immer du willst, mein Junge«, rief sie spontan.

»Dann wünsche ich mir deine leckeren Kohlrouladen mit Kartoffelpüree und zum Nachtisch Rote Grütze mit Vanillesauce.« Wenn es mehr nicht war.

»Sollst du haben, mein Junge. Ach, du weißt überhaupt nicht, wie glücklich ich bin, dich in ein paar Tagen wieder in meine Arme schließen zu können.«

Sie hätte am liebsten zugefügt, wie sehr er ihr gefehlt habe, doch das verkniff sie sich, zumal Hannes es plötzlich eilig hatte.

»Mama, ich muss Schluss machen. Ich sehe da gerade jemanden, mit dem ich unbedingt reden muss. Also bis Sonntag, ich freue mich auf die Familie, am meisten allerdings freue ich mich auf dich. Unterwegs ist mir erst einmal so richtig klar geworden, was für eine wundervolle Mutter du bist. Also bis dann.«

»Bis dann, mein Junge.«

Sie hätte gern noch etwas hinzugefügt, doch da war das Gespräch bereits beendet.

Hannes, um den sie sich solche Sorgen gemacht hatte, war wohlauf. Er würde nach Hause kommen. Und, ein Lächeln umspielte ihre Lippen, er hatte sich Kohlrouladen gewünscht, die mochte er schon immer gern. War er auf dem Jakobsweg zu einer Erkenntnis gekommen, wie es mit seinem Leben weitergehen würde?

Ihre Gedanken überschlugen sich. Sie saß einfach nur da, den Telefonhörer noch immer in ihrer Hand. Sie merkte nicht, dass sich die Haustür öffnete, dass jemand in den Raum kam. Es war ihre Mutter. Inge fand erst in die Gegenwart zurück, als die sagte: »Willst du jemanden anrufen, oder hast du vergessen, dass es für den Telefonhörer einen bestimmten Platz gibt?«

»Mama, Hannes hat angerufen, er wird endlich nach Hause kommen«, strahlte Inge, dann erzählte sie ihrer Mutter von dem Telefonat.

Teresa stellte gezielt ein paar Fragen, von denen Inge nicht eine beantworten konnte. Sie war emotional viel zu bewegt gewesen. Es hatte sie glücklich gemacht, die Stimme ihres Sohnes nach so langer Zeit wieder zu hören. Das hatte sie genossen, mehr nicht.

Typisch ihre Tochter!

Teresa verkniff sich eine Bemerkung, sagte nur, dass sie sich ebenfalls freue, Hannes wieder in die Arme schließen zu können, dann wechselte sie das Thema.

»Wie du weißt, war ich bei Frau Dr. Fischer im Tierheim. Sie hat sich sehr gefreut, dass ich ihr wieder ein bisschen Spendengeld vorbeigebracht habe. Diese Frau ist zu bewundern. Sie könnte als niedergelassene Tierärztin ein so schönes, sorgenfreies Leben haben. Stattdessen quält sie sich im Tierheim ab, hat nie Feierabend, und das Heim schlittert immer am Existenzminimum vorbei. Ich muss mal mit Rosmarie sprechen. Wir müssen noch ein Fest zur Rettung des Tierheimes veranstalten. Oder vielleicht hat sie eine andere Idee, wie wir an Geld kommen können. Was das betrifft, da ist Rosmarie wirklich ganz großartig und sehr clever.«

Ehe Inge dazu etwas sagen konnte, fuhr Teresa fort: »Es gibt wieder Neuzugänge, und darunter ist ein ganz entzückender kleiner schwarzer Labrador. Man hat ihn einfach auf einem Autobahnrastplatz ausgesetzt und zum Glück zu Frau Dr. Fischer gebracht.«

Es wurden immer wieder Tiere ausgesetzt und ins Tierheim gebracht.

»Mama, warum erzählst du mir das jetzt?«, wollte Inge wissen, die bereits eine Vorahnung hatte.

»Weil der kleine Kerl gut zu Luna passen würde, stell dir das vor, was für ein schönes Bild das ist, black und white. Luna hätte einen Spielgefährten, und ihr habt doch Platz genug für ein zweites Tier, und …«

Inge unterbrach ihre Mutter.

»Mama, vergiss es. Wir haben Luna, ein Hund reicht und macht genug Arbeit.«

»Aber wir …«

Wieder unterbrach Inge ihre Mutter. »Mama, fang bitte nicht damit an, dass ihr euch ebenfalls kümmern werdet. Die Hauptarbeit liegt bei mir, weil ich diejenige Person bin, die meistens daheim ist. Papa geht doch so gern mit Luna spazieren. Warum nehmt ihr den Hund nicht zu euch?«

»Weil das verantwortungslos wäre. In unserem Alter nimmt man sich nicht ein junges Tier ins Haus, schon überhaupt nicht, wenn das traumatisiert ist, in dem jungen Leben schon schlimme Erfahrungen gemacht hat. Aber ihr …«

»Mama, wir haben einen Hund.«

Teresa hörte nicht auf. Wenn die sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, zog sie es auch durch.

»Du liebe Güte, Inge, denk mal an Rosmarie. Die hatte nie zuvor in ihrem Leben etwas mit Tieren im Haus zu tun, und nun hat sie zwei Hunde, von denen sie keinen missen möchte und mit denen sie und Heinz sehr glücklich sind. Sie wollen Beauty und Missie sogar mit auf ihre nächste Reise nehmen. Das hat Rosmarie gesagt.«

»Mama, ich bin nicht Rosmarie. Wenn dieses Tierchen so niedlich ist wie du sagst, wird schnell ein neuer Besitzer finden. Labradore sind liebenswerte und pflegeleichte Hunde.«

Teresa wollte etwas sagen, doch ehe es dazu kam, erkundigte Inge sich: »Möchtest du einen Kaffee trinken oder einen Tee? Ich kann dir auch Kekse anbieten, die ich heute Morgen gebacken habe, den Kuchen hat Ricky mitgenommen. Ach, die hat für dich auch Marmelade mitgebracht. Warte, die gebe ich dir direkt.«

Inge stellte die Gläser vor ihre Mutter hin, die begann ihre Enkelin Ricky zu loben, bedauerte, nicht daheim gewesen zu sein, um sie zu begrüßen.

»Mama, Ricky war nur ganz kurz hier. Sie hat aber versprochen, das nächste Mal länger zu bleiben. Was ist mit dem Kaffee oder Tee?«

»Nein danke, ich habe zu Hause noch einiges zu tun, außerdem wird Magnus bald wieder zurück sein, der, wie du weißt, mit Berthold unterwegs ist. Ich finde, der Aufenthalt hier tut dem Ärmsten gut. Zwischendurch kann er sogar schon wieder ein wenig lächeln.«

Inge konnte in ihrer Mutter lesen wie in einem Buch. Sie würde keine offene Konfrontation suchen, das war nicht ihr Ding. Aber sie war sauer, sie hatte sich das mit dem Labrador so schön ausgemalt. Inge war sich nicht sicher, ob sie Frau Dr. Fischer nicht sogar schon eine Zusage gegeben hatte.

»Ja, ich bin ebenfalls sehr froh, dass Berthold hier ein wenig Frieden findet, dass er sich ablenkt. Wenn allerdings jemand so traumatisiert ist wie er, dann kann die Stimmung jederzeit sehr schnell kippen.«

»Ja, das stimmt, wünschen wir ihm das Beste.«

Teresa schnappte sich ihre Marmeladengläser.

»Ja, dann will ich mal.«

»Mama, du bist jetzt doch nicht sauer, weil ich den Hund nicht will?«

Im Streit auseinandergehen wollte Inge nicht. »Ich bitte dich, jeder Mensch ist seines Glückes Schmied, und ich habe es nur gut gemeint. Ach, ehe ich gehe, Inge. Ich habe ein Foto von dem kleinen Kerl. Das lasse ich dir hier. Ansehen kannst du es dir ja mal.«

Nach diesen Worten ging sie, und es sah beinahe so aus, als habe sie Angst, Inge könne ihr das Foto wieder zuschieben, ohne einen Blick darauf geworfen zu haben.

»Bis später, Mama«, rief Inge.

Teresa ging, hocherhobenen Hauptes. Sie war eine stolze Frau.

Was für eine Idee ihrer Mutter, ihnen einen zweiten Hund aufschwatzen zu wollen, und dann das Argument, die Rückerts hätten schließlich auch zwei Hunde. Es gab viele Leute, die besaßen noch mehr Tiere. Jeder Mensch entschied sich schließlich für sich allein, ob mit oder ohne Tier.

Ihre Mutter meinte es gut, dachte sie versöhnlich, sie setzte sich mit aller Kraft für das Tierheim und die Tiere ein.

Und eines stimmte auf jeden Fall, Platz hatten sie genug. Doch damit war es nicht getan.

Ach, was sollte es. Sie wollte sich darüber nicht den Kopf zerbrechen, sie hätte mit ihrer Mutter viel lieber über Hannes gesprochen als über den schwarzen Labrador.

Gut, dann dachte sie eben jetzt für sich allein an Hannes.

Wie es ihm wohl ergangen war in all der Zeit, in der sie nichts von ihm gehört hatten? Hatte er eine Entscheidung treffen können, wie es mit ihm weitergehen sollte? Jetzt war wieder alles offen. Vielleicht entschied er sich ja doch für ein Studium, und wenn, dann wünschte sie sich natürlich insgeheim, er möge an einer Uni in der Nähe studieren. Aber das war zweitrangig, Hauptsache, er war wieder da, und hoffentlich würde er lange bleiben.

Inge war ganz stolz auf sich, ohne Kaffee auszukommen, was sonst normalerweise der Fall gewesen wäre. Sie hatte noch den Rat der Frau Doktor im Kopf, ihren Kaffeekonsum ein wenig einzuschränken. Wenn sie ehrlich war, dann war meistens der Gang zur Kaffeemaschine nichts mehr als Gewohnheit.

Pamela kam polternd zur Tür herein, und Inge steckte das Foto des Hundes rasch in eine Schublade.

Wenn es nach ihrer Tochter ginge, dann hätten sie mehrere Tiere im Haus.

Sie schmiss ihre Tasche in eine Ecke, ihr war anzusehen, dass sie schlecht gelaunt war.

»Mama, wir haben die Aufsätze zurückbekommen, und ich habe meinen versemmelt, ich habe eine Drei.«

Pamela war ehrgeizig, eine hervorragende Schülerin, und wenn sie nicht immer Bestnoten nach Hause brachte, dann brach für sie eine Welt zusammen.

Inge fand das nicht richtig.

»Pamela, ich bitte dich, manche deiner Mitschüler wären froh, wenn sie eine Drei bekämen.«

»Aber es war ungerecht. Ich habe die Drei nur bekommen, weil diese Paukerin mich nicht leiden kann. Und bei einem Aufsatz kann sie subjektiv beurteilen. Würde ich ihr nach dem Mund reden, dann hätte ich eine bessere Note bekommen. Mama, von der lasse ich mir meinen Notendurchschnitt nicht versauen, ich gehe entweder an eine andere Schule oder in eine andere Klasse.«

»Pamela, du weißt genau, dass das Unsinn ist. Außerdem hast du bei dieser Lehrerin schon Einsen bekommen.«

»Aber nicht im Aufsatz«, beharrte Pamela.

»Du bekommst Einsen in Serie in Mathe, in Physik, in Chemie, diese Fächer liegen dir halt mehr. Und wenn du dich ungerecht behandelt fühlst, dann rede mal mit Fabian, lass ihn deinen Aufsatz lesen. Schließlich ist er ebenfalls Lehrer und kann beurteilen, ob alles seine Richtigkeit hat. So, mein Kind, und wenn du dich ein wenig abgeregt hast, dann sage ich dir jetzt etwas, was deine Laune schlagartig verbessern wird.«

»Mama, da gibt es nichts, ich bin sauer.«

»Schade, ich hätte mich gern mit dir über Hannes unterhalten, Pamela.«

Pamelas Kopf ruckte hoch.

»Wieso, Mama? Was weißt du?«

Inge lächelte.

»Er hat angerufen, und er hat mir gesagt, dass er nächsten Sonntag nach Hause kommen wird.«

Pamela blickte ihre Mutter an, dann sprang sie auf, umarmte Inge stürmisch. »Mama, warum hast du mir das denn nicht gleich gesagt? Hannes kommt!« Ihre Umarmung wurde heftiger. »Dann hätte ich doch nicht mit dem blöden Aufsatz angefangen.«

Inge lachte. »Du hast mich ja überhaupt nicht zu Wort kommen lassen, mein Mädchen.«

»Mama, erzähl, was sagt er.«

»Er hat nicht lange mit mir reden können, weil er dann jemanden sah, mit dem er unbedingt sprechen wollte. Ich weiß nur eines, er hat sich Kohlrouladen und Kartoffelpüree gewünscht, hinterher Rote Grütze und Vanillesauce.«

»Ach, der Hannes«, rief Pamela ganz verträumt, »davon hat er auch immer geträumt, als wir zusammen noch in Australien waren. Wir haben uns selbst daran versucht, aber es hat nicht geklappt, obwohl es eigentlich ganz gut geschmeckt hat. Aber an deine Kochkünste kommt halt niemand heran. Du kannst alles, Mama, außerdem bist du die allerliebste Mama von der ganzen Welt. Ich hoffe, Hannes ist auf dem Jakobsweg zu der Einsicht gelangt, dass unser Sonnenwinkel der allerschönste Platz von der ganzen Welt ist und dass man nirgendwo so schön wohnen kann wie hier. Hat er nicht eine Andeutung gemacht, Mama?«

»Nein, mein Kind, hat er nicht. All die Fragen, die du auf deinem Herzen hast, die kannst du ihm stellen, wenn er wieder hier ist.«

Pamela nickte.

»Da kannst du Gift drauf nehmen, ich werde ihm Löcher in den Bauch fragen. Ich freue mich so sehr auf ihn. Ich muss mir auf jeden Fall auch noch eine Überraschung für Hannes ausdenken. Aber hast du jetzt vielleicht für mich ein kleines Stückchen Schokolade? Eine Belohnung habe ich für die Drei ja nicht verdient, aber Schokolade bekommt man ja auch zum Trost, oder?«

Pamela würde immer einen Grund finden, um Schokolade zu ergattern. Und Inge konnte ihrer Jüngsten einfach nicht widerstehen.

»Meinetwegen, hol dir was aus dem Schrank. Aber nicht im Übermaß, verstanden?«

Das brachte Inge eine weitere stürmische Umarmung ein und die Worte: »Du bist die allerbeste Mama von der ganzen Welt.« Danach hörte Inge nur noch ein Rascheln.

Pamela konnte sich wieder einmal nicht entscheiden, welche der Schokoladensorten sie nehmen sollte.

*

Hermine Gruber kam zu Roberta in die Sprechstunde, um die Ergebnisse der großen Blutuntersuchung zu erfahren und die des Lungenfacharztes, der seinen Bericht an Roberta geschickt hatte.

Es war unglaublich, welch wundervolle Veränderung bei der alten Dame stattgefunden hatte. Sie sah gut aus, und aus der verhärmten alten Frau war eine Person geworden, die wieder Spaß am Leben hatte. Und von wegen Hausbesuche, das war vorbei.

Hermine Gruber kam wieder in die Praxis, und das wunderschöne Auto, das jahrelang in der Garage gestanden hatte, kam zum Einsatz.

Hermine fuhr nicht selbst, das machte Magdalena, die wirklich ein wahrer Engel war und Hermine wieder Lebensmut gemacht hatte.

Roberta kam auch sofort zur Sache, denn sie hatte gute Neuigkeiten. Der Verdacht bezüglich der Lunge hatte sich zum Glück nicht bewahrheitet.

»Und was die Blutwerte anbelangt, da sind einige grenzwertig, was ich allerdings erst einmal weiter beobachten möchte, ehe ich eine medikamentöse Behandlung beginne«, sagte Roberta.

Hermine strahlte ihre Ärztin an.

»Und das bewundere ich so sehr an Ihnen, Frau Doktor. Sie greifen nicht direkt zum Rezeptblock. Sie glauben überhaupt nicht, wie glücklich ich bin, bei Ihnen gelandet zu sein. Dafür danke ich dem Himmel jeden Tag.«

Roberta konnte nicht mit Komplimenten umgehen, nicht, was ihre berufliche Tätigkeit betraf. Sie war Ärztin, es war ihre Pflicht, für das Wohl ihrer Patienten zu sorgen, und da musste sie ihr Bestes tun.

»Sie sind eine sehr angenehme Patientin, Frau Gruber. Vor allem freut es mich, dass Sie sich an das halten, was ich Ihnen vorschlage. So, und jetzt sehe ich mir noch Ihre Hand an.«

Das tat Roberta gründlich, und auch wenn sie keine Orthopädin war, kannte sie sich aus. Und was sie hier sah, das freute sie.

»Frau Gruber, es gibt keine Schwellung mehr, Sie können damit beginnen, die Hand wieder zu belasten. Es sieht alles sehr gut aus.«

»Und das habe ich Arne Kuhlmann zu verdanken, der hat wirklich Zauberhände. Und er ist ein so angenehmer Mensch. Ohne ihn wäre ich noch längst nicht in dieser Verfassung.«

»Ja, Herr Kuhlmann ist wirklich ein besonderer Physiotherapeut.«

»Und Sie haben ihn mir vermittelt, Frau Doktor. Ohne Sie wäre ich überhaupt nicht an ihn herangekommen. Dafür werde ich Ihnen ewig dankbar sein. Unter anderem.« Dann kicherte sie wie ein junges Mädchen. »Und ein wenig haben Sie auch Amor gespielt. Magdalena und Arne Kuhlmann sind auf dem besten Weg, sich so richtig ineinander zu verlieben. Sie kommen sich immer näher, und das ist so schön anzusehen. Da gibt es noch etwas. Arne behandelt mich weiter, doch ich darf dafür nichts mehr bezahlen. Er sagt, dass er froh ist, immer ins Haus kommen zu dürfen, um Magdalena zu sehen, und dafür lässt er sich nicht bezahlen …, ich wollte das nicht, doch er hat mir angedroht, sonst nicht mehr zu kommen. Und da bin ich natürlich direkt auf sein Angebot eingegangen.«

Eigentlich hatte Roberta jetzt wirklich keine Zeit für einen Plausch mit der reizenden alten Dame, doch sie konnte sie nicht einfach hinauskomplimentieren, zumal sie offensichtlich noch etwas auf ihrem Herzen hatte.

»Meine Nachbarn, die reden natürlich, und die sind sogar der Meinung, bei Magdalena und Arne handele es sich um Mitgiftjäger, die an mein Haus und mein Geld ranwollen. Die Menschen können einfach nicht begreifen, dass da jemand einfach nur helfen will. Gut, ich zahle Magdalena das Gehalt, das sie vorher auch bekommen hat. Das ist legitim, schließlich muss sie von etwas leben, außerdem unterstützt sie Monat für Monat ihre Familie. Doch sie tut weit mehr, als sie tun muss. Wenn es danach ginge, müsste ich ihr das doppelte Gehalt zahlen. Und von Arne weiß ich zufällig, dass er ein Haus hat, das wesentlich größer ist als meines. Der braucht mein Haus gewiss nicht. Ach, Frau Doktor, warum sind die Menschen so?«

Sie klang bekümmert, und Roberta tröstete sie sofort.

»Frau Gruber, es gibt immer Menschen, die sich um Angelegenheiten ihrer Nachbarn kümmern. Lassen Sie sich nicht beirren.