Der neue Sonnenwinkel 56 – Familienroman - Michaela Dornberg - E-Book

Der neue Sonnenwinkel 56 – Familienroman E-Book

Michaela Dornberg

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Beschreibung

Vor Robertas Haustür liegt ein neugeborenes Mädchen, Adrienne. Roberta und Alma sind vollkommen aus dem Häuschen, aber auch überfordert. Da erweisen sich Inge Auerbach und Teresa von Roth als sehr hilfreiche Engel. Bea und Alex befinden sich auf einem sehr guten Weg. Er zerstreut mehr und mehr ihre Zweifel, keine neue Bindung eingehen zu dürfen, solange die alte formal noch nicht beendet, wenn auch endgültig gescheitert ist. Bea ist jetzt tatsächlich glücklich mit Alex. Plötzlich ruft Horst an mit einer erstaunlichen Neuigkeit. Er drängt auf ein schnelles Ende ihrer Ehe. Horst ist sogar bereit, sehr viel Geld dafür zu zahlen. Eine halbe Million! Inge und Werner frühstücken gemeinsam. Ihre Harmonie kennt keine Grenzen mehr. Werner ist bereit, sein altes Leben aufzugeben. Inge ist sprachlos vor Glück. Julia fragte sich, warum es in die Köpfe vieler Menschen einfach nicht hineingehen wollte, wann der ›Seeblick‹ Ruhetag hat. Immer wieder tauchten Leute war und waren verärgert, warum sie nicht essen konnten. Mit einem Klick würden sie sich den unnötigen Weg herauf ersparen. Gut, wer jetzt auf dem Parkplatz angekommen war, dem konnte man zugutehalten, dass er oder sie, sie konnte nicht sehen, wer da angekommen war, weil niemand ausstieg, dass die Gepflogenheiten, somit auch der Ruhetag, nicht bekannt waren. Julia blieb stehen, wenn sich die Person endlich aus dem Auto bemühen würde, wollte sie mit freundlichen Worten auf den Ruhetag hinweisen, und wenn sich das jetzt noch lange hinziehen würde, war sie fest entschlossen, wieder ins Haus zu gehen, die Tür abzusperren. Draußen war deutlich zu lesen, dass heute Ruhetag war. Schon wollte Julia ihren Vorsatz in die Tat umsetzen, als sich an dem fremden Fahrzeug, einem silberfarbenen SUV, etwas tat. Jemand stieg aus. Es war zu erkennen, dass es sich um einen Mann handelte, eine Einzelperson, mehr nicht, denn im Gegenlicht war das Gesicht nicht zu erkennen. Der Fremde schloss sein Auto ab, kam auf das Restaurant zugelaufen, und Julia spürte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte. Das konnte jetzt nicht wahr sein! Sie konnte das Gesicht nicht erkennen, doch den Gang, den kannte sie. Und das irritierte sie jetzt vollkommen, denn diesen charakteristischen Gang hatte nur einer und das war … Daniel, ja, Daniel Sandvoss, ihr Ex. Nein, das konnte doch nicht sein, sie musste sich irren. Der Gang eines Menschen war nichts Einmaliges, außerdem hatte sie ihn seit geraumer Zeit nicht gesehen, nur noch sehr selten, wenn überhaupt, an ihn gedacht. Musste es sie jetzt nicht nachdenklich machen, dass ihr beim Anblick eines Fremden direkt Daniel in den Sinn kam? War da doch noch etwas? Nein, das konnte sie direkt verneinen, mit Daniel, das war Vergangenheit, Tim war ihr Leben, und das, was sie mit Tim verband, daran kam das, was mal mit ihr und Daniel war, nicht annähernd heran. Während sich ihre Gedanken überschlugen, kam der Mann langsam immer näher. Und dann gab es keinen Zweifel mehr, sie hatte sich nicht geirrt.

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Leseprobe: Ein Lord für alle Fälle

Lord Cameron liebte die frühen ruhigen Morgenstunden. Schon als Kind war er ein Frühaufsteher gewesen. Damals war er auf seinem Pony durch das Gelände geritten. Sein Großvater Shane MacGregor hatte ihn immer begleitet. Da er wieder in Irland weilte, nahm Lord Cameron diese Gewohnheit wieder auf. Er hoffte, dass in einigen Jahren sein Enkel oder seine Enkelin ihn begleiten würden. Wenn der Lord daran dachte, atmete er immer tief durch. Der Gedanke gab ihm Hoffnung und Stärke, obwohl es mit seiner Gesundheit nicht zum Besten stand. Er hatte sich dazu durchgerungen, sich einer Stammzellentherapie zu unterziehen. Seine Tochter Florence und ihr Halbbruder David hatten sich testen lassen, ob sie geeignete Spender wären. Vielleicht würde sich dabei herausstellen, dass David sein Sohn war und damit Florences Bruder. Aber die Verwandtschaftsverhältnisse waren nebensächlich. Für Cameron zählte nur, dass er eine Chance hätte, wieder gesund zu werden, und noch viele glückliche Jahre mit seiner unehelichen Tochter verbringen könnte. Seit sie bei ihm auf MacGregor Manor lebte, stellten sie jeden Tag mehr fest, wie ähnlich sie sich waren. Der frische feuchte Morgenwind wehte ihm ins Gesicht, als er den Weg am Waldrand entlangritt. Von weitem sah er einen Reiter. Er erkannte ihn sofort. Es war Quinn Walsh, sein alter Verwalter, der am Tag zuvor mit seiner Frau Kathy aus dem Ruhestand nach Culraid zurückgekommen war. Sie ritten aufeinander zu, hielten die Pferde an und stiegen ab. »Noch kühl«

Der neue Sonnenwinkel – 56 –

Gefühle für ein ganzes Leben?

Bleib dir treu, du Schöne!

Michaela Dornberg

Julia fragte sich, warum es in die Köpfe vieler Menschen einfach nicht hineingehen wollte, wann der ›Seeblick‹ Ruhetag hat. Immer wieder tauchten Leute war und waren verärgert, warum sie nicht essen konnten. Mit einem Klick würden sie sich den unnötigen Weg herauf ersparen.

Gut, wer jetzt auf dem Parkplatz angekommen war, dem konnte man zugutehalten, dass er oder sie, sie konnte nicht sehen, wer da angekommen war, weil niemand ausstieg, dass die Gepflogenheiten, somit auch der Ruhetag, nicht bekannt waren.

Julia blieb stehen, wenn sich die Person endlich aus dem Auto bemühen würde, wollte sie mit freundlichen Worten auf den Ruhetag hinweisen, und wenn sich das jetzt noch lange hinziehen würde, war sie fest entschlossen, wieder ins Haus zu gehen, die Tür abzusperren. Draußen war deutlich zu lesen, dass heute Ruhetag war.

Schon wollte Julia ihren Vorsatz in die Tat umsetzen, als sich an dem fremden Fahrzeug, einem silberfarbenen SUV, etwas tat. Jemand stieg aus. Es war zu erkennen, dass es sich um einen Mann handelte, eine Einzelperson, mehr nicht, denn im Gegenlicht war das Gesicht nicht zu erkennen.

Der Fremde schloss sein Auto ab, kam auf das Restaurant zugelaufen, und Julia spürte, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte.

Das konnte jetzt nicht wahr sein!

Sie konnte das Gesicht nicht erkennen, doch den Gang, den kannte sie. Und das irritierte sie jetzt vollkommen, denn diesen charakteristischen Gang hatte nur einer und das war … Daniel, ja, Daniel Sandvoss, ihr Ex.

Nein, das konnte doch nicht sein, sie musste sich irren. Der Gang eines Menschen war nichts Einmaliges, außerdem hatte sie ihn seit geraumer Zeit nicht gesehen, nur noch sehr selten, wenn überhaupt, an ihn gedacht. Musste es sie jetzt nicht nachdenklich machen, dass ihr beim Anblick eines Fremden direkt Daniel in den Sinn kam? War da doch noch etwas? Nein, das konnte sie direkt verneinen, mit Daniel, das war Vergangenheit, Tim war ihr Leben, und das, was sie mit Tim verband, daran kam das, was mal mit ihr und Daniel war, nicht annähernd heran.

Während sich ihre Gedanken überschlugen, kam der Mann langsam immer näher. Und dann gab es keinen Zweifel mehr, sie hatte sich nicht geirrt.

Es war Daniel Sandvoss!

Und das steigerte ihre Verwirrung jetzt nur noch mehr.

Weswegen war er hier?

Sie hatte nach der Trennung alles versucht, sich mit ihm zu versöhnen, doch er hatte sein Handy abgestellt oder sich eine neue Nummer zugelegt, und ihre Briefe waren mit dem lakonischen Vermerk – Annahme verweigert – zurückgekommen. Und dann hatte sie es schwarz auf weiß gelesen, dass Daniel nicht nur für seine journalistische Arbeit einen Preis bekommen hatte, sondern dass er mit einer anderen Frau verbandelt war, die er in Kürze heiraten wollte, was mittlerweile gewiss geschehen war, denn der Artikel war vor einer ganzen Weile erschienen. Es hatte ihr ganz schön den Boden unter den Füßen weggezogen, zumal diese Frau zu den Reichen und Schönen gehörte und in einer ganz anderen Liga spielte als sie.

Das alles ratterte durch ihren Kopf, und dann stand er vor ihr, und wie es schien, war auch er nicht ganz unbefangen, was für einen Journalisten ziemlich ungewöhnlich war, die preschten in der Regel doch immer nach vorne, um die beste, die richtige, die ultimative Story zu ergattern.

Sie standen sich gegenüber, beide stumm, sie sahen sich an.

Für Julia hatte sich einiges, wenn nicht sogar alles verändert, sie konnte ihn betrachten wie einen freundlichen, angenehmen Fremden. Ihr Herz hüpfte nicht voller Entzücken, doch ein angenehmes Gefühl war schon da. Und das war nicht verwunderlich, schließlich hatten sie sich mal geliebt und eine schöne Zeit miteinander verbracht.

»Hallo, Julia«, er machte noch einen Schritt auf sie zu, überlegte, ob er sie jetzt umarmen sollte. Schließlich ließ er es bleiben. Und das war gut so.

Julia wirkte plötzlich sehr angespannt. War er gekommen, um alte Zeiten heraufzubeschwören? Hatte es mit der anderen Frau doch nicht geklappt? Sie hatte es nicht weiter verfolgt, weil die Glanzzeitschriften nicht zu ihrer bevorzugten Lektüre gehörten, und selbst wenn es so wäre, hätte sie überhaupt nicht die Zeit, sie regelmäßig zu lesen.

Ihr Blick fiel zufällig oder war es bewusst? Wie auch immer, das festzustellen, war jetzt nicht nötig. Ihr Blick fiel auf jeden Fall auf den Ringfinger seiner Hand, und dort entdeckte sie, nicht zu übersehen, einen schmalen goldenen Ring. Da war er übrigens seinem Geschmack treu geblieben, schmale goldene Ringe wollten sie beide haben, als sie noch geglaubt hatten, für immer auf eine gemeinsame Lebensreise zu gehen, als sie geglaubt hatten, mit ihrer Liebe alles überwinden zu können, als sie von Kindern geträumt hatten …

Julia schloss für einen Moment die Augen.

Ein Stückchen gemeinsame Reise hatte es gegeben, doch dann waren ihre Züge auseinandergedriftet, und es gab nicht einmal irgendwo auf einem Bahnhof einen gemeinsamen Halt.

Sie riss sich zusammen, weil sie sich nicht ewig stumm gegenüberstehen konnten.

»Daniel, weswegen bist du hier?«

Diese Frage schien ihn zu beruhigen, denn er atmete tief durch, und dann erzählte er ihr, dass die Redaktion ihn vorgeschickt hatte. Man wollte erneut einen Artikel über sie schreiben, diesmal allerdings einen langen Bericht. Und da er bereits den ersten Artikel geschrieben hatte, da sie sich kannten, war die Wahl auf ihn gefallen.

»Julia, bitte glaub mir, dass ich alles versucht habe, das zu verhindern, ich weiß doch, wie schäbig ich mich dir gegenüber benommen habe. Es tut mir leid, doch die verletzte Eitelkeit eines Mannes lässt ihn kopflos werden. Danke, dass du mich nicht sofort zurückschickst, dass du mit mir redest.«

Deswegen war er hier?

»Daniel, du weißt, dass ich nicht gern was über mich in der Zeitung lese …, im Gegensatz zu dir. Da hat sich offensichtlich etwas geändert, ich habe zufällig das mit der Preisverleihung gelesen, und ich habe das Bild gesehen von dir, dieser anderen Frau, mit der du offensichtlich mittlerweile verheiratet bist, Daniel«, sie deutete auf seinen Ehering, »herzlichen Glückwunsch, ich hoffe, du hast jetzt die Richtige gefunden. Mit dir und mir, das war …, das hat …«

Julia beendete ihren Satz nicht, winkte ab.

»Ach, was soll es, jetzt die ollen Kamellen hervorzukramen, wir haben unsere Beziehung krachend gegen die Wand gefahren, und ehrlich mal, du traust dich ganz schön etwas, hier aufzutauchen. Ich schiebe dir nicht die Schuld zu, dass unsere Beziehung gescheitert ist, unsere Interessen gingen einfach zu sehr auseinander, ich war mit dem Aufbau des Restaurants beschäftigt, dann kam dieses große Fest für das Tierheim hinzu, etwas, worin ich überhaupt keine Erfahrung in dieser Hinsicht hatte. Ich habe die geschäftlichen Belange vorangestellt und all die Warnsignale übersehen, und das tut mir wirklich sehr leid. Doch Daniel, auch wenn ich die meiste Schuld am Scheitern unserer Beziehung trage …, du hättest mit mir reden müssen und nicht einfach gehen. Es war sehr verletzend, nichts weiter als einen Zettel auf meinem Kopfkissen vorzufinden. Und ebenso verletzend war es, mir nicht die kleinste Chance zu geben, es zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen oder zu einem Neuanfang. Das war damals mein allergrößter Wunsch.« Sie sah ihn an, glaubte, auf seinem Gesicht eine leichte Verunsicherung zu entdecken und fügte deswegen rasch hinzu: »Damals, das war damals …, es ist vorbei. Mittlerweile habe ich eingesehen, dass es auf Dauer mit uns nicht geklappt hätte. Gegensätze, die sich anziehen, sind gut für eine Affäre, für ein Zusammenleben zählt wohl eher der Ausspruch gleich und gleich gesellt sich gern.«

Julia war jetzt ganz erstaunt, dass Daniel bestätigend nickte, und dann erfuhr Julia von ihm, dass er und diese Frau aus der Welt der Reichen und Schönen sich getrennt hatten, weil sie einfach in zu unterschiedlichen Welten gelebt hatten, die nicht vereinbar miteinander gewesen waren.

»Was du da gerade gesagt hast, Julia, das kann ich voll unterschreiben. Ich habe geheiratet, Wiebke, die ebenfalls Journalistin ist, wir leben in einer Welt, brennen für unsere Arbeit, haben Verständnis füreinander, weil wir wissen, was der andere tut. Wiebke und ich wussten sofort, dass wir unser Leben gemeinsam miteinander verbringen wollten und haben bereits nach drei Wochen geheiratet. Wenn es so offensichtlich ist, warum dann lange warten? Wir sind sehr glücklich miteinander.«

Am liebsten hätte Julia ihm jetzt von Tim erzählt, mit dem sie ihr Glück gefunden hatte. Sie tat es nicht, weil sie nicht mit einem so glänzenden Ergebnis aufwarten konnte wie Daniel. Es hatte zwar den Heiratsantrag gegeben, und das ebenfalls nach kürzester Zeit, doch die Hochzeit war ausgeblieben. Und das jetzt zuzugeben, käme ihr wie eine Niederlage vor, obwohl das natürlich unsinnig war. Es kam ihr etwas anderes in den Sinn, nämlich, dass sie ihre Lebensbeichten abgaben und noch immer in der Haustür standen.

»Willst du reinkommen?«, erkundigte sie sich.

»Wenn ich darf, gern«, antwortete er prompt.

Sie betraten gemeinsam das Restaurant, in dem sich seit seinem Fortgang eine ganze Menge verändert hatte, und dafür lobte er sie.

»Julia, das hast du großartig gemacht, es hat sich nicht nur äußerlich hier alles verändert, der ›Seeblick‹ wird von den Restaurantkritikern stets mit lobenden Worten bedacht, und deswegen soll ich ja diesen neuen Bericht über dich schreiben. Es ist mehr als anerkennenswert, was du auf die Beine stellst, ich glaube, der nächste Stern ist dir jetzt schon gewiss.«

Natürlich gefiel ihr sein Lob, um darauf nicht eingehen zu müssen, fragte sie ihn, ob er einen Kaffee trinken wolle, er wollte es, und sie legte einen Snack dazu, den er sich schmecken ließ.

Je länger sie sich miteinander unterhielten, umso entspannter wurden sie. Wenn man so wollte, da hatten sie als Freunde begonnen, und es sah ganz so aus, als würden sie dorthin zurückkehren. Warum auch nicht? Sie waren ein Paar gewesen, waren gescheitert, es hatte keine Schlammschlacht gegeben.

Daniel war verheiratet, und sie …

Sie war ebenfalls in festen Händen, wenn auch ohne Ring am Finger. Wäre sie so entspannt, wenn sie nicht ebenfalls einen neuen Partner hätte? Wenn sie allein wäre?

Nein, über so etwas musste sie überhaupt nicht erst nachdenken. Es war müßig, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was gewesen wäre wenn oder andere Konstrukte, die nicht der Gegenwart entsprachen.

Er war begeistert von ihrem Snack, lobte den Kaffee, und sie erkundigte sich, wie er sich das mit dem Artikel vorstellte. Und da kamen sie sehr schnell ins Fachsimpeln, und Julia war einverstanden, sie hatte nichts zu verlieren, und dass Daniel sein Handwerk verstand, das wusste sie.

»Einverstanden, Daniel«, sagte sie schließlich.

Er freute sich sehr, denn dass es so glatt laufen würde, hätte er nicht gedacht. Weil er ja wusste, dass er sich nicht unbedingt gentlemanlike benommen hatte, war er eigentlich davon ausgegangen, dass sie ihm die Tür vor der Nase zuschlagen würde. Und nun das.

»Julia, ich danke dir von ganzem Herzen, du bist eine so großartige Frau, du stehst über den Dingen, und das macht es möglich, dass wir so entspannt miteinander umgehen können. Übrigens, du würdest dich mit Wiebke sehr gut verstehen, sie ist ähnlich wie du, auch eine Frau, die weiß, was sie will, die unbeirrt ihren Weg geht«, er lachte, »halt nur in einer Branche, in der auch ich mich auskenne, und das macht es einfach.«

Man sah ihm an, dass er noch etwas auf dem Herzen hatte, aber sich nicht traute, es anzusprechen, obwohl es ihn brennend interessierte.

»Julia, ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du deinen Mr Right finden wirst, jemanden, der zu dir passt wie Pott und Deckel …, wie es bei Wiebke und mir ist. Du hast es so sehr verdient.«

Jetzt war es an der Zeit, ihm von Tim zu erzählen, und sie wollte gerade damit anfangen, als der zur Tür hereinkam. Also musste sie nur noch sagen: »Daniel, das ist Tim, mein Mr Right. Ich habe ihn schon gefunden.«

Tim war erstaunt, ihm war anzusehen, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, worum es hier eigentlich ging. Er musste nicht lange der Unwissende sein, Julia klärte ihn auf, machte ihn mit Daniel bekannt, erzählte von dem Artikel, den dieser über sie schreiben wollte. Und als sie bemerkte, wie sein Gesicht sich immer mehr verfinsterte, fügte sie hinzu: »Daniel hat eine Frau gefunden, die viel besser zu ihm passt als damals ich, er ist Journalist, sie ist Journalistin, und er hat seine Wiebke geheiratet.«

Sofort hellten Tims Gesichtszüge sich auf, er begrüßte Daniel freundlich und wuchs über sich hinaus, indem er sagte: »Sie und Julia haben sich gewiss eine ganze Menge zu erzählen. Was halten Sie davon, dass ich mittlerweile für uns ein Essen zaubere? Es gibt schottischen Lachs, den ich gerade vom Flughafen geholt habe.«

Wer konnte da schon widerstehen, Daniel sagte sofort zu. Daniel war erleichtert, weil er jetzt kein schlechtes Gewissen mehr haben musste, Julia hatte einen neuen Partner, der einen äußerst sympathischen Eindruck machte. Und die Aussicht, gleich echten schottischen Lachs zu genießen, die war verlockend.

Aus Erfahrung kannte er, dass es in einem Restaurant immer viel zu tun gab, dass jede Hand gebraucht wurde. Wie selbstverständlich schlug er vor, dabei zu helfen, die Waren aus dem Auto zu transportieren, und das wurde gern angenommen. Weil auch Julia dabei war, war es schnell geschafft.

Tim verschwand in der Küche, um das Essen zuzubereiten, Julia und Daniel waren wieder allein.

»Julia, ich freue mich wirklich so sehr für dich, dass du einen Mann gefunden hast, der so richtig zu dir passt, der sich auskennt, der dich unterstützt, der einen sehr sympathischen Eindruck macht und der, obwohl das nicht entscheidend ist, sehr gut aussieht.«

Er hatte seine Wiebke in den höchsten Tönen gelobt, warum sollte sie das mit ihrem Tim nicht tun?

Es war ein freier Tag, der so ganz anders verlief als gedacht, doch als der zu Ende war und sie sich voneinander verabschiedeten, waren sie alle zufrieden.

Julia und Tim sahen dem Auto nach, bis nichts mehr davon zu sehen war, dann gingen sie gemeinsam ins Restaurant zurück.

»Julia, Liebes, ich muss dir etwas gestehen. Als ich hörte, dass dein Ex bei dir ist, wäre ich dem aus lauter Eifersucht am liebsten an die Gurgel gegangen. Ich hätte niemals geglaubt, zu solchen Regungen fähig zu sein.« Er umarmte sie. »Es hat mir auch bewusst gemacht, wie sehr ich dich liebe, dass ich dich nicht verlieren will. Du bist wirklich das Beste, was mir im Leben passieren konnte.« Er verstärkte den Druck seiner Arme, und sie fühlte sich darin aufgehoben wie ein Schiff in einem sicheren Hafen.

»Jetzt, da ich weiß, dass die Gefahr vorüber ist, kann ich ja zugeben, dass Daniel ein sehr netter, ein sehr sympathischer Mann ist …, es freut mich, ja, ich staune, wie entspannt ihr miteinander umgeht. Und der Artikel, den er über dich schreiben wird, kann für dich und den ›Seeblick‹ nur gut sein, der Bekanntheitsgrad wird steigen.«

»Was weitgehend auch auf dich zurückfällt, Tim. Seit du hier bist, kommen deutlich mehr Gäste, die allesamt begeistert sind.« Er winkte ab.

»Das Restaurant gehört dir, du streichst die Lorbeeren ein, und das ist gut so…«

Es lag ihr auf der Zunge, jetzt etwas dazu zu sagen, sie ließ es bleiben, weil sie wusste, dass es doch nichts bringen würde. Sie wollte jetzt keinen Krach, der Tag hatte aufregend begonnen, denn sie hätte niemals geglaubt, Daniel noch einmal zu treffen. Die anfänglichen Spannungen waren schnell gewichen, sie konnten vollkommen entspannt miteinander umgehen, und das freute sie sehr. Jetzt konnte sie alles beiseiteschieben, was nicht so schön gewesen war und sich nur noch an die Zeit ihrer Liebe erinnern, und das war eine schöne Zeit gewesen.

Sie blickte Tim an, ihr Herz wurde weit, sie wurde von einem Meer von Zärtlichkeit für ihn erfüllt. Sie wünschte sich geradezu inbrünstig, ihn niemals als einen Mann aus ihrer Vergangenheit erleben zu müssen. Sie brauchte ihn, er war ihre Gegenwart, ihre Zukunft, Tim war ihr Leben …

*

Noch befand sich das große kardiologische Zentrum in Hohenborn im Aufbau, und Konstantin von Cleven war noch nicht ständig anwesend. Roberta hätte nicht für möglich gehalten, dass sie anfangen würde ihn zu vermissen, wenn er nicht da war, wenn er sich nicht meldete.

Was sollte das?

Sie waren doch nur Freunde.

Auf jeden Fall war sie sehr froh, gerade an seiner Seite um den See laufen zu können, nicht zu langsam, nicht zu schnell, genau in dem Tempo, das einem erlaubte, sich dabei unterhalten zu können. Und das taten sie. Konstantin hatte von den Arbeiten am Zentrum erzählt, was Roberta als Ärztin auch sehr interessierte, jetzt erkundigte er sich: »Wie fühlt es sich für dich an, zu wissen, dass die Tage von Frau Dr. Müller im Sonnenwinkel gezählt sind? Jetzt kommt sie ja nur noch, um sich zu verabschieden und letzte Dinge zu erledigen, und ihr wart ja wirklich ein so großartiges Team, das konnte man euch schon ansehen.«

Das bestätigte Roberta sofort, weil es ja auch zutreffend war.

»Weißt du, Konstantin, es wäre eine Lüge, wenn ich jetzt behaupten würde, dass es mir nichts ausmacht. Natürlich freue ich mich für Claire, sie und Piet van Beveren sind ein so großartiges Paar, sie lieben sich, es ist einfach nur schön, sie in ihrem Glück zu sehen. Das ist es, was die Trennung von Claire einfacher macht. Wir arbeiteten ja schon früher zusammen, und als ich sie zufällig traf, sie für die Praxis gewinnen konnte, da dachte ich schon, dass es diesmal eine lange Zusammenarbeit werden würde. Sie hatte eine unschöne Trennung hinter sich, ich hatte meinen Partner verloren, uns stand beiden nicht der Sinn danach, uns in ein neues Abenteuer zu stürzen. Das Schicksal mischt die Karten, hat mit uns seine eigenen Pläne. Claire hat es Piet auf den Wäg geschickt und dann noch einen draufgesetzt, indem es alles ­abbrennen ließ. Ohne dieses schreckliche Ereignis wäre Claire ja geblieben, auch als die Frau an seiner Seite. So kann ich verstehen, dass sie mit ihm geht. Ich würde es ebenfalls tun. Und ich will mich ja auch überhaupt nicht beklagen, es ist alles bestens organisiert. Leni Wendler wächst an ihren Aufgaben, sie nimmt mir immer mehr ab, und das kann sie dank ihrer Qualifikationen auch, und sie hat eine so wunderbare Art, mit den Patienten und Patientinnen umzugehen. Sie ist sehr beliebt. Und ich glaube, Ursel Hellenbrink ist ganz froh, in der Praxis wieder das Regiment übernehmen zu können. Sie und Leni verstehen sich gut, Ursel Hellenbrink hat sie ja auch in die Praxis gebracht. Aber so ist es ihr lieber.«

Er blickte sie an.