Der neue Sonnenwinkel 69 – Familienroman - Michaela Dornberg - E-Book

Der neue Sonnenwinkel 69 – Familienroman E-Book

Michaela Dornberg

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Beschreibung

Vor Robertas Haustür liegt ein neugeborenes Mädchen, Adrienne. Roberta und Alma sind vollkommen aus dem Häuschen, aber auch überfordert. Da erweisen sich Inge Auerbach und Teresa von Roth als sehr hilfreiche Engel. Bea und Alex befinden sich auf einem sehr guten Weg. Er zerstreut mehr und mehr ihre Zweifel, keine neue Bindung eingehen zu dürfen, solange die alte formal noch nicht beendet, wenn auch endgültig gescheitert ist. Bea ist jetzt tatsächlich glücklich mit Alex. Plötzlich ruft Horst an mit einer erstaunlichen Neuigkeit. Er drängt auf ein schnelles Ende ihrer Ehe. Horst ist sogar bereit, sehr viel Geld dafür zu zahlen. Eine halbe Million! Inge und Werner frühstücken gemeinsam. Ihre Harmonie kennt keine Grenzen mehr. Werner ist bereit, sein altes Leben aufzugeben. Inge ist sprachlos vor Glück. Roberta blickte von ihrer Krankenakte hoch. Die gute Alma war ja vollkommen aus dem Häuschen. So aufgeregt hatte sie ihre Haushälterin überhaupt noch nicht gesehen. Was war da bloß geschehen? Doch dann hatte sie keinen Verdacht, Babettes Eltern! Von denen wurden sie immer wieder heimgesucht und drangsaliert. "Die Cremers?", erkundigte Roberta sich. "Haben die noch nicht mitbekommen, dass Babette hier überhaupt nicht mehr lebt?" Sie sprang von ihrem Stuhl hoch. "Na, denen werde ich jetzt aber mal ganz gehörig die Meinung sagen. Und diesmal drastischer werden und ihnen androhen, die Polizei zu rufen, sollten sie sich noch ein einziges Mal dem Doktorhaus nähern." Was redete die Frau Doktor da? Sie winkte ab. "Es sind nicht die Cremers …, es ist …", sie brach ihren Satz ab. "Bitte kommen Sie einfach", fuhr sie schließlich fort. "Lassen Sie sich überraschen." Alma gehörte zu den Menschen, die geradeaus redeten, jetzt allerdings sprach sie in Rätseln.

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Leseprobe: Der neue Sonnenwinkel Doppelband

E-Book 1: Die neue Ärztin

E-Book 2: Das große Fest

Der neue Sonnenwinkel – 69 –

Rote Rosen für die wahre Liebe

Seine letzte Chance aufs neue, alte Glück

Michaela Dornberg

Roberta blickte von ihrer Krankenakte hoch. Die gute Alma war ja vollkommen aus dem Häuschen. So aufgeregt hatte sie ihre Haushälterin überhaupt noch nicht gesehen. Was war da bloß geschehen? Doch dann hatte sie keinen Verdacht, Babettes Eltern! Von denen wurden sie immer wieder heimgesucht und drangsaliert.

»Die Cremers?«, erkundigte Roberta sich. »Haben die noch nicht mitbekommen, dass Babette hier überhaupt nicht mehr lebt?« Sie sprang von ihrem Stuhl hoch. »Na, denen werde ich jetzt aber mal ganz gehörig die Meinung sagen. Und diesmal drastischer werden und ihnen androhen, die Polizei zu rufen, sollten sie sich noch ein einziges Mal dem Doktorhaus nähern.«

Was redete die Frau Doktor da?

Sie winkte ab. »Es sind nicht die Cremers …, es ist …«, sie brach ihren Satz ab. »Bitte kommen Sie einfach«, fuhr sie schließlich fort. »Lassen Sie sich überraschen.«

Alma gehörte zu den Menschen, die geradeaus redeten, jetzt allerdings sprach sie in Rätseln. Doch weil Roberta augenblicklich keine Lust auf Rätselraten hatte, sagte sie nur: »Da bin ich aber gespannt, was Sie so sehr aus der Fassung gebracht hat.«

Wenn sie ehrlich war, dann war sie auch ein wenig neugierig, und so sehr sie sich auf dem Weg zu ihrer Wohnung auch den Kopf zerbrach, sie kam auf nichts und niemanden. Zumal ihre Freundin Nicki gerade in Spanien weilte, weil sie dort geschäftlich zu tun hatte. Lange nachdenken konnte sie allerdings, denn es war kein weiter Weg von den Praxisräumen zu ihrer nebenan liegenden Wohnung.

Sie war auf nichts vorbereitet, und auf das, was sie dann sah, schon überhaupt nicht. Daran hätte sie nun gar nicht gedacht, denn eigentlich war das mit ihr und Ken Geschichte. Er hatte sich von ihr getrennt, weil sie nicht zum ihm nach Los Angeles geflogen war.

Aber genau der stand mitten im Raum, bekleidet mit einer schwarzen Jeans, einem schwarzen Shirt, einer schwarzen Leder-Jacke.

Ihr Herz begann stürmisch zu klopfen, sie war wahrhaftig nicht leicht aus der Ruhe zu bringen, jetzt stand sie ziemlich neben sich, und jetzt gab es auch für Almas merkwürdiges Verhalten eine Erklärung, die natürlich gewusst hatte, dass es zwischen Ken und ihr aus gewesen war.

Sie stand einfach nur da, versuchte, sich zu sammeln. Auch er, obwohl er auf die Begegnung mit ihr ja vorbereitet gewesen war, hatte zunächst Schwierigkeiten, vielleicht waren es auch Hemmungen, sich ihr zu nähern.

Doch er war es schließlich, der sich ihr näherte, vor ihr stehen blieb, sie auf diese unvergleichliche Weise anschaute, die ihre Knie weich werden ließ. Dann sagte er: »Ich war dumm. Kannst du mir verzeihen?«

Was für eine Frage!

Natürlich hatte sie versucht, sich mit der Trennung abzufinden, nicht nur das, sie hatte alles getan, um es sich gewissermaßen schönzureden. Sie hatte sich gesagt, dass es vernünftiger war, getrennte Wege zu gehen, weil sie eh in ganz unterschiedlichen Welten lebten. Was hatte sie nicht für Argumente gefunden, die für eine Trennung sprachen.

Doch das alles hatte ihr Verstand ihr eingeflüstert. Doch ihre Gefühle …

Seine Nähe …, alles war vergessen, was sie gedacht, was sie gedacht, was sie gesagt hatte. Ein bekannter Politiker hatte immer gesagt, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, dem konnte sie nur beipflichten.

Sie blickte ihn an, flüsterte nur: »Ken.«

Doch er musste gespürt, gesehen haben, wie viel Gefühl für ihn noch in ihr war, er nahm sie einfach wortlos in seine Arme, dann küsste er sie, zunächst ganz sanft und zärtlich. Danach wurden seine Küsse immer leidenschaftlicher. Roberta glaubte einfach nur zu träumen, alles war wie weggewischt. Es gab auf der ganzen Welt nur noch sie und Ken. Doch halt, da war ja auch noch Alma! Roberta machte sich aus seinen Armen frei. Auch wenn sie und Alma sehr vertraut miteinander waren, wenn es zwischen ihnen sehr viel mehr gab als ein Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Verhältnis. Auch wenn Alma über alles Bescheid wusste. Sie jetzt in inniger Zweisamkeit mit Ken zu sehen, wäre Roberta höchst peinlich. Sie hatte sich unnötige Sorgen gemacht, denn von Alma war weit und breit nichts zu sehen. Und das hätte sie sich eigentlich auch denken müssen, denn Alma war die Diskretion in Person.

Aber es war auch gut so, sie konnten sich wieder und wieder küssen und umarmen, jetzt war es eigentlich an der Zeit, erst einmal miteinander zu reden.

Sie blickten sich tief in die Augen, er zuckte die Achseln und sagte: »Ich kann mich nur bei dir entschuldigen, Ladybird.«

Oha!

Er hatte sie wieder Ladybird genannt, nicht Roberta oder, er hatte sie zum Schluss überhaupt nicht mehr beim Namen genannt, er war nur sauer gewesen!

Sie sagte nicht sofort etwas, also fuhr er fort: »Ich weiß wirklich nicht, was in mich gefahren ist. Ich wollte dich einfach nur an meiner Seite haben, mit dir glänzen, weil du wirklich ein ganz besonderer Mensch bist, dazu bist du schön, vor allem klug. Das war egoistisch, denn deine Beweggründe, nicht nach Los Angeles zu kommen, waren triftiger.«

Er blickte sie bittend an.

»Kannst du mir noch einmal verzeihen?«, erkundigte er sich. Sie hatten sich mittlerweile hingesetzt, und das war gut so, denn Roberta war noch ganz schön durcheinander.

Sie spürte, wie ihr Verstand von ihren Gefühlen für ihn immer weiter in den Hintergrund gedrängt wurde.

Ken war gekommen, er wollte sie, er hatte sich entschuldigt.

Doch was wollte sie?

Was für eine dumme Frage, natürlich wollte sie ihn ebenfalls, mit jeder Faser ihres Herzens. Und alles, was ihr Verstand ihr da gesagt hatte …

»Ken, es ist …, ich …, nun, ich finde es großartig, dass du gekommen bist. Und es tut mir wirklich leid, dass ich nicht kommen konnte, weil …«

Er ließ sie nicht ausreden, sondern küsste sie einfach, und das war so sehr viel schöner als die schönsten Worte der Welt. Und Erklärungen, Entschuldigungen, die hatten jetzt überhaupt keinen Platz. Sie hatte ihn vermisst, er hatte ihr so sehr gefehlt. Die Gefühle, die sie geradezu gewaltsam unterdrückt hatte, die tauchten immer mehr auf.

Sie gratulierte ihm, nachdem er sie wieder losgelassen hatte, zu seinen Preisen, doch er winkte ab, weil das für ihn jetzt zweitrangig war. Er hatte nicht gewusst, wie es mit ihnen ausgehen würde, und er hatte schon einen ganz gehörigen Bammel gehabt und war sich nicht sicher gewesen, wie sie reagieren würde. Dr. Roberta Steinfeld war nicht irgendwer! Sie hatte ihren Stolz, und er hatte sich mehr als nur dumm verhalten. Doch es war anders gekommen, ganz so, wie er es sich erträumt hatte. Und das war nicht nur eine Sache von Frauen, auch Männer konnten im Überschwang ihrer Gefühle die ganze Welt umarmen.

Zunächst allerdings umarmte er noch einmal sie, weil er einfach nicht von ihr lassen konnte, und küssen musste er sie ebenfalls. Er hatte sie so sehr vermisst, und dabei war er dabei gewesen, sein Glück mit Füßen zu treten.

Sie lag in seinen Armen, spürte seine Nähe und flüsterte: »Es ist so schön, dass du hier bist. Und ich hoffe, du kannst erst einmal bleiben. Denkst du doch daran, die Felsenburg als eine Kulisse für einen deiner nächsten Filme zu wählen?«

Er schüttelte den Kopf.

»Nein, das ist endgültig gestorben, mit Piet van Beveren wäre es gegangen, mit dem neuen Besitzer komme ich auf keinen Nenner. Aber das ist auch gut so. Es hat sich etwas viel Spannenderes ergeben. Wir bauen den Set für unseren nächsten Film in Andalusien auf und reihen uns damit in die Reihe vieler Regisseure ein, die ihre Filme dort drehten, ob nun ganz früher die zwei glorreichen Halunken, ob Indiana Jones, oder neuerlich Black Mirror oder Dark Fate, eine Terminatorfolge mit Schwarzenegger.

Aber das spielt keine Rolle, ich finde es spannend, auch wenn dort nie zuvor auch nur ein einziger Film gedreht worden wäre. Die Landschaft ist grandios, und man findet ideale Voraussetzungen, denn man kann von dreihundert Sonnentagen, keinem Regen ausgehen, es ist also ideal. Und die Landschaft ist natürlich grandios, man findet auf verhältnismäßig kleinem Raum eine sehr abwechslungsreiche Natur, und wenn …«, er brach seinen Satz ab, schüttelte den Kopf. »Bitte entschuldige, jetzt sind die Pferde mit mir durchgegangen. Warum erzähle ich dir das.«

»Weil es zu deinem Leben gehört, Ken, ich kann deine Begeisterung verstehen, ich weiß, wie es ist, wenn man für etwas brennt.«

Er schaute sie schuldbewusst an. »Von dir kann man sich eine Scheibe abschneiden, du bist viel großzügiger und verständnisvoller als ich, denn ich wollte dir so etwas absprechen.«

Er ergriff ihre rechte Hand, nahm sie behutsam in seine und streichelte sie. »Ich muss morgen früh wieder nach Spanien fliegen, doch ich bin an keine Zeit gebunden, weil eine kleine Privatmaschine für mich auf dem Flughafen bereitsteht, und hergekommen bin ich mit einem Mietwagen.«

Er blickte sie wieder an, ihre Blicke versanken ineinander: »Doch die Zeit, die sollten wir miteinander nutzen, Ladybird.«

Das wollte sie ebenfalls. Irgendwie klang alles noch so unglaublich, aber seine Nähe, seine Berührungen, seine Küsse, die sagten ihr, dass sie nicht träumte.

Ken …

Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie sehr sie ihn vermisst hatte, wie sehr sie sich nach seinen Küssen und Umarmungen gesehnt hatte, nach all diesen zärtlichen, wunderschönen Worten, von denen man nicht genug bekommen konnte, und die man nur aussprechen konnte, wenn sie aus dem Herzen kamen.

Ihr Blick fiel auf eines von Lars’ Fotos, er schien sie anzulächeln und zu sagen – habe ich das nicht gut gemacht?

Gewiss redete sie sich nur ein, dass Lars da seine Hände im Spiel hatte, doch ein solcher Gedanke fühlte sich gut an, weil sie sich sicher war, dass Lars ihr Ken auf den Weg geschickt hatte. Er hatte das tun können, denn was auch immer mit ihm geschehen war, sie würden auf ewig miteinander verbunden bleiben. Vielleicht konnte man wirklich einige Lieben in seinem Leben haben. Doch eine Lebensliebe, einen Lebensmenschen, den gab es nur ein einziges Mal. Und das würde auf immer Lars bleiben, er würde seinen Platz in ihrem Herzen niemals verlieren.

Ken war ihrem Blick gefolgt. Er wollte etwas sagen, besann sich anders, holte stattdessen einen Penny aus seiner Tasche, legte ihn demonstrativ auf den Tisch, schaute sie herausfordernd an.

Sie wusste, was er damit bezweckte. So hatte ihr Spiel einmal angefangen, einen Penny für ihre Gedanken. Doch längst war es kein Spiel mehr. Und ihre Gedanken, die konnte sie ihm auch so verraten, und sie würde ihm die Wahrheit sagen. Denn was immer auch mit ihnen geschehen würde, die Wahrheit war unausweichlich. Das war sie für jede Beziehung.

»Ich habe an Lars gedacht«, sagte sie, »und daran, dass er es gewesen sein musste, der dich in mein Leben geschickt hat, Ken.«

Er war gerührt, sagte nichts, zog sie an sich, hielt sie ganz still in seinen Armen.

Es war einfach nur schön, und das genossen sie beide. Es war Ken, der irgendwann das Wort ergriff. »Ich weiß, dass es mit uns niemals so werden kann wie das, was dich und Lars Magnusson miteinander verbunden hat. Ein kleines bisschen davon, das wäre ein Traum. Ich wundere mich ohnehin, dass du nach dem, was dich mit ihm verbunden hat, jemandem wie mir dein Herz schenkst. An ihn kommt man nicht heran, und ich denke ganz ernsthaft daran, sein Leben zu verfilmen. Solche Menschen wie er sind ein Vorbild für alle, und es gab so viele Facetten in seinem Leben, von denen eine allein besonders ist.«

Als er ihren Blick bemerkte, beteuerte er: »Ladybird, das meine ich ganz ernst. Es stimmt jedes Wort. Und ich weiß auch, worüber ich rede, denn ich habe über ihn recherchieren lassen. Was für ein reiches Leben.« Er schaute sie an. »Was hältst du von meiner Idee? Bist du mit einer Verfilmung einverstanden, Ladybird? Findest du nicht auch, man sollte ihm ein Denkmal setzen?«

»Das finde ich nicht, weil ich weiß, dass Lars damit nicht einverstanden wäre. Außerdem kann ich das nicht entscheiden, ich war mit ihm nicht verheiratet. Wenn, dann müsstest du seine Schwester Solveig fragen, doch ich bin mir ganz sicher, dass sie das ebenfalls nicht möchte. Warum willst du das? Um mich damit zu beeindrucken, um mir klarzumachen, dass du nicht eifersüchtig auf den Mann vor dir bist?« Sie blickte ihn liebevoll an. »Ken, was auch immer deine Beweggründe sind, vergiss es einfach. Ich bin mit dir zusammen, weil ich mit dir zusammen sein möchte. Und ich bin wirklich sehr froh, dass von Trennung jetzt keine Rede ist. Es wäre so schade gewesen, etwas zu beenden, was noch nicht einmal richtig angefangen hat …, und noch eines, ich würde dich niemals mit Lars vergleichen, auch nicht mit meinem geschiedenen Mann. Eines allerdings kann ich immer wiederholen, in gewisser Weise gleicht ihr euch sehr, der Lars und du, in gewisser Weise zwei einsame Wölfe, beide sehr gut aussehend, blond«, sie lächelte ihn an, »du hast nur nicht seine unglaublich blauen Augen.« Ihr Lächeln verstärkte sich. »Bitte fühle dich nicht verpflichtet, mit mir über Lars zu reden. Er wird für immer bei mir sein, er ist bloß nach nebenan gegangen. In diesem Raum hier befinden nur wir beide uns, du und ich, und das ist nicht nur gut so, sondern auch ganz wundervoll. Und jetzt hätte ich überhaupt nichts dagegen, mein Lieber, von dir geküsst zu werden.«

Das hätte sie jetzt überhaupt nicht sagen müssen, denn genau aas war auch seine Idee gewesen, und weil das so war, verstärkte er den Druck seiner Arme und küsste sie.

*

Roberta hatte glücklicherweise überhaupt nichts damit zu tun, weil sie ein sehr ausgefülltes Leben führte, doch von ihrer Freundin Nicki, und nicht nur von der, wusste sie, dass sich die Stunden manchmal dahinzogen so zäh wie Kaugummi und dass sie manchmal wie im Fluge verflogen. Das mit dem Dahinfliegen, dem würde sie sofort zustimmen. Wo war bloß die Zeit geblieben? Sie konnte es nicht sagen, dabei hatten sie in dieser Nacht kaum ein Auge zugetan, weil die Zeit ihnen zu kostbar gewesen war, um sie zu verschlafen.

Alma, die Gute, hatte es sich nicht nehmen lassen, ein ganz großartiges Frühstück auf den Tisch zu stellen, das sie eigentlich beide sehr genossen hatten. Alma hatte darauf bestanden, die beiden allein zu lassen. Und wenn die was wollte, dann hielt man sich besser daran.

Und dann war der Augenblick des Abschieds gekommen, er wäre es auch so, denn Roberta musste in die Praxis gehen. So unglaublich schön sein Besuch auch war, die Arbeit konnte sie deswegen nicht vernachlässigen. Und so passte es eigentlich ganz gut, dass sie beide ihrer Wege gehen mussten. Ihrer freilich würde nicht weit führen, bloß nach nebenan, und seiner ins sonnige Andalusien. Er würde sie auf jeden Fall besuchen, wenn er es einrichten konnte, und sie hatte ihm versprochen, Wochenenden bei ihm zu verbringen, wenn er nicht abkömmlich war.

In ihr saß noch der Schock der Trennung. So etwas wollte sie nicht noch einmal erleben. Vor allem jetzt nicht, da sie so unglaublich schöne Stunden miteinander erlebt hatten. In ihr war so unendlich viel Gefühl für ihn, vielleicht war es Liebe, doch noch mochte sie es so nicht nennen. Er war da sehr viel großzügiger, denn er schmiss mit dem Wort geradezu herum. Doch sie glaubte ihm. Jeder Mensch war halt anders, sie gehörte zu den Leuten, die ihr Herz nicht auf der Zunge trugen.

Eigentlich war Ken bereits zu seinem Auto gelaufen, doch dann überlegte er es sich anders, kehrte noch einmal um, riss sie in seine Arme, küsste sie wie ein Verdurstender. Es gab Leute, die Augenzeugen dieser filmreifen Szene wurden, doch das war Roberta so was von egal, und Ken, der hatte damit eh nichts am Hut. Musste er auch nicht haben, denn ihn kannte niemand im Sonnenwinkel. Mochten die Leute reden, das taten manche so oder so. Sie schmolz in seinen Armen dahin, und sie nahm geradezu gierig seine Worte, die er ihr mit heiserer Stimme ins Ohr flüsterte: »Ladybird, ich war ein Ertrinkender, doch du hast mich gerettet. Ich möchte nicht mehr ohne dich sein, du bist mein Leben …, ich liebe dich …, ich liebe dich mehr, als ich es mit Worten ausdrücken kann.«

Danach ließ er sie los, rannte zu seinem Auto, stieg ein, dann fuhr er, ohne noch einen Blick auf sie zu werfen, davon.

Nein, rasen war wohl der treffendere Ausdruck für das, was er gerade tat.

Sie blieb noch eine Weile reglos stehen, dann ging sie zurück ins Haus. Plötzlich war auch Alma wieder da, die den Frühstückstisch abräumte.

Roberta blickte auf ihre Armbanduhr. Ein wenig Zeit hatte sie noch.

»Alma, das können Sie alles später machen. Trinken wir noch einen Kaffee zusammen?«

Damit war Alma sofort einverstanden, und es dauerte nicht lange, da saßen sie sich gegenüber, tranken ihren Kaffee, zunächst einmal schwiegen beide. Doch dann bemerkte Roberta, dass Alma weinte. Sofort erkundigte sie sich ganz entsetzt: »Alma, was ist los? Weswegen weinen Sie? Haben Sie Schmerzen? Dann lassen Sie uns sofort nach nebenan in die Praxis gehen, damit ich der Sache auf den Grund gehen kann.«

Sofort wischte Alma sich ganz energisch die Tränen aus ihrem Gesicht.

»Frau Doktor, es ist nichts, es sind Freudentränen, ich bin ja so froh, dass Ken Craig gekommen ist, dass Sie und er sich wieder versöhnt haben.« Sie warf Roberta einen beinahe ängstlichen Blick zu. »Sie haben sich doch wieder versöhnt, nicht wahr? Das mit dieser unseligen Trennung ist doch vom Tisch?«

Roberta war gerührt. Alma machte sich solche Sorgen um sie. Und natürlich hatte sie mit ihr gelitten. »Es ist alles gut, Alma«, beschwichtigte sie diese treue Seele.

Alma seufzte zufrieden.

»Dann hat der liebe Gott meine Gebete erhört, jetzt wird alles gut. Sie sind aber auch ein so schönes Paar. Es wäre jammerschade gewesen, wenn es bei der Trennung geblieben wäre.«

Roberta brachte es jetzt einfach nicht übers Herz, Alma zu sagen, dass niemand in die Zukunft sehen konnte, dass alles noch offen war, dass man Wünsche haben und Pläne machen konnte, die sich dann doch nicht erfüllten, weil das Schicksal seine Fäden spann, die oftmals in eine ganz andere Richtung wiesen. Und sie und Ken, bei allen Gefühlen durfte Roberta sich da wirklich nichts vormachen. Sie lebten einfach in verschiedenen Welten, und sie konnte und wollte sich derzeit keine Gedanken über die Zukunft machen. Wenn das Schicksal ihr nur eine kurze Zeit mit Ken eingeräumt hatte, dann wollte sie die nutzen und von ganzem Herzen genießen. Anders durfte sie es nicht sehen, denn da war die Enttäuschung vorprogrammiert. Er war gekommen, und sie hatten unvergleichliche Stunden miteinander verbracht. Das was sie bewegte, was ihr durch den Kopf ging, durfte sie Alma nicht erzählen, denn die würde sich gleich wieder Sorgen machen und bekümmert sein.

»Es ist schön, dass Ken gekommen ist«, bemerkte sie nur, und das entsprach auch der Wahrheit, »doch jetzt muss ich in die Praxis gehen, ich darf die Patientinnen und Patienten nicht warten lassen.«

Alma nickte.

»Ja, gehen Sie nur, Frau Doktor. Ich kann Ihnen wirklich nicht sagen, wie sehr ich mich freue. Ich werde auf jeden Fall heute etwas besonders Leckeres auf den Tisch bringen.«

Am liebsten hätte Roberta Alma jetzt umarmt, sie ließ es bleiben, lächelte Alma an und sagte: »Und darauf freue ich mich jetzt schon.«