Der Niederungen Lied - Stefan Hoffitz - E-Book

Der Niederungen Lied E-Book

Stefan Hoffitz

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Beschreibung

Eine dunkle Bedrohung ereilt das Königreich und nicht nur die wunderschöne Prinzessin Brunhild muss darunter leiden. Gerade als die Lage aussichtslos erscheint, kommt ein geheimnisvoller dunkler Ritter und bietet seine Dienste an, doch nicht ohne einen bitteren Preis... Der Niederungen Lied ist eine schwarzhumorige Mittelalter-Satire in Versform. Lasst die Sage beginnen!

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MOBI

Seitenzahl: 176




Der Niederungen Lied

Erklärung:Widmung:Prolog: Der Niederungen Lied. Akt 1.Akt 2.Akt 3.Akt 4.Akt 5.Akt 6.Akt 7.Akt 8.Akt 9.Akt 10.Akt 11.Akt 12.Akt 13.Akt 14.Akt 15.Akt 16.Akt 17.Akt 18.Akt 19.Akt 20.Akt 21.Akt 22.Akt 23.Akt 24.Akt 25.Akt 26.Akt 27.Akt 28.Akt 29.Akt 30.Akt 31.Inhalt, Buch 1.Impressum

Erklärung:

Das folgende Versepos ist eine Satire,

jedwede Ähnlichkeit mit historischen und/oder religiösen Persönlichkeiten

und/oder Ereignissen ist rein zufällig.

Dies ist eine überarbeitete Fassung,

für Anregungen und Kritik: [email protected]

Dieses Versepos ist  nicht für Kinder und Jugendliche geeignet!

Widmung:

Für Kimara

(Danke für die Dusche)

Prolog:

Stefan Hoffitz

Der Niederungen Lied.

Ein Versepos.

In einer dunklen, allzu fernen Zeit; 

als Computer und ähnlich' Güter noch nicht erfunden; 

als die Neue Welt im Westen noch nicht gefunden; 

als die Elektrizität noch als göttlich' Kuriosität,  

den Wolken entsprungen, geradewegs durch Bäume fuhr  

und das Phänomen des Feuers, mit Zunder geschürt,  

mit Kerzenstift gebändigt, die Häuser der Menschen  

mit Wärme und Licht erfüllt, 

alsda ward in blutig', schweißgetränkt' Handarbeit,  

mit Holz, Lehm und Stein,  

ein prachtvolles Königreich aus dem Boden gestampft;  

Akt 1.

Eines Morgens kam ein Bote

zu des Schlosses großer Pforte:

„Hurtig lasset mich hinein, -

denn ich bin in großer Eil!“,

schrie er laut aus vollem Halse,

dass man machte, was er sagte.

Quietschend ging ein Türschlitz auf;

als zwei Augen blitzten raus,

musternd ihn von oben bis unten.

„Schreit doch nicht zur frühen Stunde!“,

„Lasst mich treten vor den König, -

ihm zu künden höchstpersönlich!“

„Worum geht's denn, hat es Zeit?“

„Ganz entschieden sag ich nein!“

„Einen Ausweis müsst Ihr zeigen“

„Seht das Siegel muss euch reichen!“,

rollend ab die kleine Schrift

vor der Pforte dünnem Schlitz.

„Wie Ihr meint; na kommt herein!“

„Gott, fein, fein, ich eil', ich eil'!“

Steckend sie in seine Tasche,

Er ins Schlosses Innre rannte.

***

Der Königssaal, mit goldnem Throne,

verlassen stand so da, ganz ohne

'ne Menschenseele weit und breit.

Der Bote drehte sich im Kreise

und wusste nicht mit sich wohin?

der König fehlte; auf die Weise

verlief es nicht nach seinem Sinn.

Da hörte er ein komisch' Läuten

in seinem Rücken klimpernd dräuen.

Als er sich drehte rasch umher,

er sah, der Saal war menschenleer.

In seinem Rücken tönt's erneut;

er sprang herum, so ganz zerstreut

und sah vor sich nichts, einfach nichts!

Er sprach sodann: „Ist dies ein Witz?“,

und machte viele weit're Kreise,

es bimmelt stets die andre Seite.

Nach hinten springend - wieder nichts!

Da fragte jemand: „Sucht Ihr mich?“

der Bote gleich sich drehte schon,

um zu entdecken dort aufm Thron

den Hofnarr hockend schelmisch grinsen!

Sein scheckig grünes Gugelmützchen

mit sechs sehr kleinen Zipfelglöckchen

verursacht jenes irre Bimmeln.

„Dich such ich nicht, du blöder Schelm!“,

der Bote brüllte zornig alsfort;

„Na bitte sehr, ich danke gern!“,

entflog des Narren fröhlich' Antwort.

Er trug 'ne weiße Augenmaske

und hatte eine Hasenscharte.

„Dass du dich nicht vor mir genierst, -

des Königs Platz gar okkupierst! -

Er würde dich von dort vertreiben, -

wo mag er heute wohl verbleiben?“

„Ihr wisst nicht wo der König steckt?“

„Sei still, gemeiner, frecher Keck!“

„Und wenn ich Euch sogleich verriete, -

wo zu verkehren Er beliebte?“

„Dann sage es mir augenblicklich, -

es ist ja ausgesprochen wichtig!“

Der Hofnarr sich nun beugte vor,

der Bote wurde drauf ganz Ohr:

„So kommet näher bitte sehr.“

Der andre tat wie ihm geheißen,

sich fügsam ließ nach unten neigen.

Als sein Ohr dem Narr so nah,

zu hören, wo der König war;

den Finger in den Mund gesteckt,

ihn angelutscht und nass geleckt;

der Narr den Finger kichernd bohrte

ins haarig Ohr des armen Boten,

der wütend schreckte z'rück im Nu:

„Was traust dir zu, du Dummkopf duuuu!“

„Nur Narrenfreiheit, tut mir leid.“

„Für Späße hab ich keine Zeit!“

„Mein Herr, dann solltet Ihr Euch sputen, -

mich lasset an der Hand Euch führen!“

Er ward gezogen und gezerrt,

durch eine große Tür gedrängt;

von ihm geschoben und geschubst,

in einen Treppenschacht gedrückt;

hinfort durch steinern dunkle Gänge,

nicht auszuhalten dies Gerenne!

Erst rechts, dann links, dann hoch und runter;

der Bote war nicht mehr so munter,

als endlich standen alle beide

vor einer Tür, aus dicker Eiche.

„Gleichmäßig atmen guter Herr.“

„Wie schrecklich, wie komm ich hierher?“,

der Bote fragte, qualvoll schnaubend

nach frischer Luft begierig schnappend.

„Wir sind doch endlich angelangt -

vor Königs trautem Schlafgemach, -

Ihr geht nur durch dies Tür, dann hoch, -

rechts, links, geradeaus, links und noch -

die Treppe runter, den Gang hinein, -

schwupps werdet Ihr am Ziele sein!“

„Was wär' ich froh, würd' ich dich los, -

so lebe wohl, du Gernegroß!“

Er drückte prompt den Bronzeknauf,

doch leider ging die Tür nicht auf!

„Die Tür ist offenbar verschlossen.“

„Das seh' ich!“, kam's dem Boten entschossen.

„Mein Herr, da weiß ich guten Rat“

Er zog 'ne Nadel aus dem Haar

und machte sich am Schloss zu schaffen;

man hörte die Mechanik knacken

dass bald die Türe offen stand.

Er wollte gehen kurzerhand,

doch ließ der Narr nicht los den Boten,

die Hand wie'n Bettler hochgehoben,

„Um einen Pfennig ich noch bitt'“

„Für diese Narretei doch nicht!“

„Ich danke dem verehrten Herrn. -

An Eurer Stelle blieb ich fern.“

Das Letzte er ihm flüsternd sagte.

Der Bote sich sogleich verkrampfte

„Zum Kuckuck warum sagst du das?“

„Der König ackert die ganze Nacht!“,

Er zwinkerte ihm zu verwegen,

„Was sollte dieses Zwinkern eben?“

„Versteht Ihr mich denn wirklich nicht?“

Er machte mit der Faust 'nen Ring

und schlug darauf mit flacher Hand.

„Der König schuftet in der Nacht!“,

dabei nun zwinkernd suggestiv.

„Ja unterlass dies Zwinker-Spiel!“

Der Hofnarr schaute völlig ernst,

als hätte ihn der Mann entsetzt.

Er sah sich um, dass niemand lauschte,

„Ich sag's wie's ist, das könnt Ihr glauben, -

doch ist's am Hofe all'n bekannt; -

Er holt den Schlaf am Tage nach, -

Der König ist ein Morgenmuffel, -

wer ihn weckt, lässt er einfach köpfen.“

Der Bote schluckte bei den Worten,

die Warnung füllte ihn mit Sorgen.

Doch kurz danach besann er sich

und poltert' äußerst fürchterlich:

„Dies ist doch nichts als Lug und Trug, -

nur blanker, blöder Narrenunfug!“

„Gern geschehen, auf wiedersehen.“

Der Narr an seiner Gugel tippte,

umarmend klopfte ab den Mann;

wie'n Hase hopps von dannen hüpfte,

bevor zu wüten der begann.

Sobald er um die Eck' gebogen,

besah er, was er ihm gestohlen.

Akt 2.

„Dem Himmel Dank bin ich allein, -

was wird wohl hinter der Türe sein?“,

er sprach und trat durch diese Türe;

ein kalter, dunkler Gang ihn führte

zur Treppe mit verstaubten Stufen.

Ihm nicht geheuer diese Ruhe,

so es ihn zog hieraus zu flieh'n,

als in das Schloss die Türe fiel.

„Verflixter Narr!“, er rief bedrückt;

nun konnte er nicht mehr zurück,

und ging die steinern' Stufen empor;

der Schritte Hall drang an sein Ohr.

Sich langsam schreitend vorwärtstastend,

er endlich oben hingelangte,

nun stehend vor der heiklen Entscheidung:

„Die rechte oder linke Verzweigung?“

Was jener dumme Narr gesagt,

war allzu wirr und auch vertrackt;

Da ihm verblieb kein Fackellicht

ward schwarzgefärbt der Augen Sicht;

so mag es niemand' überraschen,

ihn blanke Panik konnt' erfassen.

so lief er vorwärts immer schneller;

war er ihm Turm, war er im Keller?

Ein plötzlich quietschend' Mäusefiepen

ihn brachte kreischend hoch zum Sieden,

wie Wasser im Topfe überschwappt;

von kaltem Schrecken er gepackt,

und schoss schnurstracks mit flatternd' Händen,

durch spinnennetzbehang'ne Gänge.

Er stürzte durch ein Spalt in der Wand,

von Innen öffnend einen Schrank,

der aufging einer Türe gleich,

gewahrend vor sich, dürr und bleich,

'ne Dame, die sich wohl erschrocken;

er war ins Zimmer eingebrochen!

„Verzeiht mir bitte, fürchtet kein Leid“

Er höflichst sich vor ihr verneigt;

„Ich habe meinen Weg verloren, -

ich bin ein Edelmann, ein Bote“

die Mütze nahm in seine Hand

alsda er sprach die Dame an:

Der Sonne sanfter Morgenschimmer

erfüllte ihr grün gestrichen' Zimmer,

erleuchtend sanft ihr lächelnd' Gesicht,

das hübsch doch sehr auf ihn gewirkt.

„Ihr saget nichts, ich's gut verstehe, -

Ihr wütend seid und wollt, dass ich gehe, -

So lebet wohl, verehrte Dame.“

Sie streckte plötzlich aus die Arme,

bevor er die Tür erreichen konnt',

ihn führend ohne'n einzig Wort,

sich hakend lustig bei ihm ein,

dass bald er saß am Tischelein,

wo putzig Geschirr sie drapiert'

und zwei der Stühle 'rum platziert',

dass notgedrungen er nun saß

am Tische als ihr teurer Gast,

sich sorgsam ihrem Wunsche fügend,

um ihrer Erwartung zu genügen.

Sie duftend' Tee ins Tässchen goss.

Er nahm ein' Schluck und sagte höflich,

„Dies Trunk nach Blüten riecht famos.“

Sie strahlte scheinbar äußerst fröhlich

und wirkte dabei gänzlich entzückt;

er leerte die Tasse in einem Ruck,

erstaunt, dass sie ihm gleichgetan;

dies blonde Weib im grauen Kleid

sich allzu sonderbar benahm.

„Verehrteste habt mir vielen Dank -

für diesen unerwartet' Trank. -

Den ehrenvollen König aufsuchen, -

da muss ich mich nun aber sputen, -

daher muss ich schon leider gehen, -

habt Dank, es war sehr angenehm.“

Sie legte die Tasse klirrend ab

und schaute ihn merkwürdig an.

Da tönte ihre schallend' Stimme:

Sie fragte: „Ho'en hieer hicken?“

„Ob wir nun wollen etwas trinken? -

A-Aber dies taten wir bereits.“

„Hom hick hich!“

„Ich versteh' nicht, was Ihr meint.“

„Hicken hitte hick hich!“

Sie seine schweißnassen Hände nahm

und drückte sie an den zierlich' Busen;

wie weichzart ihrer Zierde Pracht,

was konnte sie nur im Schilde führen?

Er schnell sich ihrer lösen musste.

Doch leichter gesagt als getan;

sie schien entschlossen, ihn zu küssen.

„Ihr seid ja im Liebeswahn!“

Sie sprang ihn an wie'n wildes Biest,

er fiel und einen Schrei ausstieß;

als dies Handgemenge unterbrachen

sechs herbeigedrängte Wachsoldaten.

Akt 3.

Sie brachten ihn zu Hofmarschalls Büro:

„Dies Mann ist eingedrungen, ein Spion! -

Gefangen genommen als er da versuchte -

des Königs Bastard-Tochter zu entführen!“,

verkündet' einer der grimmigen Soldaten,

sehr stolz den armen Mann enttarnt zu haben,

der furchtbar sich darob entrüstet gezeigt,

dass man ihm unterstellte solcherlei.

„Ich bin ein Bote, wollt ihr mich nicht hören!“

Der Hofmarschall sich an ihm schien zu stören,

nun nähertretend, ihn zu mustern genau;

der Mantel war zerknittert, das Haar zerzaust;

er wahrlich wirkte wie ein Eindringling,

dem Boten kam so plötzlich in den Sinn,

alsda er peinlich berührt auch schon vernahm

wie ernstlich ihn der Hofmarschall gefragt:

„Was kann nur eines Boten Zunge summen -

in jenes taube Öhrchen einer Stummen?“

Der Bote darob machte erstaunte Augen,

man also durfte dieser Frau nicht trauen!

„Dies Umstand konnte ich doch nicht erahnen, -

sie hatte mich ja nur zum Tee geladen, -

doch wollte ich zum König, weiter nichts; -

ich nur versehentlich in ihr Zimmer stieß.“

„Ihr wolltet demnach eher den König entführen!?“

„Nein, nein, keineswegs, ich schwöre, ich schwöre!“

„Es endlich spuckt aus, was Ihr wolltet dann?“

Des Marschalls linke Auge zuckte rasch.

Der Bote es bemerkte mit Unbehagen,

war dies ein Zwinkern eben, wollte er fragen,

im letzten Moment er sich's überlegt

und Folgendes ihm stattdessen erzählt:

„Herzog von Weilenstein, mein lieber Oheim, -

mir trug im Vertrauen auf den eilig' Auftrag, -

dem König zu verkünden ein' grässlich' Vorfall, -

und zwar nur dem König allein!“

„Ist dies nicht wahrlich eine hübsch' Geschicht', -

die Ihr so tollkühn vor mir aufgetischt, -

obschon der gute Herzog schickt ja wohl -

nicht einen fiesen Spion an unsren Hof, -

doch eilig hattet Ihr's nicht, dies zu künden, -

wenn Ihr gar Zeit gefunden, Tee zu schlürfen!“

Sein Auge zuckte zum zweiten Mal zweimal,

als er so sprach, was diesmal deutlich ward.

Schon wieder dieses spöttische Gezwinker,

was eine Sache steckte nur dahinter?

Der Bote selbst sich augenblicklich fragte,

nur dieses Mal es aus ihm förmlich platzte:

„Ihr zwinkert so, was suggeriert Ihr mir?“

„Wie suggerieren!? Ich investigiere hier! -

Jetzo will ich, dass Ihr mir klar verratet, -

warum Ihr nicht im Thronsaal kurz gewartet, -

wie's sich für einen Boten gewiss gehört, -

statt dass ihr eine einsame Frau gestört?“

Des strengen Marschalls linke Augenlid

erneut verräterisch zu zwinkern schien.

„Dies Zwinkern sicher spielt auf etwas an! -

Ich aber bin ein redlich' Edelmann -

Allein der dumme Hofnarr, dieser Schalk, -

mich hat in diese Situation gebracht!“

„Der Narr!? Wie kommt Ihr ausgerechnet auf den?“

Der Hofmarschall konnt es wahrlich nicht verstehn.

Sein Augenzucken sich verstärkte darob.

Er hatte ihm ja zugezwinkert als ob

sich richtig lustig machend über'n Boten,

der gänzlich seine gute Fassung verloren.

„Hach, jetzt durchschau' ich endlich diese Frage! -

Dieses Verhör ist ausgemachte Scharade, -

ein Spottgeflecht vom Narren ausgeheckt -

Und Ihr mit ihm unter einer Decke steckt!“

„Wie könnt Ihr solche Unterstellung streuen, -

das werdet ihr noch bitterbös bereuen! -

Bin ich der Hofmarschall oder seid es Ihr?“

Er brüllte, schnaubend wie ein wilder Stier.

Der Bote schreckte jäh zurück, verwirrt;

konnt es denn sein, dass er sich hatte geirrt?

Doch wieder zuckte das Auge wie zum Hohn;

da war er außer sich und sprang nach vorn,

den baffen Hofmarschall zu packen am Kragen;

ihn konnten noch festhalten die Soldaten.

„Nun seh ich, Ihr seid ganz und gar von Sinnen, -

kein Wunder, dass man Euch fand bei der Irren!“

befehlend seinen Leuten: „Sperrt ihn ein!“

Der Bote protestierte: „Tut's nicht, nein!“

sich windend hilflos, schreiend voller Schrecken,

alsda erschien der Hofnarr um die Ecke,

„Da seid Ihr ja, als just ich Euch verließ, -

ich sah wie dieses teure Schriftstück blies: -

aus Eurer Tasche, da Ihr lieft gehetzt, -

so ich's zur Sicherheit lieber eingesteckt.“

Der Marschall ungeduldig rief: „Gib her!“

Der Hofnarr sagte: „Danke, bitte sehr.“

„Dies ist ein echter Zollbefreiungsschein, -

versiegelt von dem Herzog Weilenstein. -

Dies Herr die Wahrheit also doch gesagt! -

Nun sprich, was du mit ihm zu tun gehabt? “

„Er's hatte eilig, den König aufzuwecken, -

zu offenbar politisch wicht'gen Zwecken. -

Was weiß ein armer Hofnarr davon schon? -

Drum bitt' ich um 'nen kleinen Finderlohn.“

Er hielt die flache Hand vor des Boten Nase.

„So gebt dem Narren seine verdiente Gage!“

„Bitte einen Pfennig nach altem Brauch.“

„Habe nur Silbermünzen.“ - „Das geht auch.“

Der Bote holte'n Taler aus dem Beutel.

„Ich danke, wiederseh'n!“, der Narr sich verbeugte,

die bunte Gugel schwenkend zum Abschiedsgruße,

bevor er, Rad schlagend, aus dem Zimmer huschte.

Der Hofmarschall sagte trocken dann zum Boten,

als der verrückte Narr von dannen gezogen:

„Mein Herr, hier nehmen Sie das Dokument. -

Ein Bote kann nicht tun, was ihm gefällt; -

ich werde mich aber als gnädig erweisen -

und Euch zu Ihrer Majestät geleiten.“

Sein Augenlid zuckte dabei zweifach im Takt,

jetzt erst der betrübte Bote da verstand,

die Zwinkerei mit Absicht nicht geschah,

ein recht nervöser Tick es vielmehr war;

er schämte sich deshalb für seinen Ausbruch.

dass einen sehr versöhnlichen Ton er anschlug:

„Herr bitte verzeiht mein Benehmen von eben, -

Der Bastard-Tochter Schimären mich benebelt.“

Der Hofmarschall erwiderte darauf knapp,

als fände er die Begründung äußerst schwach:

„Ich denke nicht, dass ihr Schwachsinn ansteckend ist, -

egal, Ihr kommt jetzt unverzüglich mit.“

Akt 4.

Man hörte ihre dumpfen Schritte schallen,

durch jene großen lichtdurchfluteten Hallen

als sie erreichten endlich Königs Büro,

in welchem die Beamten schrieben schon

mit Federkiel und Tinte auf Pergament

manch einen herrschaftlichen Gesetzestext.

Es fragte der gestrenge Sekretär,

der trug um'n Hals ein fecherförm'ges Revers:

„Hat dieser Bote auch sicher einen Termin?“

Zu scheitern drohte er an Bürokratie,

denn er nicht wusste, was zu sagen jetzt.

„Ihr braucht'n Termin für 'ne Privataudienz -

denn morgens früh empfängt der König -

gar keine Boten für gewöhnlich.“

Hat nicht der Narr was Ähnliches gesagt,

voll Bange er sich dieses da gefragt.

„Des Herzogs Neffen muss gestattet werden, -

dem König schlimme Nachricht zu entsenden“

Der Hofmarschall sich setzte ein für ihn,

sodass man sie sogleich zum König ließ.

Als sie darauf im nächsten Zimmer standen,

sie auf den treuen Kammerdiener trafen,

der wahrlich sehr besorgt zur Kenntnis nahm,

dass man mit einer schlechten Nachricht kam:

„Ach, Herrjemine, verehrte Herren. -

Seiner Majestät Magen zum frühen Mahle, -

vertraget keiner schlimmen Nachricht Plage.“

Der junge Bote schluckte sichtlich verängstigt

„Selbstverständlich, doch ist's unerlässlich! -

hab ich nicht recht mein ach so edler Bote?“

Der Frage wegen ist er blasser geworden.

„Nun ja, die Botschaft muss geheim ich halten, -

man könnte sie daher als dringend erachten, -

doch kann ich noch natürlich etwas warten, -

bis unser König gänzlich ausgeschlafen.“

Der Kammerdiener dachte strengstens nach:

„Unter den Umständen bleibt mir keine Wahl -

Wir müssen Seine Majestät behelligen!“

Der Bote wollte sich drauf nicht verständigen:

„Ich denk', ich warte, bis mich der König ruft.“

„Ach was, Ihr folgt mir sofort ohne Verzug!“,

befahl ihm nachdrücklich der Hofmarschall.

***

Die kleine Kammer durch, 'ne Nebentüre,

zu Königs Schlafgemach sie kurzum führte.

Dort stand ein majestätisches Himmelbett,

mit seidnem Vorhang, wie es gut gefällt.

Es schliefen darin zwei der lieblichsten Nymphen,

von schönem Antlitz; dort sie lagen umschlungen.

Die Herren wandten ab den Blick in Scham,

dass sie den weiblich'n Liebreiz nicht mehr sah'n.

Nur mutig der Kammerdiener trat heran,

da er die jungen Mädchen bereits gekannt:

„Wacht auf ihr Zofen, vorbei ist der Morgen, -

bald ist es Mittagszeit, rasch an die Arbeit!“

Er sie gefasst an die feinem Schultern sanft,

jedoch einander sie sich fester umarmt.

„Was hab ich euch befohlen, wachet auf!“

„Mann, ach, schrei' doch hier nicht so schrecklich laut, -

wir sind noch richtig müd' von letzter Nacht.“

„Sagt schnell, was habt ihr mit dem König gemacht!“,

da dröhnte barsch des Marschalls laute Stimme,

die sie dem Dämmerschlaf unsanft entrissen.

„Nichts taten wir was unsrem Herrn missfiel“,

Sie hauchten dieses zwinkernd sehr lasziv.

„Und wo befindet sich Seine Majestät?“

„Das Seine Majestät uns nicht erzählt“

„Unglaublich! Ist das überhaupt zu fassen, -

dass er das Zimmer einfach heimlich verlassen, -

ganz ohne angemessen' Schutzgeleit?“

Der Kammerdiener schien nun ratlos zu sein;

draufhin der Marschall drückte des Boten Hals.

„Ihr würgt mich!“, keuchte dieser voller Angst.

„Weil Ihr mich hintergeht! Ich hab euch durchschaut!“

Des Boten Lippen färbten sich dunkelblau;

Ein Besen plötzlich zwischen ihnen drang,

gefolgt von einer ziemlich dicken Magd,

die hatte geflissentlich sauber Staub gefegt.

„Ihr habt euch einfach zwischen uns gedrängt?“

„Nu hern se 'uf, damit ik arbeyten koann,

von nüscht kommt nüscht; nu seht die feyn Küke oan, -

husch, husch, an die Arbeyt!“

Ihr Besen verscheuchte sie wie eine Katze

aus ihres Königs gemütlich warmer Matratze.

Der Marschall darüber wurde aufmerksam

und trat nun wütend zu der Dienstmagd ran:

„Gestehe, du weißt, wo der König ist?“

„Na na, so janz jewiss nüscht euer Gnaden, -

da müscht Ihr mikke scho höflicher fragen.“

genervt sogleich er knirschte mit den Zähnen;

denn ihm missfiel ihr aufmüpfiges Benehmen,

„Na gut, Verzeihung, so sage mir nun bitte, -

wo Seine Majestät ich schleunigst finde?“

„Mein alter Junther im Jarten ihn jeseh'n. -

Er üscht ja Järtner dort und arbeytet schwer.“

„Wir lassen dich ihn Ruhe, danke sehr. -

Kommt Wachsoldaten, auf zum Wildtiergarten!“

Der Bote zaghaft fragte ihn: „Und ich?“

„Was soll's, Ihr kommt natürlich mit uns mit.“

Akt 5.

Sie liefen kreuz und quer durch grüne Hecken,

die war'n umgeben von Rosen und Zypressen,

verschiedenst buntgewürfeltem Geblüht,

gepflanzt zur Freude sinnlichen Gemüts.

Enzian, Glockenheide, Lerchensporn,

Maiglöcklein, Bechermalve, lila Gemshorn.

Doch keine Zeit ward, prächtig' Blütenstauden,

schön ruhig promenierend, zu bestaunen,

sie wollten schließlich ihren König finden,

vor einem Brunnen sie letztendlich hielten.

„Verteilt euch Mannen zu sechs Zweier-Reihen, -

wenn ihr gefunden Ihn, sollt laut ihr schreien. -

Ihr, Bote, bleibt an meiner Seite schön, -

auf geht’s, so macht euch auf die Beine nun!“

Im großen Teiche stolze Schwäne schwammen;

ein wilder Auerhahn von Ferne kreischte.

„Erstaunlich' Garten, seht ein Hirschgeweih, -

dies wird womöglich ein echter Rothirsch sein?“

„Der König ließ den Wald zum Garten umdeuten, -

und wilde Tiere auf den Wiesen einzäunen, -

zur großen Freude seiner Tochter Brunhild, -

die Tiere gern gefüttert als kleines Kind.“

„Mir bitte saget, gibt's im Walde hier -

gefährlich fleischgefräßiges Getier?“

„Selbstverständlich, interessante Fleischfresser -

machen jeden Wald um einges besser!“

Dem armen Boten ward nicht wohl zu Gemüte,

bei dem Gedanken, wo ihn die Suche führte.

Er auf 'nem Ast nun sah ein süßes Eichhörnchen,

das füllte Nüsse in die Backengrübchen.

„Ach wär' ich droben und nicht unten hier!“

Da jemand brüllte laut: „Kommt alle zu mir!“

Sie liefen alle der Stimme Ruf entgegen,

„Seht wo sich die zwei Sträucher dort bewegen, -

sieht's aus als ob ein Fuchs es treibt mit'm Hasen!“

Dem ollen Soldaten gleich verging das Lachen

als ihm verpasste einen groben Schlag

der Hofmarschall, der daraufhin befahl:

„Ihr sollt nicht feixen, sondern den König finden!!!“