Der Notarzt - Folge 264 - Karin Graf - E-Book

Der Notarzt - Folge 264 E-Book

Karin Graf

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Beschreibung

Zuerst denkt sich Lea König nichts Böses dabei, als Peter Kersten ihr berichtet, dass in der Notaufnahme eine neue Kollegin aus Italien anfangen wird. Schließlich hat ihr Lebensgefährte jeden Tag mit vielen Kolleginnen zu tun. Außerdem ist die Beziehung der beiden so innig, dass von einer anderen Frau keine Gefahr für Lea ausgehen kann. Selbst als der Notarzt der hübschen Italienerin sein leer stehendes Appartement als Bleibe anbietet, bleibt Lea gelassen. Doch dann verändert sich Peter plötzlich. Er redet ständig von Violetta Ventini, schwärmt von ihren Fähigkeiten und ihrem bezaubernden Wesen. Abends kommt er immer später heim, weil er Violetta noch helfen musste oder ein Glas Wein mit ihr getrunken hat. Auch den Kollegen der Frankfurter Sauerbruch-Klinik fällt auf, dass der Notarzt sich offensichtlich sehr zu der jungen Frau hingezogen fühlt. Peter will es zuerst nicht wahrhaben, doch dann muss auch er sich eingestehen, dass Violetta ihm alles andere als gleichgültig ist ...

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Seitenzahl: 119

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Inhalt

Cover

Impressum

Schwere Zeiten für die Liebe

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock/wavebreakmedia

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-2816-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Schwere Zeiten für die Liebe

Verliert Lea ihren Dr. Kersten an eine hübsche Kollegin?

Karin Graf

Zuerst denkt sich Lea König nichts Böses dabei, als Peter Kersten ihr berichtet, dass in der Notaufnahme eine neue Kollegin aus Italien anfangen wird. Schließlich hat ihr Lebensgefährte jeden Tag mit vielen Kolleginnen zu tun. Außerdem ist die Beziehung der beiden so innig, dass von einer anderen Frau keine Gefahr für Lea ausgehen kann.

Selbst als der Notarzt der hübschen Italienerin sein leer stehendes Appartement als Bleibe anbietet, bleibt Lea gelassen.

Doch dann verändert sich Peter plötzlich. Er redet ständig von Violetta Ventini, schwärmt von ihren Fähigkeiten und ihrem bezaubernden Wesen. Abends kommt er immer später heim, weil er Violetta noch helfen musste oder ein Glas Wein mit ihr getrunken hat.

Auch den Kollegen der Frankfurter Sauerbruch-Klinik fällt auf, dass der Notarzt sich offensichtlich sehr zu der jungen Frau hingezogen fühlt. Peter will es zuerst nicht wahrhaben, doch dann muss auch er sich eingestehen, dass Violetta ihm alles andere als gleichgültig ist …

„Pfannkuchen oder lieber ein weiches Ei, Schatz?“

Dr. Peter Kersten, der Leiter der Notaufnahme an der Frankfurter Sauerbruch-Klinik, stellte die dampfende Kaffeekanne auf den gedeckten Frühstückstisch, warf einen Blick auf seine Armbanduhr und runzelte missmutig die Stirn.

Das Frühstück war meistens die einzige Gelegenheit, gemeinsam mit seiner Freundin eine Mahlzeit einzunehmen, miteinander zu plaudern, in Ruhe verschiedene Dinge zu besprechen und Pläne für die spärliche Freizeit, die ihnen beiden zur Verfügung stand, zu schmieden.

Dementsprechend ungern sah er es, wenn ihnen jemand diese kostbaren Minuten stehlen wollte. Nun hing die Kinder- und Jugendpsychologin Dr. Lea König allerdings bereits seit fast einer Stunde am Telefon.

In etwa zwanzig Minuten musste Peter das Haus verlassen, wenn er seinen Dienst in der Notaufnahme pünktlich antreten wollte, und zu mehr als einem flüchtigen „Guten Morgen!“, hatte es heute noch nicht gereicht, ehe das Telefon schon wenige Minuten nach sechs geklingelt hatte.

Das Telefongespräch schien noch nicht einmal besonders erfreulich zu sein – zumindest für Lea nicht –, denn außer ein oder zwei Wörtern alle paar Minuten schien sie kaum zum Reden zu kommen.

„Ein weiches …“ Lea brach ab, verdrehte seufzend die Augen, warf ihrerseits einen Blick auf die Uhr und gab Peter mit einem bedauernden Schulterzucken zu verstehen, dass sie das Gespräch nicht so einfach beenden könne.

Der Notarzt nahm zwei Eier aus dem Kühlschrank, stellte sie in den Eierkocher und hörte kopfschüttelnd zu.

„Nein, Anna, das …! Aber warum ha …? Das ist do … Weißt du genau, dass …? Nein, das ist keine gu …! Aber wa …! Wie …? Hör zu, Anna, ich … Ach so! Ja, ich verst … Was hat er …? Wieso glaubst …? Wa …? Nei …! Ann …!“

Verhalten stöhnend hielt Lea ihr Handy ein wenig auf Abstand, nahm es dann in die andere Hand, hielt es an ihr linkes Ohr und massierte sich das rechte mit den Fingerspitzen.

Peter konnte gut nachvollziehen, warum, denn er konnte die schrillen Töne, die beinahe ohne Unterbrechung aus dem Telefon quäkten, quer durch die große Küche hören.

Kurz bevor die Eier fertig waren, toastete er ein paar Scheiben Brot, nahm die Butter aus dem Kühlschrank und stellte alles auf den Tisch. Dann klopfte er mit dem Zeigefinger auf seine Armbanduhr, um Lea zu signalisieren, dass die Zeit langsam knapp wurde.

Lea König holte tief Luft.

„Hör zu, Anna!“, übertönte sie das lautstarke Gejammer energisch. „Ich muss mich jetzt fertigmachen, ich habe gleich meinen ersten Termin für heute. Aber über Mittag habe ich eine freie Stunde. Wenn du möchtest, treffen wir uns um halb eins im Café Zimtschnecke. Okay?“

Sie stieß einen erleichterten Seufzer aus und nickte Peter schmunzelnd zu.

„Okay! Mach bis dahin keinen Blödsinn, Anna! Versprichst du mir das? Ja? Gut! Also, bis dann!“

„Du meine Güte, was war das denn?“ Peter goss Kaffee in Leas und seine Tassen und setzte sich an den Tisch.

„Anna!“, ächzte die Psychologin und warf drei Zuckerwürfel in ihren Kaffee. „Eine alte Schulfreundin.“

„Anna?“ Peter Kersten zog die Augenbrauen hoch. „Wieso kenne ich die noch gar nicht?“

„Weil sie eine von denen ist, die sich prinzipiell nur dann melden, wenn sie etwas brauchen“, erwiderte die Psychologin. „Ihr Mann betrügt sie mit seiner blutjungen Sekretärin.“

„Und?“ Der Notarzt köpfte sein Ei mit dem Buttermesser. „Was genau erwartet sie sich denn von dir? Du bist doch keine Scheidungsanwältin.“

Lea schaute ihren Freund kopfschüttelnd an und lachte.

„Wäre das für dich denn wirklich so einfach? Wenn ich dich betrügen würde, dann würdest du dich von mir trennen, und die Sache wäre für dich erledigt?“

Peter wartete, bis Lea sich eine Scheibe Toast mit Butter bestrichen hatte und schnappte sie ihr dann mit einer blitzschnellen Bewegung vor der Nase weg.

„Danke!“, sagte er lachend. „Und: Nein, so würde das bei uns nicht ablaufen“, beantwortete er Leas Frage.

„Sondern?“

„Na ja … also, zuerst würde ich herausfinden, wer der gute Mann ist, dann würde ich ihm einen Besuch abstatten und mich sehr vernünftig mit ihm unterhalten. Damit wäre das Problem erledigt, denke ich, denn nachher würde er dir sowieso nicht mehr besonders gut gefallen.“

„Warum nicht?“, erkundigte sich Lea schmunzelnd.

„Ich bitte dich, Schatz!“, winkte Peter betont gelassen ab. „Ein Typ mit zwei Veilchen und einer krummen, blutigen Nase, der keine Zähne mehr hat. Würde dir so einer gefallen?“

„Ach, was sind wir doch für ein cooler und großmäuliger Möchtegern-Macho!“, prustete Lea. „Und was machst du, wenn ich dich mit einem muskelbepackten Profiboxer betrüge?“

„Kein Problem!“ Peter grinste großspurig. „Mit denen ist es wahrscheinlich so wie mit den Robben.“

„Die sind so süß, meinst du?“

„Quatsch! Was soll denn an einem Kerl süß sein, dessen Job es ist, andere zu Brei zu schlagen?“ Der Notarzt leerte seine Kaffeetasse in einem Zug und füllte sie erneut. „Nein, damit meine ich, dass die außerhalb des Rings wahrscheinlich total schwerfällig sind. Und … na ja …“

Er warf das letzte Stück von seinem Toast in die fast leere Eierschale und redete weiter, während er den letzten Rest vom Ei damit zusammenkratzte.

„Ich will ja nicht unfair sein, aber du weißt ja, dass mit jedem festen Schlag auf den Kopf tausende Gehirnzellen absterben. Was willst du mit so einem? Bis der pensionsreif ist, wird im Oberstübchen nicht mehr viel übrig sein.“

Lea lachte. „Und du? Willst du denn gar nicht wissen, wie ich reagieren würde, wenn du mich einmal betrügen solltest?“, fragte sie dann nach.

„Nein.“ Peter schüttelte entschieden den Kopf. „Darüber brauchst du dir gar nicht erst deinen bezaubernden Kopf zu zerbrechen, denn dieser Fall wird niemals eintreten.“

„Ach nein?“ Lea wischte schmunzelnd ein paar Toastkrümel von ihrem scharlachroten Pulli. „Wie kannst du da so sicher sein?“

„Weil ich dich liebe. Weil ich gar keine Zeit dazu hätte. Weil ich nicht verrückt bin“, zählte Peter die Gründe auf. „Und außerdem betrügen Männer nicht. Es sind die Frauen, die sich immer gleich verlieben müssen. Für Männer ist ein Seitensprung eine hormonelle Angelegenheit. Eine rein körperliche Sache, die nichts weiter bedeutet.“

„Aha.“ Die Psychologin fuhr sich mit allen zehn Fingern durch das lange hellblonde Haar, drehte es zu einem Strick zusammen und steckte diesen mit ein paar bunten Spangen an ihrem Hinterkopf fest. „Damit kann ich Anna allerdings ganz bestimmt nicht trösten.“

„Warum nicht?“

„Weil ihr Ehemann von deiner Theorie offensichtlich nichts weiß. Als sie ihn kennenlernte, war sie nämlich seine blutjunge Sekretärin, und er war damals bereits zum zweiten Mal verheiratet. Mit seiner ehemaligen Sekretärin.“

„Oh!“ Peter zuckte lachend mit den Schultern. „Ja, solche Typen gibt es auch.“ Er leerte seine Kaffeetasse mit einem großen Schluck. „Okay, also, was würdest du tun?“

„Keine Ahnung.“ Lea schob den leeren Teller von sich. „Wahrscheinlich gar nichts. Du bist ein freier Mensch und kannst tun und lassen, was du willst.“

„Was?“ Der Notarzt schien beinahe gekränkt zu sein. „Du würdest nicht einmal um mich kämpfen?“

„Um Liebe kann man nicht kämpfen“, erwiderte Lea versonnen. „Die bekommt man entweder freiwillig … oder gar nicht. Außerdem wäre es bei uns beiden nicht ganz so problematisch, weil wir nicht verheiratet sind.“

„Dann heirate mich!“, verlangte Peter wie aus der Pistole geschossen.

„Nein!“, antwortete Lea ebenso schnell.

„Wieso nicht? Weil du mich nicht genug liebst?“

„Liebe ist nicht das Problem.“ Lea König schüttelte schmunzelnd den Kopf.

„Was dann?“

Die Psychologin deutete mit einer Handbewegung auf die leeren Eierschalen, die Brotkrümel, die über den ganzen Tisch verstreut waren, den dunkelbraunen Ring, den die Kaffeekanne auf der hellgelben Tischdecke hinterlassen hatte und das Messer, das senkrecht in der Butter steckte.

„Wenn ich in fünfzig Jahren unseren Enkelkindern erzähle, wie ihr Großvater einst um meine Hand anhielt, dann würde das ungefähr so klingen …“

Lea verstellte ihre Stimme zu einem zittrigen Krächzen.

„Es war so unglaublich romantisch, liebe Kinder. Euer Großvater hatte einen sehr männlichen Schnurrbart aus Milchschaum über der Oberlippe und ein bisschen Butter auf der Nase, als er mit einem weichen Ei um meine Hand anhielt.“

„Alles klar!“ Peter wischte sich prustend mit seiner Serviette über Mund und Nase. „Dann frage ich wohl besser ein andermal mit Rosen und allem Drum und Dran.“

„Klar, warum nicht? Fragen kostet ja nichts“, erwiderte Lea ausweichend und warf einen prüfenden Blick auf die Küchenuhr, die gemütlich vor sich hin tickte. „Du solltest dich auf den Weg machen, wenn du pünktlich sein willst“, riet sie Peter, sammelte das benutzte Geschirr ein und stellte es in die Spülmaschine.

„Mich hat noch nie ein Mann betrogen … glaube ich zumindest“, fügte sie nachdenklich hinzu. „Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, was ich in so einem Fall täte. In solchen Situationen reagiert man wohl niemals mit Vernunft, deshalb kann man sich auch nicht darauf vorbereiten, ohne diese Erfahrung jemals selbst gemacht zu haben.“

Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, schlang dem Notarzt die Arme um den Hals und küsste ihn auf die Wange.

„Und wenn es irgendwie möglich ist, Schatz, dann würde ich auf diese Erfahrung auch weiterhin liebend gerne verzichten.“

***

Auch rund neunhundert Kilometer südlich von Frankfurt, in der gemütlichen Küche eines kleinen Appartements in der Via Belzoni in Padua, wurde gerade gefrühstückt. Und auch hier drehte sich alles um das Thema Partnerschaft und Liebe.

Jedoch anders als bei Lea und Peter, bei denen es sich um rein theoretische Überlegungen handelte, war bei Violetta und Diego Ventini das Kind bereits kurz davor, in den Brunnen zu fallen. Und das, obwohl sie erst seit knapp einem Jahr verheiratet waren und sich wirklich von Herzen liebten.

Sie hatten sich ausgerechnet in Deutschland kennengelernt. Diego war dort geboren und aufgewachsen und hatte schließlich in Heidelberg Medizin studiert, und Violetta, die heute ebenfalls Ärztin war, hatte auf der Medizinischen Universität in Heidelberg ein Auslandssemester absolviert.

Dort waren sie sich zum ersten Mal begegnet, und sie waren sich sofort mehr als nur sympathisch gewesen. Aus Vernunftgründen hatten sie ihre zarte Romanze allerdings beendet, als Violetta nach einem halben Jahr nach Rom zurückgekehrt war.

Fast acht Jahre später waren sie sich abermals begegnet – im Ospedale Santa Maria in Padua, wo Violetta eine Anstellung in der Notaufnahme bekam, während Diego dort bereits auf der Kinderstation beschäftigt war.

Trotz der langen Zeit, die inzwischen vergangen war, ohne dass sie einander gesehen oder auch nur voneinander gehört hatten, hatten sie ihre Romanze fortgesetzt, als wären sie nie getrennt gewesen. Ein Jahr später hatten sie schließlich geheiratet.

Zufällig gab es auch bei Violetta und Diego Ventini heute Morgen weichgekochtes Ei, dazu getoastetes Weißbrot und natürlich Kaffee. Diego stand gerade vor dem Kühlschrank, um nachzusehen, ob noch Orangensaft da wäre, als ein Anruf kam.

„Für dich, Liebling.“ Er reichte das Telefon an seine Frau weiter. „Es ist Primario Farischini.“

„Oh!“

Diego wunderte sich zwar ein wenig darüber, dass seine Frau errötete und die Küche verließ, ehe sie das Gespräch entgegennahm, dachte sich aber weiter nicht viel dabei.

Es kam ja auch nicht gerade selten vor, dass jemand aus der Klinik am frühen Morgen – leider auch oft genug mitten in der Nacht – anrief, um nachzufragen, ob einer von ihnen früher kommen, länger bleiben oder sonst irgendwie helfen könne.

„Und? Hat der Primario dich wieder einmal weichgekocht und zu einer Doppelschicht überredet?“, erkundigte sich Diego schmunzelnd, als Violetta wenige Minuten später in die Küche zurückkehrte.

„Nein“, lautete die einsilbige Antwort, mit der die attraktive sechsunddreißigjährige Notärztin wieder auf ihrem Stuhl Platz nahm und den Kopf tief über ihre Kaffeetasse senkte.

„Was dann?“, bohrte Diego weiter. „Er hat dir doch hoffentlich nicht etwa dein freies Wochenende gestrichen? Wir wollten endlich wieder einmal etwas gemeinsam unternehmen.“

Sie schüttelte nur stumm den Kopf und biss sich fest auf die Unterlippe.

Diego spürte, dass seine Fragen im Moment unerwünscht waren, setzte sich wieder an den Tisch, schwieg, nahm sich noch ein Stück Brot und bestrich es mit Butter.

Eine Weile war es völlig still in der gemütlichen kleinen Küche, dann hielt Violetta das Schweigen nicht länger aus.

„Ich … habe mich … beworben und …. wurde ausgewählt“, berichtete sie stockend und fügte mit tief gesenktem Kopf hinzu: „Damit habe ich nicht gerechnet. Wirklich nicht.“

„Wofür hast du dich beworben, Liebling?“, hakte Diego lächelnd nach.

„Als Leiterin der Notaufnahme“, gestand seine Frau. „Du weißt ja, Filippo geht in einem halben Jahr in den Ruhestand.“

„Du meine Güte! Und ich dachte schon, es sei etwas Schlimmes passiert!“ Diego lachte erleichtert auf. „Das ist doch wunderbar! Warum machst du denn deswegen so ein Gesicht?“

„Weil …“

Violettas Kopf sank noch ein wenig tiefer.

„Ich hätte es dir vorher sagen sollen. Und … wir hatten uns doch vorgenommen, beide auf eine große Karriere zu verzichten, lieber möglichst rasch eine Familie zu gründen und später einmal viel Zeit für unsere Kinder zu haben. Du hast doch auch abgelehnt, als dich diese Mailänder Klinik als Leiter der Kinderstation haben wollte.“

Gedankenverloren zerpflückte sie ihren Toast in lauter winzige Krümel.

„Wenn ich erst einmal Leiterin der Notaufnahme bin, werde ich natürlich noch härter arbeiten müssen, als es ohnehin schon der Fall ist. Und genau das wollten wir doch vermeiden.“

„Ach!“ Diego rutschte auf der Eckbank näher an seine Frau heran und legte ihr einen Arm um die Schultern. „Du musst deswegen wirklich kein schlechtes Gewissen haben! Das ist schon okay. Sobald das erste Baby da ist, kann ich ja für eine Weile kürzertreten. Und dann …“

Er machte eine wegwerfende Handbewegung.