Verlag: FISCHER E-Books Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Der perfekte Mörder - Peter James

Die perfekte Kurzgeschichte von Nr.1-Bestseller-Autor Peter JamesWie begeht man den perfekten Mord? Darüber hat Victor Smiley lange nachgedacht, und dann fand er die Lösung. Er wusste, wie er seine Frau Joan, die er seit Jahren nicht mehr ausstehen kann, umbringen würde. Aber auch seine Frau Joan hegt Mordspläne: Sie ist von ihrem Mann gelangweilt, und nicht nur das, des Nachts treibt er sie mit seinem Schnarchen in den Wahnsinn. Ihre Ehe ist an einem Scheideweg angelangt, die Frage ist nur: Wer wird sie überleben?

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E-Book-Leseprobe Der perfekte Mörder - Peter James

Peter James

Der perfekte Mörder

Kurzroman

Übersetzt von Christine Strüh

FISCHER digiBook

Inhalt

[Motto]Kapitel 1Kapitel 2Kapitel 3Kapitel 4Kapitel 5Kapitel 6Kapitel 7Kapitel 8Kapitel 9Kapitel 10Kapitel 11Kapitel 12Kapitel 13Kapitel 14Kapitel 15Kapitel 16Kapitel 17Kapitel 18Kapitel 19Kapitel 20Kapitel 21Kapitel 22Kapitel 23[Mehr Information]

Der »perfekte Mord« ist der, von dem wir nie etwas erfahren.

Martin Richards, Inhaber der Queen’s Police Medal

Chief Constable von Sussex

Kapitel 1

Auf die Idee, seine Frau zu ermorden, kam Victor Smiley keineswegs spontan. Spontane Ideen waren überhaupt nicht Victor Smileys Sache. Er war ein Mann, der alles sorgfältig plante. Einer, der alles genau durchdachte – eins nach dem anderen.

Schritt für Schritt für Schritt.

Eigentlich traf Victor nie eine Entscheidung, bevor er nicht jede Option gründlich geprüft hatte. Seine Frau Joan machte das wahnsinnig, beinahe so wahnsinnig wie sein Schnarchen. Im Spaß sagte sie manchmal, auf seinem Grabstein würde einmal stehen Schritt für Schritt für Schritt, und merkte noch an, dass er vermutlich auch Schritt für Schritt für Schritt sterben würde.

Victor war zweiundvierzig, Diabetiker, hatte einen Bierbauch und bekam eine Glatze, was er zu verbergen versuchte, indem er die verbleibenden Resthaare ordentlich darüberkämmte. Joan war vierzig, rundlich und hatte ein Doppelkinn. Als die beiden sich kennenlernten, fand Joan ihn gutaussehend und flott, und Victor fand sie umwerfend sexy.

Sie bewohnten eine Doppelhaushälfte in einer ruhigen Gegend von Brighton. Das kleine Haus hatte einen Blick über ein eng bebautes Tal, auf dessen anderer Seite sich die grünen Hänge der South Downs erhoben. Wenn sie beide zu Hause waren, verbrachten sie die meiste Zeit damit, zu streiten. Wenn sie gerade nicht miteinander stritten, dann stritten sie mit den Nachbarn.

Victor verkrachte sich ausnahmslos mit allen Nachbarn. Das gehörte ebenfalls zu den Dingen, die Joan an ihm verrückt machten. Meistens wurde sie mehrmals am Tag richtig sauer auf ihn. Gestern zum Beispiel hatte sie sich tierisch darüber geärgert, dass der riesige Fernseher, den er gekauft hatte, das halbe Wohnzimmer beanspruchte. Und er hatte sich noch mehr über sie geärgert, weil sie ein Vermögen für einen Backofen ausgegeben hatte. Seiner Meinung nach war der alte nämlich noch vollkommen in Ordnung.

Später an diesem Abend hatten sie einen weiteren Krach, weil sie in der Küche einen neuen Boden wollte, während er mit dem alten absolut zufrieden war. Der würde noch viele Jahre halten, erklärte er ihr.

Und auch nachts gab es keine Ruhe. Diesmal ging es um Victors Schnarchen. Früher hatte er nie geschnarcht. Aber jetzt weckte Joan ihn fast jede Nacht, um ihm mitzuteilen, dass er schnarchte. Es war, als würde man neben einem verdammten Elefanten schlafen, sagte sie. Immer öfter musste sie sich ins Gästezimmer zurückziehen, um wenigstens ein bisschen Schlaf zu kriegen – dann hievte sie sich mühsam aus dem gemeinsamen Ehebett, wickelte sich in eine Decke und kroch auf das harte, schmale Gästebett.

Joan und Victor hatten sich bei einem Swing-Tanzkurs kennengelernt, in einem Gemeindesaal in Brighton, als Victor einundzwanzig war. Er machte gerade einen Computerkurs an der Brighton Tech und lebte noch bei seiner verwitweten Mutter. Joan arbeitete in einer Taxizentrale und wohnte bei ihren Eltern. Ein Freund hatte Victor den Tipp gegeben, dass Tanzkurse ideal seien, um »tolle Weiber« kennenzulernen, und Joan hatte von einer Freundin gehört, dass man in einem Tanzkurs gute Chancen hatte, einem geeigneten Mann zu begegnen.

Victor kam ihr sehr geeignet vor, wenn auch ein bisschen schüchtern und auf dem Tanzparkett ziemlich tollpatschig. »Du hast echt zwei linke Füße«, hatte sie ihn geneckt, als er sie zur nächsten Runde aufforderte. Deine Titten sind super und deine Beine der Wahnsinn, dachte Victor, während er sich anstrengte, sie mit seinem Ständer nicht allzu sehr zu bedrängen.

Joan fand ihn witzig und süß und sehr attraktiv. Er schien echt pfiffig zu sein – ein Mann, der es bestimmt zu etwas bringen würde. Die Meinung ihrer Eltern ignorierte sie tunlichst, denn ihr Vater fand, Victor mache einen faulen Eindruck, und ihre Mutter behauptete, er hätte gierige Augen.

Für Victor war Joan das Hübscheste, was ihm je begegnet war. Sie sah aus wie ein Pin-up-Girl. Als Teenager hatte er nach den auf Seite drei der Sun abgebildeten Pin-up-Girls geschmachtet und seine Schlafzimmerwand mit entsprechenden Fotos dekoriert, und natürlich taxierte er auch gleich Joans gebärfreudiges Becken. Als sie sich bereit erklärte, mit ihm auszugehen, konnte er sein Glück kaum fassen. Später, als er ihren Eltern vorgestellt wurde, widmete er ihrer Mutter besondere Aufmerksamkeit, denn er hatte irgendwo gelesen, dass Frauen immer ihrer Mutter nachschlagen. Und tatsächlich – wow! Obwohl sie die vierzig schon weit hinter sich gelassen hatte, war Joans Mutter seiner Ansicht nach immer noch höchst anziehend. In dieser Hinsicht gab es also keinen Grund zur Sorge. Mutter und Tochter erfüllten alle wichtigen Kriterien.

An ihrem Hochzeitstag malte Joan sich aus, dass Victor in zwanzig Jahren ein erfolgreicher, gutsituierter Businessmann sein würde. Sie stellte sich vor, dass sie vier Kinder – zwei Jungen und zwei Mädchen – bekommen und in einem schicken Haus mit Swimmingpool wohnen würden. Für Victor war vor allem der Gedanke wichtig, dass Joan in zwanzig Jahren bestimmt immer noch schlank und hinreißend sein würde und dass sie weiterhin zweimal am Tag wilden Sex haben würden. Die Idee, vielleicht einmal Kinder zu bekommen, fand er nett – vorausgesetzt, dass sie nicht allzu sehr störten. Vor allem nicht sein Sexleben mit Joan.

Doch nun steckte Victor in einer beruflichen Sackgasse, sie wohnten immer noch in demselben bescheidenen Haus wie vor neunzehn Jahren, und Kinder waren nie gekommen. Sie lebten allein mit ihrem rotgetigerten Kater Gregory, der sie beide nicht leiden konnte.

Joan war nicht bereit, der Tatsache ins Gesicht zu sehen, dass ihr Leben einfach so weiterlaufen würde. Dass sie beide für immer unglücklich sein würden. Was waren das denn für Zukunftsaussichten?

Joan und Victor waren bei fast allem unterschiedlicher Meinung. An den meisten Abenden stritten sie sich sogar darüber, ob das Schlafzimmerfenster offen bleiben oder geschlossen werden sollte. Victor sagte, er könnte in einem stickigen Zimmer nicht schlafen. Joan sagte, sie könnte nicht schlafen, wenn die Luft im Zimmer so kalt war.

Doch am schlimmsten war es für sie, wenn sie ins Restaurant gingen. Am Samstagabend auszugehen war seit Ewigkeiten ein Ritual bei ihnen, und Joan graute es immer mehr davor. Um nicht zu zweit dasitzen und sich anmeckern zu müssen, sorgte sie seit langer Zeit dafür, dass sie zusammen mit einem anderen Paar ausgingen. Aber meistens endete der Abend trotzdem damit, dass Victor und sie sich gegenseitig Beleidigungen an den Kopf warfen, und so gingen im Lauf der Jahre die Freunde verloren. Alle außer Ted und Madge, die außer Joan und Victor auch keine anderen Freunde hatten.

Im Restaurant studierte Victor erst einmal ausführlich die Speisekarte, dann bat er den Kellner, ihm jedes einzelne Gericht in allen Details zu erklären. Danach bestellte er normalerweise etwas, was nicht auf der Karte stand, und zwar fast immer das Gleiche: Krabbencocktail, gefolgt von einem Steak mit Pommes. Sonst mochte er eigentlich nichts. Selbst wenn sie zum Chinesen gingen – worauf Joan und Madge ganz versessen waren –, bestellte er trotzdem seinen bescheuerten Krabbencocktail, gefolgt von Steak und Pommes. Wenn die Küche das nicht im Programm hatte, murmelte er rassistische Bemerkungen vor sich hin.

»Ein Restaurant muss doch auch Sachen anbieten, die man zu Hause nicht bekommt!«, sagte er laut. Dann zwinkerte er Ted zu, stupste Madge mit dem Ellbogen und fügte hinzu: »Schade, dass sie keine Blowjobs auf der Karte haben, so was kriege ich nämlich zu Hause auch nicht!«

Worauf Ted in wieherndes Gelächter ausbrach und unter dem Tisch Madges Oberschenkel streichelte. »Dieses Problem haben wir nicht, stimmt’s, mein Schatz?«, sagte er.

Madge wurde knallrot und antwortete voller Stolz: »Ja, mein Ted ist ein echter Lustmolch.«

Joan lief ebenfalls rot an und entschuldigte sich beim Kellner. Am liebsten hätte sie hinzugefügt: Und entschuldigen Sie bitte auch, dass ich neben diesem fetten, blasierten Blödmann mit seiner scheußlichen gekämmten Glatze, seinem geschmacklosen Anzug und seiner aufdringlichen Krawatte sitze. Als ich ihn geheiratet habe, war er schlank und sehr attraktiv. Ehrlich! Aber natürlich traute sie sich das nie.

Stattdessen zischte sie ihren Mann an: »Warum kannst du zur Abwechslung nicht mal was anderes probieren? Riskier doch einmal was!«

»Weil ich das am liebsten mag«, antwortete Victor dann unweigerlich. »Warum sollte ich etwas bestellen, was mir womöglich nicht schmeckt? Vielleicht bin ich morgen schon tot.«

O Gott – ja, bitte!, dachte Joan im Stillen, und das immer häufiger.

 

Mit Büchern und Fernsehen war es mit Victor dasselbe. Er las nur Krimis, und er sah sich nur Krimiserien an. Am liebsten Sherlock Holmes. Er hatte sämtliche Sherlock-Holmes-Geschichten mehrmals gelesen, jeden Kinofilm und jede Fernsehbearbeitung gesehen. Sherlock Holmes war sein unumstrittener Held, und Basil Rathbone sein Lieblings-Sherlock-Holmes-Darsteller. Nach Victor Smileys Ansicht war Basil Rathbone das Nonplusultra.

Victor hatte über alles eine feste Meinung, auch übers Autofahren. Beim Fahren redete er nie, denn das war gefährlich – was er Joan gar nicht oft genug einschärfen konnte. »Fahr langsam«, sagte sie ihm die ganze Zeit, wenn er am Steuer saß. »Ach, halt den Mund!«, erwiderte er. »Wie soll ich denn fahren, wenn du die ganze Zeit quasselst? Das ist gefährlich!«

Zu Hause rauchte Victor Zigarren, und aus irgendeinem Grund fand er es nicht gefährlich, Zigarren zu rauchen. »Zigaretten sind schädlich, aber Zigarren nicht!«, verkündete er regelmäßig. Es störte ihn auch nicht, dass Joan ihm sagte, von den Zigarren würde er aus dem Mund riechen, als wäre er ein Feuerdrache. In den Anfangsjahren, als sie noch verliebt waren, hatte das für sie allerdings überhaupt keine Rolle gespielt. Damals sagte sie ihm oft und gern, dass er ein echt geiler Typ sei und dass sie seinen rauchigen Atem liebte. Später war es vor allem am Sonntagmorgen schlimm, weil er sich seit Freitag nicht rasiert hatte. Dann sagte Joan zu ihm, sie hätte das Gefühl, mit einem feuerschluckenden Stachelschwein zu schlafen.

In Brightons Kitten Parlour beschwerte sich keines der Mädchen jemals über Victors Mundgeruch, und von ihnen bekam er so viele Blowjobs, wie er nur wollte. Sie fesselten ihn auch oder schlugen ihn und sagten ihm, dass er ein sehr, sehr ungezogener Junge sei.

Wenn er nach einem Besuch im Kitten Parlour nach Hause kam, kroch er neben seine schlafende Frau (die jeden Tag dicker wurde) ins Bett und las einen Krimi. Und er dachte über die Websites nach, auf denen er tagsüber über verschiedene Giftsorten recherchiert hatte, und wenn er dann irgendwann einschlief, träumte er von einer glücklichen Zukunft.

 

Victors erster Job war bei einer Firma in der Nähe von Brighton gewesen, die Farben für die Autoindustrie herstellte. Blausäure – ein tödliches Gift – war eine der Chemikalien, die im Herstellungsprozess zur Anwendung kamen. Eines Abends, als er Überstunden machte, hatte er eine Flasche Blausäure mitgehen lassen. Seit Jahren bewahrte er sie bei den Dosen mit dem Unkrautvernichter und anderem Krempel im Geräteschuppen auf.

Je mehr Joan ihn nervte, desto öfter saß er in seinem Schuppen und starrte auf die Flasche. Und träumte davon, sie zum Einsatz zu bringen.

So entwickelte sich die Idee, seine Frau zu ermorden, nicht etwa innerhalb von Wochen oder Monaten, sondern über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg. Aber es gab etwas, was er nicht wusste. Im Lauf dieser zwei Jahre hatte Joan auch angefangen zu planen, ihn zu ermorden.

Kapitel 2

Die Anzeichen waren allesamt vorhanden, wenn Victor sich nur die Mühe gemacht hätte, sie zu bemerken. Es wurden immer mehr – Stück für Stück, eins nach dem anderen.

Mit ihrer Ehe war es bergab gegangen, als Joan es einfach nicht schaffte, schwanger zu werden. Sie probierten es ein paar Jahre lang, und dieser Teil der Geschichte hatte auch Spaß gemacht. Aber dann begann die Odyssee zu den Ärzten. Man sagte ihnen, das Problem sei, dass Victor zu wenige Spermien produzierte und Joans Zervixschleim diese obendrein abwehrte. So konnten beide dem anderen die Schuld geben. Joan stichelte Victor, er sei kein richtiger Mann, denn bei richtigen Männern funktioniere der Schwanz ordnungsgemäß. Er konterte, richtige Frauen bräuchten keine fünfundsechzig Millionen Spermien, bei denen wäre eines genug.