Der Professor (eBook) - Charlotte Brontë - E-Book

Der Professor (eBook) E-Book

Charlotte Bronte

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Beschreibung

Nach dem Tod seiner Eltern geht der etwas naive junge Professor William Crimsworth nach Brüssel, um dort sein Glück zu machen. Er tritt eine Stelle als Lehrer an der von Mademoiselle Reuter geführten Mädchenschule an. Obwohl die Dame älter ist als er, verliebt er sich in sie und schmiedet bereits Pläne für eine gemeinsame Zukunft – bis er ein Gespräch belauscht, das ihre Verlobung mit einem anderen Mann offenbart. Ernüchtert wendet William sich von ihr ab. Doch als er einige Zeit später für die junge Lehrerin Frances Henri entflammt, schürt dies den Unmut von Mademoiselle Reuter, die gekränkt versucht, einen Keil zwischen die Liebenden zu treiben … Der erste Roman Charlotte Brontës in bibliophiler Ausstattung zum 200. Geburtstag der Weltautorin am 21. April 2016.

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Charlotte Brontë

Der Professor

 

Roman

 

 

Aus dem Englischen

von Gottfried Röckelein

 

 

 

 

 

ars vivendi

 

Die Originalausgabe erschien 1857 in London bei Smith, Elder & Co. unter dem Titel The Professor. Diese Übersetzung hat den von Penguin Classics herausgegebenen Reprint with Notes and Introduction (1989) zur Grundlage.

 

 

Vollständige eBook-Ausgabe der im ars vivendi verlag überarbeiteten Neuausgabe (April 2016)

 

© 1990, 2016 by ars vivendi verlag GmbH & Co. KG, Bauhof 1, 90556 Cadolzburg

www.arsvivendi.com

 

Umschlaggestaltung: ars vivendi verlag, unter Verwendung eines Fotos von © Alison Archinuk / Trevillion Images

 

Datenkonvertierung eBook: ars vivendi verlag

 

eISBN 978-3-86913-459-8

 

Inhalt

Vorwort

 

Der Professor

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V

Kapitel VI

Kapitel VII

Kapitel VIII

Kapitel IX

Kapitel X

Kapitel XI

Kapitel XII

Kapitel XIII

Kapitel XIV

Kapitel XV

Kapitel XVI

Kapitel XVII

Kapitel XVIII

Kapitel XIX

Kapitel XX

Kapitel XXI

Kapitel XXII

Kapitel XXIII

Kapitel XXIV

Kapitel XXV

 

Die Autoren

 

Vorwort

Dieses Büchlein wurde vor Jane Eyre und vor Shirley geschrieben, doch kann es deshalb keine Nachsicht beanspruchen mit der Begründung, es sei ein erster Versuch. Ein erster Versuch war es gewiss nicht, da die Feder, die es schrieb, sich schon zuvor vielfach abgenutzt hatte in der Übung mehrerer Jahre. In der Tat hatte ich noch nichts veröffentlicht, als ich mit Der Professor begann, aber im Verlaufe so mancher unreifer Bemühungen, die ich, kaum dass ich sie verfasst, schon wieder vernichtete, hatte ich mich frei gemacht von wie auch immer gearteten und von mir vielleicht früher einmal gehegten Vorlieben für ausschmückende und weitschweifig überladene Entwürfe und gab dem den Vorzug, was klar, natürlich und geradlinig war. Zur gleichen Zeit hatte ich mir eine Reihe von Grundsätzen – Handlung, Begebenheiten etc. betreffend – angeeignet, welche wohl damals in der Theorie1 allgemein gebilligt wurden, deren Resultate jedoch, wenn in die Praxis umgesetzt, einem Schriftsteller eher Überraschungen als Vergnügen bescheren.

Ich hatte mir vorgenommen, dass sich mein Romanheld so durchs Leben kämpfen sollte, wie ich erlebt hatte, dass es Männer in der Wirklichkeit taten: dass er nie einen Shilling erhalten durfte, den er nicht selbst verdient hatte; dass keine überraschenden Wendungen ihn von einem Augenblick zum anderen zu Wohlstand oder in eine hohe Stellung gelangen lassen sollten; dass er, ehe er auch nur ein schattiges Plätzchen finden konnte, um sich auszuruhen, zumindest halbwegs den »Hügel der Beschwernis«2 erklommen haben musste; dass er außerdem kein Mädchen von Schönheit oder keine Dame von Rang heiratete. Als Sohn Adams sollte er Adams Schicksal3 teilen und im Verlaufe seines Lebens einen sehr vermischten und bescheidenen Becher der Freude leeren.

Zwischenzeitlich habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Verleger im Allgemeinen einen solchen Entwurf nicht sonderlich schätzten, sondern dass sie lieber etwas Phantasievolleres und Poetischeres gehabt hätten – etwas, das einer erregten Vorstellungskraft mehr entgegengekommen wäre, mit einem Sinn für Pathos, mit zarteren, erhabeneren, eher unirdischen Gefühlsregungen. In der Tat: Solange ein Schriftsteller nicht versucht hat, ein Manuskript dieser Art loszuwerden, solange kann er gar keine Kenntnis davon haben, welche Fülle von Empfindsamkeiten und romantischen Sehnsüchten in manchen Herzen verborgen liegt, von denen der Autor nie geargwöhnt hatte, dass sie derartige Schätze beherbergen. Für gewöhnlich nimmt man an, dass Geschäftsleute das Realistische bevorzugen; auf die Probe gestellt, erweist sich diese Vorstellung oft als falsch: Eine leidenschaftliche Vorliebe für das Ungestüme, Wunderbare und Erregende, für das Fremdartige, Haarsträubende und Schreckliche wühlt etliche Gemüter auf, die sich nach außen ruhig und nüchtern geben.

Da dem nun einmal so ist, wird der Leser begreifen, dass diese kurze Erzählung sich einigen Bewährungsproben hatte unterziehen müssen, ehe sie ihn in der Form eines gedruckten Buches erreichen konnte – und so war es denn auch. Und letztendlich liegen die schlimmste Bewährungsprobe und die schwerste Prüfung noch vor ihr; aber es erwächst ihr Trost, indem sie Befürchtungen unterdrückt, sich auf den Stab bescheidener Erwartungen stützt und leise flüstert, während sie den Blick hebt und sich der Öffentlichkeit stellt.

 

Wer am Boden liegt, braucht den Fall nicht zu fürchten.4

CURRER BELL5

 

Obiges Vorwort wurde von meiner Frau mit Blick auf die Veröffentlichung von Der Professor kurz nach dem Erscheinen von Shirley geschrieben. Nachdem man sie von ihrem Vorhaben abgebracht hatte, benutzte die Autorin einiges aus den Materialien in einem nachfolgenden Werk – Villette. Da diese beiden Geschichten sich jedoch größtenteils nicht ähnlich sind, wurde mir wiederholt angetragen, Der Professor doch nicht länger der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Aus diesem Grunde habe ich der Veröffentlichung zugestimmt.

 

A. B. NICHOLLS

Haworth Parsonage,

22. September 1856

 

Der Professor

 

I

EINFÜHRUNG

Als ich kürzlich meine Papiere durchsah, fand ich in meinem Schreibtisch die nachfolgende Kopie eines Briefes, den ich ein Jahr zuvor an einen alten Schulfreund geschrieben hatte:

 

»LIEBER CHARLES, – ich glaube, dass zu der Zeit, als Du und ich zusammen in Eton waren, keiner von uns beiden das gewesen ist, was man als einen ›populären Charakter‹ bezeichnen könnte. Du warst ein sarkastisches, wachsames, streitlustiges, kaltblütiges Subjekt; mein eigenes Porträt will ich gar nicht erst zu zeichnen versuchen, aber ich kann mich nicht erinnern, von auffallender Attraktivität gewesen zu sein, oder? Von welch hypnotischem Magnetismus6 wir beide gegenseitig angezogen wurden, weiß ich nicht; mit Sicherheit verspürte ich nichts von einem Pylades-und-Orestes7-Gefühl Dir gegenüber, und ich habe Grund anzunehmen, dass Du Deinerseits gleichermaßen frei von allen romantischen Schwingungen mir gegenüber warst. Dennoch: Außerhalb der Unterrichtsstunden gingen wir beständig zusammen spazieren und unterhielten uns. Wenn der Gegenstand unserer Unterhaltung unsere Kameraden oder Lehrer waren, verstanden wir einander, und wenn ich auf etwas zu sprechen kam, das mit Gefühl und Zuneigung zu tun hatte, mit einer unbestimmten Liebe gegenüber einem besonders auffallenden oder schönen Objekt in der belebten oder unbelebten Natur, dann hat mich Deine sardonische Kälte nicht berührt. Über solche Brüskierungen fühlte ich mich damals schon erhaben und tue das auch jetzt noch.

Viel Zeit ist vergangen, seit ich Dir geschrieben, und noch mehr Zeit, seit ich Dich gesehen habe. Als ich kürzlich aus Zufall eine Zeitung aus Deiner Grafschaft in die Hand nahm, fiel mein Blick auf Deinen Namen. Ich fing an, der alten Zeiten zu gedenken, all das durchzugehen, was sich ereignet hat, seit wir uns trennten, und ich setzte mich hin und begann diesen Brief. Wie es Dir seither ergangen ist, weiß ich nicht; aber falls es Dir beliebt zuzuhören, sollst Du erfahren, wie das Leben mit mir umgesprungen ist.

Nach meinem Weggang aus Eton hatte ich zunächst eine Unterredung mit meinen Onkeln mütterlicherseits, Lord Tynedale und dem Ehrenwerten John Seacombe. Sie fragten mich, ob ich nicht eine geistliche Laufbahn einschlagen wolle, und mein adeliger Onkel offerierte mir für diesen Fall die Pfründe von Seacombe, über die er verfügen darf; danach deutete mein anderer Onkel, Mr Seacombe, an, dass ich, würde ich Pfarrer in Seacombe-cum-Scaife werden, eventuell die Erlaubnis erhielte, als Herrin meines Hauses und Vorsteherin meiner Gemeinde eine meiner sechs Cousinen zu nehmen, die seine Töchter sind und die ich allesamt nicht ausstehen kann.

Ich lehnte beides ab, die geistliche Laufbahn und die Ehe. Ein guter Kirchenmann ist etwas Gutes, aber ich wäre ein sehr schlechter geworden. Was die Ehefrau angeht: Schon der Gedanke, lebenslänglich an eine meiner Cousinen gebunden zu sein, ist wie ein Albtraum! Kein Zweifel, sie sind gebildet und hübsch; aber weder ihre Bildung noch ihre Reize bringen in meinem Innern auch nur eine Saite zum Schwingen. Sich vorzustellen, die Winterabende am Wohnzimmerkamin des Pfarrhauses in Seacombe alleine mit einer von ihnen – zum Beispiel mit der großen und gut gebauten Statue Sarah – zu verbringen: nein. Unter diesen Umständen würde ich ein genauso schlechter Ehemann wie Geistlicher sein.

Als ich die Angebote meiner Onkel abgelehnt hatte, fragten sie mich, ›was ich zu tun beabsichtigte‹. Ich sagte, dass ich darüber nachdenken würde. Sie erinnerten mich daran, dass ich keinerlei Vermögen hatte und auch keines in Aussicht, und nach einer beträchtlichen Pause verlangte Lord Tynedale streng zu wissen, ob ich daran dächte, ›den Fußstapfen meines Vaters zu folgen und Kaufmann zu werden‹. Solcherlei Gedanken hatte ich nicht gehegt. Ich glaube nicht, dass ich die Begabung habe, einen guten Kaufmann abzugeben; meine Neigung, mein Ehrgeiz gehen nicht in diese Richtung. Aber die Verachtung in Lord Tynedales Miene, als er das Wort Kaufmann aussprach, war so groß, der spöttische Sarkasmus seines Tonfalls so deutlich, dass ich mich auf der Stelle entschied. Für mich war mein Vater nicht mehr als ein Name, aber mir gefiel es überhaupt nicht, dass man diesen Namen mir gegenüber mit Hohn und Spott erwähnte. So antwortete ich schnell und erregt: ›Etwas Besseres, als den Fußstapfen meines Vaters zu folgen, kann ich nicht tun; jawohl, ich will Kaufmann werden.‹ Meine Onkel machten mir keine Vorhaltungen; sie und ich schieden in gegenseitiger Abneigung voneinander. Wenn ich auf diese Unterredung zurückblicke, finde ich, dass ich absolut richtig gehandelt habe, als ich die Last von Tynedales Gönnerschaft abschüttelte, dass es aber töricht war, meine Schultern gleichzeitig einer neuen Last anzubieten, und zwar einer Last, die möglicherweise viel unerträglicher sein konnte und von deren Problemen ich mit Sicherheit noch keine Vorstellung besaß.

Ich schrieb augenblicklich an Edward – Du kennst doch Edward, meinen einzigen Bruder, zehn Jahre älter als ich, mit der Tochter eines reichen Spinnereibesitzers verheiratet und jetzt Eigentümer der Fabrik und der Firma, die meinem Vater gehörten, ehe er scheiterte. Du weißt, dass mein Vater, der einst als wahrer Krösus gegolten hatte, kurz vor seinem Tod bankrottging und dass meine Mutter ihn ungefähr noch ein halbes Jahr in bitterer Armut überlebte, ohne jeden Beistand vonseiten ihrer adeligen Brüder, die sie durch ihre Ehe mit Crimsworth, dem Provinzfabrikanten von X, tödlich gekränkt hatte. Gegen Ende des halben Jahres brachte sie mich auf die Welt, die sie anschließend selbst und, wie ich glaube, mit wenig Bedauern verließ, da diese nur wenig Hoffnung oder Trost für sie bereithielt.

Die Verwandten meines Vaters kümmerten sich um Edward und mich, bis ich neun Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt ergab es sich zufällig, dass das Mandat eines bedeutenden Wahlkreises in unserer Grafschaft vakant wurde. Mr Seacombe bewarb sich darum. Mein Onkel Crimsworth, ein gerissener Kaufmann, benutzte die Gelegenheit und schrieb einen recht groben Brief an den Kandidaten, der besagte, dass für den Fall, dass Mr Seacombe und Lord Tynedale sich nicht bereit erklärten, etwas zur Unterstützung der verwaisten Kinder ihrer Schwester zu tun, er ihr unbarmherziges und bösartiges Verhalten gegenüber ihrer Schwester anprangern und alles daransetzen würde, um Mr Seacombes Wahl zu hintertreiben. Jener Gentleman und auch Lord T. wussten nur allzu gut, dass die Crimsworths ein skrupelloser und entschlossener Menschenschlag waren; sie wussten gleichfalls, dass sie innerhalb der Grafschaft -shire Einfluss hatten; und indem sie aus der Not eine Tugend machten, stimmten sie zu, die Kosten für meine Erziehung zu tragen. Ich wurde nach Eton geschickt, wo ich zehn Jahre blieb, und in diesem ganzen Zeitraum haben Edward und ich uns nie getroffen. Nachdem er volljährig geworden war, wurde er Kaufmann und übte sein Gewerbe mit solchem Fleiß, Können und Erfolg aus, dass er nun, in seinem dreißigsten Lebensjahr, dabei war, sehr schnell immer vermögender zu werden. Ich wurde davon durch unregelmäßige, kurze Briefe in Kenntnis gesetzt, die ich von ihm erhielt, etwa drei- bis viermal jährlich. Besagte Briefe schlossen nie ohne einen Ausdruck entschiedener Feindschaft gegenüber dem Haus Seacombe und nie ohne Missbilligung der Tatsache, dass ich, wie er sagte, von den milden Gaben ebenjenes Hauses lebte. Zuerst, während ich noch ein Knabe war, konnte ich nicht verstehen, warum ich, da ich doch keine Eltern hatte, meinen Onkeln Tynedale und Seacombe nicht für meine Erziehung zu Dank verpflichtet sein sollte. Doch je mehr ich heranwuchs und je mehr ich von der beharrlichen Feindseligkeit erfuhr und dem Hass bis zum Tode, den sie gegenüber meinem Vater hegten, von den Leiden meiner Mutter, kurz gesagt, von all dem Unrecht in unserer Familie – von da an empfand ich Scham über die Abhängigkeit, in der ich lebte, und ich fasste den Entschluss, mein tägliches Brot nicht länger aus den Händen entgegenzunehmen, die sich geweigert hatten, meiner todkranken Mutter das Nötigste an Hilfe zu gewähren. Es waren genau diese Gefühle, die mich bestimmten, als ich die Stelle eines Pfarrers von Seacombe und die eheliche Verbindung mit einer meiner aristokratischen Cousinen ablehnte.

Da nun somit ein nicht mehr rückgängig zu machender Bruch zwischen meinen Onkeln und mir herbeigeführt worden war, schrieb ich an Edward; schrieb ihm, was geschehen war, und informierte ihn von meiner Absicht, seinen Fußstapfen zu folgen und Kaufmann zu werden. Außerdem fragte ich ihn, ob er mich einstellen könne. Seine Antwort drückte keinerlei Billigung meiner Handlungsweise aus, sondern er schrieb, ich könne, wenn ich dies wollte, zu ihm nach X reisen, und er würde ›sehen, was sich tun lässt, um mich mit Arbeit zu versorgen‹. Ich unterdrückte jeglichen auch nur gedachten Kommentar zu seinem Schreiben, packte Koffer und Reisetasche und machte mich augenblicklich auf nach Norden.

Nach zweitägiger Reise (Eisenbahnen gab es damals noch nicht) kam ich an einem verregneten Nachmittag im Oktober in der Stadt X an. Ich war immer der Meinung gewesen, dass Edward in dieser Stadt lebte, aber bei meinen Erkundigungen erfuhr ich, dass lediglich Mr Crimsworths Tuchfabrik und Lagerhaus in der verräucherten Gegend von Bigben Close gelegen waren; sein Wohnhaus, seine Residenz,lag vier Meilen außerhalb, auf dem Lande.

Es war später Abend, als ich an den Toren jener Behausung anlangte, die man mir als die meines Bruders bezeichnet hatte. Während ich die Auffahrt hinaufschritt, konnte ich durch die Schatten der Dämmerung und den nasskalt-düsteren Dunst, der diese noch verstärkte, erkennen, dass das Haus groß und das es umgebende Grundstück recht weitläufig waren. Ich blieb einen Augenblick auf dem Rasen vor der Vorderfront stehen, lehnte mich gegen einen hohen Baum, der genau in der Mitte wuchs, und betrachtete voller Interesse die äußere Erscheinung von Crimsworth Hall.

›Edward ist reich‹, dachte ich bei mir. ›Ich hatte angenommen, dass es ihm gut ging, aber ich wusste nicht, dass ihm ein Herrensitz dieser Art gehört.‹ Ich unterbrach meine Bewunderungen, Spekulationen, Mutmaßungen etc., begab mich zum Vordereingang und läutete. Ein Diener öffnete, ich stellte mich vor, er nahm mir meinen nassen Umhang und die Reisetasche ab und geleitete mich in einen Raum, der als Bibliothek eingerichtet war, wo es ein helles Feuer gab und brennende Kerzen auf dem Tisch. Er informierte mich, dass sein Herr noch nicht von X-market zurückgekehrt sei, dass er aber gewiss innerhalb einer halben Stunde hier eintreffen werde.

Ich wurde mir selbst überlassen, und so setzte ich mich in den gepolsterten Sessel, der mit rotem Maroquin bezogen war und neben dem Kamin stand, und während meine Augen die Flammen beobachteten, die von den glühenden Kohlen emporzüngelten, und zusahen, wie von Zeit zu Zeit die Asche durch den Rost fiel, erging sich mein Geist in Vermutungen über das Zusammentreffen, das bevorstand. Unter all den Unwägbarkeiten, die Gegenstand dieser Vermutungen waren, gab es etwas, das einigermaßen sicher war – ich lief nicht Gefahr, eine schwere Enttäuschung hinnehmen zu müssen; davor bewahrte mich die Bescheidenheit meiner Erwartungen. Ich erhoffte keinerlei überschäumende brüderliche Zärtlichkeit; Edwards Briefe waren immer so gewesen, dass sie das Aufkommen oder die Pflege solcher Einbildungen gar nicht erst zugelassen hatten. Dennoch: Während ich so dasaß und auf seine Ankunft wartete, fühlte ich mich angespannt – sehr angespannt –, ich kann Dir nicht sagen, warum; meine Hand, der das Ergreifen einer blutsverwandten Hand so vollkommen fremd war, ballte sich zur Faust, um das Zittern zu unterdrücken, mit der die Ungeduld sie gerne hätte erbeben lassen.

Ich dachte an meine Onkel; und als ich mich mit der Überlegung befasste, ob Edwards Gleichgültigkeit wohl der kalten Verachtung ebenbürtig wäre, die ich stets von ihnen erfahren hatte, hörte ich, wie die Tore der Einfahrt geöffnet wurden: Räder rollten auf das Haus zu; Mr Crimsworth war angekommen; und nachdem einige Minuten verstrichen waren und in der Halle ein kurzer Dialog zwischen ihm und dem Diener stattgefunden hatte, näherte sich sein Schritt der Tür zur Bibliothek – schon dieser Schritt allein kündigte den Herrn des Hauses an.

Ich hatte noch immer eine verschwommene Erinnerung an Edward, so wie er vor zehn Jahren war – ein großer, drahtiger, unfertiger Junge; jetzt, als ich mich aus meinem Sitz erhob und mich der Tür der Bibliothek zuwandte, sah ich einen gut aussehenden und kräftigen Mann von heller Gesichtsfarbe, angenehmer Gestalt und mit athletischer Figur. Der erste Blick enthüllte mir einen Zug von unvermittelter Direktheit und Schärfe, der sich sowohl in seinen Bewegungen als auch in seiner Haltung, seinen Augen und seinem allgemeinen Gesichtsausdruck äußerte. Er begrüßte mich knapp und musterte mich im Augenblick des Händeschüttelns von Kopf bis Fuß; er setzte sich in den maroquinbezogenen Sessel und bot mir mit einer Handbewegung einen anderen Sitzplatz an.

›Ich war der Meinung, du würdest mich im Stadtbüro aufsuchen‹, sagte er, und ich bemerkte, dass seine Stimme einen barschen Tonfall hatte, den er sich vermutlich angewöhnt hatte; er sprach außerdem mit dem gutturalen Akzent des Nordens, der in meinen Ohren, welche die silberhelle Sprechweise des Südens gewohnt waren, hart klang.

›Der Wirt des Gasthauses, vor dem die Kutsche hielt, hat mich hierhergeschickt‹, sagte ich. ›Zunächst bezweifelte ich die Richtigkeit seiner Auskunft, da ich nicht wusste, dass dir ein solcher Herrensitz gehört.‹

›Oh, das ist schon in Ordnung!‹, erklärte er, ›ich habe mich nur eine halbe Stunde verspätet, da ich auf dich gewartet habe – das ist alles. Ich nahm an, du würdest mit der Kutsche um acht kommen.‹

Ich drückte mein Bedauern darüber aus, dass er hatte warten müssen. Er antwortete nicht, sondern stocherte im Feuer umher, wie um einen Augenblick der Ungeduld zu überbrücken. Dann musterte er mich erneut.

Ich spürte eine innere Befriedigung, dass ich im ersten Moment unseres Zusammentreffens keinerlei Wärme, keinerlei Überschwang geoffenbart hatte; dass ich diesen Mann mit ruhigem und festem Gleichmut begrüßt hatte.

›Hast du mit Tynedale und Seacombe vollständig gebrochen?‹, fragte er schnell.

›Ich glaube nicht, dass ich hinfort irgendwelche Verbindungen zu ihnen haben werde; meine Zurückweisung ihrer Vorschläge wird, wie ich mir vorstellen kann, als Barriere für jeglichen zukünftigen Umgang dienen.‹

›Gut‹, sagte er, ›ich möchte dir lediglich den Rahmen unserer Beziehung ins Gedächtnis zurückrufen, nämlich den, dass niemand zwei Herren gleichzeitig dienen kann. Freundschaftliche Beziehungen mit Lord Tynedale schließen Hilfe von meiner Seite aus.‹ In seinem Blick lag überflüssigerweise eine Art Drohung, als er diese Bemerkung abschloss und mich ansah.

Ich verspürte keine Veranlassung, ihm zu erwidern, und begnügte mich damit, in meinem Innern Mutmaßungen über die unterschiedlichen menschlichen Geistesverfassungen anzustellen. Ich weiß nicht, welche Schlussfolgerung Mr Crimsworth aus meinem Schweigen zog – ob er es als ein Anzeichen von Widerspenstigkeit oder als einen Beweis dafür ansah, dass er mich durch seine herrische Art eingeschüchtert hatte. Nachdem er mich lange und hart angestarrt hatte, erhob er sich jäh von seinem Sitz.

›Morgen‹, sagte er, ›werde ich dich noch auf einige weitere wichtige Punkte aufmerksam machen; aber jetzt ist es Zeit für das Abendessen, und Mrs Crimsworth wartet vermutlich bereits auf uns; kommst du mit?‹

Er schritt aus dem Raum, und ich folgte ihm. Beim Durchqueren der Halle überlegte ich, wie Mrs Crimsworth wohl sein würde. ›Ist sie‹, fragte ich mich, ›auch so ganz anders wie all das, was mir gefällt, mir so fremd, wie es Tynedale, Seacombe, die Fräuleins Seacombe und der liebevoll-freundliche Verwandte sind, der jetzt vor mir geht? Oder ist sie besser als diese? Werde ich in der Unterhaltung mit ihr etwas von meiner wahren Natur offenbaren dürfen, oder –?‹ Weitere Vermutungen wurden durch meinen Eintritt ins Speisezimmer abgebrochen.

Eine Lampe, die unter einem Schirm aus Mattglas brannte, beleuchtete ein hübsches Zimmer mit einer Wandtäfelung aus Eiche; das Abendessen war auf dem Tisch; am Kamin stand eine Dame, als hätte sie unseren Eintritt erwartet; sie war jung, groß und wohlgeformt; ihre Kleidung war hübsch und elegant, soweit ich auf den ersten Blick feststellen konnte. Sie und Mr Crimsworth begrüßten einander mit fröhlicher Ausgelassenheit; sie tadelte ihn halb spielerisch, halb schmollend wegen seiner Verspätung; ihre Stimme (bei der Beurteilung eines Charakters ziehe ich immer die Stimme mit in Betracht) war kräftig; das lässt auf Vitalität schließen, dachte ich. Mr Crimsworth erstickte ihr lebhaftes Schelten bald mit einem Kuss, einem Kuss, der noch immer den Bräutigam erkennen ließ (sie waren damals noch kein Jahr verheiratet gewesen); sie nahm ihren Platz am Esstisch in allerbester Stimmung ein. Als sie meiner gewahr wurde, bat sie um Verzeihung, dass sie mich nicht vorher bemerkt hatte, und schüttelte mir dann die Hand, so wie es Damen tun, wenn eine Woge der Hochstimmung sie veranlasst, gegenüber jedem von heiterer Freundlichkeit zu sein, sogar gegenüber dem langweiligsten ihrer Bekannten. Des Weiteren fiel mir nun auf, dass sie eine gesunde Gesichtsfarbe hatte und dass ihre Gesichtszüge zwar ausgeprägt, aber angenehm waren; ihr Haar war rot – vollkommen rot. Sie und Edward unterhielten sich angeregt, immer im Ton gespielten Zanks; sie war leicht verärgert, oder tat jedenfalls so, dass er heute das Gig8 mit einem bösartigen Pferd gefahren hatte, und er machte sich über ihre Ängste lustig. Einige Male wandte sie sich an mich.

›Also, Mr William, ist es nicht töricht von Edward, so zu reden? Er sagt, dass er nur Jack und kein anderes Pferd fahren will, und das Scheusal hat ihn schon zweimal umgeworfen.‹

Wenn sie sprach, bemerkte man eine Art Lispeln, nicht unangenehm, aber kindlich. Ich sah auch bald, dass da noch mehr war als nur reine Mädchenhaftigkeit – ein leicht infantiler Ausdruck in ihren keineswegs zierlichen Gesichtszügen. Dieses Lispeln und dieser Ausdruck waren in Edwards Augen ohne Zweifel etwas Reizvolles und würden dies auch in den Augen der meisten Männer sein, nur nicht in meinen. Ich suchte ihren Blick, begierig, aus ihren Augen Geist und Klugheit herauszulesen, die ich weder in ihrem Gesicht erkennen noch aus ihrer Unterhaltung heraushören konnte; ihre Augen strahlten heiter, waren aber eher klein; durch die Iris sah ich abwechselnd Lebhaftigkeit, Eitelkeit und Koketterie hervorlugen, aber ich wartete vergeblich darauf, ein Quäntchen Geist zu erhaschen. Ich bin kein Orientale; ein weißer Hals, karminrote Lippen und Wangen und Kringel glänzender Locken sind mir zu wenig ohne jenen Funken des Prometheus, der auch dann noch lebendig ist, nachdem Rosen und Lilien verblasst sind und das braun glänzende Haar grau geworden ist. Bei Sonnenschein und in Zeiten des Wohlstands und Glücks sind Blumen etwas sehr Schönes; aber wie viele nasskalte Tage gibt es im Leben – Novembergezeiten des Unheils, in denen Herd und Heim eines Mannes in der Tat kalt wären, wäre da nicht der reine, aufmunternde Glanz des Intellekts.

Nachdem ich die schön geschriebene Seite von Mrs Crimsworths Gesicht durchgelesen hatte, tat ein tiefer, unfreiwilliger Seufzer meine Enttäuschung kund; sie nahm ihn als Huldigung ihrer Schönheit, und Edward, der offensichtlich stolz auf sein blühendes und hübsches junges Weib war, warf mir einen Blick zu – halb spöttisch, halb zornig.

Ich wandte mich von beiden ab, und als ich mich müde und abgespannt im Zimmer umsah, bemerkte ich zwei Bilder, die in die Eichentäfelung eingelassen waren, je eines auf jeder Seite des Kaminsimses. Ich hörte auf, die scherzhafte Konversation zwischen Mr und Mrs Crimsworth weiterzuverfolgen, und widmete meine Gedanken der näheren Betrachtung jener Bilder. Es handelte sich um Porträts – eine Dame und ein Herr, beide gekleidet nach der Mode von vor zwanzig Jahren. Der Herr war im Lichtschatten. Ich konnte ihn nicht gut sehen. Die Dame kam in den vollen Genuss eines Lichtstrahls der leicht abgeblendeten Lampe. Ich erkannte sie augenblicklich; ich hatte das Bild bereits in meiner Kindheit gesehen; es war meine Mutter. Dieses Bild und sein Gegenpart waren die einzigen Erbstücke, die aus dem Ausverkauf von meines Vaters Besitz gerettet werden konnten.

Ich erinnerte mich, dass mir als Knabe das Gesicht gefallen hatte, aber damals hatte ich nicht verstanden, warum; jetzt wusste ich, wie selten es ein solches Gesicht auf der Welt gibt, und in heißer Dankbarkeit und Wertschätzung betrachtete ich den nachdenklichen, doch sanften Gesichtsausdruck. Der ernste, graue Blick übte auf mich einen starken Zauber aus, ebenso gewisse Linien in den Gesichtszügen, die auf wahrhaftigstes und zärtlichstes Empfinden hinwiesen. Ich war traurig, dass es sich nur um ein Bild handelte.

Bald überließ ich Mr und Mrs Crimsworth sich selbst; ein Diener führte mich zu meinem Schlafgemach; indem ich die Zimmertür schloss, schloss ich alle Eindringlinge aus – Dich, Charles, genauso wie den Rest. –

So viel für heute,

WILLIAM CRIMSWORTH.«

 

Auf diesen Brief bekam ich nie eine Antwort; ehe mein alter Freund ihn erhielt, hatte er eine Ernennung auf einen Posten in den Kolonien durch die Regierung angenommen und war bereits auf dem Weg zu dem Schauplatz seiner Amtspflichten. Was seitdem aus ihm geworden ist, weiß ich nicht.

Die Zeit der Muße, die mir jetzt zur Verfügung steht und die ich für seine persönliche Erbauung zu verwenden gedacht hatte, werde ich nun gänzlich der des allgemeinen Publikums widmen. Meine Geschichte ist nicht aufregend, und sie hat, vor allem, nichts Wunderbares an sich; aber vielleicht ist sie für manche Menschen von Interesse, die sich im gleichen Beruf wie ich abgemüht haben und die in meinen Erfahrungen immer wiederkehrende eigene Überlegungen finden werden. Der obige Brief soll als Einführung dienen. Nunmehr werde ich beginnen.

 

II

Ein schöner Oktobermorgen folgte dem nebligen Abend, der Zeuge meiner ersten Einführung in Crimsworth Hall gewesen war. Ich war frühzeitig aufgestanden und spazierte nun über die ausgedehnten, parkähnlich angelegten Rasenflächen, die das Haus umgaben. Die Herbstsonne, die gerade über den Hügeln der Grafschaft -shire aufging, offenbarte eine liebliche Landschaft: Wälder, braun und saftig, wechselten sich mit Feldern ab, deren Ernte erst vor Kurzem eingebracht worden war; ein Fluss, der zwischen den Wäldern dahinglitt, fing auf seiner Oberfläche den schon etwas kalten Glanz der Oktobersonne und des Himmels ein. Entlang des Flussufers deuteten in kurzen Abständen hohe, zylindrische Schornsteine, schlanken Rundtürmen nicht unähnlich, auf die Fabriken hin, welche von den Bäumen halb verdeckt wurden; hie und da sah man Herrensitze in der Art von Crimsworth Hall in schönen Hanglagen. Insgesamt strahlte die Landschaft etwas Unbeschwertes, Lebendiges, Fruchtbares aus. Dampfkraft, Handel, Maschinen hatten schon längst jede Romantik und Abgeschiedenheit aus ihr verbannt. Fünf Meilen weit entfernt öffnete sich zwischen den sanften Hügeln ein Tal, das in seiner Senke die große Stadt X beherbergte. Eine dichte, beständige Dunstschicht brütete über dem Ort; dort lag Edwards »Konzern«.

Ich zwang meine Augen, diese Aussicht genau zu betrachten; ich zwang Geist und Seele, eine Zeit lang darauf zu verweilen; und als mir klar wurde, dass in meinem Herzen keinerlei vergnügliche Empfindungen ausgelöst, dass in mir keine jener Hoffnungen geweckt wurden, die ein Mann verspüren sollte, wenn er seinen Lebensweg bildlich vor sich ausgebreitet sieht – da sagte ich zu mir: »William, du bist ein Rebell, der sich gegen das Leben auflehnt; du bist ein Narr, der nicht weiß, was er will; du hast dich für eine kaufmännische Laufbahn entschieden, und du wirst Kaufmann werden. Schau hin!« Und ich fuhr im Geiste fort: »Schau dir den Ruß und den Rauch in dieser Senke an und werde dir darüber klar, dass dort dein Platz ist! Dort gibt es nichts zu träumen, dort gibt es nichts zu spekulieren und zu theoretisieren. Dorthin sollst du, um zu arbeiten!«

Nachdem ich mich dieserart selbst zurechtgewiesen hatte, kehrte ich ins Haus zurück. Mein Bruder war im Frühstückszimmer. Ich trat ihm beherrscht gegenüber; ich konnte ihm nicht heiter und gelassen gegenübertreten. Er stand auf dem Läufer mit dem Rücken zum Feuer. Was las ich nicht alles aus seinem Blick, als sich unsere Augen trafen, als ich auf ihn zuging, um ihm einen guten Morgen zu wünschen! Wie sehr ging das alles wider meine Natur! Er sagte brüsk »Guten Morgen« und nickte, und mit einer Bewegung, die mehr ein Ansichreißen als ein Aufnehmen war, ergriff er eine Zeitung vom Tisch und begann sie mit der Miene eines Vorgesetzten zu lesen, der einen Vorwand benutzt, um der lästigen Qual einer Unterhaltung mit einem Untergebenen zu entgehen. Ich hatte wohl daran getan zu beschließen, eine Weile auszuharren, denn ansonsten hätte sein Verhalten die starke Abneigung wohl unerträglich gemacht, die zu unterdrücken ich mich gerade bemüht hatte. Ich betrachtete ihn; ich maß seine robuste Gestalt und die kräftigen Proportionen; ich erblickte mein eigenes Bild in dem Spiegel über dem Kaminsims; ich amüsierte mich, indem ich beide Bilder miteinander verglich. Eine Ähnlichkeit war unverkennbar, obgleich ich nicht so gut aussah. Meine Züge waren nicht so regelmäßig; meine Augen waren dunkler, meine Brauen länger; vom Körperbau her war ich deutlich unterlegen: dünner, leichtgewichtiger, nicht so groß. Als urwüchsiges Lebewesen übertraf mich Edward bei Weitem. Sollte er geistig genauso überragend sein wie körperlich, dann würde ich der Sklave sein müssen, denn von ihm durfte ich nicht die Großmut des Löwen erwarten gegenüber dem, der schwächer war als er selbst. Sein kalter, habgieriger Blick, seine strenge, abweisende Art verrieten mir, dass er mich nicht schonen würde. Ob ich wohl die Geisteskraft hatte, es mit ihm aufzunehmen? Ich wusste es nicht; ich war noch nie auf die Probe gestellt worden.

Der Eintritt von Mrs Crimsworth brachte meine Gedanken für einen Augenblick durcheinander. Sie sah gut aus, war ganz in Weiß gekleidet, und ihr Gesicht und ihre Erscheinung strahlten die Frische des Morgens und die einer Braut aus. Ich sprach sie mit jenem Grad von Unbekümmertheit an, welcher ihre heitere Fröhlichkeit vom vergangenen Abend zu erlauben schien, aber sie erwiderte kühl und zurückhaltend; ihr Mann hatte sie instruiert. Sie sollte sich gegenüber seinem Angestellten keine allzu großen Vertraulichkeiten erlauben.

Sobald das Frühstück vorüber war, teilte mir Mr Crimsworth mit, dass das Gig gerade vorgefahren werde und dass er mich in fünf Minuten aufbruchbereit für eine Fahrt nach X erwarte. Ich ließ ihn nicht warten. Bald schossen wir mit hoher Geschwindigkeit die Straße entlang. Das Pferd, das er eingespannt hatte, war das gleiche bösartige Tier, dessentwegen Mrs Crimsworth sich am Vorabend so besorgt gezeigt hatte. Ein- oder zweimal schien Jack geneigt zu sein, sich bockig zu gebärden, aber eine kräftige und unmissverständliche Betätigung der Peitsche aus der unbarmherzigen Hand seines Herrn zwang ihn schnell, sich zu unterwerfen, und Edwards geweitete Nasenlöcher drückten seinen Triumph über den Ausgang des Kräftemessens aus. Während der ganzen kurzen Fahrt sprach er kaum mit mir, und er öffnete nur gelegentlich die Lippen, um sein Pferd zu verwünschen.

Als wir nach X hineinfuhren, herrschte dort das lebhafteste Treiben. Wir verließen die sauberen Straßen, wo die Wohnhäuser und Läden standen, die Kirchen und öffentlichen Gebäude; wir verließen all dies und bogen ab zum Gelände der Fabriken und Lagerhäuser. Dort passierten wir zwei massive Tore, die in einen großen, gepflasterten Hof führten, und befanden uns in Bigben Close; vor uns war die Tuchfabrik, die Ruß aus ihrem hohen Schornstein spuckte und deren dicke Ziegelmauern die Bewegungen ihrer eisernen Eingeweide zitternd nachvollzogen. Arbeiter gingen hin und her; Lastkarren wurden mit Stoffballen beladen. Mr Crimsworth schaute von einer Seite zur anderen und schien mit einem Blick alles, was vorging, aufzunehmen. Er hielt an, überließ Pferd und Gig der Obhut eines Mannes, der herbeieilte, um ihm die Zügel abzunehmen, und hieß mich, ihm zum Büro zu folgen. Wir traten ein. Wie verschieden war dieser Ort von den Salons in Crimsworth Hall: ein Ort für Geschäfte, mit einem nackten Bretterboden, einem Geldschrank, zwei hohen Schreibpulten mit Hockern und einigen Stühlen. An einem der Pulte saß ein Mann, der seine altmodische Mütze abnahm, als Mr Crimsworth eintrat, und der einen Augenblick später bereits wieder in seine Schreib- oder Rechentätigkeit vertieft war, ich weiß nicht, in welche von beiden.

Mr Crimsworth legte seinen Regenmantel ab und setzte sich ans Feuer. Ich blieb beim Ofen stehen. Er sagte sogleich:

»Steighton, Sie können hinausgehen. Ich habe mit diesem Herrn etwas Geschäftliches zu besprechen. Kommen Sie wieder herein, wenn Sie die Glocke hören.«

Der Mann am Schreibpult erhob sich, tat, wie ihm geheißen, und schloss die Tür hinter sich. Mr Crimsworth stocherte das Feuer auf und saß einen Augenblick nachdenklich da, die Lippen zusammengepresst, die Stirn gerunzelt. Ich konnte nichts weiter tun als ihn beobachten. Was für ein schön geschnittenes Gesicht er doch hatte! Was für ein gut aussehender Mann er doch war! Woher kam dann nur diese angespannte Miene, dieser verkniffene und harte Ausdruck auf seiner Stirn, in all seinen Zügen?

Er wandte sich mir zu und begann abrupt:

»Du bist also nach X gekommen, um dich zum Kaufmann ausbilden zu lassen?«

»Ja, so ist es.«

»Bist du fest entschlossen dazu? Ich muss das auf der Stelle wissen.«

»Ja.«

»Na schön. Ich bin zwar nicht verpflichtet, dir zu helfen, aber ich habe hier eine Stelle frei, falls du dafür geeignet bist. Ich werde dich probehalber einstellen. Was kannst du? Kannst du irgendetwas, außer diesem nutzlosen Unfug, den man auf dem College lernt, wie Griechisch, Latein und so weiter?«

»Ich habe Mathematik studiert.«

»Das habe ich mir fast gedacht. Blödsinn!«

»Ich kann Französisch und Deutsch schreiben und lesen.«

»Hm!« Er überlegte einen Moment, zog dann eine Schublade aus einem Schreibtisch neben sich heraus, entnahm ihr einen Brief und gab ihn mir.

»Kannst du das lesen?«, fragte er.

Es war ein deutscher Geschäftsbrief. Ich übersetzte ihn. Ich konnte nicht sagen, ob er zufrieden war oder nicht; seine Haltung blieb steif.

»Es ist von Vorteil«, sagte er nach einer Pause, »dass du eine Ahnung von sinnvoller Tätigkeit hast, die dich vielleicht in die Lage versetzen wird, selbst für deinen Unterhalt aufzukommen. Da du Französisch und Deutsch kannst, werde ich dich als Zweiten Sekretär einstellen, der die Korrespondenz mit dem Ausland zu führen hat. Ich werde dir ein gutes Gehalt zahlen – neunzig Pfund jährlich –, und jetzt«, fuhr er mit erhobener Stimme fort, »höre mir ein für alle Mal zu, was ich zu der Beziehung zwischen uns und diesem ganzen Humbug zu sagen habe! Über diesen Punkt muss absolute Klarheit herrschen; ich lasse mir da nichts bieten. Ich werde dir keinesfalls irgendetwas nachsehen, nur weil du mein Bruder bist. Wenn es sich herausstellt, dass du dumm, nachlässig, zerstreut, faul bist oder sonst irgendwelche Fehler hast, die den Interessen des Hauses abträglich sind, werde ich dich entlassen, so wie ich das bei jedem anderen Angestellten tun würde. Neunzig Pfund jährlich ist ein gutes Gehalt, und ich erwarte von dir den vollen Gegenwert für mein Geld. Halte dir auch immer vor Augen, dass die Basis unserer Arbeit hier in meiner Firma eine rein geschäftsmäßige ist: Geschäftsmäßiges Auftreten, Denken und Fühlen, das ist es, was mir gefällt. Hast du verstanden?«

»Teilweise«, erwiderte ich. »Vermutlich willst du sagen, dass ich für mein Gehalt meine Arbeit tun soll; dass ich keine Vergünstigungen deinerseits erwarten soll und dass ich mit Ausnahme meines Verdienstes von dir keinerlei Hilfe zu erwarten habe; das ist genau das, was ich mir wünsche, und unter diesen Bedingungen willige ich ein, als dein Angestellter zu arbeiten.«

Ich machte auf dem Absatz kehrt und schritt zum Fenster. Dieses Mal erforschte ich sein Gesicht nicht, um seine Meinung herauszufinden: Ich weiß nicht, was er dachte, und es war mir auch gleichgültig. Nach einem Schweigen von mehreren Minuten begann er erneut:

»Du erwartest möglicherweise, dass man dir in Crimsworth Hall eine Wohnung einrichtet und dass du mit mir zusammen in dem Gig zur Arbeit und wieder zurückfahren kannst. Ich möchte jedoch klarstellen, dass mir ein solches Arrangement höchst ungelegen käme. Ich möchte den Sitzplatz in meinem Gig gerne für Herren zur Verfügung haben, die ich gegebenenfalls aus geschäftlichen Gründen über Nacht mit nach Hause zu nehmen gedenke. Du wirst dir eine Bleibe in X suchen.«

Ich verließ das Fenster und ging zum Ofen zurück.

»Selbstverständlich werde ich mir eine Bleibe in X suchen«, antwortete ich. »Es würde mir gar nicht gefallen, in Crimsworth Hall zu wohnen.«

Mein Ton war ruhig. Ich spreche immer ruhig. Aber in Mr Crimsworths Auge loderte der Zorn; er rächte sich auf eher merkwürdige Art. Er wandte sich mir zu und sagte grob:

»Du bist vermutlich völlig mittellos. Wovon willst du das Vierteljahr leben, ehe dein erstes Gehalt fällig ist?«

»Ich werde schon zurechtkommen«, sagte ich.

»Wovon willst du leben?«, wiederholte er lauter.

»Ich werde leben, so gut ich kann, Mr Crimsworth.«

»Dich verschulden und ins Unglück stürzen, das wirst du! So wird’s kommen«, antwortete er. »Mag sein, dass du extravagante aristokratische Angewohnheiten hast. Wenn dem so ist, dann leg sie ab; ich dulde hier nichts dergleichen, und ich werde dir niemals einen Shilling extra geben, welche Verbindlichkeiten auch immer du eingehen wirst. Merk dir das.«

»Jawohl, Mr Crimsworth. Sie werden herausfinden, dass ich ein gutes Gedächtnis habe.«

Ich sprach nicht weiter. Ich hielt die Zeit für längere Diskussionen für nicht gekommen. Ich hatte das instinktive Gefühl, dass es töricht wäre, bei einem Menschen wie Edward das eigene Temperament allzu sehr überschäumen zu lassen. Im Innern sagte ich zu mir: »Ich werde meinen Becher unter diesen steten Tropfen stellen; dort soll er stehen, still und stumm. Sobald er voll ist, wird er von selbst überlaufen – bis dahin: Geduld. Zwei Dinge sind sicher: Ich habe die Fähigkeit, die Arbeit auszuführen, die mir Mr Crimsworth zugeteilt hat; ich kann für meinen Lohn gewissenhafte Arbeit leisten, und dieser Lohn reicht aus, dass ich leben kann. Was die Tatsache anbelangt, dass mein Bruder mir gegenüber die Haltung eines herrischen, schroffen Vorgesetzten einnimmt, so ist das sein Charakterfehler, nicht der meine; und sollen mich seine Ungerechtigkeit, seine Übellaunigkeit schon jetzt von dem Weg abbringen, den ich mir erwählt habe? Nein. Ehe ich davon abweiche, werde ich ihn zumindest weit genug beschreiten, um zu sehen, in welche Richtung mein Lebensweg tendiert. Bis jetzt stehe ich nur am Eingang und versuche, mich hineinzudrängen, und das Tor ist reichlich eng9. Eigentlich müsste der Weg zu einem guten Ziel führen.« Während ich solche Überlegungen anstellte, läutete Mr Crimsworth eine Glocke; sein Erster Sekretär, der Mann, der zu Beginn unserer Unterredung hinausgeschickt worden war, trat wieder ein.

»Mr Steighton«, sagte er, »zeigen Sie Mr William die Briefe der Gebrüder Voss und machen Sie ihm englische Abschriften der Antwortschreiben. Er wird sie übersetzen.«

Mr Steighton, ein Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, mit einem Gesicht, das zugleich schlau und grob war, beeilte sich, diesen Auftrag auszuführen. Er legte die Briefe auf den Schreibtisch, und bald saß ich darüber und befasste mich mit der Übertragung der englischen Antworten ins Deutsche. Ein Gefühl freudigen Stolzes begleitete diesen ersten Versuch, mir meinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen – ein Gefühl, das durch die Anwesenheit des Aufsehers, der sich neben mich stellte und mir einige Zeit beim Schreiben zusah, weder getrübt noch abgeschwächt wurde. Ich war der Meinung, dass er versuchen wollte, etwas über meinen Charakter herauszubekommen, aber ich fühlte mich vor seiner forschenden Neugier so sicher, als hätte ich einen Helm mit heruntergeklapptem Visier auf. Mehr noch: Ich begegnete ihm in der selbstsicheren Haltung von jemandem, der einem ungebildeten Menschen einen Brief in griechischer Schrift zeigt; dieser würde die Zeilen sehen, einzelne Buchstaben erkennen, aber nichts damit anzufangen wissen. Wir beide waren grundverschieden voneinander, und die Offenbarungen meines Wesens waren für ihn wie Worte einer unbekannten Sprache. Binnen Kurzem wandte er sich unvermittelt ab, als sei er konsterniert, und verließ das Büro. Noch zweimal kehrte er im Verlauf jenes Tages zurück; jedes Mal machte er sich ein Glas Brandy mit Wasser zurecht und trank es aus, und die Zutaten und Gerätschaften dafür holte er aus einem Schrank neben dem Kamin. Nachdem er einen Blick auf meine Übersetzungen geworfen hatte – er konnte sowohl Französisch als auch Deutsch lesen –, ging er wieder schweigend hinaus.

III

Ich diente Edward als Zweiter Sekretär, treu, pünktlich, fleißig. Was man mir zu tun gab, war ich fähig und willens, gut zu tun. Mr Crimsworth beobachtete mich scharf und hielt nach Fehlern Ausschau, fand jedoch keine. Er beauftragte Timothy Steighton, seinen Günstling und Aufpasser, mich ebenfalls im Auge zu behalten. Tim war verwirrt; ich war ebenso gewissenhaft wie er, und schneller. Mr Crimsworth stellte Nachforschungen darüber an, wie ich lebte, ob ich Schulden machte; nein, die Rechnungen meiner Wirtin waren stets beglichen. Ich hatte eine kleine Unterkunft gemietet, deren Kosten ich aus einem schmalen Budget zu begleichen bewerkstelligte, nämlich dem Geld, das ich in Eton von meinem Taschengeld gespart und aufgehoben hatte; denn da es von jeher ein Gräuel wider meine Natur gewesen ist, um finanzielle Hilfe zu bitten, hatte ich mir frühzeitig Verhaltensweisen einer selbstverleugnenden Sparsamkeit anerzogen. Mit peinlichster Sorgfalt hatte ich mir meine monatliche Zuwendung eingeteilt, um der Gefahr vorzubeugen, zu irgendeinem Zeitpunkt einer zukünftigen Notlage fremden Beistand erheischen zu müssen. Ich erinnere mich, dass ich zu jener Zeit von vielen ein Geizhals genannt wurde, und ich pflegte den Tadel mit diesem Trost zu verbinden: besser, jetzt missverstanden zu werden, als später abgewiesen. Heute erhielt ich den Lohn dafür; ich hatte ihn schon zuvor einmal erhalten, als bei der Trennung von meinen verärgerten Onkeln einer von ihnen eine Fünfpfundnote auf den Tisch vor mir warf, die ich in der Lage war, dort liegen zu lassen, indem ich sagte, dass für die Kosten meiner Reise bereits gesorgt sei. Mr Crimsworth trug Tim auf, herauszufinden, ob meine Wirtin irgendwelche Klagen, meinen Lebenswandel betreffend, vorzubringen hätte. Sie antwortete, dass sie mich für einen sehr religiösen Menschen halte, und fragte ihrerseits Tim, ob er glaube, dass ich möglicherweise die Absicht hätte, eines Tages in den Dienst der Kirche zu treten; denn, so sagte sie, sie habe schon junge Vikare als Mieter in ihrem Haus beherbergt, die mir in Bezug auf Wohlverhalten und Unauffälligkeit nicht annähernd gleich gewesen seien. Tim war selbst »ein religiöser Mensch«; tatsächlich gehörte er den Methodisten an, was ihn – wohlverstanden – nicht davon abhielt, gleichzeitig ein abgefeimter Schurke zu sein, und er war sehr verdutzt, als er diesen Bericht über meine Frömmigkeit vernahm. Nachdem er ihn an Mr Crimsworth weitergegeben hatte, machte dieser Gentleman, der selbst nie eine Stätte der Andacht besuchte und keinen anderen Gott kannte als Mammon, aus der Information eine Angriffswaffe, um meinen Gleichmut zu erschüttern. Er begann damit, mehrfach versteckte und hämische Bemerkungen zu äußern, deren Sinn ich anfänglich nicht begriff, bis mir meine Wirtin zufällig von der Unterhaltung erzählte, die sie mit Mr Steighton geführt hatte. Danach ging mir ein Licht auf. Daraufhin war ich vorbereitet, wenn ich ins Büro kam, und es gelang mir, den blasphemischen Sarkasmus des Fabrikbesitzers, als er das nächste Mal auf mich abzielte, von einem Schutzschild undurchdringlicher Gleichgültigkeit abprallen zu lassen. Binnen Kurzem ermüdete es ihn, seine Munition an eine Statue zu verschwenden, aber er warf die Pfeile nicht weg; er hielt sie heimlich in seinem Köcher bereit.

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