Der Reichste Mann in Babylon - George S. Clason - E-Book

Der Reichste Mann in Babylon E-Book

George S. Clason

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Beschreibung

Das englische Original "The Richest Man in Babylon" wurde als eines der inspirierendsten Werke zum Thema Sparsamkeit, Finanzplanung und persönlicher Reichtum gefeiert. In einfacher Sprache und anhand von Geschichten aus dem alten Babylon skizziert der Autor George S. Clason den sicheren Weg zu finanziellem Wohlstand und die damit verbundenen Freuden. Das Buch ist ein moderner Klassiker in Sachen Sparen und Finanzplanung und beschreibt in einfacher, informativer und motivierender Sprache die Wege und Verhaltensweisen, die zum Erwerb, zum Erhalt und zur Vermehrung von Geld unabdingbar sein. Sie werden lernen, wie sie sich ein Vermögen aufbauen. Wie Sie es bewahren, und wie Sie es vermehren können. Um Ihre Ambitionen und Wünsche zu verwirklichen, müssen Sie finanziell erfolgreich sein. Wenden Sie dazu die Grundprinzipien der alten Babylonier an, die in diesem Buch vorgestellt werden. Die Hauptfigur der Erzählung ist der Babylonier Akkad. Anhand seiner Lebensgeschichte, die ihn aus ärmlichen Verhältnissen zum reichsten Mann von Babylon aufsteigen ließ, werden die grundlegenden Regeln zum Vermögensaufbau eindringlich und höchst unterhaltsam vermittelt.

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Seitenzahl: 193

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Der reichste Mann in Babylon

von George S. Clason (1926)

 

 

 

 

Übersetzung: Heike Wolf (2021)

Aureon Verlag GmbH (Alle Rechte vorbehalten)

 

Vor Ihnen erstreckt sich Ihre Zukunft wie eine in die Ferne führende Straße. An dieser Straße befinden sich Ziele, die Sie erreichen möchten, … Wünsche, die Sie befriedigen möchten.

Um Ihre Ziele zu erreichen und sich Ihre Wünsche zu erfüllen, müssen Sie erfolgreich mit Geld umgehen können. Folgen Sie den finanziellen Prinzipien, die auf den folgenden Seiten dargelegt werden. Befreien Sie sich mit Hilfe dieser Regeln von den Zwängen eines schmalen Geldbeutels und lassen Sie sich hinführen zu jenem erfüllteren, glücklicheren Leben, das nur finanzielle Freiheit ermöglichen kann.

Diese Prinzipien sind universell und unveränderlich, wie das Gravitationsgesetz. Mögen sich diese Regeln für Sie als Wegweiser zu einem prall gefüllten Geldbeutel, einem größeren Bankguthaben und finanzieller Unabhängigkeit erweisen, so wie sie es für viele andere getan haben.

GELD IST FÜR JENE IM ÜBERFLUSS VORHANDEN, WELCHE DIE EINFACHEN REGELN SEINES ERWERBS VERSTEHEN

1. Beginne mit dem Vermögensaufbau

2. Kontrolliere deine Ausgaben

3. Vermehre dein Vermögen

4. Behüte dein Vermögen vor Verlusten

5. Mache dein Heim zu einer profitablen Investition

6. Sichere dir ein zukünftiges Einkommen

7. Erhöhe deine Verdienstmöglichkeiten

 

ÜBER DEN AUTOR

GEORGE SAMUEL CLASON wurde am 7. November 1874 in Louisiana geboren. Er studierte an der University of Nebraska und diente während des Spanisch-Amerikanischen Krieges in der United States Army. Mit der Gründung der Clason Map Company of Denver, Colorado, begann er eine lange Karriere als Verleger und brachte den ersten Straßenatlas der Vereinigten Staaten und Kanada heraus. 1926 veröffentlichte er den ersten Band einer bekannten Serie von Broschüren über Sparsamkeit und finanziellen Erfolg, in denen er im alten Babylon spielende Parabeln verwendete, um seine Argumente zu veranschaulichen. Große Mengen von ihnen wurden durch Banken und Versicherungsfirmen verteilt und Millionen Menschen bekannt. Die berühmteste davon ist die Geschichte „Der reichste Mann von Babylon“

 

 

VORWORT

Unser Wohlstand als Nation hängt von dem persönlichen finanziellen Wohlstand eines jeden Einzelnen ab.

Dieses Buch setzt sich mit den persönlichen Erfolgen eines jeden von uns auseinander. Erfolge sind Errungenschaften, die das Ergebnis unserer eigenen Mühen und Fähigkeiten sind. Der Schlüssel zu unserem Erfolg liegt in der richtigen Vorbereitung. Unsere Handlungen können nicht weiser als unsere Gedanken sein. Unser Denken kann nicht weiser als unser Verstehen sein.

Dieses Buch ist ein Ratgeber zur Verbesserung des Verständnisses für finanzielle Gesetzmäßigkeiten. Sein Zweck ist es: Jenen, die nach finanziellem Erfolg streben, die entsprechenden Einsichten zu vermitteln, die ihnen dabei helfen werden, Geld zu verdienen und ihr Vermögen zu erhalten.

Auf den folgenden Seiten werden wir eine Reise zurück nach Babylon antreten, der Wiege, in der die heute anerkannten und weltweit angewandten Grundprinzipien des Finanzwesens aufgestellt wurden.

Babylon wurde zur reichsten Stadt des Altertums, weil seine Bürger die reichsten Menschen ihrer Zeit waren. Sie schätzten den Wert des Geldes. Sie stützten sich auf fundierte finanzielle Grundprinzipien, sowohl beim Erwerb, als auch bei der Bewahrung und Vermehrung ihrer Vermögen, und Sie schufen sich das, was wir alle begehren … zukünftige Einkommensströme.

George S. Clason

INHALTSVERZEICHNIS

EIN GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK BABYLONS

DER MANN, DER DAS GOLD BEGEHRTE

DER REICHSTE MANN IN BABYLON

DIE SIEBEN GOLDENEN WOHLSTANDSREGELN

 

DIE ERSTE GOLDENE WOHLSTANDSREGEL

BEGINNE DAMIT, DEINEN GELDBEUTEL ANWACHSEN ZU LASSEN.

 

DIE ZWEITE GOLDENE WOHLSTANDSREGEL

KONTROLLIERE DEINE AUSGABEN.

 

DIE DRITTE GOLDENE WOHLSTANDSREGEL

VERMEHRE DEIN GOLD.

 

DIE VIERTE GOLDENE WOHLSTANDSREGEL

HÜTE DEINE SCHÄTZE VOR VERLUSTEN.

 

DIE FÜNFTE GOLDENE WOHLSTANDSREGEL

MACHE DEIN HEIM ZU EINER PROFITABLEN INVESTITION.

 

DIE SECHSTE GOLDENE WOHLSTANDREGEL

SICHERE DIR EIN ZUKÜNFTIGES EINKOMMEN.

 

DIE SIEBENTE GOLDENE WOHLSTANDSREGEL

STEIGERE DEINE MÖGLICHKEITEN EINKOMMEN ZU ERZIELEN.

 

LERNE DIE GLÜCKSGÖTTIN KENNEN

 

DIE FÜNF GESETZE DES GOLDES

DIE FÜNF GESETZE DES GOLDES

DAS ERSTE GESETZ DES GOLDES

DAS ZWEITE GESETZ DES GOLDES

DAS DRITTE GESETZ DES GOLDES

DAS VIERTE GESETZ DES GOLDES

DAS FÜNFTE GESETZ DES GOLDES

 

DER GOLDVERLEIHER AUS BABYLON

DIE MAUERN BABYLONS

DER KAMELHÄNDLER BABYLONS

 

DIE TONTAFELN BABYLON’S

TONTAFEL NR. I

TONTAFEL NR. II

TONTAFEL NR. III

TONTAFEL NR. IV

TONTAFEL NR. V

 

DER GLÜCKLICHSTE MANN BABYLONS

 

EIN GESCHICHTLICHER ÜBERBLICK BABYLONS

Von den Seiten der Geschichtsschreibung strahlt keine Stadt glamouröser als Babylon. Der Name allein beschwört Visionen von Reichtum und Pracht herauf. Ihre Gold- und Juwelenschätze waren legendär. Man stellt sich eine solch reiche Stadt naturgemäß in einer passenden Kulisse tropischer Üppigkeit vor, umgeben von reichhaltigen natürlichen Ressourcen aus Wäldern und Rohstoffvorkommen. Dies war aber nicht der Fall. Babylon lag am Flusse Euphrat, in einem flachen, ausgedörrten Tal. Es gab keine Wälder, keine Rohstoffvorkommen — nicht einmal Steine zum Bauen. Die Stadt befand sich nicht einmal an einer Handelsstraße. Der Niederschlag in der Region war für die Landwirtschaft nicht ausreichend.

Babylon ist ein herausragendes Beispiel für die Fähigkeit des Menschen, durch die Nutzung der ihm zur Verfügung stehenden Mittel große Ziele zu erreichen. Alle Ressourcen, die diese große Stadt versorgten, wurden durch den Menschen entwickelt. Ihr gesamter Reichtum wurde von Menschen geschaffen.

Babylon verfügte lediglich über zwei natürliche Ressourcen — fruchtbaren Boden und Flusswasser. Babylonische Ingenieure vollbrachten eine der größten Ingenieursleistungen aller Zeiten, indem sie das Wasser durch Dämme und enorme Bewässerungskanäle aus dem Fluss umleiteten. Diese Kanäle durchquerten das ausgedörrte Tal über große Entfernungen hinweg, um das lebensspendende Wasser in die fruchtbare Erde einzubringen. Dies gehört zu den ersten Ingenieurs-Großtaten der Geschichte. Noch nie zuvor hatte die Welt solch reichhaltige Ernten gesehen wie jene, die dieses Bewässerungssystem hervorbrachte.

Glücklicherweise wurde Babylon im Laufe seines langen Bestehens von aufeinanderfolgenden Königsdynastien regiert, für die Eroberungen und Plünderungen nebensächlich waren. Auch wenn es in viele Kriege verwickelt wurde, fanden die meisten davon im näheren Umfeld oder zur Verteidigung gegen ehrgeizige Eroberer aus anderen Ländern statt, welche die legendären Schätze Babylons begehrten. Die außergewöhnlichen Herrscher Babylons haben sich ihren Platz in der Geschichte durch ihre Weisheit, ihren Unternehmergeist und ihre Gerechtigkeit erobert. Babylon brachte keine herumstolzierenden Monarchen hervor, welche darauf erpicht waren, die bekannte Welt zu erobern, damit alle Nationen ihrem Geltungsbedürfnis huldigten.

Als Stadt existiert Babylon nicht mehr. Als diese menschlichen Triebkräfte, welche die Stadt erbaut und über Tausende von Jahren hinweg erhalten hatten, verschwanden, verkam Babylon bald zu einer verlassenen Ruinenlandschaft. Die Stadt lag in Asien, etwa sechshundert Meilen östlich des Suezkanals, direkt nördlich des Persischen Golfs. Der Breitengrad ist etwa dreißig Grad nördlich des Äquators, praktisch derselbe wie Yuma, in Arizona. Sie hatte ein ähnliches Klima wie diese amerikanische Stadt, heiß und trocken.

Heute ist dieses Tal des Euphrats, das einst ein bevölkerungsreiches, bewässertes Landwirtschaftsareal war, wieder eine windgepeitschte, ausgedörrte Öde. Spärliches Gras und Wüstenbüsche kämpfen gegen Sandverwehungen um ihre Existenz. Verschwunden sind die fruchtbaren Felder, die Mammutstädte und langen Karawanenzüge. Die einzigen Einwohner sind arabische Nomadenstämme, die sich durch das Hüten kleiner Herden ein bescheidenes Auskommen sichern. So war es seit Beginn des christlichen Zeitalters.

Das Tal ist mit Erdhügeln gesprenkelt. Jahrhundertelang hielten Reisende sie für nichts anderes. Durch gelegentliche Regenstürme heruntergeschwemmte Keramikscherben und Ziegelstücke ließen schließlich das Interesse der Archäologen an ihnen erwachen. Von europäischen und amerikanischen Museen finanzierte Expeditionen wurden ausgesandt, um Ausgrabungen durchzuführen. Es zeigte sich, dass es sich bei diesen Hügeln um alte Städte handelte. Man könnte sie auch als Stadtgräber bezeichnen.

Babylon war eine davon. Ungefähr zwanzig Jahrhunderte lang hat der Wind den Wüstenstaub über der alten Metropole verteilt. Alle damals aus Ziegeln errichteten Mauern waren zerfallen und wieder zu Erde geworden. So präsentiert sich Babylon, die reichste aller Städte, heute nur mehr als ein Haufen Erde.

Viele Wissenschaftler halten die Zivilisation Babylons und der anderen Städte in diesem Tal für die älteste, von der es konkrete Nachweise gibt. Es wurden eindeutige Daten ermittelt, die 8.000 Jahre zurückreichen.

In diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die Methoden zur Bestimmung dieser Daten interessant. In den Ruinen Babylons wurden Beschreibungen einer Sonnenfinsternis entdeckt. Heutige Astronomen berechneten umgehend den Zeitpunkt, an dem sich eine solche sichtbare Sonnenfinsternis in Babylon ereignete, und stellten somit eine verlässliche Verbindung zwischen dem babylonischen und unserem eigenen Kalender her.

Die Sumerer, die Einwohner Babylons, waren keine Barbaren, die innerhalb schützender Stadtmauern lebten. Sie waren gebildete und aufgeklärte Menschen. Im Rahmen der bestehenden Geschichtsschreibung waren sie die ersten Ingenieure, die ersten Astronomen, die ersten Mathematiker, die ersten Finanzexperten und die ersten Menschen mit einer Schriftsprache.

Die Bewässerungssysteme, welche das ausgedörrte Tal in ein landwirtschaftliches Paradies verwandelt hatten, wurden bereits erwähnt. Die Überreste dieser Kanäle sind immer noch auffindbar, obwohl sie größtenteils mit Sandansammlungen gefüllt sind. Manche von ihnen waren so groß, dass man mit einem Dutzend Pferden durch sie hätte reiten können, wenn sie nicht mit Wasser gefüllt gewesen wären.

Neben der Bewässerung des Tals vollbrachten die babylonischen Ingenieure ein weiteres Projekt ähnlich gigantischen Ausmaßes. Durch ein ausgefeiltes Entwässerungssystem waren sie in der Lage ein enorm großes Sumpfgebiet an der Mündung von Euphrat und Tigris für die landwirtschaftliche Kultivierung zu gewinnen.

Herodot, der griechische Reisende und Historiker, besuchte Babylon in dessen Glanzzeit und schenkte uns die einzige bekannte Beschreibung eines Auswärtigen Außenstehenden?. Seine Schriften bieten eine anschauliche Beschreibung der Stadt und der ungewöhnlichen Bräuche ihrer Bewohner. Er erwähnt die bemerkenswerte Fruchtbarkeit der Böden und die üppigen Weizen- und Gerstenernten, die sie hervorbrachten.

Die Pracht Babylons ist verschwunden, aber ihre Weisheit wurde für uns bewahrt. Das haben wir den Aufzeichnungen der Babylonier zu verdanken. In jener fernen Zeit war Papier noch nicht erfunden. Stattdessen ritzten sie ihre Schriften mühsam in Tafeln aus feuchtem Ton, die danach gebrannt wurden.

Diese Tontafeln waren sehr gebräuchlich. Auf ihnen wurden Sagen, Geschichten, königliche Erlasse, Gesetze, Eigentumsurkunden für Grundbesitz, Schuldscheine und sogar Briefe eingraviert, die dann mittels Boten in weit entfernte Städte transportiert wurden. Diese Tafeln erlauben uns einen Einblick in die persönlichen Angelegenheiten der Menschen jener Zeit. Eine Tafel beispielsweise, augenscheinlich aus den Unterlagen eines Grundbesitzers, berichtet, dass ein Kunde an einem bestimmten Tag eine Kuh gebracht und sie gegen sieben Säcke Weizen eingetauscht hat, von denen drei sofort und die anderen vier zu einem vom Kunden festgelegten Datum geliefert werden sollten. Archäologen haben ganze Bibliotheken solcher Tafeln in den verfallenen sumerischen Städten gefunden.

Besonders imposant waren die enormen Stadtmauern Babylons. Die Menschen der Antike zählten sie gemeinsam mit den Pyramiden Ägyptens zu den „sieben Weltwundern“. Man geht davon aus, dass Königin Semiramis in der Frühzeit der Stadt die ersten Mauern errichten ließ. Archäologen waren bisher nicht in der Lage, eine Spur der Originalmauern zu finden. Auch ihre genaue Größe ist uns nicht bekannt. Laut den Angaben antiker Autoren wurde ihre Höhe auf etwa fünfzig bis sechzig Fuß geschätzt. Auf der Außenseite waren sie mit gebrannten Ziegeln beschichtet.

Der Bau der neueren und berühmteren Mauern wurde ungefähr sechshundert Jahre vor Christus von König Nabupolassar begonnen. Er plante den Neubau in solch gigantischem Ausmaß, dass er die Fertigstellung der Arbeiten nicht mehr erlebte. Dies war seinem Sohn, Nebukadnezar, vergönnt, dessen Name durch die biblische Geschichte bekannt geworden ist.

Die Dimensionen dieser Mauern kann man sich nur schwer vorstellen. Es wird in verlässlichen Quellen berichtet, dass sie etwa einhundertsechzig Fuß hoch waren, was einem modernen fünfzehnstöckigen Bürogebäude entspricht. Die Gesamtlänge wurde auf neun bis elf Meilen geschätzt. Sie waren oben so breit, dass ein Streitwagen mit sechs Pferden auf ihnen fahren konnte. Von diesem gigantischen Bauwerk ist wenig geblieben, abgesehen von einigen Überresten der Fundamente und des Grabens. Zusätzlich zu den Verwüstungen durch das Wetter vollendeten die Araber die Zerstörung, indem sie die Mauerziegel für Bauprojekte an andere Orten verwendeten.

Im Laufe der Geschichte sind die Armeen fast jedes Eroberers wenigstens einmal gegen die Mauern Babylons marschiert. Eine Unzahl von Königen hat Babylon belagert, aber immer vergebens. Historiker sprechen von Armeen im Umfang von 10.000 Reitern, 25.000 Streitwagen, 1.200 Regimentern von Fußsoldaten mit 1.000 Männern pro Regiment. Oft waren für diese Kriegszüge zwei oder drei Jahre Vorbereitungszeit erforderlich, um das Kriegsmaterial anzusammeln und die Versorgungsdepots entlang der geplanten Marschroute zu errichten.

Die Stadt Babylon war in ihrer Organisation einer modernen Stadt sehr ähnlich. Es gab Straßen und Geschäfte. Hausierer preisten ihre Waren in Wohnsiedlungen an. Priester versahen ihr Amt in prächtigen Tempeln.

Innerhalb der Stadt befand sich die abgetrennte Palastanlage, deren Mauerwerk mutmaßlich noch einmal höher war als die Stadtmauern.

Die Babylonier waren sehr kunstfertige Leute. Sie waren bewandert in der Bildhauerei, der Malerei, der Weberei, in der Goldschmiedekunst und in der Herstellung von Metallwaffen und landwirtschaftlichen Gerätschaften. Ihre Juweliere schufen den kunstvollsten Schmuck jener Zeit. In den Gräbern reicher Babylonier wurden viele Belege für diese Kunstfertigkeit gefunden, die in der Gegenwart in den führenden Museen der Welt ausgestellt werden.

In einer sehr frühen Epoche, als die Bewohner weiter Teile der übrigen Welt noch mit Steinäxten hantierten oder mit Speeren mit Feuersteinspitzen auf Jagd gingen, benutzten die Babylonier bereits Äxte, Speere und Pfeile mit Metallbeschlägen. Die Babylonier waren kluge Finanzexperten und Händler. Soweit wir wissen, waren sie die ursprünglichen Erfinder des Geldverkehrs, von Schuldscheinen und schriftlichen Eigentumsurkunden für den Grundbesitz.

Bis etwa 540 Jahre vor Christi Geburt war es keiner feindlichen Armee gelungen, die Stadtmauern Babylons zu überwinden. Die Geschichte des Untergangs von Babylon ist ausgesprochen ungewöhnlich. Kyros, einer der größten Eroberer der Epoche, hatte vor, die Stadt anzugreifen und hoffte, ihre uneinnehmbaren Mauern zu bezwingen. Die Ratgeber des Königs Nabonidus von Babylon überzeugten ihn davon, Kyros entgegen zu marschieren und ihn in eine offene Feldschlacht zu verwickeln, um die Belagerung der Stadt abzuwenden. Nach der Niederlage floh die geschlagene babylonische Armee, der siegreiche Kyros durchschritt die offenen Stadttore und nahm die Stadt ohne weiteren Widerstand in Besitz.

Danach schwanden die Macht und das Ansehen der Stadt allmählich, bis sie im Laufe einiger hundert Jahre schließlich aufgegeben und Wind und Stürmen überlassen wurde, welche ihre einstige Pracht zunichtemachten. Babylon war untergegangen und wird sich nie wieder erheben, aber die menschliche Zivilisation hat dieser Stadt viel zu verdanken.

Die Äonen der Zeit haben die stolzen Mauern der Stadt und ihre Tempel zu Staub zermahlen, aber die Weisheit Babylons dauert fort.

Geld ist die Maßeinheit, in der Erfolg gemessen wird.

Allein Geld ermöglicht den Zugang zu den erhabensten Genüssen, die die Welt zu bieten hat.

Geld ist für all jene im Überfluss vorhanden, die die einfachen Regeln seines Erwerbs verstehen.

Die Regeln der Geldvermehrung sind heute noch dieselben wie vor sechstausend Jahren als sich reiche Männer durch das Gewühl der Straßen Babylons bewegten.

 

DER MANN, DER DAS GOLD BEGEHRTE

Bansir, der Streitwagenbauer Babylons, war völlig entmutigt. Von seinem Sitzplatz auf der niedrigen Mauer, die sein Grundstück umgab, betrachtete er traurig sein einfaches Zuhause und die offene Werkstatt, in der ein halbfertiger Streitwagen stand.

Seine Frau tauchte häufig in der geöffneten Tür auf. Ihr flüchtigen Blicke in seine Richtung erinnerten ihn daran, dass die Essensvorräte fast aufgebraucht waren und er sich an die Arbeit machen sollte, um den Streitwagen fertigzustellen, hämmernd und schlagend, polierend und streichend, das Leder fest über die Felgen ziehend; dass er ihn zur Auslieferung vorbereiten sollte, damit er die Bezahlung von seinem reichen Kunden erhielt.

Trotzdem ruhte sein massiger, muskulöser Körper phlegmatisch auf der Mauer. Sein langsames Gehirn kämpfte geduldig mit einem Problem, für das er keine Antwort finden konnte.

Die heiße, tropische Sonne, die für dieses Tal des Euphrats so typisch war, schien gnadenlos auf ihn herab. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und rannen unbemerkt hinab, um sich in dem haarigen Dschungel auf seiner Brust zu verlieren.

Hinter seinem Zuhause erhob sich die hohe, stufenförmige Mauer, die den Palast des Königs umgab. In der Nähe ragte der bemalte Turm des Bēl-Tempels in den blauen Himmel. Im Schatten solcher Pracht befand sich sein einfaches Zuhause, sowie viele andere Häuser, die deutlich weniger ordentlich und ungepflegter waren. Das war Babylon — eine Mischung aus Herrlichkeit und Elend, aus blendendem Reichtum und tiefster Armut, ohne Plan oder System, zusammengedrängt innerhalb der gigantischen Stadtmauern.

Hätte er sich umgedreht und einen Blick hinter sich geworfen, so hätte er gesehen, wie sich die lärmenden Streitwagen der Reichen durch die Massen Sandalen tragender Händler und barfüßiger Bettler drängten. Sogar die Reichen waren gezwungen, in den Schmutz am Straßenrand zu treten, um den Weg für die lange Reihe der Wasser tragenden Sklaven freizumachen, die in „königlichen Angelegenheiten“ unterwegs waren und von denen jeder einen Wassersack aus Ziegenleder trug, der über den ‚Hängenden Gärten‘ ausgeleert werden würde.

Bansir war zu sehr in seine eigenen Probleme vertieft, um das konfuse Durcheinander der geschäftigen Stadt zu beachten. Es war das unerwartete Klingen der Saiten einer Leier, das ihn aus seinen Tagträumen riss. Er drehte sich um und sah in das feinfühlig, lächelnde Gesicht seines besten Freundes — Kobbi, dem Musiker.

„Mögen die Götter dich großzügig segnen, mein alter Freund“, begann Kobbi mit einer wortreichen Begrüßung. „Ja, es scheint, als ob sie bereits sehr freigiebig waren, du brauchst nicht zu arbeiten. Ich bejubele mit dir dein großes Glück. Mehr noch, ich würde es sogar mit dir teilen. Bitte entnehme deinem Geldbeutel, welcher prall gefüllt sein muss, denn andernfalls würdest du ja in deiner Werkstatt arbeiten, doch zwei bescheidene Schekel und leihe sie mir bis nach dem Fest der Adligen an diesem Abend. Bevor du sie vermissen wirst, werde ich sie dir schon zurückgegeben haben.“

„Wenn ich zwei Schekel hätte“, antwortete Bansir bedrückt, „könnte ich sie niemandem leihen — nicht einmal dir, meinem besten Freunde, denn sie wären mein Vermögen — mein gesamtes Vermögen. Niemand verleiht sein gesamtes Vermögen, nicht einmal an seinen besten Freund.“

„Was!“, rief Kobbi mit echter Überraschung aus. „Du hast nicht einmal einen Schekel in deinem Beutel und sitzt doch wie eine Statue auf der Mauer! Warum stellst du diesen Streitwagen nicht fertig? Wie kannst du sonst deinen edlen Appetit stillen? Das sieht dir nicht ähnlich, mein Freund. Wo ist deine unerschöpfliche Energie? Bedrückt dich etwas? Haben die Götter dir Schwierigkeiten beschert?“

„Es muss wohl wirklich eine Prüfung der Götter sein“, stimmte Bansir zu. „Es begann mit einem Traum, einem sinnlosen Traum, in welchem ich ein wohlhabender Mann war. An meinem Gürtel hing ein prächtiger Beutel, schwer von Münzen. Da waren Schekel, die ich mit sorgloser Freigiebigkeit den Bettlern zuwarf; da waren Silberstücke, mit denen ich Schmuck für meine Frau kaufte, und mir selbst kaufte ich alles, was mein Herz begehrte; da waren Goldstücke, die mir Sicherheit für die Zukunft gaben und wegen derer ich keine Angst hatte, das Silber auszugeben. Ein herrliches Gefühl der Zufriedenheit erfüllte mich! Du hättest mich nicht als deinen hart arbeitenden Freund erkannt. Auch meine Frau hättest du nicht erkannt, so faltenfrei war ihr Gesicht, so sehr strahlte sie vor Glück. Sie war wieder die lächelnde Maid aus den ersten Tage unserer Ehe.“

„Tatsächlich ein angenehmer Traum“, merkte Kobbi an, „aber warum sollten dich die angenehmen Gefühle dieses Traumes in eine trübsinnige, reglos auf einer Mauer sitzende Statue verwandeln?“

„Richtig, warum! Weil ein Gefühl der Auflehnung mich durchfuhr, als ich erwachte und mich daran erinnerte, wie leer mein Geldbeutel tatsächlich ist. Besprechen wir es gemeinsam, denn wie die Seefahrer sagen, sitzen wir beide im selben Boot. Als Jünglinge gingen wir gemeinsam zu den Priestern, um weiser zu werden. Als junge Männer teilten wir unsere Vergnügungen miteinander. Als erwachsene Männer waren wir stets eng befreundet. Wir waren mit unserem Platz im Leben zufrieden. Wir waren damit zufrieden, lange Stunden zu arbeiten und unser Einkommen bereitwillig auszugeben. Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Münzen verdient, und doch können wir die Freuden des Reichtums nur erleben, indem wir von ihnen träumen. Pah! Sind wir nicht mehr als dumme Schafe? Wir leben in der reichsten Stadt der Welt. Die Reisenden berichten, dass sonst keine andere ihrem Wohlstand gleichkommt.

Uns umgeben so viele Zeichen des Reichtums, aber wir selbst haben nichts. Nach einem halben Leben harter Arbeit hast du, mein bester Freund, einen leeren Geldbeutel und fragst mich: ‚Darf ich bis nach dem Fest der Adligen an diesem Abend die Kleinigkeit von zwei Schekeln von dir borgen?‘ Und was antworte ich? Sage ich: ‚Hier ist mein Geldbeutel, dessen Inhalt ich mit Freuden mit dir teile?‘ Nein, ich gebe zu, dass mein Geldbeutel so leer ist wie deiner. Woran liegt es? Warum können wir nicht in den Besitz von ausreichend Silber und Gold gelangen?“

„Denk auch an unsere Söhne!“, fuhr Bansir fort, „Sie treten in die Fußstapfen ihrer Väter? Auch sie und ihre Familien, ihre Söhne und deren Familien werden ihr ganzes Leben inmitten dieses Reichtums führen und doch, wie wir, damit zufrieden sein müssen, sich von saurer Ziegenmilch und Haferbrei zu ernähren?“

„In all den Jahren unserer Freundschaft hast du noch nie derartig gesprochen, Bansir.“ Kobbi war verwirrt.

„Ich habe in all diesen Jahren auch noch nie so gedacht. Ich habe von den frühesten Stunden des Tages bis zum Einbruch der Dunkelheit gearbeitet, um die besten Streitwagen zu bauen, die ein Mann nur herstellen kann; habe gutmütig gehofft, dass die Götter eines Tages meine würdigen Taten erkennen und mich mit großem Wohlstand beschenken werden. Das haben sie nicht getan. Nun begreife ich endlich, dass sie es nie tun werden. Deshalb ist mein Herz schwer. Ich möchte ein wohlhabender Mann sein. Ich möchte Ländereien und Vieh besitzen, feine Gewänder und viele Münzen in meinem Geldbeutel tragen. Ich bin willens, mit all meiner Kraft für diese Dinge zu arbeiten, mit all meinen Fähigkeiten, mit meiner gesamten Klugheit, aber ich möchte, dass meine Mühen gerecht belohnt werden. Was ist nur los mit uns? Ich frage dich das erneut! Warum können wir nicht unseren gerechten Anteil an den guten Dingen haben, die es in solcher Fülle für all jene gibt, die das Gold haben, diese Dinge zu kaufen?“

„Ich weiß keine Antwort!“, erwiderte Kobbi. „Ich bin ebenso unzufrieden wie du. Das Geld, dass ich mit meinem Leierspiel verdiene, schwindet rasch. Oft muss ich mir etwas einfallen lassen, damit meine Familie nicht hungert. Auch herrscht in meiner Brust das tiefe Verlangen nach einer Leier, die groß genug ist, um die musikalischen Klänge hervorzubringen, die durch meine Gedanken schwirren. Mit einem solchen Instrument könnte ich herrlichere Musik machen, als sogar der König sie jemals vernahm.“

„Du solltest eine solche Leier haben. Kein Mann in ganz Babylon könnte sie süßer erklingen lassen als du, dass nicht nur der König, sondern die Götter selbst begeistert wären. Aber wie nur kannst du sie bekommen, wenn wir doch beide so arm sind wie die Sklaven des Königs? Hör, die Glocke! Hier kommen sie.“

Er deutete auf die lange Reihe halbnackter, schwitzender Wasserträger, die sich mühselig die schmale, vom Fluss kommende Straße entlang schleppten. Sie marschierten in Fünferreihen, jeder gebeugt unter einem schweren Wassersack aus Ziegenleder.

„Ein stattliches Mannsbild, das sie anführt.“ Kobbi deutete auf den Träger der Glocke, der ohne Last vorweg marschierte. „In seinem eigenen Land war er bestimmt ein wichtiger Mann, das ist leicht zu erkennen.“

„In der Reihe befinden sich viele stattliche Gestalten“, stimmte Bansir zu, „ebenso gute Männer wie wir. Große blonde Männer aus dem Norden, lachende schwarze Männer aus dem Süden, kleine braune Männer aus den umliegenden Ländern. Alle marschieren vom Fluss zu den Gärten, hin und her, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Kein Glück, auf das sie sich freuen können. Strohsäcke, auf denen sie schlafen — Brei aus harten Körnern, den sie essen. Bemitleide die armen Barbaren, Kobbi!“

„Ich bemitleide sie. Und doch zeigst du mir, dass wir es nur wenig besser haben, auch wenn wir uns freie Männer nennen.“

„Das ist die Wahrheit, Kobbi, so unerfreulich der Gedanke auch sein mag. Wir möchten nicht Jahr für Jahr ein sklavenartiges Leben führen. Arbeiten, arbeiten, arbeiten! Ohne etwas zu erreichen.“