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Zwei Tübinger Studenten, Fred und sein Freund Hayn, suchen in der Sommerhitze des Jahres 1908 Abenteuer und finden sich bald in einer hitzigen Begegnung mit einer legendären Marktdame wieder. Bei der Kirmes in Konstanz steht Fred einem außergewöhnlichen Gegner gegenüber: Jenny, die Riesendame, die jeden Mann im griechisch-römischen Ringkampf herausfordert. Eine humorvolle, spannende und herzerwärmende Erzählung, die nicht nur die Kraft des menschlichen Geistes feiert, sondern auch den Charme einer vergangenen Ära. Lassen Sie sich in eine Zeit entführen, in der Freundschaft, Mut und Abenteuerlust im Vordergrund stehen. Perfekt für Leser ab 12 Jahren.
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Seitenzahl: 10
Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedrich Wolf
Der Ringkampf mit der Riesendame
ISBN 978-3-68912-106-8(E–Book)
Die Erzählung ist 1929 entstanden.
Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.
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Wenn heute die fachkundigen Rauschebärte darüber beraten, ob man das Jahr in zwei oder drei akademische Teile zerlege, in Semester oder Trimester, wir Tübinger Studenten des Jahres 1908 handelten nach eigenem Ermessen und nach den Geboten des Himmels. Denn es knallte ein knuffig heißer Juni über die Erde. Die Praktika waren nur von den Professoren, ein paar nachpaukenden Examinanden und den zugehörigen Froschschenkeln, Protozoen und Ausstrichpräparaten bevölkert. Die eigentliche Studentenschaft gehorchte den Gesetzen der Vernunft und des Thermometers und ging menschlicheren Dingen nach.
Mein Freund Hayn, kurz „Aubacke“ genannt, erschien eines Morgens gegen sieben auf meiner Bude über dem Neckar. Mit den Worten: „Erhebe dich und wandle!“ und mit der Spitze seines Albstocks trieb er mich vom Lager. Eine Stunde später zogen wir gen Süden. Zweiundzwanzig Mark betrug unsere „Börse“. Alb und Hegau glühten in tropischer Sonne. Am fünften Tag, dem Tag vor Pfingsten, kamen wir in Konstanz an. Die Stadt glich einem Heerlager. Bei der Verbrennung des Hus kann es nicht lebhafter gewesen sein. Das ganze Landvolk war zur Kirmes in dem Ort. Jedes zweite Haus eine Kneipe oder ein Laden; aus jeder Kneipe Musik und Gesang, aus jedem Laden Gezänk, Fluchen und Lachen; die Straßen voller Buden und Menschenknäuel. Vergebens suchten wir ein Bett oder nur einen Stuhl. Es war schon Nachmittag.
Da gingen wir zum See. Der Körper brannte uns von den fünf Sonnentagen über die Kalk- und Wacholderfelsen des Hegau. Von einer Bootsverleiherin, dick wie ein Walfisch und gutmütig wie ein Lamm, nahmen wir einen Kahn. Hinaus auf den See! Die Brocken herab und ins grüne glashelle Wasser! Zwei Stunden tollten wir vom Wasser ins Boot, vom Boot ins Wasser.
