Der Ritt auf dem Salzstreuer - Hans Oberleithner - E-Book

Der Ritt auf dem Salzstreuer E-Book

Hans Oberleithner

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1,99 €

Beschreibung

... und jetzt auch noch kein Salz! Diesen verzweifelten Ausruf hat der Autor wohl hunderte Male gehört, wenn er wieder einmal in langatmigen Satzgebilden über die gesundheitlichen Schäden des Salzens sprach. Kein Wunder, dass anfangs willige Zuhörer sehr schnell die Flucht ergriffen haben. Deshalb hat der Autor diesmal seine Botschaft in fünfzehn Anekdoten verpackt, die unterhaltsam und informativ zugleich sind. Es sind amüsante Kurzgeschichten aus der Feder eines Salzforschers, der unseren etwas neurotischen Umgang mit Salz aufs Korn nimmt, aber uns gleichzeitig vermitteln will, was nun gut oder schlecht daran ist. Woran? – Am Salzen natürlich ;-).

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Seitenzahl: 74

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Hans Oberleithner

Der Ritt auf dem Salzstreuer

Launige Anekdoten rund ums Salz

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Salznester

Salz ist Salz

Gesinnungswandel

Wieviel Salz braucht der Mensch?

Aller schlimmen Dinge sind drei

Experiment auf der Hochalm

Reddy, der Postler

Sweety, die Grenzerin

Reddy in freiem Fall

Salz macht dick

Bella Italia

Der Salzologe

Dicke Luft am Himalaya

Weniger Salz

Der Salztest – Ächz ...

Über den Autor

Impressum neobooks

Vorwort

... und jetzt auch noch kein Salz!

Diesen verzweifelten Ausruf hat der Autor wohl hunderte Male gehört wenn er wieder einmal in langatmigen Satzgebilden über die gesundheitlichen Schäden des Salzens sprach. Kein Wunder, dass anfangs willige Zuhörer sehr schnell die Flucht ergreifen. Deshalb hat der Autor diesmal seine Botschaft in fünfzehn Anekdoten verpackt, die unterhaltsam und informativ zugleich sind. Es sind amüsante Kurzgeschichten aus der Feder eines Salzforschers, der unseren etwas neurotischen Umgang mit Salz aufs Korn nimmt aber uns gleichzeitig vermitteln will, was nun gut oder schlecht daran ist.

Woran? – Am Salzen natürlich ;-).

Salznester

Der letzte Donnerstag im Oktober. Der Truthahn thront in der Mitte des festlich gedeckten Tisches. Daneben die Schüssel mit Süßkartoffeln und die Schale mit Preiselbeersoße. Familie Schlau hat die Tradition von einem längeren Aufenthalt aus den USA mitgenommen. Einmal im Jahr bin ich, ein alter Freund der Familie, bei ihnen eingeladen, und zwar immer an Thanksgiving. Moritz, der Hausherr hat die Hoheit über den Truthahn, Steffi, seine Frau übernimmt alles andere. Die drei Kinder Felix, Martha und Max sitzen wie die Orgelpfeifen am Tisch und warten ungeduldig auf das erste Stück Fleisch. Opa Schlau schenkt den Rotwein ein und Oma Schlau den mitgebrachten selbstgebrauten Hollundersaft für die kleine Herrschaften. Leider eilt mir nicht ganz unberechtigt der zweifelhafte Ruf voraus, mit Salz auf Kriegsfuß zu stehen. Von Zeit zu Zeit frage ich mich ob die Aura des angeblichen Salzhassers wohl der Grund ist, dass mich Freunde eher selten zum Essen einladen. Ich habe zwar einen Pakt mit mir geschlossen, im privaten Kreis niemals das Thema Salz anzuschneiden doch wird es mir oftmals richtig schwer gemacht dieses persönliche Gelübde einzuhalten. Denn meistens sind es die Gastgeber, die mir bereits beim Öffnen der Haustür beinahe flehend entgegenrufen, dass das Essen salzfrei sein werde, dass sie eigentlich selbst niemals Salz verwendeten und, dass alles doch viel natürlicher schmecke wenn man auf Salz ganz verzichte. Ich reagiere dann eher verlegen und murmle meistens ein paar unverständliche Halbsätze wie ... ist doch nicht notwendig ... oder ... nur keine Umstände ... oder ist ja nicht schlimm ..., um möglichst gleich an der Pforte den drohenden Flächenbrand abzuwenden.

Auch diesmal gelingt es mir einigermaßen, das emporlodernde Salzfeuer bereits in der Garderobe auszutreten. Wohl aus einem gewissen Überdruss, als Salzheiliger abgestempelt zu werden oder vielleicht auch um ein für alle Mal den Schlaus zu signalisieren, dass ich weder selbst salzlos lebe noch meine Freunde dazu bringen möchte, diesem salzfreien Trugbild zu folgen, setze ich mich mit einem stillen Vorsatz im Kopf zu Tisch. Seine Umsetzung wird zu jahrelangen Diskussionen in der Familie Schlau führen, etwas was ich zwar nicht beabsichtigt habe, was aber mein persönliches Verhältnis zu den Schlauschen Familienmitgliedern erheblich lockern und mir in der Folge noch unzählige Essenseinladungen einbringen wird. Gleich nach Opa Schlaus etwas abwegigem Trinkspruch – es lebe der Truthahn – kriegt jeder eine ordentliche Portion auf den Teller und es geht los.

Schon die ersten Bissen vermitteln mir, dass weder Truthahn noch Kartoffeln und Sauce Salz gesehen haben. Da ich tatsächlich seit vielen Jahren ohne zusätzliches Salz koche, weil ja ohnehin ausreichend Salz in den natürlichen Lebensmitteln vorhanden ist, mundet alles vorzüglich was vor mir auf dem Teller liegt. Offensichtlich habe ich die Salzfühler meiner Zunge hochtrainiert sodass sie jedes Atömchen Salz registrieren und mein nach leiblicher Sinnlichkeit gierendes Gehirn zufriedenstellen.

Wer an Salz forscht und das so lange tut wie ich das gemacht habe, der kann vermutlich im Laufe der Zeit auch den Gesichtsausdruck eines Mitmenschen interpretieren, der gewohnt ist Salz in den landesüblichen Mengen zu sich zu nehmen und plötzlich mit einem Festmahl konfrontiert ist, das kein Körnchen zusätzliches Salz enthält. Wenn ich also an diesem denkwürdigen Abend in die Gesichter der Familie Schlau blicke, dann meine ich so etwas wie Suche nach etwas Nichtvorhandenem, Enttäuschung, vielleicht sogar so etwas wie Unmut in ihren Zügen zu erkennen. Gewissermaßen altersabhängig, meine ich. Die Kinder blicken teilnahmslos, fast möchte ich sagen freudlos über den Tellerrand ins Leere. In Moritz‘ Augen meine ich Missmut zu erkennen während Steffi mit einem aufopfernden Mutter-Theresa-Blick vor sich hin kaut. Opa Schlau scheint mir sogar fast feindselige Blicke zuzuwerfen während ich mir bei Oma Schlaus Mimik nicht sicher bin ob sie einfach nur unwillig schlucken will oder Probleme mit ihrem Gebiss hat. Jedenfalls haben wir hier die klassische Situation. Da taucht so ein Salzapostel, besser gesagt ein Antisalz-Prophet aus dem Nichts auf und zwingt eine ganze Sippschaft zur Salzabstinenz. Und das auch noch zu Thanksgiving, einem kulinarischem Höhepunkt in einer ohnehin tristen Jahreszeit.

Schmeckt gut, vielleicht etwas zu wenig Salz ... höre ich mich sagen. Das Messerklappern verstummt, alle blicken mich an. Sogar die Kinder verspüren den Tabubruch und schauen wechselnd zu mir und dann hilfesuchend zu ihren Eltern. Bei Opa Schlau meine ich sogar ein Zittern seiner Hand wahrzunehmen als er sein eben ergriffenes Weinglas artig neben seinen Teller zurückstellt. Irgendwo in der Küche müsse eine Salzmühle sein, lässt sich Moritz mit leiser Stimme vernehmen und Steffi stürzt beinahe über Martha, die mit offenem Mund neben ihr sitzt, bei dem Versuch auf kürzestem Weg in die Küche zu gelangen. Schließlich wird mir die Salzmühle gereicht und ich mahle. Truthahn und Beilagen bekommen einen glitzernden Überzug und alle starren verliebt auf den Anblick wie die Kristalle im Kerzenlicht auf meinen Süßkartoffeln langsam verdämmern.

Ich kann mich nun doch nicht beherrschen, diesen vermeintlichen Tabubruch zu kommentieren. Kleine Salznester reichten um die Salzfühler in meinem Mund zu aktivieren. Wenn Salz ständig da sei, würden die Salzfühler träge, erkläre ich und rutsche dabei zum Gaudium der Kinder wie ein Bewusstloser halb unter den Tisch. Minuten später haben alle kleine Salznester auf Tellern angelegt. Die Malaise ist aus ihren Gemütern verschwunden, es herrscht Jahrmarktstimmung. Aus irgendeinem Grund bin ich in ihren Augen von einem seelenlosen Wesen zu einem schillernden Phantom mutiert – nur wegen ein paar Salzkörnchen.

Später dann, die Kinder sind schon im Bett und die Rotweinflasche kreist, kommt noch einmal das Thema Salz auf. Aus der Salzmühle käme höchsten ein Zehntel des täglichen Salzverbrauchs, antworte ich auf Marthas Frage warum ich diesen tollkühnen Griff nach dem Salz getan habe. Es sei unsinnig, die Salzmühle zu verteufeln solange man sich natürlich ernähre und beim Kochen auf Salz verzichte. Diese paar Kristalle seien notwendig zum Leben, nicht mehr und nicht weniger. Die Kunst des Salzens liege im Wie und nicht im Wieviel. Salznester anlegen und die Salzfühler überraschen, das sei der Weg zum kulinarischen Gipfel – und zu bester Gesundheit.

Salz ist Salz

Ich wandere am Wildbach eines engen Gebirgstales entlang, bis vor mir weit oben in den Bergen die baulichen Überreste eines alten Gehöfts auftauchen. Trotz des stark fortgeschrittenen Verfalls kann ich erahnen, dass es ursprünglich ein recht herrschaftliches Gebäude war. Ich setze mich auf den Stamm einer entwurzelten Buche, die offensichtlich schon vor Jahren einem Sturm zum Opfer gefallen war und betrachte in aller Stille diesen verwunschenen Ort. Es mag vielleicht eine halbe Stunde vergangen sein, da höre ich das Knacken von Ästen und wenig später taucht ein braunweiß gefleckter Hund zwischen den Haselbüschen und Riesenschierlingen auf, gefolgt von seinem Herrn, offensichtlich ein Jäger mit Gewehr, Rucksack und Gamsbart. Wohl weil ich ihn nicht nur kurz nach dem Wetter, sondern auch nach der Herkunft dieser Ruine frage, hält er inne und erklärt mir was es mit diesem Gebäude einstmals für eine Bewandtnis hatte. Siebenhundert Jahre sei hier Salz abgebaut worden und die Lauge in kilometerlangen Holzrinnen bergab geflossen bis zum Sudhaus einer kleinen Knappensiedlung weit unten im Tal. Salz sei das Weiße Gold gewesen, das über Jahrhunderte die Menschen in dieser kargen Gebirgslandschaft ernährt habe. Gut ernährt, betont er und sieht mich vielsagend an. Warum habe man es dann verfallen lassen, frage ich nachdenklich. Weil heutzutage Salz viel müheloser gewonnen werden könne, zum Beispiel aus dem Meer. Sei das denn das gleiche Salz, frage ich mit etwas gespielter Ahnungslosigkeit. Salz sei Salz, egal von wo es herkomme, ob vom Himalaya, vom Toten Meer oder hier aus dem Fels, sagt er sehr bestimmt und lüftet dabei seinen Filzhut so als ob er diese Aussage aus seinem Kopf in alle Welt verbreiten wollte. Er gehöre nicht zu jener Sorte von Menschen, die ihr Geld für diesen Unsinn