Der Salon - Kitty Darling - E-Book
  • Herausgeber: BookRix
  • Kategorie: Erotik
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2019
Beschreibung

Sündig heiß, sinnlich, prickelnd - Kopfkino-Lektüre vom Feinsten  Seitdem im Herzen Berlins der mysteriöse und legendäre Salon "BeautySin" eröffnet hat, stehen die Männer der Hauptstadt Kopf. Reihenweise verfallen sie den Friseurinnen, Masseurinnen und Escorts. Wenn sie anfangs nur eine luxuriöse Ablenkung vom Alltag gesucht haben, so finden sie bei den diskreten und attraktiven Damen des Spas eine neue Welt. Für Liebhaber von prickelnder, explizit beschriebener Erotik. Dieser Sammelband enthält die drei Einzelbände - Lust - Verlangen - Begehren

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Seitenzahl:389

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Beliebtheit


Kitty Darling

Der Salon

Sammelband

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Impressum

 

Der Salon

Sammelband Auflage 1, Januar 2019

Copyright: Kitty Darling, 2019, Deutschland

R.O.M Autorenclub, R.O.M. logicware, Pettenkoferstr. 16-18, 10247 Berlin

Kitty Darling unter C.R. Sterling

Copyright Cover: Unter Verwendung eines Motivs von www.depositphotos.com

Korrektorat: Korrekturelfe Kerstin Guzik

 

 

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung, auch auszugsweise, ist nur nach schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Alle Rechte liegen bei der Autorin.

Alle Personen und Handlungen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 

 

 

 

Der Salon 1: Lust

Zum Inhalt:

 

Die Friseurin Amelie ist hübsch, aber mollig, und darunter leidet sie. Seit der Trennung von ihrem Freund hat sie jeglichen Gedanken an Liebe, Sex und Zärtlichkeit aus ihrem Leben verbannt. So ist die Welt zwar nicht rosarot, dafür ruhig, einfach und frei von unerfreulichen Überraschungen. Zumindest beruflich wagt sie einen Neuanfang. Ausgerechnet in dem sagenumwobenen BeautySinn, das männlichen Kunden zu astronomischen Preisen den Kopf wäscht. Oder massiert. Und so einiges mehr. Doch davon ahnt sie nichts, bis sie ihren ersten Kunden begrüßt, der ist zum Dahinschmelzen und Niederknien sexy.

Dieser ist kein anderer als der attraktive Showmaster Dan Moran. Er will sich in dem legendären Spa nur mal eben die Haare schneiden lassen und ahnt nicht, wie sündig sexy so eine Kopfmassage sein kann. Zumindest dann, wenn sie von der sinnlichen Amelie kommt, die zwar äußerlich überhaupt nicht sein Typ ist, innerlich dafür aber umso mehr.

Dass er von ihr wie besessen ist und sie nicht vergessen kann, bringt ihn in ein Dilemma. Denn so sehr er auf sie, ihre Kurven und Sex steht, so wenig steht er auf Komplikationen. Und die scheinen vorprogrammiert.

Amelie

 

 

Wenn Blicke vergiften könnten, würde ich jetzt anfangen, zu verrecken.

Denn so wie Sybille und Evi mich ansehen, braucht man keine Worte mehr. Dennoch zischt die eine der anderen zu: „Na, da hat unsere Neue über die Feiertage aber noch mal ordentlich Pfunde zugelegt.“ Dann kichern beide.

Ich zucke zusammen und ziehe die Arme vor die Brust. Mit gesenktem Kopf schleiche ich weiter in das Büro von Holly, unserer Chefin, die mich bereits erwartet.

„Hallo und herzlich willkommen in unserem Team, Amelie! Und nachträglich ein gutes neues Jahr“, begrüßt sie mich freudig, erhebt sich von ihrem Schreibtisch und kommt mit ausgestreckten Armen auf mich zu. Noch nie in meinem Leben habe ich eine Frau gesehen, die schöner, weiblicher, erotischer und herzlicher ist als Holly Sinn. Wenn ich mir jemanden als beste Freundin und Vorbild aussuchen könnte, dann wäre sie es.

„Hallo Holly, das wünsche ich dir auch. Und vielen Dank nochmal für die tolle Chance, dass ich hier anfangen kann.“ Ich versuche, aufrichtig zu lächeln, muss aber dennoch schlucken, weil ich so aufgeregt und schwer gekränkt bin.

Holly hält inne, neigt den Kopf zur Seite und legt einen Finger unter mein Kinn. „Nanu?“, fragt sie leise und sieht mich einfühlsam an. „Was ist passiert? Du wirkst verunsichert. Oder verletzt.“

Die Frau hat einen siebten Sinn, oder alle Sinne offen, wie meine Oma sagen würde, das habe ich beim Probearbeiten schon bemerkt, und Melanie, die auch hier arbeitet, hat es ebenfalls bestätigt. Lügen ist bei Holly nicht nur zwecklos, weil sie alles durchschaut, sondern auch vollkommen sinnlos, denn ich habe das Gefühl, dass nichts, was ich ihr von mir zeige, schlimm sein könnte. Sie ist der einzige Mensch, den ich kenne, der über niemanden urteilt, und das schafft Vertrauen.

Folglich fällt es mir nicht schwer, ihr zu gestehen, dass ich verletzt bin. „Weißt du, wenn ich mir meine Kolleginnen anschaue, dann bin ich die Hummelkönigin neben all den Wespen.“ Wie ich bei zwei Grad unter Null auf diesen Vergleich komme, weiß ich nicht, aber er trifft den Nagel auf den Kopf, weil alle anderen mit einer Wespentaille durchs Leben schwirren, während ich mehr brumme als summe.

Holly lacht. Aber sie lacht nicht mich aus, sondern über den Vergleich. „Amelie, Süße – vergiss das mal ganz schnell. Du siehst fantastisch aus. Schau dich doch an!“ Sie legt beide Hände auf meine Schultern und dreht mich zu einem fast raumhohen Spiegel. Sanft schiebt sie mich näher hin. „Schau dir mal dein Gesicht an. Du bist unglaublich hübsch, findest du nicht? Du hast so reine, feine Haut und ganz weiche, weibliche Züge.“ Sie hält inne und streicht mir mit den Fingerspitzen über meine Wange. „Deine Haare sind ein Traum. Wie aus Seide.“ Sie lässt ihre Finger hindurchgleiten und lächelt bewundernd. „Und deine Rundungen ...“ Sie sieht an mir herab und schüttelt leicht den Kopf. „Die sind einfach nur sexy. Total verführerisch. Was bitte soll an dir nicht vollkommen sein?“

„Ähm ...“, stammle ich verlegen und ringe nach Atem, weil ich so etwas nicht gewohnt bin. Dennoch fühle ich mich besser, da ich spüre, dass sie es ernst meint. Zudem ist es nicht so, dass ich mich grundsätzlich nicht attraktiv finde oder nicht mag. Ich finde mein Gesicht hübsch, ich mag meine grünen Augen und meine braunen Haare, die mir bis zur Taille reichen. Aber Konfektionsgröße 38-40 bei 162 cm Körpergröße ist – drall. Zumindest wenn man in einem Laden wie diesem arbeitet.

„Weißt du, nicht alle Männer stehen auf Hungerhaken. Du wirst schnell Stammkunden gewinnen, da bin ich mir sicher. Die meisten Männer sehnen sich nach Weiblichkeit und Weichheit. Lass dir von den anderen Mädels nichts einreden, ja?“ Zur Bekräftigung ihrer Worte lächelt sie und drückt meine Schultern, bevor sie mich loslässt und sich umdreht.

Von einem Sessel nimmt sie einen Stapel Kleidung. „Hier, zieh dich gleich mal um“, fordert sie mich auf und zeigt auf einen Paravent, hinter dem ich in meine Berufskleidung schlüpfen soll. Diese besteht aus einem anthrazitfarbenen Kleid mit Dreiviertelärmeln, das mir bis knapp über die Knie reicht und meinen Körper sanft umfließt. Dazu kommen schwarze halterlose Strümpfe (ich hätte auch Strumpfhosen wählen können, aber die Dinger kann ich auf den Tod nicht leiden) und weinrote Lackpumps bzw. moderne Sneakers zum Wechseln, wenn mir die Pumps weh tun. Ich komme mir in dem Outfit mit den High Heels vor wie eine erfolgreiche, sexy Geschäftsfrau und nicht wie eine Herren-Friseurin. Genau darin liegt Hollys Absicht, vermute ich: Sie will nicht nur, dass wir alle gleich angezogen sind, sondern auch, dass wir uns als was Besonderes fühlen und „nach was ausschauen“, denn das BeautySinn ist der exklusivste Friseur- und Beauty Salon von Berlin.

„Wow, du siehst umwerfend aus“, ruft Holly fasziniert und begutachtet mich mit einem anerkennenden Lächeln von Kopf bis Fuß. „Einen kleinen Moment nur noch“, meint sie dann leise und kommt zu mir. Seelenruhig zupft sie an dem Ausschnitt des Kleides, sodass man den Saum meines BHs sehen kann. Ein Glück, dass ich den neuen mit der hübschen Spitze angezogen habe.

„Ähm ...“, versuche ich zu widersprechen und sehe sie fragend an. Ist das nicht zu viel des Guten? Holly jedoch scheint da anderer Meinung zu sein.

„Fabelhaft“, flüstert sie nämlich. „Nicht zu viel und nicht zu wenig, was du da zeigst. Trau dich nur. Du hast ein Dekolleté um das dich alle beneiden. Aber lass auch den Neid nicht an dich ran, versprochen?“

Ich nicke, obwohl ich nicht ganz verstehe, was sie damit meint. Ich will fragen, aber sie spricht schon weiter: „Wann immer etwas ist, wo du dir unsicher bist, wo du Fragen hast, egal was – ich bin immer für dich da, das weißt du, oder?“

„Okay, danke“, flüstere ich, weil ich von ihrer aufrichtigen Fürsorge ergriffen bin.

„Wenn dir die Schuhe wehtun, ziehst du Dir die flachen an, okay? Im Pausenraum liegen Tennisbälle und andere Geräte, damit du zwischendrin die Füße entspannen kannst. Das ist total wichtig, hörst du? Übungen stehen an der Wand.“

Wieder nicke ich nur, dann bringe ich „Danke, Holly. Du denkst wirklich an alles.“ hervor.

„Ich versuche es zumindest.“ Sie lächelt mich aufmunternd und warm an. Wieder muss ich denken, wie toll sie aussieht. Sie trägt Schuhe mit mindestens zehn Zentimeter Absatz. Ohne die Dinger ist sie nur unwesentlich größer als ich. Ihre blauen Augen strahlen aus ihrem wunderschönen, ebenmäßigen Gesicht, das von hell- bis mittelblonden Wellen anziehend eingerahmt wird. Sie trägt eine knallenge, zerrissene Blue Jeans mit Steinchen und eine weiße Bluse, deren obersten Knöpfe offen stehen. Sie ist schlank, hat einen festen Po, tolle Hüften und, wenn ich als Frau das sagen kann, richtig tolle Möpse.

„Und wie gesagt, du tust nur, was du wirklich willst“, bläut sie mir ein.

„Ja, natürlich ...“, erwidere ich bang, denn mir schwant, dass Sybille und Evi mich so schikanieren werden wie meine frühere Kollegin Monika die Azubine Mandy. Sollte ich mit meiner Befürchtung richtig liegen, liegt keine schöne Zeit vor mir. So ein Mist! Dabei hatte ich mich so auf die Stelle gefreut.

„Wenn irgendetwas ist, kommst du sofort zu mir. Und zu den Kunden bist du immer höflich und freundlich, das hast du verstanden, oder?“

„Ja, hab ich“, versichere ich ihr.

„Gut. Das freut mich. Dann wünsche ich dir viel Erfolg und dass du dich bei uns wohlfühlst.“ Noch einmal berührt sie meinen Arm und lächelt mich an, dann nehme ich meine Sachen und gehe aus dem Raum.

Nach der Begegnung mit Holly geht es mir deutlich besser. Ich bin wieder ich selbst. Ich fühle mich wohl in meiner Haut und weiß, dass ich nicht nur okay, sondern attraktiv bin. Auf meine eigene Art, mit ein paar Pfunden mehr.

Ich verschließe die Sachen in meinem Spind und mache mich auf den Weg zur Rezeption, um nachzusehen, ob ich überraschenderweise schon einen Termin bekommen habe. Man weiß ja nie – es kann immer jemand kurzfristig buchen, denke ich. Dabei ist es gerade mal neun Uhr, am zweiten Januar und Berlin erwacht gerade erst aus seinem kollektiven Neujahrs-Kater. Auf meinem Arbeitsweg von Moabit hierher, in die Friedrichstraße, waren die Straßen in jenes trübe, winterliche Grau getaucht, das für mich so untrennbar zu Berlin gehört wie der Alex, die Spree und die Alleen.

 

Im Dezember habe ich zwei Tage Probe gearbeitet. Das BeautySinn ist ein Jahr nach seiner Gründung schon legendär und zahlreiche Mythen ranken sich um den Schönheitssalon, der neben einem Friseur auch sämtliche Kosmetikanwendungen und Massagen anbietet. Der größte Mythos betrifft aber die Tatsache, dass Männer und Frauen strikt getrennt behandelt werden. Während die Frauen beim Haupteingang nach rechts abbiegen und dort in eine balinesische Wohlfühllandschaft mit Orchideen, Buddha-Statuen, Springbrunnen und viel Gold eintauchen, sieht es in dem Bereich, in dem ich arbeite, anders aus. Meine Kundschaft besteht ausschließlich aus Männern und biegt am Haupteingang links ab. Die Räume hier sind in einem dunkelgrün-anthrazit farbenen Mamor-Imitat gehalten, kühler, kantiger, minimalistischer – maskuliner eben. Die Wasserhähne bestehen aus mattem Gold, oder Messing, so genau weiß ich das nicht, aber es sieht sehr edel und antik, oder Vintage, aus. Holly hat sich die Ausstattung einiges kosten lassen, ebenso wie die Gehälter der Angestellten. Ich arbeite zunächst nur als Friseurin, obwohl ich auch Mani- und Pediküre anbieten könnte. Holly hat mir in Aussicht gestellt, dass ich damit beginnen kann, wenn ich mich eingelebt habe und „soweit bin“. So ganz habe ich das nicht verstanden, aber das ist mir nicht so wichtig. Man muss nicht immer alles verstehen. Bis es so weit ist, werde ich Haare waschen, schneiden, föhnen und gelegentlich färben. Und – darauf freue ich mich besonders: rasieren. Es gibt nicht viele Frauen, die diese Kunst beherrschen, aber ich gehöre dazu, weil ich mein Handwerk in Österreich, genauer gesagt im wunderschönen Graz, gelernt habe. In meinem früheren Salon in Tiergarten wurde dieser Service nicht angeboten, und ich bin gespannt, ob und wer sich hier von einer Frau rasieren lässt.

Aber zurück zum Gehalt und Hollys Großzügigkeit: Sie bezahlt nicht nur das Doppelte des üblichen Stundenlohns. Nein, ich kann auch das komplette Trinkgeld behalten. Dafür muss ich, wie alle anderen, immer wie aus dem Ei gepellt aussehen, gut riechen, freundlich und zuvorkommend sein. Große Klappe, Besserwisserei, abgeblätterter Nagellack, Kaugummi oder dergleichen? Das sind hier absolute No Gos, was ich auch im Vertrag unterschrieben habe.

„Die Männer kommen nicht nur hierher, um sich verschönern und pflegen zu lassen, sondern auch, um ihre Sorgen zu vergessen und um sich zu entspannen“, hat Holly mir vor Weihnachten erklärt und mich dabei ein wenig eigenartig angeschaut. So ganz bin ich noch nicht hinter das Geheimnis des durchschlagenden Erfolgs von BeautySinn gekommen. Holly hat mir gesagt, dass ich „erstmal ganz normal anfange, so wie ich es kenne.“ Ich frage mich, wie denn sonst. Doch als ich meine Kollegin Melanie, mit der ich mich sehr gut verstanden habe, gefragt habe, was Holly damit meint, hat sie nur die Schultern gezuckt, gegrinst und gesagt, dass ich das schon sehen würde. Als ich sie daraufhin verwirrt angeblickt habe, hat sie gelacht. „Es hängt mit dem Grad der Entspannung zusammen, aber das ist für dich nicht wichtig.“ Dann wurde sie weggerufen und ich blieb genau so schlau wie davor zurück.

Holly hat mir auch gesagt, dass ich mich an eine Frau mit einer goldenen Brosche wenden soll, wenn etwas passieren sollte, bei dem mir nicht wohl ist. Auf mein Nachfragen hin, hat sie mir versichert, dass es vorkommen könnte, dass der ein oder andere Kunde vielleicht Bemerkungen macht, die mir nicht gefallen, oder dass er mich berührt, was mir vielleicht ebenfalls nicht gefällt. Ob ich generell ein Problem damit hätte?

„Mit Grapschern?“, habe ich gerufen und meine Arme angezogen. „Natürlich!“

„Gut“, war alles, was Holly darauf geantwortet hatte. „Also, wenn das passieren sollte, gehst du sofort zu einer Frau mit einer goldenen Brosche und übergibst den Kunden ohne jede Diskussion sofort an sie, okay? Wir behandeln solche Fälle diskret.“

Ich habe nur genickt. Natürlich will sie keine Kunden verlieren. Viele hier sind aus dem Ausland. Dort herrschen oft andere Regeln und Gesetze und Männer probieren einfach gern aus, wie weit sie gehen können. Na ja, unsere knappen, figurbetonten Outfits werden dem Grapschen zuträglich sein, denke ich und gehe in die Warte-Lounge fürs Personal, da ich keine spontane Buchung habe.

Von dort aus habe ich einen guten Blick auf die Rezeption, sodass ich jederzeit zur Verfügung stehen kann, wenn jemand kommt und meine Dienste in Anspruch nehmen will. Außerdem sehe ich in den Friseurbereich, wenn ich mich umdrehe. Die Räume für Mani- und Pediküre, für Massagen und Kosmetikbehandlungen liegen weiter hinten, und ich habe sie bisher nur bei einem Rundgang kurz gesehen.

Anders als erwartet, ist um diese Zeit viel los. Gut gekleidete Männer in Anzügen oder lässiger Marken-Kleidung kommen herein, wünschen uns allen ein gutes neues Jahr und einige von ihnen haben sogar kleine Geschenke dabei. Jedes Mal stehe ich auf und grüße freundlich. Doch alle haben feste Termine und eine nach der anderen meiner Kolleginnen führt ihren Kunden lächelnd von der Rezeption zu dem jeweiligen Behandlungsraum. Bis auf den Friseurbereich sind alles Einzelkabinen, was ein seltener Luxus ist, aber von der High Society gern in Anspruch genommen wird. Schließlich bezahlen sie für unsere Dienste astronomische Summen, soweit ich das erkennen kann.

Unsere Kundschaft ist erfolg- und meist auch einflussreich, was in einer Hauptstadt wie Berlin bedeutet: Politiker, Lobbyisten, Diplomaten, Schauspieler, Musiker, Sportler, Models, erfolgreiche Start-Upper sowie Unternehmer im traditionellen Sinn etc. pp. Sie stammen sie aus allen möglichen Ländern, wenngleich ich bislang fast keine Asiaten, Afrikaner oder Araber ausmachen konnte. Das wundert mich nicht, denn die meisten ethnischen Gruppen haben in Berlin so große Gemeinden, dass sie immer unter sich bleiben können, was viele von ihnen gern tun.

„Hi, da bist du ja wieder!“, höre ich da eine vertraute Stimme und blicke in Melanies strahlendes Gesicht. „Dein erster richtiger Tag? Willkommen!“, sagt sie und setzt sich zu mir auf die Couch.

„Hi, Melanie! Schön dich zusehen. Wie geht’s dir denn?“

„Gut, gut. Bin nur schon seit sechs Uhr hier. Man glaubt ja nicht, wie eitel die Männer heutzutage sind!“ Sie blinzelt mich übermütig an und ich freue mich, mit ihr ein paar Takte plaudern zu können.

 

 

Dan

 

Offiziell ist heute der zweite Tag im neuen Jahr, für mich jedoch ist es der erste, was daran liegt, dass ich gestern erst um zwei Uhr ins Bett gegangen bin. Am Nachmittag, wohl gemerkt, nicht in der Nacht, und dass ich folglich am zweiten Januar zum ersten Mal in diesem Jahr aufgewacht bin.

Mit 18 ist das schon hohe Kunst, aber mit 38 grenzt es an versuchten Selbstmord. Dementsprechend geht es mir nach einer Stunde auf dem Laufband, bei dem ich zwar eine gehörige Portion übel-stinkendem Alkohol ausgedünstet, aber wenig neue Lebensgeister gefunden habe.

Aber was soll’s – nur die Harten kommen in den Garten. Immerhin habe ich mir bei der langen Feier bewiesen, dass ich noch lebe. Dass ich über Steffi hinweg bin. Dass ich sie nicht mehr brauche, nicht mehr vermisse, dass Berlin auch ohne sie und sogar im tiefsten, kältesten, dunkelsten Winter cool sein kann. Na gut, angeblich gab es schon kältere Winter in der Stadt, aber seitdem ich hier bin noch nicht.

Neues Jahr, neues Glück, denke ich unter der heißen Dusche und stelle das Wasser auf eiskalt. Entsetzt halte ich die Luft an, aber was sein muss, muss sein – ich bin kein Warmduscher.

Dann rubble ich mich mit einem weißen, flauschigen Handtuch trocken und betrachte mich in dem raumhohen Spiegel. Klar sieht man, dass ich 38 bin – aber ganz ehrlich? Find ich gut. Sieht männlich aus. Reif. Interessant. Ich meine – da ist kein Gramm Fett, nichts, außer wohldefinierten Muskeln. Lange Beine, ein ordentliches V, ein kleiner Sixpack. Ein echter Mann, denke ich und grinse mir selbst zu. Nur die Haare – die stören mich mit einem Mal. Ich nehme eine Strähne zwischen zwei Finger und ziehe daran. Sie sind zu lang. Sie reichen mir bis fast auf die Schulter und müssen eindeutig ab. Mit einem Mal gefallen sie mir nicht mehr- außerdem fällt mir auf, dass ich sie nur wegen Steffi so getragen habe. Weil ich sie schon vor vier Jahren, als wir uns am Bondi Beach beim Surfen kennengelernt haben, so getragen habe, und weil sie nie kapiert hat, dass es einen Surfer-Dan und einen Alltags-Dan gibt. Ich glaube, daran sind wir auch gescheitert, denn schließlich ist es mit Surfen in Berlin nicht weit her.

Na, egal. Die Beziehung mit ihr ist vorbei, und das ist auch gut so. Ich meine, die Sache mit ihr ist nicht erst seit einer Woche vorbei, sondern im Grunde schon länger. Das weiß ich, nicht zuletzt, dank der endlosen Geduld meines besten Kumpels Stan. Geduld hat er definitiv, denn ich gehöre zu der Sorte Mensch, die lange braucht, um zu erkennen, dass man etwas auch dann schon verloren hat, wenn man die Hülle noch in den Händen hält. So wie die letzten Jahre mit Steffi.

Vor vier Jahren habe ich alles, was ich hatte, aufgegeben, bin mit ihr nach Berlin und habe hier neu angefangen. Jetzt habe ich wieder das Gefühl, ohne alles und völlig nackt dazustehen. Mit 38, in einem immer noch fremden, meist sonnenfreien Land. Ohne Frau, ohne Familie, einfach nur ich.

Am liebsten würde ich wieder nachhause gehen, aber das geht nicht, denn da ist ja noch mein neuer Job. Und der ist nicht schlecht. Ab Mitte Januar werde ich nämlich an einem Abend pro Woche eine Late-Night-Show bei einem beliebten privaten TV-Sender moderieren. Man kann sagen: Ich habe es geschafft. Nur leider bin ich durch den Beruf mit einem Mal örtlich gebunden und kann nun mal nicht so mir nichts dir nichts 16.000 km weit wegziehen. Nicht wegzukönnen ist eine neue und nicht unbedingt nur angenehme Erfahrung für mich.

Also, um Eins klar zustellen: Ich trauere Steffi nicht hinterher. Ich will nur einfach einen klaren Schnitt zu der Zeit mit ihr und dem, was jetzt kommt. Deswegen: Neues Jahr, neues Haar!

Nicht weit von hier befindet sich das sagenumwobene BeautySinn, von dem mir gestern mal wieder etliche Bekannte vorgeschwärmt haben. Die Preise sind so gesalzen, dass ich bislang immer einen großen Bogen darum gemacht habe. Haare schneiden lassen kann ich mir auch für zwanzig Euro, warum also ein Vielfaches hinblättern?

Aber – was soll der Geiz. Geiz ist ja etwas ganz Schlimmes. Ich rege mich selten über Andere auf, aber was mir tierisch auf den Zeiger geht, ist, wenn Leute, die in Geld ertrinken, im Discounter einkaufen oder zum Nummer-Zieh-Friseur gehen und dann auch noch so stolz darauf sind, dass sie es jedem erzählen. Hallo? Schon mal was von Geben und Teilen gehört? Wenn Du reicher Depp auf Deiner Kohle sitzen bleibst, hat keiner was davon, außer Dir! Wenn Du was davon ausgibst, können andere Menschen etwas angenehmer leben! Aber soweit denken die wenigsten von den Dumpfbacken, die in letzter Zeit aus unerfindlichen Gründen stinkreich geworden sind. Im Grunde ist Geiz ein Verbrechen, das bestraft gehört. Naja, oder zumindest fast.

Ich meine, das bin ich auch. In letzter Zeit reich geworden, meine ich. Davor, in Australien, waren wir ganz normale Leute. Aber dann habe ich YouTube als den perfekten Kanal zur Vermarktung meines Showtalents erkannt. Und als ich hier in der Hauptstadt war, hat das deutsche Fernsehen erkannt, dass sie mich nicht nur wollen, sondern brauchen. Ein Glück, dass meine Mutter Deutsche ist und ich die verrückte Sprache deswegen eben wie meine Muttersprache spreche. Die Eltern meines Vaters sind übrigens Iren, was mich zu einem bunten Hund macht, der sich das beste aus allen Welten zusammengesucht hat.

Aber zurück zu den Haaren, die wegmüssen, und dem Geiz, dem ich nicht verfallen will. Ich ziehe mich an, presse mir einen frischen Zitrusfrüchtesaft und mache mich spontan zu Fuß auf den Weg dorthin. Ich will ohnehin frische Luft schnappen. Wenn sie einen Termin frei haben, bleibe ich. Wenn nicht, komme ich nie wieder, so einfach ist das. Von meiner Wohnung in der Torstraße ist es nicht weit.

 

„Willkommen im BeautySinn“, begrüßt mich eine Brünette mit einem freundlichen, aber geschäftlichem Lächeln, als ich aus der Kälte in den warmen, duftenden Empfangsbereich trete. „Haben Sie einen Termin?“

„Guten Morgen, nein, leider nicht. Ich bin spontan hier und wollte mir nur die Haare scheiden lassen“, erzähle ich ihr lachend und halte wieder eine Strähne zwischen zwei Fingern gestrafft.

Kurz weiten sich ihre schokobraunen Augen, als wolle sie sagen: Aber warum denn? Doch sie ist professionell, lächelt, nickt sanft und fragt: „Natürlich. Sind Sie das erste Mal bei uns?“

„Ja, bin ich. Ich heiße Dan Moran, falls Sie das für Ihre Datei brauchen.“ Freundlich grinse ich zurück.

„Das nicht. Ich frage wegen des Angebots.“

„Des Angebots?“

„Ja, nun. Was Sie wünschen. Wir hätten da ...“

In dem Moment, in dem Sie einen Folder vor mir ausbreitet, klingelt mein Handy. Es ist mein Boss, Ludwig. Ich hebe einen Finger, sage noch schnell „Einfach waschen, schneiden, föhnen, mit Kopfmassage“, dann drehe ich mich um und nehme den Anruf an.

„Hi, Dan, altes Haus, wieder unter den Lebenden?“, begrüßt Ludwig mich mit seinem tiefen Lachen und dem gemütlichen, bayerischen Tonfall.

„Aber klar. Unkraut vergeht nicht. Und selbst?“

„Alles bestens, alles bestens. Sag, kannst Du heute Nachmittag in den Sender kommen?“

Klar kann ich, und wir verabreden uns für 15:00 Uhr.

Als ich auflege, wartet die Rezeptionistin schon wieder, oder noch immer, lächelnd auf mich. „Wenn Sie wollen, können Sie gleich hierbleiben. Amelie ist gerade frei. Oder ist Ihnen eine andere Dame empfohlen worden?“, fragt sie und hebt erwartungsvoll eine Augenbraue.

„Mir? Nein. Keine im Besonderen. Nur das BeautySinn im Allgemeinen.“

„Ah, sehr schön, das freut mich zu hören. Amelie hätte nämlich gerade Zeit ...“

Sie will noch etwas hinzufügen, doch da erscheint eine Frau hinter ihr. Erscheint. Jawohl. Das ist das Einzige, was auf sie zutrifft, denn wie ein Engel oder eine Heilige taucht sie neben der Brünetten von der Rezeption auf und lässt sie in ihrem glamourösen Glanz verblassen.

Mir verschlägt es die Sprache und eine Weile starre ich sie an. Ich weiß gar nicht, was ich als Erstes von ihr sehe oder was mich am meisten fasziniert. Es ist alles - einfach alles von ihr. Ihr Haar ist hellbraun und fällt ihr in weichen Wellen über den Rücken. Ihr Gesicht ist herzförmig und wird von ihren vollen, roten Lippen und den strahlenden Augen dominiert. Sind sie blau oder grün? Das kann ich auf die Entfernung nicht erkennen, aber auch so versinke ich darin. Ihre Figur ist einladend üppig, und trotzdem, oder gerade deswegen, füllt sie das Kleid mehr als verlockend aus.

What the fuck ist mit mir los?

Hallo?

Sie ist üppig! Üppig! Ja! Drall – mollig. Ich stehe nicht auf excess weight! Ich stehe auf Surfer-Girls, Yoga-Hasen, Beach-Ball-Babes.

Was fasle ich da in Gedanken zusammen?

Und was bitte, bester Freund, soll deine merkwürdige Reaktion? Lass das Blut in meinem Hirn! Spinnst du? Waren Drogen in meinen Silvesterdrinks und wirken sie noch immer?

Ah. Jetzt erklärt sich das. Mein Schwanz kann hellsehen. Ist mir neu, aber okay, warum nicht. Hinter der Brünetten taucht nämlich ein gertenschlankes, blondes Busenwunder auf. Die ist genau das, worauf ich - und mein Schwanz – stehen. Und zwar so richtig. Mhm ... jow. Gut so. Dann wollen wir mal, denke ich und reibe mir innerlich die Hände.

Jetzt ist mir klar, warum alle so auf den Laden schwören. Die Friseurin steckt in einem schwarzen Leder, oder Lederimitat-Bleistiftrock. Dazu trägt sie schwarze Strümpfe und weinrote Lackpumps. Die weiße Bluse spannt so straff, dass sie jeden Moment zu zerspringen droht und ihre Titten fast hervorquellen. Dazu die roten Lippen und Nägel im gleichen Ton. Die lange blonde Mähne ... Holy Shit, das ist ja echt das Paradies auf Erden!

„Hallo, guten Morgen. Ich bin Amelie“, sagt da die Pummelige in einer weichen, melodiösen Stimme und ich verstehe nichts mehr. Meine Augen hängen an der Blonden, und mein Schwanz schwillt weiter an. Und dann – dann wandert mein Blick zu der Sprecherin und meine Hose wird verdammt eng.

Moment. Stopp. Halt! Was soll das?

„Und ich bin Sybille“, säuselt das blonde Babe, und obwohl ich weiß, wie verfickt geil sie aussieht, muss ich mich zwingen, von den vollen Kurven wegzuschauen.

Wer bitte, wie bitte, was bitte?

Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf, als Sybille sich vor mir aufbaut und mir ihre – wohl gemachten, aber egal – Möpse unter die Nase hält. Zum Reinbeißen ... Aber ... Wieso schiele ich zu der anderen? Denn das tue ich. Mein Hirn denkt ohne Erlaubnis, und es stellt sich vor, wie ich in den cremig weichen Bergen von Amelie versinke und den Verstand verliere.

Aber warum schaut sie so böse?

Weil Sybille ihr immer alle Kunden abzieht? Ist verständlich ... oder auch nicht, denn fuck – ich will zu ihr. Zu Amelie. Warum, weiß ich nicht, aber es ist so.

Die Blonde mit ihren fake tits soll wen anderen behandeln. Amelie gehört mir!

Keine Ahnung, was mich da reitet, aber ich drehe mich weiter zu ihr hin und sage: „Hi. Ich bin Dan. Schneidest du mir die Haare?“ Zum einen bin ich froh um mein Showtalent, denn ich kann mich immer gelassen und gefasst geben, selbst wenn ich es nicht bin. So wie jetzt. Noch dazu kapiere ich nicht, was in mir los ist. Da steht eine der schärfsten Bräute Berlins, nämlich die Blonde, und ich nehme freiwillig Marke Schokoengel-eine-Woche-nach-Weihnachten, sprich mit ordentlich Pfunden an den Hüften?

Nicht im Ernst, oder?

Doch.

Ja.

Ja, verdammt noch mal, das tue ich! Ich kann es nicht glauben, aber es ist so.

Irgendetwas hat die Frau, was mich magisch anzieht und nicht loslässt.

Das blonde Luder kann es ebenfalls nicht fassen und starrt unverhohlen mit zusammengekniffenen Augen und Lippen erst auf mich, dann auf sie, dann wieder auf mich.

„Ja. Sehr gern. Wenn Sie mir bitte folgen wollen.“ Amelies Stimme ist so, so ... ja, genau: betörend, dass mir ganz anders wird. Ich meine, es fühlt sich an, als würde sie mich streicheln. Das ist Unsinn, ich weiß. Ich fantasiere. Keine Frage. In den Drinks waren Drogen. Aber das ist jetzt egal, weil ich es nicht mehr ändern kann.

Haareschneiden. Das werde ich ja wohl noch hinbekommen.

Aber eine Kopfmassage? Ob das so eine gute Idee war? Mir fällt nämlich gerade ein, dass ich als Teeny mal eine Freundin hatte, die diese Kunst so dermaßen gut beherrscht hat, dass ich ganz hart davon geworden bin. Leider war sie so brav, dass es keine andere Abhilfe gab, außer es in meine Hose laufen zu lassen.

Amelie streckt den Arm aus und zeigt damit in die Richtung, in die ich gehen soll. Ich lächle und gehe voraus in einen ungewohnt dunklen Raum. Hier ist alles aus grünem Marmor, was ich bei einem Friseur noch nie gesehen habe. Kein Wunder, dass die hier Länge mal Breite abkassieren! Von der Straße kann man aufgrund der folierten Scheiben nicht in den Raum sehen, in dem alles in einem schicken 20er Jahre-Vintage Stil eingerichtet ist.

Ruhige Lounge-Musik spielt im Hintergrund. Außer mir ist nur ein anderer Herr da, der sich gerade wohlig unter der Kopfmassage räkelt.

„So, bitteschön“, sagt Amelie leise, aber laut genug, dass ich sie gut hören kann und dreht einen tiefen Ledersessel so, dass ich mich bequem setzen kann. „Möchten Sie etwas lesen oder trinken? Kaffee, Tee, Smoothie, Wasser oder etwas Alkoholisches?“

„Alkohol?“ Laut lache ich auf. „Das ist ja mal ein Service. Aber nein, nicht um die Uhrzeit, danke. Ein Wasser mit Pfefferminz oder Zitrone wäre gut.“

„Wir haben beides.“

„Dann Pfefferminz.“

„Sehr gern. Kleinen Moment bitte“, sagt sie und lässt mich allein.

Wenn ich gehofft hatte, dass ich mich in der Zeit beruhigen würde, habe ich mich getäuscht, denn in mir geht’s drunter und drüber. Bilder von der Blonden, wie sie sich vorbeugt und ihren Rock für mich hochschiebt blitzen immer wieder vor mir auf und werden immer wieder von der Erscheinung Amelies weggeschoben. Bei ihr stelle ich mir noch gar nichts vor, außer, dass sie mich komplett verwöhnt und allein durch ihre Ausstrahlung in höchste Ekstase versetzt.

 

 

Amelie

 

Reichlich aufgewühlt gehe ich in die Küche, die eher einer Bar gleicht, um meinem ersten Kunden das gewünschte Wasser mit frischen Pfefferminzblättern zu holen. Das ist ja gerade nochmal gut gegangen, denn beinahe hätte Sybille ihn mir vor der Nase weggeschnappt. Ob mich das überrascht? Ja. Irgendwie schon, weil mich Boshaftigkeit immer überrascht und ich nie wirklich darauf vorbereitet bin. Dabei hätte ich es sein sollen, schließlich hatte ich beim Probearbeiten schon so ein Gefühl, und ihr beißender Kommentar vorhin hat mir vieles verraten. Dazu trägt natürlich auch bei, wie Dan sie angeschaut hat. Nämlich so, als würde er sie am liebsten mit Haut und Haar vernaschen, und zwar auf der Stelle. Kein Wunder, bei den Beinen, Brüsten, Haaren ... bei allem! Ich bin ein Pummelchen, das weiß ich. Klar hat Holly recht. Es gibt Männer, die Kurven schön finden, aber Dan gehört eindeutig nicht dazu. Warum nur hat er sich dann für mich entschieden? Ist er feig oder hochgradig anständig? Feig, weil er eine Frau daheim hat? Anständig, weil er mir zugeteilt war?

Ich weiß es nicht.

Dafür weiß ich, dass mich das nichts angehen sollte, schließlich bin ich zum Arbeiten hier, nicht zum Flirten oder Tagträumen.

Aber wenn einer so heiß aussieht und so eine Wahnsinns Ausstrahlung hat? Dieses Lächeln! Und diese Stimme.

Halleluja!

Zur Abkühlung blase ich mir gegen die Stirn, dann stelle ich das Glas auf ein silbernes Tablett und mache mich auf den Rückweg zu ihm.

Erst, als ich ihn in dem bequemen Sessel sitzen sehe, fällt mir auf, dass ich ihm nichts zu lesen gebracht habe. Himmel, ich muss mich besser konzentrieren! Aber – Moment - woher hat er dann die Zeitschrift?

Sybille!, schießt es mir durch den Kopf und Wut steigt in mir auf.

Ich werde mich nicht nur besser konzentrieren, sondern auch auf der Hut sein müssen. Jetzt aber muss ich mich zusammenreißen, denn niemand hat Lust auf eine Friseurin mit negativer Energie. Also atme ich tief durch und denke an den Strand auf Rügen, denn der beruhigt mich immer.

„So, bitteschön, ihr Getränk“, sage ich dann und stelle es neben ihm ab. „Wie ich sehe, hat Ihnen meine Kollegin schon etwas zu lesen gebracht.“

Er hebt den Kopf und sieht mir direkt in die Augen. Intensiv. Durchdringend, nicht nur beiläufig.

Ich schlucke.

Was ist mit mir? Warum sieht er mich so an?

„Ja, das hat sie“, antwortet er mit seiner tiefen Stimme, die mich beruhigt. Und gleichzeitig auch nicht, weil sie etwas in mir zum Schwingen bringt, das ... eindeutig nicht hierher gehört.

So gefasst wie möglich lächle ich ihn an und widme mich meiner Aufgabe, die da lautet: ihm die Haare schneiden. Das beinhaltet, dass ich ihn gleich berühren werde. Etwas, worüber ich in all meinen Berufsjahren noch nie nachgedacht habe, was ich jetzt aber tue.

„Haben Sie denn eine konkrete Vorstellung von dem Schnitt, den sie wünschen?“, frage ich.

Wieder dieser Blick. Wieder dieses kurze Schweigen und tiefe Luftholen. Es ist, als bräuchte er Anlauf, damit die Worte über seine Lippen kommen können. Übrigens volle, schön geschwungene Lippen. Lippen, die man einfach nur küssen will.

„Konkret nicht, nein. Einfach kurz. Also, hinten kurz, oben länger.“

„So?“, frage ich und halte die Luft an. Denn - ich berühre ihn. Zart und zitternd, viel zu unsicher für eine routinierte Friseurin, für die er mich hoffentlich hält. Ich streiche eine imaginäre Kante nach, fasse in sein seidig weiches Haar und zeige ihm die Länge, die ich wegschneiden würde.

„Ja, in etwa ...“

Ob er müde ist? Er klingt schläfrig und so, als würde es ihn anstrengen, über die Antwort nachzudenken. Wie in Trance streicht er über die Seiten.

Über den Ohren abrasieren? Das passt nicht zu ihm. Woran ich das festmache, kann ich gar nicht sagen, denn in seiner lässigen (und bestimmt teuren) grauen Designer-Stoffhose, die fast wie eine Jogginghose aussieht, dem blauen, kuscheligen Sweat-Shirt und den Sneakers kann sich alles verbergen. Ich meine – nicht in seiner Hose verbergen, ja, das auch, aber ... Oh Gott, woran denke ich nur ... Was ich sagen will ist, dass er damit zwar cool angezogen ist, dass ihn das aber noch lange nicht zu einem Rapper oder Bad Boy oder sonst was macht. Egal, egal, egal ... Arbeiten, nicht fantasieren!

„Wir können uns das Ganze auch ansehen. Einen Moment bitte.“ Ich stehe auf und aus einem irren Automatismus heraus lege ich ihm kurz die Hand auf die Schulter. Die sich - verdammt gut anfühlt. Klar, was sonst. Es fühlt sich so gut an, dass es fast wehtut, als ich meine Hand wieder wegnehme.

Ich gehe zur Konsole, in der das Tablett liegt.

„Wenn ich sie fotografieren darf, können wir uns das Ergebnis vorab ansehen. Ich meine, so können Sie entscheiden, ob es das ist, was Sie wollen.“

Er lächelt mich an. Man könnte sagen, entwaffnend, aber das stimmt nicht, denn ich trage keine Waffen, sondern bin ihm wehr- und schutzlos ausgeliefert.

„So habe ich das schon verstanden“, fügt er hinzu.

Mit flatterndem Herzen und ebenso unruhigen Fingern mache ich eine Aufnahme von seinem wunderschönen Gesicht, dann eine von der Seite und eine von hinten. Anschließend betätige ich die App, die Melly mir beim Probearbeiten schon erklärt hat, und bereite zwei verschiedene Varianten vor. Die eine mit hochrasierten Seiten, die andere ohne.

„Wow, das ist ja cool!“, staunt er und grinst, als er meine bevorzugte Variante sieht. Ich wische weiter, zur nächsten. „Aber so kurz? Meinen Sie?“ Zweifelnd sieht er mich an.

„Ich? Nein. Das war nur ein Vorschlag. Ich finde die erste Variante besser.“

„Ich auch.“ Ist er tatsächlich erleichtert, oder warum atmet er aus?

Überhaupt ... diese Nähe ... Puh, mir ist nicht nur heiß, mir ist alles. Ich bin irre aufgeregt. Aber nicht, weil er mein erster Kunde ist, oder weil ... oder doch? Himmel, kenne ich mich denn selbst nicht mehr?

 

Dan

Wie soll ich mich auf meine Frisur konzentrieren, wenn diese Wahnsinnsbraut so nah bei mir ist? Zum Angrapschen nah! Einfach Hand austrecken – zack. Aber Nein. Ich beherrsche mich. Die Ausstrahlung der Frau ist nicht normal. Meine Hose ist so verdammt eng. Ich verfluche mich dafür, dass ich so eine Stoffhose angezogen habe, bei der man das gesamte Ausmaß der Bescherung überdeutlich sieht. Ein Glück, dass mir jemand - ach ja, das war die Blonde, Sybille – Zeitschriften gebracht hat, die ich zweckentfremden und darüberlegen kann.

Also, mir ist schon klar, dass die Hose nicht wirklich eng ist, aber fuck, zwanzig voll aufgerichtete Zentimeter sind schon einiges, was da drin plötzlich Platz haben muss.

„Und wie lange wollen Sie das Deckhaar?“, fragt Amelie mit ihrer Singsang Stimme, die meinen Ständer zucken lässt, und zieht eine Strähne durch ihre Finger.

Woher soll ich das wissen? Wie soll ich überhaupt noch denken? „Mach mit mir, was du willst“, sind alle Wörter, die in mir noch Platz haben, denn alles was ich will, ist, dass sie genau das tut. Mit mir macht, was sie will. Denn das wird gut sein, verdammt gut, das spüre ich überall.

„Nein, kürzer, in etwa so“, sage ich dann und schaue sie im Spiegel an. Fuck. Ihr Blick flackert. Ihr Mund öffnet sich. Vor Überraschung oder vor Erregung? Vor beidem? Meine Hand legt sich über ihre und schiebt sie näher zu meinem Kopf. „So ist‘ ...s ... gut“, raune ich und merke selbst, wie heiser ich klinge. Das kommt davon, wenn nur noch begrenzt Blut im Kopf ist.

Wie soll ich die ... die Behandlung hier nur überstehen? Und was an ihr ist bitte so verstand-auslöschend sexy? So sexy und geil, dass ich mir vorkomme wie in der schlimmsten Pubertätsphase?

Alles, oder?

Ja. Genau. Alles. Ihre Lippen. Ihre Hände. Ihr praller Hintern. Ihre ... Wahnsinnstitten. Die ...Scheiße ... gerade meinen Arm streifen und mir ein leises Stöhnen entreißen.

Ja, Mann, alles an ihr ist megasexy, auch wenn ich das am Anfang nicht gesehen, nur gespürt habe. Dafür bin ich jetzt gefangen von ihr, eingenebelt, umwabert, total hin und weg.

„Gut. Dann können wir anfangen“, sagt sie und denkt sich bei ihrem unschuldigen Wort bestimmt nicht das Gleiche wie ich. Mein Drang, mit etwas völlig Anderem anzufangen, wächst ins Unermessliche. Dabei haben wir noch mit gar nichts angefangen! Und das, wo es so vieles gibt, was mir einfällt ...

„Kommen Sie bitte mit zum Waschbecken?“, fordert sie mich freundlich auf und wartet wieder auf mich. Ich gehe an ihr vorbei und setze mich. Mit dem weit in den Nacken gelegten Kopf bin ich mir immer schutzlos ausgeliefert vorgekommen, aber eigenartigerweise stört es mich heute nicht. Im Gegenteil. Es törnt mich nur noch mehr an.

Sie tritt hinter mich, das Waschbecken zwischen uns, und dreht das Wasser auf. Das Rauschen hat was. „Mögen Sie’s lieber warm oder eher kühl?“, fragt sie.

„Heiß“, entfährt es mir. Entsetzt halte ich inne, bevor ich mich korrigiere: „Warm. Ich meine natürlich warm“.

Ich wünschte, ich könnte sie sehen. Dabei ist das, was ich fühle, was bei mir von ihr ankommt, ohnehin schon viel zu stark. Besonders ohne die schützenden Zeitschriften über meinem Ständer, der nicht fassen kann, dass er nicht eintauchen und ficken kann. Opps, sorry, Amelie, so war das nicht gemeint ...

„So?“, fragt sie leise und ja, wow, ihre Stimme verrät sie. Wie geil ist das denn! Ihr ist so heiß, wie ich sie heiß finde.

Oh Baby, oh ... Diese Sünde.

„Ja, genau richtig“, seufze ich, schließe erwartungsvoll die Augen und falte die Hände über meinen steinharten Schwanz.

Dabei fängt sie jetzt erst an! Sie lässt das warme Wasser aus einem sanftem Strahl über meinen Kopf laufen und fährt dabei mit einer Hand durch mein Haar. Über meine empfindliche Kopfhaut ... Ein Schauder läuft durch mich. Tief hole ich Luft, tief und stockend ... und lasse mich ein auf diesen Wahnsinn.

Denn jetzt erst träufelt sie das kühle Shampoo darauf und beginnt mit beiden Händen, es zu verreiben und ... und ... einzumassieren. Und ... Fuck, ist das geil! Ich sehe Sterne. Und mein Schwanz steht senkrecht.

Sch ... ande.

Ich stoße Luft aus, beiße mir auf die Lippen und zwinge mich, ruhig weiter zu atmen. Was mir nur dürftig gelingt.

Ich habe keine Ahnung, wie ich das hier heil überstehen soll – das heißt- wie er auch danach noch stehen soll, also, dass es mir nicht so geht wie damals mit 15 oder 16. Weil ich ... oh Hilfe, ist das geil ... Weil ich nicht garantieren kann, dass ich es halten kann ... Shit ... Ist das irre ... Ich habe schon viele Frauen erlebt und eine nicht unbeträchtliche Anzahl davon vernascht. Aber die hier – die ist eine Welt für sich.

War ich mit 16 so arm dran? Ich glaube nicht. Das hier sprengt alle Dimensionen, nicht nur die meiner Hose.

Nur mit müh und Not widerstehe ich dem Drang, mich zu wichsen. Fuck, wäre das jetzt gut ... Hier sitzen und es mir zu ihren verboten geilen Berührungen selber machen und ganz genüsslich kommen lassen. Völlig ohne Stress und ohne Druck, einfach, wenn ich so weit bin ... Wahnsinn, wäre das gut.

Fuck! Ich wollte eine Kopf-, keine Happy-End Massage! Aber das Ende wird kommen – es ist näher, als uns lieb ist.

Oh Baby, Baby, Baby, hör niemals damit auf .... niemals. Egal, was kommt ... und wann es mir kommt ... Fuck Baby, bist du gut, so verdammt verdammt gut.

Amelie

Was bitte mache ich hier?

Ich meine, was ich mache, ist klar: Ich wasche einem Kunden den Kopf. Aber nichts dabei ist normal. Das hier ist der absolute Ausnahmezustand.

Ich schaue auf meine Hände. Ja. Alles richtig. Alles wie immer. Und doch alles anders.

Zwischen uns besteht eine Kraft, eine Magie, ein Zauber, über uns liegt ein Mantel, der mich alles andere vergessen lässt. In einem trägen, konstanten Rhythmus massiere ich seine Kopfhaut. In einem Rhythmus, als würde ich auf ihm sitzen und ihn reiten. Als würde ich in ihn fallen, oder er in mich, und als würden wir uns aus dem Bewusstsein vögeln.

Schwer. Träge. Mit aller Zeit, aber mit nur einem Ziel: dass dieser Zustand ewig dauert.

Das, was ich spüre, spüre nicht nur ich. Ihm geht es genauso. Das merke ich an seinem Atem. Dem Zucken seiner Gesichtsmuskulatur. Dem Heben und Senken seiner breiten Brust. Und nicht zuletzt an den Händen über seinem Schoss.

Oh. Mein. Gott.

Ich darf gar nicht daran denken, was und vor allem, dass sich das tatsächlich darunter verbirgt. Meinetwegen!

Aber was tu ich? Ich stehe hier und mir ist ganz anders. In mir pulsieren Körperteile, von denen ich nicht mehr wusste, dass sie überhaupt noch durchblutet werden. In meinen Brüsten und meiner Pussy zieht es. Letztere pocht wie wahnsinnig. Wenn sie eine Stimme hätte, würde sie schreien, aber stattdessen sabbert sie vor sich hin. Immer fester stemme ich die Füße in den Boden und presse die Schenkel zusammen, um dem Ansturm standhalten zu können.

Wie kann das sein? Ich tu doch nichts. Fast nichts. Nur seinen Kopf massieren ... und shit, wer hätte jemals gedacht, dass das so heiß sein kann. Ja, wegen seiner Ausstrahlung. Der Berührung. Und wegen seinem gepressten Atem.

Und weil er so wunder- wunderschön ist. Seine gerade Nase. Die ausgeprägten Wangenknochen. Die vollen Lippen ... Weil er angespannt und relaxt zugleich ist. Weil er mich so angesehen hat und weil ...

Gut, gut, alles schön und gut, aber dass ich gleich so abgehe? Das ist nicht normal. Warum reagiere ich so? Daran, dass ich lange keinen Sex mehr hatte, kann es nicht liegen, denn das letzte Mal ist zwei Jahre her. Da hätte ich ja schon viel früher in einen ähnlichen Zustand verfallen müssen. Dass man lange keinen Sex mehr hat, passiert heutzutage schneller, als man denkt. Da ist man eine Weile traurig, dann nimmt man zu, dann findet man alle Kerle Scheiße, dann finden sie einen Scheiße und irgendwann sind WhatsApp und Netflix deine besten Freunde. Also, ja, auf Tinder stand ich nie, das war mir zu unpersönlich und geht mir zu schnell. Oder ich bin einfach zu schüchtern und unsicher. Ich meine, ich weiß, dass ich da kein Einzelfall bin, ehrlich. Auch damit, dass ich nicht auf Abchecken- Ficken ja nein – Klarmachen stehe. Ah ja, das dachte ich zumindest, bis dieser Mensch hier in den Laden kam und mir sofort alles klar war. Nur leider ist er nicht mein Tinder-Date, das mich schon gegen die nächste Wand nehmen würde, sondern – mein erster Kunde. Noch dazu einer, der nicht nur tausend Nummern, sondern auch eine Million Lichtjahre größer ist als ich. Das ist irre, ich weiß, und dennoch kann ich nichts dagegen tun. Mein Körper hat die Kontrolle übernommen und mir ist es shitegal, was kommt und dass sich auf alle Zeit alles nur in meinem Kopf abspielen wird. Hauptsache dort. Hauptsache wieder Leben. Hauptsache, wieder Lust spüren.

Und massieren. Streicheln. Zarten Druck ausüben.

Und ... Ah! Wie lange mache ich das hier schon? Eine Massage soll fünf Minuten dauern, aber ich habe jedes Zeitgefühl verloren. Aber ich will nicht. Ich will ihn nicht loslassen. Ich will ihn in Ekstase treiben. Zu spüren, zu wissen, dass ich es kann, mit so wenig wie einer Kopfmassage, macht meinen Kopf noch leichter. Ich, das Pummelchen, bringe diesen Wahnsinnskerl dazu, genüsslich vor sich hinzustöhnen und seine Hände über seinem Steifen zu verschränken! Bin ich irre, ist das geil!

Ich schaue auf die Uhr und mache weiter. Und wie er das genießt! Es vergehen fünf Minuten und noch immer kann ich nicht aufhören.

„Das Shampoo abspülen!“, brülle ich mich innerlich an und brauche dennoch drei weitere Anläufe, bis ich endlich von ihm ablassen kann.

Woah, wie geil er vor sich hin stöhnt. Irre, macht mich das an. So etwas habe ich noch nie erlebt, und das liegt nicht nur daran, dass ich in den letzten Jahren in einem reinen Damensalon gearbeitet habe. Es liegt daran, dass ich noch nie einen Mann wie ihn erlebt habe.

„Ne...in. Mach weiter. Bitte. Mach um Gottes Willen weiter“, fleht er mit einer so entrückten Sex-Stimme, dass ich beinahe das Gleichgewicht verliere. Und leider um mich blicke.

„Ich ...“ Ich will ja weitermachen, aber Sybille lehnt an der Wand. Ein Bein um das andere geschlungen und mit verschränkten Armen. Bitterböse funkelt sie mich an. Ja, ja, schon gut. Es wartet doch niemand auf mich! Ich weiß ja, dass ich viel zu lange am Becken war. „Gehen wir erstmal zum Platz zurück“, bringe ich beinahe tonlos hervor.

Schwerfällig und umständlich erhebt er sich. Ich schaue zu Sybille, deren knallrote Lippen sich zu einem O formen. Die die Augen aufreißt. Sperrangelweit.

Als ich mich umdrehe, geht er schon voraus. Breitbeinig, verkrampft.

Oh Shit ... Was jetzt? Ich würde so gern, aber ... Job ist Job!

Mir wird schwarz vor Augen, so übermannt mich dieser Wahnsinn, dass er kurz davorstehen muss, abzuspritzen. In der Hose.

Bei der Vorstellung muss ich mich kurz festhalten, so sehr haut sie mich um.