Der Schächter - Samira Bannout - E-Book

Der Schächter E-Book

Samira Bannout

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Beschreibung

„Der Schächter – Dilara Lehmanns 1. Fall“ von Samira Bannout bildet den Auftakt einer mehrteiligen Krimireihe um die Berliner Kriminalkommissarin Dilara Lehmann. Diese ist alleinerziehende Mutter und übernimmt die Ermittlungen im Mordfall der Schülerin Fatimah Bunic. Ihr neuer Partner Yassir hat gerade die Polizeiausbildung absolviert. An Fatimahs Gymnasium gibt es dunkle Geheimnisse. Dennoch gelangt Dilara auf eine heiße Spur, denn Oberstudienrat Benny Speidel passieren eine Reihe merkwürdiger Dinge: Er wird verdächtigt, ein Sex-Video der Bildungssenatorin gedreht und online gestellt zu haben, dann gehen auf mysteriöse Art sensible Schülerdaten online und kinderpornografisches Material findet sich auf seinem Schulrechner. Schließlich kommt heraus, dass Fatimah, die zugleich die beste Freundin von Speidels Tochter Kira ist, sich mit ihm zur Tatzeit am Tatort getroffen hat. Jetzt holt die Vergangenheit Benny ein: In seiner Schulzeit haben sein Freund Chris und er in der schwäbischen Provinz eine Abitur-Party veranstaltet, bei der die Abendkasse gestohlen wurde. Deshalb fuhren sie in die Niederlande, um Ecstasy und Haschisch zu besorgen und dies zu verkaufen. Doch Benny kriegte kalte Füße und verpfiff den Deal an seinen Vater, den dortigen „Dorfscheriff“, der Chris eine Falle stellte. Chris wurde geschnappt und zu mehreren Jahren Jugendgefängnis verurteilt. Paula und Yassir ermitteln außerdem: Chris, der noch im Gefängnis Bennys Verrat bemerkt hat, ist zum Islam konvertiert ist (Abu Talha Al-Almani). Eine Komplizin war Bennys alt-68er-Hippie-Kollegin Eva Rundel, die Chris und seinen Vater kurz nach Chris’ Geburt in der oberschwäbischen Provinz verlassen hat. Abu Talha Al-Almani bringt Bennys Frau Rosa und seine Tochter in seine Gewalt und setzt Benny Ultimaten, um sie zu retten; schließlich trachtet er ihm selbst nach dem Leben. Paula und Yassir müssen alles in ihrer Macht stehende verhindern, um die ultimative Katastrophe zu verhindern.

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Dilara Lehmanns 1. Fall

swb media entertainment

Die Handlung und die handelnden Personen sind frei erfunden.

Jede Ähnlichkeit mit lebenden und bereits verstorbenen Personen ist zufällig.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im

Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die über die

Grenzen des Urheberrechtsgesetzes hinausgeht, ist unzulässig und strafbar.

Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen

sowie die Speicherung in elektronischen Systemen.

Veröffentlicht im Südwestbuch Verlag, einem Unternehmen der

SWB Media Entertainment Jürgen Wagner, Waiblingen, Februar 2020

1. Auflage 2020

ISBN 978-3-96438-021-0

© 2020 SWB Media Entertainment, Gewerbestraße 2, 71332 Waiblingen

Lektorat: SWB Media Entertainment

Titelgestaltung: Dieter Borrmann, Kleve

Titelfotoanimation: © Dieter Borrmann, Kleve

Satz: swb media entertainment, Waiblingen

Druck, Verarbeitung: Rosch-Buch, Scheßlitz

Für den Druck des Buches wurde chlor- und säurefreies Papier verwendet.

Ausführliche Informationen über unsere Autoren und Bücher

finden Sie auf unserer Webseite www.suedwestbuch.de

BERLIN, IM SOMMER 2019

Sie staunte, denn der Schutzpolizist hob wenig enthusiastisch die Tatortabsperrung in die Höhe und grüßte nachlässig. Das verfestigte ihre Meinung, dass es der Berliner Polizei heutzutage an Schneid fehlte. Dass sie die Worte „Endlich“ und „Wurde aber auch höchste Zeit“ hörte, ignorierte sie geflissentlich. Die Disziplin schien ihr nicht viel ausgeprägter als bei der Klassenfahrt einer 10. Klasse – Oberschule eines Berliner Problembezirks. Sie war froh, dass das nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehörte. Damit musste sich die neu eingesetzte Polizeipräsidentin herumschlagen. Ein rot-weißes Metallgeländer versperrte den Weg nach unten zum Kanal.

„Da unten liegt die Leiche“, sagte ein dürrer Wachtmeister, der wohl vermutete, sich durch die Bemerkung für eine Karriere bei der Kriminalpolizei zu qualifizieren – dieser Aspekte ihrer Arbeit amüsierte sie immer wieder aufs Neue.

„Durchs Gestrüpp da runter?“, vergewisserte sich Dilara, während sie angestrengt nach unten spähte, und ein weißes Zelt wahrnahm, das den Tatort vor Hitze und Sonneneinstrahlung schützte, um eine optimale Spurenauswertung zu ermöglichen.

Im Kanal – unmittelbar neben dem Tatort – lag ein mit blauer Folie abgedeckter, alter Lastkahn vor Anker.

„Du kontrollierst, ob jemand zur Tatzeit an Bord gewesen ist und etwas beobachtet hat“, wies sie Yassir, ihren frisch ernannten Assistenten, an. „Gibt es einen anderen Weg, um da runterzukommen?“, fragte sie dann den hageren Wachtmeister, der sich mit dünnen Fingern durch den spärlichen Bart fuhr.

„Jetze über die Brücke, dann nach rechts, n’ halben Kilometer runter und dann wieder über die nächste Brücke zurück. Anders jet et nich. Oder halt direkt die Böschung runter. Janz wie se woll’n.“

Klang in ihren Ohren nicht überzeugend, aber was sollte sie machen? Seufzend nahm sie also den Weg nach unten in Angriff, wobei sie um ihre Garderobe besorgt war. Insbesondere die Schuhe machten ihr zu schaffen. Es war nicht einfach, den Abhang herunterzukommen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Sie hörte, wie Yassir hinter ihr laut vor sich hin fluchte. Sollte der mit seinem Armani-Anzug das ganze Gestrüpp mitnehmen. Sie war sicher, sein reicher Onkel würde einen neuen Anzug springen lassen.

Kurz vor dem Tatort wurde sie von Gerichtsmediziner Schwabe abgefangen. Der hieß nicht nur so, sondern stammte tatsächlich von dort. Der Mann maß kaum einen Meter sechzig. Hinzu kam, dass er aufgrund seiner schmalen Schultern beinahe aussah wie ein Kind. Um sich einen männlich-erwachsenen Anstrich zu verschaffen, ließ er sich einen imposanten schwarzgrauen Vollbart wachsen. Bei den Schwabenhassern unter ihren Kollegen hieß er McSchwab und es wurde behauptet, dass er genauso viel ausgebe, wie er groß war.

„Wollen Sie sich das wirklich antun, Frau Lehmann?“, fragte er mit heiserer, kaum vernehmbarer Stimme, der trotz vielen Jahren in der Hauptstadt eine schwäbische Klangfärbung anzuhören war, was für Spott, Hohn und hässliche Bezeichnungen wie „Schwabenratte“ und „Spätzlesfresser“ sorgte.

Der wackere Gerichtsmediziner ließ sich von solchen Bösartigkeiten nicht anfechten.

„So schlimm?“, fragte Yassir.

„Ich kenne Sie zwar nicht“, entgegnete der Kleinwüchsige, „aber lassen Sie sich versichern, dass es schlimmer ist.“

„Wer leitet die Ermittlungen?“, ertönte eine tiefe Stimme aus dem Off.

Dilara und Yassir drehten sich gleichzeitig um und starrten den Uniformierten an.

„Entschuldigung, Meyer der Name, aber ich dachte, dass Sie wissen sollten, dass da hinten die Presse lauert. Dürfen die weiter vor? Was sollen wir ihnen sagen? Möchten Sie mit denen sprechen?“

Dilara überlegte. Der Umgang mit der Presse war ihr so lieb und teuer wie ihrem kleinen Schatz Vincent das tägliche Gemüse – beides sorgte für heftige Gemütsschwankungen.

„Sagen Sie denen, dass sie im Burger King an der Haltestelle Tiergarten warten sollen. Sobald ich fertig bin, kriegen die von mir Informationen aus erster Hand.“

Meyer nickte eifrig, wischte sich unbeholfen mit dem rechten Unterarm den Schweiß von der Stirn und machte sich auf den steilen Weg nach oben.

„Lektion Nummer eins: Immer die Presse vom Hals halten“, erklärte Dilara ihrem Partner. „Aber nie dauerhaft vergraulen. Denn dann geht der Schuss nach hinten los.“

„Du gehst nachher tatsächlich in den Burger King?“

„Keine Ahnung. Aber du musst die so erziehen, dass sie von dir profitieren. Dann verzeihen sie einem auch mal was.“

„Hier ist nichts verändert worden“, erklärte Dr. Schwabe, als sie beim Leichenfundort angekommen waren. „Wie Sie sehen ...“

Doch Dilara war nicht in der Lage, dem Gerichtsmediziner zuzuhören, so sehr verschlug ihr der Anblick der Leiche die Sprache. Ihr wurde schwindelig. Der Boden schwankte. Ihr Magen krampfte sich zusammen und sie spürte, wie Magensäure nach oben schoss. Zum Glück hatte sie außer Kaffee heute noch nichts zu sich genommen. Sie hörte, wie sich Yassir ins Gebüsch erbrach. Das Bild des Grauens ließ sie nicht mehr los.

Die weibliche Leiche lag auf dem Rücken. Sie musste etwa einen Meter siebzig groß sein. Die langen, glatten schwarzen Haare waren wirr in alle Richtungen ausgebreitet. Das Gesicht war kreidebleich. Auf ihm zeigte sich ein Ausdruck höchsten Schreckens. Was Dilara dann sah, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Sie fürchtete fast, ihr Brustkorb würde explodieren, so heftig spürte sie ihr Herz schlagen.

„Wer auch immer dir das angetan hat, ich werde ihn dafür zur Rechenschaft ziehen“, schwor sie der Toten.

Fatimahs Kehle war mit einem chirurgisch präzisen Schnitt durchtrennt worden. Viel Blut hatte sich um den Hals-, Kopfund Schulterbereich gesammelt. Die Schnittwunde wirkte wie ein gigantisches, höhnisches Grinsen. An der lilafarbenen Bluse waren die obersten Knöpfe brutal abgerissen. Ein Teil des Dekolletés lag bloß. Fatimah hatte einen kleinen, wohlgeformten Busen. Der BH aus Spitze war farblich auf die Bluse abgestimmt. Ihre abgewinkelt vom Körper weg zeigenden Arme wiesen auf den ersten Blick keine Verletzungen auf. Auch keine Einstichstellen. Die Beine waren gespreizt und der schwarze Minirock war bis über die Scham hochgezogen. Die Füße zierten schwarze, hochhackige Modeschuhe mit Pfennigabsätzen.

„Dieses Schwein mache ich fertig“, sagte Yassir, und sie konnte die in der Stimme mitschwingende Erschütterung gut nachvollziehen.

Die Leiche war furchtbar geschändet. Der Mörder hatte mit dem jungen Mädchen ein grausiges Ritual veranstaltet. In der Vagina steckte ein schwarzes Ungetüm von Dildo mit brutalen Noppen. Und aus dem After ragte ein zirka zehn Zentimeter langer Besenstil, der die Leiche etwas in die Höhe hob, und ihr eine unnatürliche Position verlieh.

„Über die“, es folgte ein kurzes, aber vielsagendes Räuspern, „Gegenstände, die wir in dem Körper der Leiche gefunden haben, können wir noch nichts abschließend sagen“, klärte Schwabe sie auf. „Es kann sein, dass das Opfer zuerst mit den Gegenständen vergewaltigt und dann getötet wurde oder umgekehrt. Es gibt momentan keine Hinweise auf menschliche Penetration, aber das können wir noch nicht sicher sagen. Da muss ich erst im gerichtsmedizinischen Labor entsprechende Untersuchungen vornehmen.“

„War der Mörder Linkshänder?“

„Sieht so aus. Der tödliche Schnitt wurde aller Wahrscheinlichkeit nach von rechts nach links durchgeführt. Vielleicht wollte aber jemand nur den Eindruck erwecken, Linkshänder zu sein.“

„Der Schnitt sieht aus, als ob er mit Kraft und Präzision durchgeführt worden ist“, schaltete sich Yassir mit kreidebleichem Gesicht in die Konversation ein.

„Den Eindruck habe ich ebenso“, stimmte ihm der Schwabe zu.

Dilara versuchte ihre brodelnden Emotionen zurückzuhalten und professionell zu bleiben.

„Beziehungstat?“, fragte sie.

Der Gerichtsmediziner wiegte den Kopf hin und her.

„Einige Indizien sprechen dafür. Die Kehle durchzuschneiden, erfordert ein hohes Maß an psychischer Energie. Da gibt es für einen Killer angenehmere Methoden, jemanden ins Jenseits zu befördern. Aber es gibt keine Hinweise für eine Übertötung, wie sie bei Beziehungstaten typisch ist.“

Dilara dachte über den letzten Satz des Gerichtsmediziners nach. Übertötung bedeutete zum Beispiel, dass versucht worden wäre, den Kopf beziehungsweise andere Körperteile abzutrennen. Oder dass der Leichnam mit Messereinstichen übersät wäre. Hier: Fehlanzeige, vermutlich keine Beziehungstat. Aber da blieben ja noch weitere Merkmale, die es zu berücksichtigen gab.

„Aber die – eventuell post mortem zugefügten – Vergewaltigungen könnten in Richtung Beziehungstat weisen?“

„Ja, in der Tat“, stimmte Schwab ihr zu. „Daraus werde ich nicht recht schlau. Allerdings kann ich nichts Verbindliches sagen, bis ich weitere Untersuchungsergebnisse habe. Auf den ersten Blick vermute ich, dass die Gegenstände in den Körperöffnungen zwar platziert wurden, aber ohne Penetration.“

„Wie, ohne Penetration?“, hakte Yassir nach.

„So wie ich es sage. Der Mörder hat den Dildo und den Besenstiel zwar in Anus und Vagina eingeführt, aber er hat nicht penetriert. Sie wissen doch, was Penetration ist, junger Mann? Oder hatten Sie an Ihrer Schule in Neukölln – oder stammen Sie doch aus Wedding? – keinen Biologie-Lehrer?“, giftete der kleine Schwabe, der sich einiges auf die Vorzüge des süddeutschen Schulsystems einbildete. „Das Einführen dieser Gegenstände spricht für eine Beziehungstat. Dass die Gegenstände dort lediglich eingeführt wurden, und es keine darauf folgenden Bewegungen gab, spricht allerdings dafür, dass es ein analytisch klarer, beinahe klinisch-steril durchgeführter Vorgang war.“

„Wobei wir noch nicht mit letzter Sicherheit sagen können, ob sich der Mörder an der Leiche vergangen hat oder jemand, der sie später gefunden hat.“

„Stimmt, Frau Lehmann. Hier treibt sich nachts illustres Gesindel rum. Ich würde nach Einbruch der Dunkelheit nicht mal meinen Dackel ausführen, selbst auf die Gefahr hin, dass er in die Wohnung macht.“

Das wollte bei dem von der Kehrwoche besessenen Schwaben einiges bedeuten.

„Moment mal: Ihr vermutet, dass jemand zufällig Dildo und Besenstil dabei hatte, die Leiche sah und sich so mir nix dir nix einen Spaß daraus machte?“, fragte Yassir ungläubig. „So bescheuert kann ja nicht einmal ein Stricher auf Special K oder Poppers sein. Denn an dem Dildo und dem Besenstil wird sicherlich eine Menge verwertbares DNA-Material sein, das uns schnell zum Besitzer führt.“

„Dennoch können wir das nicht ausschließen“, beharrte Dilara auf ihrer Hypothese.

„Zur DNA und zu anderen verwertbaren Spuren kann ich erst später Genaues sagen“, insistierte Dr. Schwabe. „Es kann sein, dass wir da einiges finden. Oder auch nicht. In diesem Areal gibt es so viel DNA- und andere Spuren, dass eine Tat-Zuordnung beinahe unmöglich wird. Aber wie gesagt, dazu später Genaueres.“

„Was ist mit der Tatwaffe?“, wollte Dilara wissen.

„Die wurde bisher nicht gefunden, obwohl die Kollegen die Umgebung durchforstet haben. Taucher werden später noch den Grund des Landwehrkanals absuchen.“

Sie runzelte die Stirn.

„Bei dem Messer handelt es sich vermutlich um ein großes Jagdmesser.“

Erstaunt blickte Dilara den Gerichtsmediziner an.

„Ich bin mir deshalb relativ sicher, da der Schnitt an der Gurgel mit recht wenig Kraft akkurat durchgeführt wurde. Hätte es sich um ein Küchenmesser oder einen ähnlichen Gegenstand gehandelt, sähen die Verletzungen am Hals mit großer Wahrscheinlichkeit anders aus.“

„Das könnte bedeuten, dass der Täter diese Schnittbewegung mehrere Male durchgeführt oder geübt hat“, schlussfolgerte Yassir.

„Zum Beispiel IS-Rückkehrer aus Syrien?“

„Ja, Chef, zum Beispiel. Oder jemand, der beim Militär war, vielleicht sogar bei der Bundeswehr. Beim Sonderkommando oder den Spezialkräften. GSG 9 oder so was.“

„Hinweise auf einen religiös motivierten Mord konnten bisher nicht gefunden werden“, fügte der emsige Gerichtsmediziner hinzu.

„Was nichts bedeuten muss“, ergänzte Dilara.

„Nicht unbedingt. Aber es spricht auch nichts für diese Theorie.“

Das Trio blickte sich gegenseitig an, dann wieder zum Tatort mit der fürchterlich entstellten Leiche, um anschließend wieder den Blickkontakt der anderen zu suchen. Dilara spürte, wie sie zusehends von Beklemmungen ergriffen wurde.

„Sobald ich Genaues weiß, melde ich mich“, gab der Schwabe das Stichwort.

„Gut“, sagte Dilara und wollte ihm die Hand reichen, aber der Gerichtsmediziner deutete mit einem schiefen Lächeln auf seine Gummihandschuhe, die er offensichtlich nicht ausziehen wollte. „Bis dahin“, verabschiedete sie sich also, wandte sich ab und kletterte das Gestrüpp wieder hoch, wobei sie auf ihr Outfit achtete.

Als sie oben angekommen war, wartete sie auf Yassir, der nicht so viel Glück hatte. Die ehemals schwarz polierten Lackschuhe waren verstaubt, das Hemd verschwitzt, und sie war sich nicht sicher, ob seine Hose und sein Jackett intakt waren. Aber der Gedanke an die tote Fatimah war wie ein Wirbelwind in ihre geistige Wohnung gestürmt und hatte es sich nun auf dem Sofa im Wohnzimmer bequem gemacht. Dort würde er sich für eine Weile einnisten. Falls sie dieses Bild überhaupt noch einmal in ihrem Leben loswerden sollte.

„Was ist mit der Presse?“, keuchte Yassir.

Sie schlug seine Bemerkung mit der Hand in den Wind.

„Echt jetzt? Das finde ich mutig. Dein erster Tag als Chef und dann lässt du die Presse am ausgestreckten Arm verhungern. Coole Kiste!“

„Die beruhigen sich wieder“, wiegelte sie ab. „Wenn du scharf auf die Presseheinis bist, dann kannst du das machen. Obacht: Das ist ein Minenfeld. Da macht man mehr kaputt, wenn man hingeht, als durch unentschuldigtes Fernbleiben. Aber wie du möchtest. Baue keinen Mist, okay? Und jetzt trennen wir uns. Du bleibst hier und kriegst raus, was mit Schulze und dem uniformierten Kollegen vorgefallen ist. Ich möchte alles wissen. Und danach schaust du, was du beim Schleusenwirt in Erfahrung bringst.“

Sie wollte ihn bereits ermutigen, zu verschwinden.

„Und du?“

Sie seufzte, denn der wollte alles genau wissen.

„Schulleiter, Lehrer, Eltern, Freunde. Wir sprechen uns später.“

Einen Moment lang zögerte er.

„Und mein Wetteinsatz?“

„Später. Los jetzt!“

Endlich verschwand er. Sie lief Richtung Haltestelle Tiergarten und überlegte, wie sie um den Burger King herumschleichen konnte, ohne dass jemand von der Journalistenmeute sie bemerkte. Immer mehr Wut, Verzweiflung und Verbitterung stiegen in ihr auf.

„Wer auch immer dir das angetan hat, ich werde ihn jagen, finden und ihm höchstpersönlich die Handschellen so eng ziehen, dass er drei Stunden benötigt, bis das Blut wieder zirkuliert. Koste es, was es wolle, aber dieses Schwein erwische ich“, schwor sie der toten Fatimah.

Sie hatte es mit dem bisher größten Fall in ihrer Laufbahn zu tun. Ein Rätsel, das sie unbedingt lösen musste. Und die Verantwortung dafür lastete auf ihren Schultern. Obwohl es sehr warm war, fröstelte sie. Und ihr Herz schlug bis zum Hals.

Ihr Handy vibrierte in der Jeans-Tasche. Eine Berliner Nummer. Niemand aus der Behörde, aber auch nichts Romantisches. Gespannt ging sie ran.

„Oberstudiendirektor Schmidtke hier. Ich warte schon auf Sie, Frau Lehmann. Wir haben heute Nachmittag eine Gesamtlehrerkonferenz. Es wäre gut, wenn wir uns vorher unter vier Augen unterhalten. Schließlich habe ich zahlreiche Verpflichtungen. Ein Mord an einer unserer Schülerinnen ist furchtbar, aber wie es so treffend heißt: The show must go on.“

Die Stimme klang kalt, schneidend und herrisch. Wer war dieser Typ, dass er so anmaßend mit ihr sprach? Wie konnte er dermaßen kalt und gefühllos über den Tod einer Schülerin sprechen? Bei aller persönlichen Abneigung entwickelte sie allmählich Verständnis dafür, dass Schulze diesem Typen gegenüber ausfällig geworden war.

„Ich bin gleich bei Ihnen. Bitte überlegen Sie sich, wo Sie letzte Nacht waren und welche Zeugen Sie dafür haben.“

Bevor er etwas Bösartiges erwidern konnte, legte sie auf. Sollte der Typ sie doch beim Innensenator an den Pranger stellen. Wie man in den Wald hineinrief, so schallte es heraus. Als sie wieder ruhiger wurde, schluckte sie einen dicken Kloß herunter. Der Fall hatte noch nicht begonnen und begann schon sie an den Rand ihrer Kräfte zu führen.

Sie war alles andere als gut in diesen Tag gestartet. Während sie Richtung Gymnasium Tiergarten stapfte, ließ sie das bisherige Tagesgeschehen vor ihrem inneren Auge Revue passieren. Angefangen hatte alles mit einem absurden Traum, den sie nicht so schnell vergessen würde …

***

Es war Sommer. Schöner Sonnenschein. Das hippste Restaurant im Prenzlauer Berg war bis auf den letzten Platz besetzt, und die Geräuschkulisse klang elektrisierend, die vielen dahingehauchten Worte, leises Gelächter, Gläser, die aneinander stießen. Aber sie konnte den Blick nicht abwenden: eine Mischung aus Mitleid, Ekel und Abscheu … Markus saß ihr gegenüber und schwitzte munter vor sich hin. Er verteilte Wasser wie ein poröser Gartenschlauch. Ständig fuhr er sich mit dem Taschentuch über die Stirn, sodass diese rote Flecken aufwies und die Haut sich abpellte. Auf dem weißen Hemd gab es keinen trockenen Fleck mehr. Sie erinnerte sich an die Kernaussage der Internetanzeige, die sie getriggert hatte. „Attraktiver, schlanker Mitvierziger, mit beiden Beinen im Leben stehend, sucht Gleichgesinnte – gerne mit Anhang – für langfristige, ernsthafte Beziehung.“ Klang nicht schlecht, aber sie hätte es aus Erfahrung besser wissen müssen. Sie war häufiger den hymnischen Lobpreisungen von Kontaktanzeigen auf den Leim gegangen, als ein Zehnjähriger Werbeversprechen des Kinderfernsehsenders. Von attraktiv und schlank konnte keine Rede sein, es sei denn, das war ausschließlich auf die inneren Werte gemünzt – vielmehr erinnerte ihr Tête-à-Tête sie an einen aus dem Fernsehen bekannten Lieblingspolitiker der Bundeskanzlerin, der immer dann in die Bresche springen musste, wenn ein Feuerlöscher benötigt wurde. Sie fand, dass Markus was von einem walrossigen Eunuchen hatte, dem der Sultan ohne Misstrauen gerne seinen Harem zur Obhut überlässt. Sein Bauch war gigantisch. Sie fragte sich, wann er wohl das letzte Mal sein bestes Stück in Natura gesehen hatte – das musste Jahrzehnte zurückliegen, denn ein solches Gebirge entstand nicht von einem Tag auf den anderen. Der Bauch konnte ihrer Meinung nach auf einer Party bequem als Ersatztisch für eine Reihe von Getränken und Snackschalen herhalten. Markus hob die rechte Hand mit den klobigen Wurstfingern und wollte gerade den Mund öffnen, als die ersten Takte von Liebeslied von Beginner ihren Traum unterbrachen. Ihr Handy! Mit jedem Ton rückten Markus und der Tisch von ihr weg, bis sie sich in unerreichbarer Ferne befanden.

Die Töne mischten sich mit Nachdruck in ihre Traumgebilde. Sie versuchte die Töne auszublenden, um zu hören, was Markus sagen wollte, denn vielleicht besaß er ja charakterliche Vorzüge, die seine körperlichen Defizite ausglichen. Verzweifelt zog sie die rote Decke über den Kopf und verharrte in der Embryonalstellung. Die Klangkulisse drang gedämpft an ihr Ohr, und verschwand dann ...

Im Schwebezustand zwischen Traum und Erwachen seufzte sie, wollte sich in die Tiefe des Traums fallen lassen, um endlich zu hören, was ihr Date ihr mitteilte, aber wieder ertönte das Liebeslied. Das war ihr freier Tag, der ihr hoch und heilig versprochen worden war. Sie war dienstlich nicht verpflichtet, ans Telefon zu gehen. Aber vielleicht handelte es sich um den Anruf ihrer letzten, flüchtigen Bekanntschaft, den sie herbeisehnte ... Der hatte so lange auf sich warten lassen, dass der Betroffene sich ein Meer von Ausreden für sie zurecht legen musste. Der Anrufer gab nicht auf. Als sie nach dem weißen Störenfried mit dem goldenen Firmenlogo griff, verstummte das Handy.

„Ach nö“, murmelte sie schlaftrunken, streckte und reckte sich ausgiebig.

Sie öffnete die Augen und blinzelte. Es war bereits hell und die durch das Altbaufenster scheinende Sonne blendete sie. Das Smartphone zeigte ANONYM an. Keine Nachricht. Dilara schwang ihre kräftigen, wohlgeformten Beine aus dem weißen Bett, das im Musterkatalog eines schwedischen Möbelherstellers abgebildet war. Der warme Parkettfußboden unter ihren Füßen bewegte sich. Ihr Magen knurrte und brummte wie ein alter, unzufriedener Bär. Aber dem Hungergefühl wollte und durfte sie nicht nachgeben.

„Kaffee“, murmelte sie – ihr Wunderrezept gegen den Drang nach Gaumenfreuden.

Immer wenn sie Hunger empfand, was eigentlich ständig der Fall war, trank sie Kaffee. Literweise. Das braune Getränk vertrieb die fiesesten Hungergefühle, da sich nach der x-ten Tasse eine Grundübelkeit einstellte, die nicht mehr mit Appetit in Einklang zu bringen war. Dilara schlich in die Küche, strich den Espresso-Pad glatt und legte ihn in die schwarze Kaffeemaschine. Sehnsüchtig wanderte ihr Blick zum XXL-Nutella-Glas. Ein Zuckerflash würde sie von 0 auf 100 katapultieren. Eigentlich der richtige Kick-Start, um den Tag zu beginnen. Andere benötigten Pillen oder sonst was – bei ihr reichte die nussbraune Streichcreme aus Zucker und Fett. Die Pillen waren besser für die Figur, Nutella besser für ihr Wohlbefinden und beides war schlecht für ihr Alter Ego und eine imaginierte Karma-Bank.

„No!“

Sie blieb eisern, obwohl das Glas so attraktiv zu ihr herüber lächelte, wie eine Edel-Hure zu einem wohlbetuchten arabischen Prinzen, dem vor lauter Geld gar nichts anderes einfiel, als seinen Bentley zu vergolden. Kleine Sünden bestrafte der liebe Gott sofort, und wenn es in Form des berühmt-berüchtigten Hüftengolds war: fünf Sekunden, um auf die Hüfte draufzukommen und fünf Monate disziplinierter Sport, um es wieder weg zu trainieren. Der bittere Kaffeegeschmack traf sie wie ein Faustschlag. Die Speiseröhre brannte und ihr Magen rebellierte. Wenn das mit dem Kaffee nicht mehr funktionierte, würde sie es wahrscheinlich mit Hochprozentigem probieren. Das hatte sie sich schon als Plan B zurechtgelegt, und wenn sie dann den ganzen Tag lang rumeierte wie eine Schiffsschaukel, konnte sie ihre Diät-Methoden dafür verantwortlich machen. Sie betrachtete den schwarzen Aufdruck auf der cremefarbenen Tasse mit rotem Herz.

„I love Berlin“.

„Stimmt“, dachte sie, „Berlin, ick liebe dir.“

In letzter Zeit geisterte immer wieder die Metapher der Hauptstadt als neues Babylon durch die Presse, woran die in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts spielende Fernsehserie eines amerikanischen Bezahlsenders Schuld war. Einer der Sündenpfuhle des heutigen Babylons war auf der Tasse grafisch dargestellt. Der Berliner Fernsehturm wirkte auf sie wie ein längliches, dünnes Phallus-Symbol. Mit Wonne erinnerte sie sich an die Namen, die dieses Symbol männlicher Möchtegern-Stärke erhalten hatte: Imponierkeule und Protzstengel fand sie nett. Sie war der Meinung, dass die durch die Kugel entstehende, obere Verdickung dürftig ausfiel, und wenn sie einen männlichen Kollegen ärgern wollte, gab sie die Anekdote von sich, nicht ohne Augenkontakt zu suchen à la: Na, und wie hat es der liebe Gott mit dir gemeint? Natürlich kniffen die Kollegen und senkten den Blick beschämt zu Boden, bis auf einen dunkelhäutigen Auszubildenden, der mitten in der Kantine sofort zum Hosenladen griff und fragte: „Soll ich die 30-Zentimeter-Schlange hier rauslassen?“ Da hatte er sie auf dem falschen Fuß erwischt, denn jetzt kniff sie, wobei sie es schon gerne gesehen hätte. Ein Mann konnte nichts für seine Ausstattung, da galt das Diktum „They come in all shapes and sizes“. Aber wenn Architekten am Reißbrett ein Symbol männlicher Stärke entwarfen, konnten sie doch in die Vollen gehen. Oder, fragte sie sich, war das etwa falsche, sozialistische Bescheidenheit, um beim Klassenfeind keine Begehrlichkeiten zu wecken? Realsozialistisches Understatement sozusagen, beziehungsweise gab es baustatische Probleme, die sich nicht anders in den Griff kriegen ließen?

Unweit vom Fernsehturm hatte sich der Berliner Alexanderplatz zu einem der schlimmsten Kriminalitätsschwerpunkte in Deutschland entwickelt. Es verging kein Tag, an dem hier keine Kapitalverbrechen begangen wurden, die in den Lokalblättchen und der überregionalen Presse genüsslich ausgebreitet wurden, um die Unfähigkeit der Berliner Republik zu kolportieren: Wer den Alex nicht in den Griff kriegte – wie sollte der Deutschland oder Europa regieren? Auch die durch den als Hardliner bekannten, früheren Innensenator verfügte Einführung verdachtsunabhängiger Polizeikontrollen hatte die Verbrechensrate nicht gesenkt. Zwar konnte die Polizei jeden Menschen ohne konkreten Verdachtsmoment durchsuchen, aber das hielt Jugendliche im Vollrausch und semiprofessionelle Kriminelle nicht davon ab, sich am Alex „selbst zu verwirklichen“ – schließlich ging es um viel Geld. 150 € bei einem schnellen Deal, 50 € für eine schnelle Nummer auf dem Klo, 325,78 € bei einem Raubüberfall usw. waren schließlich nicht zu verachten.

Sie ging ins Bad, um sich nach dem spartanischen Frühstück die Zähne zu putzen und zu duschen, damit ihr Kreislauf in Schwung kam, denn sie fühlte sich wie ein nagelneuer 8er-BMW auf einem amerikanischen Interstate: Was nutzte die Höchstgeschwindigkeit von über 300 Stundenkilometern, wenn nicht einmal die Hälfte davon erlaubt war? Da hörte sie wieder die Anfangstöne von Liebeslied.

„Der kann was erleben“, fluchte sie, während sie sich fragte, wer der denn sein konnte.

Doch nicht etwa ...? Ihr Herz machte einen freudigen Hüpfer, während sie hastig auf den roten Knopf drückte. Eigentlich hatte sie sich aus bitterer Erfahrung geschworen, ihr Herz nicht mehr an Männerbekanntschaften zu hängen, aber sie hielt es mit einem deutschen Philosophen, der die Hoffnung zu einem wesentlichen, menschlichen Prinzip erklärt hatte.

„Hallo?“

„Dilara?“

All ihre romantischen Hoffnungen waren zerstört. Von wegen ANONYM. Der Möchtegernprinz hatte sich in Luft aufgelöst. MM prangte in schwarzen Kapitalen auf weißem Hintergrund. Michael Müller. Ihr Chef, und das an ihrem freien Tag, der dazu dienen sollte, dass sie sich erholte und möglichem Burnout vorbeugte. Letzteres war dringend nötig, wenn sie den Berufsalltag reflektierte: Fiel ein Kollege für einen Tag aus, wurde von Burnout getuschelt, und es gab kaum eine Fortbildungsveranstaltung, die nicht die Modekrankheit zum Inhalt besaß. Zyniker meinten, dass die gesundheitspräventiven Veranstaltungen Burnout förderten, da sie böse an die nervliche Substanz gingen.

„Vergiss es. Ich habe heute frei!“

Sie hörte einen Seufzer, der aufrichtig klang.

„Es geht nicht anders. Wat mut, dat mut. Du kennst unsere personelle Situation. Die ist seit Jahren schlimmer als beim katholischen Priesternachwuchs. Und, ich mach es wieder gut“, versprach Michael. „Indianerehrenwort.“

Dilara kicherte.

„Du möchtest für gute Stimmung sorgen“, erwiderte sie, während sie sich eine bis zur Nasenspitze reichende haselnussbraune Prachtlocke aus dem Gesicht wischte. „Ich nehme das als dienstliche Lüge nicht persönlich.“

Auf ihre Haarpracht war sie stolz, auch wenn sie intensive Pflege verlangte.

„Das kannst du dir ausbezahlen lassen oder als Sonderurlaub nehmen. Aber du musst uns bei diesem Notfall helfen. Ich verlasse mich auf dich.“

Die Leitung knackte. Dokumentierte er das Telefonat? Oder bildete sie sich die Geräusche ein? Wieder Stille. Dilara kämpfte mit sich. Sollte sie den Wünschen ihres Chefs nachgeben und das bisschen, das ihr an Familienleben geblieben war, opfern?

„Ich glaube kein Wort.“

Stille im Äther. Eine Zäsur kündigte sich an. Zuerst räusperte er sich, dann holte er Luft.

„Komm so schnell wie möglich. Es handelt sich um einen äußerst heiklen Fall. Wenn du die Kiste meisterst, brauchst du dir keinen Kopf um deine Karriere zu machen.“

Um was für einen brisanten Fall handelte es sich? Wieso wollte der Leiter der Mordkommission ausgerechnet sie ins Rennen schicken? Es gab höherrangige und erfahrenere Beamte als sie.

„Du weißt, wie ich zum Thema Karriere stehe. Das ist nicht nett von dir.“

Das musste sie sich doch nicht bieten lassen: Als ob ... Kopf machen ... Karriere ... Pfff ...

Das sagten ihr, wie sie schon in Erfahrung gebracht hatte, Neider nach, à la „wenn die überhaupt auf was scharf ist, dann auf ihre Karriere, aber ein Mann hat in ihrem Leben nichts verloren, denn dieser Eisberg würde auch trotz Klimaerwärmung nicht schmelzen.“ Penner, denn sie wusste, wie viel Liebe sie zu geben hatte: für Mr. Right. Sie liebte ihren Beruf, aber Karriere interessierte sie nicht. Weil sie den Job in der Mordkommission so schätzte, wollte sie keine Karriere machen, um Personalplanung betreiben, Beurteilungen schreiben und sich mit dem Haushaltsbudget herumplagen zu müssen, das bekanntermaßen löchriger war als ein Schweizer Käse. Diese Dinge waren ihr ein Gräuel; ganz im Gegensatz dazu, den Mordopfern und ihren Angehörigen zur Gerechtigkeit zu verhelfen, auch wenn diese die Toten nicht lebendig machte. Sie brannte darauf, einem neuen Geheimnis auf die Spur zu kommen, einem Menschen auf den Fersen zu sein, der das schlimmste aller Verbrechen begangen hatte und ihn seiner verdienten Strafe zuzuführen. Außerdem gab es den dicken Schulze und an dem gab es kein Vorbeikommen. Immer wenn sie Schulze sah, dachte sie an Königsberger-Klopse und Soljanka gleichzeitig. Soljanka, weil das vor Bluthochdruck strotzende Gesicht mit feinstem Tomatenrot aufwartete und Königsberger-Klopse, weil der Rest seines Körpers ein Farbenspiel von gräulich bis leicht gelblich aufwies. Wenn er vor Zorn bebte, konnte es sogar sein, dass er die Farbe von Kapern annahm. Also, von wegen Karriere machen. So lange der beleibte „Mecker-Ossi“ ihr vor der Nase rumtanzte, konnte sie alle Beförderungen vergessen, und sie wollte nicht so tief sinken, ihn durch intrigantes Ränkespiel auszubremsen. Ohne viel zu übertreiben, war sie der Meinung, dem Kollegen in etwa so überlegen wie ein Schimpanse einem Cocker-Spaniel zu sein. Es machte ihr nichts aus, beruflich auf der Stelle zu treten, solange man sie nicht wie einen jungen Hund mit der Nase in den eigenen Haufen drückte. Außerdem gab es ja bei der Berliner Polizei einen Beförderungsstau, der dichter war als die Autobahnen im Ruhrpott zu Beginn der Sommerferien in NRW.

„Ich ...“

Ihr Vorgesetzter hatte aber bereits aufgelegt. Konsterniert starrte sie aufs Handy und fragte sich, was sie tun sollte? Alles organisieren, klar. Sie pustete Luft nach oben.

„Alles in Ordnung, Mama?“, hörte sie Vincents Knabenstimme, die in ihr eine zarte Saite zum Schwingen brachte.

Dilara drehte sich um und schlang die Arme um ihren fünfjährigen Sohn, der sich kräftig an sie schmiegte. Die Kinderumarmung und den warmen Körper ihres Sohnes zu spüren, taten ihr gut, brachten ihr Seelenheil für ein paar Sekunden in Ordnung.

„Aber klar doch, mein Liebling“, log sie.

„Prima!“

In ihrer Kindheit hatte sie darunter gelitten, dass ihre Mutter sie mit Problemen belästigte, die nicht für Kinder waren. Wie sollte sie Vincents Betreuung sicherstellen? Der Kindergarten hatte noch zu. Wie konnte sie ihm erklären, dass sie arbeiten gehen musste, obwohl sie ihm einen riesigen Eisbecher und ganz viel gemeinsame Zeit versprochen hatte? Außerdem stand schon seit langem ein Freibadbesuch an.

„Hast du gut geschlafen, mein Prinz?“, fragte sie warmherzig und hoffte, dass das aufgeweckte Kerlchen so früh am Morgen keinen detektivischen Spürsinn an den Tag legte.

„Kriege ich ein dick bestrichenes Nutella-Toast, Mama, mit sooo vieeel Nutella?“, fragte ihr Sprössling und spreizte Daumen und Zeigefinger so weit auseinander wie er konnte – die Menge Nutella hätte gereicht um eine Kohorte verkaterter Russen auf Vordermann zu bringen.

Entweder hatte Vincent nichts mitgekriegt oder er nützte die Situation schamlos aus.

„Klar!“

Erleichtert wollte sie das Nutella-Glas greifen, als ihre Befürchtungen sich bestätigten.

„Wer passt auf mich auf, während du arbeitest?“

Autsch, das tat ihr dann doch weh. Zumal Vincent Tränen in den Augen hatte.

„Ich streiche dir ein dickes Nutella-Brötchen, okay? Dann sieht die Welt ganz anders aus.“

Während sie in die Küche vorging, wartete sie auf eine Antwort. Kinder konnten sehr logisch denken – und grausam sein.

Sie warf sich in Schale, denn sie war der Meinung, weder nur Mutter noch ausschließlich Beamtin, sondern vor allem eine Frau zu sein. Immer wieder fragte sie sich, wie schick sie dienstlich auftreten durfte. Was war angemessen? Was war zu gewagt? Bei welchem Outfit würden die Kollegen hinter ihrem Rücken tuscheln? War’s zu freizügig, dann lästerten sie, dass sie sich um einen Job auf der Kurfürstenstraße bewarb und wenn’s zu züchtig war, dann unterstellten sie ihr Ambitionen auf den Stellvertretenden Polizeipräsidentenposten. Trotz der Kollegenmeinungen entschied sich für das rote Tank Top, das ihr Dekolleté gut zur Geltung brachte und von den Problemzonen ablenkte. Trotz der Wärme beschloss sie dann aber doch, dass das zu gewagt war. Sie wollte ihren Kollegen keine neue Munition liefern à la: „Die ist aber verzweifelt auf der Suche“, „Da juckt es mal wieder kräftig“ oder „Klar, die muss ja irgendwo einen Papa für ihren Sohn herzaubern.“ Gehässigkeiten wie diese gehörten zum Alltag. Sie ertrug das Ganze mit Humor und warf einen leichten schwarzen Blazer über, der schick aussah und ihre Amtsautorität unterstrich. Dazu wählte sie eine eng geschnittene Levis-Stone-Washed-Jeans aus, die ihr Gesäß gut zur Geltung brachte. Schließlich fanden die schwarzen Pumps mit den Lederabsätzen den Weg an ihre Füße, die, wie sie fand, ein klein wenig groß waren.

Wofür der Aufwand? Weil sie jemanden benötigte, um Vincent eine „normale“ Familie zu bieten? Oder wegen was Persönlichem, das sie mit „1.000 Wünschen“ umschrieb? Am liebsten versank sie in ihrer Arbeit, sodass sie keine Zeit hatte, unangenehme Aspekte ihres Lebens zu beleuchten, von denen es so viele gab, dass sich die Problembereiche des Bundesrechnungshofs gering ausnahmen. Klar, vieles drehte sich um einen Mann. Warum hielten die Beziehungen nicht? Interessenten gab es, aber die wollten meistens nur das eine. Dem war sie nicht abgeneigt, aber sie hegte ernsthafte Absichten. Ihre Erfahrung zeigte: Spätestens wenn ihr Sohn, also ihre „Altlast“ ins Spiel kam, wurde es kompliziert. Sie hatte falsche Telefonnummern und leere Versprechungen erhalten – beides in etwa so nützlich wie ein Taschentuch, mit dem man „Waldi“ dem Dackel den Hintern abwischte. Es gab Verehrer, die selbst Kinder hatten. Die turnten sie meistens ab, was nicht an den Kindern lag. Sie hatte nichts gegen Patchwork.

Vielleicht würde ein Bruder oder eine Schwester Vincents Leben bereichern und seiner Entwicklung gut tun – mit Schrecken dachte sie an die beiden letzten „Krisengespräche“, die sie im Kindergarten geführt hatte. Auf dem Zwergen-Schemel sitzend, hatte sie sich von der Kindergärtnerin Tiraden über Vincents sozial schwieriges Verhalten angehört. Als sie erwiderte, dass die Kollegen vom Rauschgiftdezernat Rasta-Locken ebenso für sozial deviantes Verhalten hielten, das mit Straftaten einherging, war die Tante vorsichtig geworden.

Väter mit Kindern hatten ihren Erfahrungswerten nach ihre Haken: Optisch, psychisch, beruflich. Auf das konnte sie verzichten. Sie würde sich nicht für eine Beziehung hergeben, nur damit sie einen Mann an ihrer Seite vorwies. Was blieb? Ernsthafte Interessenten ohne Makel? Die waren in ihrer Altersklasse in etwa so schwer zu finden wie eine reine Seele auf dem Strip in Las Vegas. Noch glücklich verheiratet oder fürs Leben verloren. Die Männer, die sie spannend fand, waren vergeben. Was logisch war. Denn die waren bereits frühzeitig weg vom Markt.

Michael, ihren Chef, fand sie knuffig, auch wenn der Funke nicht übersprang. Das hing mit seinem fehlenden Charme und mangelnden Temperament zusammen. Böse Zungen hatten ihr gegenüber behauptet, das alles resultiere aus einer Haus-Apotheke, um die ihn manche psychiatrische Klinik beneiden würde. Das glaubte sie nicht und gerade die spröde Ausstrahlung ließ sie glauben, dass er in Wahrheit anders tickte – stille Wasser waren schließlich tief. Michael war dem Vernehmen nach glücklich verheiratet und hatte zwei Kinder, die aufs Gymnasium gingen. In funktionierende Beziehungen mischte sie sich grundsätzlich nicht ein, denn das war ihr menschlich zu nieder.

Wenn sie arbeiten ging, konnte sie nie wissen, wem sie begegnete, vielleicht eines Tages ihrem Märchenprinzen. Ihre „Kundschaft“ bestand in erster Linie aus Leichen. Aber vielleicht gab es einen Verdächtigen, der sich als unschuldig herausstellte, und der wie sie auf der Suche nach dem richtigen Partner fürs Leben war. „Bad Boys“ fand sie spannend, denn Männer ohne Ecken und Kanten waren in etwa so interessant wie das Fernsehprogramm in den Sommerferien; zuerst schliefen die Füße ein und dann der ganze Mensch.

Mit Verdächtigen, Zeugen, Kriminellen durfte sie sich aber aus dienstrechtlicher Perspektive nicht einlassen. Streng verboten! Wer erwischt wurde, hatte schneller ein Disziplinarverfahren oder eine schlechte Beurteilung am Hals, als er „Boff“ sagen konnte. Schnell schob sie alle Gedanken beiseite und konzentrierte sich aufs Schminken in dem kleinen Bad, das kaum größer war als das Gäste-WC eines Reihenhauses im Speckgürtel der Bundeshauptstadt – zumindest hatte ihr das einmal eine Männerbekanntschaft mitgeteilt, nachdem er am nächsten Morgen darauf gekommen war, dass sie einen kleinen Sohn hatte.

„Mama, warum hast du so laut geseufzt? Und warum machst du dich so schick? Fürs Freibad?“

Vincent stand in der Badezimmertüre und starrte sie mit offenem Mund und ansehnlichem Schokoladenschnurrbart an.

„Das muss ich für die Arbeit machen. Wenn du später arbeiten gehst, musst du dich auch in Schale werfen.“

Vincent kicherte.

„Aber nicht schminken, oder?“

Sie schüttelte den Kopf.

„Natürlich nicht. Wobei es bei manchen Männern nicht schaden würde. Aber du bist wunderschön.“

Vincent dachte über das Schminken nach.

„Mama, musst du schön sein, wenn du die Verbrecher fängst?“, hakte er zielsicher nach.

Verhörmethoden beherrschte er jetzt schon.

„Wichtiger ist, dass ich sie fange. Dafür muss ich nicht schick sein. Aber ich verbringe viel Zeit im Büro. Und meine Kollegen erwarten, dass ich mich gut kleide. Das tun alle. Und geh jetzt zur Tür. Ich bin in zwei Sekunden bei dir.“

Sie mochte es nicht, wenn er ihr zusah, wie sie die Waffe anlegte. Vincent sah das anders.

„Ich möchte dabei sein, wenn du ...“, bettelte er, wobei er auf und ab wippte. „Bitte, bitte …“

Mit einer Handbewegung schnitt sie ihm jedes weitere Wort ab. Als Reaktion hörte sie ein trotziges „Eins, zwei ...“ Dann ging sie die wenigen Schritte zum Kleiderschrank und entnahm dem obersten Fach Dienstwaffe samt Holster und Handschellen. Um die neuen Pistolen hatte es Kontroversen gegeben. Sie war mit der Sig Sauer P225 nicht unzufrieden und verstand die Aufregung nicht. Gut, sie war nicht die beste auf dem Schießstand. Aber es reichte, um einen Gegner auf nicht allzu weite Distanz auszuschalten.

Als sie die Waffe mit Holster unter ihrem Blazer unsichtbar werden ließ, grinste sie. Es war nicht so, dass sie Waffen mochte. Aber sie gaben ihr ein Gefühl der Sicherheit und halfen, eine respektable Amtsperson zu sein. Kriminalkommissarin Dilara Lehmann. Mit Waffe und Dienstausweis. Und Handschellen, dachte sie, die sie am liebsten bald mal wieder entgegen der Dienstvorschriften ausprobieren würde – am liebsten natürlich mit Mr. Right.

Dilara zog Vincent die knarzenden, mit rotem Stoff bezogenen Holzstufen hinter sich her. Er bockte, quengelte, kriegte eine weinerliche Stimme. Sie musste aber bei ihrem Chef aufschlagen, sonst hieß es wieder, dass sie Beruf und Privatleben nicht unter einen Hut brachte. Der in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts errichtete Altbau verströmte einen heimeligen Charme. Staubflocken tanzten im Flur. Dreck hatte sich tief in den roten Teppich gefressen – so wie er aussah und sich anfühlte konnte dieser jahrzehntealte Schmutz Geschichtsbücher füllen. Sie fühlte sich in dem altehrwürdigen Hinterhofhaus wohl. Durch die hohen Fenster drang fröhlich die Sonne.

„Wann kommst du wieder?“, fragte Vincent. „Bitte bleibe nicht mehr solange weg wie das letzte Mal. Mama, sonst schaffen wir es nie mehr ins Freibad.“

Beim „nie“ zog er die Vokale in die Länge. Sie hätte ihn am liebsten so fest in die Arme geschlossen, dass er keinen weiteren Ton mehr rauskriegte, mit dem er ihr ihre Unzulänglichkeiten als Mutter unter die Nase rieb. Allerdings hasste sie die hohe Stimme, die ihr durch Mark und Bein ging.

„Ich bin bald wieder da “, wiegelte sie ab und streichelte ihm über das dichte, schwarze Haar.

Vincent drehte sich um und starrte sie mit seinen braunen Kinderaugen an, die einen seltsamen, energetischen Glanz verströmten. Kein Wunder, hatte der kleine Kerl doch das halbe Nutella-Glas mit größter Wonne weggeputzt. Es grenzte an ein Wunder, dass sie ihn bei der Zuckermenge nicht festbinden musste.

„Wann? Du hast mir schon so häufig versprochen, bald zurückzukommen und dann musste ich lange, laaange, laaaaange auf dich warten.“

Sie spürte einen Stich im Herzen. Vincent hatte Recht.

„Ich fang den Verbrecher und bin dann wieder bei dir“, beteuerte sie wenig überzeugend.

„Mama, du hast gesagt, dass du heute frei hast. Machen böse Menschen keinen Urlaub?“

So langsam wurde ihr das Gespräch im Treppenhaus unangenehm. Man wusste nie, wer lauschte – und hier, im ehemaligen Osten der Republik, vermutete sie hinter jeder zweiten Türe ehemalige Mitarbeiter der Stasi.

„Wir müssen zu Janika. Dann bin ich umso schneller zurück und wir gehen ein großes Eis essen.“

„Echt jetzt?“

„Klar, du kriegst den Riesenbecher mit Erdbeeren, Vanille, Schokolade und extra viel Sahne.“

Das Angebot schlug Vincent aus.

„Ich möchte den Bananen-Maracuja-Becher, Mama.“

Erstaunlich, wie flüssig er den Namen aussprach.

„Alles klar. Kein Problem. Kriegst du.“

Erst jetzt stieg Vincent zufrieden die Treppen hoch. Als sie bei den Dachgeschosswohnungen angekommen waren, stand Janika im pinkfarbenen Morgenmantel in der alten Holztür, die so dringend eine Politur vertragen hätte, wie ein archäologisches Fundstück der Frühneuzeit. Ihre strähnigen, blonden Haare hatte sie zu einem Dutt zusammengebunden, der durch einen gelb-schwarzen Bleistift zusammengehalten wurde. Trotz Dutt sahen die Haare wie etwas aus, das ordinär als Bumspalme bezeichnet wurde. Das versetzte Dilara einen Stich, vermutete sie doch, dass Janika immer wieder neue Männerbekanntschaften zu gewinnen verstand, wobei sie nie kapierte, was die Kerle an ihr so besonders fanden.

„Da seid ihr ja“, sagte sie und unterdrückte ein Gähnen.

Die Frauen umarmten sich und tauschten Wangenküsse aus. Dilara schnupperte, denn das roch doch nach … Na warte, die alte Haschbeule sollte was erleben, wenn Vincent was zustieß. Sie hatte sich immer wieder gefragt, wieso Janika so großzügig war, ohne materielle Vergütung auf Vincent aufzupassen, und eine von Dilaras Erklärungen war, dass sie irgendwann mal ihr Back-Up benötigte, falls das Rauschgiftdezernat ihr Probleme bereitete. Janika war im Gegensatz zu Dilara fragil und androgyn, wobei Dilara fand, dass die Männer aufpassen mussten, dass sie sich an Janikas spitzen Knochen keine Verletzung zuzogen. Sie war ziemlich blass, hatte eine vornehme Alabasterhaut und recht dünne Lippen.

„Ich muss“, drängte Dilara, während Vincent und Janika sich begrüßten.

Jetzt brannte ihr der neue Auftrag unter den Nägeln.

„Geh nur“, hörte sie Janikas Stimme. „Vincent und ich kommen klar. Wenn es länger dauert, melde dich.“

Dilara nickte.

„Tschüss, Mama.“

Die Abschiedsworte ihres Sohnes lösten Beklemmungen aus. Sie musste los, sonst würde sie weinen. Die Blöße wollte sie sich weder vor Vincent noch vor Janika geben.

„Tschüss mein Großer.“