Der Schimmelreiter von Theodor Storm. - Theodor Storm - E-Book

Der Schimmelreiter von Theodor Storm. E-Book

Theodor Storm

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Beschreibung

Königs Erläuterungen - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart Zeit bei der Vorbereitung! Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download . sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. - Das Stichwortregister ermöglicht dir schnelles Finden wichtiger Textstellen. . und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. . mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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Seitenzahl: 125

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 192

Textanalyse und Interpretation zu

Theodor Storm

DER SCHIMMELREITER

Martin Lowsky

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgaben: Storm, Theodor: Der Schimmelreiter. Husum: Hamburger Lesehefte Verlag, 2010

Über den Autor dieser Erläuterung: Dr. Martin Lowsky, Studium der Romanistik, Mathematik und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Tübingen und Heidelberg, Promotion 1975. Abhandlungen, auch Bücher, zur deutschen und französischen Literatur (Bloch, Fontane, May, Arno Schmidt, Storm, Valéry, Voltaire u. a.) und zur Pädagogik (Erich Fromm). Redaktionstätigkeit für das Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft (Husum) und die Forschungen zu Paul Valéry/Recherches Valéryennes (Universität Kiel). Unterricht an einem Gymnasium in Kiel. In der Reihe Königs Erläuterungen sind von Martin Lowsky zuletzt erschienen: Erläuterungen zu Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Erweiterte Fassung 2011. Erläuterungen zu Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen. Erweiterte Fassung 2011.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

3. Auflage 2015

ISBN 978-3-8044-6946-4

© 2008, 2011 by Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelbild: Mathias Wieman als Hauke im Film Der Schimmelreiter © ullstein bild

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Theodor Storm: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Die politische Entwicklung in Schleswig und Holstein

Der moderne Staat ‚Deutsches Reich’

Die Literaturszene

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

3.3 Aufbau

Die Rahmenstruktur

Chronologie

Schauplatz

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Übersicht

Die Hauptpersonen

Hauke Haien

Elke Volkerts

Die beiden Väter Tede Haien und Tede Volkerts

Jewe Manners und Ole Peters

Trien’ Jans

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

Deich und Deichwesen

Erläuterung einzelner Stellen

3.6 Stil und Sprache

Der Deich und andere Leitmotive

Wiederholungen und Vorausdeutungen

Storms dichterische Sprache

Perspektivenwechsel, Dramatik

Die Kunst der Novelle

Abergläubische und unheimliche Elemente

3.7 Interpretationsansätze

Der Schimmelreiter – ein Entwicklungsroman

Der Schimmelreiter – ein sozialer Roman. Warum scheitert Hauke?

Der Schimmelreiter – ein realistischer Roman

Der Schimmelreiter – ein moderner Roman

4. Rezeptionsgeschichte

Begeisterte Leser. Filme und andere Medien

Der Schimmelreiter und die Literaturwissenschaft

Der Schimmelreiter im 21. Jahrhundert

5. Materialien

Äußerungen Theodor Storms

Alte Sagen: der Schimmel und anderes

Wichtige Deutungen

Deichbau und Mathematik

Storm als Heimatdichter?

Blicke auf andere Schriftsteller

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 ***

Aufgabe 3 ***

Aufgabe 4 **

Literatur

Zitierte Ausgabe

Gesamtausgabe

Briefeditionen

Übergreifende Darstellungen

Speziell zum Schimmelreiter

Illustrierte Ausgaben des Schimmelreiters

Zu den Verfilmungen

Internet

Verfilmungen

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in unserem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, hier eine Übersicht.

Im 2. Kapitel beschreiben wir Theodor Storms Leben und den zeitgeschichtlichen Hintergrund.

Theodor Storm lebte von 1817 bis 1888, die meiste Zeit inHusum an der Nordsee. Er war Jurist. 1853 bis 1864 lebte er im Exil (Berlin, Heiligenstadt).

Husum gehörte zum Herzogtum Schleswig, Herzog war bis 1864 der dänische König. Ab 1867 gehörte Husum zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein und damit, ab 1871, zum neugegründeten Deutschen Reich.

Als Storm den Schimmelreiter schrieb, hatte die literarische Richtung des Realismus ihren Höhepunkt.

Im 3. Kapitel bieten wir eine Textanalyse und -interpretation.

Der Schimmelreiter – Entstehung und Quellen:

Ab 1885 hat Storm am Schimmelreiter gearbeitet und dabei alte Sagen und Bücher über den Deichbau benutzt.

Die Sage Der gespenstige Reiter aus der Gegend von Danzig war die entscheidende Anregung.

Im April und Mai 1888 erscheint Der Schimmelreiter in einer Zeitschrift, im Herbst 1888 kommt er als Buch heraus.

Inhalt:

Die Hauptperson ist Hauke Haien, der ‚Schimmelreiter’, der einen neuen dauerhaften Deich bauen lässt. Er und seine Familie gehen in einer Sturmflut unter.

Das Ganze wird innerhalb einer Rahmenerzählung dargeboten. Der erste Erzähler berichtet von einem Reisenden, dem zweiten Erzähler. Dieser berichtet von einem „Schulmeister“, dem dritten Erzähler, der die Haupthandlung erzählt.

Chronologie und Schauplätze:

Die Haupthandlung spielt zwischen 1732 und 1756 an der Nordsee, 7 km nördlich von Husum.

Personen:

Die Hauptpersonen sind

Hauke Haien:

vielseitig begabt,

ehrgeizig,

ein Rationalist, also ein Verstandesmensch,

Elke, Haukes Frau:

intelligent,

selbstbewusst,

sieht ihren Lebenssinn in der Ehe,

sowie

Haukes Vater,

Elkes Vater,

Ole Peters, der Gegner Hauke Haiens,

Trien’ Jans, eine alleinlebende Frau.

Stil und Sprache Theodor Storms:

Storm arbeitet mit Leitmotiven, z. B. mit dem Leitmotiv ‚Deich’.

Motivwiederholungen und Vorausdeutungen sorgen für den Zusammenhang, die ‚epische Integration’.

Storms Prosa hat lyrische Züge.

Perspektivenwechsel vermitteln Dramatik.

Der Schimmelreiter ist ereignisreich wie ein Roman und doch das Musterbeispiel einer Novelle.

Interpretationsansätze:

Wir behandeln den Schimmelreiter als

einen Entwicklungsroman,

einen sozialen Roman; hier besprechen wir auch die Frage ‚Warum scheitert Hauke Haien?’,

einen realistischen Roman,

einen modernen Roman; hier sehen wir, dass Der Schimmelreiter auch das Erzählen zum Thema macht.

2.Theodor Storm: Leben und Werk

Theodor Storm (1817–1888), ca. 1880 © ullstein bild – Archiv Gerstenberg

2.1Biografie

Jahr

Ort

Ereignis

Alter

1817

Husum (a. d. Nordsee, Herzogtum Schleswig)

14. September: Theodor Storm wird geboren (Vornamen aus­führlich: Hans Theodor Wold­sen). Seine Eltern sind der Jus­tizrat Johann Casimir Storm und seine Frau Lucie, geb. Woldsen. Die Vorfahren waren väterlicherseits Bauern, mütter­licherseits Kaufleute und Bür­ger­meister in Husum. Im Eltern­haus herrscht eine freie und unreligiöse Atmosphäre.

1826

Husum

Storm kommt auf das Gymna­sium.

9

1835

Lübeck

Storm tritt in das Katharineum ein, ein Gymnasium.

18

1836

Altona

Storm verliebt sich in die 10-jäh­rige Bertha von Buchan und schreibt für sie (1837) das Mär­chen Hans Bär.

19

1837

Kiel

April: Beginn des Jura-Studi­ums.

19

1838

Berlin

Fortsetzung des Studiums; Reise mit Freunden nach Dresden.

21

1839

Kiel

Herbst: Fortsetzung des Studi­ums. In den Kieler Jahren Freundschaft mit dem später berühmten Historiker Theodor Mommsen (1817–1903) und sei­nem Bruder. Vorbereitung des Gedichtbandes Liederbuch dreier Freunde (1843; mit 40 Gedichten Storms). Sammeln von Sagen zusammen mit Karl Müllenhoff.

22

1842

Kiel

Juristisches Abschlussexamen.

25

1843

Husum

Februar: Storm eröffnet eine Pra­xis als Rechtsanwalt.

25

1844

Segeberg, Husum

Januar: Verlobung mit Constanze Esmarch (1825–1865), einer Cou­sine.

26

1846

Segeberg, Husum

15. September: Eheschließung mit Constanze. Das Paar wohnt in Husum. In der Ehe geboren werden Hans (1848), Ernst, Karl, Lisbeth, Lucie, Elsabe und Gertrud.

29

1847

Husum

Nebenher stattfindende Lieb­schaft mit Dorothea Jensen (1828–1903).

30

1849

Husum

Storm, deutsch und vor allem demokratisch gesonnen, unter­zeichnet eine Petition, der zu­folge der dänische König nicht mehr Herzog des Herzogtums Schleswig sein soll.

32

1852

Berlin

Die Novelle Immensee kommt als Buch heraus; dies ist Storms Durchbruch.

35

Kiel

Der Band Gedichte erscheint; darin Die Stadt: „Am grauen Strand, am grauen Meer […].“

1853

Potsdam

Beginn von Storms Exil (bis 1864).

Oktober: Storm, der nach der Petition von 1849 nicht mehr im Herzogtum Schleswig arbeiten kann oder will, erwirbt eine Stelle als preußischer Gerichtsassessor. Begegnungen mit der Berliner Literatenszene (Theodor Fontane, Paul Heyse u. a.).

36

1855

Süddeutschland

Herbstreise, auch zu Eduard Mörike in Stuttgart.

38

1856

Heiligenstadt (Thüringen; heute: Heilbad Heiligenstadt)

Juli: Storms neue Stelle in Preußen: Kreisrichter.

In den folgenden Jahren mehrere Novellen, z. B. Veronica, Auf der Universität.

38

1864

Husum

März: Rückkehr in die Heimat, Storm wird Landvogt. (Der dänische König herrscht seit dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 nicht mehr in Schleswig; 1867 wird dieses Herzogtum preußische Provinz.)

46

1865

Husum

20. Mai: Constanze stirbt nach der Geburt des siebten Kindes.

47

Baden-Baden

September: Treffen mit dem russischen Schriftsteller Iwan Turgenjew.

48

1866

Husum

13. Juni: Storm heiratet Doro­thea Jensen, seine Geliebte von 1847. (1868 wird die Tochter Friederike geboren.)

Oktober: Einzug in das Haus Wasser­reihe 31 (heute Museum ‚Storm-Haus’).

48

49

1868

Braunschweig

Der Verlag Westermann eröffnet die Reihe: Theodor Storm: Sämt­liche Schriften, die bis 1889 neunzehn Bände umfassen wird.

51

Husum

Die preußische Administration streicht Storms Landvogt-Stelle. Storm wird Amtsrichter – mit niedrigerem Gehalt. Später Beför­derungen bis zum Amts­gerichtsrat.

In den 70er Jahren erscheinen die Novellen Viola tricolor (1874), Aquis submersus (1876), Carsten Curator (1878).

1872

Salzburg

August: Reise.

54

1876

Würzburg

August: Reise zu seinem labilen Sohn Hans, der mit Mühe sein Medizinstudium bewältigt. (Zwei­te Reise dorthin Februar 1877.)

58

1880

Husum, Hademarschen (zwischen Husum und Hamburg)

Mai: Pensionierung.

Storm bereitet seinen Umzug nach Hademarschen vor (dort ab 1881). Es entstehen u. a. Der Herr Etatsrat (1881), Hans und Heinz Kirch (1882).

62

1883

Hademarschen

Storm ist als Lyriker und Novellist berühmt; er bekommt den ‚Maximilian-Orden für Kunst und Wissenschaft’ des bayerischen Königs.

66

1884

Berlin

Mai: Reise zu den Bekannten der Exil-Zeit. Zur Chronik von Grieshuus erscheint.

66

1885

Hademarschen

Februar: Erste Pläne für den Schimmelreiter.

67

1886

Thüringen

Mai: Reise, auch zum Goethe-Archiv in Weimar und seinem Direktor, Storms Freund Erich Schmidt.

68

1887

Hademarschen

Diagnose auf Magenkrebs. Große Schmerzen.

70

1888

Hademarschen

Storm vollendet den Schimmel­reiter. Tod am 4. Juli.

70

2.2Zeitgeschichtlicher Hintergrund

ZUSAMMENFASSUNG

Husum, Storms Heimatstadt, gehörte zum Herzogtum Schleswig. Herzog war bis 1864 der dänische König.

1867 wird das Gebiet preußisch, Teil der Provinz Schleswig-Holstein. Ab 1871 ist Preußen Teil des neugegründeten Deutschen Reiches.

In den 1880er Jahren, als Storm den Schimmelreiter schrieb, hatte die literarische Richtung des Realismus ihren Höhepunkt.

Die politische Entwicklung in Schleswig und Holstein

1817, als Storm geboren wurde, gab es die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein; Husum lag im Herzogtum Schleswig. In den Jahren um 1886, als Theodor Storm am Schimmelreiter arbeitete, war Schleswig-Holstein eine preußische Provinz und gehörte zum Deutschen Reich. Wie war es zu der neuen Situation gekommen?

Der Herzog von Schleswig und von Holstein war der König von Dänemark. Die beiden Herzogtümer gehörten daher zum ‚Dänischen Gesamtstaat’. So war die Sachlage (mit Unterbrechungen) seit 1460. Im Herzogtum Schleswig hatten zwei Drittel der Bevölkerung Dänisch als Muttersprache, beim Bürgertum aber überwog die Muttersprache Deutsch. Im Zuge der demokratischen und nationalen Bestrebungen im 19. Jahrhundert und nach den Beschlüssen in der Frankfurter Paulskirche vom März 1848 kam es zur ‚Schleswig-Holsteinischen Erhebung’: Im März 1848 gründete sich in Kiel eine deutsch und demokratisch gesonnene ‚Provisorische Regierung’ für Schleswig und Holstein. Sie forderte für diese Herzogtümer eine eigene gemeinsame Verfassung und die Loslösung aus dem dänischen Gesamtstaat. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Schleswig und Holstein einerseits – Preußen kam zu Hilfe – und Dänemark andererseits blieb dennoch alles beim Alten (wie auch die deutsche Revolution von 1848 scheiterte), denn die europäischen Großmächte wünschten keine Änderungen. Die Erhebung ging 1851 zu Ende. Theodor Storm hatte sich zu dieser Erhebung bekannt, 1853 emigrierte er und lebte bis 1864 im Exil in Preußen.

Die Lage spitzte sich zu aufgrund der Bestrebungen der dänischen Krone, das Herzogtum Schleswig weiter zu däni­sieren. (Etwa verfügte sie die Ausbreitung des Dänischen als alleinige Amtssprache.) Als im November 1863 der dänische König Christian IX. Dänemark und Schleswig zusammen­schließen wollte durch eine gemeinsame Verfassung, traten Preußen und Österreich auf den Plan. In diesem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 wurde Dänemark besiegt. Schleswig und Holstein kamen unter preußische und österreichische Verwaltung (Wiener Frieden). Im Jahre 1867 (nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866) annektierte Preußen diese Gebiete. Sie wurden nun die preußische Provinz Schleswig-Holstein.

1871 wurde unter preußischer Führung das Deutsche Reich gegründet; es umfasste auch Schleswig-Holstein. Deutschland reichte damit bis zur Nordgrenze des ehemaligen Herzogtums Schleswig, dem Fluss Königsau (dän. Kongeå), 60 km nördlich von Flensburg. (Die national gesonnenen Dänen hatten sich ein Dänemark bis zur Eider gewünscht, 60 km südlich von Flensburg. Später, aufgrund einer Volksbefragung 1920, fiel Nordschleswig wieder an Dänemark.)

Viele Schleswig-Holsteiner waren enttäuscht, dass ihre Heimat preußisch wurde. Sie hatten ein selbstständiges Schleswig-Holstein erhofft unter dem Herzog Friedrich von Augustenburg. Preußen machte sich weiter unbeliebt in Schleswig-Holstein durch die Einführung der Wehrpflicht, die Justizreformen und die Zuweisung von Privilegien an den Adel. Storm, der Preußen-Gegner und Adel-Hasser, sprach von der „Bismarck’schen Räuberpolitik“[1].

Der moderne Staat ‚Deutsches Reich’

Bei aller Kritik an Preußen ist aber zu sagen: Der Anschluss Schleswig-Holsteins 1867 an Preußen und 1871 an das Deutsche Reich bedeutete eine Modernisierung. In Schleswig-Holstein galt erstmals das allgemeine, freie und allgemeine Wahlrecht (für Männer), und die Region stieg wirtschaftlich auf. 1867 wohnten 70 % der Bevölkerung auf dem Land, 1900 waren es nur noch 47 %. Die Gründerjahre mit ihrem Wirtschaftsboom, bewirkt von den Reparationszahlungen Frankreichs nach 1871, zeigten sich auch im ‚deutschen Randgebiet’ Schleswig-Holstein. Kiel wurde zum sogenannten Reichskriegshafen ausgebaut.

1883 setzte Otto von Bismarck, Reichskanzler (1871–1890) und Ministerpräsident Preußens (1862–1890), die Sozialgesetzgebung durch, die die Krankenversicherung für Arbeiter einführte. Ein Ziel Bismarcks war dabei, die Kampfbereitschaft der Sozialdemokraten zu schwächen. Diese Partei der Sozialdemokraten, die auf Karl Marx zurückgeht, gewann an Einfluss. Ab 1878, formal bis 1890, galt die Partei als illegal aufgrund der ‚Sozialistengesetze’.

Die Gründung des Deutschen Reiches verwirklichte für viele den Wunschtraum der nationalen Identität. Der Wunsch nach einer Demokratie blieb aber unerfüllt, denn das Deutsche Reich wurde trotz der Existenz des Reichstages monarchisch-aristokratisch regiert.

Die Literaturszene

Die ersten Jahre des Deutschen Reiches waren eine Blütezeit des Buchhandels. Durch den Fortschritt der Drucktechniken stieg die Zahl der veröffentlichten Bücher. Im Jahre 1888, als Der Schimmelreiter herauskam, erschienen in Deutschland 17 000 Buchtitel, die Zahl hatte sich seit 1870 fast verdoppelt. Gleichzeitig blühte die Zeitschriften-Kultur auf, die es schon seit etwa 1860 gab. Familienzeitschriften wie Die Gartenlaube und Daheim und Volkskalender boten Lesestoff zur Unterhaltung, aber informierten auch über die Fortschritte in der Industrie und den Naturwissenschaften. Manche Zeitschriften wie die Deutsche Rundschau