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Die packende Erzählung aus dem Jahr 1935 versetzt den Leser mitten in die Wirren des Ersten Weltkriegs. Im September 1914, während des chaotischen Rückzugs von der Marne, erlebt eine kleine Einheit deutscher Pioniere unter extremen Bedingungen den Schrecken des Krieges. Hauptmann Schmidt, ein arroganter und tyrannischer Offizier, sorgt mit seiner rücksichtslosen Art für Konflikte und Tragödien. Ein mysteriöser Schuss und die daraus resultierenden Ereignisse werfen Fragen auf, die weit über das Schlachtfeld hinausgehen. Friedrich Wolf schildert mit eindringlicher Sprache und scharfsinnigem Blick für menschliche Schwächen das Drama einer Gruppe von Soldaten, die zwischen Pflicht und Moral, Gehorsam und Menschlichkeit gefangen sind. Ein zeitloses Werk, das die Abgründe des Krieges und die Komplexität der menschlichen Natur beleuchtet.
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Seitenzahl: 8
Veröffentlichungsjahr: 2024
Friedrich Wolf
Der seltsame Schuss
Eine Geschichte vom September 1914
ISBN 978-3-68912-110-5(E–Book)
Die Erzählung ist etwa 1935 entstanden.
Das Titelbild wurde mit der KI erstellt.
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Eine Geschichte vom September 1914
Es war im September 1914 bei unserm Rückmarsch von der Marne; es war kein Rückmarsch, es war eine Flucht. Unsre 23. Reservedivision pendelte ohne Flankendeckung zwischen der III. und II. Armee, zwischen der Aisne und Reims im Norden und dem großen Truppenübungsplatz Chalons im Südosten. Wir 12. Pioniere hatten die angenehme Aufgabe der Nachhut: die letzten Brücken und Eisenbahnlinien sprengen. Der Nachhut zugeteilt war die zweite Abteilung des 23. Reserve-Feldartillerieregiments mit ihrem Kommandeur, dem Hauptmann Schmidt. Schmidt war ein typischer „Aktiver“. Er verachtete das „Reservegeschmeiß“, spielte – was Marschordnung und Kleiderappell anbetraf – den eisernen Feldsoldaten und hatte stets einen Stab von zehn Ordonnanzen und Köchen zu seiner privaten Bedienung um sich. Selbst auf dem Rückzug, wo nur das notwendigste Gefechtsgerät mitgenommen werden durfte, ragte aus einem Munitionswagen die „Abteilungsharfe“. Die Abteilungsharfe war ein echtes Steiners-Paradiesbett mit Sprungfedern und Nickelbeschlägen, bei der Eroberung der belgischen Stadt Dinant requiriert; ging ein Wind, so klangen die Sprungfedern der Harfe; daher der Name. Als wir in einer furchtbaren Gewitternacht am 6. September 1914, von französischer Kavallerie verfolgt, auf dem Truppenübungsplatz von Chalons ankamen, waren wir alle nach tagelangen Gewaltmärschen ohne Rast und Nahrung so erschöpft, dass wir uns in dem Viadukt eines Bahndamms einfach auf die Erde warfen; wir bildeten das bekannte „Dreieck“ … von drei Mann legte jeder seinen Kopf auf die Stiefel des anderen, während der Gewitterregen in Bächlein unter dem Nacken und den Kniekehlen abfloss. Indessen – Schmidt verlangte kategorisch die Harfe. Eine ganze Stunde wurden die todmüden Ordonnanzen durch die schwarze Regennacht gehetzt, bis man den Gerätewagen fand; dann wurde dies Steiners-Paradiesbett unter dem Viadukt aufgeschlagen, und der Hauptmann legte sich ordnungsgemäß auf den Sprungfedermatratzen zur Ruhe.
